Mein besonderer Dank gilt meinen Betalesern, die sich extra beeilt haben, damit dieses Kapitel (trotz meiner Langsamkeit) noch vor dem Erscheinen des siebten Buches online gehen kann Und natürlich folgenden fleißigen Reviewschreibern – ihr seit toll :-

Danke:

AmyBlack: Vielen, vielen Dank für das Lob! Schön, dass dir die James/Severus Szene gefallen hat :D Was Nurai betrifft… da gibt es (natürlich) den ein oder anderen Harken ;o)

Zissy: rotwerd Vielen Dank für dieses Lob :o) g Diese Umstände lassen selbst die freche Megan verstummen

FirstKiss: lach Vielen Dank! Freut mich sehr, dass es dir gefallen hat ;o)

MyHeartache: Es ist toll, dass dir James/Severus trotzdem gefallen hat :D g Heute gibt es mehr Harry und Draco – viel mehr. Und zumindest Ignis mischt ein wenig in der Romantik mit ;o)

Und jetzt wünsche ich allen viel Spaß beim Lesen:

ooOoo

Das taufeuchte Gras dämpfte ihre Schritte, die sie auf die Ruine zu trugen, welche sich schemenhaft im morgendlichen Nebel ausmachte. Auf einer kleinen Anhöhe, nicht weit von Hagrids Hütte (nur noch Schutt und Asche) entfernt, verweilte sie einen Augenblick, sog zittrig die kühle Luft ein, die bald schon der glühenden Hitze des Tages weichen würde. Dieser Ort barg so viele Erinnerungen…

Minerva streifte die dunkle Kapuze ab und beobachtete grimmig, wie die aufgehende Sonne die Landschaft in fahles Licht hüllte. Die uralten Mauern Hogwarts waren zum Teil eingestürzt; erinnerten an ein kaputtes Spielzeugschloss, von einem Kind im Trotz zerstört.

Donner… riesige Schatten… schreiende Menschen… herabfallende Steine… Triumphgeheul… und überall Tod…

Noch einmal tief einatmend, schüttelte Minerva die vergangenen Bilder ab und setzte ihren Weg mit steifen Bewegungen fort. Sie hoffte inständig, dass die Treppe unversehrt war, sodass sie überhaupt ins Schloss gelangen konnte – und dass keine Fallen des Ministeriums dort lauerten, die ihre Anwesenheit verraten würden. Sollte das der Fall sein, musste sie schnell handeln oder alles wäre verloren. Sie lächelte, als sie an Alastors Protest hinsichtlich ihrer Pläne dachte.

„Was soll das heißen, du wirst allein gehen? Was, wenn die Auroren nur darauf warten, dass einer von uns zurückkehrt? Ich werde dich begleiten und dir den Rücken freihalten!"

„Nein. Sollten sie mich wirklich festnehmen, brauche ich dich hier. Du bist der einzige, der den Orden noch zusammenhalten kann." Sie brauchte nicht auszusprechen, dass sie gar nicht den Orden meinte; sie konnte in Moodys intaktem Auge erkennen, dass er es auch so wusste.

Zerbrochene Glasscherben knirschten unter ihren Füßen, als sie über die Trümmer des Eingangsportals kletterte. Die Stille war erdrückend. Selbst die Geister schienen Hogwarts verlassen zu haben. Minerva hatte den Eindruck, in ein staubiges, längst verfallendes Mausoleum einzudringen, als sie einigen Steinen auf dem Boden auswich und auf die Treppe zusteuerte. Die Erleichterung raubte ihr einen Moment lang den Atem.

Noch intakt…

Jede Kerbe des hölzernen Handlaufs war vertraut, jeder Riss flüsterte ihr Vergangenes zu. Und beinahe glaubte sie, das hastige Trappeln der Schüler zu hören, die sich bemühten, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Lachen. Weinen. Die größte Angst: Professor Snape zu verärgern. Krieg und Leid waren so weit fort; konnten nicht bis zu dieser Festung vordringen…

Erstickt flüsterte Minerva das Passwort, welches den Weg in Dumbledores Büro freigab. Die Magie war noch vorhanden, unzerstörbar schützte sie die Räume, die nach Pergament und Tinte rochen. Ein unterschwelliges Zitronenaroma ließ Minerva lächeln. Ihr Blick glitt über die Wände, erfasste die vielen kleinen Gerätschaften auf den Regalen; manche nützlich, manche nur nostalgischer Tand. Minerva ballte die Fäuste, als sie sein Bild sah. Er schien zu schlafen, auch wenn sie glaubte, dass seine Mundwinkel verdächtig zuckten.

Sekundenlang verweilte sie vor Dumbledores Portrait; starrte es einfach nur an, eine Reaktion erhoffend. Nichts. Nicht einmal ein Zwinkern, das Erkennen gezeigt hätte. Ihre Fingerspitzen glitten über die rauölige Oberfläche der Leinwand. Keine samtigen Roben, nur Farbe und die Struktur der Pinselstriche. Mit schmalen Lippen wandte sie sich ab und dem zu, weswegen sie gekommen war.

Die Scheibe der Vitrine ließ sich lautlos zur Seite schieben. Das dämmrige Licht brach sich in der silbernen Klinge und die Rubine am Griff drückten sich in Minervas Handfläche, als sie das Schwert Gryffindors von seinem Platz nahm. In den Anblick dieser außergewöhnlichen Schmiedekunst versunken, schrak sie zusammen, als höhnisches Kichern an ihr Ohr drang.

„So viel Hoffnung, und doch muss ich dich enttäuschen: Dies ist nicht, was du suchst."

Ein kurzer Blick zu ihm bestätigte ihre Vermutung: Dumbledores Abbild hatte sich keinen Zoll bewegt. Minerva wandte sich dem Sprechenden Hut zu. Die Öffnung über der schiefen Krempe hatte sich zu einem Abklatsch eines spöttischen Lächelns verzogen. Minervas Finger umklammerten den Schwertknauf schmerzhaft fest. Sie war so zuversichtlich gewesen.

„Dann ist es… ist es kein Horkrux?"

Die Enttäuschung ließ ihre Lippen so taub werden, dass sie die Worte kaum darüber brachte.

„Nein. Der Dunkle Lord hat es nie in Händen gehalten. Nur ein echter Gryffindor hätte es vermocht."

Etwas von Gryffindor oder Ravenclaw…

„Ihr tappt noch immer im Dunklen, dabei hättet ihr nur auf die Seherin achten müssen – sie hatte das Muster bereits erkannt."

„Du weißt, was wir suchen. Aber weißt du auch, was es ist?"

„Vielleicht", gluckste der Hut. „Benutze deinen Verstand, edle Gryffindor, ich lasse mir nicht in die Karten sehen."

Minerva kannte die Spielchen des Hutes, wusste, dass er Rätsel liebte – dennoch hätte sie ihn am liebsten voller Ungeduld geschüttelt. Sie konnte aus dem Augenwinkel erkennen, wie sich eine Augenbraue Dumbledores kaum merklich hob und straffte entschlossen die Schultern. Sie würde nicht kampflos aufgeben.

„Der Kelch Helga Hufflepuffs", begann sie gezwungen ruhig aufzuzählen. „Der Ring. Das gefälschte Amulett. Das Tagebuch. Die Schlange. Etwas von Ravenclaw und der Dunkle Lord selbst." Minerva kniff zornig die Augen zusammen. „Da gibt es keinen Zusammenhang!"

„Nicht, wenn du einfach wahllos die Horkruxe aufzählst, wo du doch den Gegenstand Rowenas enttarnen willst. Das Tagebuch stammt nicht aus der Gründerära. Ebenso wenig die Schlange und der Dunkle Lord selbst."

Zischend atmete Minerva zwischen zusammengebissenen Zähnen aus, versuchte sich zu konzentrieren.

„Der Kelch."

Ich lasse mir nicht in die Karten sehen…

„Der Ring."

Die Seherin hatte das Muster bereits erkannt.

„Das Amulett."

Weit aufgerissene, unfokussierte Augen hinter dicken Brillengläsern. Sybills Hände bebten nervös, pressten etwas an ihre zitternde Brust. Karten.

„Das Schwert."

Tarotkarten.

Die großen Arkana, bestehend aus Schwert, Münze, Kelch und Stab.

Minerva erstarrte, als die Erkenntnis ihre Knie in eine weiche Masse verwandelte. So verdammt einfach, so simpel. Und sie hatten wie hilflose, dumme Kinder in der Dunkelheit gestanden, die nicht einmal den Lumos kannten. Der Hut summte fröhlich auf seinem Regal, als ginge ihn das alles gar nichts an.

„Stab", wisperte Minerva keuchend. „Es ist Rowenas Zauberstab!"

„Und an wen wendet man sich, wenn man einen Zauberstab braucht?", fragte der Hut sanft.

Bilder der Winkelgasse fluteten Minervas Verstand. Ollivanders Laden; verlassen, doch von den Todessern nicht zerstört, im Gegensatz zu allen anderen Geschäften. Offene, verstaubte, längliche Schachteln, zwar überall verstreut... aber niemals beschädigt, sondern überraschend behutsam durchsucht...

Ein ebenso verstaubtes rotes Samtkissen, auf einem Ehrenplatz im Schaufenster, obwohl darauf nur ein abgenutzter Zauberstab lag, den sicherlich niemand würde kaufen wollen... Immer schon hatte er dagelegen, schon damals, als Minerva in kindlicher Aufregung ihren ersten, neuen, polierten Zauberstab in Empfang nahm, und beim Hinausgehen den Kopf über Ollivanders merkwürdige Verkaufsstrategien den Kopf schüttelte, der so einen unansehnlichen Zauberstab als Aushängeschild seines Ladens benutzte...

Die beste Methode, etwas zu verstecken ist, es gar nicht zu verstecken...

„Nimm es trotzdem mit."

Die Stimme, so unendlich bekannt, so schmerzlich vermisst, riss sie aus ihren Gedanken. Das Schwert entglitt ihren Fingern, schlug mit metallischem Klang auf dem Boden auf. Minerva wagte kaum aufzusehen, beschäftigte sich stattdessen damit, das herunter gefallene Schwert wieder aufzuheben. Glaubte, ihr Herz würde brechen. Dennoch konnte sie nicht widerstehen, den Blick zu heben, in diese wachen, wissenden Augen zu sehen.

„Was ist inzwischen passiert?"

Minervas Kehle brannte, als sie Dumbledore berichtete. Vom gefundenen Becher Hufflepuffs – im Drachenfeuer zerstört. Dass Draco sich wie geplant im Kloster befand. Dass der Dunkle Lord seine ganz eigenen Bedingungen gestellt hatte. Dass Remus völlig ungeplant zu einer Gefahr geworden war. Und dass Harry anscheinend nicht dazu in der Lage war, den erforderlichen Hass aufzubringen, der den tödlichen Worten Macht verleihen konnte.

Sie stockte, als Albus zufrieden lächelte. Für einen winzigen Augenblick fragte sie sich, ob sie wirklich alle Züge dieses Spiels kannte. Oder ob es Geheimnisse gab, die Albus mit niemandem geteilt hatte.

„Harry erlernt den Avada Kedavra also nicht?"

Die Besorgnis in Dumbledores Stimme ließ Scham über ihr Misstrauen in Minerva aufwallen. Wie hatte sie auch nur einen Funken davon verspüren können?

„Wenn wir Dracos Worten Glauben schenken: Nein."

„Und Harry vertraut Draco nicht?"

„Was das betrifft, sind sie sich ausnahmsweise einmal einig", erklärte Minerva bitter. Sie atmete zittrig ein, versuchte ihre Beherrschung nicht zu verlieren, doch dann brach ihre Stimme beinahe, als die bröckelige Maske zerfiel; die blanke Angst enthüllte, die in ihr tobte:

„Albus, was wenn Harry es tatsächlich nicht schafft? Ich kann ihn nicht ohne wirksame Waffe an diesen Ort schicken!" Das Schwert entglitt abermals ihren Fingern, als sie die Handflächen gegen das Portrait presste. „Vielleicht hat Remus Recht und wir müssen einen anderen Weg finden. Ich bin nicht bereit, ihn in diesem Sinne zu opfern. Nicht so. Nicht, wenn er sich nicht gegen ihn verteidigen kann!"

„Aber du besitzt doch eine Waffe." Mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, deutete Albus auf das Schwert.

Minervas Augen weiteten sich, fahrig benetzte sie ihre trockenen Lippen; ihr war plötzlich sehr kalt, als ihr die Bedeutung der Worte bewusst wurde.

„Niemand hat vorherbestimmt, wie Harry den Dunklen Lord besiegen muss, und mit welchem Mittel…"

ooOoo

Harry genoss die Stille, nur durch leises Blättergeraschel und dem trägen Summen der umher fliegenden Insekten unterbrochen. Die Arme hinter dem Kopf verschränkt, lag er im hohen Gras unter einer der Weiden und betrachtete die mannigfaltigen Schattierungen des Sonnenuntergangs. Man konnte es nur Flucht nennen, die ihn aus dem Kloster vertrieben hatte. Hauptsächlich vor Rons Fragen, wo er in den Nächten sei. Fragen, die er stur ignorierte. Und dazu Hermines Blick, voller Vorwurf, aber mit dem stummen Versprechen, ihn nicht zu verraten.

Seufzend schloss Harry die Augen; so fest, bis bunte Lichter hinter seinen Lidern flackerten. Manchmal konnte er das schlechte Gewissen verdrängen. Doch manchmal war der Drang, seinen Freunden alles zu erzählen, beängstigend groß. Er wollte ihnen sagen, dass er kaum noch an Krieg und Horkruxe dachte, dass Voldemort so unwichtig, weit weg schien, wenn Harry sich in Dracos Nähe verlor.

Wenn sie ihre Erinnerungen miteinander tauschten wie Händler; begierig die Geschichte des jeweils anderen zu erfahren und von habgieriger Furcht ergriffen, wenn sie etwas von sich selbst preisgeben mussten. Wenn Draco mit kaum zu überhörender Bewunderung (Liebe) über seine Eltern sprach und dennoch einen schmerzhaften Unterton nicht ganz aus seiner Stimme vertreiben konnte. Wenn Harry unbeteiligt über die Einsamkeit seiner lieblosen Kindheit berichtete und Dracos Hände sich schmerzhaft fest (mitfühlend) an seine klammerten. In diesen Momenten schien die Zeit stillzustehen.

Lächelnd öffnete Harry die Augen, stellte enttäuscht fest, dass es noch zu früh war, in die Scheune zu gehen, und tastete nach dem kleinen Tontopf in seiner Hosentasche.

Gib ihn mir wieder, wenn du glaubst, bereit zu sein.

Wie immer, wenn er sich an Dracos Worte, an jene Nacht erinnerte, spürte Harry, wie sich glühende Hitze in ihm ausbreitete. Er hatte vor Scham und Furcht kein Wort herausgebracht; eine diffuse, kaum greifbare Furcht vor Schmerz. Und die Scham, etwas zu tun, das ihm… beinahe schmutzig vorgekommen war. Sich auszuliefern, sich Draco so voll und ganz zu unterwerfen. Blanke Panik hatte jeden klaren Gedanken fortgewischt, als er Dracos Hände zwischen seinen Beinen gespürt hatte. Doch dann hatte Draco einfach aufgehört – und in Harry hatten Erleichterung und Enttäuschung miteinander gekämpft.

Harry konnte sich eines warmen Gefühls in seiner Brust nicht erwehren: Draco hatte Wort gehalten. Kein Drängen, wenn unschuldige Berührungen zu mehr wurden, wenn flüsternd geführte Gespräche von feuchten Lippen unterbrochen wurden. In diesen Augenblicken verstand Harry, was es Draco gekostet hatte, zu verzichten. In diesen Augenblicken kostete es ihn auch einiges, den Tiegel nicht einfach in Dracos Hände zu legen.

Wenn du glaubst, bereit zu sein.

Seine Finger schlossen sich fest um das Tongefäß. Wie oft hatte er den Tiegel schon betrachtet und sich gefragt, wann er bereit sein würde? Oder ob er es je sein würde?
Nachdenklich sog er seine Unterlippe zwischen die Zähne. Bisher waren Unsicherheit und Furcht größer gewesen als die Lust. Doch er ertappte sich immer öfter bei dem Gedanken daran, wie es wohl tatsächlich wäre, mit Draco zu schlafen…

Neugierde war schon immer Harrys größte Schwäche gewesen. Außerdem frustrierte ihn seine Feigheit. Er wollte nicht länger kneifen, wollte sich diese Schwäche nicht eingestehen. Und er wollte Draco. Ob bereit oder nicht…

ooOoo

Die Scheune war in dämmriges Halbdunkel und Stille getaucht, als Harry sie betrat. Nur sein eigener hastiger Herzschlag hallte in seinen Ohren wider. Der gehetzte Blick Dracos, die in die Unterlippe gegrabenen Zähne, verrieten ihm, dass Draco, wie er selbst, mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hatte. Draco sah ihn an, wischte sich fast schon zornig mit dem Handrücken über die Augen und Harry ging langsam auf ihn zu, berührte sanft die bleichen Wangen. Fast wäre Harry zurückgewichen, ob der Kälte, die von der klammen Haut ausging. Für einen winzigen Moment schwankte er in seinem Entschluss, dachte daran, dass er jetzt mit Draco reden müsste. Dass es vielleicht einfacher wäre, diese Dämonen gemeinsam zu bekämpfen. Dass er ihm auch anders Trost schenken könnte. Doch dann schlangen sich Dracos Arme um Harrys Hals, sein magerer Körper presste sich an Harrys Leib. Und Harry konnte sich nicht von Draco lösen, wollte diesen besitzergreifenden Armen, die ihn festhielten, gar nicht entkommen. Und so ließ er sich einfach von Draco in beruhigende Tiefen ziehen, in denen alles andere unwichtig erschien.

Ihrer beider Atem schien Harry unnatürlich laut, als er sich zögernd vorbeugte und Draco küsste. Doch im Gegensatz zu seinen Wangen waren Dracos Lippen warm. Dem Druck, den Dracos Hände an seinem Nacken ausübten, nachgebend, drängte Harry sich näher an den schmalen Körper heran. Er schmeckte metallisches Salz und leckte sanft über die kleinen Wunden, die Draco sich selbst zugefügt hatte.

Intensiv, beinahe verzweifelt erwiderte Draco den Kuss. Seine Lippen fest auf die Harrys pressend, riss er an dessen Haaren, um ihn noch näher an sich heranzuziehen und Harry folgte bereitwillig dieser Aufforderung. Gierig sog er Dracos Geruch ein, krallte sich verlangend in dessen Hemd fest, konnte nicht genug bekommen von dem bittersalzigen Aroma, das Dracos Lippen auf seiner Zunge hinterließ. Jedweder klare Gedanke verschwand, ging unter im Chaos.

Seine Finger glitten fahrig über Dracos mageren Körper, versuchten ungeschickt die zahllosen Knöpfe des Hemdes zu öffnen, während sie hitzige Küsse austauschten. Harrys Sinne standen in Flammen, als kühle Luft seine Brust berührte, gefolgt von Dracos Zunge, die glühende Pfade in seine Haut brannte.

Nach Luft schnappend warf er den Kopf in den Nacken, als Dracos Zähne sich in das zarte Fleisch seines Halses gruben, unsanft die empfindliche Haut bearbeiteten. Mehr. Harry wollte mehr davon. Mehr Nähe, mehr Schmerz, mehr Lust. Er spürte den kalten Lehmboden an seinem bloßen Rücken, zuckte unwillkürlich zusammen – und dann war da Dracos Körper auf ihm. Warm, schützend, tröstlich.

Abgehackter, keuchender Atem füllte die Stille; Harry spürte wie Draco zwischen seine Beine glitt, warf sich unbändig dieser Wärme entgegen, die ihn von dem Augenblick, in dem er sie das erste Mal verspürte, gefesselt hatte.

Mehr instinktiv als klar denkend, tastete er nach der kleinen Dose, die Draco ihm gegeben hatte. Ohne zu zögern legte er sie in dessen Hand und erst Dracos scharfes Luftholen beförderte ihn in die Realität zurück.

Gib sie mir wieder, wenn du glaubst, bereit zu sein.

Die Unsicherheit war mit einem Schlag wieder da. War er wirklich bereit? Bereit, sich dieser undefinierbaren Angst zu stellen? Der Furcht vor diesem Unbekannten, dem man nicht mit Flüchen und Zaubern beikommen konnte? Zittern bemächtigte sich des Körpers über ihm und plötzlich begriff er. Begriff, dass Draco ebenso unsicher (ängstlich) wie er selbst war.

Angst davor, etwas falsch zu machen.

Mit den Fingerspitzen fuhr Harry sanft über die Gesichtszüge Dracos, über die geschlossenen Lider, bis hin zu den Lippen, die, zwischen die Zähne gezogen, neue Wunden davontrugen.

Angst davor, zurückgewiesen zu werden. Wieder.

Sich aufsetzend, leckte Harry über die empfindliche und zum zerreißen gespannte Haut an Dracos Hals, schlang seine Arme um dessen Rücken, strich mit seinen Händen über die deutlich hervortretenden Konturen der Wirbelsäule, lauschte dem kehligen Stöhnen, mit dem der Slytherin sich diesem Angriff ergab.

Davor, sich auf etwas einzulassen, das man nicht kontrollieren konnte.

Fiebrig heiß pressten sich Dracos Lippen auf seine, schluckten Atem und unartikuliert ausgestoßene Laute.

Sich selbst zu verlieren.

Berauscht von Hitze und Begehren, rissen sie gegenseitig ungeduldig an ihren Kleidern, bis kein Stoff mehr ihre aneinander gepressten, schweißüberströmten Körper trennte.

Harry schloss die Augen, als eingeölte Fingerspitzen zwischen seine Beine glitten. Die Furcht war zweifelsohne da, doch tief in sich spürte er fahrige Ungeduld – und dunkle zähflüssige Lust. Abwartend verharrte Draco, lag bebend in Harrys Armen, das Gesicht in dessen Halsbeuge vergraben, rang er nach Luft. Fast so, als bitte er stumm um Erlaubnis. Unsicher tastete Harry sich vor, bis er Dracos Hand unter seiner spürte, biss die Zähne zusammen und führte sie tiefer. Draco bebte wie im Fieber und Harry flüsterte ihm antreibende Heucheleien ins Ohr, weil er es nicht wie beim letzten Mal enden lassen wollte. Damit er selbst sich nicht in seiner eigenen Unsicherheit und Angst verlor. Damit Draco nicht plötzlich wieder aufhörte.

Sich selbst verleugnend, drängte Harry sich Draco entgegen, küsste seine warmen Lippen, klammerte sich an den seidigen Strähnen fest, die ihn schon einmal vor dem Fall bewahrt hatten. Er spürte einen leichten Druck, nicht schmerzhaft, nur… ungewohnt – und dann schien ein Lichtermeer hinter seinen Lidern zu explodieren. Hitze, köstlich süß und zugleich kaum zu ertragen schoss durch seine Adern, ließ seine Lenden pulsieren und verbrannte Angst und Scham zu Asche. Mit überrascht aufgerissenen Augen keuchte Harry überwältigt Dracos Namen; bäumte sich auf, als Draco ihn umfasste, sanft rieb und ihn gleichzeitig unbeholfen auf das Kommende vorbereitete.

Harrys Herz hämmerte schmerzhaft gegen seine Rippen, als Draco sich aufrichtete. Dracos Atem ging schnell und hart und Harry strich beruhigend über die schweißnasse Brust. Er spürte die Gänsehaut, die sich auf Dracos feuchter Haut ausbreitete, genoss das prickelnde Gefühl unter seinen Fingerspitzen, drückte seinen Oberkörper hoch und saugte gierig an Dracos Hals.

Mit einem erstickten Laut warf Draco seinen Kopf zurück, sich näher an ihn herandrängend, der atmlose Küsse auf dem Nacken des Slytherins verteilte. Er hörte Draco keuchend seinen Namen wispern, schlang seine Arme und Beine um den erregten Körper; versuchte sich zu entspannen, als Draco in ihn eindrang. Doch trotz der umsichtigen Langsamkeit zerbiss Harry sich Lippen und Zunge, um nicht aufzuschreien, als reißende Pein durch seinen Körper schoss.

Nach Luft ringend, bemerkte Harry, dass Draco abwartend in ihm ausharrte, der geschmeidige Körper verweilte auf ihm und zitterte inzwischen vollkommen unkontrolliert. Zart strich er mit den Fingerspitzen über Dracos Arme und Schultern, lauschte dessen gemurmelten Worten, die, unartikuliert zwar, doch einer Entschuldigung glichen. Draco sanft küssend, flüsterte Harry beruhigende Lügen gegen seine geöffneten Lippen, befahl ihm, sich nicht um seinetwillen zurückzuhalten und kam ihm entgegen, als Draco gehorchte.

Der Schmerz verging in der glühenden Hitze, die sich erneut in Harry ausbreitete. Wie Feuer floss die Lust durch seine Adern, sammelte sich in seinen Lenden. Dracos Fingernägel gruben sich schmerzhaft in Harrys Hüften und er schlang wie elektrisiert die Beine um den schlanken Körper, der schwer auf ihm lag. Harrys Penis rieb im zerreißend, gleichmäßigem Rhythmus an Dracos Bauch entlang – und Harry verlangte keuchend nach mehr. Sich an blondes Haar klammernd, unterwarf er sich Dracos Bewegungen, drängte sich ihm entgegen, ließ sich vertrauensselig fallen, auffangen und entlud sich schließlich mit einem leisen Schrei. Als Draco ihm folgte, öffnete er mit sichtlicher Mühe die Augen; nicht einen Augenblick lang ließ dieser Blick Harry los – nicht mehr verschleiert, sondern lodernd wie geschmolzenes Metall.

ooOoo

Minerva wischte sich die feuchten Handflächen an den dunklen Roben ab, während sie sich einredete, dass sie das Richtige tat. Dass sie dieser Konfrontation mit Severus Snape auch später noch entgegentreten könnte. Dass sie das Schwert auch noch später an ihn weitergeben konnte.

Knapp gehaltene Berichte waren eine Sache – ein Treffen mit der Person, die Albus Dumbledore getötet hatte eine ganz andere. Den ganzen Tag schon hatte sie mit sich gehadert, ob sie den ehemaligen Professor schon heute kontaktieren und aufsuchen sollte. Nur um jetzt, nach Anbruch der Nacht, unverrichteter Dinge ins Kloster zurück zu schleichen. Wie eine Diebin. Oder eine Verräterin. Und doch wusste sie, dass sie Severus nicht mehr lange aus dem Weg gehen konnte. Dass diese Begegnung mit ihm unvermeidbar war.

Ihr Verstand sagte ihr, dass es nicht Severus' Schuld war; dass es auf Albus' Wunsch hin geschehen war. Dass es Teil des Planes war, der sie nichts weiter kostete, als Seelenfrieden und Vertrauen. Der Groll in ihrem Herzen sang jedoch eine gänzlich andere Melodie.

War es doch Snape gewesen, der Albus auf die halsbrecherische Idee gebracht hatte, Harry auszuliefern…

Minerva versuchte zu vermeiden, auf Albus' entstellte Hand zu sehen, als sie das Büro betrat. Doch ihr Blick wurde geradezu vom geschwärzten Fleisch angezogen. Albus verbarg seine Finger mit wissendem Lächeln in weiten Robenärmeln und Minerva wandte sich peinlich berührt den wenigen Anwesenden zu.

Alastor Moody polierte summend sein Auge, wirkte gelassen, doch die finsteren Blicke, die er seinem Nachbarn zukommen ließ, straften ihn Lügen. Moody vertraute Snape nicht.

Severus saß mit versteinertem Gesicht neben Remus Lupin, der Minerva anlächelte, obwohl er sich in der unmittelbaren Nähe des neuen Lehrers für Verteidigung gegen die Dunklen Künste sichtlich unwohl fühlte. Minerva erwiderte das warme Lächeln Lupins und sah Albus erwartungsvoll an. Der Vorwand (eine Einladung zum Tee) schien ihr recht grotesk angesichts der unwilligen Gesellschaft. Übelkeit ließ Minervas Magen Kapriolen schlagen, als Dumbledore jäh seine Hand freilegte und nachdenklich betrachtete. Sie hatte die Auswirkungen gesehen und wusste, dass der Fluch sich bereits bis zum Ellbogen ausgebreitet hatte.

„Ich will euch nicht länger etwas vormachen", begann Albus schmerzhaft zielstrebig, „und ich hätte gern bessere Nachrichten, doch es sieht so aus, als wäre meine Zeit gekommen. So oder so."

Albus lächelte Severus an, dessen Lippen schmal und weiß waren und Minervas Herz zog sich mit einem Ruck zusammen.

„Was willst du damit andeuten?", fragte Remus gepresst.

Minervas Hände krampften sich in ihrem Schoß zusammen; sie wollte die Antwort gar nicht hören, die jetzt fast schon heiter gegeben wurde:

„Dass ich sterben werde, Remus."

Verstörtes Schweigen. Minerva blinzelte die aufsteigenden Tränen fort. Sie hatte es geahnt, jedoch nicht wahrhaben wollen.

„Allerdings ist das unser geringstes Problem", fuhr Albus fort, das ungläubige Keuchen aus drei Kehlen ignorierend. „Wie Severus mir berichtete, hat Voldemort Draco Malfoy befohlen, mich zu töten."

Die gesunde, jedoch altersgezeichnete Hand erhob sich autoritär, jede Unterbrechung im Keim erstickend.

„Ich würde es nur ungern zulassen, dass der Junge in seinem Alter zum Mörder wird. Doch eine Aneinanderreihung von mehr oder weniger glücklichen Zufällen ließ Severus einen unbrechbaren Schwur ablegen, dass er Draco vor allem beschützen wird – dies schließt dann wohl auch Voldemorts Zorn ein, sollte Draco nicht fähig sein, den... Auftrag auszuführen."

Minervas Lungen weigerten sich plötzlich genügend Luft einzuatmen; ihr Mund wurde trocken, als sie Severus ansah, der noch immer wie erstarrt wirkte. Nur seine Augen sprühten vor Emotionen, während er sich mit Albus ein stummes Duell lieferte. Mit dem Mann, der ihm gerade befohlen hatte, ihn zu töten – um Severus' (unwichtig für diesen, davon war Minerva überzeugt) und Dracos (viel zu junges) Leben zu retten. Remus sprang auf, doch Minerva verstand die Worte kaum, die er mit kantigen Gesten unterstrich. Moody sah unruhig zwischen den Anwesenden hin und her und schüttelte betrübt den Kopf.

Ich weiß, dass mein in jedem Fall unvermeidliches Ableben einige Unbequemlichkeiten nach sich ziehen wird, doch das war es nicht, weshalb ich euch zusammengerufen habe."

Minervas Verstand schien durch dichten Nebel blockiert, während Albus Remus freundlich bat, sich wieder zu setzen, bevor er fortfuhr:

„Voldemort wartet nur darauf, dass Harry sich ihm stellt und wie ihr wisst, gibt es anscheinend keine Alternative, die genau dies verhindern könnte. Und Harry ist nicht in der Lage, Okklumentik zu erlernen."

Die unausgesprochene Frage spiegelte sich auf drei Gesichtern wieder. Moody runzelte verwirrt die Stirn und stellte sie:

„Welche Relevanz hat Okklumentik?"

Die sonst so lebendigen Augen Albus Dumbledores nahmen einen dunkleren Ton an.

„Es ist leider eine Tatsache, dass Harry seine Emotionen… nicht wirklich für sich behalten kann. Manchmal scheint er fast wie ein offenes Buch. Und was ist bei einem Kampf mit einem solch begabten Legilimentor wie Voldemort hinderlicher?"

„Worauf willst du hinaus?", fragte Minerva heiser. Sie fürchtete sich irrationalerweise vor der Antwort. Nur Sekunden später kannte sie den Grund dieser Furcht.

„Severus unterbreitete mir einen Vorschlag, der beinhaltet, dass Harry Voldemort entgegentritt, ohne zu wissen, dass er kämpfen soll. Und Voldemort wird glauben, dass er durch sein ureigenes Intrigenspiel Harry in seine Gewalt bringt."

Atemlose Stille folgte den Worten. Eine Stille, die gebrochen wurde, als Remus' Stuhl krachend zu Boden ging.

„Nein!"

Minerva, betäubt in ihrer Fassungslosigkeit, hörte bedrohliches Knurren, als Remus Severus an dessen Roben hochriss.

„Ich weiß, dass du James gehasst hast, aber lass Harry da raus!"

Wenn möglich, wurden Severus' Lippen noch schmaler. Kalte Wut sprach aus den zusammengekniffenen Augen.

„Das hat nichts mit Potter zu tun. Es ist ein notwendiger Schachzug, wenn wir…"

„Verdammt, Snape – es ist nicht notwendig, Harry zu opfern! Nichts kann das rechtfertigen."

„Auch nicht der Sieg?", fragte Severus seidig und Remus' Hände krampften sich zusammen, schnürten Snape die Luft ab.

„Remus, ich würde dich wirklich ungern schocken müssen", mischte Albus sich gelassen ein und erlöste mit diesen wenigen Worten Minerva aus ihrer Starre. Erst jetzt wurde ihr mit voller Wucht klar, was sie tun wollten – was sie tun sollten!

„Albus, du kannst doch nicht wirklich darüber nachgedacht haben", rief sie aufspringend aus. „Wir tun ihm damit Schreckliches an."

„Das Schlimmste. Doch haben wir eine Wahl?"

Die Bestürzung ließ Minervas Beine nachgeben. In Albus' Augen konnte sie den Zwiespalt, die Schuld erkennen – aber auch die Resignation.

„Es muss einen anderen Weg geben! Ich bin nicht damit einverstanden!" Remus ließ Severus los, der nach Luft schnappte, und sah die restlichen Ordensmitglieder herausfordernd an.

„Wenn du einen besseren Vorschlag hast, dann sag es", forderte Albus freundlich auf und Remus Schultern sackten herab.

„Wir verraten ihn, verdammt!"

„Dessen bin ich mir bewusst."

„Aber…" Minervas Brust war wie zugeschnürt, als sie die verzweifelte Angst erkannte, die Remus' Trotz zu verdecken suchte.

„Ich sehe nur diese eine Möglichkeit", erklärte Albus leise und Remus' Widerstand schien zu bröckeln.

„Ich bin mir sicher, dass er es übersteht", fuhr Albus fort.

Remus schüttelte aufgebracht den Kopf. Seine ganze Gestalt drückte die Abscheu aus, welche Minerva ebenfalls empfand. Und dennoch…

„Er wird daran zugrunde gehen!"

„Wir alle müssen Opfer bringen." Severus' belegte Stimme ließ Remus erneut herumwirbeln. Drohend baute er sich vor Snape auf. Minerva sah, wie Albus' Finger beiläufig nach seinem Zauberstab griffen.

„Und das sagst ausgerechnet du?"

„Tu nicht so, als wüsstest du irgendetwas über mich!"

Der Hass schien fast greifbar. Wie erhitzte Wellen ging er von den Männern aus. So viele Jahre unterdrückt, schien er jetzt regelrecht explodieren zu wollen. Den Atem anhaltend, bezwang Minerva den Drang, zwischen sie zu treten. Sie konnte förmlich spüren, wie der Orden auseinanderbrach.

„Ich würde gern hören, was Alastor zu sagen hat", unterbrach Albus die spannungsgeladene Stille.

Minervas sah, wie sich Remus' Blick beinahe flehentlich auf Alastor richtete, der bis jetzt noch kein Wort gesagt hatte. Der ehemalige Auror rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl herum und rieb sich mit den Fingerspitzen über die gefurchte Stirn.

„Ich würde Harry nur ungern ausliefern…" – In Remus' Augen glomm Hoffnung auf – „… wenn Albus jedoch keinen anderen Weg mehr sieht, bin ich einverstanden." Die Hoffnung auf einen Verbündeten erlosch, ließ nichts weiter als Entsetzen auf Remus' müden Zügen zurück.


„Dein Vertrauen ehrt mich, Alastor, allerdings werde ich diese Entscheidung von euch allen abhängig machen." Blaue Augen richteten sich auf Minerva, die lieber Hals über Kopf geflüchtet wäre, als sich der unvermeidlichen Frage zu stellen: „Was denkst du, Minerva?"

Dass es Wahnsinn wäre, Harry zu verraten. Dass er es ihnen niemals verzeihen würde – zu Recht. Dass sie nicht derart über sein Leben entscheiden durften. Dass sie es nicht fertig bringen würde…

Ihre Zunge sollte sich weigern die Worte zu formen. Sie musste wie Remus alles daran setzen, Harry zu schützen; musste nach einem anderen Weg suchen. Der Sieg konnte dies nicht rechtfertigen. Der Zweck heiligte nicht die Mittel. Frieden durfte nicht jeden Preis kosten. Und dennoch...

„Ich bin einverstanden." Ihre Stimme klang fremd und rostig. Minerva schloss die Augen, wollte nicht länger in Remus' anklagende Miene sehen. Sie verurteilte sich ja selbst. Sich und alle anderen.

„Remus?"

Minerva hoffte, dass er stärker war. Dass er sich der Autorität Albus' entziehen könnte. Dass ihm Harry wichtiger war als Sieg und Freiheit. Minerva wurde bitterlich enttäuscht, als Remus nach langem Schweigen kaum hörbar seine Zustimmung flüsterte.

Die Zeit schien stillzustehen in dröhnender Lautlosigkeit. Selbst die kleinen Gerätschaften an den Wänden und in den Regalen gaben keinen Ton von sich.

Dann ergriff Alastor das Wort; er klang müde und abgeschlagen: „Er muss allerdings trainiert werden."

„Ja, ich habe auch schon einen geeigneten Platz ausgewählt."

„Das Kloster?"

„Wie soll es überhaupt funktionieren?"

„Mit Glück, Täuschung und einem Köder…"

Und die Entscheidung war gefallen.

Die Erinnerung schmerzte. Dennoch verging kein Tag, an dem sie sich nicht erinnerte. Und mit jedem dieser Tage fiel es ihr schwerer, Remus ins Gesicht zu sehen. Sie hatte keinen anderen Weg gefunden, war nicht einen Fuß breit vom ursprünglichen Plan abgewichen. Sie hatte Remus angelogen. Wie sie Harry belog. Sich selbst.

„Professor McGonagall?"

Unnatürlich laut drang diese zittrige Stimme zu ihr durch und Minerva zuckte ertappt zusammen. Niemand sollte sich hier aufhalten. Niemand sollte wissen, was sich in dieser verlassenen Heidelandschaft verbarg. Niemand außer…

Ihre Augen weiteten sich entsetzt, als zwei Frauen in den Schimmer des Lumos traten. Sie schienen sich gegenseitig zu stützen. Waren blass und schmutzig. Und sie waren allein. Minerva wurde es kalt vor Angst, als sie die jüngere Frau erkannte; braune Augen, die aufmerksam ihren Unterricht verfolgt hatten, und nun verzweifelt zu ihr aufsahen.

„Morag…"

ooOoo

Harrys Zeitgefühl hatte ihn scheinbar vollständig verlassen. Einzig die sich ausbreitende Finsternis verriet ihm, dass es inzwischen Nacht sein musste. Es schien ihm Stunden her zu sein, dass er mit heißen Wangen und noch immer keuchend einen Reinigungszauber gemurmelt hatte, der sowohl ihn als auch Draco von klebrigen Spuren gereinigt hatte. Jetzt befand Harry sich in einem verwirrenden Zustand träger Nervosität. Einerseits genoss er das beruhigende Gefühl, halb auf Draco zu liegen seine Wange gegen dessen Rippen gepresst, dem gleichmäßigem Herzschlag zu lauschen. Schlanke, lange Finger in seinem Haar. Einlullend tröstlich. Andererseits schien sein Blut aus lauter Schnatzen zu bestehen, kribbelte in seinen Gliedern. Pures Glück (und Stolz) verzog seine Lippen zu einem Grinsen. Harry war froh, dass die Dunkelheit es größtenteils vor Draco verbarg, ließ es ihn doch sicher wie einen Idioten erscheinen.

Stumm zeichnete Harry mit den Fingerkuppen Dracos knochiges Schlüsselbein nach. Er fühlte sich seltsam gehemmt. Trotz der Nähe. Trotz dessen, was sie getan hatten. Draco bewegte sich unruhig und Harry hob widerwillig den Kopf. Er hätte ewig so liegen können. Genau hier, in der finsteren Scheune, auf kühltrockenem Lehmboden, mit Dracos Händen in seinem Haar.

„Ist dir kalt?", krächzte Harry, heiser vom langen Schweigen. Er konnte Dracos Kopfschütteln nur schemenhaft erahnen.

„Nein."

Erleichtert senkte Harry seinen Kopf wieder, verbarg sein Gesicht in Dracos Halsbeuge und genoss es, Dracos Arme um sich zu spüren.

„Musst du nicht zurück? Sie werden dich sicher suchen."

Die Bitterkeit war nicht zu überhören und Harry versteifte sich unwillkürlich. Draco unterließ es inzwischen, Ron und Hermine offen zu beleidigen, doch dieses sie drückte eine solche Verachtung aus, dass es ebenso kränkend war.

„Ron wird denken, dass ich mal wieder nicht schlafen kann", erklärte Harry abweisend.

Und er wird mich morgen wie immer mit diesem misstrauischem Blick ansehen. Anklagend, weil ich Geheimnisse vor ihm habe. Und ich werde wie immer nicht den Mut haben, ihm alles zu gestehen.

Unwillig schnaubend, wollte Draco von ihm abrücken und Harry schlang in grimmiger Entschlossenheit, ihn nicht gehen zu lassen, die Arme um Dracos Körper. All die Ängste und Zweifel, die so beständig an ihm nagten, brachen aus ihm heraus. Die Furcht, seine Freunde zu verlieren war groß. Der Gedanke jedoch, Draco zu verlieren, machte ihn beinahe wahnsinnig.

„Was erwartest du von mir?", wiederholte Harry jene Worte, die Draco ihm einst entgegenschleudert hatte. Damals, nach ihrem ersten Kuss – es schien Jahre her zu sein, nicht wenige Wochen. „Soll ich es ihnen sagen? Ist es das was du willst?"

„Was ich will?", höhnte Draco. „Die Frage ist doch eher, was du willst!" Dracos Fingerspitzen glitten über Harrys Brust. „Willst du sie wissen lassen, dass du es magst, so von mir berührt zu werden?"

Harry biss sich seufzend auf die Lippen, während er zuließ, dass Draco ihn auf den Rücken zwang, sich auf ihn legte. Nein, dies wollte er sie nicht wissen lassen – nicht in dem Sinne. Und doch wollte er seine Treffen mit Draco ungestört durch schlechtes Gewissen verbringen. Diese wenige Zeit, die sie hatten, genießen.

„Weiß deine kleine rothaarige Freundin, wie empfindlich du hier bist?" Sanft biss Draco in eine Stelle unterhalb Harrys Ohr, bis dieser sich keuchend aufbäumte.

„Verdammt, Draco, du weißt genau, dass…"

„Was würde das Wiesel wohl sagen, wenn er sehen könnte wie du dich unter mir windest?", unterbrach Draco ihn rau, während seine Finger über Harrys Bauch tiefer glitten.

„Draco…"

„Sollen sie wissen, dass du um mehr bettelst? Dass es mein Name ist, den du rufst, ehe du unter meinen Fingern kommst? Was glaubst du, werden sie dazu sagen?"

Harry grub seine Nägel schmerzhaft in Dracos Schultern, als dieser kurz seine raue Zunge über Harrys Brust gleiten ließ. Er hasste den bösartigen Spott in Dracos Stimme. Hasste es, dass er durchschaut worden war.

„Sollen wir jetzt ins Kloster gehen? Ihnen Hand in Hand gegenübertreten? Bist du wirklich bereit, ihre abweisenden Blicke zu ertragen? Ihren Ekel? Ihren Hass?"

Harry warf den Kopf zurück, als er Dracos warmen Atem an seinem Bauch spürte. Zwischen Wut, Frustration und Lust hin- und hergerissen schüttelte er den Kopf.

„Ich… weiß es nicht…"

„Aber ich weiß es." Draco lachte humorlos und Harry zitterte vor Zorn und Erwartung. „Du könntest nie auf alles verzichten. Du würdest niemals auf deine Freunde verzichten!"

„Woher willst du das wissen?"

Harry bildete sich ein, dass Draco lächelte, bevor er den Kopf in Harrys Schoß senkte.

„Weil ich dich kenne."

ooOoo

Ignis hatte nicht gelogen. Sie trug Megan auch dann noch sicher und bequem, als diese der Schwere ihrer Augenlider nachgab. Das Gesicht in roter Haarflut vergraben, schwankte Megan im lähmenden Zustand zwischen Schlaf und Wachen. Wusste nicht, wie viel Zeit sie schweigend gelaufen waren, ehe Ignis das Wort ergriff:

„Gabriel schien wirklich beunruhigt"

„Sind sie das nicht alle, wenn der Unnennbare ins Spiel kommt?" Nurai klang gelassen, dennoch schwang ihrem Ton etwas Resigniertes bei.

„Vorhin klang die Herrin des Waldes kampflustiger."

„Pah, Nurai ist nicht verrückt! Und sie will die Kadi-Bakh nicht in ihrem Wald haben."

Seltsame Angst ließ Megan zittern, auch wenn sie den Ursprung nicht hätte benennen können. Die Silben schienen den Geschmack nach Blut zu tragen.

„Kadi-Bakh?", wiederholte Ignis. Megan spürte das Schaudern des starken Leibs unter sich. „Warum glaubst du, dass er Kadi-Bakh schicken würde? Dass er sie unterwerfen könnte?"

„Weil Nurai sie in der Erinnerung des Menschenkindes gesehen hat."

Megan zwang sich die Augen zu öffnen, blinzelte gähnend. Die Sorge auf dem Gesicht Nurais erschreckte sie.

„Und du bist dir sicher?", fragte Ignis zweifelnd. „Vielleicht war es etwas anderes."

Die Furchen der Stirn vertieften sich, als Nurai ungeduldig schnaubend ihren Stock schwang.

„Kennst du noch andere Schattengestalten, die silberne Krallen ihr Eigen nennen können? Wenn ja, dann nur heraus damit!"

Silberne Krallen...

Megans Finger umklammerten wieder Ignis' Körper. Sie suchte Halt und Schutz zugleich, angesichts dieser Angst, die endlich einen Namen hatte.

Kadi-Bakh.

„Was sind das für... Dinger?", fragte Megan mit bebender Stimme.

Nurais Blick huschte prüfend über ihr Gesicht. „Willst du die Geschichte hören, Menschenkind? Also schön. Nurai ist jetzt lang genug gewandert." Sie schritt energisch voran, bahnte sich ihren Weg durch Brombeersträucher, die scheinbar ihre stacheligen Ranken ergeben zu Boden senkten und betrat eine Lichtung.

Megans Mund klappte auf. Die Eiche, dieses seltsame Leuchten, selbst das Holz glühte noch.

„Wir sind im Kreis gelaufen?", fragte Megan fassungslos.

Nurai verdrehte schnaufend die Augen und Ignis' Lachen sandte Vibrationen durch Megans Körper.

„Die Lichtung ist immer dort, wo Nurai hingeht", erklärte die Zentaurin, während sie Megan absetzte und sanft Richtung Feuer schubste, welches Nurai leise murmelnd schürte.

Schüchtern setzte Megan sich ein Stück von der Hexe entfernt auf den Boden; die Knie an den Körper gezogen beobachtete sie die alte Frau. Fasziniert und ängstlich zugleich. Nurai ließ sich dicht neben Megan nieder und zog einige grüne Eicheln aus der Rocktasche. Neugierde nagte an Megan, bis sie eine der vielen Fragen, die ihr auf der Zunge brannten, aussprach.

„Warum nannte dieser Mann, Gabriel, dich Neutralität?"

Nurai biss prüfend in eine Eichelfrucht, verzog angewidert das Gesicht und spuckte aus.

„Weil das mein Name ist. Nurai ist Neutralität, sie mischt sich nicht ein."

„Sie würde es zumindest nicht zugeben", ergänzte Ignis spöttisch und duckte sich vor Nurais Stock, der ihr entgegengeschleudert wurde.

„Pah, geh und guck dir die Sterne an, dummes Maultier! Nurai hat dir aufgetragen, nach dem Rechten zu sehen! Wer konnte denn ahnen, dass du mir ein Menschenkind anschleppst!"

Trotz des barschen Tons blitzten die Augen der Waldhexe belustigt. Megan begriff, was sie ihr zu verdanken hatte und vergaß ihre Scheu. Die Arme um den mageren Körper geschlungen, vergrub sie, einen zittrigen Dank flüsternd, ihr Gesicht an der runzeligen Haut des Halses. Knorrige Finger glitten beruhigend durch ihr schmutziges Haar.

„Hmpf, kein Grund gleich sentimental zu werden. Und verrate das bloß niemandem – ich habe einen Ruf zu verlieren!"

Grinsend richtete Megan sich auf. Nurai erinnerte sie seltsamerweise ein wenig an Draco, der sich auch immer hinter einer Maske der Gleichgültigkeit verschanzte.

„Ich werde es nicht weitersagen", erklärte sie ernsthaft.

Nurai zerzauste ihr schnaubend das Haar. „Das will Nurai auch gehofft haben! Und jetzt lass Nurai noch ein wenig sehen."

Megan biss sich auf die Lippen. Ihr behagte es nicht, dass Nurai in ihren Erinnerungen herumfuhrwerkte, andererseits wollte sie der Alten nicht vor den Kopf stoßen.

„Na komm, Nurai will nur sehen, nichts mehr verändern."

Zögerlich nickend ließ Megan zu, dass Nurais Finger sich auf ihre Stirn legten.

Ihre Mutter sah sie an, mit erwartungsvollen Augen; ihre Lippen formten stumm den kinderleichten Zauberspruch, den Megan vollbringen sollte. Der Zauberstab lag fremd und schwer in ihrer viel zu kleinen Hand. Nicht einmal einen blassen Funken konnte sie ihm entlocken – und die Lippen ihrer Mutter waren nur noch ein enttäuschter Strich.

„Pah, dumme Frau, stellt die falschen Ansprüche…"

Der Schmerz in ihrer Wange war scharf und kalt. Das blonde Mädchen, das sie geohrfeigt hatte wirkte zunächst erschrocken über die eigene Tat, doch anscheinend angestachelt durch das Johlen der anderen Kinder verzog sich ihr Mund zu einem höhnischen Grinsen, bevor sie in die Squib-Rufe einstimmte.

„Schlimm, schlimm…"

Sie fürchtete sich ein wenig vor ihm. Die anderen sagten, er sei ein Todesser. Aber das schmale Gesicht sah eher müde denn bösartig aus, also setzte sie sich neben ihm ins hohe Gras – die anderen Kinder würden wegbleiben, wenn sie bei ihm war.

„Ah, da haben wir einen der beiden… Wo ist der andere?"

Das Zeichen auf der weißen Haut schien lebendig; es wand sich wie eine echte Schlange. Sie streckte die Hand danach aus, glitt mit den Fingerkuppen über die dunklen Konturen.

„Hat es wehgetan?"

„Was zum Teufel tust du da, Malfoy?"

Erschrocken über den schneidenden Ton zuckte sie zurück und sah in grüne, zornsprühende Augen, die hasserfüllt Draco fixierten. Dunkles Haar umgab das kantig verspannte Gesicht, und auf der Stirn die Blitznarbe.

„Interessant, ein Diener des Unnennbaren und der sogenannte Auserwählte. Ist das jetzt gut oder schlecht?"

Sie drehte Draco beleidigt den Rücken zu, der es jedoch nicht zu bemerken schien. Er war viel zu vertieft in die hitzige Diskussion darüber, welche Spielzüge beim Quiddich jetzt am effektivsten waren. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie Draco. Er hatte sich auf den Boden niedergelassen, an die Scheunenwand gelehnt, und legte seinen Standpunkt dar, indem er krakelige Skizzen in den Staub zeichnete, während Harry, den Rücken gegen Dracos Brust gepresst, verneinend den Kopf schüttelte. Das Gefühl, allein zu sein breitete sich in ihr aus, schien ihren Magen mit kaltem Eis zu füllen.

Leises Lachen drang an Megans Ohr, warme Finger strichen ihr tröstend über die Stirn.

„Ah, soviel Eifersucht in solch einem kleinen Herzen. Solltest jetzt schlafen, Menschkind. Ist genug für heute. Nurai erzählt dir ein anderes Mal von den Schatten…"

Wie dunkle Wasser schlug die Müdigkeit über Megan zusammen. Es gab kein Entrinnen. Keine Wut mehr. Es gab nur beruhigenden Herzschlag und sanft gemurmelte Worte. Megan glitt leicht über die Grenze zu Morpheus' Reich. Und sie glaubte schon zu träumen, als sie Nurais Stimme erneut vernahm:

„Sag mir, Ignis, was verraten die Sterne jetzt über Harry Potter?"

ooOoo

Harry, hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, diese Nacht bei Draco zu verbringen, und dem Unwillen, sich Rons Fragen zu stellen, zerquetschte beinahe Draco Hand, als sie das Kloster im Schutz der Dunkelheit betraten. Erst ein unwilliger Laut Dracos brachte ihn zu Besinnung. Harry wollte gerade zu einer Entschuldigung ansetzten, als hinter ihnen Schritte und murmelnde Stimmen laut wurden.

Einen Augenblick lang war er wie erstarrt, panisch klammerte Harry sich an die schlanken Finger Dracos, der ihn geistesgegenwärtig in eine schmale Nische zerrte. An die Wand gepresst, die Arme um den Körper des jeweils anderen geschlungen, warteten sie atemlos darauf, dass die Gefahr entdeckt zu werden vorüberzog.

Die Stimmen wurden lauter und Harry stellte mit Entsetzen fest, dass eine davon McGonagall gehörte. Unwillkürlich zog er Draco dichter an sich heran, konnte dessen schnellen Herzschlag an seinen Rippen spüren, den keuchenden Atem an seinem Ohr.

Flackerndes Licht beleuchtete schwach Minervas ernstes Gesicht – und das von (Harrys Innereien verkrampften sich) Morag McDougal. Draco wandte den Kopf und wurde ganz steif in Harrys Armen.

„Und wo ist…", setzte Minerva zaudernd an, doch sie wurde von Morags Mutter unterbrochen.

„Mein Mann und Megan sind tot", erklärte sie in seltsam kaltem Tonfall. Ihre Züge wirkten starr wie eine Maske. „Die Todesser, die unser Dorf zerstörten, haben meinen Mann getötet und Megan mitgenommen. Ich muss Ihnen nicht erklären, was das bedeutet."

Harry hörte nur noch das Rauschen des Blutes in seinen Ohren. Kälte und Hitze schossen beinahe zeitgleich durch seinen Körper. Fassungslos darüber, was er soeben erfahren hatte, sah er Draco an, der mit aufgerissenen Augen ins Leere sah.

Das Licht entfernte sich, und mit ihm die Stimmen und Schritte. Harry schluckte. Megans Verschwinden (nein, nicht tot, sie darf nicht tot sein), lag wie ein kalter Stein in seinem Magen, drückte ihm die Luft ab. Und Draco… Draco stieß sich so plötzlich von Harry ab, dass dieser getaumelt wäre, hätte er nicht die Wand im Rücken gehabt. Für einen kurzen Moment konnte Harry die verzweifelte Trauer in Dracos Augen erkennen, dann legte sich ein eiserner Schleier darüber.

„Es war meine Schuld, Potter! Morag hat ihren Eltern erzählt, mit wem Megan ihre Zeit verbringt. Deshalb hatten sie es so verdammt eilig, ihre Tochter von hier fortzubringen. Sie wollten Megan schützen – vor mir!"

Unsicher streckte Harry eine Hand aus, doch Draco wich wie ein verwundetes Tier zitternd zurück.

„Fass mich nicht an."

Worte, so hasserfüllt geflüstert, dass sie beinahe wirklich körperlich zu verletzen drohten. Harry konnte sich denken, was in Draco vorging – und er war nicht bereit, ihn jetzt allein zu lassen. Er machte einen weiteren Schritt auf Draco zu.

„Es ist nicht deine Schuld."

Im Dämmerlicht der Fackeln konnte Harry erkennen, wie sich Dracos Hände zu Fäusten ballten. Entspannten. Wieder ballten.

„Draco, ich weiß wie…"

Harry biss sich auf die Zunge, als seine Rücken mit der Wand kollidierte. Er hatte die Bewegung Dracos nicht gesehen, so unerwartet war er vorgeschnellt. Jetzt klammerten sich lange Finger an Harrys Hemdkragen fest und metallisch-salziges Blut sammelte sich in seinem Mund.

„Du weißt gar nichts von mir, Potter!", zischte Draco. „Nicht das Geringste! Megan war nichts weiter als ein dummes lästiges Mädchen, das nicht einmal zaubern konnte. Eine Squib. Genauso wenig wert wie ein dreckiger Muggel!"

Nur das Wissen, dass es Trauer war, die Draco dazu hinriss, brav aufzusagen, was ihm eingetrichtert worden war (Verteidigungsmechanismus... um nicht durchzudrehen), hielt Harry davon ab, seine Faust in dessen Magen zu rammen.

„Meinst du, ich bin blind, Draco?", fragte Harry erzwungen ruhig. „Ich kenne dich!"

Die grauen Augen verengten sich, als Draco Harry losließ. Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren, machte Draco kehrt und ließ Harry allein zurück, der ihm wenige Sekunden Vorsprung gewährte, bevor er ihm folgte.

Jegliche Gedanken an Ron und Ausreden waren ausgelöscht. Es war Harry schlicht egal. Es war ihm egal, ob er gesehen wurde, wie er Dracos Zimmer betrat. In der undurchdringlichen Finsternis tastete er sich bis zum Bett vor, wo er Draco als zuckendes Bündel fand. Harry sagte kein Wort, als er ihn in die Arme schloss.

Er sagte kein Wort, als kalte Finger sich verzweifelt an ihm festklammerten. Dracos Atem war warm an seinem Hals. Tief, zwanghaft unter Kontrolle gehalten, doch kein Laut war zu hören.

Und Harry sagte kein Wort, als sein Hemd mit bittersalziger Flüssigkeit durchnässt wurde.

Tbc…

A/N: Es war mir wichtig einzubringen, dass einer der Horkruxe meiner Meinung nach Rowenas Zauberstab ist, weil es in den Büchern einige Indizien gibt. Bleibt nur abzuwarten, ob ich recht behalte – das siebte Harry Potter-Buch ist ja in greifbare Nähe gerückt

Und nein, nicht der übliche Evil! Dumbledore – so einfach mache ich es mir nicht g