Ähm, ja, ich bin es tatsächlich Ich könnte jetzt mit tausend Ausreden kommen, warum das Kapitel so lange gebraucht hat – ich begnüge mich mit zweien: Zwei Betas im Urlaub und diese faule Autorin hier, die es nicht geschafft hat, das Kapitel vorher fertig zu haben ;o)

Ach ja: Da ich Bd. 7 gelesen habe, kann ich sagen, dass Feuertanz jetzt komplett und vollständig AU ist! (Wat'n Glück g)

Vielen Dank an:

Buecher-FF-Wurm: Macht doch nichts, dass du erst jetzt ein Review schreibst – ich freue mich deswegen nicht weniger ;o) Ich hoffe, die PM ist angekommen?

FirstKiss: Draco ist eben Perfektionist g Megan ist ja auf dem Weg ins Kloster, und mir graut rein schreibtechnisch jetzt schon vor der Szene, wenn sie dort ankommt. Die Kitschgefahr ist da groß ;o) Harry wurde nicht entdeckt – in die Ecke gedrängt wird er in diesem Kapitel trotzdem g

Blub: g Danke

Zissy: lol Ich bin ungefähr ne Meile an der Wahrheit vorbeigeschossen, was den Zauberstab betrifft. „Ein Malfoy weint nicht" Ist das Canon oder Fanon? Ich erinner mich da an eine Szene in Bd.6, in der er auch geheult hat g

Lute: Vielen Dank für das Lob! Äh, Harry und Draco im zweiten Kapitel zum Paar zu machen, hab' ich zwar auch schon gebracht, aber dann nur in Crack oder PwPs g

James/Severus ist wirklich nicht jedermanns Pairing, und wenn du die Stellen überspringst ist es okay ;o)

MyHeartache: Die meisten Klosterbewohner stehen auf Harrys Seite, irgendwie. Und lange geheim halten kann man so eine Bombe auf so engem Raum auch nicht… warten wir es ab g Aber ich denke, es wird irgendwie, irgendwann alles gut werden ;o)

ooOoo

Spinnenartige, kalte Finger glitten über die weiße Haut ihres Rückens, strichen wirres Haar beiseite, lösten Schauder aus – und Ekel.

Ich denke, es ist an der Zeit, Lucius' Loyalität auf die Probe zu stellen und gleichzeitig dem Potterbalg eine weitere Lektion zu erteilen."

Die seidenen Laken, auf denen sie lag, raschelten leise, als ihre Hände sich darin verkrampften. Ein winziges Zeichen ihrer Abscheu.

Was soll ich tun?"

Ihr Blick fixierte zusammengerollte Pergamentrollen, die auf dem Schreibtisch lagen. Pures Wissen bargen sie. Belohnung und Preis für ihre Dienste.

Ein Flüstern an ihrem Ohr, ihrer Wange und es kostete sie alle Kraft, sich der Berührung des Lords nicht zu entziehen.

Das Mädchen, Bellatrix. Bring mir dieses Mädchen, von dem du mir erzählt hast."

ooOoo

Harry bemerkte den misstrauischen Ausdruck in Rons Augen, die sein zerknittertes Hemd kritisch musterten und seufzte innerlich. Er verabscheute das, was jetzt unweigerlich folgen würde: Lügen, die weitere Lügen nach sich ziehen würden. Und er wusste nicht, wie lange er dafür noch die Kraft aufbrachte.

„Hast du wieder in der Scheune geschlafen?"

„Ja", beantwortete Harry einsilbig Rons Frage, während er sich setzte.

Sein Blick huschte unstet über die Tische, doch Draco war nirgendwo zu sehen. Kaltes Eis breitete sich in Harrys Magen aus und in seinen Beinen kribbelte es vor unterdrücktem Verlangen, einfach aufzuspringen, um Draco zu suchen.

Harry konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann genau er eingeschlafen war, wie lange sich Draco stumm und zitternd an ihn geklammert hatte. Aber er konnte sich noch zu gut an das gallenbittere Gefühl erinnern, als er allein erwacht war. Draco hatte sich fortgeschlichen, hatte Harrys Trost nicht länger gewünscht, vielleicht nie gewollt.

„Mit wem?" Rons plötzlich so scharfe Stimme riss Harry zurück ins Hier und Jetzt, kalte Angst trocknete seinen Mund aus.

„Ron, das ist allein Harrys Angelegenheit!", fuhr Hermine aufgebracht dazwischen.

„Nicht, wenn er meine Schwester damit verletzt!"

Perplex blinzelnd warf Harry Ginny einen kurzen Blick zu, sah die zusammengepressten Lippen, die Nässe in ihren Augen – und erkannte die Lüge.

Selbst wenn es nie mehr so wird wie damals, ich möchte dich nicht als Freund verlieren.

„Aber ich dachte… dachte…"

Ron schlug mit der Faust auf den Tisch, brachte Geschirr und Besteck zum Klirren und unterbrach Harrys gestammelte Überlegung.

„Zu ihr sagst du, du kannst nicht mit ihr zusammen sein, weil du sie nicht in Gefahr bringen willst, aber andererseits treibst du dich Nacht für Nacht mit Gott weiß wem herum! Und das soll sie verstehen? Warum die Geheimnistuerei? Wer ist sie?"

Zornsprühende Augen bewiesen Harry, dass Ron mit seiner Geduld am Ende war, dass er Ginny um jeden Preis schützen, dass er Antworten wollte.

Jetzt.

Und Harry blieb so stumm wie ein Fisch, obwohl in seinem Verstand Dracos Name widerhallte wie ein endloses Echo. Doch er glaubte auch Dracos Stimme zu hören – so als säße dieser neben ihm, bösartig flüsternd:

Bist du wirklich bereit, ihre abweisenden Blicke zu ertragen? Ihren Ekel? Ihren Hass?

Harry leckte sich nervös über die Lippen. „Niemand. Da ist niemand. Ich brauche nur Zeit für mich selbst." Er hasste sich selbst für die Heuchelei. Dafür, dass er Draco verleugnete.

Hermine senkte betroffen den Kopf. Ron sprang auf und lehnte sich, vor unterdrückter Wut zitternd, über den Tisch, seine Stimme war nur noch ein heiseres Zischen:

„Hast du heute schon in den Spiegel gesehen, Harry? Wenn nicht, dann mach das und sieh dir deinen Hals genau an, bevor du mich das nächste Mal verarschen willst!"

Er konnte spüren, wie das Blut aus seinem Gesicht zurückwich, nur um mit voller Macht zurückzukehren, seine Wangen brennen zu lassen. Harry bekam den irrsinnigen Eindruck, dass alle Anwesenden ihn und Ron anstarrten.

Dracos Lippen an seiner Kehle, Zähne an seinem Hals…

Kein Wort kam über Harrys taube Lippen und Ron wandte sich schnaubend ab, als Hermines Finger sich fest um dessen Handgelenk schlossen.

„Setz dich bitte wieder hin, Ron", sagte sie leise. Ihre Augen waren hart und kompromisslos, straften die Bitte Lüge. „Es ist Harrys Angelegenheit, und gerade du, als sein Freund, hast nicht das Recht, eine Antwort zu erzwingen. Harry wird es uns erzählen, wenn er soweit ist."

Die Erleichterung ließ Harry schwindeln – doch Hermines unerwartete Hilfe verstärkte das schlechte Gewissen um ein Vielfaches.

Ron zögerte länger als nur einen Moment, bevor er nachgab und sich missmutig auf seinen Stuhl fallen ließ. In seinen Augen spiegelte sich Enttäuschung und Anklage wider.

„Du hast mir früher immer alles erzählt!"

„Ich…"

Ich kann es nicht – noch nicht. Irgendwann, vielleicht…

Ron seufzte nur und murmelte: „Okay, Kumpel", bevor er schlechtgelaunt nach einem weiteren Toast griff.

Die Stimmung am Tisch blieb angespannt, auch wenn Hermine sich bemühte, unverfängliche Konversation zu betreiben. Etwas hatte sich zwischen sie gedrängt.

Ein schmaler Schatten.

ooOoo

Remus presste kopfschüttelnd seine Finger an die pochenden Schläfen.

„Nein, Neville, das werde ich nicht zulassen. Es ist zu gefährlich!"

„Aber es ist die einzige Möglichkeit."

Nevilles runde Wangen waren gerötet, was teils Zorn, teils Aufregung bedeuteten konnte. Seine Finger deuteten auf den rot markierten Punkt auf der Karte.

„Ich muss sie nur durch diesen Gang locken und diese Tür hier hinter ihr verschließen", erklärte Neville wohl zum hundertsten Mal.

Und dabei darf sie dich nicht erwischen.

„Zu gefährlich", wiederholte Remus stur. Inzwischen bereute er es, seine Zustimmung gegeben zu haben. Die Sorge um Neville war zu groß. „Du unterschätzt Bellatrix anscheinend. Was, wenn sie dich einfach nur tötet, anstatt dir zu folgen?"

Wie könnte ich mit dieser Schuld leben?

„Dazu müsste sie mich erst einmal kriegen!" Nevilles Augen sahen ihm entschlossen entgegen.

Wie konnte ich auch nur mit dem Gedanken spielen, dich diesem Wagnis auszusetzen?

„Dieser Gang, der zu dem Innenhof führt, scheint schmal zu sein – ein gut gezielter Fluch reicht aus, Neville."

Und du scheinst zu vergessen, dass sie nicht allein sein wird.

„Ich kann den Schildzauber!"

„Der dich weder vor Cruciatus noch vor Avada Kedavra schützt."

So viele unsichere Faktoren, die ich vorher nicht bedacht habe.

„Aber…" Nevilles Schultern sackten herab. „Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht."

„Ich könnte sie während des Kampfes stellen", wies Remus Neville auf die offensichtlichste Möglichkeit hin.

„Und was, wenn der Kampf tatsächlich bei Vollmond stattfindet?"

Dann solltest du dich von mir fernhalten…

„Dann werde ich wohl nicht teilnehmen können", antwortete Remus bitter.

Nevilles Mund öffnete sich, scheinbar, um seinen Protest kundzutun, als ein knappes Klopfen ihn unterbrach.

Remus warf Neville einen warnenden Blick zu, ließ die Karte mit sparsamen Handgriffen in seinem Schreibtisch verschwinden und bat seinen Besucher herein. Es war nicht Tonks' Anblick, der seine Brust zusammenzog, einen galligen Geschmack in seinem Mund auslöste: Es war der misstrauische Ausdruck in ihren Augen, als sie Neville entdeckte.

„Störe ich?"

Er konnte die Anstrengung, die Worte neutral klingen zulassen, förmlich spüren. So wie er die unausgesprochene Frage spüren konnte – den Vorwurf.

„Nein. Neville und ich können ein anderes Mal über die Kelpies reden."

Tonks' Augenbrauen hoben sich leicht, doch Neville nickte nur blinzelnd und verließ den Raum. Allein mit Tonks wurde Remus plötzlich bewusst, dass die Spannung zwischen ihnen fast greifbar war. Dennoch schwieg er, wollte ihr den ersten Schritt überlassen. Er erkannte das schwache Zittern ihrer Hände, als sie sich das Haar aus dem Gesicht strich.

Tristes Mausbraun.

Wieder verspürte Remus dieses beißend schlechte Gewissen; er hatte ihr nicht derart wehtun wollen.

„Ich wollte mich verabschieden."

Die ruhig ausgesprochenen Worte überraschten Remus nicht. Er hatte geahnt, dass sie nicht bleiben würde.

„Minerva bat mich, Ollivander ausfindig zu machen", fuhr Tonks gepresst fort, als Remus beharrlich schwieg. „Wir wissen jetzt, was der Horkrux ist – zumindest glauben wir, es zu wissen."

„Was?" Remus sprang auf, überbrückte mit wenigen Schritten die Distanz zwischen ihnen. Als Tonks zurückwich, blieb er abrupt stehen, zwang sich dazu, ihr den gewünschten Abstand zuzugestehen. „Woher… ich meine…"

„Minerva hat es mir eben erst gesagt", unterbrach ihn Tonks. „Sie ist fest davon überzeugt, dass es sich um den Zauberstab Rowenas handelt und dass es Ollivander ist, der ihn aufbewahrt."

Die Stirn gerunzelt schüttelte Remus den Kopf. Trotz allem was zwischen ihnen stand, erdrückte die Sorge ihn beinahe.

„Und wo willst du beginnen? Was, wenn er zu Du- weißt- schon- wem gehört? Du solltest nicht allein gehen."

Tonks' ungläubiges Lachen schnitt kalt und scharf durch die Luft.

„Machst du dir etwa Sorgen? Ich kann auf mich aufpassen, vielen Dank auch!"

Der Schmerz in ihren Augen ließ Remus in ganzem Ausmaß erkennen, wie sehr er sie verletzt hatte. „Tonks…" Hilflos hob er die Hände, nicht fähig die Entfernung zu überwinden, in keiner Hinsicht – ebenso wenig wie er ihr die Gewissheit darüber nehmen konnte, wem sein Herz gehörte.

Schon immer gehört hatte.

„Nein! Ich will es gar nicht hören." Auf Tonks' Wangen breiteten sich hektische Flecken aus, als sie rückwärts zur Tür ging. „Ich wollte mich nur verabschieden… weil es… weil ich nicht einfach so gehen wollte."

Remus konnte die bröckelnde Selbstbeherrschung sehen, die verdächtig glänzenden Augen, das Beben ihrer Lippen, bevor sie sich umwandte.

„Tonks?"

„Was?" Ihre Finger umklammerten die Türklinke so fest, dass die Knöchel weiß schimmerten.

„Pass auf dich auf."

Ein kurzes Straffen der schmalen Schultern, dann nickte sie und wenige Augenblicke später war Remus wieder allein.

Was tue ich mir an? Was tue ich allen anderen an? Deinetwegen... Für dich...

ooOoo

Minervas schweißnassen Händen drohten Schwert und Zauberstab zu entgleiten, so sehr zitterten sie. Der Wald, der sein Domizil umgab, war merkwürdig lautlos. Als gäbe es kein Leben in ihm – nicht einmal Blättergeraschel war zu vernehmen und Minerva wurde mit jeder Minute des Wartens, die verstrich, unruhiger. Der Geruch von Lehm und Moos erinnerte sie an Tod, an Verderben – an den Herrn jener Festung, die jenseits des Waldes lag. Sie wagte es nicht, Lumos zu verwenden, die Gefahr entdeckt zu werden, war zu groß, und Minerva war dankbar für das Mondlicht, welches durch die Blätterkronen der Bäume auf den Boden fiel.

Hinter ihr brach ein trockener Zweig unter lautlosen Füßen und Minerva wirbelte herum – Schwert und Stab kampfbereit erhoben.

„Was ist so dringend, dass das neue Oberhaupt des Ordens sich auf das Wagnis einlässt, den Grund und Boden des Dunklen Lords zu betreten?", fragte eine klare, beherrschte Stimme, die nicht Severus Snape gehörte.

Atemlos und mit klopfenden Herzen beobachtete Minerva, wie die schlanke Gestalt näher kam, ins kalte, diffuse Licht trat und mit einer knappen Bewegung der feingliedrigen Finger die Kapuze abstreifte. Helles, langes Haar floss über Schultern und Rücken, umgab das abweisende Gesicht Narzissa Malfoys wie mondbeschienenes Wasser. Sie streckte Minerva ihre leeren Hände entgegen.

„Wie Sie sehen, bin ich unbewaffnet. Severus schickt mich, da er selbst… unter Beobachtung steht."

Minervas Zauberstab zitterte, doch ihre Stimme blieb fest: „Er hat nichts dergleichen in seinen Briefen erwähnt."

„Ist es von Bedeutung, wer die Nachrichten entgegennimmt?"

Mit einem Schnauben senkte Minerva ihre Waffen um wenige Zoll.

„Es ist von Bedeutung, zu wissen, wen er sonst noch eingeweiht hat!"

Schmal lächelnd ging Narzissa auf Minerva zu, die den Eindruck hatte von einem Raubtier taxiert zu werden, nicht von einer unbewaffneten, fragil erscheinenden Frau.

„Nur meinen Mann und mich, da dieser Plan unsere Familie… sagen wir: massiv involviert." Eine helle Augenbraue hob sich spöttisch. „Oh, und natürlich kämpfen wir auf der Seite des Ordens, wenn einem die Wahl so leicht gemacht wird." Blanker Zorn färbte Narzissas blaue Augen plötzlich dunkler, als sie Minerva ablehnend musterte. „Wie geht es meinem Sohn?"

„Er ist in Sicherheit", antwortete Minerva hilflos. Sie hatte sich auf ein Wiedersehen mit Snape eingestellt, nicht auf diese Konfrontation mit einer von Furcht und Wut zerrissenen Mutter. Ihr schoss die Frage durch den Kopf, ob Narzissa sich darüber bewusst war, dass dieser Plan Severus' Idee gewesen war – zumindest größtenteils.

„Ja, aber wie lange noch?", fragte Narzissa humorlos lachend. Sie warf ihren Kopf zurück und fuhr mit gebieterischer Stimme fort: „Außerdem war das keine Antwort auf meine Frage!"

Die Lippen aufeinander pressend, schwieg Minerva. Was sollte sie sagen? Dass Draco blasser und dünner war als je zuvor? Dass ihr die Blicke, die er Harry zuwarf Sorgen bereiteten? Dass die Blicke, mit denen Harry Draco betrachtete ihr Herz in heller Angst flattern ließen? Dass sich vielleicht mehr zwischen ihnen abspielte, als Minerva wusste. Mehr, als irgendjemand wusste oder auch nur ahnte?

„Es geht ihm gut", log sie gepresst. „Er ist sich seiner Verantwortung bewusst."

Einen Moment lang mutmaßte Minerva, Narzissa würde die Lüge erkennen; der biegsame Körper spannte sich an wie zum Sprung bereit – dann atmete die blonde Frau zitternd aus und die Spannung verflüchtigte sich.

Fast.

„Also? Was soll ich Snape überbringen?"

„Dies hier." Minerva hob das Schwert Gryffindors hoch und konnte einen bitteren Unterton nicht ganz aus ihrer Stimme vertreiben: „Sagen Sie Severus, er… Harry kann es nicht… er ist nicht in der Lage, den Todesfluch auszuführen."

Sie übergab der Todesserin nach kurzem Zögern das Schwert und Narzissas kaltes Lachen schnitt durch die Stille wie eine Peitschenschnur.

„Hat der Orden etwa Angst, dass sein Opferlamm versagt? Ist das etwa euer Notfallplan?"

„Harry ist kein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird!", rief Minerva aufgebracht. Sie erkannte die Wahrheit hinter den höhnischen Worten, wusste um ihre eigene Hilflosigkeit, um ihre Schuld. „Er wird vorbereitet! Ich… wir tun unser Möglichstes ihn zu schützen. Er ist…"

„Nichts weiter als eine Schachfigur. Wie Sie eine sind – wie Draco eine ist!"

Narzissa war schnell und Minerva verfluchte sich selbst, die Frau unterschätzt zu haben. Noch bevor das neue Ordensoberhaupt die Chance hatte zu reagieren, drückte sich das kühle Metall des Schwertes an ihren Hals.

Herablassend lächelnd drehte Narzissa ihr Handgelenk, kratzte mit der Klinge über Minervas Haut ohne sie zu verletzen. Alle heißblütigen Emotionen wie Hass und Zorn waren aus Narzissas Antlitz verbannt – man sah nur noch kühle Berechnung. Sie stand so dicht bei Minerva, dass diese die Körperwärme der anderen Frau durch die Roben hindurch spüren konnte; ebenso wie den warmen Atem auf ihren Wangen. Narzissas Blick war zwingend, als sie sprach:

„Abgesehen davon, dass Sie meinen Sohn benutzen, gibt es noch etwas, was der Klärung bedarf, Teuerste."

„Und das wäre?", fragte Minerva durch zusammengebissene Zähne.

„Ich verlange, dass meine Familie vor dem Ministerium sicher ist, gleichgültig, ob Potter lebt oder stirbt. Wie Sie wissen, wird Lucius noch immer gesucht und auch Draco trägt das Dunkle Mal – ich verlange, dass Sie sich für meine Familie verbürgen!"

„Das kann ich Ihnen nicht versprechen." Minerva wagte es nicht, auch nur einen Muskel zu rühren. „Derzeit hält das Ministerium auch den Orden für seinen Feind."

Narzissas Schwerthand zitterte kaum merklich, so wie Minervas zuvor, ihre Augen weiteten sich ungläubig.

„Wollen Sie mir tatsächlich weismachen, dass Sie den Dunklen Lord ohne Hilfe des Ministeriums bekämpfen wollen?"

„Nein." McGonagall leckte sich nervös über die Lippen, war nicht in der Lage, den Blickkontakt zu brechen. „Ich werde mit dem Ministerium in Kontakt treten, wenn die Zeit reif ist."

„Ein ausgezeichneter Augenblick, um die Immunität der Familie Malfoy zu erbitten!"

„Ich… ich werde alles in meiner Macht stehende versuchen, dies zu erreichen."

„Welch beruhigende Zusicherung!", spottete Narzissa, doch sie trat einen Schritt zurück; die Schwertspitze richtete sich gen Boden und Minerva ließ die angehaltene Luft erleichtert entweichen.

„Genügt es nicht, dass meine Familie sich in Gefahr begibt? Wissen Sie eigentlich, was Sie von Draco verlangen? Können Sie es sich auch nur im Geringsten vorstellen, was es ihn kosten wird, Potter zu verraten? Hierher zu bringen?"

Fast wäre der Zauberstab aus Minervas plötzlich so kalten Fingern geglitten, als sie sich der Bedeutung dieser Worte bewusst wurde. Fassungslos den Kopf schüttelnd, fasste sie sich an die Kehle, die zu eng war, als dass sie hätte sprechen können.

Sie weiß es! Sie weiß was wirklich vorgeht!

„Woher…?"

„Snape!", spuckte Narzissa ihr verächtlich entgegen. „Er wusste es. Und wenn ich mir Ihr bleiches Gesicht so ansehe, wussten Sie es auch!"

„Nein… aber ich habe es geahnt."

„Und dennoch haben Sie…" Narzissa brach ab, umklammerte den Schwertgriff mit beiden Händen, schien den letzten Rest Selbstbeherrschung in sich zu suchen, damit Minerva nicht hier und jetzt ihr Leben verlor. „Und dennoch haben Sie dies von Draco verlangt! Sie und Snape!"

„Ja." Mehr als ein heiseres Flüstern brachte Minerva nicht über die blutleeren Lippen. „Was für eine Wahl hätte Snape auch treffen sollen, als der Dunkle Lord Dracos Tod beschloss? Er überzeugte ihn, dass Draco doch noch von Nutzen sein könnte…"

Minerva bemerkte die bebenden Hände Narzissas und Mitleid wallte in ihr auf. Sie konnte die Sorgen und Ängste dieser Frau mehr als nur verstehen – waren doch ihre eigenen ähnlicher Natur. Hin und her gerissen zwischen dem Drang, dieses Monster namens Voldemort endlich das Handwerk zu legen und dem Wunsch jene, die man liebte, zu schützen.

„Und es hat so hervorragend gepasst, nicht wahr?", fragte Narzissa bitter, doch sie verlangte gar nicht nach einer Antwort. „Sie hatten plötzlich den perfekten Köder – für beide!"Sie lächelte. Ein schmales wissendes Lächeln, das Minerva einen Schauer über den Rücken jagte, die feinen Haare in ihrem Nacken sich aufstellen ließ.

„Wer versichert Ihnen eigentlich, dass Draco Potter nicht schon längst eingeweiht hat? Dass er Ihnen nicht schon längst in den Rücken gefallen ist – oder es noch tun wird?"

Wieder sah Minerva diese Blicke vor sich, mit denen Draco und Harry sich ansahen, wenn sie sich unbeobachtet glaubten. Brennend. Verzweifelt. Liebend.

Es gab nur einen einzigen Fakt, der ihr Dracos Loyalität zusicherte. Minerva sah Narzissa gerade in die Augen, ein stummes Duell, bevor sie jene Tatsachen aussprach, die sie beide kannten:

„Weil er weiß, dass er, wenn er versagt, seine Eltern zum Tode verurteilt."

ooOoo

Megans nackte, schmutzige Füße schmerzten, obwohl sie den größten Teil des Weges auf Ignis' Rücken zurückgelegt hatte. Dabei hatte sie tapfer sein wollen, hatte neben Nurai laufen wollen, die schon den ganzen Tag in sich gekehrt gewirkt hatte, mit gerunzelter Stirn in den klaren wolkenlosen Himmel gesehen hatte. Megan war humpelnd neben der alten Frau hergestolpert, hatte die Zähne zusammengebissen, bis Ignis sie mit einem unwilligen Schnauben hochgehoben hatte.

Jetzt saß Megan auf der inzwischen vertrauten Lichtung und beobachtete die ungewohnt stille Nurai aus den Augenwinkeln.

„Geht es dir nicht gut?", fragte Megan schüchtern. Noch immer fühlte sie sich seltsam befangen und geborgen zugleich in Gegenwart der Waldhexe.

Nurai sah auf und für einen Moment glaubte Megan, Angst und Sorge in ihren Augen zu erkennen, dann lächelte Nurai und der Eindruck verging.

„Ah, die alte Nurai hat Hirngespinste. Sieht Gespenster – Risse im Hosghaj, wo keine sind. Nichts, was ein kleines Menschenkind verstehen würde."

Die faltigen Gesichtszüge musternd, legte Megan den Kopf schief und zog die Nase kraus.

„Und was ist dieses… Hosghaj?" Ihre Zunge stolperte über die ungewohnt rauen Silben.

In Nurais ungläubiges Schnauben mischte sich das warme Lachen von Ignis, die Megan gegenüber am Feuer saß und spöttisch beide Augenbrauen hob.

„Willst du das Menschenkind tatsächlich einweihen, Nurai?"

Ihr Ton war ungewöhnlich bissig. Zwischen Zentaurin und Waldhexe hatte den ganzen Tag über eine kaum greifbare Spannung geherrscht. Diffus und dennoch vorhanden.

„Pah!" Nurai verschränkte die Arme vor der Brust und sah streng auf Ignis, die den Blick ungerührt erwiderte. „Vielleicht ist es Nurais Nutzen, es ihr zu sagen. Vielleicht verfolgt Nurai ja einen Plan!"

„Welchen Nutzen könntest du schon daraus ziehen?"

Die Waldhexe beugte sich, Ignis' Einwurf ignorierend, kichernd zu Megan herab, in den hellen Augen tanzte der pure Hohn und Megan schluckte hart, als Nurais krumme Nase mit ihrer eigenen kollidierte.

„Weil die kleine Megan Menschenkind alles, was sie hier erfährt, ihrem Freund erzählen wird…"

Das Mädchen hatte den Anstand rot zu werden und, den Blick zu Boden gerichtet, verlegen die Schultern zu zucken. Natürlich würde sie Draco jede Einzelheit berichten, wenn sie zuhause war.

Wenn sie es doch nur schon wäre…

Schwielige Finger zerzausten Megans schmutziges Haar.

„Außerdem muss Nurai sich nicht rechtfertigen! Nurai erzählt nur eine Geschichte – die, der Kadi-Bakh."

Megan nickte mit klopfenden Herzen, begierig zu erfahren, was es mit diesen Wesen aus Schatten auf sich hatte. Sie wagte kaum zu atmen, um auch ja kein Wort der Hexe zu verpassen, die nachdenklich ihre Lippen schürzte.

„Einst, im Lande Iarthar", begann Nurai lächelnd, während sie einige Blätter ins Feuer streute, auf dass die Flammen hochschlugen und dicker, klebrigrußiger Rauch Megans Kehle reizte, „lebte eine mächtige Hexe, die im ständigen Wettstreit mit ihrem Bruder lag. Eine harmlose Rangelei, ein spielerisches Ausloten der Kräfte, wie es oft unter Geschwistern vorkommt."

Vor Megans erstaunt geweiteten Augen wandelten sich die Flammen, nahmen die Gestalt eines Mannes und einer Frau an, die sich umkreisten; lauernd auf eine Schwäche des Gegners warteten.

„Ihre Rivalitäten nahmen zu. Die Schwester, eine treue Anhängerin der Chalhos, gewann an Macht und ihr Bruder wurde von Eifersucht zerfressen. Er wandte sich den dunklen Wegen zu, die so verlockend, einladend schienen. Seine Schritte führten ihn über finstere Pfade der dunklen Magie zu – der Ramhos."

Das Feuer bildete eine Art Durchgang, durch den der Bruder, in fremdartigen, prachtvollen Roben hindurch schritt und Megan schnappte nach Luft, als die Flammen nach ihr griffen, sie einhüllten, ohne Schaden anzurichten. Nurais Stimme wurde zum drängenden Flüstern, das Megan wie unter einen Bann stellte.

„Der Bruder übergab sich dieser Dunkelheit. Er wollte um jeden Preis eine Waffe erschaffen, die seiner Schwester Einhalt gebieten konnte. Er führte unselige Zauber an Mensch und Tier durch; verband beide Rassen zu einer – zu jener, die ihr heute Werwölfe nennt. Und sie nannten nur einen Schwachpunkt ihr Eigen: Silber."

In den Flammen erschienen Menschen, die sich unter Qualen verwandelten. Megan glaubte, das Bersten der sich verformenden Knochen zu hören und hielt sich keuchend die Ohren zu. Doch sie schaffte es nicht, ihre Augen von diesem grausigen Schauspiel abzuwenden.

„Er schickte diese Mischlinge in den Kampf und seine Schwester floh, angesichts ihrer plötzlichen Unterlegenheit…"

Längst waren es keine Flammen mehr. Megan stand auf einem sandigen Hügel, konnte wolfsähnliche Kreaturen erkennen, die im Blutrausch über Land und Menschen herfielen. Konnte Hitze spüren, Staub schmecken – und tödliche Furcht krampfte ihre Eingeweide zusammen.

„Doch auch die Schwester fand den Pfad und von tödlichen Rachegedanken beseelt, wandte sich ab vom hellen Licht der Chalhos und übergab sich der Ramhos. So erschuf sie Kreaturen, die denen ihres Bruders gewachsen waren. Eine bizarre Mischung aus Tier und Schatten. Das Gleichgewicht zitterte, erste Wunden wurden dem Hosghaj zugefügt, diesem alten Gefüge der drei Mächte."

Eine dunkle Höhle erschien und Megan konnte eine große stolze Frau sehen, aus deren Augen Irrsinn sprach.

„Todfeinde der Wölfe…"

Riesige Katzen, die von dunklen Schemen eingehüllt wurden.

„Sie gab ihnen eine Waffe…"

Silbrig blitzten die Krallen im schwachen Fackellicht, das sich in rot glühenden Augen brach.

„Sie gab ihnen den unbezähmbaren Drang zu töten…"

Der Sand war durchtränkt von Blut, als die Kadi-Bakh wahllos alles niederstreckten, was sich ihnen in den Weg stellte. Megan spürte die faltige Hand Nurais die ihre umfassen, und klammerte sich mit aller Kraft an der alten Frau fest, die wie aus dem Nichts neben ihr aufgetaucht war.

„Sie allein befehligte ihre Armee – und doch konnte sie ihre Geschöpfe niemals ganz und gar kontrollieren."

Nurai deutete auf fliehende Menschen, die ohne Unterschiede starben. Jene, die sich dem Schutz der Schwester unterstellt hatten, ebenso wie die Gefolgschaft des Bruders. Das Gesicht der Waldhexe war eingefallen und grau.

„Doch die Schwester nahm es in Kauf, war zu verblendet, zu besessen von dem Wunsch, ihren Bruder zu besiegen. Und dann musste sie erkennen, dass die Wölfe ihren Katzen gleichgestellt waren, dass ein Biss genügte, die Schatten zu vergiften, so wie das Silber das Wolfsblut vergiftete."

Atemlos sah Megan mit an, wie Kadi-Bakh und Werwölfe miteinander kämpften; die Mäuler geifernd aufgerissen. Zähne im Fleisch des Gegners vergraben – und wieder tränkte Blut das Land.

Ein Zittern durchlief den gebeugten Körper an Megans Seite und auch die sonst so feste Stimme brach beinahe.

„Und dann verloren Bruder und Schwester die Kontrolle vollends. Die Kreaturen wandten sich gegen ihre Herren… "

Megans Beine waren gelähmt, als die Wesen voneinander abließen und sich nun gegen Bruder und Schwester wandten.

„Das uralte Gefüge, das Hosghaj brach…"

Die Sonne verbarg sich hinter dunklen Wolken. Stürme fegten über das zerstörte Land. Nicht fähig, diesem Alptraum zu entkommen, der aus glühenden Augen, stinkendem Atem und tödlicher Gefahr bestand, schrie Megan voller Angst auf. Sie barg ihr Gesicht an Nurais Brust, spürte deren Arme, die sie schützend umschlangen – dann war da nur noch kühle, würzige Nachtluft und heiseres Flüstern in Megans Haar.

„Der Nurahos, der dritten Instanz im Gefüge, wurde erst erlaubt dem Streit Einhalt zu gebieten, als es schon fast zu spät war. Doch Chalhos und Ramhos waren nicht länger im Gleichgewicht. Die dunkle Magie hatte viel Schaden angerichtet. Die Wölfe konnten nicht mehr zu den Menschen werden, die sie einst waren. Die Katzen wurden verbannt. Doch jetzt wurde ihr Schlaf gestört, durch einen dummen Menschen, der glaubt, den Tod selbst kontrollieren zu können."

Sich über die feuchten Augen wischend, richtete Megan sich auf. Fragen wirbelten durch ihren Verstand, so viele, dass sie nicht wusste, welche sie zuerst stellen sollte. Furcht und Panik ebbten nur langsam ab, ließen das kleine Herz noch immer hart gegen die Rippen schlagen, während sie Nurais zusammengesunkene Gestalt betrachtete.

„Was ist mit den beiden Zauberern geschehen?"

Nurai wirkte seltsam klein und einsam, die sonst so blitzenden Augen waren unfokussiert und trübe.

„Nurahos ist es nicht erlaubt einzugreifen. Sie sieht nur zu, bis es vorbei ist. "

Unwilliges Schnauben ließ Nurai verstummen und Megan zu Ignis blicken, aus deren Augen kaum verhohlene Wut sprach.

„Und ich sage dir, es ist falsch, nur zuzusehen!""

Nurais Körper straffte sich, sie begegnete dem ihr entgegenschlagenden Zorn mit einem schmalen Lächeln, das beinahe echt gewirkt hätte, wenn es ihre Augen erreicht hätte.

„Es ist mir nicht erlaubt, darüber zu urteilen."

„Aber du könntest es aufhalten!" Ignis sprang auf und Megan riss ungläubig die Augen auf, als die Zentaurin unbeherrscht die Stimme erhob: „Ich habe dir gesagt, was geschehen wird! Was die Sterne prophezeien!"

Nurai schwieg, noch immer lächelnd und greifbare Stille lastete drückend auf der Lichtung. Megan fiel das Atmen plötzlich unendlich schwer, als sie zwischen ihren neuen Freunden hin und hersah. Die unbewusste Spannung des Tages schien sich zu einer dunklen Wolke zu verdichten.

Als Nurai endlich sprach, zeigte sie grinsend dunkle Zahnruinen: „Ah, aber die Sterne haben einen Faktor vergessen. Anscheinend haben fast alle diesen einen Faktor vergessen."

„Welchen?" Ignis' Schweif peitschte die Luft, verriet ihre Ungeduld.

Megan spürte Nurais Blick auf sich gerichtet und eine dunkle Vorahnung krampfte ihre Brust zusammen. Da war etwas wie Berechnung in Nurais Augen – und Hoffnung.

„Liebe."

„Und was geschieht, wenn sich deine Hoffnung nicht erfüllt?", fragte Ignis scharf.

Nurai starrte mit schmalen Lippen ihre gichtgekrümmten Hände an – und jetzt war es eiskalte Angst, die in Megans Glieder kroch. Sie wusste plötzlich, was mit den Geschwistern geschehen war.

„Dann wird die Neutralität wie eins handeln und die Scherben aufsammeln müssen."

ooOoo

Lucius saß scheinbar ruhig in einem Sessel vor dem Kamin und starrte in die Flammen – doch seine Lippen waren eine Spur zu schmal, seine Finger umklammerten ein unberührtes Glas eine Spur zu fest, als dass sie seine innere Zerrissenheit nicht preisgegeben hätten. Das Schweigen war unangenehm, aber Severus hatte es aufgegeben, eine belanglos ablenkende Konversation führen zu wollen. An den Fenstersims gelehnt, bemühte er sich, seine eigene Unruhe zu verbergen.

Minerva hätte ihn niemals um ein Treffen gebeten, wenn sie nicht von der Notwendigkeit eines solchen überzeugt gewesen wäre – doch die unsichtbaren Augen, die unausgesprochenen Drohungen des Dunklen Lords, waren wie Ketten an seinen Füßen. Er hatte Narzissa nicht gern darum gebeten an seiner Statt zu gehen und fast bereute er, der Gefahr zum Trotz, nicht selbst dort draußen zu sein. Zumal Lucius' angespannte Haltung, die finsteren Blicke aus den Augenwinkeln, die er Severus zuwarf, eine einzige Anklage waren. In Severus stieg das Bild eines anderen Augenpaares auf; braun, nicht grau war es, dennoch war dieser wütende, vorwurfsvolle, unverzeihende Ausdruck identisch…

Severus' vor Nervosität feuchte Finger rutschten beinahe von der Klinke ab, als er die Tür öffnete, die in Madam Malkins Laden führte. Seine Mutter stieß ihn leicht an, drängte ihn zur Eile; ihr Blick wirkte gehetzt und Severus unterdrückte ein Seufzen. Sie waren in die Winkelgasse gekommen, obwohl sein Vater es verboten hatte.

„Dafür gebe ich mein hart erarbeitetes Geld nicht her! Der Junge soll gefälligst etwas Sinnvolles tun. Ich lasse nicht zu, dass er so wird wie du!"

Die heiße Freude beim Anblick des Hogwartschen Briefes war zu einem schwelenden Häufchen Asche verglüht, als er die abwertenden Worte seitens Tobias Snapes gehört hatte. Seine Mutter hatte nur still am Küchentisch gesessen, die Lippen ergeben jedoch stur zugleich zusammengepresst, und die Tirade über sich ergehen lassen. Bis in die Nacht hinein hatte er seinen Vater fluchen hören können und jegliche Hoffnung Hogwarts besuchen zu können starb. Doch heute Morgen hatte Eileen ihn in aller Herrgottsfrühe geweckt und war mit ihm hierher gekommen. Sein Vater hatte geschlafen – und die Grimmigkeit in Eileens nach vielen, traurigen Jahren verhärmten Gesichtszügen, der zufriedene Blick in die Richtung des Umrisses unter der dünnen Bettdecke hatten Severus eindeutig bewiesen, dass es kein natürlicher Schlaf war.

Severus hörte stumm zu, wie seine Mutter Madam Malkin erklärte, dass diese gebrauchte Roben soweit ändern sollte, dass sie ihm passten – und heiße Scham über seine Armut ließ Severus' Wangen brennen. Sein Zauberstab, neu, unbenutzt, ganz und gar sein, hatte die meisten Ersparnisse aufgebraucht.

Er stellte sich wie angewiesen auf einen niedrigen Hocker, hob gehorsam die Arme, befolgte jedes Kommando der quirligen Hexe und betrachtete dabei ununterbrochen den tadellos sauberen Fußboden des Ladens. Irgendwann war es vorbei und Severus biss sich auf die Unterlippe, als seine Mutter Madam Malkin mit sich fortzog und über den Preis der Roben zu verhandeln begann.

Ich würde ja auf Slytherin wetten, allerdings weiß ich nicht so genau, ob sie da auch Hauselfen aufnehmen. Was meinst du, Peter?"

Ruckartig hob Severus den Kopf und blickte in spöttische graue Augen, die ihn durch schwarze Ponysträhnen abschätzend musterten. Groß, schlank, auffallend hübsch – Severus verspürte dumpfe Wut, beißenden Neid, wollte die Beleidigung mit gleicher Münze heimzahlen.

Für ein Mädchen hast du eine ziemlich große Klappe."

Treffer. Die vollen Lippen wurden zu einem dünnen Strich, verloren alle Farbe, feingliedrige Finger ballten sich zu Fäusten, alle Herablassung, alle Arroganz fiel von dem anderen Jungen ab.

Mädchen?", zischte er, langsam einen Zauberstab aus den Taschen seiner Robe ziehend. „Ich zeige dir, wer hier das Mädchen ist, du fetthaariger Bastard!"

Ach, tatsächlich?"

Sich selbstsicherer gebend, als er es war, zog Severus seinen Zauberstab ebenfalls und hoffte inständig, dass niemand das leichte Zittern aus seiner Stimme heraushören würde, welches er mit einem übertriebenen Gähnen zu übertünchen versuchte. Er wollte den beiden Angreifern diesen Triumph nicht gönnen.

Der andere Junge mit Namen Peter quiekte leise, sah gleichzeitig ängstlich und aufgeregt aus, während er sich regelrecht an den Arm des anderen klammerte, um ihm nervös zuzuflüstern:

Das darfst du dir nicht gefallen lassen, Sirius. Zeig's ihm!"

Sirius plusterte sich sichtlich auf, schien die Bewunderung des seltsam rattenähnlich anmutenden Peter zu genießen, ließ sich davon offenkundig anstacheln. Unterdessen bemühte Severus sich fieberhaft, sich die Zauber ins Gedächtnis zu rufen, die er heimlich aus den Büchern seiner Mutter gelernt hatte. Wissen, das er nächtelang wie ein Schwamm in sich aufsog, während das schwache Kerzenlicht flackernde Schatten auf brüchiges Pergament warf.

Merk' dir eins", holte ihn Sirius' überhebliche Stimme in die Gegenwart zurück, „leg dich nie mit Sirius Black an!"

Severus sah nur, wie der Zauberstab sich gegen seine Brust richtete und sprach mehr instinktiv denn klar denkend, den ersten Zauber aus, der ihm in den Sinn kam. Zu spät, es rückgängig zu machen, zu spät, zu bemerken, dass Sirius sich noch einmal Peter zuwandte, wohl um sicherzugehen, dass sein „Publikum" auch gut zuschaute. Sprühende Funken brachen aus der Spitze seines Zauberstabes heraus, hüllten Sirius ein, der schmerzerfüllt schreiend fiel; grellrote Striemen zogen sich über das ehemals makellose Gesicht.

Fassungslos über seine Tat starrte Severus auf die sich am Boden windende Gestalt, war nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, als ein grober Stoß vor die Brust ihn selbst ebenfalls zu Boden gehen ließ.

Du fällst anderen also gern in den Rücken, ja?"

Wie durch einen roten Schleier hindurch konnte Severus verengte, hasserfüllte braune Augen erkennen, grausam in ihrem Zorn des Gerechten.

Wie hinterlistig kann man sein?"

Ah, du bist wohl der edle Ritter der angebrannten Maid", spottete Severus. In ihm wallte ebenfalls Zorn auf. Zorn darüber, verhöhnt worden zu sein. Darüber, einen Fehler begangen zu haben. Darüber, voreilig angegriffen zu haben.

Ein unbeherrschter Schlag in seine Magengrube platziert, presste alle Luft aus seinen Lungen und mit einem dumpfen Laut brach er erneut zusammen.

Ach du meine Güte! Auseinander! In meinem Laden wird nicht gerauft!"

Severus konnte verschwommen erkennen, wie Madam Malkin sich neben Sirius niederließ und den Zauber mit zwei Worten brach, spürte kühle Hände an seinen erhitzten Wangen, hörte die besorgte Stimme seiner Mutter:

Severus. Severus, was hast du nur getan?"

Severus antwortete nicht. Sein Blick klärte sich, war brennend auf den Jungen mit wirrem Haar und Brille gerichtet, der ihn geschlagen hatte, der nicht einmal nach dem Grund für Severus' Angriff gefragt hatte, der in diesem Augenblick einem keuchendem Sirius Black aufhalf. Weiße Zähne blitzten im gebräunten Gesicht auf, als er Sirius erneut eine Hand entgegenstreckte.

Freut mich dich kennen zu lernen. Ich bin James. James Potter."

Noch heute schmerzte Severus' Herz angesichts der Erinnerung an seine erste Begegnung mit James, die ihren Hass besiegelt hatte. Einen Hass, der sich Jahre später in etwas anderes wandelte – in Liebe, so tief wie der vorhergehende Hass, hell und dunkel zugleich, verzweifelt, hoffnungsvoll – aussichtslos.

Severus schreckte aus seinen Gedanken hoch, als Lucius aufsprang; klirrend zerschellte das Glas im Kamin, der Whiskey ließ die Flammen auflodern, als wollten sie Lucius' Zorn unterstreichen.

„Sie ist schon viel zu lange fort! Was ist, wenn man ihr aufgelauert hat? Was, wenn der Dunkle Lord einen Verdacht hat?"

„Sie ist des Lords Druckmittel gegen dich. Er würde sie nicht verletzten, solange er sich deiner Loyalität nicht sicher ist." Severus antwortete bewusst gelassen, darauf bedacht, den anderen Mann nicht noch weiter zu provozieren.

„Und was glaubst du, wird passieren, wenn er erst weiß, dass wir Verräter sind?", fragte Lucius scharf. Graue Augen, dunkel vor Sorge und hilfloser Wut waren starr auf Severus gerichtet.

„Dann ist dieses Spiel vorbei und wir werden sterben…"

Das leise Knarren der zaghaft geöffneten Tür unterbrach Severus' resignierte Antwort. Lucius Schultern sackten für den Bruchteil einer Sekunde erleichtert herab, bevor sie sich wieder strafften. Severus glaubte, dass Narzissas Wangen blasser, ihre Lippen schmaler waren als noch vor einer Stunde. Sie wandte den Blick ab, als sie ihm einen Gegenstand überreichte, der in dunkles Leinen gehüllt war.

„McGonagall bat mich, dir dies zu geben."

Die Stirn gerunzelt, registrierte Severus das beträchtliche Gewicht, die Größe – und wagte kaum, den Verdacht zuzulassen, der in ihm zu keimen begann.

Minerva würde es nicht hierher bringen. Dieses Risiko wäre zu groß…

Zu seiner Überraschung zitterten seine Finger leicht, als er das Leinen abstreifte. Zischend sog Severus Luft in seine Lungen, wollte nicht wahrhaben, was er sah. Doch die Flammen brachen sich flackernd im Metall, hüllten Gryffindors Schwert in glutrotes Leuchten.

„Sie muss wahnsinnig sein!", flüsterte Severus fassungslos.

„Nein. Sie ist verzweifelt", antwortete Narzissa gepresst und Severus sah auf. In ihren Augen lag eine Härte, die ihre zerbrechliche Gestalt Lügen strafte. „Potter ist nicht fähig, den Todesfluch anzuwenden. Dies ist ihre, unsere, letzte Hoffnung, dass er es schafft, den Dunklen Lord zu töten."

Die eisern aufrechterhaltene Beherrschung Severus' bröckelte, er konnte beinahe spüren, wie sie ihm durch die Finger davon floss. Aus einem ersten Impuls heraus wollte er das Schwert von sich schleudern, in rasender Wut die Festung verlassen, zum Kloster disapparieren und Minerva vorhalten, dass sie eine Närrin war. Ein tiefer Atemzug bannte den Wunsch, Tarnung und Plan fahren zu lassen und seinem Instinkt zu gehorchen.

„Hat sie dir auch gesagt, wie sie sich dieses Szenario vorstellt? Es ist eine Sache, Potter unauffällig mit einem Zauberstab zu bewaffnen. Ihn hiermit" – Severus hob das Schwert aufgebracht an – „auszustatten, ist unmöglich!"

Narzissa schüttelte verneinend den Kopf und sah Severus herausfordernd an.

„Ich denke, dass dir schon etwas einfallen wird." Der beißende Spott verriet ihre eigene Wut, um die Severus wusste, seit er Lucius und Narzissa eingeweiht hatte. Damals im Kerker – vor scheinbar unendlich langer Zeit.

Die Zähne so fest zusammengebissen, dass sein Kiefer schmerzte, verfluchte er sich, nicht selbst zu diesem verdammten Treffen gegangen zu sein. Verfluchte sich selbst, Dumbledore auf diese abstruse Idee gebracht zu haben. Mit jedem Tag, der verging, mit jedem ungeplanten Zwischenfall, der eintrat, geriet dieser scheinbar so ausgeklügelte Komplott mehr und mehr ins Wanken. Und die Angst, so lange rücksichtslos verdrängt, dass Potter es nicht schaffen würde, dass er selbst, Severus, versagen könnte, spülte über ihn hinweg wie eine Sturmflut.

Mit geschlossenen Augen zwang er sich zur Ruhe. Er zwang sich, nicht daran zu denken, wie James ihn ansehen würde, wüsste er, in welcher Art und Weise Severus seinen Sohn missbrauchte. Doch der Wunsch nach Rache war größer als das Schuldgefühl. Zu spät, sich Vorwürfe zu machen, zu spät, für Reue. Er war zu weit gegangen, als dass es noch ein Zurück gäbe.

Severus bemerkte kaum, dass die schmückenden Edelsteine in seine Handflächen schnitten, als er den Blick auf Narzissa richtete. In ihren Augen lag eine solche Unerschrockenheit, ein solcher Mut, dass Severus Snape sich seiner eigenen Panik schämte. Sie stand hochaufgerichtet neben Lucius, der Severus mit einer Mischung aus Niedergeschlagenheit, Wut und Entschlossenheit entgegensah. Und in Severus bereitete sich Dankbarkeit aus. Trotz allem konnte er noch immer auf sie zählen.

„Dann werde ich mir eben etwas einfallen lassen."

Sie alle waren bereits zu weit gegangen, als dass sie jetzt aufgeben könnten.

ooOoo

Draco rieb sich abwesend über die Knöchel seiner rechten Hand, als er vor der Scheune stand. Seine Füße hatten ihn gegen seinen Willen hierher getragen, nachdem er über Stunden ziellos umhergewandert war. Er hatte Harry meiden wollen, hatte ihm nicht begegnen wollen. Nicht, nachdem er sich in der vergangenen Nacht so dermaßen hatte gehen lassen, in seinem Schmerz.

Er hatte es nicht kommen sehen. Hatte in der wilden Euphorie puren Glücks geschwebt, bis wenige Worte sein Innerstes grausam zerrissen hatten:

Die Todesser, die unser Dorf zerstörten, haben meinen Mann getötet und Megan mitgenommen. Ich muss Ihnen nicht erklären, was das bedeutet."

Die Wucht der Erkenntnis ließ Dracos Körper kalt und taub werden. Das Wissen um seine Schuld fegte jeden klaren Gedanken fort. Er nahm das Mitleid in Harrys Augen wahr und blinde Wut bemächtigte sich seiner. Er stieß Harry von sich, wollte ihn verletzen – wie er selbst verletzt worden war.

Megan war nichts weiter als ein dummes, lästiges Mädchen, das nicht einmal zaubern konnte. Eine Squib. Genauso wenig wert wie ein dreckiger Muggel!"

Eine Lüge. Ein kläglicher Versuch, die Pein zu überspielen, das Gesicht zu wahren, dessen war sich Draco bewusst.

Meinst du ich bin blind, Draco? Ich kenne dich!"

Nein, du kennst mich nicht.

Heimtückische Worte drängten sich in Dracos Verstand. Worte, die sein Schicksal besiegeln würden, kämen sie ihm über die Lippen.

Ich werde dich verraten, Harry.

So wenige Silben, und doch vermochten sie das Mitgefühl in Harrys Augen in Hass zu verwandeln.

Trotz allem, was zwischen uns ist, bleibt mir keine Wahl.

Es kostete Draco beinahe das letzte Quäntchen Kraft, sich von Harry abzuwenden und zu schweigen. Er musste fort von hier, fort von Harry, bevor es zu spät war. Obgleich er geradezu nach dessen Nähe gierte.

Er wusste nicht, wie er sein Zimmer erreichte. Das Brennen in seiner Kehle, seinen Augen, ließ ihn blind den vertrauten Weg entlang stolpern. Doch Draco war dankbar, als er endlich in schützende Dunkelheit eintauchen konnte, als er sich auf seinem Bett zusammenrollen konnte, das Zittern nicht länger unterdrückend.

Harrys Auftauchen, der stumme Trost, den er schenkte, ließ Dracos Abwehr brechen wie einen morschen Zweig. Halt suchend klammerte er sich an diesen vertrauten Körper, ließ sich nur zu bereitwillig von liebevoll streichelnden Händen auffangen. In diesem Augenblick spielte es keine Rolle, ob Harry begriff, dass Draco schwach war. Wie sehr ihn der Verlust Megans traf. Dass ihn jenes Wissen, Harry irgendwann ebenfalls zu verlieren, langsam in den Wahnsinn trieb. Jetzt zählte nur die Wärme, die Harrys Körper ausströmte. Die federleichten Küsse, nur ein Hauch auf Dracos Stirn.

Reue und Scham über seine mangelnde Selbstbeherrschung kamen erst später. Erst, als Draco nachdenklich Harrys auf dem Rücken liegende Gestalt betrachtete, als Harrys Atem ruhig und gleichmäßig über halbgeöffnete Lippen floss, das scharf geschnittene Gesicht entspannt und weich im diffusen Licht der aufgehenden Sonne.

Draco rückte von Harry ab, fühlte sich ausgebrannt und leer. Der Schmerz war noch immer da, angefacht durch folternde Erinnerungen an Megan, die Draco sich selbstzerstörerisch ins Gedächtnis rief.

Ein aufrichtiges Lächeln, begeistert strahlende Augen, voller Bewunderung auf ihn gerichtet. Ungeschickte Finger, die Gräser zu einem Kranz flochten. Eifersüchtige Blicke in Richtung Harry, dem blitzschnell die Zunge herausgestreckt wurde, wenn Megan glaubte, Draco sehe es nicht.

Mit den Fingerspitzen rieb Draco sich über die brennenden Augen und zuckte ertappt zusammen, als Harry sich bewegte. Sich zur Seite rollend, fuhr Harry mit den Händen suchend über die Matratze, bis seine Finger ihr Ziel gefunden hatten. Murmelnd drängte er sich näher an Draco heran, der fasziniert zuließ, erneut von Harrys Armen umschlungen zu werden. Ein zufriedener Seufzer und Harry lag so ruhig da wie zuvor.

Dracos Herz zog sich in vertrauter Weise zusammen, als er behutsam einige dunkle Haarsträhnen aus Harrys Stirn strich. Noch immer konnte er kaum glauben, dass er Harry berühren konnte, dass der ehemalige Gryffindor ihn, Draco, so nah an sich heran ließ; näher als Draco sich je hätte träumen lassen…

Es waren Momente wie dieser, in denen Draco es fast wagte, sich einzugestehen, wie viel er für Harry empfand.

Fast.

Und Draco hatte sich aus Harrys Armen gelöst, war feige geflohen. Vor diesen Emotionen, die alles nur kompliziert, wenn nicht gar unmöglich schienen ließen.

Vor Harry.

Im Inneren der Scheune zerbarst etwas mit dumpfem Klirren und er konnte Harry fluchen hören. Die Wange an warmes Holz gelegt, schloss Draco die Augen. Er glaubte fast, Harry zu sehen: Die Augen grüne Schlitze, die Lippen nur eine schmale, blasse Linie im hochroten Gesicht – wie er Schmerz mit zorniger Zerstörung kompensierte.

Langsam drückten seine zitternden Finger die Tür auf. Er sah Harry herumwirbeln, sah die Erleichterung, die Wut, den stummen Vorwurf deutlich in dessen Züge geschrieben. Nur wenige Schritte trennten sie, doch Draco war nicht in der Lage, sie zu überbrücken – es war Harry.

Es waren Harrys Hände, die sich schmerzhaft in Dracos Schultern gruben. Es war Harrys Körper, der Draco rücklings gegen die Wand drängte. Es war Harrys Mund, der sich besitzergreifend auf Dracos presste. Es war Harrys Geruch, der ihn schwindeln ließ. Es war Harry, der alle Dämme, jeglichen Schutz einreißen konnte.

Und Draco ließ sich fallen. Wohl wissend, dass die Reue erst Stunden später auf ihn niederprasseln würde.

Wohl wissend, dass er Harry irgendwann ausliefern würde.

Sich endlich eingestehend, dass er ihn liebte.

ooOoo

Er hastete durch die dunklen Gänge des Klosters, den ungewöhnlich schweren Brief fest umklammert. Hochgefühl bemächtigte sich seiner – endlich erhielt er die lang ersehnte Nachricht. Dieser Auftrag würde ihm zur Macht verhelfen. Ihm seine Rache sichern. Doch trotz der Ungeduld öffnete er den Umschlag nicht. Erst in seinem kahlen, nichtssagenden Zimmer angelangt, gestattete er sich, das Siegel (Schlange und Zauberstab waren ihr Zeichen) mit klammen Fingern zu brechen.

Die Botschaft war kurz, enthielt präzise Anweisungen, wie er sich zu verhalten hatte, doch es waren nur die ersten Worte, die ihn nach Luft schnappen ließen.

Bring mir das Mädchen. Bring mir Potters Freundin!

Es war nicht die Tatsache, dass er diese Göre dem sicheren Tod ausliefern sollte. Es war die Unmöglichkeit, sie unbemerkt aus dem Kloster hinauszuschaffen, um den Portschlüssel zu benutzen, der dem Brief beigelegt worden war. Schweiß sammelte sich auf seiner Oberlippe, während er intensiv sinnierend alle Möglichkeiten abwog.

Ein schmaler Schatten sprang lautlos neben ihm auf das Bett und seine rissigen Finger versanken in weichem Fell. Das vertraute Schnurren beruhigte ihn, ließ seine wirbelnden Gedanken zur Ruhe kommen. Er hatte sie beobachtet. Sie alle. Er hatte einige Dinge herausgefunden, die ihm vielleicht die Gunst des Dunklen Lords sichern konnten, wenn er diese Informationen geschickt einsetzte.

Doch jetzt galt es, den Wunsch (Befehl) Bellatrix' um jeden Preis zu erfüllen. Er würde es schaffen, auch wenn es unmöglich war. Er musste es einfach schaffen, sonst war sein Leben keinen Knut mehr wert.

Tbc...