Da bin ich wieder und möchte ein großes Dankeschön an folgende Reviewschreiber loswerden (ein neues Kapitel gibt es selbstverständlich auch):
AmyBlack: o.O Du hast den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen lach Und glaub mir, Draco mag seinen Auftrag auch nicht…
Robot boy: Oh, wow, vielen Dank für dieses großartige Kompliment! Es freut mich wirklich sehr, dass dir die Story so gut gefällt
MyHeartache: Vielen Dank für das Lob ;o) Mhm, die Severus/Lucius Szenen enthalten schon einige wichtige Infos lach Darf ich fragen, warum du sie nur überflogen hast:o)
Und noch mal ein Dankeschön an das Kompliment zu Megan. Ich konnte ja Draco nicht komplett allein dastehen lassen gg
Blub: lach Danke ;o)
Nachtregen: lach Deinen Vergleich zu den Welten fand ich sehr gut und treffend gg Und ja, es wird schlimmer… sehr viel schlimmer (ich kann das auch schlecht leugnen) Vielen Dank für das Lob – fühl dich zurück gedrückt ;o)
ooOoo
Im Krieg und in der Liebe...
Bellatrix trat ohne anzuklopfen und mit geschmeidigen, katzenhaften Schritten in den Raum, lächelte ihre Schwester an, die vor der antiken Spiegelkommode in der Bewegung verharrte.
„Bellatrix…"
Die schlanke Hand, eine reich verzierte, silberne Bürste haltend, sank langsam auf den mit blauem Leinen bedeckten Schoß herab. Eine Frage blitzte in den klaren Augen auf, doch sie sprach das Offensichtliche nicht aus.
„Narzissa, lass mich das für dich machen."
Noch immer verschlagen lächelnd, nahm Bellatrix ihrer Schwester die Bürste ab, strich behutsam mit den Fingerspitzen durch das schimmernde glatte Haar.
„Weißt du noch, wie Mutter uns immer die Haare kämmte?"
Narzissa antwortete nicht. Ausdruckslos betrachtete sie Bellatrix durch den Spiegel; nur ihre Lippen wurden eine Spur schmaler.
„Erinnerst du dich an das, was sie uns sagte?", fragte Bellatrix sanft. Die Bürste glitt beständig durch die langen Strähnen, so mühelos wie durch fließendes Wasser
Etwas wie Nostalgie legte sich über Narzissas Antlitz. Bellatrix nickte ihrem Spiegelbild zu.
„Natürlich erinnerst du dich."
„Und du?" Narzissas Stimme war rau. „Erinnerst du dich auch?"
Sich vorbeugend, eine Wange an Narzissas legend, raunte Bellatrix:
„Ich erinnere mich nicht – ich lebe Mutters Lehren, im Gegensatz zu dir…"
Lange, schmale Finger glitten zärtlich über Bellatrix' Gesicht, fuhren gewissenhaft die scharfen Konturen nach. Narzissas Blick war spöttisch, als sie rezitierte:
„Nutze ihre Schwäche. Mache sie zu Sklaven ihres Verlangens. Zu deinen Sklaven. Lasse sie dennoch glauben, du wärst ihr Besitz. Flüstere ihnen süße Lügen ins Ohr, und benutze sie für deine Zwecke…" Zitternd atmete Narzissa aus. „Sag mir, Bellatrix, bist du Herrin oder Sklavin?"
Die Augen schließend, lehnte Bellatrix sich einen Wimpernschlag lang in die Berührung ihrer Schwester. Einst, als sie noch Kinder waren, hatten sie sich geliebt. Hatten sich Trost und Wärme schenken können. Nun stand Verrat und Misstrauen zwischen ihnen.
„In seinem welken Körper steckt mehr Macht und Wissen, als du dir je erträumen könntest. Und er wird Beides mit mir teilen, Narzissa."
„Glaubst du das wirklich? Selbst wenn, zu welchem Preis? Man sagte mir, dass man deine Schreie bis in die Kerker hören konnte."
Noch immer bebten Bellatrix' Nervenenden in Erinnerung an ihre Strafe. Der Tribut für ihr Versagen, ihren Treuebruch, war hoch gewesen. Nachdenklich betrachtete sie die schwere goldene Gliederkette, die um Narzissas schlanken Hals lag.
„Du bist die Sklavin, Bella. Und du verleugnest dich selbst, wenn du denkst, dass du mehr als nur sein Besitz bist."
„Ich bin mehr als das."
„Der Lord kann nicht lieben."
Bellatrix vergrub ihr Gesicht bitter lachend in der nach Blumen duftenden Haarpracht ihrer Schwester.
„Ich kann es doch auch nicht…"
Sie spürte die Anspannung, die von Narzissa Besitz ergriff, den schlanken Körper beben ließ. Die Finger ihrer Schwester rafften das Oberteil ihres blassblauen Kleides über der milchigweißen Brust zusammen.
„Es gab einmal eine Zeit, in der du es konntest. Du hast damals die falsche Entscheidung getroffen, Bellatrix."
Die Erinnerung durchzog Bellatrix' Körper wie ein Schlag. Ließ alte Wunden grausam aufklaffen, dementsprechend war sie darauf bedacht, ihrer Schwester ebenfalls Schmerz zuzufügen, als sie ihre Finger in deren zarten Schultern grub.
„Rodolphus war der Ältere, der Erbe. Mein erster Schritt zur Macht."
„Du hast dich verkauft."
„Ich habe meine Wahl getroffen."
Bedächtig drückte Bellatrix die Nägel ihrer Finger tiefer in das helle Fleisch, betrachtete befriedigt, wie Narzissa unter der Qual die Augen schloss. Doch sie vermochte das wissende Lächeln nicht zu verdrängen, das Narzissas Lippen verzog.
„Es war nicht das Geld – es war seine Schwäche. Oder glaubst du, dass Rabastan dich dem Dunklen Lord für ein paar Münzen und Mädchen einfach überlassen hätte?"
Narzissas Kopf flog zur Seite, die getroffene Wange gerötet. Bellatrix konnte fast selbst das Blut schmecken, das sich in Narzissas Mund sammeln musste.
„Du konntest die Wahrheit schon immer schwer ertragen", höhnte Narzissa.
„Ich traf meine Wahl!", wiederholte Bellatrix fest. „Und du hast die deinige getroffen, nicht wahr, Narzissa? Du bist zur Verräterin geworden."
Der hämische Blick, den Narzissa ihr durch den Spiegel zuwarf, flackerte leicht.
„Lasse mich teilhaben an deinen Verschwörungstheorien. Ich weiß nämlich nicht, wovon du sprichst."
„Davon, dass dein Mann auffällig viel Zeit mit Severus verbringt."
„Sie sind Freunde."
Das Lachen Bellatrix' klang hohl und falsch:
„Severus Snape hat keine Freunde! Er hat Verbündete." Sie umfing Narzissa mit ihren Armen, als suche sie Trost und Schutz. Der kalte Blick jedoch sagte ganz anderes aus. „Und er hat Feinde. Teile Snape mit, dass ich ihn töten werde, dass ich zusehen werde, wenn er in seinem eigenen Blut ertrinkt!"
„Oh, Bella…" Narzissa senkte lächelnd den Kopf, ihre Hände umfassten Bellatrix' Arme. „Warum sagst du es ihm nicht selbst? Oder hat er dir untersagt in Severus' Nähe zu kommen?"
In Narzissas wissende Augen blickend, verzog Bellatrix die Lippen zu einem Lächeln.
„Er wacht eifersüchtig über mich."
„Über seinen Besitz."
Purer Hohn stand in den blauen Iriden, die Bellatrix immer so fasziniert hatten; jeder Black hatte graue Augen, die im starken Kontrast zum dunklen Haar standen, nur Narzissa bildete eine Ausnahme. Helle Haut und Haar von der Farbe eines Weizenfeldes im Sonnenschein.
Sie hatte sich für Bellatrix immer wie ein reines Licht ausgemacht, in den dunklen Räumlichkeiten des Black-Hauses.
„Dir fehlte schon immer die Weitsicht, Narzissa. Zu verbohrt in deinen romantischen Vorstellungen von Liebe und Familie…" Sie zog spielerisch an der Kette; mit Sicherheit enthielt der Anhänger Bilder ihrer Lieben. „Was wirst du tun, wenn Draco erneut versagt?"
„Das wird er nicht", antwortete Narzissa fest.
„So viel Vertrauen…" Bellatrix trat, sich aufrichtend, einige Schritte zurück. „Soviel Vertrauen in einen dummen Jungen. Vergiss die Botschaft für Snape nicht!"
Die Stimme ihrer Schwester holte sie ein, als Bellatrix auf den dunklen Gang hinaustrat.
„Vielleicht wirst du es sein, die in ihrem eigenen Blut ertrinkt…"
Mit einem dumpfen Geräusch glitt die Tür ins Schloss, verbarg ihre vom Licht geküsste Schwester. Durch Bellatrix' Körper ging ein Ruck. Dann übernahm sie wieder die Kontrolle über sich selbst, als viele verschlungene Korridore sie zu der verzierten Tür führten, hinter der sie ihren Herrn treffen würde.
„Vielleicht werde ich das, liebste Schwester."
Ihre Hände drückten die Klinke hinunter, der Geruch von Kerzenwachs und Kräutern schlug ihr entgegen.
Vielleicht aber auch nicht…
ooOoo
Frustriert seufzend strich Harry sich das wirre Haar aus der verschwitzten Stirn. Es war doch einfach nicht zu fassen. Er hatte es doch schon einmal geschafft, hatte diese verfluchte Ratte getötet – und jetzt verpuffte der grüne Lichtstrahl, ohne je Schaden anzurichten. Harry verstand es nicht.
„Versuch dich daran zu erinnern, was du damals anders gemacht hast, Potter."
Dracos blasierte Stimme machte es auch nicht besser. Im Gegenteil: Wenn Harry ihn schon so auf dem Boden sitzen sah, in flackerndes Laternenlicht gehüllt, an einen der Stützbalken gelehnt, ohne einen Hehl aus seiner Langeweile zu machen, kam ihm die Galle hoch.
„Na ja, du warst nicht da, um mich in den Wahnsinn zu treiben."
„Soll ich gehen?", fragte Draco, verschlagen grinsend. Er kannte die Antwort, ebenso wie Harry.
Abfällig schnaubend wandte Harry sich wieder dem Spiegel zu. Er hatte feststellen müssen, dass es ihm noch immer leicht fiel mit Draco zu streiten, dass es ihm in den letzten Wochen erschreckend leicht gefallen war, Dinge mit Draco zu tun, die ihm bei Ginny nie in den Sinn gekommen wären – ein normales Gespräch zu führen war jedoch nach wie vor fast unmöglich.
„Also, was war anders?"
„Ich weiß es nicht, verdammt!"
Doch Harry wusste, was anders gewesen war. Es war keine heiße Wut in ihm gewesen – nur eiskalte Entschlossenheit. Und Hass. Auf Voldemort, Snape, sich selbst vielleicht. Im Grunde hatte nicht darüber nachgedacht was er tat; er hatte nur sein Ziel vor Augen – den Wunsch dieses Ziel zu töten.
„Dann konzentrier dich besser."
McGonagall hatte beinahe das Gleiche zu ihm gesagt (ausgerechnet sie und Draco berieten ihn so ähnlich, wie ironisch) und feststellen müssen, dass Konzentration momentan nicht Harrys Stärke war.
„Konzentrieren Sie sich, Mr. Potter!"
Unter ihrem strengen Blick gab Harry sich alle Mühe, jeden störenden Gedanken zu verdrängen, sich zu sammeln, um den Zauber auszusprechen. Doch Harrys Konzentration schwand, als Dracos Bild in ihm aufstieg. Erhitzte Wangen, die Lider über den grauen Augen halb geschlossen; rau flüsternd, Harrys Hand dirigierend:
„Fass mich an…"
Minervas Schreibtisch hatte diese Erinnerung nicht überlebt. Sie hatte äußerst verstimmt ausgesehen, als der Staub sich gelegt und die Trümmer enthüllt hatte. Nun weigerte sie sich, Harry einen weiteren explosiven Zauber beizubringen. Zumindest solange er seine Emotionen nicht beherrschen konnte.
Draco streckte sich, und sein aus der Hose rutschendes Hemd enthüllte einen schmalen Streifen weißer glatter Haut. Genug, um Harrys Selbstbeherrschung in die ewigen Jagdgründe zu schicken.
Seinen Zauberstab in der Hosentasche verstauend (Moody würde ihn allein dafür schon wieder Extra-Runden laufen lassen), beschloss Harry, es für heute gut sein zu lassen. Er bezweifelte inzwischen, dass er diesen Fluch jemals lernen und auch anwenden könnte. Zumindest nicht, solange Draco da war, der ihn ablenkte.
„Du gibst auf?" Dracos Augenbrauen hoben sich unmerklich.
„Für heute, ja."
Sich erschöpft neben Draco auf den Lehmboden niederlassend, rieb Harry sich über die pochende Stirn. Es war einfach lächerlich, wie sehr der andere Junge ihn verwirren konnte. Ebenso lächerlich, (nein, armselig) war dieses nervöse Ziehen in seinem Bauch, wenn er zappelig darauf wartete, dass Draco morgens den Speisesaal betrat. Wenn er rastlos in der Scheune herumlief, ehe die aufschwingende Tür ihn zur Ruhe kommen ließ, ehe Dracos bloße Anwesenheit das Chaos in ihm zum Verstummen brachte.
„Ich glaube, das Schlammblut ahnt etwas. Sie sieht mich manchmal so seltsam an…"
Was auch immer Draco hatte hinzufügen wollen, er wurde durch Harrys Faust unterbrochen, die hart auf dessen Rippen traf.
„Nenn sie nicht so!"
Draco zu Boden ringend, setzte Harry sich auf die schmalen Hüften, und betrachtete zufrieden das schmerzerfüllte Gesicht. Draco keuchte, noch atemlos von Harrys überraschendem Schlag, dennoch grinste er ihn höhnisch an.
„Warum sollte ich sie anders nennen? Etwa dir zuliebe?"
Der Spott versetzte Harry einen Stich, und er biss sich auf die Lippen, um nicht einfach Ja zu sagen.
„Vergiss es, Potter. Du hast doch wohl nicht wirklich geglaubt, dass ich plötzlich nett zu deinen minderwertigen Freunden bin, nur weil wir…"
Harry beugte sich vor; betrachtete lauernd Dracos blasse Züge, die sich verspannten.
Noch immer herrschte eine gewisse Rivalität zwischen ihnen. Wer würde den nächsten Schritt machen? Die Messlatte höher setzten? Wer würde als erster aussprechen, was sie heimlich im Dunkeln taten? Wer von ihnen würde die verhängnisvollen Worte aussprechen, und somit die Schwäche offenbaren, die sie füreinander hegten?
„Nur weil wir was?", fragte Harry, hoffend dass Draco derjenige wäre, welcher diese Schwäche als Erster zeigen würde.
Dracos Lippen waren trocken; nur zu gern hätte Harry darüber geleckt. Er schien besessen zu sein vom Geschmack Dracos, konnte nie genug bekommen und bebte vor Verlangen dieser Sucht jetzt nachzugeben.
„Weil wir das tun."
Resigniert schloss Harry die Augen, als warme Finger über seinen Bauch unter den Bund seiner Hose glitten. Regungslos verharrte er, wohl wissend, dass diese Haltung unbequem für Draco war. Auf seine zitternden Arme gestützt, senkte Harry seinen Kopf, die Lippen zusammengepresst, um Draco nicht die Genugtuung zu gönnen, ihm ein Stöhnen abzuringen.
Ein aussichtsloser Kampf. Harry wusste das. Und Draco ebenfalls.
Die Finger griffen fester zu, das Handgelenk drehte sich; Dracos Atem streifte warm Harrys Hals. Eine flinke Zunge glitt über sein Ohr. Und er ergab sich, holte zischend Luft, stieß in diese bedrängende Hand; ließ zu, dass Draco ihn abwarf, die Positionen tauschte.
„Netter Versuch, Potter. Nett, aber erbärmlich."
Nicht willens zu antworten, erwiderte Harry den triumphierenden Blick Dracos. Riss in fliegender Ungeduld dessen Hose bis zu den Knien herunter, noch in der Bewegung zwischen Dracos Beine greifend. Spöttisch schnaubend, als er ein Keuchen hörte, sah wie sich weiße Zähne in Dracos Unterlippe gruben.
„Als ob du weniger erbärmlich wärst!"
Es war so erschreckend einfach, Draco zu berühren, sich von ihm berühren zu lassen. So verdammt leicht, alles andere zu vergessen. Die fahrigen Bewegungen ihrer Hände, flüchtige feuchte Küsse, ihre Namen, atemlos wispernd ausgestoßen, das war nicht mehr, als ein weiterer Machtkampf – und sie verloren ihn beide.
Später, als sie wieder zur Ruhe kamen, die zitternden schweißüberströmten Körper aneinandergepresst, dachte Harry über das nach, was Draco gerade eben, vor ihrem Streit, vor dieser Sache erwähnt hatte. Träge ließ er seine Finger durch Dracos Haare gleiten, nach wie vor fasziniert über die kühle Seidigkeit.
„Glaubst du wirklich, dass Hermine etwas bemerkt haben könnte?"
Das Gesicht in Harrys Halsbeuge vergraben, hob Draco nur gelangweilt die Schultern.
„Vielleicht solltest du dem Wiesel mal sagen, dass er sie besser ablenken soll."
Harry widerstand dem Impuls, kurz und schmerzhaft an den Strähnen zu ziehen, die er sich um die Finger wickelte. Er konnte Draco grinsen spüren.
„Was denn, Potter? Kein Versuch die Ehre deiner Freunde zu verteidigen?"
Nun verkrampften sich Harrys Hände doch, zwangen Draco seinen Kopf zu heben. Er brachte sein Gesicht nahe Dracos, bis sich ihre Lippen fast berührten.
„Übertreib es nicht, Malfoy."
Harry abwägend betrachtend, schwieg Draco für einen Moment, ehe er ihm – diesmal – den Sieg überließ und das Thema wechselte.
„Ich habe gehört, du hast morgen Geburtstag."
Zu der Überraschung, dass Draco tatsächlich nachgegeben hatte gesellte sich leichter Ärger, über diese beiläufige Feststellung – jeder wusste, dass Harry Geburtstag hatte. Nur Draco tat so, als wäre es ihm erst jetzt erst eingefallen.
„Und? Willst du mir Blumen schenken?", fragte Harry halb spöttisch, halb ernst. Er wusste nicht genau wie er reagieren würde, wenn Draco ihm tatsächlich Blumen schenken würde.
Vor Scham sterben wahrscheinlich.
Draco sah ihn an, als hätte er eben vorgeschlagen, demnächst ihre Verlobung bekannt zu geben.
„Sei nicht albern, Potter."
Ein wenig zu schnell, als dass es keine Absicht sein konnte, erhob sich Draco, seine zerknautschte Hose missmutig hochziehend. Harry sah an sich herab und schämte sich plötzlich; er hatte der betörenden Berührung nicht einmal solange widerstehen können, bis Draco ihn seiner Kleidung hatte entledigen können. Die Nachtluft verwandelte die Feuchtigkeit auf seinem Bauch in eine widerlich klebrig-kalte Masse. Übellaunig stand er ebenfalls auf.
„Wann hast du eigentlich Geburtstag?", verlangte Harry zu wissen, indem er sich langsam das Hemd zuknöpfte. Er hasste diese Augenblicke, die ihrer Trennung vorausgingen. So seltsam distanziert. Er wollte nicht, dass Draco ging, wollte nicht allein zurückbleiben und hätte sich lieber die Zunge herausgeschnitten, als diese Worte zu sagen.
Draco warf ihm über die Schulter einen undeutbaren Blick zu, ehe er auf die Tür zusteuerte. Zaudernd, als wartete er auf etwas. Doch vielleicht bildete Harry es sich auch nur ein.
„Im Juni."
Im Begriff seinen Zauberstab aufzuheben, der ihm aus der Hosentasche gerutscht war, erstarrte Harry.
„Im… das war letzen Monat!", rief er anklagend. Beißend schlechtes Gewissen breitete sich in ihm aus; er kannte das Gefühl nur zu gut, wenn der eigene Geburtstag übergangen wurde.
Mit einem gleichgültigen Schulterzucken kehrte Draco Harry endgültig den Rücken zu, doch seine Stimme triefte vor Hohn:
„Und? Was wäre gewesen, wenn du es gewusst hättest? Hätte ich dann Blumen von dir bekommen?"
Das Scheunentor fiel zu, ließ Harry allein mit flackerndem Licht zurück, und er brauchte keine Uhr um zu wissen, dass genau in diesem Moment unzählige Glocken Mitternacht schlugen. Er war sich ebenso sicher, dass Draco sehr wohl gewusst hatte, wie spät es war, und er ausgerechnet diesen Zeitpunkt für den Abschied mit voller Absicht geplant hatte. Er traute Draco sogar zu, dass dieser jedes Wort, selbst den Streit geplant hatte, nur um ihn, Harry, genau jetzt allein zu lassen.
Harrys Hände ballten sich zu bebenden Fäusten.
„Bastard."
ooOoo
Die schlechte Laune sowie dieser winzige, böse, scharfzähnige Schmerz nagten auch am nächsten Morgen noch an Harry, als er, müde und zerschlagen von einer weiteren schlaflosen Nacht, die endlos scheinenden Glückwünsche entgegennahm.
In seinem Kopf pochte es, er konnte sich nicht entsinnen, wie oft er aus dem Schlaf geschreckt war; geglaubt hatte, Draco über sich aufragen zu sehen, sehnsüchtig die Arme ausgestreckt hatte, nur um festzustellen, dass er allein war.
Seinen Arm in Sicherheit bringend, den eine ältere Hexe enthusiastisch schüttelte, setzte er sich neben Ron und Hermine, die ihn beide mit warmem Lächeln begrüßten.
Die vorherigen Streitigkeiten schienen vergessen, als sie ihm gratulierten – zumal Harry in den letzten zwei Wochen wesentlich entspannter gewesen war. Auch wenn Draco ihn teilweise in den Wahnsinn trieb.
Während Harry versuchte, einen Blick auf Draco zu erhaschen (unauffällig natürlich) ließ Ron sich über die Feier aus, die der Orden für Harry plante.
„Du solltest bei den Getränken lieber vorsichtig sein. Fred und George sind dafür zuständig –weiß der Teufel, wie sie Mom dazu überreden konnten."
Hochgezogene helle Brauen über spöttisch funkelnden Augen überzeugten Harry, schnell in eine andere Richtung zu schauen – diskret war sein Blick wahrlich nicht gewesen. Er konzentrierte sich wieder auf seine Freunde. Obwohl er sich darüber freute, dass sein Geburtstag gefeiert werden würde (der erste, immerhin), war ihm der Aufwand doch in gewisser Weise unangenehm.
„Macht nicht gleich einen Nationalfeiertag draus", murmelte er undeutlich. „Andere Leute haben schließlich auch Geburtstag…"
… und lassen mich büßen, weil sie übergangen wurden.
Hermines Hände legten sich sanft auf seine Wangen, zwangen ihn sie anzusehen – und seine Laune hob sich beträchtlich, als er aus den Augenwinkeln beobachtete, wie Draco wütend die Stirn krauste.
„Glaubst du nicht auch, du hättest es verdient?", fragte sie ihn lächelnd.
Harry konnte der Versuchung nicht widerstehen, sie zu umarmen. Heißes gleißendes Licht vertrieb jene Kälte, die seit letzter Nacht in seiner Brust geherrscht hatte, als Draco aufgebracht die Fäuste ballte.
„Vielleicht hast du Recht", entgegnete Harry fröhlich. Rons fragender Blick brachte ihn dazu, Hermine wieder loszulassen – auch wenn er diesen Augenblick gern ausgekostet hätte, um Draco weiter zu reizen.
Doch er musste feststellen, dass in Draco derlei Spielen wesentlich geübter war als er selbst.
Morag gratulierte ihm schüchtern. Dann, anscheinend angespornt durch sein Lächeln, umarmte sie ihn, ein wenig zu lang, zu herzlich, und purer Zynismus verzog Dracos Lippen zu einem boshaften Lächeln. Abfällig den Kopf schüttelnd, bedeutete er Harry, dass er durchschaut war, und wandte sich danach gleichgültig seinem Frühstück zu.
Harrys angeblicher Sieg schmeckte jetzt schal und bitter. Draco hatte mit ihm gespielt und Harry hatte (wie so oft) verloren. Morag weiter anlächelnd, überließ Harry seinem Rivalen zähneknirschend den Triumph.
Diesmal.
ooOoo
Remus sah auf, als es an der Tür klopfte, schon halb auf Nevilles Anblick gefasst, dem er noch immer eine Antwort schuldete, zu der er sich nicht hatte durchringen können.
Sirius fiel, noch immer einen verblüfften Ausdruck auf dem einstmals schönen Gesicht…
Doch es war nicht Neville, der ins Zimmer stürmte. Kräftige Arme schlangen sich um seinen Hals, kurzes Haar kitzelte seine Nase.
Ein sehniger Körper gegen seinen gepresst; stumm nach Erlösung bittend…
„Tonks…", stellte er tonlos fest.
Sie sah ihn aus blitzenden grauen (ausgerechnet grau muss sie heute tragen…) Augen lächelnd an.
„Du hast mich überführt! Was hat mich verraten?"
Gegen seinen Willen musste er ihr offenes Lächeln erwidern. Es könnte so einfach sein, wäre da nicht…
Sirius, der Nacht für Nacht meinen Namen flüstert…
„Hast du etwas herausfinden können?"
Ihr Lächeln verblasste merklich angesichts des neutralen Themas.
„Nein…" Tonks löste sich von Remus, der hoffte, dass sie sein erleichtertes Ausatmen nicht bemerkte. „Du musst mich ja auch schrecklich vermisst haben."
Sie war verletzt, und in Remus tobte das schlechte Gewissen.
Doch es ließ die Qual nie verschwinden, welche mich zerreißt…
„Ich…"
Hilflos nach Worten suchend, die es ihr und ihm erleichtern würden brach Remus ab. Tonks wandte sich von ihm ab und lehnte sich ans Fenster.
Die Arme lässig vor der Brust verschränkt, dieses halbe verwegene Grinsen auf den vollen Lippen…
„Ich hatte mir meine Ankunft hier anders vorgestellt", begann sie leise ohne ihn anzusehen. „Ich dachte, du bräuchtest einfach nur ein wenig Zeit für dich, nach dem… nach dem, was mit Dumbledore passiert ist."
Und dann war Sirius fort…
Remus presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Tonks hatte keine Ahnung…
Es ging nie darum!
„Ich habe mich wohl geirrt. Vielleicht war es auch einfach zuviel, was ich verlangt habe. Erst starb Sirius…"
Remus' Zähne knirschten.
Sag es nicht! Sag seinen Namen nicht!
„Sirius, dein bester Freund, der letzte deiner Freunde…"
Remus sprang auf; der Stuhl krachte laut hinter ihm zu Boden.
„Er war mehr als das!"
Erschrockenes Keuchen, als sie zu ihm herumwirbelte… zurückwich…
Die Hände auf den Schreibtisch gestützt senkte Remus seinen Kopf, versuchte seine Wut unter Kontrolle zu bringen. In seinem Kopf hallten Alastors Worte wie ein dumpfes Echo:
Du verletzt sie sehr mit deinem Verhalten, Remus…
Der Schmerz verdichtete sich in seiner Brust, er wusste, dass es jetzt kein Zurück mehr gab.
Sie versteht die Welt nicht mehr, Remus. Das hat Tonks nicht verdient…
Er hätte ihr von Anfang an die Wahrheit sagen müssen.
„Remus?"
Aus den Augenwinkeln konnte er sehen, dass sie zaudernd auf ihn zuging – wie auf ein verschrecktes bissiges Tier.
„Sirius war mehr als ein Freund… viel mehr…"
Erst jetzt sah er sie an, beobachtete die aufkeimende Erkenntnis, die ihren Blick flackern ließ. Doch noch konnte sie es nicht glauben, wollte es vielleicht auch nicht wahrhaben.
„Du und… Sirius…?"
Wild schüttelte sie den Kopf, als wollte sie Remus zwingen, es richtig zu stellen… als könne er die Worte wieder zurücknehmen.
„Du und Sirius… ihr wart…mehr…?"
„Ich habe dir gesagt, dass du etwas Besseres verdient hast. Dass du jemanden verdient hast, der nicht arm, alt und…"
„Sag es nicht!", verlangte Tonks hart.
Remus verzog bitter lächelnd die Lippen, während die unausgesprochenen Worte bedrohlich dunkel zwischen ihnen standen.
„Wie du willst. Aber es ändert nichts an den Tatsachen."
Tief Luft holend, versuchte Tonks sich zu beruhigen, dennoch überschlug sich ihre Stimme in schriller Hysterie.
„Warum erst jetzt? Warum sagst du mir das erst jetzt?"
„Weil ich vorher nicht den Mut dazu hatte."
Sie schnappte nach Luft, als wäre ihre Kehle zu eng.
„Du machst es dir gerade verdammt einfach, Remus!"
Er zuckte bei dieser Anklage wie unter einem Schlag zusammen. Doch Remus widersprach nicht, obwohl Tonks Unrecht hatte. Einfach wäre es gewesen, wenn er ihr nicht die Wahrheit gesagt hätte.
„Sag was, verflucht!", begehrte Tonk mit brechender Stimme auf. In ihren Augen lag blanke Pein.
Remus schwieg und Tonks' Schultern sackten geschlagen herab.
„Ich…"
Sie brach ab und Remus wusste, dass ohnmächtige Hilflosigkeit ihre Zunge lähmte, als sie langsam, rückwärts, von ihm fortschritt. Zaudernd verharrte, auf ein einlenkendes Wort von ihm wartend.
Remus…halte mich… heiser und dunkel an seinem Ohr. Es schien eine Ewigkeit her zu sein.
Ein letztes zittriges Einatmen, bevor sie den Raum verließ, Remus in dumpfer Stille zurücklassend.
Für immer, wenn du mich lässt…
Seine Entscheidung war gefallen.
ooOoo
Nach drei Stunden in einer Herde fremder Personen, die nicht davor zurückschreckten ihn an verschwitzte Körper zu drücken, um ihre Glückwünsche zu überbringen, war Harry soweit, sich seine ruhigen einsamen Geburtstage zurückzuwünschen. Selbst wenn er damals allein und vergessen in seinem Schrank gelegen hatte.
Sein Kopf schwirrte von all den Menschen, die sich – sonst im weitläufigen Kloster verteilt – als dichte Masse im Speisesaal versammelt hatten. Schrilles Gelächter ließ ihn das Gesicht verziehen, ehe er sich besann und freundlich lächelnd das Weite suchte.
Er wich Molly aus, deren gerötete Wangen verrieten, dass sie die zusammengebraute Bowle der Zwillinge schon genossen hatte. Rons Rat befolgend, hatte Harry um die bonbonfarbene Flüssigkeit einen großen Bogen gemacht. Hagrid aber anscheinend nicht, wie Harry nach einem kurzen Blick auf den Halbriesen feststellen musste. Er erschrak; hätte seinen Freund beinahe nicht erkannt, wäre die Gestalt nicht so markant gewesen. Geplatzte Äderchen im aufgequollenen Gesicht – umrahmt von fettig-zotteligem Haar – zeugten davon, dass Hagrid nicht nur heute trank.
„Schlimm, nicht wahr?"
Hermine war unbemerkt an ihn herangetreten, sah ebenfalls zu dem gebrochenen Mann, der mit zittrigen Händen ein Glas zum Mund führte.
„Es wurde schlimmer als das Ministerium anfing, Jagd auf den Orden zu machen. Er hat seine letzte Aufgabe verloren, die letzte Ablenkung von… allem…"
Ein Eimer eiskalten Wassers hätte Harry nicht mehr aufrütteln können.
„Das Ministerium jagt den Orden?"
„Ron hat es uns erzählt", erklärte Hermine erstaunt. „Hast du dich nie gefragt, warum Rons Eltern hier bleiben? Warum sie kaum Kontakt zu Charly und Bill haben? Hast du es vergessen?"
„Nein. Ich…"
Harry brach ab – am liebsten wäre er im Erdboden versunken. Er hatte wohl nicht zugehört, oder es hatte ihn nicht interessiert. Zu abgelenkt durch seine Aufgabe (durch Draco) hatte er tatsächlich alles andere vergessen. Er hatte seine Freunde vergessen.
„Du hattest andere Dinge im Kopf, ich weiß", antwortete Hermine lächelnd. Ihre Hand legte sich tröstlich auf seinen Arm. „Wir alle wissen, unter welcher Belastung du stehst – was von dir erwartet wird. Und wir sind für dich da."
Ihre Finger umklammernd, schluckte Harry den würgenden Kloß in seinem Hals herunter.
„Danke."
ooOoo
An eine Wand gelehnt, abseits des fröhlichen Treibens, beobachtete Draco Harrys Spießrutenlauf. Er bemerkte mit Genugtuung das gezwungene Lächeln, den gehetzten Blick, die angespannten Schultern, wenn Harry sich aus den ungewollten Umarmungen wand.
In Harrys Anblick versunken, dachte Draco an eines der wenigen Gespräche die sie ohne Streit geführt hatten.
„Wie ist es, Harry Potter zu sein?"
Überraschung weitete die grünen Augen, als Harry seinen Kopf von Dracos nackter Brust erhob, die Brille schief auf der Nase.
„Wie meinst du das?"
Die Schultern zuckend zwang Draco seine Beine, zwischen denen Harry halb auf ihm lag (wie immer noch angezogen – ihrer beider Selbstbeherrschung ließ wirklich einiges zu wünschen übrig), sich nicht um die schmalen Hüften zu legen.
„So wie ich es gesagt habe. Wie war es, als DER Harry Potter aufzuwachsen?"
„Eng, dunkel und einsam", antwortete Harry; die Stirn krauste sich, die kräftigen Finger griffen nach der Brille, um sie zu richten – Draco bezwang den Wunsch, ihn davon abzuhalten.
„Meine Verwandten…sie sind Muggel… waren nicht sehr nett. Ich war unerwünscht und lernte schnell, dass ich nicht aufzufallen hatte", fuhr Harry nachdenklich fort. Ein Grinsen zog die wunden Lippen nach oben. „Kann ja nicht jeder auf Händen getragen worden sein, so wie du."
„Willst du dich nicht an ihnen rächen? Es ihnen heimzahlen?", fragte Draco Harrys Einwurf über seine angebliche Kindheit ignorierend.
Harrys Augenbrauen zogen sich grüblerisch zusammen. Dracos Hände übten Verrat, als sie sanft durch schwarzes wirres Haar glitten.
„Früher mal, ja. Aber jetzt… sie sind immerhin die einzigen Verwandten, die ich habe – auch wenn ich nicht besonders stolz darauf bin, mir ausgerechnet mit Dudley einige Gene zu teilen."
Grinsend rieb Harry seine Nase an Dracos Brustbein, heiße Schauer auslösend, die sein ganzes Selbst in Flammen aufgehen ließen. Wie von selbst schlossen sich seine Schenkel um Harrys Körper, pressten ihn dicht an seinen.
„Du setzt dich für Muggel ein, obwohl sie dich schlecht behandelt haben?"
Ein Arm schlängelte sich unter Dracos Rücken, drückte ihn nach oben, Harrys gierigen Lippen entgegen.
„Nicht alle sind so wie die Dursleys."
Das Keuchen als Schnauben tarnend, wölbte Draco sich dem warmen Mund entgegen, der zärtliche Küsse auf seinen Hals verteilte.
„Sie sind es nicht wert!"
„Was sind sie nicht wert, Draco?"
Die Brille fiel herab, als sie einander verzweifelt festhielten.
„Dass du dich für sie opferst!"
Dracos hatte nur mühsam und unwillig seine Lippen loseisen können, um seine Ansichten auszurufen, von denen er nicht mehr so überzeugt war.
„Das hatten wir schon – und außerdem habe ich keine Wahl."
Draco hatte nicht antworten können, hatte es gar nicht gewollt. Er hätte Harry Recht geben müssen – die Würfel waren schon lange gefallen.
Als Hermine Granger neben Harry auftauchte wandte Draco seinen Blick ab. Er vermutete, dass er sich am Morgen fast verraten hätte. Dass glühende Eifersucht in seinen Augen zu lesen gewesen war. Granger besaß etwas, was er nicht hatte: Harrys Vertrauen. Freundschaft. Liebe.
Er dagegen… Es war wie ein Kampf. Jede Begegnung ein Abschätzen des Gegners. Ein Ringen mit der eigenen Schwäche, dem eigenen Verlangen – und Draco hatte es satt. Er sehnte sich danach, sich bei Harry komplett fallen lassen zu können. Dennoch würde er nicht den ersten Schritt tun. Er wollte Harry diesen Sieg nicht überlassen. Und so umkreisten sie sich weiter, auf einen Fehler des Anderen lauernd.
Remus Lupin, der sich leise mit Neville unterhielt, erregte seine Aufmerksamkeit. Draco hatte Blaises Worte nicht vergessen:
Longbottom ist nur an einem interessiert: Seiner Rache an Lestrange. Er scharwenzelt ständig in der Nähe von Lupin herum…
Nevilles pausbäckiges Gesicht leuchtete plötzlich erwartungsvoll auf, während Lupin kreuzunglücklich wirkte. Die Brauen gerunzelt, die Lippen weiß und schmal redete er auf Longbottom ein, der eifrig nickte.
Interessant…
Draco ließ seinen Blick wieder über die Menge gleiten, sah Tonks, mit ungewohnt unauffälliger Haarfarbe, die ein wenig zu laut, zu aufgedreht lachte. Weiter zu Granger, die ausgelassen mit Ron tanzte. Dann breitete sich in seiner Brust glühende Lava aus, strömte durch seine Venen, ließ sein Blut kochen.
Harry zog Ginny liebevoll lächelnd in eine Umarmung. Ließ zu, dass sie ihn auf die Wange küsste.
Und Dracos Welt färbte sich grellrot.
ooOoo
„Herzlichen Glückwunsch, Harry."
Ginnys Stimme lenkte ihn von seiner Suche nach Draco ab. Ihre Arme schlangen sich um seinen Hals, und Harrys Herz wurde schwer.
„Ich möchte mich entschuldigen", flüsterte sie dicht an seinem Ohr. „Ich habe mich in den letzten Wochen unmöglich benommen. Und ich will dich wissen lassen: Selbst wenn es nie mehr so wird wie damals, ich möchte dich nicht als Freund verlieren."
Eine tonnenschwere Last fiel von Harrys Brust. Sie flüchtig an sich pressend, ihre Lippen, warm und vertraut auf seiner Wange, schloss er für einen Moment die Augen.
„Das möchte ich auch nicht – du bedeutest mir viel, Ginny."
Sie versteifte sich, und in Harry keimte der Verdacht, das Falsche gesagt zu haben.
„Leider nicht genug", wisperte Ginny, ehe sie sich vollends von ihm löste.
Ihre Augen waren wässrig und sie trank schnell einen Schluck Bowle. Unangenehmes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Dann schüttelte Ginny sich.
„Wie zum Teufel haben Fred und George Mom dazu überreden können, dass sie für die Getränke zuständig sind?"
Harry brach in befreites Gelächter aus.
Mit Ginny ungezwungen plaudernd (anscheinend arbeiteten die Zwillinge an einem Spezialprojekt für McGonagall), ließ Harry seinen Blick suchend über die Menge gleiten. Sein gesamter Körper spannte sich an, als er Draco entdeckte. An eine Wand gelehnt, ihn aus verengten, listigen Augen beobachtend.
Harrys Mund wurde trocken, Ginnys Stimme drang nur noch undeutlich an sein Ohr. Der dunstgeschwängerte Raum schien dunkler zu werden, die Menschen rückten in den Hintergrund. Dracos Blick fesselte ihn – besitzergreifend, fordernd, gierig – automatisch atmete er tiefer, fürchtete keine Luft mehr zu bekommen.
Der Moment, in dem Draco sich umwandte und zur Tür stolzierte – nicht ohne Harry noch ein süffisantes Grinsen zuzuwerfen – war der Moment, in dem elektrische Impulse durch Harrys Nervenbahnen jagten. Der Drang sofort hinauszugehen, wurde beinahe übermächtig.
Er würde dennoch warten. Bis hundert zählen – nein, besser bis zweihundert…
„Sei mir nicht böse, aber ich muss kurz an die frische Luft", unterbrach er Ginny, lächelte entschuldigend und bahnte sich, ihren fragenden Ausruf ignorierend, seinen Weg durch die schwatzende Menge.
Ein dunkler Strudel zerrte an ihm. Seine schmerzenden Lenden und erst recht sein schmerzendes Herz, die Aussicht, dass Draco ihn wieder in seine Nähe lassen könnte, ließen ihn seinen Stolz vergessen, als er der unausgesprochenen Einladung folgte.
Er hatte die Spielchen satt.
Er wollte Malfoy.
Jetzt.
In den Alkoven angekommen verharrte er, die plötzliche Stille genießend, ehe er langsam weiterging. Auf einen Laut horchend, der Draco verraten würde. Er war nicht überrascht, als schlanke, vertraute Finger ihn in einen Seitengang zerrten.
Dracos Körper drängte ihn gegen die Wand, warmer Atem streifte Harrys Hals und er konnte das Grinsen aus Dracos Stimme regelrecht heraushören.
„Du hattest es ja sehr eilig – das hat nicht einmal eine Minute gedauert!"
„Ich bin halt neugierig."
Harry biss sich auf die Lippen, als Dracos Zunge seine Ohrmuschel bearbeitete.
„Natürlich… neugierig… Findest du es nicht auch unhöflich, das Wiesel einfach so stehenzulassen?"
Halb schnaubend, halb stöhnend legte Harry den Kopf zur Seite, damit Dracos Zunge über seinen Hals tiefer gleiten konnte. Er konnte den Triumph hören; ihn spüren, als Dracos Körper sich verlangend an seinen presste.
„Wehe dir, wenn du auch nur ein Wort hierüber verlierst!", flüsterte Draco, an Harrys Schlüsselbein saugend.
„Jetzt tu' nicht so, als hätten wir das noch nie gemacht."
Der spöttische Tonfall ging in einem erschrockenen Japsen unter, als Draco Harrys Hose öffnete und der Stoff leise raschelnd zu Boden glitt. Seine Augen gewöhnten sich an die Dunkelheit, die von wenigen aufgestellten Fackeln erhellt wurde. Harry konnte das helle Schimmern von Dracos Zähnen sehen, als er grinste.
„Abwarten… und versuche um Himmels willen leise zu sein – wenigstens diesmal!", wisperte Draco, ehe er in die Knie ging.
Harry blinzelte ungläubig – sicher, dass sein ewiger Widersacher in dieser demütigen Position vor ihm nur eine Halluzination war. Doch als er realisierte, was Draco vorhatte, riss er ungläubig die Augen auf.
„Verdammt, was…"
„Wonach sieht's denn aus?", unterbrach ihn Draco ironisch, dann glitten seine Lippen an Harrys flachen Bauch tiefer. „Sieh es als… Geburtstagsgeschenk an…"
Er spürte die Hitze, die sich in ihm ausbreitete, halb aus Lust, halb aus Verlegenheit, über den verbotenen, gefährlichen Beigeschmack der Situation. Die Lippen fest zusammengepresst, lehnte er seinen Kopf gegen die Wand und versuchte nicht schon beim Gedanken an das Kommende die Beherrschung zu verlieren.
Definitiv besser als Blumen!
Zu behaupten, Draco zögerte keine Sekunde, wäre eine glatte Lüge gewesen. Seine Finger gruben sich schmerzhaft in das feste Fleisch von Harrys Hüften, bis dieser zögernd die Augen öffnete und an sich herabblickte. Allein der schemenhafte Anblick Dracos – vor ihm kniend, die Wangen feuerrot, ein Kontrast zu der ansonsten blassen Haut – ließ ihn um Fassung kämpfen.
„Du… du musst das nicht machen", presste er heraus, selbst nicht an seine Worte glaubend.
„Ich weiß…"
Dracos Flüstern war heiser, er leckte sich nervös über die Lippen – Harry stöhnte in zittriger Vorfreude – und beugte seinen Nacken.
Die Finger in blondem Haar vergraben wurde Harrys Intellekt von reinster Lust überschwemmt, als Dracos Zunge die freigelegte, sensible Spitze berührte. Zärtlich und scheu. Frust machte sich in Harry breit, darüber, so hingehalten zu werden, doch ein Blick nach unten belehrte ihn eines Besseren: Geschlossene Augen, blonde, lange Wimpern... und diese rosige Zungenspitze, die immer wieder hervorschellte.
Er wurde nicht, wie angenommen, hingehalten – Draco kostete ihn bloß aus. Probierte, wie es schmeckte, wie es sich anfühlte. Offenbar hatte er genauso viel Ahnung wie Harry in diesem Bereich – absolut null.
Jedoch wurde Harrys Selbstbeherrschung auf eine Zerreißprobe gestellt (sogar auf eine größere als sonst in Dracos Gegenwart) als der blonde Junge nun einen Kuss auf einen Hoden hauchte, begleitet von einem unterdrückten Stöhnen. Dann auf den anderen. Harrys Beine fingen an zu zittern, und er kniff die Augen zu.
Der dritte Kuss wurde wieder seinem Penis zuteil, mit geöffneten Lippen, feucht und innig, bevor sie ihn dann ganz umfingen. Seine Beine drohten jetzt endgültig nachzugeben. In warme Enge gesogen, verlor Harry beinahe den Verstand. An Draco geklammert, stieß er hemmungslos zu, fühlte den protestierenden Laut, der Dracos Kehle vibrieren ließ.
„Ent… entschuldige…", brachte Harry atemlos heraus.
Als Antwort drückte Draco Harrys Becken gegen die Wand von sich weg, fixierte die zuckenden Hüften mit hartem Griff. Inzwischen mutiger geworden, glitten die geöffneten Lippen schneller an Harrys Glied entlang. Dracos Zunge beschrieb verschlungene Kreise, brachte Harrys Sein dazu, sich an diesem einen Punkt zu sammeln.
Plötzlich lockerte sich der Griff; Draco ließ Harrys zittrige Stöße in seinen Mund zu. Harry zwang sich die Augen zu öffnen und erstarrte, als er hinunter direkt in die dunkelgrauen Iriden Dracos sah. Verlangend, begierig, verzweifelt schienen sie sich in seine Seele zu brennen.
Die Welle schlug ohne Vorwarnung über Harry zusammen. Gefesselt durch Dracos Blick, biss er sich fest ins Fleisch seines Handballens, den Schrei unterdrückend, der sich Bahn brach. Harrys Beine versagten ihren Dienst, ließen ihn nach vorn einknicken – direkt in Dracos ihn umfangende Arme.
Nach Luft ringend, drückte Harry sich gegen den warmen schlanken Körper, klammerte sich regelrecht daran fest. Er fühlte das leichte Beben, presste seine Lippen in unrettbarem Verlangen auf Dracos. Er wurde ebenso leidenschaftlich zurückgeküsst.
„Harry?"
Eine Stimme, undeutlich an seinem Ohr. Bekannt, vertraut, und in diesem Moment höchst gefährlich.
„Harry, bist du hier?"
Absätze auf unebenen Steinen ließen Harrys Inneres zu Eis erstarren.
Mit schreckensweiten Augen löste er sich von Draco, seine Lippen formten lautlos einen Namen.
Ginny.
Harry spürte wie Dracos Schultern zuckten, sah seine Zähne im Halbdunkeln schimmern, ehe sie sich in die volle Unterlippe gruben.
Draco wurde von stillem Gelächter förmlich geschüttelt. Mistkerl.
„Harry?"
Lauter jetzt. Näher! In kopfloser Panik sah Harry sich nach einem Fluchtweg um. Es gab keinen. Dafür flüsterte Draco ihm gehässig ins Ohr:
„Ich weiß nicht, worauf ich mich mehr freue: Auf ihren Zusammenbruch, oder deine Ausrede!"
Harry hätte ihn in diesem Augenblick am liebsten erwürgt. Obwohl er ihn in dem Augenblick zuvor am liebsten nie mehr losgelassen hätte.
Und Ginny näherte sich ihrem Versteck immer schneller. Kalter, klebriger Schweiß bedeckte Harrys Handflächen, als ihr Schatten flackernd an die Wände geworfen wurde.
Er hätte sich nie darauf einlassen sollen, hätte darauf bestehen sollen zur Scheune zu gehen…
Draco unwillkürlich dichter an sich heranziehend, überlegte Harry fieberhaft, wie er dieser Konfrontation entkommen konnte.
„Sag ihr doch einfach, dass es nicht das ist, wonach es aussieht", höhnte Draco wieder leise.
„Halt verdammt noch mal die Klappe!"
Die Schritte stoppten und Harry wurde eiskalt beim Gedanken daran, dass Ginny ihn gehört hatte.
„Harry?" Unsicher, wehte Ginnys Stimme durch die Alkoven.
„Nein, aber vielleicht nimmst du auch mit mir vorlieb."
Spöttisch, schnarrend.
Ein leiser Schrei erklang. Dann:
„Du hast mich fast zu Tode erschreckt, Zabini!"
Harry wusste nicht, ob er über die Ablenkung Ginnys erleichtert sein sollte, oder ob sich die Situation nicht soeben um einige Grade verschärft hatte.
„Das wollte ich nicht…", antwortete Blaise. Leiser jetzt, fast einschmeichelnd.
„Was wolltest du dann?" Noch immer klang Ginny zu schrill, zu atemlos.
Sich gegen die raue Steinwand drängend, Draco dabei nicht aus seinem Klammergriff entlassend, beobachtete Harry entsetzt wie Ginnys Silhouette vor dem Seitengang erschien, in dem sie am Boden kauerten. Blaise trieb sie vor sich her, als sei er auf der Jagd.
„Ist das nicht offensichtlich?"
Draco schnaubte ein abfälliges „Und ob das offensichtlich ist" gegen Harrys Halsbeuge.
Leises Keuchen, als Harry ihn warnend in die Seite boxte.
Zwischen dem Wunsch schwankend, einer in die Enge gedrängten Ginny zu helfen, und dem Wunsch nicht entdeckt zu werden, verkrampften sich Harry Kiefer.
„Spar dir deine Annäherungsversuche, Zabini!" Ginny gewann ihre Selbstsicherheit zurück, warf kriegerisch den Kopf in den Nacken. „Und jetzt hau ab!"
„Du hast doch Besseres verdient als ihn. Wann hat Potter dich das letzte Mal auch nur angesehen?"
Harrys Unterkiefer klappte kraftlos auf. Wie lange beobachtete Zabini sie schon? Dunkel erinnerte er sich an Zabinis abwertenden Blick, als er Ginny umarmt hatte, damals, als Hogwarts angegriffen worden war.
„Das geht dich ja wohl einen feuchten Dreck an."
Mit einem Schritt stand Blaise vor Ginny, verdeckte ihre Gestalt mit seiner.
„Ich könnte dich vergessen lassen, dass er existiert… wenn du mich nur lässt."
Die Luft schien zu vibrieren, während sie sich ansahen. Die Sekunden tröpfelten zähflüssig dahin, dehnten sich zu Minuten. Dann stieß Ginny Blaise wortlos zur Seite und lief davon.
„Keine Antwort ist auch eine Antwort…"
Blaises Lachen klang hämisch, als er ihr langsam folgte.
Die Alkoven lagen wieder verlassen da, und Harrys Erleichterung war grenzenlos, als er zischend die Luft ausstieß und in Dracos feixendes Gesicht blickte.
„Zabini ist hinter Ginny her?", fragte er verblüfft. „Wusstest du davon?"
Dracos Lächeln vertiefte sich.
„Über schlechten Geschmack lässt sich nicht streiten."
Warmer Atem strich über Harrys Ohr, bescherte ihm Gänsehaut.
„Eifersüchtig?"
Harry zögerte zu antworten. War es Eifersucht gewesen? Oder war es nicht doch eher das Gefühl sie beschützen zu wollen… Wie er Hermine schützen wollte. Es war nicht die Empfindung gewesen, die er verspürt hatte, als Draco mit Blaise aus dem Speisesaal gegangen war. Nicht dieser widerlich heiße Klumpen in seinem Magen…
Abrupt richtete Draco sich auf, die grauen Augen abgewendet löste er sich beinahe hektisch aus Harrys Griff. Der nicht verstand – nicht verstehen wollte – was vor sich ging.
„Was…? Wo willst du hin?"
„In mein Zimmer, was dachtest du denn?", klärte Draco ihn abweisend auf.
Nach Dracos Arm greifend sprang Harry auf, vergaß seine Hose, die noch immer um seine Knöchel lag wie ein Sack. Stolpernd stützte er sich an der Wand ab, Draco ungläubig ansehend.
„Du gehst? Jetzt?"
Ein letzter Blick aus verletzten Augen, ehe Draco sich nickend umwandte und ging.
Kraftlos ließ Harry sich an der Wand herabgleiten, erst jetzt, Dracos Wärme beraubt, die unangenehme Kälte spürend, die von den Steinen ausging. In seinem Kopf breitete sich dumpfe Stille aus.
Stöhnend barg er das Gesicht in den zitternden Händen. Die Adrenalinschübe des heutigen Abends überstiegen seine Kräfte. Draco überstieg seine Kraft, sein Begriffsvermögen. Er konnte doch nicht… so etwas tun und dann einfach verschwinden!
Er entsann sich des gekränkten Ausdruckes in Dracos Augen und hob verblüfft den Kopf.
Eifersüchtig?
Zögern seinerseits… anscheinend einen Augenblick zu lang.
Grinsend richtete Harry sich auf, jene heiße Glut war wieder in seiner Brust erwacht, als ihm klar wurde was Draco dazu bewogen hatte zu gehen.
Seine Kleider mit fliegenden Fingern richtend, beschloss Harry diesem Spiel um verlorene Siege, um Stolz und Schwäche ein Ende zu setzten – auch wenn er damit seinem Ego den Todesstoß versetzen würde…
Er errichte unentdeckt den düsteren Flur, der Dracos Zimmer beherbergte. Noch einmal tief durchatmend schlich Harry auf die Tür zu, drückte die Klinke mit schwitzenden Fingern hinunter.
Draco starrte ihm aus aufgerissenen Augen entgegen. Ungläubig blinzelnd, als müsste er sich davon überzeugen, keinen Sinnestäuschungen erlegen zu sein.
Schluckend setzte er zum Sprechen an, räusperte sich, schluckte noch einmal schwer und fragte:
„Was machst du hier?"
Nachdem er die Tür sorgfältig abgeschlossen hatte, begann Harry sein Hemd aufzuknöpfen. Zischend ausgestoßener Atem ließ ihn ebenso lächeln wie die deutliche Gier, die jetzt in Dracos Augen trat.
„Wonach sieht's denn aus, Draco?"
Tbc…
