Also mal wieder eine Ankündigung: Ich fange ab Montag ein Praktikum im Gymnasium an (Studium lässt grüßen) und es kann sein, dass ich daher weniger Zeit zum Schreiben finde werde. Ich verspreche allerdings, mich zu beeilen :)

zissy HarryPotterKunde wäre sicher eine super Sache! Dann würde ich meine beiden Fächer auch sofort eintauschen XD

Kapitel7 Between Love and Hate

Wenn Ronald Weasley ehrlich war, überraschte es ihn doch sehr, dass es Neville gelungen war, den großen Harry Potter doch noch dazu zu überreden, mit auf den Halloweenball zu kommen. Seit Dumbledore die Ankündigung gemacht hatte, war in Gryffindor die Hölle losgebrochen. Da war Ron sehr froh gewesen, noch am gleichen Tag Hermione gefragt zu haben, ob sie ihn begleiten würde. Den Mist vom Yule-Ball, vor zwei Jahren, wollte er nicht wiederholen und war daher umso glücklicher gewesen, als seine langjährige Freundin eingewilligt hatte.

Für seinen besten Freund Harry hatte er sich bereits Ginny als Begleitung zurechtgelegt. Sowieso wäre es doch sehr passend, wenn dem Schwarzhaarigen endlich auffallen würde, dass Rons kleine Schwester nicht nur hübsch geworden war, sondern auch ein großes Interesse an Harry hegte.

Aber der machte keinerlei Anstalten Ginny zu fragen. Er schien auch die Blicke gänzlich zu übersehen, die ihm das rothaarige Mädchen zuwarf. Rons kleine Schwester war jetzt fünfzehn und damit definitiv in dem Alter, in dem Mädchen den ersten Freund nach Hause brachten, also hatte er es sich, als ihr Bruder, zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass sie auch an jemanden geriet, den er kannte und bei dem er sie in guten Händen wusste.

Obwohl er sich ja fragte, ob das für Harry Potter wirklich zutreffen würde. An seinem merkwürdigen Verhalten hatte sich noch immer nichts geändert – ganz im Gegenteil, jetzt versteckte der Schwarzhaarige auch noch Bücher vor seinen Freunden.

Ron war sich sicher, dass es mit diesen Büchern nichts Gutes auf sich haben konnte und sah sich in seiner Vermutung, dass Harry vielleicht doch mit dem Lord im Bunde war, einmal mehr bestätigt.

Vielleicht war bei ihrer Begegnung am Ende des vierten Schuljahres irgendetwas zwischen Harry und dem Lord passiert, das den Blick des Schwarzhaarigen auf die Dinge verändert hatte.

Es war ja schließlich niemand dabei gewesen und als Harry zurückgekommen war, hatte er nur den toten Cedric Diggory unterm Arm gehabt und behauptet Wormtail habe ihn getötet. Wer sagte denn, dass es wirklich so gewesen war?

Und dann die Geschehnisse im vergangenen Jahr. Harry hatte immer wieder Visionen gehabt, das war ja schön und gut, aber wer sagte denn, dass er sie nicht erfunden hatte? Wer sagte denn, dass nicht alles mit seinem neuen Meister abgesprochen war? Klar Dumbledore vertraute ihm, aber der war auch nicht mehr, als ein alter, seniler Mann.

Wer sagte denn, dass Harry ihnen nicht eine Falle gestellt hatte, als er sie ins Department of Mysteries gelockt hatte? Das würde auch erklären, warum er sich jetzt so merkwürdig verhielt und ihm und Hermione aus dem Weg ging, dafür aber immer häufiger mit Malfoy zu sehen war und bei Malfoy war doch schließlich klar, woher der Wind wehte. Pureblood seit Urzeiten mit rassistischer Erziehung, dazu ein Slytherin und sein Vater war ja als Deat hEater bekannt, das war ja wohl Beweis genug!

Ron seufzte, als er seinen etwas abgenutzten Umhang am T-Shirt befestigte. Ein Hemd hatte er nicht gefunden, zumindest keines in dem keine Falten waren und einen Bügelzauber kannte er nicht, also hatte er sich spontan dazu entschieden einfach ein schwarzes Shirt anzuziehen, das würde es auch tun.

Dazu eine schwarze Hose und ein violetter Umhang, der ihm, wie immer, etwas zu kurz war und ein Hut – wer brauchte schon eine Maske? Das war doch albern! Wie auch immer! Ron war nun im Nachhinein doch dankbar, dass Neville Ginny gefragt hatte und sie deshalb nicht mit Harry zum Ball ging.

Als er in den Common Room kam fehlte nur noch Ginny, die, laut Hermione, mit ihren Haaren noch nicht zufrieden war.

Der Rotschopf ließ den Blick über seine Freunde gleiten.

Harry trug ein rotes Hemd, mit goldenen Manschetten zu schwarzer Hose und Umhang. Natürlich hatte er sich für eine der albernen Masken entschieden, noch dazu in rot mit goldenen Verzierungen.

Ron fragte sich, was das werden sollte, ob sein bester Freund jetzt krampfhaft den Gryffindor hatte raushängen lassen wollen oder nur einfach keinen Geschmack besaß. Neville war klassisch gekleidet – weißes Hemd, schwarze Hose und Umhang, weiße Maske, ohne Verzierung und ohne Federn.

Hermione hatte die Haare kunstvoll hochgesteckt und trug ein violettes Kleid, mit dazu passender Maske. Ron musste gestehen, er war stolz auf seine Begleitung und wenn er ehrlich mit sich selbst war, fand er seine beste Freundin mittlerweile auch als Frau durchaus interessant.

Seine Gedanken wurden jäh von Hermione fortgerissen, als Ginny zu ihnen stieß und ihrem Bruder ein Lächeln schenkte. Oh ja, Ron war mehr als froh, dass sie nicht mit Harry zum Ball ging, er wäre eindeutig der falsche Umgang für eine so schöne junge Frau. Ginny hatte ihr glattes Haar zu Locken gedreht, die sanft ihren Hals berührten. Sie trug ein türkises Kleid aus Seide, die dazu passenden Handschuhe und eine Maske in Silber mit türkisenen Ornamenten darauf. Ihr Lächeln hätte sie Sonne aufgehen lassen und brachte Ron dazu innerlich wohlig zu seufzen.

Ja, seine Schwester war erwachsen geworden.


Eigentlich hatte Harry überhaupt keine Lust auf den Ball, aber nach viel Hin und Her hatte er sich von Neville breit schlagen lassen. Die ganze letzte Woche hatte der Braunhaarige damit verbracht auf Harry einzureden. Erst wollte er dem Goldjungen sogar eine Tanzpartnerin suchen, aber das hatte dieser abgelehnt.

Nun stand Harry also doch im CommonRoom der Gryffindors und würde mit seinen Freunden zum Ball gehen. Dass er sich dabei vorkam, wie das fünfte Rad am Wagen wollte er niemandem sagen und machte stattdessen gute Miene zum bösen Spiel.

Am liebsten hätte er sich einfach wieder in den Schlafraum zurückgezogen und mit sich selbst Zauberschach gespielt oder der Gleichen. Auf einen Abend mit Alkohol, Tanzen und Pärchen hatte er keine wirkliche Lust und wenn er ehrlich war, auch wichtigere und schwerwiegendere Probleme.

Neville schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln, als die fünf gemeinsam den Common Room Richtung Große Halle verließen.

Wie zu erwarten war hatte Dumbledore das ganze Schloss entsprechend des Themas verzaubert und versucht ein Stück Venedig nach Schottland zu holen.

Was ihm, wie Harry fand, auch gelungen war.

In der Halle war noch nicht wirklich viel los, als sie dort ankamen.

„Nicht schlecht. Dumbledore hat sich was einfallen lassen", bemerkte Ron, als er Hermione auf die Tanzfläche führte.

„Ich wette die Hälfte davon ist McGonagalls Werk", erwiderte diese, schien aber mit dem Resultat ebenso zufrieden.

Während seine vier Freunde sich mit ihren Tanzpartnern beschäftigten steuerte Harry auf die Theke zu und ließ sich von Madame Rosmerta ein Butterbier zapfen, bevor er sich eine Ecke suchte, von der aus er das Treiben würde beobachten können, ohne selbst Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Auf Trubel hatte er definitiv keine Lust.

Auf den Walzer, der gespielt wurde, als Harry den Raum betreten hatte folgte eine Rumba, die nun auch Neville und Ginny zum Tanzen animierte, während Ron und Hermione nun ihrerseits Getränke holen gingen.

Kurz fragte Harry sich, warum er nicht angeboten hatte den anderen welche mitzubringen, aber dann wurde er sich wieder seine Situation bewusst. Er fühlte sich nicht willkommen und obwohl er wusste, dass Neville versuchte ihn zu integrieren: er gehörte nicht richtig dazu!

„Der große Harry Potter kommt ohne Tanzpartnerin?", fragte eine spöttische aber zugleich auch interessierte Stimme neben ihm.

Harry hatte nicht gemerkt, dass sich jemand neben ihn gestellt hatte und würde er diese Stimme nicht in und auswendig kennen, hätte er die Person gar nicht erst erkannt.

Draco Malfoy sah umwerfend aus, zumindest wenn man Harry fragte. Obwohl das verlängerte Haar ihn etwas zu sehr an Lucius Malfoy erinnerte.

„Scheint so, Malfoy. Wo ist deine Tanzpartnerin?", fragte der Goldjunge zurück, seine Stimme war völlig ruhig geblieben, so als hätte sein Gesprächspartner gar nicht versucht ihn aufzuziehen und zu provozieren.

Malfoy hob kurz die Mundwinkel. „Ich bin mit meinen Freunden hier. Weil wir aber einen Mann zu wenig haben wurden bei uns keine Paare einteilt. Ihr scheint das gleiche Problem zu haben, aber auf dich wurde wohl wenig Rücksicht genommen", antwortete Malfoy, der Spott in seiner Stimme war einem neutralen Ernst gewichen.

Harry warf dem Blonden einen kurzen Blick durch die Maske zu.

„Ich sage es ungern, aber du hast Recht, ja. Jedoch, wenn ich ehrlich bin, wollte ich keine Tanzpartnerin", erklärte der Goldjunge und nahm einen Schluck Butterbier.

Malfoy gluckste leise. „Du wolltest keine? Kannst du nicht tanzen oder war Keine gute genug für dich?", der Spott war zurückgekehrte und Harry war sich beinahe sicher, trotz der Maske zu sehen, dass Malfoys Augen kurz geleuchtet hatten.

Dennoch blieb seine Antwort ruhig und gelassen. „Weder noch, Malfoy. Ich hab keine Zeit für eine Beziehung und wollte daher allen Hoffnungen und Gerüchten vorbeugen"

„Wer sagt denn, dass man immer gleich eine Beziehung anfangen muss, nur weil man einen Abend mit einem Mädchen verbringt?", fragte Malfoy irritiert und zugleich amüsiert.

Harry lächelte grimmig. Klar, in Malfoys Welt gab es Affairen und One-Night-Stands – alles ohne Gefühle, aber für Harry kam das nicht in Frage. Entweder er ließ sich auf ein Mädchen ein, dann aber auch mit ehrlichen Absichten und ganzem Herzen, oder eben nicht. Und im Moment gab es, soweit er das sehen konnte, keine die ihn genug interessierte, um sich auf etwas Längeres einzulassen.

„In deiner Welt mag das so sein Malfoy, aber meine Welt dreht sich anders", erwiderte der Goldjunge.

„Kannst du tanzen, Potter?"

Der Themenwechsel überraschte Harry zwar, aber er nickte dennoch.

„Dann hab ich einen Vorschlag für dich. Und glaub mir, da wird niemand auch nur einen Gedanken daran verschwenden, ob mehr dahinter steckt", begann Malfoy, wartete dann aber doch auf eine Zustimmung seines Gesprächspartners.

„Lass hören, Malfoy. Aber eins sei gesagt, ich tanze nicht mit Männern", antworte Harry mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.

Malfoy lachte kurz auf. Es war nicht sein übliches, kaltes, überhebliches Lachen sondern ein warmer Laut, der Harry irgendwo in seinem Herzen erreichte und in ihm den Wunsch keimen ließ dieses Lachen häufiger zu hören.

„Nein, keine Sorge, ich hatte nicht vor mit dir zu tanzen. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir beide nur Herrenschritte beherrschen. Aber wie ich erwähnte, haben wir einen Herrn zu wenig und deine so genannten Freunde scheinen heute Abend mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Also, was würdest du davon halten mit Amanda zu tanzen? Drei Herren, drei Damen – das geht auf", erklärte Malfoy. Das Lächeln auf seinem Gesicht war ernst und ehrlich.

Harry zögerte. Konnte er dem Slytherin vertrauen? Was würde man morgen alles über ihn behaupten, wenn er mit Amanda tanzte? Würde es überhaupt auffallen? Und konnte es ihm nicht ganz einfach egal sein, was morgen wäre? Es ging doch um den Abend und nicht um morgen oder übermorgen.

Um sich Sorgen zu machen würde er noch genug Zeit finden und warum sollte es ihm nicht vergönnt sein, einfach mal einen Abend zu genießen, ohne immer an ‚morgen' denken zu müssen?

Harry nickte kurz und begann zu lächeln. Das erste, ehrliche Lächeln seit er nach Hogwarts gekommen war.

„Einverstanden Malfoy, ich tanze mit ihr".


Aus den Augenwinkeln blickte Ron zu Harry, der am Rand der Tanzfläche stand und sich mal wieder mit Malfoy unterhielt.

Zwar konnte er ihre Gesichter durch die Masken nicht sehen, aber sie schienen nicht zu streiten.

„Psst, Hermione! Guck mal zu Harry!", wisperte Ron seiner besten Freundin zu.

Die junge Frau folgte Rons Blick zu zwei Gestalten, die nebeneinander standen und sich scheinbar völlig harmlos unterhielten.

„Was macht er da?", fragte Hermione irritiert.

„Das wüsste ich auch mal gern! Der ist eh schon ständig mit Malfoy zusammen! Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen!", entrüstete sich der Rotschopf. Was ihm schon den ganzen Tag im Kopf herum ging bestätigte sich aufs Neue. Wenn Harry wirklich mit dem Lord im Bunde war, so gab er sich wenig Mühe es zu verstecken, oder er war sich seiner Sache einfach zu sicher.

„Meinst du Malfoy hat ihn verhext?", fragte seine Begleitung besorgt.

Ron schüttelte kurz den Kopf. „Nein, ich glaub' Harry geht freiwillig mit", antwortete er, den Groll in seiner Stimme versuchte er gar nicht erst zu unterdrücken.

„Aber warum sollte er das tun? Er und Malfoy sind erklärte Erzfeinde", bemerkte Hermione irritiert.

„Vielleicht, weil unser lieber Harry grade dabei ist die Seiten zu wechseln", murmelte Ron, sodass nur seine Gesprächspartnerin ihn hören könnte.

Der Rotschopf sah, wie ich sich die Pupillen der jungen Frau weiteten und Entsetzen sich auf ihrem Gesicht ausbreitete. „Das kann doch nicht sein, Ron! Harry würde niemals Dumbledore betrügen!", flüsterte sie heiser.

„Ich denke er würde es nicht nur tun, sondern hat es sogar schon getan!"


Draco wusste selbst nicht recht was und warum er das tat.

Hatte er gerade wirklich Harry Potter eingeladen, den Abend mit ihm und seinen Freunden zu verbringen, mit Amanda zu tanzen und hatte eben dieser Harry Potter dann auch noch mit ‚ja' geantwortet?

Das alles kam dem Blonden wie ein Traum vor. Traumhaft schön und zu gleich unendlich tödlich. Was würde der Lord sagen, sollte er davon erfahren, dass einer seiner Leute den Abend freiwillig in friedlicher Eintracht mit dem Goldjungen der Zaubererwelt verbrachte?

Die ganze, verzwickte Situation war so sehr zum Lachen, dass Draco am liebsten geheult hätte.

Aber stattdessen beschloss er den Abend lieber zu genießen, denn es wäre das erste und das letzte Mal, dass er Harry… nein… Potter… so nah würde sein können.

Als er zusammen mit Potter zu den anderen zurückkehrte empfingen ihn überraschte Gesichter. Kurz warf Draco einen Blick zu Blaise, dessen hochgezogene Augenbrauen der Blonde trotz der Maske förmlich sehen konnte.

Pansy ließ ihren Blick über Potters Garderobe schweifen und begann zu grinsen.

„Definitiv Gryffindor, mein Lieber", bemerkte sie amüsiert.

Potter räusperte sich verlegen. „Ähm, ja. Die Macht der Gewohnheit", antwortete er.

„Jetzt mal Klartext, Draco. Warum hast du Potter mitgebracht?", fragte Blaise, in dessen Stimme unverhohlene Härte mitschwang.

„Wir haben einen Herrn zu wenig und Potter hat keine Begleitung, also dachte ich tanzt er mit Amanda, dann muss keiner von uns Phasenweise verzichten", erklärte Draco wahrheitsgemäß, was er allerdings ausließ, war die Tatsache, dass er es genoss den Abend mit Potter zu verbringen.

Auf Amandas Gesicht breitete sich ein Lächeln aus.

„Ein guter Gedanke, Draco, auch wenn deine Wahl wirklich etwas außergewöhnlich ist".

Die Freude seiner Freundin ließ Draco aufatmen. Insgeheim hatte er gefürchtet, Amanda würde Potter als Tanzpartner nicht haben wollen.

Blaise sagte dazu nichts, nickte aber. Dennoch entging Draco der warnende Ausdruck in den blauen Augen nicht.

„Aber bevor wir tanzen genießen wir den Abend, ich brauche meine Füße noch ein bisschen", scherzte Pansy und hob ihren Cocktail, damit die anderen anstoßen konnten, allerdings wagte Potter es nicht, sein Glas zu heben.

Pansy warf dem Gryffindor einen kurzen Blick zu und sagte: „Das gilt auch für Goldjungen, also los". Mit Nachdruck hielt sie ihm das Glas entgegen und nun konnte sich auch Potter dem nicht mehr entziehen und stieß mit ihr an, während ein beinahe seliges Lächeln seine Lippen umspielte.

Es war faszinierend, wie gut Potter sich an diesem Abend in Dracos Freundeskreis einfand. Sie standen noch über drei Stunden lang einfach nur redend beieinander und lachten über Dinge, von denen Draco nie geglaubt hätte, dass ein Gryffindor sie lustig finden könnte.

Und je länger er Potter beobachtete, desto stärker wurde das Gefühl, dass in seinem Herzen etwas schmolz, von dem er bis zu diesem Moment nicht gewusst hatte, das es existierte.

Wahrscheinlich hatte Blaise Recht und Draco hatte sich tatsächlich in Potter verliebt.


Je länger Harry bei Malfoys Freunden stand, desto besser fühlte er sich.

Es war definitiv gut gewesen Nevilles Drängen nachzugeben und zum Ball zu gehen. Zum ersten Mal, seit Sirius Tod fühlte Harry sich lebendig. Zum ersten Mal, hatte er das Gefühl nicht innerlich erstarrt zu sein.

Eine Fröhlichkeit und Heiterkeit machte sich in ihm breit, die er längst verloren geglaubt hatte und fast beneidete er Malfoy um seine Freunde.

Nach über drei Stunden des Redens und Lachens warf Parkinson einen viel sagenden Blick auf ihre Schuhe.

„Jungs, wenn ich jetzt nicht tanze bin ich zu betrunken, um einen Fuß vor den anderen zu bekommen, das heißt es wird Zeit den Tölpeln auf der Tanzfläche mal zu zeigen, wie man tanzt", erklärte sie voller Vorfreude und zerrte Malfoy, gefolgt von Bulstrode und Zabini, davon.

Nun stand Harry allein Amanda Gordon gegenüber, die ihn offen anlächelte.

Der Schwarzhaarige räusperte sich kurz. „Ich hoffe es macht dir wirklich nichts aus, mit mir zu tanzen", sagte er vorsichtig.

Sie schüttelte den Kopf und ihr langes Haar flog ihr um die Schultern.

Harry war nie aufgefallen, dass sie ein hübsches Mädchen geworden war.

„Keine Sorge Potter, für mich das kein Problem. Lass uns gehen", beruhigte sie ihn und hakte sich bei ihm unter.

Ein moderner Discofox machte es Harry leicht, das Eis zu brechen, denn die offenen Bewegungen, die mehr mit Spaß, als mit Erotik und Paartanz zu tun hatten, ließen wenig Platz für Peinlichkeiten und mehr, um einfach zu genießen.

Gordon war in der Tat eine gute Tänzerin und sie schien Freude daran zu haben, obwohl Harry sich nicht vorstellen konnte, dass er ihr Lieblingstanzpartner war.

Auf den Discofox folgte ein Wienerwalzer, Harrys Lieblingstanz – klassisch und doch voller Energie. Es war in der Tat ein gelungener Abend, auch wenn er spätestens jetzt, beim zweiten Tanz mit einer Slytherin, alle Blicke auf sich gezogen hatte und diese deutlich im Rücken spürte.

Kurz machte sich Unbehagen in ihm breit, aber schon mit der nächsten Drehung waren alle schlechten Gedanken überwunden.

Dies war sein Abend und wie Dumbledore gesagt hatte, eine Auszeit von all den trüben Gedanken. Eine Flucht in eine Märchenwelt, die Morgen nichts weiter, als ein entfernter Traum sein würde, aber solange er diesen Traum für sich haben konnte, so lange würde er ihn mit beiden Händen festhalten.


Ungläubig starrte Ron auf die Tanzfläche, sein Mund stand offen.

Daran, dass sein bester Freund den Abend wohl lieber mit dem Feind verbringen wollte und deshalb lachend und schwatzend mit den Slytherins in einer Ecke stand, hatte er sich bereits gewöhnt, aber jetzt schien das Maß ein für alle Mal voll.

Der Rotschopf hatte grade mit Hermione einen, mehr oder weniger gelungenen, Discofox zu Ende getanzt, als ihm auffiel, dass die Slytheringruppe verschwunden war und noch im gleichen Moment war sein Blick auf Harry gefallen, der doch tatsächlich mit Amanda Gordon tanzte, einer Frau, der das Wort ‚Death Eater' schon auf die Stirn geschrieben stand.

„Das ist jetzt nicht sein Ernst, oder?", fragte Ron perplex.

Auch Hermione schien mehr als überrascht, Harry so zu sehen. „Scheinbar schon und sieh ihn dir mal an, er sieht glücklich aus. So froh haben wir ihn die ganzen letzten Wochen nicht gesehen. Und jetzt lacht und tanzt er mit den Slytherins? Das alles kommt mir doch sehr merkwürdig vor", erklärte die junge Frau.

In just diesem Moment stießen auch Neville und Ginny wieder zu ihnen. Beide waren vom Tanzen doch ziemlich außer Atem.

„Habt ihr Harry gesehen?", fragte Ginny, ihre roten Wangen leuchteten grotesk auf der blassen Haut mit den Sommersprossen.

Ron grummelte leise und nickte zur Tanzfläche. „Der amüsiert sich prächtig", sagte er verächtlich und leerte den Rest seines Butterbiers mit einem langen Zug.

„Also bitte Ron, das war jetzt aber nicht nötig", wies ihn Hermione zurecht.

Der Rotschopf zuckte nur mit den Schultern – war doch seine Sache wann und wie viel er trank.

Ginnys Blick war derweil zur Tanzfläche gewandert und Erstaunen zeichnete sich auf ihren weichen Zügen ab.

„Tanzt Harry da grade mit Amanda Gordon?", wollte sie wissen.

„Ja, es sieht ganz danach aus. Ron und ich können uns das auch nicht richtig erklären", antwortete Hermione.

„Naja, er scheint einen schönen Abend zu haben, oder?", stellte Neville fest, was ihm einen mörderischen Blick seitens Ron einbrachte.

„Er hätte auch einfach ein Mädchen fragen können, anstatt sich von Malfoy einladen zu lassen, oder?", gab der Rotschopf schnippisch zurück.

Neville schien seinen Fehler einzusehen und nickte nur kleinlaut.

Ron warf einen weiteren wütenden Blick zur Tanzfläche, bevor er sich das nächste Bitterbier holen ging.

„Ron, meinst du nicht, dass es langsam reicht?", fragte Hermione ihn besorgt.

„Nein, es reicht nicht! Wenn ich klar denken kann, ertrag ich das da auf der Tanzfläche nicht, also lass mich!", maulte er und nahm einen tiefen Zug.

So hatte er sich den verdammten Abend nicht vorgestellt.


Nach fast fünfundvierzig Minuten durchgehenden Tanzens erklärte Pansy ihr täten jetzt die Füße weh, sie wollte noch einen Cocktail trinken und dann ins Bett gehen.

Das war für Draco das Stichwort sie, nach Abschluss des Chachacha, wieder zum Rand der Tanzfläche zu bringen.

Kaum hatte er ein kühles Butterbier in der Hand, als auch schon die anderen beiden Paare zu ihnen stießen. Blaise wirkte zufrieden mit seiner Leistung, aber das war nichts Neues, der Slytherin war sehr selbstsicher und nahezu immer zufrieden mit dem was er tat. Potters Erscheinung zog Dracos Aufmerksamkeit viel mehr auf sich. Sowohl er als auch Amanda schienen sich sehr gut amüsiert zu haben. Der Gryffindor hatte sogar gerötete Wangen und lächelte leicht.

Pansy packte einen magischen Fächer aus, der neben ihr in der Luft stand und sie mit erfrischender Kühle versorgte. „Leute, es ist verdammt warm hier drin", bemerkte sie lachend und nahm einen Schluck ihres Cocktails.

Millicent lächelte sacht. Den ganzen Abend hatte sie kaum ein Wort gesagt, aber sie war ohnehin kein Mensch vieler Worte. Ihren Augen war anzusehen, dass sie den Ball genoss und Spaß hatte. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie sich so gut mit Blaise verstand.

„Malfoy, kann ich dich kurz draußen sprechen?", fragte Potter neben ihm. Seine Mine war gelassen, die Stimme freundlich.

Draco warf einen kurzen Blick zu Blaise, dann nickte er. „Klar, lass uns raus gehen. Ich brauche ohnehin frische Luft. Pansy hat Recht, es ist heiß hier drin".

Als die beiden aus der Eingangshalle auf den Kiesweg traten und die kalte Nachtluft sie umfasste, bemerkte Draco zum ersten Mal, wie heiß es wirklich in der Halle gewesen war. Zu anfangs waren die Atemzüge erfrischend und willkommen, wurden aber schnell schmerzhaft kalt in den Lungen.

„Also Potter, worüber wolltest du mit mir reden?", fragte er ernst.

„Ich wollte mich bei dir bedanken, Malfoy", der gleiche Ernst schwang in seiner Stimme mit, aber auch eindeutige Dankbarkeit.

„Dafür, dass wir dich heute Abend wie einen Menschen behandelt haben, anstatt, wie einen Gegenstand, der immer rumgereicht wird? Da gibt es nichts zu danken Potter", antwortete Draco wahrheitsgemäß.

„Trotzdem. Ohne dich… ohne euch… wäre der Abend sicher eine Qual gewesen. Bitte richte den anderen meinen Dank aus".

Die ganze Zeit hatten die beiden nebeneinander gestanden und in die Nacht geblickt, ohne den anderen anzusehen. Jetzt drehte Draco sich zu seinem Gesprächspartner. „Ich sag dir was Potter, wenn meine Freunde so mit mir umgehen würden, wie deine mit dir, dann würde ich ihnen zeigen, was ich davon halte und sie eiskalt im Krieg hängen lassen, nur um ihnen klar zu machen, dass ich ein lebendes Wesen bin, Gefühle habe und Entscheidungen treffe", erklärte Draco. Bitterkeit schwang in seiner Stimme mit und eine Welle aus Zorn brandete über den Blonden hinweg, als die Worte über seine Lippen kamen.

Nun drehte sich auch Potter um und sie sahen einander direkt in die Augen.

Diese klaren grünen Augen, so rein und glänzend wie Smaragde, waren wie eine Droge, für Draco. Er hätte sie ewig ansehen können und doch nie genug davon bekommen. Es waren die Augen aus seinen kühnsten Träumen, die Augen, die ihn vor dem Dunklen Lord bewahrten und die seiner Welt Hoffnung schenkten.

Ohne sein Zutun überbrückte Dracos Körper die letzten Meter, die ihn von Harry trennten und bevor er realisiert hatte, was er tat, hatte er eine Hand in den Nacken des Schwarzhaarigen gelegt und ihre Lippen berührten einander auf eine entsetzlich sanfte Weise.

Flüssiges Feuer schien durch Dracos Adern zu strömen, seine Haut prickelte, Stromschläge rasten seine Wirbelsäule hinab und eine wohlige, willkommene Wärme breitete sich in seinem Bauch aus. Es war als stünde sein Körper in Flammen.

Diese unendlich weichen Lippen berührten die seinen und nicht nur das, sie erwiderten den Kuss. Sanft, zurückhaltend, ein wenig unsicher, aber sie erwiderten den leichten Druck. Draco konnte nicht anders, als seine freie Hand auf Harrys Hüfte zu legen und sein Magen machte einen freudigen Sprung, als er spürte, wie sich starke Arme zaghaft um seinen Hals schlangen.

Es kostete ihn alle Mühe, mit seiner Zunge nicht über die süßen Lippen zu fahren, sondern einfach nur das zu genießen, was er bekam.

Ein leichter Hauch von Vanille und Zimt ging von Harry aus. Sein Körper fühlte sich einfach unsagbar richtig an, da wo er gerade jetzt war und wenn es nach Draco gegangen wäre, hätte dieser Abend sein ganzes Leben verändert.

Aber er wusste, dass er diesem Traum und dieser Sehnsucht nur heute nachgeben und morgen wieder in seine graue Welt zurückkehren würde in der Harry unerreichbar weit weg war.

Seine rechte Hand wanderte von Harrys Nacken in dessen Haar und krallte sich dort liebevoll fest, während ihre Lippen sich in einem ewigen Kreislauf immer wieder für Sekundenbruchteile lösten und dann wieder aufeinander trafen. Wobei jede erneute Berührung Stromschläge und Feuerstöße durch Dracos Körper schickte, bis dieser glaubte sein Inneres stünde in Brand und würde von Harry einfach hinfort gewaschen.

Nach einer kleinen Ewigkeit gelang es Draco sich von seinem Gegenüber zu lösen und es war, als würde ihm der fehlende Kontakt körperliche Schmerzen zufügen. Alles in ihm schrie danach, Harry einfach wieder in seine Arme zu schließen und diesen Traum zu leben. Aber Träume blieben Träume. Das was zählte war das Leben und im Leben gab es keinen Platz für einen Harry Potter und einen Draco Malfoy, die etwas anderes, als erklärte Feinde waren.

Dieser Abend war Urlaub von den normalen Dingen gewesen und ein Ausflug in Dracos größte Sehnsüchte, aber nun war es an der Zeit in die Realität zurückzukehren, in der Harry der Retter der Welt war und Draco nur ein Death Eater, der für seine Taten einen hohen Preis würde zahlen müssen.

Sie waren beide gefangen in ihren Welten und in diese würden sie jetzt zurückkehren müssen.

Einen unendlichen Moment lang sahen sie einander einfach nur an, ohne etwas zu sagen, während in Draco alles verrücktspielte. Da war so viel Freude vermischt mit so viel Trauer und Kummer.

„Ich danke dir, für diesen wunderschönen Abend, Harry", flüsterte er, bevor er an Potter vorbei zurück ins Schloss ging, nur um sofort, ohne Umwege, in die Dungeons zurückzukehren.

Er würde Blaise Fragen und Blicke jetzt nicht ertragen können, ohne dass seine mühevoll errichteten Mauern brechen würden.


Noch immer gefangen in seinen Erinnerungen stand Harry im eisigen Wind. Das trockene Gewitter war weiter gezogen und nun begannen die ersten Regentropfen vom Himmel zu fallen.

Was war gerade passiert? Hatte er wirklich Draco Malfoy geküsst? Und dann auch noch so, wie er noch nie zuvor jemanden geküsst hatte? Er war noch immer wie elektrisiert. Zwischendurch hatte er das Gefühl gehabt bei lebendigem Leibe zu verbrennen und jetzt vermisste er diese Wärme, von der er zuvor nicht gewusst hatte, dass es sie gab.

Es war klar, dass es keine Wiederholung des Kusses geben würde. Er hatte es in Malfoys Augen gesehen, aber die Art wie er seinen Namen – Harry – ausgesprochen hatte, war Grund genug gewesen hunderte Schmetterlinge in Harrys Bauch zum Fliegen zu bringen.

Der Abend war in der Tat besser geworden, als er gedacht hatte, auch wenn es nur ein Abend gewesen war und er morgen wieder in der bekannten, kalten Welt aufwachen würde, in der er nicht ‚Harry', sondern Harry – the chosen one war. In dieser Welt würde ihn keiner einladen mit ihm zu lachen und darum beschloss Harry die Erinnerung an diesen letzten Abend der Freude ganz tief in einem Herzen einzuschließen, damit sie ihm den Weg durch die dunklen Pfade der Zukunft erleuchten würde.


Ein fürchterlicher Krach ließ Draco am nächsten Morgen früher als geplant erwachen und noch bevor er die Augen aufgemacht hatte, spürte er eine Welle aus Wut über sich hinweg rollen.

Wer wage es a) in sein Zimmer zu kommen, ohne gefragt zu haben b) das Ganze am Samstagmorgen, wenn Draco noch schlief und c) dabei auch noch die Tür zu knallen?

Ein Gutes hatte die Wut jedoch, sie machte wach und somit saß Draco keine Sekunde später aufrecht im Bett und hatte seine Augen auf Blaise gerichtete, der sich grade auf dem Schreibtischstuhl niederließ und zufrieden grinste.

„Was soll das, du Idiot? Es ist Samstag, wie kommst du darauf mich zu wecken, und dann auch noch um die Uhrzeit?", maulte der Blonde los.

Sein bester Freund lächelte gelassen. „Ich wollte mit dir reden, bevor hier der Trubel losgeht und du dich in ‚Eisprinz-von-Slytherin-Sachen' wirfst, um mir nicht begegnen zu müssen".

„Und worüber willst du bitte mit mir reden?", wollte Draco wissen. Dass er noch immer seinen Seidenschlafanzug trug versuchte er zu ignorieren, genau wie die Tatsache, dass sein platinblondes Haar noch immer magisch verlängert war und wahrscheinlich in alle Himmelsrichtungen abstand.

„Gestern Abend. Welcher Teufel hat dich geritten, als du Potter zu uns eingeladen hast?", fragte Blaise, diesmal war seiner Stimme eindeutig so etwas wie Zorn anzuhören.

„Willst du die Wahrheit wissen? Ich konnte nicht damit leben, Potter da so stehen zu sehen, allein gelassen von seinen Freunden, denen, die ihm den Rücken stärken sollten! Also habe ich mir gesagt, dass für diesen einen Abend andere Regeln gelten, Regeln, die heute wieder abgeschafft wurden, und darum hab ich ihn gefragt. Gestern, Blaise, durften Gryffindors und Slytherins Freunde sein. Zum ersten und zum letzten Mal. Der Halloweenball war als Urlaub geplant, Urlaub aus der Realität. In einer Welt, die nicht real ist und ihre eigenen Regeln hat, kann Harry Potter einen Abend mit Draco Malfoy feiern", als er geendet hatte atmete Draco schwer. Zorn blitzte in seinen Augen, während seine Lippen einen dünnen Strich bildeten und seine Muskeln aufs Äußerste angespannt waren.

Blaise nickte nur leicht. „Vielleicht hattest du Recht damit, aber es war gefährlich für euch beide", erklärte der Braunhaarige ernst.

„Ich weiß", Dracos Stimme klang beinahe resigniert. „Aber ich wollte diesen Abend eben als das nutzen, was er war – die letzte Gelegenheit das Leben zu genießen und einfach mal so zu tun, als würde es Voldemort nicht geben".

„Warum bist du nach deinem Gespräch mit Potter nicht zurückgekommen? Was ist passiert?", Blaise lächelte sanft, genauso sanft, wie sein Tonfall gewesen war.

Der Blonde verzog kurz das Gesicht. „Ich hab ihn geküsst. Danach wollte ich allein sein", antwortete er wahrheitsgemäß.

„Du hast was?", platzte es aus seinem besten Freund heraus.

„Ja, verdammt, ich hab ihn geküsst, aber er hat es erwidert, okay? Es war einvernehmlich und einmalig. Ich denke Potter weiß das. Also reg dich bitte nicht auf! Was gestern war, hat mit heute nichts zu tun!"

„Was wirst du tun wenn der Lord kommt, um die Schule zu übernehmen und jetzt versuch nicht so zu tun, als wäre es nicht so, du weißt er wird kommen, nur nicht wann und wie", fragte Blaise, seine Augen waren dunkel vor Sorge.

„Was werde ich wohl tun?", erwiderte Draco die Frage. „Ich werde an der Seite der Death Eater kämpfen und dann das Mal empfangen, genau wie du".

Der Braunhaarige nickte anerkennend.

„Draco? Bitte bring mich nicht dazu, zwischen dir und dem Lord wählen zu müssen. Du würdest es bereuen"


Als Harry am Samstagvormittag aus der Dusche kam, um zum Frühstück zu gehen, stellte er mit Erstaunen fest, dass Ron bereits aufgestanden war. Oder aber, der Rotschopf war noch gar nicht vom Ball zurückgekehrt, was natürlich auch sein konnte.

Mit einem Schulterzucken verließ er den Schlafraum und ging hinunter in den Common Room.

Als er die Treppe hinab stieg und der gut besuchte Raum in Sicht kam spürte Harry bereits zahlreiche Blicke auf sich – der vergangene Abend hatte sich bereits herum gesprochen.

Dennoch gab Harry sich größte Mühe, die vielen Augenpaare zu ignorieren und hinunter in die Große Halle zu gehen, immerhin stand Quidditchtraining an, denn in bereits einer Woche würde das erste Spiel der Saison stattfinden: Gryffindor gegen Slytherin.

Beim Frühstück war bereits einiges los und amüsiert stelle Harry fest, dass einige Schüler noch immer ihre Abendgarderobe trugen, also noch gar nicht im Bett gewesen waren.

Am Tisch der Gryffindors saßen auch schon bereits Ron, Hermione, Ginny und Neville, in eine angeregte Unterhaltung vertieft.

Als Harry sich ihnen näherte verstummten sie und alle vier warfen ihm vorwurfsvolle Blicke zu. Eine unangenehme Spannung machte sich breit und der Goldjunge spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. „Ähm, Ron, Ginny, denkt ihr ans Quidditchtraining nach dem Frühstück? Nächste Woche ist das Spiel gegen Slytherin", sagte Harry in der Hoffnung, mit einem unverfänglichen Thema wie Quidditch, die Situation aufzulockern.

Der Rotschopf warf seinem besten Freund einen vernichtenden Blick zu und erhob sich, als wolle er sich Harry in den Weg stellen. „Wir kommen ganz sicher zum Training, wir wollen ja auch gewinnen. Aber ob du noch gegen deine kleinen Slytherinfreunde gewinnen willst, weiß ich nicht".

Der Schwarzhaarige zog die Brauen zusammen. „Was soll das, Ron? Warum sollte ich nicht gewinnen wollen?", fragte er irritiert.

„Tja, wer weiß, vielleicht sind dir deine tollen neuen Freunde lieber als wir", unverhohlene Ablehnung schwang in seiner Stimme mit.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ließ Harry sich einige Meter weiter am Tisch nieder und schenke sich Kaffee ein. Auf Unterhaltungen solcher Art hatte er sicher keine Lust und bevor ihm der Appetit endgültig verging, wollte er lieber jetzt essen.

Eine Stunde später stand das gesamte Quidditchteam der Gryffindors auf dem Platz. Es herrschte starker Wind und die Laune war noch immer gedrückt.

Aber Harry hatte für sich beschlossen, das Ganze nicht an ihn heran zu lassen, sondern, sich lieber darauf zu konzentrieren gut zu spielen. Streit gehörte nicht auf ein Quidditchfeld, sondern in den Common Room.

„So Leute, heute ist das letzte Training vor dem ersten Spiel dieses Jahres. Da Slytherin einen mindestens genauso guten Nachwuchs hat wie wir, sollten wir das Team auf keinen Fall unterschätzen. Ich erwarte also heute vollen Einsatz von euch", erklärte Harry.

Ron sah zwar noch immer mehr als verärgert aus, sagte aber nichts, sondern nickte. Ob er Harry den Siegeswillen abnahm oder nicht war dem Schwarzhaarigen egal. Für diesen Kindergarten hatte er weder Zeit noch Muße.

Trotz der zum Teil angespannten Stimmung verlief das Training zufrieden stellend. Ron war in Bestform, und die Slytherins würden sich anstrengen müssen, den Quaffle an ihm vorbei zu kriegen. Ginny, Dean und Damelza hatten verschiedene Flugformationen geübt, die ihnen mit wenigen Pässen den Weg zum gegnerischen Tor ebnen würden und Jimmys und Ritchies Bludger flogen mit jedem Training zielgenauer.

Alles in Allem hatte Harry ein gutes Gefühl, was das kommende Spiel anging und irgendwie hoffte er auch auf den Sieg, damit Ron seine Anschuldigungen und Anfeindungen bleiben lassen würde.

Dem Schwarzhaarigen war längst klar, dass seine Freundschaft mit dem Rotschopf wahrscheinlich am Ende angekommen war, aber das war nicht schlimm. Solche Dinge passierten nun mal. Aber als Feind wollte er seinen ehemaligen besten Freund nicht.


Seufzend saß Draco über einem Aufsatz für Transfiguration und versuchte sich mühevoll auf die Worte vor ihm zu konzentrieren. Doch immer wieder erschienen Potters grüne Augen vor ihm und brachten ihn aus der Fassung.

Draco schüttelte den Kopf und versuchte die Tagträume los zu werden. Blaise hatte recht gehabt, der Blonde musste vom Teufel besessen gewesen sein, als er Potter eingeladen hatte, den Abend mit ihnen zu verbringen. Aber es hatte ihm die Luft abgeschnürt den Schwarzhaarigen so allein zu sehen, von seinen Freunden vergessen und verlassen.

Ein leises Geräusch am Fenster vertrieb die Gedanken an Potter dann doch noch.

Draco legte die Feder zur Seite und ging Richtung Fenster, vor dem eine Eule saß. Als der Blonde das Tier erkannte spürte er, wie eine eisige Hand in seine Eingeweide griff.

Vor dem Fenster saß die Eule seines Vaters und sie hatte einen Brief dabei.

Mit zitternden Fingern drehte Draco den Griff und ließ das Tier hinein, das sich sofort auf die Eulenstange neben dem Schreibtisch setzte.

Dracos Knie fühlten sich weich an und sein Magen machte auch nicht den besten Eindruck. Am liebsten wäre er einfach weggelaufen, ohne den Brief entgegen zu nehmen, aber er war sich sicher, dass sein Vater das Schriftstück mit einem Zauber belegt hatte, der ihn über so was sofort informieren würde. Er schluckte hart bevor er der Eule den Brief abnahm und diesen öffnete.

Draco,

seit meinem letzten Brief sind Wochen vergangen und ich habe noch immer keine Nachricht, was in Hogwarts passiert.

Ich hoffe sehr, dass du deine Aufgabe nicht vergessen hast. Der Lord wäre darüber nicht sehr erfreut.

Ich erwarte etwas mehr Ehrgeiz, mein Sohn!

Dieser Brief ist eine Warnung, mach deine Aufgabe richtig, dann wirst du am Neujahrsmorgen in die Reihen der Death Eater aufgenommen. Solltest du versagen und den Lord enttäuschen erwartet dich eine Strafe, die ich nicht mal Potter wünschen würde.

Lucius

Draco versuchte seine Atmung zu beruhigen.

In all dem Trubel wegen Potter und dem Ball war Voldemorts Auftrag völlig in den Hintergrund getreten. Wie hatte er nur so nachlässig sein können? Das alles war Potters Schuld!

Ohne zu zögern und mit laut klopfendem Herzen setzte er sich an den Schreibtisch und begann eine Antwort zu schreiben, die alle Ereignisse der vergangenen Wochen, auch Potters Selbstmordversuch, beinhaltete, nur seine eigene Beteiligung ließ er aus.

Als Draco die Feder eine Viertelstunde später zur Seite gelegt hatte und der Eule dabei zusah, wie sie aus dem Fenster davon flog, schwirrte sein Kopf.

Den ersten Schock hatte er verdaut und nahm den Brief seines Vaters noch einmal zur Hand.

Neujahr… das war wirklich nicht mehr lange. Noch zwei Monate, dann würde er sich selbst zu den Reihen der Death Eater zählen. Es fühlte sich an, als würde sein Leben damit enden, als würde er sich selbst verlieren in einer Zukunft, die er niemals für sich selbst gewählt hätte.

Draco hatte das Gefühl, als kämen die Wände auf ihn zu. Alles was er wollte, war raus aus diesem Raum, raus aus dieser verdammten Situation. Wütend stürmte er aus seinem Zimmer und ließ den Common Room hinter sich, ohne Blaise, der erstaunt guckte, auch nur eines Blickes zu würdigen.

Hatte sein bester Freund Draco nicht vor wenigen Stunden noch gesagt, dass er sich eher für den Lord, als für den Blonden entscheiden würde?

Warum war er eigentlich in diese Welt aus Rassismus, Vorurteilen, Traditionen und Ehre hineingeboren worden? Konnte er nicht wie Weasle frei sein und seinen eignen Weg gehen?

„Malfoy?"

Draco blieb wie erstarrt stehen.

Er war ohne nachzudenken die Gänge entlang gelaufen, keiner wirklichen Richtung folgend und jetzt hörte er auch noch Potters Stimme hinter sich.

Schnell versuchte der Blonde sich zu sammeln. Niemand sollte sehen, wie es in ihm aussah. Stattdessen setzte er eine überhebliche Mine auf und drehte sich zu Potter um, der ihn kurz musterte und dann seinen Gesichtsausdruck übernahm.

Von dem Kuss vor weniger als vierundzwanzig Stunden war nichts mehr zu spüren. Sie waren einfach wieder Harry Potter und Draco Malfoy, die einander nicht leiden konnten und erklärte Feinde waren. Dennoch war der Blonde sich sicher, dass weder Spott noch Hohn in Potter Stimme gelegen hatte, als er ihn gerufen hatte – damit war es jetzt vorbei.

„Wo sind denn Weasle und Mudblood?", fragte Draco mit vor Spott triefender Stimme. Er hatte Granger bewusst beschimpft. Er wollte Potter aus der Reserve locken, wollte dass sie stritten und sich hassten, damit er nicht fühlen musste, wie gern er Potter hatte und sich selbst einreden konnte, ein Death Eater sein zu wollen.

„Wie hast du Hermione gerade genannt?", Potter sprang perfekt auf Dracos Köder an.

„Ich habe ihr den Namen gegeben, den sie verdient hat! Mudblood!", wiederholte der Blonde, ein siegessicheres Lächeln umspielte seine Lippen.

Potter zückte seinen Zauberstab und richtete ihn auf Draco. „Sag das noch einmal und ich hexe dich ins nächste Jahr!", rief der Schwarzhaarige, echter Zorn stand in seinen grünen Augen.

Ins nächste Jahr.

Draco riss die Augen auf. Immer wieder kreisten die drei Worte durch seinen Kopf. Das nächste Jahr, das er so sehr fürchtete und so gerne vergessen wollte. Das nächste Jahr, in dem er kein Leben mehr haben würde.

Von einer Sekunde auf die nächste verwarf er alle Gedanken an Streit mit Potter. Er wollte nur weg und allein sein. Ohne sein Nemesis noch eines Blickes zu würdigen drehte er sich auf den Absatz um und stürmte davon.

Potters besorgten Blick sah er nicht.

Kapitel7 Ende