Police Station
Twelfth Precinct Homicide Squad,
Madison Street, Manhattan
New York

Das Polizeipräsidium war, um diese frühe Uhrzeit, laut und vollgepfropft. Kate und Richard drängten sich durch die Massen um an Becketts Tisch zu gelangen. Dort lag ein Bericht der CSU, die Kugel in Ewa Jalowy Körper wurde endlich untersucht. Kate las interessiert den Bericht durch und schrieb die Erkenntnisse an die Tafel.
Kaliber: .45
Voraussichtliche Waffe HK USP ( Militärstandart)
Weitere Details: Kugel weist weitere Rillen auf = Schalldämpfer
„ Ist die Waffe im IBIS registriert?" fragte Castle und stellte sich hinter Beckett. „ Nein, leider nicht. Natürlich wurden auch keine Hülse gefunden."
„ Das heißt das unser Täter nicht dumm war, oder sein Auftraggeber." schlussfolgerte Castle und setzte sich auf den Stuhl neben Becketts Tisch. Becketts Handy klingelte, als sie Espositos Name las stutzte sie kurz. „ Beckett."
„ Yo, wir glauben das unser Verdächtiger Luíz de Lima gerade in die Lagerhalle gegangen ist. Leider konnten wir Ihn nicht erkennen."
„ Danke, Esposito, ich werde mich an das ICE wenden."
Kate legte auf und wählte gleich die Nummer von Special Agent Starr. Nach dem vierten Klingeln nahm er endlich ab und klang genervt: „ Special Agent Starr am Apparat."
„ Detective Beckett. Ich wollte wissen wo sich der Verdächtige de Lima gerade aufhält." Eine kurze Pause entstand, bis Starr endlich redete: „ Er ist in einer Lagerhalle am Hudson River. Dort ist angeblich ein Steuerberatungsbüro von." „ Aiden Lakefield, ich weiß." unterbrach sie ihn schnell. „ Was schlagen Sie jetzt vor, sollen meine Männer das Lagerhaus stürmen und alle festnehmen?" fragte Kate.
„ Nein, ihre Männer sollen weiter beobachten. Wir wissen nicht wo sie die Mädchen versteckt halten. Es könnte gut sein das sie nicht im Lagerhaus sind."
„ Wie lange sollen wir warten?"
„ Bis Morgen, wenn Luíz das Lagerhaus heute noch verlässt, wird er von meinen Männern verfolgt und observiert werden. Es wäre sehr günstig, wenn Sie das Lagerhaus bewachen und wenn möglich auch durchsuchen könnten."
„ Dafür bekomme ich Morgen Luíz um Ihn befragen zu können."
„ Natürlich, Detective."
Wie sehr hasste sie diesen Mann, sein Ego war großer als sein Gehirn. Angewidert legte sie auf und strich sich durch die Haare. „ Nach deinem Gesichtsausdruck zur Folge hattest du kein nettes Gespräch mit unserem geschätzten Special Agent."
„ Er hat ein Ego wie kein Zweiter."
„ Schlimmer als ich?" fragte er und trat einen Schritt näher.
„ Es ist unvorstellbar, aber ja."
„Detective Beckett." rief plötzlich Cpt. Montgomery aus seinem Büro, durch den Lärm. Kate lief an Castle vor, ganz nah und berührte zärtlich seine Hand mit ihrer. Er folgte ihr als sie auf den Weg zum Büro war, schnell schloss er die Tür und sperrte den anhaltenden Lärm aus. Roy Montgomery saß auf seinen Stuhl und blickte Kate erwartungsvoll an. „ Haben Sie schon etwas Neues herausgefunden?"
Castle platzierte sich auf die Couch, gegenüber dem Schreibtisch und blickte zwischen Kate und Montgomery hin und her. Kate stand direkt vor dem Tisch und schaute leicht zu Montgomery nach unten. „ Ja, Sir. Wir haben herausgefunden das Luíz de Lima und Aiden Lakefield eine geschäftliche Beziehung haben, ob Sie etwas mit dem Mord zu tun haben ist leider noch nicht klar. Ryan und Esposito beobachten im Moment die Lagerhalle."
„ Wann werden Sie abgelöst?"
„ Wir werden gegen fünf bei Ihnen sein."
„ Am bestens sie gehen nach Hause und ruhen sich aus. Das kann eine lange Nacht werden." Kate nickte und wollte gerade gehen, als Cpt. Montgomery ihr etwas hinterher rief: „ Seien Sie vorsichtig. Sie beide." Castle hielt Beckett die Tür auf.
„ Was machen wir jetzt?" fragte er, als er sah das Kate sich ihre Jacke anzog. „ Wir werden jetzt nach Hause gehen. Ich hole dich halb vier ab."
„ Warte, warum kommst du nicht mit zu mir?" rief er ihr hinterher, als sie sich gerade umdrehen wollte. Sie blickte Castle in die Augen und grinste ihn an. „ Ich sagte doch gerade dass wir uns ausruhen müssen."
„ Ich hab ein großes Bett und bevor du deine Augen verdrehst, auch eine bequeme Couch. Wo, wie ich noch Anmerken muss, ich schlafen werde."
„ Ich bin halb vier da. Sei also pünktlich." Castle blickte ihr konsterniert hinterher und machte sich auf den Weg nach Hause.

Steuerberatungscenter
Aiden Lakefield
Manhattan, New York

Wütend über die momentane Situation streifte Aiden durch sein Büro. Seine verdammte Sekretärin hatte die Polizei auf ihn gehetzt und sein dummer Helfer hatte Spuren hinterlassen. Nachdem die beiden Detectives gegangen waren, rastete Aiden vollkommen aus. Sein jetziges Büro lag in Trümmern, sowie sein Ruf. Er schaute durch das zerschlagene Zimmer, was sollte er jetzt tun, sämtliche Beweise vernichten oder verstecken. Aiden lief zu seinen Schreibtisch und zog die unterste Schublade auf. Zwei schwarze Pistolen lachten ihn an. Die neuste Glock 18 oder kurz G18 war eine Vollautomatikwaffe, welche aber auch als Einzelschuss genutzt werden konnte. Er holte eine von beiden heraus und versteckte sie leicht unter der Tischkante. Langsam lief er um den Tisch herum, die Waffe versteckt hinter seinem Rücken, ging er zu Rachel Dunn. Sie schaute ihn mit ihren großen, verquollenen Augen an. Aiden entdeckte ihr blaues Auge und musste grinsen. Rachel blickte desorganisiert zu ihm, rasch streckte er die Waffe hervor und zielte auf ihren Kopf. Wehrlos blickte sie in den Lauf der Waffe, den plötzlichen Knall hörte sie nicht mehr. Ihr Kopf explodierte innerlich, nur eine Austrittswunde zeigte die Wucht der Kugel. Ihr Körper sackte leblos auf dem Stuhl zusammen und verstummte für immer.
Luíz blickte entgeistert zu seinem Boss und hatte das erste Mal in seinem jämmerlichen Leben Angst. Aiden schlenderte gemütlich zu ihm und fuchtelte mit seiner Waffe für Luízs Gesicht herum. „ Schaff die Leiche weg, aber jetzt noch nicht. Und wehe dir wenn die Scheißbullen wieder hier her kommen!"
Luíz nickte verängstigt und krallte sich regelrecht die Leiche. Er schleifte sie aus dem Büro und verschwand. Damit hatte Aiden ein Problem weniger, doch warteten noch sieben weitere auf ihn. Er trat aus seinem Büro und ging durch die lange Halle, am anderen Ende lag eine Tür. Er schloss sie auf und schaltete das Licht ein. Sieben wimmernde Frauen blickten zu ihm und flehten ihn an sie gehen zu lassen. Bevor er sie alle loswerden musste, wollte er noch ein bisschen Spaß mit ihnen haben, bedächtig ging er zu ihnen und zerrte Eine von ihnen nach oben. Das Mädchen versuchte sich krampfhaft aus seinem Griff zu befreien, doch es gelang ihr nicht. Um sich schlagend und schreiend, wurde sie in sein Büro geschleift.
Sie sah das Blut und erstarrte, Aiden schmiss sie auf den Boden und stellte sich über sie. Genüsslich zog er seinen Reißverschluss auf und stürzte sich auf die wehrlose Frau.

Luíz hörte die Schreie und spürte die Erregung in sich, doch das was sein Boss vor hatte widerte ihn an. Er wusste, wenn Aiden mit den Mädchen durch war, würde er sie alle umbringen. Luíz hielt nicht viel von diesem Mädchen, welche ihr Land für das „hier" aufgaben und sich ein besseres Leben wünschten. Doch sie alle zu ermorden war kein ausgeklügelter Plan. Er verstand Aiden nicht mehr, die Mitarbeiterin des OSZE hatte es verdient, doch seine Kumpels Toma und Pavel zu töten war zu viel für ihn gewesen. Er blickte traurig auf Rachels Leichnam und verfluchte Aiden für seine Tat. Was sollte er verdammt nochmal mit so vielen Leichen machen, viel wichtiger war im Moment was sollte er mit Rachel machen. Er wusste nicht ob die Cops vor der Lagerhalle warteten, doch vermutete er es, sonst wäre Lakefield nicht so ausgerastet. Luíz entdeckte in einer Ecke den gleichen Müllsack, wie der von Ewa Jalowy. Geschwind lief er dorthin und holte sich die Tüte. Vorsichtig stopfte er die Leiche hinein und verschloss den Sack. Er blickte auf seine Kleidung und sah das viele Blut. „ Fuck!" fluchte er wütend und begab sich zur Toilette. Er versuchte das Blut weg zu schrubben, doch es half nicht.
Jetzt hatte er, wie man so schön sagt, die Arschkarte gezogen, wenn die Cops die Halle stürmen würden, wäre er der Hauptverdächtige.

Ryan und Esposito saßen derweil weiterhin im Auto und beobachteten die Halle. Sie vernahmen den Schuss nicht und hörten auch sonst keinen Mucks. Gelangweilt las Kevin ein weiteres Buch von Castle und Javier versuchte auf dem unbequemen Sitz zu dösen.
Ryan hatte die zeitliche Orientierung verloren, er blickte überrascht als er die Uhrzeit las. 15.21 Sein komplettes Gesicht wurde durch ein Lächeln durchzogen, nicht mehr lange musste er in diese Konservendose hocken und sich den Arsch breitsitzen.
Sein aufflammender Optimismus bestärkte ihn weiter zu machen, geschwind blätterte er die Seite um und las begierig weiter.

New York City
Manhattan, Soho
425 Broome Street

Punkt 15.30 Uhr klingelte es an Castles Tür, schnell öffnete er diese und sah Beckett davor stehen. „ Bist du fertig?" Castle drehte sich schnell von der Tür weg und griff nach einem Buch. „ Jap." Kate wartete nicht weiter auf ihn, sondern ging gemütlich zum Aufzug. Richard schloss die Tür und folgte ihr: „ Holen wir uns noch etwas zu essen?"
„ Ja, deshalb bin ich jetzt schon da. Die Ablösung ist erst um fünf."
Kate hatte direkt vorm Haus geparkt, beide stiegen ein und ordneten sich in den Verkehr ein. „ Was willst du essen?" fragte Castle.
„ Keine Ahnung, auf was hast du Hunger?"
„Na ja, es muss etwas sein was auch kalt schmeckt. Vielleicht Salat?"
„ Mit Putenstreifen?" fragte Kate belustigt.
„ Alles was dein Herz begehrt."
Kate lachte kurz auf und fuhr zum nächsten Schnellrestaurant.

Steuerberatungscenter
Aiden Lakefield
Manhattan, New York

Esposito und Ryan lehnten sich an das Auto und warteten auf Beckett. Als das Auto hinter ihnen zum stehen kam, streckte Kevin sich genüsslich. „ Endlich, ich dachte wir würden hier versauern."
„ Hab ihr was Interessantes gesehen oder gehört?"
„ Nada, unser Verdächtiger hat die Halle nicht verlassen."
„Und bei euch?" fragte Ryan, während er den angesammelten Müll aus dem Auto räumte. „ Die CSU hat sich endlich wegen der Kugel gemeldet, doch kein Treffer."
„ Hatte ich auch nicht erwartet. Wann sollen wir euch ablösen?" Kate blickte auf ihre Uhr und überlegte. „ Morgen früh gegen fünf." Esposito zog überrascht eine Augenbraue nach oben: „ Bist du sicher?"
„ Wir sind zu zweit und werden uns abwechseln." skeptisch blickte Javier zu Castle und hatte ein undefiniertes Gefühl bei der Sache. Er vertraute Castle, doch allein mit Kate lenkte er sich immer selbst ab. Nachdem die zwei Russen getötet wurden, wusste Javier dass der oder die Täter keine Skrupel hatten.
Ryan hatte sich ins Auto gesetzt und den Motor gestartet, Javier blickte kurz zu Beckett und nickte ihr mit einem sorgenvollen Blick zu. Beide fuhren schnell auf die Hauptstraße und wurden durch die Automassen verschlungen.
„ Bleib du hier, ich schau mich kurz an der Lagerhalle um." sagte Kate und warf Castle den Autoschlüssel zu. Er wollte erst protestieren, doch sah er ihren endgültigen Ausdruck in den Augen. Richard setzte sich auf den Beifahrersitz und steckte den Schlüssel ins Zündschloss, durch eine Umdrehung ging das Radio an. Er stellte es ein wenig leiser und beobachtete Kate, wie sie über die Straße, direkt auf die Lagerhalle zulief.
Beckett wollte so unauffällig wie möglich wirken, deshalb eilte sie nicht über die Straße wie ein gehetztes Tier. An der Lagerhalle angekommen blickte sie das Schild des Steuerberatungscenter an. Nur eine Klingel zierte die karge Hauswand. Die Tür hatte keine Klinge, sondern einen Drehknauf und sah stabil aus. Warum sollte ein Steuerberater sich eine Lagerhalle als Büro aussuchen, schoss es durch ihren Kopf. Sie schlenderte um das Gebäude herum und entdeckte einen Hinterhof, dort stand ein alter Lincoln Continental Mark VII. Kate schlich leise auf den Wagen zu und betrachtete die Rückseite der Halle. Mehrere Fenster zierten die Wand, doch alle waren verhangen oder mit schwarzer Farbe bemalt wurden. Kate erspähte eine Hintertür, als sie direkt neben dem alten Auto stand blickte sie hinein und sah dass der Zündschlüssel steckte. Sie vermerkte sich das Kennzeichen und schwänzelte wieder zurück. Sie ging näher an der Hauswand entlang, plötzlich hörte sie ein Stöhnen. Ruckartig blieb sie stehen und lauschte, eine Fenster in Nähe des Hinterausgangs war leicht an gekippt. Kate trat einen kleinen Schritt näher und versuchte auf Zehenspitzen stehend etwas zu sehen, doch die schwarze Farbe verdeckte das komplette Fenster. Sie hörte leise Männerstimmen, doch verstand sie kein einziges Wort von dem Gesagten. Verwundert lief sie zurück zu Castle, welcher auf sie gehört hatte und im Auto geblieben war.
Richard hatte ein ungutes Gefühl als er sah wie Kate um das Lagerhaus herum lief, erst wollte er aus dem Auto springen und ihr hinterher rennen, doch ermahnte er sich selbst und wartete ungeduldig. Als er sie endlich wieder sehen konnte klappte er erleichtert sein Buch auf und tat so als würde er lesen. Kate zog die Autotür auf und setzte sich neben ihn. Interessiert blickte von seiner Lektüre weg und sah sie an. Beckett lehnte ihren Kopf an die Sitzlehne und schloss die Augen. „ Und?" fragte Castle ein wenig zu interessiert wie er feststellen musste. „ Du hältst dein Buch falsch herum." antworte sie ihm knapp. Castle schaute ertappt auf sein Buch und drehte es herum, als er wieder zu Kate blickte sah er ihr Grinsen. „ Ok, ok du hast mich erwischt, zufrieden?"
„ Ja. Hat jemand angerufen?"
„ Nein, wieso? Was hast du entdeckt?" Kate nahm ihr Handy von der Ablage und wählte Espositos Nummer. Castle wollte gerade wieder etwas erwidern, doch Kate stoppte ihn in dem sie ihre Hand erhob. „ Esposito, kannst du bitte den Halter des Fahrzeuges ermitteln, es handelt sich um einen alten Lincoln Continental Mark VII mit dem amtlichen Kennzeichen New York 481 YMF. Danke" Sie legte auf und blickte immer noch verwundert zu der Lagerhalle. Eine Berührung an ihrer Hand ließ sie weg schauen, Castle hatte seine Hand auf ihre gelegt und betrachtet Kates Profil. „ Was hast du außer einem alten Auto noch gefunden?"
„Nichts, ich hab, wenn ich mich nicht geirrt habe, zwei Männer reden hören." Castle hatte schon lange nicht mehr auf das Lagerhaus geachtet und rutschte unbehaglich auf seinem Sitz herum. Kate lehnte sich plötzlich leicht über ihn und öffnete das Handschuhfach, gewandt holte sie ein Magazin heraus und schloss das Fach wieder. Castle beobachtete ihre schnell Geste und schmunzelte als er die Zeitschrift erkannt. „ Ich hätte da eine wunderschöne Ausgabe der Cosmopolitan zu Hause, mit einen verdammt attraktiven Mann auf dem Cover."
„ Ach mit Patrick Dempsey?" Castle zog seine Augenbraue nach oben und schüttelte seinen Kopf. Ihr Gesichtsausdruck zeigte wahre Belustigung, sie blätterte durch das Magazin und stoppte bei einem interessanten Artikel. Richard nahm, währenddessen sein Buch wieder und versuche sich auf die Buchstaben zu konzentrieren.
Die Stille wurde durch Kates Handy durchbrochen, schnell griff sie danach und nahm ab. „ Beckett. Was hast du für mich Ryan?" Eine Stille entstand, Castle lehnte sich zu ihr um näher an ihrem Ohr zu sein, doch verstand er Ryan immer noch nicht deutlich. Er berührte mit seinem Ohr Kates Wange und verstand endlich Kevins Stimme. „ Das Auto ist auf Luíz de Lima zugelassen."
„ Damit wissen wir jetzt, dass er hier ist."
„ Wenn irgendetwas ist Beckett, dann ruf an. Wir machen jetzt beide nach Hause, bleiben aber in Bereitschafft."
„ Danke Ryan, bis später." Kate spürte Castle Gesicht an ihren und stockte kurz, durch ihr Telefonat mit Ryan war sie abgelenkt gewesen, jetzt fühlte sie, dass sie errötete. Castle wich von ihr und sah ihre Erregung. „ Ist dir warm?" Kate musste bei seiner Bemerkung schlucken, irgendetwas stellte dieser Mann mit ihr an und es… gefiel ihr.
„ Ein wenig." Um ihren Worten Ausdruck zu verleihen, kurbelte sie die Fensterscheibe ein Stückchen nach unten. Richard beugte sich zu seinen Füßen und holte die Tüte mit dem Essen hervor. „ Wollen wir essen?" Erst jetzt blickte Kate auf das Armaturenbrett und stellte fest dass es schon nach halb sieben war. „ Gern." Castle reichte ihr den Salat, sowie die Gabel. Bevor sie jedoch anfangen konnte, hinderte Richard sie. „ Moment." Verwirrt blickte sie zu ihm, Castle kramte in seiner Jackentasche herum und holte einen kleinen runden Gegenstand, sowie ein Feuerzeug heraus. Er stellte, wie Kate feststellen musste, die Kerze auf das Armaturenbrett und zündete sie an. „ Das zählst du jetzt nicht als Essen gehen, oder?" fragte Kate lachend. „ Kannst du das Fenster wieder schließen?" Kate tat wie geheißen und blickte ihn fragend an. „ Können wir jetzt?"
Castle sah sie ernst an: „ Es sollte nur romantisch sein." Verlegen widmete er sich seinem Salat und stocherte darin herum. Innerlich musste Kate mit sich kämpfen, am liebsten hätte sie sich zu ihm gebeugt und ihn geküsst, doch die Angst gewann die Oberhand. „ Das ist es. Danke." Schweigend aßen sie und hingen ihren Gedanken nach.
Als beide fertig waren wurde es langsam dunkel. Kate wollte frische Luft schnappen, deshalb nahm sie den Müll mit und wollte gerade das Auto verlassen, doch Castle hielt sie. „ Wo willst du hin?"
Sie hielt ihm den Müll hin: „ Weg schaffen." Er nickte nur und ließ sie gehen. Der Mülleimer lag nicht einmal 10 Schritte vom Auto entfernt, als Kate sich wieder hinsetzte fröstelte sie leicht. „ Ich schlage vor das wir uns abwechseln. Möchtest du jetzt Wache schieben oder später?" Beunruhigt blickte er Kate an und wartete darauf das es nur ein Scherz war, doch nichts geschah. „ Das meinst du nicht ernst, oder?"
„ Doch, bis Morgen früh um fünf halten wir es nicht aus."
„ Ich kann nicht schlafen, wenn da draußen ein Killer wartet."
„ Ok, dann übernimmst du jetzt die Schicht und weckst mich gegen Mitternacht. Wenn sich irgendetwas bewegt, weckst du mich auch."
Castle bestätigte ihre Anweisungen mit einem Nicken. Kate versuchte es sich in ihrem Sitz bequem zu machen und legte ihren Kopf an das Seitenfenster. Richard legte sein Buch weg und beobachtete die Eingangstür der Lagerhalle. Ein leises atmen veranlasste ihn zu Kate zu blicken. Ihr Anblick ließ sein Herz lauter schlagen, ihr Gesicht war zu ihm gerichtet und sah so friedlich aus. Er konnte den Drang nicht widerstehen ihr Gesicht zu berühren, zärtlich streichelte über ihre Wange und spürte ihre weiche Haut unter seinen Fingern. Ein leichtes beben umspielte seinen Körper, wann hatte er solche Gefühle für eine Frau gehabt. Er erinnerte sich nur an eine.
Wie in Trance beobachtete er sie und beugte sich leicht zu ihr. Castle strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ließ seine Hand in ihren Haaren ruhen. Quälend langsam beugte er sich weiter zu ihr und berührte sanft ihre Lippen mit seinen. Der Kuss glich mehr einem hauchen, doch Richard spürte eine wohltuende Wärme in sich. Seine Augen fixierten ihre weichen Lippen und er erschrak als sich diese bewegten. „ Ich bin nicht die Lagerhalle." flüsterte Kate. Perplex und ertappt schaute Richard in Kates Augen. Sie blickte ihn nicht vorwurfsvoll oder wütenden an, sondern eher ermutigend, ein jäher Schauer durchflutete ihn. Castle beobachte wie Kates Augen sich auf seine Lippen konzentrierten, er hatte immer noch seine Hand in ihrem Haar und zog sie vorsichtig zu ihm. Als er ihren Mund näher kam, sah Castle wie Kate ihre Augen erwartend schloss und langsam an ihn rückte. Als ihre Lippen sich berührten, fühlte Kate die gleichen überwältigten Gefühle, wie vor einem Monat, doch diesem Mal wollte sie sich nicht wehren, sondern diesen Augenblick genießen. Ihre Arme ertasteten seinen Nacken und vergruben sich in seinen Haaren. Kate spürte dass seine Zunge um Einlass bettelte, sie gewährte es ihm und vergaß alles um sich herum. Kate vernahm am Rand ihres Bewusstseins, dass Richard seine Hand dazu benutzte um ihre Jacke aus zuziehen. Als seine Hand sich unter ihre Bluse stahl und ihren Rücken berührte entflammte in ihr ein Verlangen unvorstellbaren Ausmaßes. Richard liebkoste ihre Halsbeuge und ernte ein leises erregtes Stöhnen. Er spürte wie sich ihre Hände einen Weg unter sein Hemd suchten. Sie kraulte seinen Rücken und presste sich noch näher an ihn. Plötzlich gewann Kates Verstand wieder einmal die Oberhand unter ihrem leichten aufstöhnen hörte Richard ein Wort deutlich heraus. „ Stopp." Es war keine Aufforderung, sondern ein verzweifelte Versuch ihn an seinem Tun zu hindern. Richard hörte auf ihren Hals zu küssen und blickte in die erregten Augen von Beckett. „ Kannst du nicht einmal deinen Gefühlen nachgeben und alles andere vergessen?" Kate richtete ihre Bluse und versuchte ihre Atmung Unterkontrolle zu bekommen. „ Du verstehst das falsch, Rick." Er beobachtete ihre halbherzigen Versuche ihre Bluse und Haare zu glätten. „ Doch ich verstehe sehr gut, Kate." Mit einem niedergedrückten Blick wollte er sich von ihr wegdrehen und in die Dunkelheit starren, doch Kate legte ihre Hand auf seine Wange und drängte ihn dazu sie anzusehen. „ Du verstehst überhaupt nichts, Rick. Wir müssen dieses Lagerhaus observieren und uns nicht wie zwei verliebte Teenies aufführen."
„ Mmmh ok das hab ich falsch verstanden." Ein kleines zufriedenes Lächeln zeigte sich in seinen Gesicht: „ Wie verliebt?"
„ Was?" Kate beugte sich wieder zu ihm und flüsterte verführerisch: „ Das weißt du nicht, am besten zeig ich es dir." Kate küsste ihn leidenschaftlich, doch dieses Mal hatten beide keine Gelegenheit sich zu verlieren.
Ein markerschütternder Schrei ließ beide aufschrecken, verwirrt blickten sie zu der Lagerhalle und sahen eine Frau an der Ecke stehen. Sie umklammerte die Hausecke, Kate war sich nicht sicher ob die Frau nackt war, dadurch der restliche Körper von ihr im dunklen lag. Beckett wollte gerade die Autotür öffnen und zu ihr gehen, als Castle sie festhielt. „ Warte!" Kate wollte ihm gerade etwas erwidern, als sie sah wie zwei Arme die Frau umfassen und zurück zerrten, ihr quälender Schrei wurde erstickt.
Zehn lange Minuten starrten Castle und Beckett zur Hausecke und warteten ob noch etwas passierte. Als Kate sich sicher war, dass die Frau zurück gebracht wurde, rief sie Esposito an.

Nach einer halben Stunde kam endlich die Verstärkung. Kate stieg aus dem Wagen und öffnete den Kofferraum, schnell schnallte sie sich ihre Schutzweste um und entsicherte ihre Waffe. Ryan und Esposito hatten ihre volle Montur schon an und entsicherten nun auch ihre Waffen. Richard trat neben Kate und blickte zu ihr, als sie ihn entdeckte sah sie den Schriftzug „ Writer" auf seiner Schutzweste. „ Du bleibst hier!" Es war keine Bitte, sondern ein Befehl. Richard war es gewöhnt diesen Spruch zuhören, doch jetzt lag etwas in ihrer Stimme, was ihn stocken ließ. „ Nein, ich lass dich nicht allein dort rein."
„ Richard, ich bin nicht allein. Ryan, Esposito und zwei Uniformierte begleiten mich. Bitte setzt dich wieder ins Auto und warte." Castle nahm sanft ihre Hand und streichelte diese: „ Kate, ich" weiter konnte er nicht sprechen, denn Kate hatte ihren Finger auf seine Lippen gelegt. „ Ich weiß." lächelte sie ihn an und küsste ihn sanft, doch viel zu schnell wie Castle frustriert feststellen musste. Sie konnte seinen enttäuschten Gesichtsausdruck nicht sehen, denn nach dem Kuss drehte sie sich schnell um und lief geradewegs zur Lagerhalle. Esposito und Ryan standen immer noch bei Castle und grinsten. „ Jungs, passt bitte auf sie auf."
„ Das werden wir, Castle." sagte Javier und signalisierte Ryan das er Kate folgen sollte.
Castle blickte den Polizisten hinterher und setzte sich auf den Fahrersitz, wartend und hoffend dass niemanden etwas passierte.