Kapitel 6 Weapons
Der Montagmorgen kam schneller als Draco lieb war.
Er hatte das Wochenende mit Lesen und Qudditch-Training verbracht, war aber nicht drum rum gekommen bei jeder Gelegenheit einen Blick zum Tisch der Gryffindors zu werfen.
Sein Gespräch mit Potter vom Samstagmorgen war ihm das ganze Wochenende nicht mehr aus dem Kopf gegangen.
Es war so unendlich schwer gewesen seine Maske nicht fallen zu lassen und so zu tun, als sei alles in Ordnung. Potters Fragen hatten eigentlich genau ins Schwarze getroffen, aber er konnte die rettende Hand nicht ergreifen, die ihm dargeboten wurde, auch wenn er sich nichts auf der Welt sehnlicher gewünscht hatte. Und obwohl er die nächste Begegnung mit dem Gryffindor fürchtete, so sehr sehnte er sie auch herbei.
Sein Verlangen nach Potter war nicht kleiner geworden, obwohl er wusste, dass es jetzt völlig unmöglich war. Vielleicht führte genau dieses Wissen auch dazu, dass er sich noch viel mehr zu seinem Nemesis hingezogen fühlte, als zuvor.
Er wollte ihm aus dem Weg gehen und gleichzeitig hätte er sich am liebsten wieder zu ihm an den Tisch gesetzt.
Hatte Blaise womöglich Recht? Hatte sich Slytherins Eisprinz in den Helden der Zaubererwelt verliebt? Kam daher diese unendliche Anziehungskraft, die Potter auf ihn ausübte, wie der Mond auf das Meer?
Waren sie nicht auch schon immer voneinander besessen gewesen? Vom aller ersten Moment an? Als sich ihre Wege bei Madam Malkins gekreuzt hatten? Ohne, dass Draco damals gewusst hatte, wen er da vor sich hatte, war in ihm der Wunsch gekeimt, in Hogwarts mit ihm befreundet zu sein.
Aber als Potter ihn dann im Zug zurück gewiesen hatte, war Draco nichts anderes übrig geblieben, als ihn zu hassen, wenn er ihn schon nicht haben konnte.
Dennoch hatte sich seine Obsession in den letzten Jahren nicht geändert und auch Potter schien sich nicht von ihm lösen zu können, sonst wäre er wohl kaum am Slytherintisch aufgetaucht.
Die ganze Situation war mehr als verwirrend. Sein Herz und sein Körper schienen danach zu schreien die alte Feindschaft aufzugeben, aber sein Verstand und sein Überlebenswille sagten ihm, dass er sich keine Schwäche leisten durfte und hinter dem Lord stehen musste, wenn er lebend aus der Sache heraus kommen wollte.
Das ganze Wochenende über waren ihm unendlich viele Dinge im Kopf herum gegangen und Blaise hatte immer wieder versucht ihn darauf anzusprechen.
Aber Draco hatte kein gesteigertes Interesse daran, sein Herz auszuschütten.
Und nun, am Montagmorgen beim Frühstück, ruhte sein Blick einmal mehr auf dem Tisch der Gryffindors. Potter und seine Freunde schienen sich wieder eingekriegt zu haben. Dennoch wirkte der Schwarzhaarige nicht wirklich an seinen beiden Begleitern interessiert und auch Weasle und Granger schienen ihren Freund nicht wirklich wahrzunehmen.
Und da wagte es Potter ihn nach seinen Problemen zu fragen? Er schien selbst mehr als genug Probleme zu haben. Seine beiden besten Freunde waren auf dem besten Weg ein Zweiergespann zu werden, in dem der Schwarzhaarige keinen Platz mehr finden würde. Ob er sich dieser Tatsache überhaupt bewusst war?
„Heute Morgen ist Potter aber beliebt", bemerkte Blaise, als er sich neben Draco setzte und Kaffee in seine Tasse goss.
Irritiert blickte der Blonde auf und zog fragen die Augenbrauen zusammen.
Ein wissendes Grinsen breitete sich auf dem Gesicht seines besten Freundes aus. „Sag bloß, du warst so vertieft in deine Beobachtungen, dass es dir nicht auf gefallen ist?", fragte er spöttisch.
„Tu nicht so geheimnisvoll, Blaise, sondern sag mir worauf du anspielst!", antwortete Draco patzig und stellte seinen Krug mit frischen Orangensaft darin, mit solcher Wucht wieder auf den Tisch, dass Pansy, die Draco schräg gegenüber saß, dem spritzenden Saft nur mit viel Glück ausweichen konnte. Kurz warf sie ihm einen beleidigten Blick zu, schien dann aber zu merken, dass an den Malfoy-Erben im Moment nicht heranzukommen war.
Blaise ignorierte den kleinen Zwischenfall mit Pansy und nickte zum Tisch der Gryffindors hinüber.
Erst jetzt bemerkte Draco, dass er wirklich nicht der einzige gewesen, war der Potter beobachtet hatte.
Dem Schwarzhaarigen schräg gegenüber saß Weasles kleine Schwester, die Potter mit schmachtenden Blicken betrachtete. Ihr langes, rotes Haar hatte sie kunstvoll frisiert, als erhoffte sie sich, so die Aufmerksamkeit des Goldjungen zu erregen. Aber genau wie Draco zuvor, machte dieser keine Anstalten das Mädchen zu bemerken. Draco hätte es zwar niemals zugegeben, aber er fühlte sich definitiv erleichtert, dass Potter nicht auf ihre Blicke reagierte.
„Tja, vielleicht rechnet sich Weaslette ja Chancen aus", bemerkte Draco spöttisch und nahm lasziv lächelnd einen Schluck Kaffee.
„Und was ist mit dir Draco, rechnest du dir Chancen aus?", fragte sein bester Freund. Diesmal lag kein Spott in seiner Stimme, nur Ernst und eine kleine Spur von Sorge.
Draco wandte seinen Blick vom Tisch der Gryffindors ab und fixierte Blaise mit kalten Augen. „Wie oft, muss ich es dir erklären? Ich hänge an meinem Leben", gab er schnippisch zurück, wobei er diesmal die Tasse auf den Tisch knallte und Pansy leider nicht die Gelegenheit bekam rechtzeitig auszuweichen.
„Draco! Danke auch! Jetzt kann ich mich umziehen!", mit einem letzten wütenden Blick auf ihren besten Freund rauschte sie aus der Halle.
Zum ersten Mal seit Beginn der Unterhaltung blicken nun auch Millicent und Amanda zu ihnen herüber.
„Was ist denn los?", fragte die Schwarzhaarige mit hochgezogenen Brauen.
Blaise begann erneut spöttisch und gleichzeitig unendlich zufrieden mit sich selbst, zu grinsen. „Unser lieber Draco hat einfach nicht gut geschlafen und heute einen etwas… festen Griff", erklärte er, wobei seine Augen amüsiert blitzten.
Draco unterdrückte einen Fluch, der ihm bereits auf den Lippen lag, und begann sich ein Brötchen zu schmieren. Erst als er Blaise Ellenbogen in den Rippen spürte und schon eine wütende Bemerkung vorbereitete hatte, blickte er wieder auf.
Doch er kam nicht dazu seiner Entrüstung kund zu tun, denn Blaise lenkte seine Aufmerksamkeit mit einem Nicken zum Lehrertisch.
Dumbledore persönlich war aufgestanden und stand nun vor der versammelten Schulgemeinschaft.
Kurz wurden überall in der Halle irritierte Blicke ausgetauscht, dann galt dem alten Zauberer die ungeteilte Aufmerksamkeit der gesamten Schülerschaft.
Draco blickte einen Moment zum Tisch der Gryffindors und sah, dass auch Potter mit gerunzelter Stirn zum Schulleiter blickte. Was immer hier also gespielt wurde, Potter war genauso unwissend, wie er selbst und das beruhigte Draco irgendwie.
Dumbledore breitete die Arme aus und begrüßte die Schüler mit einem warmen Lächeln. „Guten Morgen, meine Lieben. Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen und fühlte euch bereit für eine weitere Schulwoche".
Ein Raunen ging durch die Menge, was Dumbledore nur noch väterlicher lächeln ließ.
„Wie ich euch ja zu Beginn des Jahres gesagt habe, wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Und ich weiß auch, dass euch das zuweilen sehr belastet. Daher sind wir, eure Lehrer und ich, zu dem Entschluss gekommen, dass wir zumindest den älteren Schülern die Möglichkeit geben wollen, für einen Abend die Bedrohung um uns herum zu vergessen". Er machte eine künstlerische Pause, wobei sein Blick ganz unzweifelhaft kurz zu Potter schweifte. „Ich spanne euch nicht weiter auf die Folter. Es wird dieses Jahr einen Halloween-Ball geben. Daran teilnehmen dürfen alle Schüler ab der vierten Klasse. Doch es soll kein ganz gewöhnlicher Ball sein. Wie ihr sicher wisst, verkleidet man sich zu Halloween und mit dieser Tradition möchte ich nicht brechen. Allerdings erschien es mir recht eintönig, wenn wir uns alle als Hexen und Zauberer verkleiden", ein kurzes Lachen ging durch die Halle, „daher soll es sich bei dem Ball um einen Maskenball nach dem Vorbild Venedigs handeln. Ich hoffe ihr werdet daran euren Spaß haben. Und nun wünsche ich euch eine schöne Schulwoche".
Mit einem letzten warmen Lächeln ging der Schulleiter zum Lehrertisch zurück und keine Sekunde später brach reger Trubel aus.
Die Jüngeren empörten sich, dass sie nicht mit durften, die älteren Jungs regten sich auf, dass sie nicht tanzen konnten und die Mädchen begannen zu beraten, was man wohl anziehen sollte für dieses Ereignis.
„Das klingt doch nach einem spannenden Abend", murmelte Blaise und versuchte sein süffisantes Lächeln hinter der Kaffeetasse zu verbergen.
„Spannend? Na, wenn du meinst, für mich klingt das mehr nach Kindergarten. Brauchst du Sex mit einer maskierten oder warum grinst du so?", Draco vermochte sich nicht recht zu freuen, viel mehr schien es, als greife eine eisige Hand in seine Eingeweide.
Würde Potter ein Mädchen zu diesem verdammten Ball auffordern? Und wollte Draco da sein, um es zu sehen?
Blaise setzte seine Kaffeetasse wieder ab.
„Ok, Draco Malfoy, wir müssen reden", erklärte er entschlossen und zog seinen besten Freund am Arm hoch, um mit ihm gemeinsam die Halle zu verlassen.
„Was soll das Blaise?", wollte Draco noch wissen, bevor ihn starke Arme gegen die Wand drückten.
„Jetzt reden wir mal Klartext, mein Freund. Deine Laune ist seit Wochen schlecht, du bist besessen von Potter, falls es dir noch nicht aufgefallen ist, du quälst dich herum und jetzt bist du eifersüchtig!", brach es aus Blaise heraus.
Bis ins Mark getroffen und seelisch völlig entblößt, stand Draco mit dem Rücken zur Wand. Seine Augen waren schockgeweitet und er wusste einfach nichts zu sagen; konnte nur schwach nicken.
Blaise schnaubte und schüttelte den Kopf. „Wach auf Draco Malfoy! Du willst dich nicht gegen den Lord wenden, aber gleichzeitig verliebst du dich in Harry Potter! Du musst dich entscheiden! Beides zu gleich geht nicht!", erklärte der Braunhaarige aufgebracht.
Während seiner Worte hatte er Draco losgelassen und damit begonnen hektisch vor diesem auf und ab zu laufen. Doch er hatte nicht damit gerechnet in seinem besten Freund einen derart wunden Punkt zu treffen, dass dieser sich aus seiner Starre löste und Blaise kraftvoll nach hinten stieß.
Dracos Miene war eine einzige Maske der Verzweiflung. Seine silbernen Augen waren feucht geworden. „Gar nichts muss ich verdammt! Ich bin nicht in Potter verliebt! Halte dich aus meinem Leben raus!", schrie er und es war ihm auf einmal egal, ob irgendwelche Schüler ihn würden hören können. Alles was in seinem Kopf vorging wollte verhindern, dass er sich noch weiter mit den quälenden Gedanken auseinander setzen musste, entweder auf sein Leben oder auf Potter verzichten zu müssen.
Blaise überwand seine kurze Überraschung schnell und stieß Draco mit aller Kraft zurück. „Hör auf dich und mich zu belügen und sieh der Wahrheit ins Auge! Du bist eben eifersüchtig gewesen, eifersüchtig wegen Harry Potter! Verdammt Draco! Du warst noch nie eifersüchtig auf irgendjemanden wegen irgendetwas!", schrie Blaise nun ebenso laut zurück.
Wie ein Paukenschlag trafen ihn die Worte seines besten Freundes. Er hatte Unrecht. Draco war seit der ersten Klasse eifersüchtig – nämlich auf Ronald Weasley und Hermione Granger.
Er hatte keine Kraft Blaise zurück zu drängen, stattdessen schüttelte er nur langsam den Kopf. „Da liegst du falsch, Blaise. Seit meinem ersten Tag hier bin ich eifersüchtig auf Potters Freunde. Sie hatten, was ich nie haben konnte und jetzt, da sie sich von ihm entfernen und meine Chance endlich da wäre kommt dieser verdammte Brief und macht alles kaputt! Diese beiden Verräter haben ihn doch gar nicht verdient! Jetzt da er sie so sehr brauch, lassen sie ihn allein! Das wäre ihm mit mir nicht passiert. Niemals!", die Wut war in Dracos Stimme zurück gekehrt. Wut und Verzweiflung.
Blaise machte ein paar Schritte auf den Blonden zu, vermied aber jede Berührung. „Ich weiß du bist ein Malfoy, und ich weiß du bist es gewohnt zu bekommen was du willst, aber Draco, manchmal geht es im Leben einfach nicht. Wenn du dich nicht vom Lord abwenden willst, dann musst du Potter vergessen".
Im Common Room der Gryffindors herrschte am Abend, als Harry hereinkam, allgemeiner Trubel.
Dumbledores Ankündigung vom Morgen zog deutliche Spuren nach sich.
Nur zu gut konnte Harry sich noch an den Yule Ball in der vierten Klasse erinnern und wie er und Ron den Abend verflucht hatten, weil beide weder die gewünschte Partnerin gehabt hatten, noch richtig tanzen konnten. Der Rotschopf war diesmal intelligenter gewesen und hatte Hermione tatsächlich bereits gefragt und sie hatte, trotz des vielen Streits in den letzten Wochen, mit ‚ja' geantwortet.
Natürlich freute Harry sich für die beiden, aber wenn er ehrlich war versetzte ihm das ganze auch einen Stich, denn er wäre an dem Abend dann wohl allein.
Klar hätte er Cho Chang fragen können, doch nach der Farce des letzten Schuljahres und dem Ende ihrer ‚gemeinsamen Zeit' konnte und wollte Harry das nicht mehr. Außerdem war Cho ja nun mit Michael Corner zusammen.
Unter all den Umständen würde er vermutlich nicht mal hingehen und selbst wenn er sich doch dazu überreden ließe, ohne Begleitung. Er wollte keine Gerüchte über irgendein Mädchen in Hogwarts kursieren haben, das sich dann Hoffnungen machen würde, die er wieder zerstreuen müsste. In Harrys Leben hatte im Moment keine Frau Platz. Er brauchte all seine Konzentration für den Krieg und hatte dabei keine Augen für Frauen, also wäre es besser sich gar nicht erst auf solche Sachen einzulassen.
Er ließ sich auf eines der Sofas neben dem Feuer fallen und richtete seinen Blick auf die Schwärze außerhalb des Fensters, gegen das mal wieder dicke Regentropfen klatschten.
Irgendwo da draußen war Voldemort und wartete nur darauf Harry zu begegnen. Vielleicht beendete er gerade jetzt, in diesem Moment, das Leben unschuldiger Menschen, während Harry am warmen Feuer saß, fern ab der direkten Gefahr und seine Probleme sich mehr um einen Halloweenball drehten, als um die Zukunft der Welt.
In seiner Brust schlugen zwei Herzen zugleich. Das eine schrie, er sollte aufspringen und Voldemort suchen, um ihn endgültig in die Schranken zu weisen. Das andere wollte einfach nur Frieden und Ruhe. Ein Leben ohne Verantwortung und ohne Bürden. Sollten doch andere sich um Voldemort kümmern. Aber tief drin wusste Harry, dass niemand außer ihm Voldemort würde vernichten können.
„Hey Harry", Neville lächelte leicht, als er sich neben den Schwarzhaarigen auf das rote Sofa fallen ließ.
„Hi Neville. Was gibt's?", fragte dieser und zwang sich zu einem Lächeln.
„Du, ich wollte dich fragen… macht es dir was aus, wenn ich Ginny frage…", eindeutige Röte war Neville ins Gesicht gestiegen und ein verschmitztes Lächeln zierte seine Lippen.
Harry hingegen fühlte nichts als Verwirrung. „Was willst du Ginny fragen?"
„Na, ob sie mich… zum Ball begleitet…", wenn die Röte in Nevilles Gesicht noch intensiver hatte werden können, so war sie es genau jetzt geworden und auch in Harrys Augen funkelte die Erkenntnis.
„Ach so. Ja klar kannst du sie fragen. Ich habe ganz sicher nichts dagegen", erklärte er gelassen.
„Danke. Und es macht dir wirklich nichts aus? Ich meine… Ron ist dein bester Freund und Ginny seine kleine Schwester. Da dachte ich immer wäre klar, dass du irgendwann mal… nun ja… mit ihr zusammen bist", erklärte Neville.
Ein bitteres Lachen entkam Harrys Kehle und einen Moment wirkten seine grünen Augen dumpf und leer. „Ich weiß nicht wie lange Ron noch mein bester Freund ist, und was Ginny angeht, sie schien mich von Anfang an zu mögen, aber ich kann dir versichern, dass sonst nichts zwischen uns ist, und wohl auch nie sein wird", Harry versuchte dem jungen Mann neben sich ein ermutigendes Lächeln zu schenken, was ihm jedoch nicht ganz gelingen wollte.
„Mal was anderes Harry… ich hab mich gefragt ob es irgendwann noch mal ein Treffen der DA geben wird… ich meine… vielleicht könnten wir dich ja unterstützen… im Kampf gegen…", seine Stimme brach und seine haselnussbraunen Augen schien feucht zu werden.
Eine Welle aus Mitleid brandete über Harry hinweg. Neville musste sich mehr als unnütz vorkommen ohne Dumbledore's Army. Dennoch konnte Harry nicht anders, als den Kopf zu schütteln.
„Wahrscheinlich eher nicht. Das ist mein Kampf, Neville. Ich will nicht, dass andere da hinein gezogen werden. Ich muss das ganz allein zu Ende bringen", erklärte der Schwarzhaarige und spürte wie sich ihm die Kehle zuschnürte.
Seine Eingeweide schienen sich beim Gedanken daran zu verknoten und seine Hände wurden feucht.
Neville nickte nur stumm.
Harry räusperte sich, um den Kloß im Hals zu vertreiben und zwang sich zu einem Lächeln.
„Wenn es aber noch mal ein Treffen geben sollte… bist du der Erste der es erfährt. Versprochen", würgte er hervor. Seine Stimme klang heiser und belegt.
Sein Gegenüber blickte auf und versuchte ebenfalls zu lächeln. „Vielen Dank…", seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Und Harry, wenn du mal jemanden brauchst… ich weiß ich bin nicht wie Ron… aber ich hab ein offenes Ohr…".
Neville erhob sich von seinem Platz neben Harry und ging Richtung Portraitloch, zu dem Ginny gerade herein kam. Es war schön zu sehen, dass Neville nun doch noch seinen Gryffindormut gefunden zu haben schien und sich traute Ginny für den Ball zu fragen.
Die Dinge hatten sich seit der Nacht im Department of Mysteries geändert. Und Harrys Leben hatte einen endgültigen Inhalt bekommen. Entweder er würde Voldemort besiegen oder bei dem Versuch sterben. Der Goldjunge warf einen Blick auf seine magische Taschenuhr. Noch war es nicht spät und damit hätte er noch etwas Zeit zum üben.
Während des langweiligen Unterrichts den er an diesem Tag hatte über sich ergehen lassen müssen, war Harry eine Idee gekommen, wo er am besten würde üben können: Der Room of Requirements schien ihm ideal für dafür.
Sowieso fragte er sich, warum er nicht schon früher darauf gekommen war, immer hin hatten er und die DA den Raum im letzten Schuljahr doch genau für diesen Zweck benutzt.
Eine halbe Stunde später stand Harry im Room of Requirements. Wie immer hatte sich der Raum seinen individuellen Wünschen angepasst.
Er war groß genug, um darin Zauber und Flüche zu üben, gleichzeitig beherbergte er ein riesiges Bett, sodass Harry sich zwischendurch immer wieder ausruhen konnte, denn, wie er gelesen hatte, zehrten schwarzmagische Zauber an der Energie des Zaubernden. Neben dem Bett brannte ein Feuer im Kamin, sodass die Temperatur immer angenehm warm blieb.
Mit seinen Büchern bewaffnet ließ Harry sich zunächst auf das weiche Bett fallen. Es war groß genug für zwei Personen und mit weicher, cremefarbener Seide bezogen.
Er schlug das Buch der 1000 Flüche auf, das er sich sicherheitshalber doch noch mal aus der Bibliothek geholt hatte, und blätterte auf die Seite, die den Fluch behandelte, der den Gegner würde erblinden lassen.
Schnell überflog er die Seite. Ein violetter Blitz würde den Gegner treffen müssen, dann wäre der Zauber geglückt hieß es.
Mit einem flauen Gefühl im Magen erhob er sich. Noch immer konnte er sich nicht an den Gedanken schwarzer Magie zu verwenden gewöhnen. Es kam ihm einfach falsch vor. Nichts desto trotz fixierte er mit dem Blick die gegenüberliegende Wand und richtete den Zauberstab auf einen imaginären Gegner.
„Lumus amittere", flüsterte er und für einen kurzen Moment erschien ein kleines, violettes Licht an der Spitze des Stabs, das kaum einen Herzschlag später wieder erstarb, ohne sich gelöst zu haben. ‚Guter Anfang', schoss es Harry durch den Kopf, aber er würde sich nicht entmutigen lassen und weiter üben.
Der Abend schritt voran und irgendwann, Harry fühlte sich bereits der völligen Erschöpfung nah, schaffte er es, dass der Zauber sich von seinem Zauberstab löste und ein paar Fuß weit durch die Luft schoss, bevor er erstarb. Zwar war das sicher schon ein Erfolg, aber der Goldjunge nahm sich dennoch vor den Zauber auch weiterhin zu üben, um die Reichweite zu vergrößern. Er wusste ja nicht, wie nah er dem Lord kommen würde und er konnte nicht auf nur fünf Fuß zwischen ihnen spekulieren.
Müde schloss er kurz die Augen, bevor er seine Bücher wieder zusammen packte.
Innerlich fühlte er sich ausgebrannt und leer. Es war als habe die Magie ihm den Lebenswillen entzogen. Zugleich fühlte er sich von dem war er tat angewidert. Stelle er sich nicht gerade auf die gleiche Stufe, wie Voldemort?
Schnell versuchte er den Gedanken abzuschütteln und in seinen Schlafraum zu kommen.
„Wo bist du so lange gewesen, mate?", Rons skeptische Stimme empfing den Schwarzhaarigen, als er endlich im Gryffindorturm ankam und ins Bett gehen wollte.
„Ich war in der Bibliothek", log Harry, aber es schien ihm die einzige Ausrede, die glaubwürdig war, immerhin hatte er einen Stapel Bücher unterm Arm.
Der Rotschopf nickte nur einmal kurz, während Harry die Bücher in die Schublade seines Nachttischs presste und diese dann magisch verschloss.
„Und was du dir ausgeliehen hast, musst du vor mir verstecken?", fragte sein bester Freund ohne einen Hauch Emotion in der Stimme.
Harry zog die Brauen zusammen. „Sag mal, was soll das, Ron? Erst verhörst du mich, wo ich gewesen bin und dann glaubst du, ich verstecke Bücher vor dir?"
Sein Gegenüber zuckte kurz mit den Schultern. „Naja, warum sonst solltest du sie wegschließen?", fragte er.
Glühend heiße Wut, vermischt mit einem Hauch Angst braute sich in Harry zusammen. Er ballte die Hände zu Fäusten und versuchte sich zur Ruhe zu zwingen. „Vielleicht sperre ich sie weg, weil es Besitztümer der Bibliothek sind, und ich nicht möchte, dass etwas dran kommt? Hast du darüber schon mal nachgedacht, bevor du mir so einen Scheiß unterstellst?", ohne eine Antwort abzuwarten drehte Harry sich auf dem Absatz um und verschwand aus dem Schlafraum in Richtung Bad, nicht ohne die Tür mit solcher Gewalt zuzuschlagen, dass man es sicher auch untern im Common Room noch hören würde.
Erneut stand er vor dem Spiegel, den er noch vor wenigen Wochen in tausend Scherben zerbrochen hatte. Sein Abbild zeigte ihm einen jungen Mann mit müden Augen und bebender Atmung.
Natürlich hatte Ron mit seiner Vermutung Recht, Harry verheimlichte ihm etwas, aber dennoch tat es ihm fast körperlich weh, dass sein bester Freund ihm nicht vertraute und gleichzeitig fühlte er sich darin bestätigt, ihm nichts von den Büchern gesagt zu haben, denn er hätte es niemals verstanden.
Wie auch? Harry verstand das ganze ja nicht mal selbst.
Für den nächsten Tag nahm er sich vor noch mal mit Parker zu sprechen, bis dahin konnte er nur versuchen Ron, der einmal der wichtigste Mensch in seinem Leben gewesen war, aus dem Weg zu gehen.
Wütend schlug Draco die Tür zu seinem Zimmer im Hause Slytherin, zu. Den ganzen Tag über hätte er nichts lieber getan, als jedes Mädchen, mit dem Potter theoretisch zum Ball gehen könnte, eigenhändig zu erwürgen. Die Stunden waren an ihm vorbei gekrochen, während er Patil und Brown im Unterricht mit Blicken aufgespießt hatte und Blaise ihn immer wieder warnend angesehen hatte.
Der ganze Tag war die reinste Farce gewesen und am liebsten wäre Draco dem Dunklen Lord persönlich an den Hals gesprungen dafür. An der ganzen miesen Situation war einzig und allein dieser größenwahnsinnige Spinner Schuld.
Kaum war das Abendessen vorbei gewesen hatte Draco nur noch fort gewollt. Weaslettes schmachtende Blicke hatte er einfach nicht noch länger ertragen können, ohne Morde zu begehen und, dass er sich eingestehen musste doch in Potter verliebt zu sein, machte die Sache nicht leichter.
Ein Klopfen an der Tür ließ ihn von seiner Wut runterkommen, wobei das an der schlechten Laune auch nichts änderte.
Wie nicht anders zu erwarten war, betrat Blaise den Raum. Sein übliches spöttisches Lächeln war verschwunden, in seinen blauen Augen lag der gleiche Ernst wie am Morgen.
„Was willst du?", fragte Draco bissig.
„Nur mit dir reden", erwiderte sein bester Freund sanft.
„Reden? Über was denn? Dass ich nicht Potter und mein Leben zugleich haben kann? Das hab ich jetzt begriffen, vielen Dank auch!", die Wut vom Morgen war noch nicht wirklich abgeklungen und die Aussicht auf den Ball machte es auch nicht besser.
„Es tut mir leid, dass ich dir wehgetan habe. Ich wollte nur, dass du endlich aufhörst dich selbst zu belügen. Aber darum bin ich nicht hier".
„Sondern?"
„Ich wollte mit dir über den Ball reden. Du wirst mitkommen, oder?", fragte Blaise und ließ sich auf Dracos Bett sinken.
„Ich hatte es nicht vor, warum?", fragte dieser.
„Weil ich glaube, dass Potter allein kommt, ohne Begleitung und das heißt für dich, dass du nicht zum Mörder wirst", nun war das spöttische Grinsen doch zurückgekehrt.
„Warum sollte Potter allein zum Ball gehen? Die halbe Schule fliegt auf ihn!", erwiderte Draco.
„Auf dich doch auch! Und nimmst du jemanden mit?"
„Nein, aber ich bin ja auch nicht an Mädchen interessiert!"
„Wer sagt denn, dass Potter das ist?"
Überrascht blickte Draco zu Blaise und zog nun beide Augenbrauen voller Erstaunen hoch, während sein Gegenüber zu glucksen begann. „Dafür, dass du Potter ständig im Blick hast, siehst du aber sehr wenig. Außer dieses kurze ‚irgendwas' letztes Jahr mit Chang, hat er noch keine Erfahrung mit Mädchen und scheint sich auch für keines erwärmen zu können, obwohl er fast jede haben könnte", erklärte er.
„Ja, Potter hat andere Dinge im Kopf, wie zum Beispiel den Krieg", rechtfertige Draco.
„Klar den Krieg. Und der hält ihn auch davon ab einfach mal Sex zu haben? Er müsste sich ja nicht gleich auf eine Beziehung einlassen, aber Potter hat ja nicht mal Affären", Blaise schien sich seiner Sache mehr als sicher.
„Hör auf mir Hoffnungen zu machen, dadurch wird das Ganze sicher nicht leichter, und verpiss dich aus meinem Zimmer. Hast du kein Zuhause?", maulte Draco und zog im gleichen Moment seinen Freund vom Bett, um ihn aus der Tür zu schieben.
„Schon gut, schon gut. Aber überleg es dir. Du hast nichts zu verlieren", sagte Blaise, kurz bevor sein bester Freund ihm die Tür vor der Nase zuschlug und sie magisch versiegelte.
„Ah, Mr. Potter, was kann ich für sie tun?"
Harry stand vorm Pult seines DADA-Lehrers und dieser blickte mit einem Lächeln auf den Lippen zu seinem Schüler auf.
„Professor, ich wollte noch mal mit ihnen reden. Wegen der Bücher aus der verbotenen Abteilung", erklärte Harry.
Parker nickte kurz. „Bitte setz dich doch, Harry. Um was genau geht es?", fragte er ernst.
Wie ihm geheißen ließ sich der Goldjunge vor Parkers Schreibtisch nieder und blickte diesem ohne zu blinzeln in die Augen. „Ich fühle mich noch sehr unwohl bei der Benutzung der Zauber. Stelle ich mich damit nicht auf die gleiche Stufe wie Voldemort?", fragte er grade heraus.
Parker lächelte warm. „Nein Harry, du stellst dich damit nicht auf eine Stufe mit ihm. Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß", antwortete er.
„Wie meinen Sie das, Professor?", wollte sein Gegenüber wissen.
„Also Harry, zwei Dinge sind wichtig in dieser Sache und die darfst du niemals vergessen. Ob wir ‚gut' oder ‚böse' sind hat nichts mit den Zaubern zu tun, die wir verwenden. Schwarze Magie ist nicht von Natur aus ‚böse' und normale Magie ist nicht von Natur aus ‚gut'. Es kommt immer ganz drauf, was wir mit ihr machen und wozu wir sie benutzen. Schwarze Magie ist gefährlich, aber nicht böse und auch normale Zauber können zum Bösen genutzt werden. Der Expelliarmusspruch wird auch von Anhängern der dunklen Seite verwendet, obwohl er kein schwarzmagischer ist. Wenn also normale Zauber auch genutzt werden können, um Böses zu tun, warum sollte es dann bei schwarzmagischen nicht anders rum auch gehen?", erkläre der Professor. Seine schwarzen Augen schienen in Harrys tiefste Seele zu blicken.
„Das ergibt Sinn. Und was war das Zweite, das Sie mir erklären wollten?"
„Nun, da wir geklärt haben, dass ein Zauber nicht von Natur aus nur ‚gut' oder nur ‚böse' sein kann, sollten wir vielleicht auch klären, dass die Welt nicht nur ‚gut' und ‚böse' ist. Ich weiß, wir Menschen neigen oft dazu unsere Umwelt nur in ‚schwarz' und ‚weiß' zu sehen, aber das ist falsch. Zwischen schwarz und weiß liegt ‚grau' und wir befinden uns zu jeder Zeit immer nur in der Grauzone zwischen den Extremen. Nicht jeder Death Eater ist nur böse, er kann auch so etwas wie Liebe empfinden, zum Beispiel für seine Familie. Jemand der das reine Böse verkörpert könnte das nicht. Zugleich haben auch die Mitglieder des Orders weniger nette Charakterzüge. Dein Freund Ron ist, wenn ich recht informiert bin, oft etwas aufbrausend und schießt übers Ziel hinaus, aber das heißt ja nicht, dass er böse ist. Du darfst niemals vergessen, dass ‚wir' nicht das reine Gute und ‚die' nicht das reine Böse sind".
Ohne ein weiteres Wort sagen zu können nickte Harry. Parkers Worte waren mehr als beeindruckend gewesen und gaben dem Goldjungen mehr als genug Stoff zum Nachdenken für die nächsten Tage.
„Eine Frage hätte ich noch, Professor", sprudelte es aus Harry heraus und am liebsten hätte er sich im nächsten Moment auf die Zunge gebissen.
„Ja, bitte?"
„Sind… sind die mit Sna… Professor Snape… verwandt?", murmelte der Gryffindor verlegen und wünschte sich, er hätte einmal im Leben seinen Mund gehalten.
Parker aber lächelte ihn nur unergründlich an. „Darüber, Mr. Potter, reden wir zu einem anderen Zeitpunkt. Bitte gehen Sie jetzt, der Unterricht geht gleich weiter".
Harry nickte erneut stumm, bevor er sich umdrehte und Richtung Tür ging, wobei der dem Drang einfach nur weg zu laufen widerstehen musste. Wieso hatte er bloß gefragt? Wo war denn seine gute Erziehung geblieben? Es ging ihn doch wirklich nichts an, ob die beiden Professoren mit einander verwandt waren oder nicht!
Nach der letzten Unterrichtsstunde machte Harry sich ohne Umwege auf den Weg zum Room of Requirements, um weiter zu üben.
Diesmal fühlte sich der Gedanke an die schwarzmagischen Zauber definitiv nicht mehr zu schlecht an wie am Tag zuvor. Vielleicht war es ja wirklich möglich der Verderbtheit zu entgehen, wenn er an seinen positiven Zielen festhielt.
Nach dem weniger erfreulichen Versuch des Erblindungsfluches hatte Harry nun beschlossen, es mit einem Zauber zu versuchen. Der Incendo-Zauber ging ihm ohnehin nicht mehr aus dem Kopf, also wurde es auch Zeit ihn auszuprobieren.
Um dem Feuer das Blut zu bieten, das es als Grundlage brauchte hatte er sich von Dobby ein Messer aus der Küche geben lassen. Natürlich hatte er dem Hauself nicht gesagt, wofür er das Messer brauchte, aber Dobby hatte auch gar nicht gefragt, er war viel zu glücklich damit gewesen ‚Harry Potter Sir' helfen zu können.
Entschlossen legte Harry die Klinge in seine Hand und drückte sie in die weiche Haut. In kurzer scharfer Schmerz durchzuckte ihn und schoss ihm bis zum Ellenbogen, dann begann rotes Blut aus der Wunde zu strömen.
Der Goldjunge nickte zufrieden, dann nahm der den Zauberstab in die andere Hand und richtete die Spitze auf die Wunde. Vor seinem inneren Auge erschien das Bild einer immensen Feuersbrunst, ganz so, wie sie im Buch abgebildet war.
Was hatte die Beschreibung noch gesagt? Man musste bereits sein zu zerstören? Harry war mehr als bereits Voldemort zu verstören, da war er sich sicher!
„Incendo", murmelte er. Das Blut in der Mitte seiner Handfläche entzündete sich und begann sich auszubreiten, hatte schnell die Größe eines Lagerfeuers erreicht, doch dann erstarb es. Irritiert betrachtete Harry die Wunde. Noch immer sickerte Blut daraus hervor, der Fehlschlag konnte also nicht an mangelndem Nährboden gelegen haben.
Plötzlich spürte Harry eine alles verschlingende Müdigkeit und ihm wurde klar, warum das Feuer sich nicht weiter hatte ausbreiten können. Dem Anwender fehlte es an Kraft. Der Zauber brauchte einen ausgeruhten Zauberer und keinen, der schon einen ganzen Tag Unterricht hinter sich hatte. Etwas enttäuscht beschloss Harry sein Üben doch lieber auf das folgende Wochenende zu verschieben und in den Common Room zurück zu gehen.
Mit seinem Äußeren doch sehr zufrieden drehte Draco sich vor dem magischen Spiegel noch einmal nach rechts.
„Sehr gute Wahl, Mr Malfoy", schmeichelte ihm eine Stimme aus dem spiegelnden Objekt.
In der Tat, Draco hatte eine sehr gute Wahl getroffen.
Sein Hemd war aus schwarzer Seide, die Hose ebenso schwarz und aus Baumwolle. Die platinblonden Haare hatte er magisch verlängert und mit einem schwarzen Seidenband im Nacken zusammen gebunden. Dazu trug er einen langen Umhang aus glänzendem Polyacryl, ebenso schwarz, wie der Rest seiner Kleidung. Einziger Farbtupfer war ein breiter, slytheringrüner Seidengürtel, den er um die Hüfte trug.
Das aristokratische Gesicht wurde von einer silbernen Maske im venezianischen Stil, mit goldenen und silbernen Verzierungen und weißen Federn daran, verdeckte, sodass nur seine silbernen Augen zu sehen waren.
Obwohl seine Lust auf den Ball in den vergangenen Tagen nicht zugenommen hatte, war er doch Blaise Aufforderung hinzugehen, nachgekommen.
Eigentlich hatte sein italienischer Freund ja Recht: Draco hatte nichts zu verlieren und es bestand ja wirklich noch immer die Möglichkeit, dass Potter nicht auf Frauen stand. Vielleicht ließ sich damit auch erklären, warum er Weaslette nie wahrnahm.
Mit der Absicht den Abend, so gut es eben ging, zu genießen, verließ er sein Zimmer und betrat den Common Room der Slytherins, wo seine Freunde bereits auf ihn warteten.
Trotz der Masken erkannte er jeden von ihnen. Amanda und Pansy, die sich ja ohnehin schon recht ähnlich sahen, hatten das gleiche petrolfarbene Kleid an, wobei Draco auffiel, dass es für den Geschmack der beiden recht schlicht gehalten war, so ganz ohne Perlen und Strass Steine. Ihre Masken waren seiner recht ähnlich, allerdings waren sie schwarz und die Federn daran, passend zum Kleid, petrolfarben. Millicent blieb wie immer schlicht mit cremefarbenem Kleid und Maske.
Besonderes Augenmerk galt jedoch Blaise, der auf Grund seiner italienischen Herkunft, mit dem Thema Venedig sehr viel anfangen konnte. Seine Maske war golden, ohne Federn mit blauen Nähten. Beide Farben fanden sich auch in seinem Hemd wieder, nur umgedreht – der Stoff war azurblau und die Nähte golden. Seine Hose war schlicht, aber elegant schwarz.
Pansy nickte Draco anerkennend zu. Erst jetzt bemerkte der Blonde, dass seine beste Freundin sich die Haare ebenfalls magisch verlängert hatte, sodass sie wie ein natürlicher Schleier funktionierten.
„Da wir ja jetzt alle komplett sind, sollten wir hoch gehen und den Laden ein bisschen aufmischen!", rief Amanda fröhlich. Draco konnte gar nicht anders, als lächelnd zu nicken, wobei ihm Blaise warnender Blick nicht entging, auch wenn er ihn noch nicht recht zu deuten wusste.
Die drei Mädchen gingen fröhlich schwatzend vor, während Draco und Blaise ihnen folgten.
„Für wen hast du dich so in Schale geworfen, Dray?", fragte der Braunhaarige gut gelaunt.
„Für mich selbst! Weil ich ein selbstverliebtes Arschloch bin", zischte Draco. Die Sticheleien seines besten Freundes kratzten bereits an seiner mühevoll errungenen, annähernd guten Laune.
„Verstehe", murmelte Blaise scheinbar mehr zu sich selbst, als zu Draco.
Je näher sie der Großen Halle kamen, desto mehr Schüler in Abendgarderobe begegneten ihnen. Eine Überraschung erwartete die fünf jedoch, als sie die Eingangshalle betraten. Der gewöhnte Fußboden war einem, mit klarem Wasser gefüllten, Kanal gewichen, auf dem schwarze Gondeln wie von Geisterhand hin und her trieben. Der Schlosseingang und die Treppen, die in die oberen Stockwerke führten, waren durch eine Art ‚Realtobrücke' miteinander verbunden, da der Kanal zwischen ihnen hindurch verlief.
„Öfter mal was Neues, würde ich sagen", bemerkte Blaise grinsend, während die drei Mädchen die wackeligen Boote betrachteten.
„Da soll ich jetzt rein? In die wackeligen Dinger?", fragte Amanda ungläubig.
„Die werden schon so verzaubert sein, dass deinem teuren Kleid nichts passiert", antwortete Draco und steuerte auf eine der Gondeln zu.
Nach etwas Gezeter und Gemecker fuhren dann fünf Minuten später alle fünf durch die Flügeltür, die in die Große Halle führte. Der Kanal, auf dem sie sich befanden, führte entlang der Wände, bis zur erhörten Terrasse, auf der normalerweise der Lehrertisch stand. An diesem Abend jedoch hatte sich dort ein magisches Orchester positioniert, das bereits den ersten Walzer spielte.
In der Mitte des Raumes, umgeben vom Kanal, befand sich eine riesige Tanzfläche, auf der sich bereits die ersten Paare versammelt hatten. Am rechten Rand der Tanzfläche war eine Theke aufgebaut worden, hinter der Madame Rosmerta stand und Butterbier, sowie Cocktails ausschenkte. Die Terrasse der Lehrer war über eine venezianische Brücke mit der Tanzfläche verwunden. Die Wände waren mit riesigen Vorhängen in den Hausfarben versehen, auf denen meterhohe Spiegel angebracht waren, die den ohnehin schon großen Raum optisch noch weiter vergrößerten.
Vor den Spiegeln schwebten einige wenige der üblichen Kerzen. Das meiste Licht im Raum kam jedoch von riesigen, schwebenden Kronleuchtern, die vor einem schwarzen, von Blitzen durchzogenen Himmel, hingen.
Pansy ließ den Blick durch die Halle gleiten, als die fünf aus ihrer Gondel stiegen und die riesige Tanzfläche betraten.
Der Steinboden war poliertem Holz gewichen, damit das Tanzen leichter fallen würde, aber bisher hatte sich noch kein Paar getraut den Anfang zu machen.
„Dumbledore hat sich ja wirklich Mühe gegeben!", bemerkte Pansy anerkennend.
„Also Vampire haben wir heute Abend sicher keine im Ballsaal", stellte Amanda grinsend fest und nickte zu einem der vielen Spiegel.
Blaise nickte kurz und begann nun ebenfalls zu grinsen. „Ein Tanzball, ganz nach meinem Geschmack. Das heißt dann wohl, dass es bei den Hufflepuffs heute Abend eine Menge schmerzende Füße geben wird".
Draco schnaubte verächtlich. „Als ob Gryffindors besser tanzen könnten".
Blaise sagte vorerst nichts dazu, sondern ließ seinen Blick schweifen, der kurz darauf an Potter, Weasle, Granger, Longbottom und Weaslette hängen blieb.
„Das sieht doch wirklich mal nach einem spannenden Abend aus", bemerkte er zufrieden.
Kapitel 6 Ende
