K2 ~Passion, Love and Misery~
"House."
Mehr brachte ich nicht heraus vor Erstaunen.
"Willst du hier zwischen Tür und Angel reden oder lässt du mich rein?"
Ich fing mich wieder und trat einen Schritt zur Seite um ihn einzulassen.
"Was willst du hier um diese Zeit?" sagte ich,, während ich dir Tür schloss und ihm ins Zimmer folgte. Dabei versuchte ich ziemlich neutral zu klingen und mir die Augen trocken zu wischen. Er sollte nichts von meiner Aufregung mit bekommen. Ich atmete tief durch.
"Was willst du?", wiederholte ich, als ich keine Antwort bekam.
"Den Abend mit dir verbringen." kam sie dann aber prompt, als er sich aufs Sofa pflanzte.
"Mit anschließendem Sex am besten."
Ich stand immer noch ungerührt und unschlüssig da, starrte ihn an ohne mich bewegen zu können. Sein durchdringender Blick zog mich wie immer in seinen Bann.
"Was? Hat's dir die Sprache verschlagen?"
Langsam wandte ich mich widerwillig ab.
„Ich bin jetzt nicht aufgelegt für deine Nervereien", sagte ich, als ich mich wieder unter Kontrolle hatte. Verwirrung lag jetzt in seinem Blick.
„Du hast mich doch gefragt, ob wir den Abend zusammen verbringen, mit was auch immer. Reden oder Sex oder was weiß ich. Aber ich kann ja auch wieder gehen", meinte er noch, während nach seinem Stock griff und aufstand. Panik machte sich in mir breit.
„Nein!"
Er legte den Kopf schief. Ich kam auf ihn zu. „Bleib!"
Er blieb stehen und sah mich weiterhin an.
„Es bedeutet mir sehr viel, dass du mitgekommen bist."
Da passierte es schon wieder. Ich begann mich in seinem Blick zu verlieren und ein angedeutetes Lächeln lies mich schlucken. Selbst wenn ich gewollt hätte, ich hätte mich nicht weheren können, in dieser Hinsicht war ich schwach. Ich merkte auch nicht, wie wir uns näher gekommen waren und dann spürte ich nur noch seinen Mund auf meinen Lippen. Seinen warmen Atem und seine Rauen Bartstoppeln an meiner Wange. Und dann, wie er seine Zunge in meinen unwillkürlich geöffneten Mund gleiten lies. Es war so unwirklich wie in einer anderen Welt oder einer Erinnerung und auch ganz anders als unser erster Kuss. Was war geschehen? Was hatte diesen Wandel in ihm hervorgerufen? Wo war die Distanz zwischen uns geblieben? Ich wusste keine Antwort darauf und ich konnte nicht mehr klar denken. Ich war wohl etwas benebelt vom Wein. Aber mir war in diesem Moment alles egal. Ich hatte es mir zwar vorgenommen es ihm nicht so einfach zu machen, aber es war mal wieder zu spät. Ich konnte wieder mal nicht zurück. Verdammt seist du, House.
Am nächsten Morgen wachte ich allein in meinem Bett auf, wie immer. Nur meine Klamotten, die zerstreut in meinem Zimmer lagen erinnerten noch an die letzte Nacht. Und der Geruch von schweiß und Aftershave der noch immer in der Luft hing. Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, das es Zeit war auf zu stehen. Ich hätte eh nicht mehr schlafen können. Ich stand auf und zog meinen Morgenmantel über und öffnete das Fenster. Ich erinnerte mich daran, wie House eines Nachts davorstand um mir die Lösung seines Falls mitzuteilen und ich ihm verbot dem Patienten Cortisol zu spritzen. Was ich dann letztendlich doch selbst getan hatte ohne House etwas davon zu sagen. Ich bereue es immer noch, denn ich hasse es ihn anzulügen.
Dann ging ich in die Küche, um mir einen Kaffee zu machen. Hunger verspürte ich keinen. Ich war noch zu verwirrt. Aber gleichzeitig fühlte ich mich auch so gut wie lange nicht mehr. Ich hatte das Gefühl, dass mich nichts aufhalten könnte und vielleicht so gar in der Lage wäre, House meine Gefühle zu gestehen. Aber da schaltete sich mein Verstand wieder ein. Die Chance war zu gering das es funktionieren würde und heute Nacht hätte auch nicht sein dürfen. Er war immer noch mein Angestellter. Wenn das jemand erfuhr…
Nachdem ich meinen Kaffee getrunken hatte, stellte ich mich unter die Dusche. Ich versuchte mich auf etwas anderes zu konzentrieren und dachte an Rachel. Es funktionierte sogar für einen Moment.
Das Wasser lief wohlig warm übermeinen Körper und ich schloss genießend die Augen und für einen Moment waren alle Sorgen wegen House vergessen. Doch dann schweiften meine Gedanken wieder ab und für einen Augenblick war ich ein paar Stunden zurück versetzt. Das warme Wasser überall auf meiner Haut erinnerte mich an seine Hände die übermeinen Körper wanderten und seine Lippen…
Schnell öffnete ich wieder die Augen und stellte das Wasser ab. Dann wusch ich mich fertig und zog mich an. Energisch versuchte ich das etwas beklemmende Gefühl loszuwerden, das mich beschlichen hatte, als House in dieser Nacht so schnell und ohne ein Wort zu sagen gegangen war und mich allein in meinem dunklen Schlafzimmer zurückgelassen hatte.
So schnell ich konnte verließ ich das Haus und machte mich auf den Weg zum Krankenhaus. Ich brauchte Ablenkung, sonst würde ich noch verrückt.
Ich war überglücklich, als ich meine Tochter kerngesund im Krankenhaus abholte. House war natürlich nicht da, dafür aber James. Worüber ich sehr froh war.
„Sie ist wirklich süß", sagte Wilson. „Ich freu mich für dich."
„Danke."
Dann ging ich in mein Büro, es war Einiges liegen geblieben in den letzten 3 Tagen. Nach ungefähr zwei Sunden verlies ich das Krankenhaus und versuchte mich im Park ein wenig zu entspannen in dem ich dort mit Rachel etwas spazieren ging. Ich war wirklich froh, dass schließlich doch noch alles funktioniert hat, da es meist ein ziemlich schwieriger Weg ist, bis so eine Adoption vollzogen ist. Und kurz kam mir der Gedanke ob ich die Sache mit House nicht einfach vergessen sollte und mich auf das Baby und die Arbeit konzentrieren, ich wollte das ja schließlich, und wenn möglichst auch alleine, unter einen Hut bringen. Ich fragte mich deshalb schon wieder, was mich dazu verleitet hatte, ihn anzurufen. Jetzt erschien es mit nämlich nicht mehr als eine so gute Idee mit ihm über Geschehenes zu reden. Ich kannte ihn zu gut und hatte ein ungutes Gefühl dabei, wie er reagieren würde. Allein der Gedanke an Abweisung versetzte mir schon einen leichten Stich. Und House konnte sehr abweisend sein. Vor allem wenn es um ihn selbst ging. Dies konnte auch an seiner „überschwänglichen Begeisterung" liegen, die ich durchs Telefon deutlich wahrnehmen konnte, als ich ihn zu kommen gebeten hatte. Nach dem ich ein wenig auf ihn ein geredet hatte, kam dann doch noch ein „ja, gut bin gleich da", bevor er auflegte. Aus dem „Bin gleich da" war mittlerweile eine halbe Stunde geworden, wie ich nach einem weitern Blick auf die Uhr feststellte.
Rachel fing an zu weinen und ich versuchte sie zu beruhigen. Sie langweilte sich und ich suchte in der Tasche nach ihrem Spielzeug. Als ich es gerade gefunden hatte, wurde es auf einmal dunkler, ein Schatten tauchte auf und Rachel gluckste. Ich richtete mich auf und musste blinzeln. Ein hochgewachsener Mann stand vor mir. Sein Gesicht konnte ich im ersten Moment nicht erkennen, da er direkt in der Sonne stand, aber ich wusste sofort wer es war. Auf seinen stockgestützt sah er auf mich herunter.
„Hallo Miss ‚endlich Mommy'. Da bin ich."
„Soviel zu „Bin gleich da" grummelte ich, wurde aber gleich wieder sanft, ich wollte nicht schon gleich wieder einen Streit herauf beschwören.
Ich lächelte ihn an und hielt ihm Rachel entgegen. „Gewöhn dich schon mal an sie."
Seine Begeisterung hielt sich weiterhin wie erwartet in Grenzen, aber das konnte mich im Moment auch nicht aus der Ruhe bringen.
„Und was ist jetzt so dringend?" fragte er und zog die Brauen etwas skeptisch hoch, während er abwechselnd mich und das Baby musterte. Aus seiner Miene konnte ich aber wie immer nichts lesen.
„Ich wollte mit dir reden."
Jetzt wurde ich doch wieder etwas nervös, als ich an die vergangene Nacht dachte.
„Also wegen gestern…", begann ich.
„Vergiss es einfach", unterbrach er mich unwirsch. Enttäuschung machte sich in mir breit, mein Mund stand immer noch offen.
„House..", ich brachte es nur kaum vernehmbar heraus.
„Da gibt es nichts zu bereden", sagte er noch leiser als ich und er drehte sich um und humpelte davon. Ich sah ihm noch nach und seufzte. Was hatte ich erwartet? Ich musste Schlucken. Ich wollte es nicht glauben. Es mag naiv klingen, vielleicht bin ich das auch, aber ich wollte nicht glauben, dass es ihm rein gart nichts bedeutet hatte.
Und ich würde nicht aufgeben, so wie ich Rachel nicht aufgegeben hatte. Die kleine zappelte nun ungeduldig herum und ich setzte mich wieder auf die Bank und versuchte den Rest des Tages nicht mehr über House nach zu denken.
Die nächsten drei Tage verbrachte ich hauptsächlich zu Hause und kümmerte mich um das Baby. James kam vorbei und brachte noch mehr Spielzeug und der gleichen mit. Kurz kam mir der Gedanke, warum ich nicht gleich ihn um Hilfe gefragt hatte. Außerdem kamen noch meine Muter und meine Schwester zu Besuch. Allerdings nicht zusammen, da das Verhältnis zwischen ihnen etwas gespannt war, um es vorsichtig auszudrücken. Was die Sache aber auch nicht besser machte, war, dass meine Schwester und ich ausnahmsweise mal einer Meinung waren. Mum wies mich darauf hin, dass Rachel auch irgendwann Fragen stellen würde und vielleicht auch ihre leiblichen Eltern sehen wollen würde. Ich erklärte meiner Mutter also, dass ich alle Fragen beantworten würde und Rachel selbst entscheiden lassen würde. Ich erklärte ihr auch nicht zum ersten Mal, dass ich Rachel gefunden und ihrer Mutter, einem junges Mädchen, zurückgebracht hatte, und sie sie dann zur Adoption freigegeben hatte.
„Bist du dir sicher dass du das alles alleine hinkriegst?"
„Ja natürlich", sagte ich so zuversichtlich wie möglich."
Meine Mutter seufzte theatralisch. „Kind, wieso willst du dir nicht helfen lassen?"
„Das stimmt doch gar nicht", rief ich aufgebracht. Und wieder endete ein Gespräch mit ihr im streit. Ich ging zu meiner Tochter und sagte nichts mehr.
Am Abend konnte ich nicht schlafen. Es war so ungewohnt ohne den Stress der Arbeit in der Klinik. Das soll nicht heißen, dass ich nichts zu tun hatte. Meine Kleine hielt mich ganz schon auf Trapp. Aber es war eben etwas anderes. Völlig anders. Ich musste aber fast lachen, als ich nach 5 Tagen merkte, dass ich meinen Job doch irgendwie ein Bisschen vermisste. Vor allem, weil ich mir Gedanken machte, ob auch alles ordnungsgemäß lief und nicht das Chaos ausbrach solang ich nicht da war. So rief ich jeden Tag Cameron an und erkundigte mich, unter anderem auch, ob House sich denn benahm. Normalerweise schaffte es keiner außer mir ihn unter Kontrolle zu halten. Aber Wilson versprach mir sein Bestes zu geben.
Aber anscheinend kamen auch alle ohne mich sehr gut zurecht.
Und auch wenn ich den Gedanken zu verdrängen versuchte, in den wenigen ruhigen Momenten die ich hatte, vermisste ich auch House. Irgendwie. Seit dem Treffen im Park, was mir immer noch Magenschmerzen verursachte, wenn ich daran dachte, hatte ich nichts mehr von ihm gehört und das störte mich etwas. Dass er nicht mehr den kleinsten Versuch unternahm, mir irgendwie auf die Nerven zu fallen. Und was mich wütend machte war, wie offensichtlich er gezeigt hatte, dass das, was zwischen uns geschehen war, ich wollte es Gar nicht erst aussprechen, dass er meine Lage dieses Mal doch so schamlos ausgenutzt hatte. Ich entschloss mich ihn zur Rede zu stellen und meinem Ärger über sein Verhalten Luft zu machen. Und ihm vielleicht ein paar Klinikstunden extra aufzubrummen.
Mit dem Wissen, dass ich ihm ja doch nie lange böse sein konnte und morgen, wenn ich ihn traf, nur noch halb so sauer sein würde schlief ich letztendlich doch ein.
Am nächsten Morgen nahm ich Rachel mit zur Arbeit. Als ich im PPTH ankam, war nicht anders als erwartet die Hölle los. Die Klinik war überfüllt und in der Notaufnahme kamen sie auch kaum hinter her, da es in der nähe eine Massenkarambolage gegeben hatte. Das war der Stress, den ich gewohnt war.
Ich schaute in der Klinik vorbei. Foreman hatte Dienst. Und ich wusste schon, wer ihn ablösen würde. Dann besuchte ich noch Wilson in seinem Büro.
„Willkommen zurück. Ist dir schon langweilig geworden?" sagte er lächelnd.
„So ähnlich", antwortete ich. „Du weißt doch, es macht mich verrückt, wenn ich nicht die Kontrolle habe über das, was hier vor sich geht. Und was House angeht…"
„Keine Angst", meinte Wilson, „den halte ich schon unter Kontrolle."
„Danke", sagte ich, schenkte ihm noch ein Lächeln, ehe ich sein Büro wieder verlies und in mein eigenes zurückkehrte. Eigentlich wollte ich den Stapel Patientenakten und Briefe auf meinem Schreibtisch abarbeiten, aber die meiste Zeit verbrachte ich damit mit Rachel zu spielen, bis sie endlich eingeschlafen war.
Um die Mittagszeit, nachdem ich Rachel schon gefüttert hatte und dann selbst eine Kleinigkeit in der Cafeteria zu mir genommen hatte, machte ich mich auf den Weg zu House' Büro. Er arbeitet gerade an einem Fall und würde wohl später essen. Da ich nicht warten wollte, setzte ich mich in seinem Büro in seinen Sessel, während er mit seinem Team im Besprechungszimmer saß und über die Symptome seines Patienten diskutierte. Ich gab Rachel ihren Schnuller und lies sie mit House' Ball spielen
„Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?" fragte House als er 10 Minuten später herein kam, nachdem er sein Team für ein paar Tests zum Patienten geschickt hatte.
Jetzt würde sich zeigen ob ich es schaffte, ihm auch in dieser Angelegenheit gegenüber standhaft zu bleiben. Obwohl ich nervöser war als sonst. Aber mir waren meine Gefühle für ihn ja auch nie so klar gewesen.
Und ich bleib standhaft. Naja fast. Ich war ein bisschen an die Decke gegangen. Na, gut, das war auch eigentlich nichts Ungewöhnliches, so oft wie wir uns stritten und manchmal rastete ich auch aus.
Dass ich danach aber heulend bei Wilson saß, kam allerdings eher selten vor. Einmal in zwei oder drei Jahren vielleicht. Und so kam es, dass ich James die ganze Geschichte erzählte.
