Kapitel 4: Das unaussprechliche Kapitel

Das Fest endete, die Schüler gingen zu Bett und dann brach der erste Schultag an. Nach einem kurzen Frühstück schleppten sich die Schüler „voller Begeisterung" in die Klassenräume.

Wie sich bald schon herausstellte, sollte Musauge Mutti in diesem Jahr die Verteidigung gegen die Dunklen Reime übernehmen. So warteten die Schüler gespannt auf den Beginn der ersten seiner Unterrichtsstunden. Alle hatten schon die unglaublichsten Gerüchte vernommen, eines absurder, als das nächste. So erzählte man, er sei ein alter Freund Dummwietürs und sollte irrer sein, als Dummwietür Selbst!

Als Muti den Raum betrat, hatte er sofort die Aufmerksamkeit der Schüler.
„Guten Morgen," säuselte er fröhlich. „Ich würde gerne mit ihnen über die schlimmsten Zauber reden, die es so gibt. Was meinen sie wie viele es davon wohl gibt?"

Die von den Schülern in den Raum geworfenen Zahlen variierten zwischen 2-3 und 10 hoch 2 Trillionen. Nur eine einzige Stimme sagte: „Einen!" Das war selbstverständlich Gudmiene.

Muti hüpfte zu Gudmienes Pult, was nicht weit war, da die Klassenstreberin in der ersten Reihe saß, somit war es mehr ein kleiner Hüpfer bis zu ihrem Pult

„Sehr richtig, Fräulein Garage, nur einen. Und wissen sie auch wie er lautet?"
„Nein, das weiß ich nicht, denn er ist unaussprechbar," antwortet sie. „Deshalb heißt er ja auch der Unaussprechliche Fluch. – Aber! - Ich könnte ihn aufschreiben!"

„Ja, gute Idee, gehen sie mal an die Tafel und schreiben ihn an," fand Muti und Gudmiene tat natürlich was man ihr sagte. Kurze Zeit später stand an der Tafel:
Djkasfz övoureöarîw nap-öutó –mcjègiajmrpmujisyuhi-urë owapitnpawp-ä ubäro

„Da haben wir ihn, sehr gut, Fräulein Garage. Absolut korrekt angeschrieben! Kann mir jemand anders bitte sagen, warum dieser Fluch so gefährlich ist. Hmm, vielleicht sie Herr ? Immerhin wurden doch ihre Eltern damit verflucht, wenn ich mich recht erinnere."

Nieviel Langer, vor den Musauge nun gesprungen war, schluckte schwer und nickte. Dann antwortet er leise: „Das tückische an dem Fluch, den niemand aussprechen kann, ist das er jedes Mal anders wirkt. Je nachdem wie falsch man ihn ausspricht, bewirkt er beim Gegenüber etwas anderes. Das kann von einem Pickel, über Gedächtnisverlust, bis hin zum sofortigen Tod führen."

„Jaja, so ist da wohl," meinte Muti amüsiert. „Ich hoffe doch, ihre Eltern sind die Pickel mittlerweile losgeworden? – Nun, egal. Wichtig ist eben nur, dass sie sich merken, dass das Ministerium verboten hat, den Fluch zu benutzen, weil man eben nie weiß, was passiert und auch noch niemand herausgefunden hat, wozu der Spruch, wenn er richtig ausgesprochen würde, eigentlich dient. Verwenden sie ihn doch, dürfen sie eine Woche lang keine Süßigkeiten mehr essen. Noch Fragen?"

Fragen hatte keiner der Schüler mehr. Entweder weil sie keine Lust oder Interesse daran hatten, oder eh schon alles wussten, wie Gudmiene.

Nach der Stunde unterhielten sich die drei Freunde und ein paar andere Griffinsklos über Mutti und seine mögliche Rolle in diesem Band.

„Der Kerl ist absolut irre! Wie kann man nur immer so gut gelaunt sein?" Meckerte Heini.

„Sagt mal, war das Marmeladenglas gestern nicht noch zu einem Drei-Viertel gefüllt? Eben war es nur noch halbvoll", bemerkte Ronny.

„Ja, war es. Aber gestern war die Marmelade auch noch rot und heute ist sie gelb", hatte Gudmiene bemerkt.

„Lasst uns lieber zum nächsten Unterricht gehen", schlug Heini vor, dem gerade leicht übel wurde. „Bei Schnippisch wissen wir wenigstens, wo wir dran sind."

Und damit hatte er natürlich recht den der Zaubertränkeunterricht, verlief in geordneten Bahnen:

Zuerst mussten die Schüler eine viertel Stunde warten, bis Schnippisch seine Haare fluffig gebürstet hatte. Dann brach er sich beim Umrühren in seinem Vorführkessel einen Fingernagel ab, der erst mal versorgt werden musste. Und schließlich rannte er kreischend aus dem Raum, weil ein winziger Tropfen Blut (vom eingerissenen Fingernagel) seine herrliche weise Robe befleckt hatte und die Schlossreinigung nur noch eine knappe halbe Stunde auf hatte.

Beim Mittagessen dann geschah etwas Ungewöhnliches, das Gudmiene sofort in ihr Notizbuch für mögliche Buch-Plotinhalte notierte. Zudem schien sie eine eigenartige Strichliste zu pflegen.

Apfel Dummwietür erhob sich und trat vor. Die Schüler warteten gespannt, ob er dieses Mal einen vernünftig klingenden Satz zu Stande bringen würde – und so geschah es (mehr oder weniger).

„Ähm, uhm... ich glaub,... nun wie soll ich... also gestern habe ich eine winzige nette Kleinigkeit... vergessen... Ja." Er wollte sich wieder setzten, als ihn der böse Blick von Professorin Nachtigall traf.

„Ähm, achso? Ich soll das jetzt nett sagen?" Fragte er sie sicherheitshalber, woraufhin sie nickte. „Na, gut, muss dann ja wohl sein: Ähm, also dann..."

„Bitte heute noch!" Rief ein Schüler aus Rabegeklaut, der gerne zum nächsten Unterricht wollte.

„Jaja, ist ja schon gut. Ähm,... sie haben ja alle hier Maggi? Und sie kennen sicher diese nett Kochsendungen, die es so gibt... nette Wettbewerbe... etc... etc...etc..."

„Direktor!" Herrschte ihn Professorin Nachtigall an.

„Ja?" erkundigte sich Dummwietür. „Ähm-ja, also wir geben hier demnächst ein nettes Drei-Maggi-Tunier", verkündete er letztendlich.

„Das ist alles?" Hörte man die Schüler murren. „Und dafür macht der so einen Aufstand?" Oder „Ich will jetzt lieber in den Unterricht, wer kommt mit?"

Doch Dummwietür hatte noch eine Ergänzung. „Dieses nette Tunier-Dings...da... also, ähm... da werden noch andere teilnehmen, aus anderen netten Schulen. Wäre nett, wenn sie nett zu denen sind... Es kommen ein paar nette Mädels aus dem königlich bayrischen Zauberinternat und ein paar nette Jungs aus dem sizilianischen Muffeliosi Institut."

Zuerst hörte man nun ein „Ahhhh" von den Jungs im Raum dann ein „Ahhhh" von den Mädchen, bis auf Gudmiene, die lauthals schimpfte „Elf mal ‚nett' in den paar Sätzen und sechs mal ‚ähm', der Direktor sollte endlich mal ein Rhetorikseminar besuchen."

Dann war es wieder ruhig. Die Schüler aßen noch rasch die Teller leer und gingen alle in den nächsten Unterricht, weil der ja sicher viel spannender sein würde als eine Rede Dummwietürs.