Kapitel9 The heart knows best
Ron traute seinen Ohren kaum. Hatte Professor McGonagall gerade wirklich gesagt, dass Harry heute Morgen versucht hatte Malfoy Wahrheitsserum in den Saft zu schmuggeln und darum die nächsten dreißig Tage, mit diesem, außerhalb des Schulalltags würde verbringen müssen?
Hermione sah ebenso geschockt aus, wie Ron sich fühlte und schluckte hart. Sie tauschten kurz verständnislose Blicke aus, dann nickte Hermione der Professorin zu. „Wir verstehen das. Auch wenn wir nicht wissen, warum Harry das getan hat. Er hat sich in den letzten Wochen von uns zurückgezogen, müssen sie wissen".
McGonagall nickte knapp, bevor sie sich umdrehte und den Common Room verließ.
Ron blickte zu seiner besten Freundin und zog beide Brauen zusammen.
„Kannst du dir einen Reim darauf machen?", fragte ihn Hermione, die sich gerade auf eines der Sofas fallen ließ.
Der Rotschopf ließ sich neben sie sinken. „Nun ja, ich habe eine Idee, was es sein könnte", begann er.
„Lass hören!", spornte die Gryffindor ihn an.
Ron räusperte sich und sagte: „Also, ich bin ja nicht sicher, was das sollte, aber ich könnte mir vorstellen, dass die beiden es geplant hatten. Besprochen haben sie das sicher schon vor Wochen. So können Harry und Malfoy Zeit mit einander verbringen, ohne, dass jemand skeptisch wird und gemeinsam an den Plänen für ihren Meister arbeiten. Das Ganze ist ideal! Warum sonst sollte Harry auch so was Blödes tun? Und dann auch noch einen Trank, der dazu führt, dass Malfoy nur ihm die Wahrheit sagt, das wäre doch Quatsch, wenn du mich fragst!".
Hermione nickte zustimmend, wenn auch nachdenklich. „Wir sollten mit Dumbledore darüber reden, findest du nicht auch? Wenn du Recht hast, und Harry wirklich vergessen hat, wem seine Loyalität gehört, dann hat Dumbledore das Recht es zu erfahren".
„Du hast Recht, wir gehen gleich morgen zu ihm!".
Beide nickten einander noch einmal zu. Hermione hatte vollkommen Recht, Dumbledore musste gewarnt werden! Wenn Harry wirklich auf Abwegen war sollte die Zaubererwelt es rechtzeitig erfahren.
Professor McGonagalls Drohung wurde wahr, und Dobby brachte pünktlich um dreizehn Uhr Mittagessen.
Draco hatte den Morgen damit verbracht sich diese Art ‚Wohnung' mal genauer anzusehen. Sie war nicht groß, aber hatte ein Schlafzimmer, das auch gleichzeitig der Eingangsraum war, auch wenn Draco nicht verstand, warum der Zauber das Ganze so ausgewählt hatte, ein Esszimmer, Wohnzimmer und Badzimmer. Also alles was man brauchte, aber keinen überflüssigen Luxus. Natürlich war er aus Malfoy Manor andere Dimensionen gewöhnt, aber es tat zur Abwechslung auch mal gut, sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, in welchem Flügel welches Zimmer lag.
Potter hatte den größten Teil des Morgens damit verbracht, auf dem Bett zu sitzen in einem ziemlich alt aussehenden Buch zu lesen. Draco hatte ihn nicht gefragt, was das für ein Buch war, auch wenn er bereits vermutete, dass es nicht aus dem regulären Teil der Bibliothek stammte. Er hoffte einfach, dass der Gryffindor ihm irgendwann von selbst sagen würde, was er da las. Nie hätte Draco gedacht, einmal echtes Vertrauen zu seinem Rivalen aufbauen zu müssen, aber wenn sie die nächsten dreißig Tage, mit nichts als der Wahrheit, würden aushalten wollen, mussten sie lernen, einander zu verstehen und zu vertrauen.
Jetzt saßen sie beide im kleinen Esszimmer, das ansprechend dekoriert war und hatten ein dampfendes Mittagessen vor sich stehen.
Potter räusperte sich und lächelte leicht, bevor er ein Stück Fleisch auf seine Gabel piekste. „Guten Appetit", murmelte er und wurde dabei leicht rot um die Nase. Draco konnte gar nicht anders, als zu lächeln und nickte leicht.
„Guten Appetit".
Ohne ein weiteres Wort begannen beide zu essen, aber es gelang dem Blonden einfach nicht, sich vollends auf seinen Teller zu konzentrieren. Immer wieder schielte er zu seinem Gegenüber, betrachtete die weichen Gesichtszüge und die geschwungenen Lippen. Potter schien seine Blicke zu bemerken, sagte aber nichts sondern lächelte einfach nur.
Es war keine unangenehme Stille, die zwischen ihnen herrschte, sondern ein einvernehmliches, angenehmes Schweigen, das Platz ließ für Blicke und kleine Gesten. Draco wusste nicht, wo sie standen. Da war eine Begierde in ihm, die er auch in Potters Küssen hatte spüren können, aber keiner von beiden sprach aus, was zwischen ihnen vor sich ging.
Kaum, dass sie geendet hatten, verschwanden die Teller. Potter blickte zu Draco herüber, noch immer umspielte ein Lächeln seine Lippen.
„Was glaubst du halten unsere Freunde hiervon?", fragte er mit eindeutiger Belustigung in der Stimme.
„Ich glaube Blaise schüttelt den Kopf und der Rest meiner Freunde fragt sich, was das soll. Was deine Freunde angeht… schätze ich, dass sie den Daily Prophet informieren, weil Weasle jetzt endgültig denkt, du wärst zur dunklen Seite gewechselt", antwortete Draco mit einem Grinsen auf den Lippen.
Wenn es stimmte, was Blaise ihm gesagt hatte, dann herrschte bei Weasle Paranoiaalarm und er würde diese ganze Geschichte mit Sicherheit zum Anlass nehmen, noch skeptischer zu werden.
Potter schürzte die Lippen und seufzte, bevor er sagte: „Wahrscheinlich hast du Recht, was meine ‚Freunde' angeht". Draco sah so etwas wie Traurigkeit über das Gesicht seines Gegenübers huschen und spürte, wie eine Welle aus Wut über ihn selbst hinwegrollte. Er hoffte beinahe, dass Weasle ihn eines Besseren belehren, und zu seinem Freund stehen würde, aber wenn er ehrlich war, standen die Chancen eher schlecht.
„Naja, von hier drinnen kann ich eh nichts ändern, also kann es mir eigentlich auch egal sein. Freundschaften enden, das kann passieren und meine Position ist im Moment nicht unbedingt die Beste, um neue Freundschaften zu schließen", ein bitteres Lächeln umspielte Potters Lippen.
„Vielleicht suchst du nur an der falschen Stelle", die Worte waren gesprochen, noch ehe Draco gewusst hatte, was er tat. Hatte er gerade wirklich Potter, durch die Blume, die Freundschaft angeboten? Angst breitete sich, wie eine eisige Flüssigkeit, in seinem Magen aus. Noch zu gut konnte er sich an das ernüchternde Gefühl erinnern, als der Schwarzhaarige seine Freundschaft vor fünf Jahren ausgeschlagen hatte. Damals wäre Draco am liebsten fortgerannt und hatte sich gefühlt, als stünde die Welt Kopf. In seinem Universum waren die Weasleys immer weniger wert gewesen als er und jetzt hatte ausgerechnet Harry Potter sie ihm vorgezogen. Wie würde er reagieren, sollte Potter dieses Angebot nun wieder ausschlagen?
„Ja, wahrscheinlich. Aber jetzt habe ich ja die Gelegenheit doch noch an der richtigen Stelle zu suchen und hoffentlich auch etwas zu finden", Potters Stimme klang freundlich, hoffnungsvoll und zugleich ein wenig ängstlich.
„Manchmal liegt das, was man sucht, näher als man denkt", am liebsten hätte Draco sich selbst geohrfeigt, denn erstens klang er wie Dumbledore, zweitens drängte er Harry geradezu in eine Freundschaft und drittens konnte es für das, was hier gerade aufzukeimen begann, keine gutes Ende geben. Ein Death Eater und der Goldjunge der Zaubererwelt, das war zum Scheitern verurteilt. Und dennoch konnte er sich Harrys Anziehung nicht erwehren. So lange er in diesem verdammten Raum eingeschlossen war, wollte er das Beste daraus machen und die Zeit genießen, dazu gehörte wohl auch, sich mit Harry anzufreunden, obwohl er wusste, dass diese Freundschaft es umso schwerer machen würde, sich Voldemort anzuschließen.
Harry lächelte leicht, seine Augen funkelten freudig.
„Ich glaube ich habe längst gefunden, wonach ich suchte. Übrigens klingst du wie Dumbledore".
Draco schnaubte und lachte kurz auf. „Das ist mir auch schon aufgefallen, aber danke, dass du mich daran erinnerst".
Kurz blickte der Blonde sein Gegenüber an, dann begannen beide laut zu lachen. Harry klang befreit, fröhlich und gut gelaunt und da war wieder dieses Gefühl in Draco, dass etwas in seinem Herzen schmolz. Er liebte dieses Lachen, und die Art wie Harrys grüne Augen in Momenten der Freude zu leuchten begannen.
Ron warf einen letzten Blick auf Hermione, bevor er an der Tür zu Dumbledores Büro klopfte.
Nach dem Mittagessen hatten beide zunächst einen Brief für den Daily Prophet verfasst, der die Zaubererwelt vor Harry warnen würde, mit der Bitte, die Informationen so schnell wie möglich zu drucken, damit der Bevölkerung genug Zeit bleiben würde, um sich für den Kampf zu wappnen. Anschließend waren sie zu McGonagall gegangen und hatten ihr erzählt, dass ihnen noch etwas bezüglich Harry einfallen sei, über das sie aber nur mit dem Schulleiter persönlich würden reden wollen. Ihr Head of House hatte ihnen daraufhin das Passwort zum Büro verraten und gesagt, sie sollten Dumbledore doch nach Unterrichtsende aufsuchen.
Und da standen sie nun und sahen, wie sich die Bürotür von Geisterhand vor ihnen öffnete. Ein kurzes Nicken von Hermione und beide betraten den runden Raum, der seit jeher als Schulleiterbüro genutzt wurde.
Hinter dem großen Schreibtisch saß Dumbledore und blickte lächelnd auf, als die beiden den Raum betraten. Hinter ihnen schloss sie die magische Tür genauso selbstständig, wie sie sich geöffnet hatte. „Ah, Mr. Weasley, Ms. Granger, was kann ich für sie tun?", fragte er und wies sie mit einer Handbewegung an, sich auf die beiden Stühle, die vor seinem Schreibtisch standen, zu setzen.
Nachdem Ron und Hermione sich niedergelassen hatten, sah der alte Zauberer sie über seine Halbmondbrille hinweg an.
Der Rotschopf räusperte sich. „Also, wir wollt'n mit ihnen über Harry sprechen. Wegen des Vorfalls von heut Morgen".
Dumbledore nickte leicht. „Bitte, tun sie sich keinen Zwang an. Wir wollen doch alle, dass Mr. Potters Verhalten aufgeklärt werden kann und er selbst ist momentan ja nicht in der Lage, sich dazu zu äußern".
„Wir glauben, dass er die ganze Sache mit Malfoy abgesprochen hatte!", sagte Ron bestimmt, spürte aber zugleich wie er rot um die Ohren wurde.
Wenn der Schulleiter dies bemerkte, so ging er nicht weiter darauf ein, sondern fragte nur in ernstem Ton: „Wie kommen Sie darauf, Mr. Weasley?".
Ron holte tief Luft, dann sprach er weiter: „Also, erst fing alles so an, dass Harry sich total von uns zurück gezogen hat. Hat kaum ein Wort mit uns geredet und so. Dann hab ich ihn immer häufiger bei Malfoy stehen sehen. So vor dem Unterricht und so. Beim Halloweenball dann auch. Er hat den ganzen Abend mit Malfoy und seinen Slytherins verbracht. Hat kein Wort mit uns geredet und sogar mit Gordon getanzt. Dann haben wir gaaaaanz zufällig wegen ihm das Qudditchspiel verloren und wer fängt auch noch den Snitch? Genau, Malfoy! Wir glauben, dass Harry damals nach dem Triwizard Tournament auf dem Friedhof nen Pakt mit Voldemort geschlossen hat. Er will diese Welt ins Chaos stürzen, darum hat er auch letztes Jahr dafür gesorgt, dass Sirius stirbt. Und jetz is er mit Malfoy im Bund, weil beide Voldemort treu dienen. Sie wollten in diesen Raum, damit sie ihr Vorgehen planen können". Als er geendet hatte blickte Dumbledore ihn aus durchdringenden Augen an, so, als könne er direkt in Rons Seele blicken.
Ein nachsichtiges Lächeln zierte das Gesicht des Schulleiters. „Ms. Granger, teilen Sie Mr. Weasleys Auffassung, was Mr. Potter betrifft?", fragte er und wandte den gleichen Blick nun zu Hermione, die nur schweigend nickte.
„Ah, ich verstehe. Wir befinden uns also alle in großer Gefahr, ja. Ich werde Vorkehrungen treffen. Nun muss ich Sie beide allerdings bitten zu gehen. Ich habe noch einiges zu erledigen".
Ron und Hermione erhoben sich von ihren Stühlen und nickten dankbar.
„Vielen Dank, dass Sie uns zugehört haben, Professor", sagte die Gryffindor, bevor Ron mit ihr den Raum verließ.
Seufzend erhob sich Albus Dumbledore aus seinem Stuhl und blickte den beiden Schülern nach, die gerade sein Büro verließen.
Die beiden steuerten einen wahrlich falschen Weg an. Sie entfernten sich von Harry und, was noch viel schlimmer war, sie zweifelten an ihm.
Dumbledore konnte nur erahnen, was solch ein Verrat in dem Jungen auslösen würde, der ohnehin schon mehr Lasten zu tragen hatte, als man von einem Sechzehnjährigen zu tragen verlangen konnte. Er brauchte jede nur erdenkliche Unterstützung in diesem Moment.
Nachdenklich ging er zu Fawkes, seinem Phönix, und sah ihn aus besorgten Augen an.
„Wohin wird das nur alles führen?"
Es war Abend geworden und Harry saß an seinem Schreibtisch im Schlafzimmer. Vor ihm stand ein Kessel mit dampfender Flüssigkeit, die eindeutig nicht so aussah, wie in der Anleitung beschrieben. Seufzend strich er sich mit der Hand durch sein ohnehin zerzaustes Haar. Lieber würde den verfluchten Myerstriumprodes-Potion noch dreimal brauen, wenn er dafür diesen hier erlassen bekäme.
„Du musst dich genauer an die Anleitung halten, sonst wird das nichts. Wenn da steht, dass du Fliegenflügel hinein streuen sollst, dann darfst du sie nicht achtlos hinein werfen, der Trank reagiert auf alle Einflüsse, dazu gehört auch die Art, wie du die Zutaten hinzufügst", erklärte eine Stimme direkt neben ihm.
Harry machte erschocken einen Satz auf seinem Stuhl, als er spürte, wie warmer Atem sein Ohr streifte. Darauf folgte ein freundliches Lachen und die Berührung zwei Hände auf seinen Schultern, die sich durch die Kleidung bis auf seine Haut durchzubrennen schien.
„Entschuldige, habe ich dich erschreckt?", fragte Draco belustigt und ließ dabei seine Hände von Harrys Schultern gleiten. Ein bisschen trauerte er der verschwunden Wärme nach, wusste aber zugleich auch, dass es ihm nun leichter fallen würde, sich zu konzentrieren.
„Ja, ich war ziemlich vertieft in diesen Trank und hab dich nicht kommen hören", gestand Harry und spürte, wie er rot anlief. Draco lächelte freundlich. „Das war nicht meine Absicht. Ich wollte dir nur helfen", erklärte der Blonde, zog seinen eigenen Schreibtischstuhl näher und ließ sich darauf fallen. „Ich bin für jede Hilfe dankbar, glaub mir. Potions ist einfach nicht mehr Fach", gestand Harry und lächelte bitter.
Draco hob eine Augenbraue. „Das glaube ich nicht, du hättest nur besser zuhören müssen, anstatt ständig mit Waesle zu reden".
Harry hörte den leichten Vorwurf in der Stimme seines Gegenübers, sagte aber nichts, sondern nickte nur.
„Trotzdem helfe ich dir natürlich".
Draco nahm den Kessel vom Feuer und ließ ihn neben sich her schweben, als er damit ins Bad verschwand. Zwei Minuten später war der Kessel sauber und gefüllt mit klarem Wasser.
„Wir fangen noch mal ganz von vorne an, das da konnte ja schon nichts mehr werden", erklärte er, als wieder hereinkam.
Harry nickte erneut. Er wusste einfach nicht was er dazu sagen sollte. Außer einer Entschuldigung fiel ihm nichts ein, aber das hier was Draco und nicht Snape, bei ihm würde er sich nicht entschuldigen müssen, also ließ er es bleiben.
„Wenn du deine Stimme wieder gefunden hast kannst du ja schon mal Alraunenwurzeln in Scheiben schneiden", sagte der Blonde amüsiert und drückte Harry ein Messer in die Hand. Dieser spürte, wie er erneut rot wurde, nahm dann aber das Messer entgegen und sagte: „Ähm… ja danke. Werde ich machen".
Harry wusste genau, dass Draco ihn beobachtete, als er begann die Alraunenwurzel zu schneiden. Kaum hatte er die dritte Scheibe geschnitten wurde ihm das Messer auch schon wieder aus der Hand genommen.
„So kann das nichts werden, Harry", sagte der Blonde und klang dabei streng genug, um an Snape zu erinnern.
„Warum?", fragte der Gryffindor irritiert.
Draco seufzte und antwortete: „Also Harry, wenn da steht in Scheiben schneiden, dann meint das Buch in gleich große Scheiben und nicht mal dick und mal dünn. Und die drei da sind in ihren Größenverhältnissen ja doch recht unterschiedlich".
Der Schwarzhaarige warf einen Blick auf seine geschnittenen Alraunenwurzeln und musste feststellen, dass der Slytherin Recht hatte. Die erste Scheibe war recht dünn geworden, die danach fast einen Zentimeter dick und die letzte wieder etwas dünner. Bisher hatte Harry jedoch nicht gewusst, dass die Dicke der Scheiben von Belang war.
„Greif sie so", begann Draco, nahm Harrys Hände und brachte sie in die richtige Position, um die Wurzeln richtig schneiden zu können. „Und jetzt gleichmäßig das Messer bewegen", fuhr er fort und begann mit Harrys Hand in seiner die Alraune zu schneiden, die nun tatsächlich auch gleichmäßig dick wurde.
Der Schwarzhaarige aber konnte sich auf nichts anderes konzentrieren, als die sanfte Berührung an seiner Hand. Dracos weiche Haut auf seiner fühlte sich heiß und zugleich angenehm an. Der Blonde war aufgestanden und hatte sich von hinten über ihn gebeugt, sodass Harry seine Wärme nicht nur an der Hand, sondern auch im Rücken spüren konnte.
Er drehte sich zu Draco um, und blicke ihn an, während dieser noch immer etwas über Zaubertränke erkläre, das Harry schon lange nicht mehr mitbekam. Die Schmetterlinge in seinem Bauch schienen Purzelbäume zu schlagen und Walzer zu tanzen. Die Lippen des blonden Slytherin bewegten sich rhythmisch und Harry war einfach nicht in der Lage seine Augen davon abzuwenden.
Er wandte sich ganz zu Draco um, und erhob sich soweit, dass sie auf Augenhöhe waren. Der verwirrte Blick des Slytherin war das Letzte, das er sah, bevor er seine Lippen auf die seines Gegenübers legte und das vertraute warme Gefühl in seinen Körper zurückkehrte.
Draco schlang seine Arme nun um den Schwarzhaarigen und zog ihn aus seinem Stuhl, das Messer, das Harry eben noch in der Hand gehabt hatte, fiel klappernd auf den Schreibtisch. Der dampfende Kessel neben ihnen war vergessen. Alles was Harry spürte, waren sanfte Finger in seinen Haaren, eine freche Zunge, die mit seiner kämpfte und ein unverkennbares Ziehen in seiner Leistengegend. Für einen Moment stieg ihm die vertraute Röte ins Gesicht, ob der Tatsache, dass er sich gerade von einem Mann angezogen fühlte, aber schon in der nächsten Sekunde waren alle Zweifel vergessen und es schien das Normalste der Welt, auch auf diese Weise von Draco Malfoy besessen zu sein.
Im nächsten Moment waren die Hände in seinen Haaren verschwunden und suchten sich stattdessen einen Weg unter sein T-Shirt. Dracos kühle Berührungen hinterließen brennende Spuren auf Harrys Haut, schienen ihn in Brand zu setzen und von innen heraus aufzufressen. Wie von selbst fanden auch seine Hände einen Weg unter das Hemd des Blonden, und strichen über die weiche Haut. Sanfte Muskeln wölbten sich unter Harrys Fingerspitzen, die wie elektrisiert zu knistern schienen.
Er spürte, wie Draco ihn langsam Richtung Bett schob und machte keinerlei Anstallten, sich dagegen zu wehren. Eigentlich war es ihm sogar recht, was mit ihm geschah, darum zeigte er auch keinerlei Widerwillen, als der Blonde ihm das T-Shirt über den Kopf zog und es in die nächste Ecke beförderte.
Als Harry mit den Kniekehlen gegen die Bettkante stieß löste Draco den Kuss, gab ihm einen sanften, aber bestimmten Schubs und er landete rückwärts auf weichem Untergrund, während der Blonde sich über ihn kniete. Nun folgte auch dessen Hemd dem T-Shirt in die Ecke und entblößte elfenbeinfarbene, seidigweiche Haut, unter der sich ansehnliche Muskeln abzeichneten. Das Ziehen in Harrys Leistengegend wurde stärker.
Draco beugte sich wieder zu ihm herunter und küsste ihn kurz, aber hungrig. Alle Zurückhaltung war aus seinen Berührungen gewichen, als er über Harrys Brust strich und dann begann dessen Gürtel zu lösen und die Hose zu öffnen. Der Gryffindor keuchte kurz auf, als die Enge um ihn herum verwand und ein vorwitziger Finger über seine verhüllte Männlichkeit strich.
Ein fiebriges Glühen war in Dracos Augen getreten, als er Harry wieder ins Gesicht sah, der sich voll auf bewusst war, dass seine Wangen schon längst vor Verlangen rot glühten. Der Slytherin hauchte ihm einen erneuten Kuss auf die Lippen, während Harry nun versuchte dessen Hose zu öffnen, und ihn derer zu entledigen, was ihm allerdings nur dank Dracos Mithilfe gelang. Der Blonde nahm sich ein Beispiel an dem jungen Mann unter sich und befreite ihn gänzlich vom störenden Stoff.
Harry spürte, wie die Röte auf seinen Wangen noch tiefer wurde. Noch nie hatte ihn jemand nackt gesehen, auch nicht Cho und schon gar kein Mann. Nie hätte er erwartet, dass die erste Person, die ihn so sehen würde Draco Malfoy wäre, aber jetzt war er fast dankbar dafür. Es fühlte sich gut und richtig an. Mit niemand anderem würde er diesen Moment verbringen wollen.
Dracos weiche Lippen strichen derweil über die empfindliche Haut an Harrys Hals und entlockten ihm ein wohliges Seufzen, während seine eigenen Hände hungrig über den Rücken des Slytherin strichen. Noch immer prickelten seine Fingerspitzen und jagten glühende Blitze durch seinen Körper, während sie die elfenbeinfarbene Haut berührten.
Ein überraschtes und zu gleich erregtes Keuchen entkam Harrys Lippen als er spürte, wie Dracos Zähne sich um das empfindliche Fleisch seiner Brutwarzen schlossen und liebevoll zubissen. Ein belustigtes Geräusch entkam dem Blonden, als er die Reaktion des jungen Mannes unter sich bemerkte.
Als Dracos freche Zunge Harrys Nabel umkreiste und eine Spur Küsse in Richtung seiner Männlichkeit hauchte, vergrub dieser seine Hände im platinblonden Haar. Im nächsten Moment spürte er wie diese Zunge vorsichtig, benahe fragend über seine Eichel glitt und alles, was er als Antwort geben konnte war ein wohliges Stöhnen, womit der Slytherin allerdings zufrieden zu sein schien, denn die Zunge wurde forscher und fordernder. Jede noch so kleine Berührung schickte Wellen aus Lust und Verlangen durch Harrys Körper. Sein Denken setzte dann völlig aus, als sich diese weichen Lippen, die er so sehr liebte, um sein Glied schlossen.
Die Hitze, die sich in seinem Körper ausbreitete schien nahezu überwältigend. Er glaubte von innen her in Flammen auf zu gehen. Er konnte sich auf nichts Anderes konzentrieren, als Dracos neckende Zunge, seine weichen Lippen und die Glut in seinen Adern, die sich immer weiter zu steigern schien, so lange, bis er glaubte zu verglühen. Heißes Verlangen strömte durch seinen Körper und verhüllte seine Sinne. Lust baute sich in ihm auf, wie ein Wasserspiegel, der durch steten Regen immer weiter anschwoll, bis die süße Qual schier unerträglich wurde und dann in atemberaubenden Höhepunkt endete.
Draco lächelte liebevoll, als er Harry einen zärtlichen Kuss auf die Lippen hauchte. Der Schwarzhaarige konnte etwas salziges schmecken und erschrak für einen Moment, doch dann durchflutet ihn eine Welle der Zuneigung und seine Hände fanden von allein den Weg zu Dracos Lendenbereich, um ihn vom letzten störenden Stoff zu befreien.
Der Blonde keuchte nun seinerseits lustvoll auf, als Harry dessen Glied zärtlich und vorsichtig berührte. Die Haut war erstaunlich weich und fühlte sich gut in seinen Händen an. Für einen kurzen Moment frage Harry sich, wann sein Interesse für Männer eigentlich entstanden war, oder ob es nur an Draco lag, aber genauso schnell wie der Gedanke kommen war, verschwand er auch wieder und alles was zählte waren Harrys Bewegungen und die Reaktionen des Blonden darauf.
Der Gryffindor wurde mit jeder Bewegung und jedem Keuchen seitens Draco mutiger und versuchte es dem Slytherin so schön wie möglich zu machen. Dieser warf den Kopf in den Nacken und schien jede Berührung ebenso zu genießen, wie Harry es zuvor getan hatte. Hin und wieder flatterten seine geschlossenen Augenlider und der Schwarzhaarige konnte den fiebrigen Glanz in all dem flüssigen Silber sehen. Dracos Wangen waren nun ebenfalls gerötet und er wand sich lustvoll unter Harrys Berührungen. Dieser wusste, dass er solch ein Bild nie mehr aus seinen Gedanken würde vertreiben können und es ihn in den kommenden Nächten immer wieder heimsuchen würde.
Draco begann sich aufzubäumen und stöhnte laut, kurz bevor Harry etwas warmes, flüssiges spürte, dass sich über seine Hände ergoss. Der Blonde atmete schwer, er hatte sich auf die Lippen gebissen, sodass diese nun leicht bluteten. Der Gryffindor konnte gar nicht anders, als einen liebevollen Kuss darauf zu hauchen.
„Das verstehst du also unter Potionsnachhilfe", schnurrte Draco, ein Lächeln umspielte seine Lippen, das Harrys Schmetterlinge erneut zum fliegen brachte.
„Es scheint so, als könnte ich dir nicht widerstehen", antwortete er und erwiderte das Lächeln.
„Daran könnte ich mich gewöhnen"
„Ich mich auch"
Beide lachten kurz auf, bevor Draco ihn aus sanften Augen ansah. Ein Blick, den Harry so noch nie gesehen hatte, den er aber am Liebsten nie wieder missen würde.
„Was würdest du davon halten, wenn wir die Badewanne ausprobieren? Keine Angst, ich weiß jetzt wie du nackt aussiehst und hier nach habe ich nicht vor, über dich herzufallen", der Slytherin grinste amüsiert.
„Badewanne klingt nach einer verdammt guten Sache", gab Harry zurück und begann nun ebenfalls zu grinsen.
„Das kann doch wohl nicht wahr sein! Das sollte ein Scherz sein!", Draco hatte aufgehört zu zählen, wie viele Wellen aus Wut in den letzten Tagen über ihn hinweg gerollt waren und gab sich dem Gefühl einfach hin, als er den Daily Prophet auf den kleinen Küchentisch knallte und sich selbst auf einen der Stühle fallen ließ.
Harry, der ebenfalls am Tisch saß, blickte von seinem Müsli auf und hob fragend beide Augenbrauen.
Draco seufzte. „Es kann echt nicht wahr sein! Ich hatte ja alles erwartet, aber das nun wirklich nicht und als ich es gestern gesagt habe, war es als Scherz gemeint gewesen! Ich hätte doch nie geglaubt, dass das wirklich passieren würde!", maulte er weiter und schlug mit der Unterseite seiner geballten Faust auf die Zeitung, die flach auf dem Tisch lag.
Nun zog der Schwarzhaarige die Brauen etwas verärgert zusammen. „Entweder, du sagst mir jetzt, was damit los ist oder ich nehme dir die Zeitung weg und lese es selbst, deine Entscheidung", sagte und verschränkte abwartend die Arme vor der Brust.
Ohne ein weiters Wort reichte Draco ihm die Zeitung hinüber. Es wäre wohl besser, wenn Harry es selbst lass, statt es nur zu hören.
Als heute Morgen die Eule mit dem Daily Prophet zum Fenster hinein geflogen war und Draco ihr die Zeitung abgenommen hatte, musste er sich zurückhalten dem armen Tier nicht vor Wut den Hals umzudrehen. Auf der Titelseite war ein Bild von Harry zusehen, das wohl kurz nach dem Verlassen des Departments of Mysteries entstanden war. Zumindest sah der Schwarzhaarige schrecklich mitgenommen aus und hinter ihm waren die Wände des Ministeriums zu erkennen, während er immer wieder in helles Blitzlicht getaucht wurde. Darüber stand in großen Lettern ‚DER JUNGE, DER UNS VERRIET?' und kleiner darunter ‚Harry Potters Freunde packen aus'. Neben dem Artikel war ein kleines Bild von Weasle und Granger, von dem Draco nicht sagen konnte, wann es aufgenommen worden war.
Harry ließ die Zeitung sinken und sah sein Gegenüber aus verschleierten Augen an. Es war klar, dass er damit nun wirklich nicht gerechnet hatte – mit vielem, ja, aber nicht damit. Draco wusste, dass der Gryffindor schon in den letzten beiden Jahren sehr mit der Presse zu kämpfen gehabt hatte, vom todessehnsüchtigen TriwizardChampion, über den Lügner, der mit Dumbledore das Ministerium übernehmen wollte, bis jetzt, zum zweiten Dunklen Lord hatte der Daily Prophet schon alles über den Goldjungen geschrieben. Wann würde das jemals ein Ende haben?
Klar letztes Jahr war Draco das ziemlich egal gewesen, da hatte er den Schwarzhaarigen ja auch als Feind angesehen, aber es war ja mehr als klar, dass sich zwischen ihnen in den letzten Monaten Einiges verändert hatte.
„Nein, das hätte ich auch nicht erwartet", flüsterte der Schwarzhaarige, seine Stimme klang brüchig. Er hatte die Zeitung noch immer in Händen, während sie wieder auf dem Tisch lag. Ohne weiter darüber nachzudenken legte Draco eine Hand auf Harrys und versuchte ihm ein aufmunterndes Lächeln zu schenken. Dennoch sah er, wie die Schultern des Gryffindor zu beben begannen. Es mochte ja wahr sein, dass er sich ein wenig von seinen Freunden entfernt hatte, aber solch ein Verrat, so glaubte Draco, war immer schmerzhaft.
„Entschuldige mich!", Harry entriss ihm seine Hand und stürzte aus dem Zimmer. Der Blonde blieb allein am Tisch zurück. Ein leichter Stich schmerzte in seiner Brust. Aber was hatte er erwartet? Dass der Goldjunge ihm nach kaum vierundzwanzig Stunden in diesem Raum vertrauen würde? Sie hatten zwar beschlossen so etwas wie Freunde zu werden, die wohl auch gelegentlich Dinge taten, die über Freundschaft hinausgingen, aber noch war es nicht soweit. Er würde Geduld haben müssen, irgendwann würde Harry zu ihm kommen und Vertrauen haben. Immerhin hatte er selbst gestern auch noch verweigert dem Gryffindor zu sagen, was ihm auf der Seele lag.
Sie hatten beide noch einen langen Weg vor sich.
Ron saß zufrieden am Tisch der Gryffindors und betrachtete die heutige Ausgabe des Daily Prophet. Hermione kam gerade zusammen mit Ginny hinein und beide ließen sich neben ihm nieder. Der Rotschopf reichte seiner besten Freundin die Zeitung herüber und grinste breit und zufrieden.
Die Braunhaarige begann zu lesen und nickte nach kurzer Zeit. „Scheint, als hätte es etwas gebracht denen mal zu schreiben", sagte sie und wollte Ron die Zeitung zurück reichen, als sie ihr aus der Hand gerissen wurde.
Erschrocken sah Hermione sich um, und erkannte Blaise Zabini, der nun den Daily Prophet in der Hand hielt, er verzog angewidert das Gesicht.
„Potter der Verräter?", fragte er, seine Stimme triefend vor Spott. „Ihr seid ja nicht mehr ganz bei Trost. Ich sag euch mal was, bevor Draco sich mit dem einlässt friert die Hölle zu. Ihr steigert euch da in was rein, das gar nicht existiert. Aber nur um es euch mal zu sagen, ihr Gryffindors seid ja wirklich super Freunde! Wer euch zum Freund hat, brauch wirklich keine Feinde mehr. Vielleicht wäre es sogar besser für ihn, wenn der Mist, den ihr über ihn erzählt, wahr wäre".
Ron war aufgestanden und stellte sich Zabini in den Weg, der ihn herablassend aus seinen blauen Augen ansah. „Was soll das, Zabini? Was geht dich das an?", fragte der Rotschopf herausfordernd. Sein Gegenüben machte ein gespielt nachdenkliches Gesicht.
„Hmm… lass mich mal nachdenken… ach ja, dieser Artikel ist nicht nur für euren besten Freund eine Schande, sondern auch für meinen, nur das ich Freund genug bin, ihn vor Schaden solcher Art zu schützen, anstatt ihn, wie ihr, ans Messer zu liefern". Im nächsten Moment spuckte er Ron vor die Füße und dieser merkte, wie seine Barrieren brachen und er sich wütend auf Zabini warf, der seinen Zauberstab zückte.
„Stupefy", rief der Italiener und schickte den Rotschopf zu Boden.
„Wag es nicht noch einmal, mich anzugreifen! Dann erlebst du dein blaues Wunder, mein Freund", sagte er und wollte sich grade umdrehen, als Snape vor ihm auftauchte.
„Was ist schon wieder los? Gestern Potter und Mr. Malfoy, heute Sie beide. Was geht hier vor, Mr. Zabini?".
Der Angesprochne gab Snape die Zeitung, die dieser mit hochgezogenen Augenbrauen lass. Kurze Zeit später, ließ er sie sinken und sah Ron aus kalten Augen an. „Weasley, Granger, mitkommen!".
Ron warf einen kurzen Blick zu Hermione, die nun wirklich besorgt aussah und gemeinsam folgten sie ihrem Potionsmaster, der sie direkt ins Büro von Professor McGonagall führte.
Als sie eintraten saß ihr Head of House am Schreibtisch, vor ihr stand Professor Parker und beide blickten nun in ihre Richtung. McGonagall erhob sich und kam um den Schreibtisch herum, ihr Blick war fragend und wanderte von Snape zu Ron und Hermione.
„Was gibt es, Severus?", fragte sie.
Snape ging ohne ein Wort zu ihr und überreichte die Zeitung. Auch Parker kam hinzu und blickte über McGonagalls Schulter auf das Papier.
Ron tauschte erneut einen Blick mit Hermione. Sie würden zu ihrer Entscheidung stehen und den Lehrern erklären, warum sie das getan hatten.
Nachdem sie den Artikel gelesen hatte blickte McGonagall von der Zeitung auf. Ihre Augen waren hart geworden und ihre Lippen bildeten einen dünnen Strich. Auch Parkers Gesicht wirkte wenig einladend und somit straffte Ron vorsichtshalber die Schultern und richtete sich gerade auf.
„Ms. Granger, Mr. Weasley, ich bin sehr enttäuscht von Ihnen. Mr. Potter braucht im Moment jede Unterstützung, und was tun Sie? Sie machen ihn in der Öffentlichkeit schlecht! Ich habe Vieles von Ihnen Beiden erwartet, aber nicht das hier!", sagte sie, Bitterkeit schwang in ihrer Stimme mit. „Ich will überhaupt keine Entschuldigungen von Ihnen hören! Es interessiert mich nicht, welch abstruse Gedankengänge Sie zu dieser Tat getrieben haben, aber eines sei Ihnen versichert, sie sind auf dem Holzweg. Fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor. Für jeden von Ihnen, wegen des wahrlich bedauerlichen Mangels an Loyalität und zwei Monate Strafarbeit mit Professor Parker. Ich hoffe Sie lernen daraus, sich gut zu überlegen, wann sie solchen Schaden anrichten und wann sie besser ihren Mund zu halten haben. Und nun verschwinden Sie! Alle beide! Bevor ich mir überlege Ihnen noch mehr Punkte abzuziehen!".
Ron schluckte hart, als er und Hermione das Büro verließen. Seine beste Freundin war kreidebleich geworden.
„Meinst du nicht, dass wir vielleicht doch einen Fehler begangen haben? Vielleicht haben wir die Dinge falsch verstanden und Harry jetzt zu Unrecht beschuldigt", sagte sie und schüttelte traurig den Kopf.
„Nein, Hermione! Das darfst du nicht mal denken. Die da drin sind nur alle total verblendet von Harry! Wir haben das Richtige getan!", erwiderte Ron inbrünstig. „Und jetzt weiß es endlich jeder! Wir können uns vorbereiten. Die Zaubererwelt ist breit für Voldemort, auch ohne Harry".
Seine beste Freundin sah ihn noch einmal besorgt an, dann nickte sie und sagte: „Wahrscheinlich hast du Recht".
„Draco?"
Der Blonde erschrak kurz und blickte dann auf, als er Harry seinen Namen flüstern hörte. Er hatte schon gar nicht mehr damit gerechnet, den Schwarzhaarigen heute noch mal zu Gesicht zu bekommen. Er war ins Wohnzimmer geflüchtet und hatte die Tür mit einer magischen Barriere versiegelt, nachdem er aus dem Esszimmer geflohen war. Draco hatte weder geklopft noch sonst Anstalten gemacht ihn aus dem Raum heraus zu bekommen. Harry brauchte Zeit und das wusste er, also hatte er ihm eben diese Zeit gegeben und nun kam der Gryffindor von allein wieder zu ihm.
„Habe ich dich erschreckt? Das wollte ich nicht. Tut mir Leid", sagte er und lächelte dabei entschuldigend. Seine grünen Augen wirkten noch immer etwas verschleiert, seine Stimme klang rau, Spuren von Tränen waren auf seinen Wangen zu sehen und rote Ränder hatten sich um seine Augen herum gebildet. Draco widerstand dem Drang aufzuspringen und den Gryffindor in die Arme zu schließen, er wollte ihm die Möglichkeit geben, von allein zu ihm zu kommen.
„Schon gut, ich war nur in diese Hausaufgaben vertieft, das ist alles", Draco hob kurz seinen Aufsatz für DADA in die Höhe und schenkte Harry ein warmes Lächeln.
„Oh, wie läuft es denn? Vielleicht kann ich mich da ja für deine Potionsnachhilfe erkenntlich zeigen", Harry erwiderte das Lächeln, wurde aber gleichzeitig leicht rot um die Nase.
„Schon gut, ein anderes Mal vielleicht. Du bist doch sicher auch nicht zu mir gekommen, um meine Hausaufgaben in DADA zu machen oder?", fragte der Blonde und erhob sich von seinem Schreibtischstuhl.
Harry schüttelte leicht den Kopf. „Nein, in der Tat nicht, ich wollte mich entschuldigen, dass ich heute Morgen so schnell weggelaufen bin. Ich wollte dich nicht verletzten". Draco konnte eindeutig Schuld in den grünen Augen sehen und lächelte nachsichtig.
„Mach dir mal um mich keine Sorgen. Ich verstehe es schon, wenn du Zeit für dich brauchst. Wie geht es dir?"
„Ich schätze, es ging mir schon mal besser. Sechsundneunzig ist einfach nicht mein Jahr, wie es scheint", es hatte wohl auflockernd klingen sollen, aber die Bitterkeit in seiner Stimme machte klar, wie es tief in Harry drin wirklich aussah und strafte alle heiteren Worte Lüge.
„Falls es dich tröstet, meines auch nicht und das nächste macht nicht den Eindruck, als würde es besser", antwortete Draco und ließ sich auf dem Bett nieder. Der Schwarzhaarige setzte sich neben ihn.
„Weißt du, noch vor ein paar Monaten hätte ich gesagt, dass die Freundschaft zwischen Ron, Hermione und mir nie enden würde und wir Voldemort gemeinsam die Stirn bieten würden – so kann man sich täuschen. Immerhin habe ich auch geglaubt, nach dem Krieg, bei Sirius zu wohnen. Ich bin ziemlich naiv, nicht wahr?"
Draco schluckte kurz. Wie es schien, war Harry wirklich bereit sich dem Blonden zu öffnen und das nach so kurzer Zeit, die sie zusammen verbrachten. Er musste wirklich verzweifelt sein und Halt suchen, sonst würde er sein Herz nicht so einfach auf der Zunge tragen. „Nein, du bist nicht naiv, du hast nur… schon viel erlebt… viel Unschönes und der Gedanke an eine Familie und Freunde… hat dir gut getan. Ich hätte an deiner Stelle sicher genau so gedacht", der Slytherin hatte eindeutig Probleme die richten Worte zu finden. Er wollte Harry nicht noch weiter verletzten, wollte die Wunden, die der Tod seines Paten gerissen hatte, nicht noch tiefer machen und ihm zugleich sagen, dass an seinem Denken nichts falsch gewesen war.
„Vielleicht hast du Recht, trotzdem sollte ich lernen, nicht immer an ein gutes Ende zu glauben. Oder besser gesagt, ich habe es gelernt. Nicht jede Geschichte hat ein Happy End und meine auch nicht, schätze ich".
Draco musterte Harry für einen langen Moment. Da war keine Angst in ihm, sonder nur eine stille Akzeptanz dessen, was kommen würde. Er legte dem Schwarzhaarigen eine Hand auf die Schulter. „Dumbledore würde sicher sagen, es gibt immer einen Weg, nicht?"
Der Gryffindor lächelte kurz. „Ja, das würde er. In der Tat. Ich werde mein Bestes tun, um diesen Weg zu finden, aber ich glaube nicht, dass es ihn gibt".
Die traurigen Augen, in die er blickte schienen ihm den Verstand zu rauben. Er hauchte Harry einen sanften Kuss auf die Lippen und schenke ihm ein warmes Lächeln, von dem er hoffte, dass es ihm Mut spenden würde.
„Ich weiß, es tut weh verraten zu werden, aber vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass etwas Neues anfangen sollte", flüsterte er.
Seufzend stand Ron vor der Tür zu Parkers Büro. Wenn er ehrlich war, hatte er das Gefühl es noch ganz gut getroffen zu haben, Snape wäre sicher ungemütlicher gewesen.
Gerade als der Rotschopf die Hand heben wollte, um zu klopfen öffnete die Tür sich von selbst und gab den Blick auf Parker frei, der bereits hinter seinem Schreibtisch saß. Das lange, schwarze Haar hatte er mit einem Lederband zusammen gebunden, die Arme vor der Brust verschränkt und einen grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht. Ron schluckte einmal, dann betrat er den Raum und ging auf den schweren Schreibtisch zu.
„Guten Abend, Professor", sagte er, als er den Eichenstuhl erreichte, der vor Parker stand. Dieser heftete seine schwarzen Augen auf den Gryffindor, eindeutige Missbilligung stand in ihnen geschrieben.
„Guten Abend, Mr. Weasley. Setzen Sie sich".
Ron schauderte kurz. Parkers Stimme war kalt wie ein Wintermorgen. Vielleicht, so dämmerte es dem Rotschopf, wäre Snape doch die bessere Wahl gewesen. Der wäre einfach nur unfreundlich und würde ihm immer wieder sagen, wie gern er ihn von der Schule schmeißen würde, aber das hier, war Hass verborgen hinter Höflichkeit, damit konnte Ron nicht gut umgehen. Dennoch kam er der Aufforderung nach, und ließ sich auf den Stuhl sinken.
Parker lehnte sich über den Schreibtisch zu ihm. „Mr. Weasley, ich bin enttäuscht von Ihnen! Was ist in Sie gefahren, als Sie diesen Brief geschrieben haben?", fragte der junge Professor.
„Nun ja, wissen Sie, Harry verhält sich komisch in letzter Zeit und ist ständig mit Malfoy zu sehen. Er hat nen Unfall, Malfoy rettet ihn, beim Halloweenball tanzt er mit Amanda Gordon, beim Quidditch verlieren wir wegen ihm und wer rettet ihn? Malfoy! Wir fanden, dass es sich hier um en paar Zufälle zuviel handelt. Da haben wir beschlossen, dass die Leute gewarnt werden müssen", erklärte Ron.
Parker hob nun beide Augenbrauen. „Und, dass Mr. Potter sich einfach nur schlecht fühlt, weil sein Pate tot ist und jeder von ihm erwartet seine ‚Aufgabe' richtig zu erfüllen, auf die Idee sind Sie wohl nie gekommen?".
Der Rotschopf schüttelte den Kopf.
„Jetzt hören Sie mir mal zu, Weasley! Potter brauch im Moment jeden, der ihm den Rücken stärkt, egal ob derjenige ein Slytherin oder ein Gryffindor ist. Ich schätze Sie und Granger wären seine erste Wahl gewesen, aber als Sie aufgehört haben sein Freund zu sein, hat er sich jemand anderen gesucht. Jemanden, der vielleicht genauso verzweifelt ist, wie er selbst, weil er auch in eine Rolle gepresst wird, die er nicht erfüllen kann. Aber immerhin scheint Mr. Malfoy das Rückgrat zu haben einen jungen Mann, der bei einem Ball allein dasteht, einzuladen. Dazu waren Sie ja offensichtlich nicht in der Lage", Parkers Stimme war die ganze Zeit über ruhig geblieben, aber dennoch scharf wie ein Messer und klirrend kalt. Es war kein Gerücht, dass er Snape sehr ähnlich sein konnte, wenn er es wollte.
„Das kann-", begann Ron, wurde aber von seinem Professor mit einer Handbewegung zum Schweigen gebracht.
„Jetzt rede ich, Weasley! Und ich sage Ihnen noch was! Mr. Potter hat alle Hoffnungen auf Freundschaft mit Ihnen längst begraben, darum ist es mir egal, ob Sie es bereuen oder nicht, aber ich lasse nicht zu, dass Sie ihrem früheren Freund noch einmal solche Steine in den Weg legen. Sie werden einen Brief an den Daily Prophet schreiben, jetzt gleich, in dieser Strafarbeit, in dem Sie alle Beschuldigungen zurücknehmen! Und sollte so etwas noch mal passieren, schwöre ich Ihnen, werde ich persönlich dafür sorgen, dass sie den Zug nach Hause nehmen, haben wir uns verstanden?", Parkers Stimme war zum Ende hin bedrohlich leise geworden und Ron konnte gar nicht anders als zu nicken. Seine Zunge schien wie verknotet und sein Hals fühlte sich trocken an.
Der Schwarzhaarige nickte zufrieden. „Gut so, Weasley. Hier haben Sie Pergament, Feder und Tinte. Jetzt fangen Sie an". Parker drückte Ron alles Nötige in die Hand und lehnte sich auf seinen Stuhl zurück. Der Rotschopf warf seinem Lehrer einen letzten Blick zu, dann beugte er sich über das Pergament und setzte immerhin schon mal die Kopfzeile auf, auch wenn er noch nicht richtig wusste, was er sonst schreiben sollte. Er war zutiefst davon überzeugt, dass Harry und Malfoy beide treu zu Voldemort standen und Parker nur zu verblendet war, um es zu erkennen, darum fielen ihm auch keine Worte ein, die er hätte schreiben können.
Es würde ein langer Abend werden.
Harry stand zufrieden über seinem Zaubertrank, der auch noch genauso aussah, wie es in der Beschreibung angeben war. Draco stand neben ihm und grinste leicht.
„Gut gemacht", lobte er den Gryffindor, der daraufhin leicht rot um die Nase wurde und ein leises ‚Danke' murmelte.
Sie hatten den Nachmittag damit verbracht ihre Hausaufgaben zu machen und Harry hatte Draco dann gebeten ihm bei dem Trank zu helfen, den sie am Vortag nicht fertig gestellt hatten. Dem Schwarzhaarigen war es nicht leicht gefallen, sich wirklich auf das zu konzentrieren, was der Slytherin ihm erzählte. Diese warme Stimme und seine schönen Augen lenkten ihn immer wieder vom Trank ab und Draco hatte es sich nicht nehmen lassen Harry hin und wieder einen Kuss zu stehlen, was diesen jedes Mal total aus der Fassung brachte.
Harry konnte nicht genau sagen, was das war, das er da mit dem Blonden teilte. Freundschaft, die sich auf eine seltsame Art zu Äußern begann oder doch viel mehr, das er noch nicht begreifen konnte. Die Zuneigung, die er in den silbernen Augen sah, war oft viel mehr als reine Freundschaft, da war der Goldjunge sich sicher und auch die Schmetterlinge in seinem Bauch hatten sicher nichts mit reiner Sympathie zu tun. Wenn er ehrlich war, musste er den Tatsachen ins Auge sehen, und sich eingestehen, dass er wohl viel mehr in Draco Malfoy verliebt war.
„Draco?", begann er vorsichtig. Es war an der Zeit, mit dem Slytherin über etwas Wichtiges zu reden – seine Vorbereitungen für den Krieg. Er musste weiter üben, auch wenn ihn jetzt jemand dabei würde beobachten können.
„Ja?", der Blonde sah von Harrys Trank auf und richtete seine Augen auf den Schwarzhaarigen.
„Ich… muss dir ein Geheimnis anvertrauen… wegen Voldemort…", die Worte schienen wie Blei in Harrys Hals. Er wollte eigentlich niemanden in diese Sache mit hineinziehen und schon gar nicht die eine Person auf der Welt, die ihn zu verstehen schien.
„Lass mich raten, es geht um deine Kampfvorbereitungen?", ein selbstsicheres Grinsen umspielte Dracos Lippen, doch seine Augen blieben ernst.
„Woher wusstest du das?"
„Nur so ein Gefühl. Aber Harry, ich muss dich bitten, mir das nicht zu erzählen. Ich bin der Sohn eines Death Eaters und ich werde selbst in… absehbarer Zeit… auch einer sein. Alles was du mir sagst könnte Voldemort auch erfahren".
Der Gryffindor schüttelte nur bestimmt den Kopf. Er wollte keine Widerworte von Draco hören, schon gar keine, in denen der Blonde so schlecht weg kam.
„Ich vertraue dir. Du wirst mich nicht verraten. Nichts von alle dem, was ich dir sage oder zeige wird Voldemort erfahren. Da bin ich mir ganz sicher".
Er hörte, wie Draco hart schluckte.
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nicht für einen Death Eater halte. Also, ich kann es mir nicht leisten einen Monat nichts zu tun, um gegen Voldemort zu gewinnen". Harry ging zu seinem Schrank und nahm die Bücher von Parker heraus, um sie zum Schreibtisch zu bringen. Er spürte Dracos silberne Augen auf sich ruhen, während er sich durch den Raum bewegte.
Als die Bücher vor den beiden lagen, begann der Schwarzhaarige zu lächeln. „Die hab ich von Parker empfohlen bekommen. Sie stammen alle aus der Verbotenen Abteilung, wie du dir sicher gedacht hast und enthalten Zauber, die mir helfen könnten Voldemort zu besiegen. Allerdings sind sie alle schwarzmagisch, darum habe ich auch bisher noch niemandem, außer dir, von ihnen erzählt", erklärte er.
Draco musterte die Bücher nachdenklich, dann richtete er seinen Blick wieder auf sein Gegenüber. „Warum du? Warum macht Dumbledore das nicht? Er ist viel älter als du und beherrscht Zauber, von denen du nicht mal träumst. Warum musst du das machen? Ich verstehe das nicht. Klar rechnen alle damit, dass du es tust, weil du eben der berühmte Harry Potter bist, aber eigentlich gibt es doch keinen verdammten Grund für dich, es zu tun! Da draußen sind so viele Zauberer, die genauso gut gegen ihn kämpfen könnten, aber sie schicken lieber einen Jungen vor", Wut war in seine Augen getreten, die Harry einfach nicht übersehen konnte.
Er seufzte leise. „Nein Draco, es kann niemand anderer machen. Letztes Jahr… als Sirius gestorben ist… im Department of Mysteries… da gab es eine Prophezeiung", Harry stoppte, er musste sich erst einmal sammeln. Seit Sirius Tod hatte er kaum ein Wort darüber gesprochen, hatte es verdrängt, dass sein Pate nicht mehr lebte und alle Bilder, die hin und wieder hochkamen, einfach von sich geschoben.
„Das ist mir bekannt. Vater hat so was mal erwähnt, kurz vor Beginn des letzten Schuljahres. Aber ich weiß nicht, worum es darin geht. Ich schätze Vater auch nicht", bemerkte Draco, seine Augen waren dunkel geworden, als plagten auch ihn schlechte Erinnerungen.
„Nein, er auch nicht. Aber es gibt ja genug Gerüchte. Der Daily Prophet hatte schon mehr als eine Schlagzeile, in der ich als ‚Chosen-One' betitelt wurde. Aber alles was sie tun, ist raten und hoffen, dass es stimmt. Dumbledore und ich sind die einzigen, die wirklich wissen was in der Prophezeiung gesagt wurde. Ich schätze mal, dass Snape und Parker eingeweiht wurden. Aber was ich dir jetzt sage, weiß kaum jemand auf der Welt. Nicht mal Ron und Hermione. Eigentlich wollte ich niemanden damit belasten, aber die Umstände sind etwas… nun ja… verändert, nicht wahr? Was alle behaupten und worüber man rätselt, ist wahr. Ich bin der Einzige, der Voldemort besiegen kann. The Chosen-one, wenn man so will", erklärte Harry und musterte Dracos Reaktion auf seine Worte.
Der Blonde wirkte ernst und zugleich nachdenklich. Milde Überraschung lag in seinen Augen, wahrscheinlich hatte er bereits damit gerechnet. Sein Blick war auf den Schreibtisch geheftet, während er über das Gesagte nachzudenken schien.
Harry beschloss, dass es besser wäre, ihn nicht zu unterbrechen, sondern ihm die Gelegenheit zu geben, zu einem eigenen Schluss über das zu kommen, was er gerade erfahren hatte.
Nach einigen Minuten des Schweigens blickte Draco auf. Seine Augen waren warm und das Lächeln auf seinem Gesicht ehrlich. „Und darum machst du das alles? Quälst dich so sehr? Sprichst nicht über das, was dich quält?", fragte er.
Harry blinzelte überrascht. Er hatte mit vielen Reaktionen gerechnet, aber nicht mit einer, die ihn so sehr verwirren würde. „Bitte? Was meinst du?"
„Naja, als du eben deinen Paten erwähnt hast… man hat dir angehört, dass es wohl das erste Mal war, seid, nun ja… Warum sprichst du nicht darüber? Weil du glaubst andere damit nicht belasten zu dürfen? Oder weil deine so genannten Freunde dir nicht zuhören?"
„Ich… keine Ahnung… am Anfang wollte ich nicht darüber reden, schätze ich. Und jetzt hat sich das erledigt. Also zumindest was Ron und Hermione angeht".
Draco nickte verständnisvoll. „Und erzählt hast mir das alles jetzt, damit ich nicht entsetzt Reißaus nehme, weil jemand in meiner Gegenwart dunkle Magie verwendet? Glaub mir, ich bin daran gewöhnt. Die Familie Malfoy hielt noch nie viel von Unterscheidungen dieser Art, falls es dir entfallen ist", ein bitteres Lächeln umspielte die dünnen, blassrosa Lippen.
„Ähm, ich glaube ja. War ein wenig dumm von mir, nicht?", antwortete Harry, und wurde, wie so oft, rot auf den Wangen.
„Nein, dumm würde ich es nicht nennen. Du hast nur normalerweise keine Freunde, die es gewohnt sind mit schwarzer Magie in Kontakt zu kommen, das ist alles".
Harry verstand selbst nicht recht, wie Draco es schaffte ihn immer wieder zu belehren und dabei auch noch ins Schwarze zu treffen. Es kam ihm fast so vor, als würden sie einander schon ewig kennen und wären nicht erst seit zwei Tagen in diesem Raum eingeschlossen.
„Ok, also ich glaube ich brauche dir dann keine Belehrung im Umgang mit dunklen Künsten zu geben. Aber was ich eigentlich auch wollte war… dich fragen, ob du mir helfen kannst… also beim Duellieren… allein… übt sich das so schlecht", aus irgendeinem unbekannten Grund hatte der Gryffindor das Gefühl seine Kehle sei zugeschnürt. Er verstieß gegen alle Prinzipien, die er sich nach der Nacht im Ministerium auferlegt hatte. Seine Freunde wollte er aus den Kämpfen und dem Krieg heraus halten. Naja, genauer gesagt, hielt er seine Freunde ja auch daraus, immerhin wusste er immer noch nicht ob Draco nun sein Freund, Feind oder sonst was war.
„Solange du mir keine schwarzen Flüche auf den Hals hetzt, bin ich gerne bereit dir beim Üben zu helfen. Wenn Voldemort das jemals raus findet bin ich geliefert, aber ich glaube das hätte ich mir überlegen sollen, bevor ich dich beim Sturz vom Nordturm aufgefangen habe, oder?", der Blonde schien benahe amüsiert, über seine eignen Worte, obwohl das angeschnittene Thema eigentlich wenig Platz für Witze und Spaß ließ. Wie oft sprach man schon über Dunkle Zauber und den Krieg?
Doch genauso schnell, wie Witz und Schalk in seine Augen getreten waren, verschwanden sie auch wieder und wichen Ernst und Nachdenklichkeit. „Wann willst du anfangen?", fragte der Slytherin, sein Blick hing nun wieder an den Büchern auf dem Schreibtisch.
„Ich dachte an morgen, heute wird das eher nichts mehr. Außerdem denke ich haben wir uns seine Pause verdient. Danke für deine Hilfe mit dem Trank. Ohne dich wäre das wieder das übliche ‚D' geworden, maximal", Harry lächelte, räumte die Bücher vom Tisch und brachte sie zurück in seinen Schrank.
„Nichts zu danken. Ich werde es sicher zurück fordern. Dein Angebot mit DADA steht doch noch, oder?", erwiderte Draco, der sich nun ebenfalls von seinem Stuhl erhob und Richtung Fenster ging.
Harry ließ sich aufs Bett sinken. „Klar steht das noch. Wobei du doch vorhin meintest, du hättest den Aufsatz fertig".
Der Slytherin stand nun mit dem Rücken zu ihm und blickte auf die Landschaften um Hogwarts.
„Ja, den Aufsatz schon, aber der nächste kommt bestimmt", erwiderte er, das Lächeln, das Harry nicht sehen konnte, war seiner Stimme dafür umso deutlicher anzuhören.
Der Schwarzhaarige blickte an ihm vorbei, in den Himmel, der undurchdringlich schwarz war. Nur ein paar Sterne schienen die Nacht zu erhellen.
Draco drehte sich um und lächelte. „Vielleicht sollten wir es für heute gut sein lassen, und schlafen gehen. Das würde dir zumindest gut tun".
„Wahrscheinlich hast du recht", antwortete Harry und ging zum Schrank, um seinen Pyjama heraus zu nehmen. Hinter sich hörte er, wie der Blonde die Lampen löschte und dafür ein knisterndes Feuer im Kamin entfachte, das den Raum in ein romantisches Licht tauchte.
Harry schlüpfte unter die Decke und spürte, wie Draco ihm kurz drauf folgte. Er drehte sich zu ihm um und blickte ihn ruhig an. Eine angespannte Stille legte sich über beide und der Gryffindor bemerkte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Warum hatte dieser verdammte Raum sich eigentlich überlegt, dass ein Bett für zwei Leute völlig ausreichen würde?
Der Slytherin setzte ein liebevolles Lächeln auf, als er sich zu Harry herüber beugte und ihm einen zärtlichen Kuss auf die Lippen hauchte.
„Gute Nacht, Harry", flüsterte er leise, sein warmer Atem strich sanft wie eine Feder über die Wange des Schwarzhaarigen, der ein wahrscheinlich sehr verliebt aussehendes Lächeln nicht unterdrücken konnte.
„Gute Nacht, Draco", gab er zurück und drehte sich auf die andere Seite, um überhaupt schlafen zu können. Der Slytherin hatte eine wahrlich berauschende Wirkung auf ihn.
Harry schloss müde die Augen. Draco hatte Recht gehabt, es war wirklich Zeit, zu schlafen. Er war bereits eingedämmert, als er doch noch spürte, wie sich starke Arme um ihn schlagen, ihn an eine muskulöse Brust drückten und sanfte Worte leise ‚Ich liebe dich' flüsterten.
Kurz war der Gryffindor versucht, in sich hineinzuhorchen, um heraus zu finden, was er antworten sollte, aber dann wurde ihm klar, er konnte nur die Wahrheit sagen und sonst nichts, also ließ er seiner Zunge freien Lauf, um zu ergründen, was sein Herz schon lange wusste.
„Ich liebe dich auch", hauchte er in die Stille der Nacht hinein.
Kapitel9 Ende
