Kapitel1 A new Year, a new Beginning

Schwatzende, lärmende, lachende Kinder und weinende Eltern, es war wie jedes Jahr.

An der Abfahrt nach Hogwarts hatte sich nichts geändert und würde sich wohl so schnell auch nichts ändern. Es war das gleiche Ritual wie immer. Die Schüler sahen sich, rannten auf einander zu, als wäre es das letzte Mal, dass sie einander sahen, und freuten sich dann über ein neues Jahr in Hogwarts, während ihre Eltern oft weinend daneben standen und auf ein neues Jahr ohne ihre Kinder blicken konnten.

Tja, da war es doch gut keine Eltern zu haben, dachte Harry Potter sarkastisch.

Früher hatten ihn diese Gesten von Eltern und Kindern berührt, weil er selbst keine hatte, aber das hatte sich verändert. Harry war nicht mehr der kleine Junge, der immer alles positiv sah. Er hatte sich verändert, innerlich und äußerlich. Er war reifer geworden, aber auch einsamer. Die vergangenen Monate hatten ihn mit einem Mal erwachsen werden lassen. Er hatte es sich nicht aussuchen können, nein, Sirius' Tod hatte es unumgänglich gemacht. Harry Potter musste erwachsen werden, ob er es wollte war da nicht gefragt.

Nun verstand er, dass die ganze Sache mit Voldemort nicht einfach aus der Welt zu schaffen war. Viel mehr hatte er sich längst damit abgefunden, dass er beim Versuch Voldemort zu töten selbst sterben würde, doch er schwor sich, den Lord mit in die Ewigkeit zu nehmen.

Aber was machte das? Wer würde ihn vermissen? Niemand! Denn er hatte dann ja seine Aufgabe erfüllt… hatte den Lord besiegt und wurde nicht mehr gebraucht. Tja, so spielte das Leben mit Helden.

Irgendwie fand er das Ganze witzig; jeder kannte und verehrte ihn, aber wenn Voldemort tot wäre, wurde er einfach in Vergessenheit geraten.

Ein freudloses Lächeln legte sich auf seine Lippen.

Das war ja so erbärmlich, man schätzte ihn nur, weil er sich ständig in Lebensgefahr befand. Vielleicht sollte er sich an einem brennenden Seil über einem Vulkan aufhängen lassen, dann befände er sich auch in Lebensgefahr und der Tod, der ihn ereilen würde, wäre weit aus schöner, als der den er erwartete.

„Harry!", eine helle Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und er blickte sich irritiert um. Seine beste Freundin Hermione stand plötzlich vor ihm und lächelte ihn glücklich an. „Ich bin so froh, dich zu sehen!", sagte sie und umarmte ihn. „Ich freue mich auch", sagte der Schwarzhaarige und setzte ein falsches Lächeln auf. Hermione musterte ihn von oben bis unten. Der Gryffindor hatte sich verändert.

Er war nicht mehr so mager wie früher, sondern mittlerweile drahtiger gebaut, hatte lange Beine, ein fein geschnittenes Gesicht und trug sein schwarzes Haar etwas länger. Dazu trug er eine schlichte schwarze Jeans und ein blutrotes Hemd, das seine Arme vorteilhaft betonte. Das Quidditchtraining hatte über die Jahre Spuren hinterlassen.

Auch Hermione hatte sich verändert, wie Harry auffiel. Sie hatte ihre Haare ein wenig gekürzt und trug ein dezentes Make-up, was vermutlich normal war für ein 16 Jahre altes Mädchen. Ansonsten war sie genauso, wie Harry sie kannte. Hermione bevorzugt bequeme Kleidung in unauffälligen Farben und hielt sich während der Schulzeit eh zumeist an ihre Hogwartsroben.

„Ist alles in Ordnung?", fragte Hermione, als sie sah, dass Harry in Gedanken abdriftete. „Ja, ja alles klar", murmelte dieser etwas abwesend, als ihm plötzlich jemand mit mehr Elan als nötig, auf die Schulter schlug. „Hi, Mate!", Ron grinste ihn an. ‚Der wiederum hat sich GAR NICHT geändert', dachte Harry. Ron hatte noch immer rote Haare, Sommersprossen und war schlaksig. Auch seine unbekümmerte Art schien er beibehalten zu haben.

Naja es gab halt auch Dinge die sich niemals ändern würden und Ron gehörte wohl dazu.

„Sollten wir uns nicht ein Abteil im Zug suchen, Harry?", fragte Ron. „Bin ich auch dafür", Hermione nickte zustimmend und eilte voraus.

Als Harry seiner besten Freundin folgen wollte wurde er jedoch von Ron aufgehalten. „Ähm… du Harry… ich muss mit dir reden", setzte dieser an und blickte auf seine Füße, als sähe er sie heute zum ersten Mal. „Sag mal was hältst du von Hermione?". Harry zog eine Augenbraue hoch.

„Was ich von ihr halte? Sie in eine gute Freundin, wieso willst du das wissen?".

„Naja… also ich… mag… sie…", stotterte der Rothaarige.

„Na, dann viel Glück beim Erobern", sagte der Goldjunge etwas gelangweilt. Eigentlich hatte er damit schon gerechnet. Es war Ron tatsächlich an der Nasenspitze anzusehen, dass er in Hermione verliebt war. Ihn selbst störte das herzlich wenig, solange er nicht bei der Sache mitmachen musste, beste Freunde hin oder her.

Etwas irritiert verzog er beim Gedanken daran das Gesicht und stieg in den Zug. Naja, es gab wohl Schöneres als Intimitäten mit Ron und Hermione zu teilen…

Als die drei endlich ein freies Abteil gefunden hatten ließ Harry sich auf einen der Sitze am Fenster fallen und lehnte den Kopf gegen die Scheibe.

Draußen standen noch immer Eltern, die ihren Kindern nach weinten. Irgendwie konnte der Goldjunge sie ja verstehen, immerhin war Voldemort wieder an die Macht gekommen und jedes der Kinder war vierundzwanzig Stunden am Tag in Gefahr. Wer wollte seinen Nachwuchs da nicht um sich haben?

Seit Voldemort wieder erstarkt war schien niemand mehr Vertrauen in den anderen zu haben. Als Harry in den Sommerferien in Diagon Alley gewesen war hatte er sofort bemerkt, dass die Welt im Wandel war. Die früher lebhafte Einkaufsmeile der Zauberer war plötzlich still und anonym geworden. Immer wieder warfen die Menschen Blicke über die Schulter und redeten nur das Nötigste.

Die Stimmung war alles andere als angenehm gewesen und Harry wollte nur schnell wieder weg von dort.

Auch im Leaky Cauldron war die Stimmung alles andere als entspannt. Die wenigen Menschen die noch kamen waren meist zwielichtige Gestalten. Es war als wäre die gesamte Einkaufswelt der Zauberer zu Knockturn Alley geworden.

Er seufzte leise und warf einen kurzen Blick zu Ron und Hermione, die mal wieder ihren täglichen Streit austrugen.

„Hermione ich will aber ans Fenster!", maulte Ron und schob schmollend die Unterlippe vor.

„Ron, du bist wie ein Kleinkind! Setzt dich jetzt dahin und hör auf zu maulen!", Hermione rollte genervt mit den Augen.

„Das sagst du nur, weil du am Fenster sitzen willst!", gab der Rothaarige zurück.

Manchmal glaubte Harry tatsächlich in einem Kindergarten zu sein. Konnten die beiden keinen Tag auskommen, ohne an einander zu geraten? ‚Hass-Liebe', schoss es Harry durch den Kopf und er musste, ohne es zu wollen, grinsen. Zum Glück bemerkten die Streithähne dies nicht, denn der Goldjunge hatte keine Lust auf dumme Fragen zu antworten.

Schon lange war er Ron und Hermione nicht mehr so nah wie früher. Er schätzte ihre Freundschaft noch immer, aber ihre Stellung in Harrys Leben war von Sirius eingenommen worden. Sirius allerdings war tot. Er war zu Beginn dieses Sommers tot gewesen, er war nun zum Ende des Sommers tot und er würde alle künftigen Sommer tot sein. Somit war diese Stelle nun leer, denn weder Ron noch Hermione konnte je wieder die wichtigste Person in seinem Leben sein.

Er hatte verloren was er geliebt hatte und nun herrschte Leere in ihm - tiefe, bedrohliche, dunkle, einsame Leere. Sein Herz schien in Scherben zersprungen zu sein und es gab nichts, was die Scherben wieder zusammenfügen könnte.


Ein paar Abteile weiter saß Draco Malfoy. Sein Blick war stur nach draußen gerichtet und er versuchte angestrengt die Leute um sich herum zu ignorieren. Neben ihm saß Pansy Parkinson, ein hübsches Mädchen mit lagen schwarzen Haaren und braunen Augen. Sie beteiligte sich liebend gern an allem Klatsch und Tratsch und besaß ein gewisses Talent die Nerven ihrer Mitmenschen zu strapazieren.

Neben ihr hatte es sich Blaise Zabini gemütlich gemacht. Blaise war ein gut aussehender junger Mann mit braunem, kurzem Haar und italienischen Wurzeln. Umso deutlicher hoben sich die leuchtend blauen Augen gegen den dunklen Ton seiner Haut ab.

Draco gegenüber saßen Crabbe und Goyle, die immer noch genauso stumpf waren wie all die Jahre zuvor. Sie sprachen wenig und wenn, dann ging es seit Neustem meistens um Voldemort und ihre Zukunft als Death Eater. Neben diesen beiden saß ein Mädchen mit schwarzem Haar und dunkelbraunen Augen, ihr Name war Amanda Gordon. Sie war in der zweiten Klasse zu ihnen hinzugekommen, weil ihre Eltern zuvor mehrere Jahre in den USA gelebt hatten und ihre Tochter dort zur Schule gegangen war. Amanda war aufgeweckt und etwas überschwänglich für ein Mitglied des Hauses Slytherin, hatte aber auch große Ambitionen, wie Draco bereits mitbekommen hatte.

Aktuell war es tatsächlich ziemlich laut im Abteil, weil Pansy gerade mit Amanda darüber diskutierte wer beim alljährlichen Sommerball dieses Jahr den besten Auftritt hingelegt hatte, während Crabbe und Goyle lautstark darüber nachdachten, ob es noch Sinn machen würde, sich am Unterrichtsstoff des Schuljahres zu beteiligen, da sie ja ohnehin bald andere Aufgaben vor sich hatten.

Draco fragte sich, wie so oft, wie er in diesen Kreisen weiter machen sollte. Immerhin war er ein Malfoy und ein gewisses öffentliches Auftreten wurde von ihm verlangt, aber die Oberflächlichkeit seines eigenen Umfeldes wurde ihm Jahr um Jahr deutlicher bewusst.

In den Ferien waren dann auch die Zweifel hinzugekommen, ob er wirklich auf Voldemorts Seite stand. Er war ein Malfoy, er war stolz, aber um Voldemort dienen zu können, würde er all seinen Stolz ablegen müssen und sich vor dem Lord im Staub wälzen müssen. Aber wollte er das? Wollte er für dieses Bisschen Macht alles wegwerfen?

Und überhaupt, hatte man Macht wenn man Voldemort diente? Oder war man nur ein ersetzbarer Handlanger ohne Bedeutung?

Draco hatte gesehen, wie all diese Death Eater gefoltert wurden, nur um anschließend den Saum von Voldemorts Umhang zu küssen und um Vergebung zu bitten. Was war daran Macht? Nichts! Zu diesem Entschluss war Draco gekommen, in dem Moment, da sein Vater selbst vor Schmerz schreiend auf dem Boden gelegen hatte. SO wollte Draco nicht enden, dafür war er zu stolz.

„Hey, Dray! Wo bist du denn mit deinen Gedanken?", Amanda hatte es noch nie verstanden Menschen sanft in die reale Welt zurück zu holen.

„Ach nirgendwo…" murmelte der Blonde und winkte ab. Die Schwarzhaarige blickte ihn skeptisch an. „Bist du dir da sicher?", fragte sie. Draco rollte nur genervt mit den Augen. „Lass ihn, er ist schon den ganzen Tag so schlecht gelaunt", warf Pansy ein.

Dankbar für ihren Einwurf kehrte Draco zu seinen Gedanken zurück. Auf der anderen Seite gab es nur noch Dumbledore, doch wollte er sich dem Schulleiter anschließen? Draco traute Dumbledore nicht und war sich sicher, dass der alte Mann seine ganz eigene Art hatte, Schachfiguren in diesem ewigen Spiel aus Schwarz und Weiß hin und her zu schieben. Zur Spielfigur zu werden hatte genauso wenig mit Macht zu tun, wie im Staub zu kriechen.

Auch das wollte Draco nicht, er wollte Macht, uneingeschränkte Macht. Selbst der Herrscher sein, das war sein Wunsch und nicht nur ausführende Hand, das war es wonach der Malfoy-Erbe sich sehnte. Alles andere würde ihn nur erniedrigen und auf eine Stufe mit Crabbe und Goyle oder noch schlimmer mit Potter stellen, das wollte er auf keinen Fall.

„Hey Dray, ich würd sagen, du solltest dich mal umziehen", wieder Amanda… manchmal war es echt zum verrückt werden. Seufzend blickte Draco sie an.

„Nenn mich nicht ‚Dray'", antwortete er genervt.

„Ist ja gut tut mir leid, aber zieh dich um", sagte die Schwarzhaarige grinsend. Draco nahm seinen Zauberstab hervor und nutzte den Zauber, den er in den Ferien heimlich geübt hatte. Natürlich konnte er nicht sicher sein, dass er nun beim ersten wirklichen Benutzen funktionierte, aber er hatte ein gutes Gefühl dabei. Tatsächlich wirkte der Kleider-Tausch-Zauber sehr zu Dracos Freude genauso, wie er es sollte und der Slytherin hatte von einer Sekunde zur nächsten seine Hogwartsroben an.

„Wie hast du denn das gemacht?", fragte Blaise erstaunt.

„Hat mein Vater mir beigebracht", murmelte der Blonde und sah wieder aus dem Fenster. Lange konnte es nicht mehr dauern, dann wäre er wieder in Hogwarts.


„-rry! Harry!", drang eine bekannte Stimme in sein Gedächtnis vor.

„Was? Was ist los?", erschrocken fuhr er hoch und blickte Ron und Hermione verdutzt an. „Sieh mal es dämmert schon, du solltest dich umziehen", sagte seine beste Freundin und deutete aus dem Fenster.

Es stimme, die Dämmerung hatte begonnen und bald würden sie Hogsmead erreichen.

Seufzend stand Harry Potter auf und suchte seine Robe aus dem Koffer, den er zu Beginn der Fahrt im Abteil verstaut hatte. Schnell zog er sich um und nun stieg Vorfreude in ihm auf. Bald schon würde er zu Hause sein, würde wieder am langen Haustisch von Gryffindor sitzen, in seinem Schlafsaal schlafen, Quidditch spielen und trainieren, für Prüfungen lernen und Hausaufgaben machen.

Zwar war er nie lange fort aus Hogwarts, aber trotzdem vermisste er das alte Schloss gerade so, als wäre er dort geboren worden und aufgewachsen. Dabei lagen seine Wurzeln doch in Gordric's Hollow und er war bei Tante und Onkel aufgewachsen. Aber seine wahre Heimat war dieses Schloss, mit all seinen Geheimnissen und Mysterien. Der einzige Ort auf der Welt, an dem Harry sich wohl fühlte. Hier wurde er nicht diskriminiert und verprügelt, hier war er seinen Eltern und seinem Selbst so nah, wie nirgendwo sonst. Der einzige Schatten war seine Berühmtheit, die so gerne ablegen würde wie einen alten Mantel. Er wollte nicht mehr entweder der allumjubelte Junge oder der lügende Irre (je nachdem was dem Ministerium grade besser gefiel) sein, sondern sehnte sich nach jemandem der in ihm nur den Menschen ‚Harry Potter' sah.

Ruckend kam der Hogwarts-Express zum Stehen, sodass Harry kurz um sein Gleichgewicht bemüht war.

„Hat der Fahrer getrunken? Das is ja schlimm!", maulte Ron und streckte den Kopf aus der Abteiltür. „Beweg dich Ron, wir sind da!", drängte Hermione hinter ihm, die schon ihren Koffer in der Hand hielt.

Der Rothaarige kam wieder ins Abteil und holte ebenfalls seinen Koffer, während Harry und Hermione schon mal vorgingen.

„Ich schwör euch Leute, diese Erstklässler werden Jahr für Jahr kleiner!", sagte Ron kopfschüttelnd, als die drei an Hagrid vorbei zu den Kutschen gingen, die sie ins Schloss bringen sollten.

„Nein Ron, die werden nicht kleiner, du wirst größer!", berichtigte ihn seine beste Freundin, wofür sie sogleich einen genervten Blick erhielt. Harry hatte nicht vor sich in die Meinungsverschiedenheit einzumischen, die beiden würden sich ohnehin bald wieder vertragen.

Die drei stiegen in eine der Kutschen, von denen Harry früher einmal geglaubt hatte, sie würden von unsichtbaren Pferden gezogen. Doch letztes Jahr hatte er seinen Irrtum erkannt. Es waren Thestrale, pferdeartige Wesen, die man nur sehen konnte, wenn man einmal einen Menschen hatte sterben sehen. Nach Cedrics Tod Ende der vierten Klasse hatte Harry sie sehen können. Lieber würde er immer noch glauben sie seien unsichtbar, als dass Cedric tot war.

Der Goldjunge hatte sich nie verziehen, dass er dem Hufflepuff nicht hatte helfen können. Er hatte zusehen müssen, wie Cedric gestorben war und Harry war schuld daran! Er hatte vorgeschlagen sie sollten den Pokal gemeinsam nehmen, damit hatte er Cedrics Tod besiegelt. Hätte er den verdammten Pokal doch bloß allein angefasst. Sein ‚nobles' Verhalten hatte letztlich dazu geführt, dass Cedric ermordet worden war.

„Harry, ist alles ok? Du bist schon den ganzen Tag so still…", Hermione sah ihn skeptisch an.

„Es ist alles in Ordnung, es geht mir gut", sagte der Goldjunge und blickte aus dem Fenster der Kutsche.

Draußen hatte es angefangen zu regnen, was die Fahrt rauf zum Schloss erheblich erschwerte. Irgendwie taten Harry die Erstklässler leid, die bei solch einem Wetter über den See fuhren.


Endlich waren sie vor dem Schloss angekommen und Draco Malfoy stieg aus seiner Kutsche. In all dem Regen herrschte reges Treiben. Überall standen Schüler, die nur darauf drängten ins Schloss zu kommen. Auch der Malfoy-Erbe wollte endlich ins Trockene, denn die ruckende und unbequeme Kutschfahrt war noch nie sein favorisierter Teil der Ankunft im Schloss gewesen. Viel mehr freute er sich auf das gute Essen und sein weiches Bett im Schlafsaal der Slytherins.

Nach einander drängten die Schüler an Professor McGonagall vorbei, die mit strengem Gesichtsausdruck am Tor stand. Sie sah älter und müder aus als sonst, der Krieg gegen Voldemort machte ihr sehr zu schaffen vermutete Draco. Tiefe Furchen hatten sich unter ihren Augen gebildet und ihre Pupillen hatten an Glanz verloren. Sie sah so aus, als habe man ihr Lebensenergie entzogen.

Wieder ein Grund nicht auf Voldemorts oder Dumbledores Seite zu stehen, schließlich wollte Draco nicht mit 30 aussehen wie 80.

„Guten Abend Mister Malfoy", begrüßte ihn der Bloody Baron am Eingang zu Schule. Draco nickte nur höflich und ging dann weiter. Er war so etwas wie eine lebende Legende in Slytherin, der ungekrönte Eisprinz des Hauses. Seine silber-grauen Augen und seine platin-blonden Haare, alles an ihm schien wertvoll zu sein.

Schlussendlich erreichte die Schülerschlange die Große Halle, aus der es schon herrlich nach dem guten Essen duftete. Draco ließ sich am Tisch der Slytherins nieder und musste feststellen, dass sich ihre Reihen gelichtet hatten. Sogar einige Zweitklässler waren nicht mehr da.

„Ist ja ganz schön leer geworden hier", stellte Pansy fest und setzte sich neben Draco. Dieser nickte nur.

„Stimmt, viele wurden schon vom Lord zu sich geholt", stimmte Amanda zu.

„Ich warte auf den Tag, an dem ich meine Eule bekomme", ein kurzer Schatten zeigte sich auf Blaise' Gesicht.

„Wieso so mürrisch? Hast du Angst?", stichelte Pansy.

„Ach was! Ich bin nur mal gespannt wie es dann weiter geht", vor niemandem hätte ein Slytherin Untreue zum Lord zugegeben, viel zu groß war die Gefahr daran zu sterben.

„Seid leise, die Auswahl fängt an!", unterbrach Amanda die Unterhaltung und alle richteten ihren Blick nach vorn, wo gerade die Erstklässler die Halle betraten und der Sorting Hat schon bereit stand.

Es waren unserer Gründer vier

Die nun verehren wir

Da war Slytherin, voll von List und Tücke

Hufflepuff, die einen jeden ins rechte Licht rücke

Gryffindor, vom Mut beseelt

Ravenclaw, bei der nur Klugheit zählt

Einst sie gute Freunde waren

Trotzten gemeinsam allen Gefahren

Sie sich Lehren zu Aufgabe machten

Und allen Schülern etwas beibrachten

So friedlich sie lebten

Und nach Glück strebten.

Doch nicht lang wehrte der Friede.

Ich will's erzählen euch in diesem Liede

Der Freundschaft sollt' ein Ende sein

Durch Streit allein

Die Häuser selbst wollten herrschen

Slytherin durchs Blute rein

Hufflepuff durch Güte

Gryffindor zum Mute führte

Ravenclaw herrschte mit Wissen

Darum sind ihre Bande gerissen

Ich sagte euch nun

Es wird der Schule nicht gut tun

Ich muss euch trennen wieder

Und am Ende schaut ihr nur auf die anderen hernieder

Doch wird uns durch das viele Teilen

Nicht bald der Untergang ereilen?

Ich sage Stärke muss kommen von innen

Sonst wird bald Hass durch die Schule rinnen

Nun seid ihr gewarnt

Lasst uns mit der Auswahl beginnen

Als der Hut verstummte war es auch in der Halle gänzlich still. Der sonst so bekannte Applaus blieb diesmal aus und leises Gemurmel ging durch die Halle. Amanda grinste kurz.

„Tja, also ab jetzt müssen wir die Gryffindors in den Arm nehmen", sagte sie und nickte mit dem Kopf hinüber zum anderen Ende der Halle, wo Harry-bloody-Potter mit seinen Freunden saß.

„Du meinst wohl auf den Arm nehmen", gab Pansy zurück.

Aber es stimmte, die Botschaft war eindeutig, die Häuser sollten sich vereinen und gemeinsam kämpfen, aber das war unmöglich, niemals konnten die verfeindeten Häuser Frieden schließen, Slytherin war zu verrufen, als dass die anderen Häuser mit ihm Frieden schließen würden.

Eine nun doch etwas nervöse Professor McGonagall stellte sich mit ihrer Liste vor die Schüler. Auch sie hatte wohl nicht mit solch einer Botschaft gerechnet.

„Albaroc Mandy", rief sie und ein kleines Mädchen mit haselnussbraunem Haar setzte sich auf den Stuhl. Es dauerte nicht lange, da rief der Hut: „RAVENCLAW!".

Am Tisch eben dieser brach Jubel aus und das Mädchen setzte sich glücklich an den langen Tisch. Als dann eine viertel Stunde und zu viele Schüler später „Willson Amalia" zu einer Gryffindor wurde war die Auswahl vorbei und alle freuten sich auf das gute Essen.

Albus Dumbledore erhob sich von seinem Platz am Lehrertisch und trat mit ausgebreiteten Armen vor. „Liebe Schüler, leider muss ich euch sagen, dass unsere Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden. Hogwarts wird nun mehr von vielen sehr mächtigen Zaubern geschützt, die ein Eindringen ins Schloss so gut wie unmöglich machen. Kaum ein Ort auf der Welt ist sicherer als die Schule, das versichere ich euch! Außerdem soll ich euch noch einmal darauf hinweisen, dass das Betreten des Waldes auf dem Gelände der Schule strengstens untersagt ist und um 20:00 ab jetzt alle Schüler in ihren Gemeinschaftsräumen sein müssen, wer dennoch in der Schule unterwegs ist kann mit hohen Strafen rechnen. Nun aber zu erfreulicheren Dingen, wir haben einen neuen Lehrer für Defence against the dark arts: begrüßt mit mir Professor Merik Parker! Aber nun haut rein!", lächelnd setzte sich der Schulleiter wieder an den Lehrertisch.

Draco versuchte einen Blick auf den neuen Lehrer zu erhaschen und musste feststellen, dass dieser aussah wie eine jüngere Version von Professor Snape. Der Mann war in etwas Mitte Zwanzig, hatte langes schwarzes Haar und dunkle Augen, und auch seine Gesichtszüge waren ebenso streng, wie die des Posion-Masters.

„Wow…", hauchte Pansy neben Draco und blickte entzückt zu dem neuen Lehrer.

„Mach dich nicht lächerlich, an den kommst du nicht ran", feixte Blaise, schien selbst aber auch begeistert von dem neuen Lehrer.

Der Malfoy-Erbe unterdessen häufte sich etwas vom guten Essen auf den Teller und schenke dem Lehrer keine Beachtung mehr. Man würde ihn wohl noch oft genug im Unterricht sehen.


Müde ließ Harry sich auf sein Bett im Schlafsaal der Jungen fallen.

„Was für ein Tag… also das Lied war ja mal wieder heftig", sagte Seamus, der im Bett neben Harry lag.

„Das kannst du wohl sagen, der Hut will, dass die Häuser ihre Feindschaft begraben, aber das wird nix oder willst du demnächst mit Malfoy gut Freund machen?", fragte Ron.

„Na sicherlich nicht!", Dean setzte sich zu Seamus um näher am Geschehen zu sein.

„Aber was wäre denn, wenn die Häuser wenigstens Frieden schließen würden? Heißt ja nicht, dass sie Freunde werden", warf Neville ein.

„Vergiss es Nev, das scheitert spätestens am Eisprinz der Slytherins", winkte der Ire ab. „Da geb' ich Seamus Recht, Malfoy würde nie aufhören uns mit seiner Truppe zu schikanieren, der will doch Streit", stimmte Ron zu.

„Und hab ihr diesen neuen Lehrer gesehen? Der sieht ja wohl total aus wie Snape!", entrüstete sich Dean.

„Macht bestimmt auch s den gleichen Unterricht wie Snape!", Seamus Blick verfinsterte sich.

„Mein Gott, könnt ihr das nicht morgen weiter diskutieren, ich will schlafen!", unterbrach Harry seine Zimmergenossen und zog verärgert die Vorhänge seines Bettes zu.

Kapitel1 Ende