Steuerberatungscenter
Aiden Lakefield
Manhattan, New York

Die zwei Uniformierten gingen zielgerichtet zum Vordereingang und postierten sich dort. Esposito übernahm mit seinem Schrottgewehr die Führung und lief zum Hintereingang. Er schielte um die Hausecke und zeigte Kate und Kevin durch ein Handzeichen, dass die Luft rein war. Die drei schlichen über den Hof, Kate erblickte Blut an der Hauswand, geschwind stellte sie sich an die rechte Seite der Tür. Ryan ging auf die linke und Esposito stand direkt vor der Tür. Er zählte stumm mit seinen Fingern bis drei und betätigte die Türklinke nach unten. Als er spürte das nicht abgeschlossen war, riss er die Tür mit einem Schwung auf und hockte sich schnell hin. Kate und Ryan beugten sich leicht zu ihm und gaben ihm Rückendeckung.
Die Lagerhalle wurde spärlich durch ein paar Neonröhren erhellt, Javier nahm jedes kleine Detail auf und entdeckte eine breite Säule. Er zeigte mit seiner rechten Hand unauffällig dorthin, damit nur Kate seine kleine Geste sehen konnte. Er warte nicht auf eine Bestätigung, sondern rannte immer noch leicht geduckt dort hin und versteckte sich. Kate und Ryan hatten nun vollkommende Sicht auf das innere der Halle. Kevin entdeckte auf der linken Seite auch eine Säule und rannte darauf zu. Kate überblickte die Lagerhalle und sah das kleine nachträglich eingebaute Büro auf der linken Seite. Rechts entdeckte sie eine weitere Tür und genau gerade aus von ihr sah sie den Vordereingang. Durch die, die zwei Uniformierten noch nicht eingetreten waren, schlussfolgerte Kate das die Tür abgesperrt war. Sie hatten ausgemacht, wenn möglich leise, damit niemand sie hörte, die Halle zu betreten. Sie versicherte sich bei Ryan und Esposito, dass sie ihr Rückendeckung gewährten. Leise schlich sie durch die Halle, bis zu der Eingangstür, als sie diese erreichte drehte sie schnell an dem Knauf. Plötzlich wurden zwei Pistolen auf sie gerichtet, als sie einen Schritt nach draußen machte, erkannten die Uniformierten Kate und ließen die Waffen sinken. Sie folgten ihr leise, Kate überlegte fieberhaft wo sie als erstes hingehen sollten. Zu dem Büro oder zur Tür? Sie hatte sich entschieden, schnell zeigte sie den Uniformierten dass sie sich um das kleine Büro kümmern sollten. Geschwind verschwanden sie und liefen leise auf das kleine Büro zu.
Kate blickte ihnen kurz hinterher, danach lief sie zu Esposito und gestikulierte, damit Ryan dazu stößt. Als die drei wieder beisammen waren, gingen sie direkt auf die Tür zu. Ryan und Esposito inspizierten jede Ecke und potenzielle Verstecke. An der Tür angelangt postieren Ryan und Beckett sich wieder daneben. Javier zählte leise bis drei und riss die Tür auf. Dunkelheit umgab ihn und er hockte sich schnell wieder hin, als seine Augen sich einigermaßen daran gewöhnt hatten schlich er leise durch den Raum zu einer Palette mit alten Metallfässern. Als Kate hinein trat schaltete sie ihre Taschenlampe an und hielt sie unter ihre Waffe, geschmeidig blickte sie sich um und entdeckte einen Lichtschalter. Sie wusste, wenn jemand in diesem Raum war hatte er sie schon entdeckt, deshalb war das Risiko nicht gerade hoch. Die legte den Schalter um, das Licht flackerte auf und ihr Atem stockte.
Der Anblick der ihr und Ryan sich bot, war die Hölle. Javier hatte sich noch nicht umgedreht, als er aber Kates Zögern aus dem Augenwinkeln vernahm, stutzte er kurz. Schnell sprang er auf und zielte mit seinem Gewehr in die Richtung. Überrascht und angeekelt ließ er die Waffe sinken und ging zu Kate. „ Was in Gottes Namen ist hier passiert!" Kate glaubte ihren Augen nicht als sie durch das Zimmer blickte. „ Die wollten die Beweise vernichten."
Ryan war der Erste der sich aus seiner Starre gelöst hatte, fast schon ängstlich ging er zu der gegenüberliegenden Wand. Dort lagen sieben Frauen, alle wurden von Kugeln regelrecht durchsiebt. Die komplette Wand war voller Blutspritzern. Kate hockte sich neben die Leichen und stellte geschockt fest, dass man ihnen auch die Finger abgeschnitten hatte. Ihre Gesichter wurden durch die Einschusslöcher völlig entstellt. Es handelte sich nicht um eine normale Tötung, sondern um eine Hinrichtung. Kate nahm eine der vielen Patronenhülsen in die Hand. Sie war kalt und es handelte sich um eine 9mm Parabellum Patrone. Kate blickte sich die Einschusslöcher in der Wand an und wusste plötzlich warum die Mädchen so durchsiebt wurden. Der Täter hatte zwei Automatikwaffen und benutzte sie als Akimbowaffen, wie ein cooler Gangster aus der Stadt. Sein Trefferfeld war nicht berauschend, deshalb musste er so oft schießen um auch mal zu treffen.
Javier und Kevin standen hinter Kate und warteten auf ihre Befehle, als sie ihre erschütterte Starre verlor, drehte sie sich zu ihren Detectives. „ Das Büro!" Ohne weitere Worten rannten die drei durch die Lagerhalle, das laute dröhnen von Waffen durchstach die Stille. Esposito übernahm wieder die Führung und blieb neben der Tür stehen, diese stand einen Spalt offen und gewährte ihm einen kleinen Einblick auf das Szenario. Die beiden Uniformierten versteckten sich hinter einem Schrank. Der große stabile Schreibtisch wurde als Schutzschild benutzt, Javier wusste dass dort die Täter sich versteckten. Er zog sich schnell wieder zurück und öffnete eine kleine Tasche an seiner Schutzweste. Kate blickte verblüfft auf das kleine Teil in seiner Hand. „ Wo hast du die her?" Javier grinste sie schelmisch an. „ Du weißt doch das, dass ICE die Halle genauso beobachtet, bevor wir zu euch gekommen sind haben wir die Agenten kurz besucht. Einer gab mir das."
„ Warum sind Sie nicht als Verstärkung hier!" sagte Kate wütend. „ Sie stehen draußen und warten, wenn jemand abhauen will, dann schnappen sie ihn." Kates Wut wich langsam, doch ein mulmiges Gefühl blieb.
„ Ryan geh bitte in die Ecke dort und schließ deine Augen." Javier zeigte in eine Ecke wo eine Menge Säcke standen, Ryan tat wie befohlen. Kate lehnte sich an die Wand des Büros und nickte Javier zu. Mit einem lauten Aufschrei schmiss er den Gegenstand hinein. „ Blendgranate!" Sein Wurf war perfekt, die Blendgranate landete direkt hinter dem Tisch. Die beiden Uniformierten reagierten sofort und hielten sich ihre Ohren zu, legten sich flach auf den Boden und schlossen die Augen. Javier drehte sich nach seinen Wurf schnell zu Kate um die grelle Explosion nicht zu sehen. Nachdem lauten Knall zählte er schnell bis drei und stürmte das Büro. Kate folgte ihm und sicherte die Ecken, als sie die beiden Uniformierten entdeckte hockte sie sich neben sie und half ihnen hoch. Esposito rannte, währenddessen zu dem umgestürzten Tisch und hielt sein Schrottgewehr über die Kante. Er entdeckte sofort einen Latino, welcher sich wie in Zeitlupe bewegte, zügig trat Javier die beiden Waffen von ihm und zielte auf seinen Kopf. Ryan trat nun auch ein und half den Cops nach draußen, Kate lief schnell zu Javier und legte dem Latino die Handschellen an. Sie blickte ihn kurz an, es handelte sich eindeutig um ihren Verdächtigen. Er hatte jetzt eine Glatze und einen Henriquatre Bart, doch konnte Kate ihn identifizieren. „ Sie sind verhaftet Luíz de Lima, wegen mehrfachen Mordes!"
Esposito zerrte de Lima unsanft aus dem Lagerhaus, draußen standen zwei Special Agents vom ICE, sowie ein Krankenwagen. Erst jetzt sah Kate die Schusswunden an einem der Uniformierten, es handelte sich nur um Streifschüsse. Die beiden Agents liefen zu Javier und nahmen ihm den Verdächtigen ab. „ Sie werden ihn heute Nachmittag zum Verhör bekommen." Kate nickte ihnen zu und ging zu den Sanitätern. „ Wir haben in der Halle sieben vielleicht auch mehr Leichen." Der junge Sanitäter nickte und funkte einen Leichenwagen an. „ Wo ist Lakefield?" fragte plötzlich Kevin verwundert, als sich die drei zu ihren Autos begaben. Kate sah wie Castle aus dem Auto gesprungen kam und sie erleichtert anschaute. „ Das ist eine gute Frage, er muss schon eher geflohen sein." Javier und Kevin blickten bestürzt auf den Boden. „ Das ist vielleicht unsere Schuld. Wir haben nicht gewusst das einen Hinterausgang gibt."
Als die drei bei Castle ankamen klopfte dieser Ryan und Esposito auf den Rücken. Kate schaute nachdenklich wieder zur Lagerhalle und räusperte sich leise. „ Es war nicht eure, sondern meine Schuld."
„ Was?" sagten die Männer verwundert. „ Ich habe zwei Männer reden hören und jetzt war nur noch einer da. Das heißt zwangsläufig, dass ich ihn verpasst habe." Sie hörten Wut und Verachtung in ihrer Stimme, Richard trat neben sie und legte seinen Arm um ihren Körper. Beide blickten stumm zu der Lagerhalle und beobachten wie die Sanitäter mehrere Leichensäcke heraus transportierten.
„ Beckett, wir treffen uns im Revier, bis dann." rief ihr Javier zu als er und Kevin in das Auto stiegen. Kate erhob leicht ihre Hand und beide fuhren los. Unbewusst hatte sie ihre Schutzweste geöffnet und fror jetzt leicht nachdem ihr gesamtes Adrenalin aufgebraucht war. Richard spürte ihr frösteln und zog sich seinen Mantel aus. Kate wollte nur noch hier weg und sich ausruhen, als erstes wollte sie diese verdammte Weste von ihren Körper haben. Als sie sich endlich von diesem lästigen Ding getrennt hatte, spürte sie wie Castle hier die Weste aus der Hand nahm und ihr seinen Mantel über die Schulter hing. Er zog sie leicht, aber bestimmend zum Auto, dort öffnete er für sie die Beifahrertür. Als Kate sich hingesetzt hatte, verstaute er schnell die Weste im Kofferraum und setzte sich neben sie. Richard startete das Auto und fuhr los, er blickte kurz zu Kate und musste lächeln. Sie hatte sich in seinen Mantel gekuschelt und schlief.
Am liebsten wäre er jetzt zu ihr gefahren und hätte sie in ihre Wohnung getragen, doch er wusste das Kate nicht begeistert gewesen wäre, wenn sie in ihrem Bett aufgewacht wäre. Wo doch immer noch Aiden Lakefield frei herum lief, deshalb fuhr geradewegs zum Polizeirevier.

Police Station
Twelfth Precinct Homicide Squad,
Madison Street, Manhattan
New York

Ryan und Esposito hatten die Waffen an die CSU weitergeleitet, gemütlich liefen sie die Treppen nach unten um Lanie in der Gerichtsmedizin beizustehen. Die Spurensicherung hatte noch eine weitere Leiche in einem Müllsack gefunden. Somit hatte Lanie jetzt insgesamt acht Leichen, geschockt blickte sie auf die Leichensäcke und schüttelte ihren Kopf. Man hatte ihr als Verstärkung, den Gerichtsmediziner Sidney Perlmutter besorgt. Er war nicht der beste Zeitgenosse, doch immer noch besser als allein acht Leichen zu untersuchen. Perlmutter öffnete den ersten Sack und zog diesen unter der Leiche heraus. Lanie stockte kurz der Atem, als sie die übelzugerichtete Leiche vor sich sah. Perlmutter zeigte wie immer keine Emotionen und machte sich ans Werk, auch Lanie folgte seinem Beispiel, es sollte eine lange Nacht werden.
Esposito und Ryan betraten leise die Gerichtsmedizin und schauten Lanie über die Schulter. „ Und habt ihr schon was Interessantes herausgefunden?"
„ Ja, sieben wurden mit Blei im wahrsten Sinne des Wortes gefüllt, aber eine wurde durch einen Kopfschuss aus naher Distanz getötet. Ich habe Schmauchspuren auf ihrer Stirn gefunden, sowie den leichten Abdruck des Laufes auf ihrer Haut." Als Esposito die Leiche sah, blickte er traurig. Lanie sah seine Anwandlung: „ Kanntet ihr Sie?"
„ Sie war die Sekretärin von Lakefield. Wir hätten Sie aus diesem Höllenloch befreien müssen!" Seine Worte waren etwas zu laut, Lanie zuckte kurz zusammen und Ryan legte Javier beruhigend die Hand auf die Schulter. Perlmutter blickte genervt von seiner Leiche auf und wies Javier mit einem Blick zurecht.
Lanie hielt Ryan ein Plastikglas hin, dort lagen mehr als zehn 9mm Kugeln drin. „ Sind das alle?"
„ Nein, nur aus einer Leiche. Die restlichen muss ich noch heraus holen. Kannst du die zur Ballistik schicken?"
„ Natürlich."
Die beiden Detectives verabschiedeten sich bei Lanie und Perlmutter.
Schweigend betraten sie das Polizeibüro und erblickten Kate und Castle. Sie standen beide an dem Mordfallbrett und unterhielten sich leise. Als sie Ryan und Esposito entdeckten winkte Richard ihnen zu.
„ Und hat Lanie etwas heraus gefunden?" fragte Kate und starrte weiterhin auf die Tafel.
„ Na ja, die sieben Leichen aus dem Zimmer sind immer noch Unbekannt, aber die Leiche aus dem Müllsack ist eindeutig Rachel Dunn."
„ Haben wir eigentlich eine Adresse von Aiden Lakefield?" fragte Castle beiläufig in die Runde. Kate schüttelte ihren Kopf und seufzte. „ Nein, wir haben nur seinen Namen durch das Steuerberatungscenter."
„ Und er hat keine Akte oder muss als Steuerberater angemeldet sein?" Kate verstand seine Überlegungen, doch ein Steuerberater war kein Anwalt. Und was ihr am meisten zu denken gab, war die Tatsache das Aiden Lakefield kein Steuerberater war, sondern dies als Deckung angab. Seine kriminellen Machenschaften gehörten eher zu einem Trickbetrüger. Wie also sollten sie ihn hier in New York finden? Plötzlich schlug sich Kate an die Stirn, die Männer blickten verwirrt zu ihr. „ Ryan schick bitte seine Beschreibung und sein Namen an alle Flughäfen und Busdepartments. Er darf New York nicht verlassen. Esposito hast du nachgeprüft ob er ein Auto hat?"
„ Nein, werde ich aber sofort machen." Javier und Kevin eilten zu ihrem Schreibtisch und bearbeiteten schnell ihre Aufgaben.
Kate schrieb unter „Täter" Luíz de Lima und hang sein Bild darunter, bei den Opfern schrieb sie „ Rachel Dunn und sieben undefinierte" hin. Wütend über sich selbst blickte Kate auf die Uhr ihres Vaters und hoffte dass die Zeit schneller vergeht. Sie wollte endlich Luíz in die Mangel nehmen und ihn brechen. Richard sah ihre Wut und fühlte sich schuldig, eigentlich hätte er auf die Lagerhalle achten müssen, doch nein seine verdammten Gefühlen ließen ihn alles vergessen und konzentrierten sich nur auf sie. Er wollte sich bei ihr entschuldigen, doch für was eigentlich? Dass er sie abgelenkt hat oder dass er seine Pflicht vernachlässigt hatte? Er wusste es nicht, doch als er Kate so wütend neben sich sah konnte er nicht anders. Fast schon ängstlich zog er sie in eine Umarmung und hielt sie fest. Castle spürte wie sie sich allmählich entspannte, bevor er sie wieder losließ küsste er ihre Stirn. Richard sah das kleine zufriedene Lächeln auf ihren Lippen und hätte es am liebsten küsst, doch wollte er nicht schon wieder ein Fehler machen.
„ Danke Rick." verwundert blickte er in ihre wunderschönen Augen. „ Für was?"
Ihre Augen zogen seine magisch an und beide verloren sich. Castle hörte Kates Stimme, doch kam es mehr einem Flüstern gleich: „ Das du immer da bist." Richard nahm ihre Hand und streichelte ihren Handrücken, er spürte das sie sich ihm entzog und blickte sie verwundert an. „ Ich gehe jetzt kurz zu Ryan, wartest du am Fahrstuhl?" Richard traute seinen Ohren nicht, Kate wollte tatsächlich nach Hause und sich ausruhen. Er nickte kurz und lief zum Fahrstuhl.
Kate ging geradewegs zu Ryan und Esposito: „ Jungs, wenn ihr hier fertig seid, will ich das ihr nach Hause geht. Wir treffen uns alle gegen drei hier wieder. Ich hoffe bis dahin hat die ICE Luíz hierher gebracht." Javier schaute Kate eindringlich an: „ Geht es dir gut, Beckett?"
„ Ja, ich bin nur müde." damit drehte sie sich um und ging zu Castle. Als beide das Polizeirevier verließen hängte Kate sich bei Richard ein und lehnte ihren Kopf auf seine Schulter. „ Wo willst du hin?"
„ Was ist das für eine Frage, Rick. Natürlich zu mir." ihre Stimme klang tadelnd.
Sie liefen gemütlich die leeren Straßen entlang, als sie schließlich an Kates Wohnung ankamen ging Castle mit zu Tür. Kate ließ ihn los und blickte in seine blauen Augen welche durch die Dunkelheit ihren Glanz nicht verloren hatten. Richard beugte sich zu ihr und küsste Kate zärtlich. Als er sich gerade zurück ziehen wollte, spürte er wie Kate ihre Arme um seinen Hals schlang. Er konnte nicht widerstehen und ließ sich in einen leidenschaftlichen Kuss verwickeln. Unbewusst legte er seine Hände an ihr Hüfte und zog sie näher an seinen Körper. Kate löste sich leicht von ihm und hauchte in sein Ohr. „ Bleib heute bei mir." Auf Castle Gesicht stahl sich ein zufriedenes Lächeln, als er ihre Worte verstand. Seine Antwort war ein hungriger Kuss, Kate schloss die Tür auf und zog Castle mit sich. Als sie endlich an ihrer Wohnungstür ankamen, was nicht gerade leicht war, denn unter den ständigen küssen sah keiner die Treppen. Castle ließ nur widerwillig von ihr ab, als sie die Tür aufschloss. Sie zog ihn in ihre Wohnung, schwungvoll trat Castle an die Tür, welche daraufhin laut ins Schloss fiel.
Richard hatte keine Gelegenheit sich die neue Wohnung ansehen zu können, denn Kate zog ihn, wie er belustigt feststelle, geradewegs ins Schlafzimmer. Wie oft ist ihm dieses Szenarium durch den Kopf gegangen. Die deutlichsten Beweise waren die Sexszenen in seinen Buch und jetzt zerrte Beckett ihn tatsächlich auf ihr Bett.

Verlassenes Haus, Bronx
New York

Gegenstände flogen regelrecht durch die Wohnung, Aiden Lakefield versuchte alle Beweise zu vernichten. Als erstes hatte er die Mädchen und Rachel Dunn getötet und jetzt war sicherlich auch Luíz tot. Er hoffte es zu mindestens, sonst würde dieser Narr ihn vielleicht noch verraten. Ärgerlich war aber auch das er seinen gesamten Vorrat an Waffen in dieser Lagerhalle platziert hatte, nun blieb ihm nur noch die HK USP. Das einzige Problem an dieser Waffe war, dass er damit die OSZE Mitarbeiterin getötet hatte, doch eine andere hatte er nicht mehr. Aiden schredderte die Akten, sowie die gefälschten Ausweise. Also nächstes suchte er sich seine Kampfkleidung aus dem Schrank. Es handelte sich um eine schwarze Hose und einem schwarzen Rollkragenpullover. Die vielen Taschen an der Hose waren praktisch zum verstauen des Schalldämpfers und dem Kampfmesser von Luíz. Er hatte dieses geklaut, als de Lima sich an den Mädchen ergötzte. In die angenähte Bauchtaschen steckte er die .45 Munition ein. Aiden blickte sich in seiner Wohnung um und verabschiedete sich, indem er den roten Benzinkanister nahm und die stechend riechende Flüssigkeit großzügig verteilte. Aus seiner linken Hosentasche fischte er sich eine Zigarette heraus und zündete diese an, nach einem tiefen Zug beruhigte er sich langsam wieder und warf das Streichholz in die Wohnung. Die Verpuffung erfolgte sofort, durch die Dämpfe spürte Aiden das Feuer auch in der Luft, schnell rannte er aus dem Haus. Die Flammen loderten hinter den Fenstern, bis diese dem Druck nicht mehr standhielten. Eine lautes Klirren war das Resultat, die Flammen fraßen sich durch die Möbel und zogen gierig den Sauerstoff auf. Fasziniert stand Aiden vor dem Haus und blickte zu den Flammen, er liebte das Feuer, nicht weil es den Menschen die Revolution brachte – nein sondern weil es im Moment sein einziger Verbündete war, welcher seine Befehle befolgte und die Beweise zerstörte.
Zufrieden mit sich und der Welt, stieg er gemütlich in seinen 94 Baujahr alten BMW M3 und raste in die Nacht.

Er wusste dass er nur mit Glück entkommen war, als er um die Hauseckte spähte entdeckte er zwei Autos, welche auffällig auf der anderen Straßenseite parkten. Sein Herzschlag hatte sich merklich beschleunigt, doch sah er in dem Auto, welcher weiter entfernt war, das niemand darin saß. Er schlich schnell zu dem anderen und blickte kurz hinein. Was er sah belustigte ihn, wenn es sich tatsächlich um Polizisten handeln sollte, dann hatten diese beiden gerade etwas Besseres zu tun als auf die Lagerhalle zu achten. Aiden war an dem Auto vorbei geschlichen und er schauderte als er sah wie zwei Männer hinter dem anderen standen und sich unterhielten. Jetzt wusste er das er beobachtet wurde, doch die dämlichen Cops rafften es nicht das er verschwunden war und rauchten lässig ihre Zigaretten. Geschwind lief er in die kleine Gasse und rannte los, ein markerschütternder Schrei ließ ihn zusammen zucken, doch drehte er sich nicht um.

Jetzt war er in Sicherheit, hoffte es zu mindestens, doch was war sein nächstes Ziel? Er wusste es nicht, nachdem er wusste dass er observiert wurde, fühlte er sich ständig verfolgt. Die einzige Möglichkeit die er noch hatte war das Land zu verlassen, doch bestimmt hatten die Cops seine Beschreibung weitergegeben, dass machte eine Ausreise verdammt schwierig. Da lag auch sein Problem, sein Auto war auf ihn angemeldet, deshalb musste er es so schnell wie Möglich los werden, aber nicht ohne noch ein bisschen Geld davor zu bekommen. Aiden wusste das Geld seine größte Schwäche war und jetzt war er verdammt nochmal Pleite. Die Cops werden sein Konto auf Eis legen und warten bis er einen Fehler macht, doch diesen Gefallen wollte Lakefield ihnen nicht tun. Die Frage war nun sollte er sein Auto hier verkaufen und mit dem Bus verschwinden oder erst in eine andere Stadt fahren und dort sein Glück versuchen. Wieder war er ratlos, warum musste immer alles so kompliziert sein. Auf jeden Fall musste er in ein Land kommen, welches nicht an die USA auslieferte, was heutzutage verdammt schwer ist. Durch die Globalisierung, war Europa eine schlechte Wahl, doch wollte Aiden in kein Land, welches wirtschaftlich eine Katastrophe war. Am liebsten wäre ihn auch ein Land gewesen, welches Englisch als Amtssprache hat, doch Großbritannien war genauso, wie auch nicht englischsprachige Länder wie Deutschland oder Frankreich ein Schoßhund der USA. Was blieb ihm also anderes übrig als Russland oder vielleicht Kuba zunehmen. Das wäre keine schlechte Überlegung, doch dann könnte er mit einem Stempel in seinen Reisepass nie mehr in die USA einreisen. Somit blieb ihm nur sich schmuggeln zu lassen. Was für eine Ironie, jahrelang hatte er dafür gesorgt das junge Mädchen aus verschiedenen Ländern der Erde in die USA geschmuggelt werden und nun musste er sich selbst schmuggeln. Da lacht das Schicksal ihn eindeutig aus.
Sein nächstes Ziel war also die Interstate 295, um nach Florida zu kommen und von da aus dann nach Kuba. Er fing jetzt schon an die Annehmlichkeiten dieses Landes zu vermissen.

Police Station
Twelfth Precinct Homicide Squad,
Madison Street, Manhattan
New York

Javier sollte eigentlich das Revier verlassen, nachdem er und Ryan die Beschreibung von Aiden Lakefield herausgaben. Er fand ein registriertes Auto auf seinen Namen und schickte auch dieses an alle Polizeireviere, sowie an die Presse. Dieses Schwein sollte im ganzen Land präsentiert werden. Ryan war schon gegangen um wenigstens eine Nacht mit seiner Freundin zu verbringen. Doch Javier konnte einfach nicht von dem Fall ablassen, vielleicht lag es daran das Lanie immer noch arbeiten musste. Esposito lief durch das leere Büro geradewegs zum Fahrstuhl, er drückte auf „Keller" und spürte wie er nach unten gefahren wurde. Als er die Gerichtsmedizin erreichte, klopfte er leise an. „ Herein." rief eine leise Stimme. Javier betrat den Raum und grinste Lanie an. „ Noch hier?"
„ Jap. Dachte du hast vielleicht noch etwas gefunden." sagte Javier und stellte sich neben sie. „ Das habe ich tatsächlich. Alle sieben Mädchen wurden vor ihrem Tod vergewaltigt und danach mit 9mm Kugeln durchlöchert. Sie kamen alle aus Osteuropa, ich vermute wieder Polen oder auch andere Länder." Lanie ging an den Leichen vorbei und öffnete eine Kühlkammer, geschwind zog sie die Trage heraus. Javier blickte in das blasse Gesicht von Rachel Dunn. „ Bei ihr ist es anders. Sie wurde verprügelt, aber nicht vergewaltigt. Sie wurde genauso von einer 9mm Kugel getötet. Ich denke, aber es war nicht die gleiche Person, welche die ganzen Mädchen getötet hat."
„ Warum?"
„ Weil der Täter Impulsiv gehandelt hat. Er ha sie schnell getötet. Die anderen wurden alle durchsiebt von einem lausigen Schützen. Auf jeden Fall habe ich alle Kugeln entfernt und zur CSU geschickt. Sie werden sie mit den sichergestellten Waffen vergleichen, aber wie ich gehört habe handelte es sich um zwei G18, damit habt ihr die Tatwaffen gefunden."
„ Sag so etwas nie, immerhin ist Aiden Lakefield entkommen, vielleicht hat er die Tatwaffe mitgenommen."
Lanie blickte in amüsiert an und räumte die Leichen weg, Javier half ihr dabei und schaute verwundert auf den anderen Arbeitsplatz. „ Wo ist eigentlich Perlmutter?"
„ Soll ich ihn zitieren?" Javier lachte nur, weil er genau wusste was Perlmutter gesagt haben wird. Lanie drehte sich von ihm weg und wusch sich die Hände. „ Wie konnte Lakefield eigentlich die Lagerhalle unbemerkt verlassen?"
„ Keine Ahnung, ich dachte das Ryan und ich Schuld haben, doch Beckett sagte: Sie hätte Schuld. Ich dachte eigentlich das du mehr weißt, als ich."
„Nein, leider nicht." Dr. Parish zog sich die Schutzkleidung aus und warf sie in den Müll. „ Sie ist neuer Dings nicht sehr gesprächig."
Javier nickte ihr wissend zu: „ Ich hoffe Castle hat nicht wieder etwas unüberlegtes getan."
Lanie ging durch die Leichenhalle und schaltete sämtliche Lampen aus, Javier warte an der Tür auf sie, als sie ihn erreichte betätigte er den letzten Lichtschalter und beide gingen. „ Soll ich dich nach Hause fahren?" Lanie atmete erleichtert auf: „ Das wäre perfekt. Ich will nur noch nach Hause." Esposito nickte ihr zustimmend zu und begleitete sie in die Garage. Verstreut wie sie in diesem Moment der Müdigkeit war, hatte Lanie vergessen die Obduktionsberichte auf Becketts Schreibtisch zulegen. Bevor sie aus dem Auto stieg und sich bei Esposito verabschiedete überreichte sie ihm die Akten und ging. Endlich hatte sie die Arbeit hinter sich und konnte entspannen. Lanie hoffte in brünstig das jetzt genug gestorben waren.