Kapitel10 Secrets

Rote Augen starrten ihn aus schwarzer Dunkelheit heraus an. Hohes, kaltes Lachen schmerzte in seinen Ohren und seine Stirn brannte wie Feuer.

Das Bild wandelte sich.

Sirius saß auf dem Boden im Department of Mysteries. Er zuckte unter Qualen zusammen, als der Cruciatusfluch ihn traf. Harry schrie laut auf, wollte helfen. Er wollte zu ihm, aber immer, wenn er nur noch wenige Meter von Sirius entfernt war, schien dieser ein Stück weiter weg zu rücken, sodass er unerreichbar blieb.

Wieder wandelte sich das Bild.

Der Torbogen, mit dem Vorhang. Sirius Gesicht, gezeichnet vom Triumph. Eine schrille Stimme: ‚Stupefy' und ein roter Blitz, der seinen Paten auf der Brust traf. Harry spürte etwas in sich zerbrechen. Plötzlich hatte er den Spiegel in der Hand, den Sirius ihm geschenkt hatte, damit sie Kontakt zueinander würden aufnehmen können. Der Spiegel war zerbrochen, an seinen Bruchkanten klebte Blut.

Der Boden wurde dem Gryffindor unter den Füßen weggezogen. Er fiel in unendliche Schwärze.

Vor ihm standen sie, sie alle. Von jetzt auf gleich. Da waren sein Vater und seine Mutter, neben ihnen Cedric und Sirius, sie alle lächelten ihn warm an. Neben Sirius stand das kleine Mädchen aus der Vision, ihre langen schwarzen Locken vom Blut verklebt. Die haselnussbraunen Augen hatte sie auf Harry gerichtet. Ein Blick so durchdringend, dass er sich ihm nicht entziehen konnte. Ihr Brustkorb stand noch immer offen, das Herz fehlte.

Sie alle entfernten sich von ihm, wurden immer kleiner und er wollte ihnen nachlaufen, rannte aber immer nur auf der Stelle.

„Es ist deine Schuld", flüsterte eine Stimme in seinem Ohr, die schmerzhaft der von Sirius glich. Die fünf Gestalten waren verschwunden. Harry war wieder in Dunkelheit gehüllt, nur die Stimme zerriss das Nichts.

Vor ihm tauchte Voldemort auf und neben ihm schwebte jemand, den er in Ketten gelegt hatte. Es war nicht das kleine Mädchen, dessen Namen er nicht kannte, sondern ein junger Mann mit platinblondem Haar und Augen, wie flüssiges Silber. Sein Unterarm war entblößt und darauf hob sich das Dark Mark grotesk von der elfenbeinfarbenen Haut ab. Alles in Harry begann verzweifelt zu schreien, als Voldemort Draco mit dem Cruciatusfluch zu foltern begann. Er wollte helfen, er wollte es so sehr. Noch mehr als zuvor bei Sirius, doch auch Draco war unerreichbar. Er richtete nur seine Augen auf Harry und dieser konnte die stumme Botschaft darin lesen ‚Es ist deine Schuld'.


Erleichterung durchströmte Draco, als Harry mit einem Schrei endlich aufwachte und aufrecht im Bett saß. Er sah, dass der Pyjama schweißnass am Körper des Gryffindor klebte. Seine Augen waren geweitet und er zitterte, aber immerhin war er wach und warf sich nicht mehr schreiend und weinend von einer Seite auf die andere.

Es war jetzt schon das zweite Mal, das Draco den Schwarzhaarigen so sah.

Als die grünen Augen den Blonden erreichten, spürte Draco, wie sich starke Arme verzweifelt um ihn schlagen und ihn an sich drückten. Was auch immer er geträumt hatte, schien ihm sehr zugesetzt zu haben.

„Harry? Alles in Ordnung? Wieder ein Albtraum?", fragte er besorgt.

Der Gryffindor nickte. „Ja, kommt ja in letzter Zeit… Moment mal… wieder? Woher weißt du von meinen Träumen?", Verwirrung stand in seinen grünen Augen, als er sich wieder von Draco löste.

„Naja, als du vom Besen gefallen bist, beim Qudditch, ich hab dich doch aufgefangen und war bei dir im Hospital Wing. Da hattest du doch auch einen solchen Alptraum, nicht wahr?"

„Du warst die ganze Zeit bei mir?", fragte Harry, ohne weiter auf Dracos Worte einzugehen.

„Klar, ich war auch da, als du das erste Mal aufgewacht bist, aber Madame Pomfrey meinte, es sei besser, dir noch etwas Schlaf zu gönnen".

„Dann waren das deine Hände, die mich wieder ins Kissen gedrückt haben?"

Draco begann zu lächeln. Interessant, an welche Details Harry sich erinnern konnte, und an welche offensichtlich nicht. „Ja, das waren sie. Wessen sonst? Deine Freunde haben es ja nicht für nötig gehalten, dich zu besuchen", antwortete er.

Harry lächelte schwach. „Das war damals kein Alptraum. Die kommen nur beim Schlafen. Damals hatte ich eine Vision. Keine sehr schöne noch dazu".

„Magst du drüber sprechen? Es ist zwar mitten in der Nacht, aber ich hab ein offenes Ohr, wenn du eines brauchst", schlug Draco vor und strich Harry sanft eine verirrte Strähne aus der Stirn. Die Haut des Gryffindor war noch immer heiß und seine Wangen gerötet.

Grüne Augen musterten ihn unsicher. Harry schien innerlich mit sich zu ringen darüber zu sprechen. Dennoch war Draco sich sicher, dass es nichts mit mangelndem Vertrauen, sondern einer lange geübten Zurückhaltung zu tun hatte. Wann hatte der Gryffindor angefangen, alles allein machen zu wollen?

„Ich bin nicht sicher… mein Traum von eben… Voldemort… er hat dich gefoltert… und in deinen Augen… du hast mir die Schuld dafür gegeben… und es stimmt… wenn dir etwas zustößt… dann bin ich Schuld daran…", druckste Harry. Er hatte den Kopf zur Seite gedreht und seine Augen blickten in nicht existierende Ferne.

Draco griff nach den Händen des Gryffindor und hielt sie in seinen. Seine eigene helle Haut bildete einen harmonischen Kontrast zu dessen dunklerer. „Ich sage dir jetzt mal was: Alles was ich tue in meinem Leben, entscheide ich selbst. Und ich selbst trage die Verantwortung dafür. Nicht du und auch sonst niemand. Wenn ich mich also dazu entscheide dein… Freund… zu sein, dann sind die Konsequenzen allein meine Schuld und nicht deine".

Harry hob den Kopf und sah ihn zögerlich an. „In der Vision hatte der Lord einen Brief in der Hand, den er von deinem Vater hatte. Ich weiß nicht wer ihn geschickt hat, aber Voldemort sah zufrieden mit ihm aus", begann er.

Draco fühlte, wie sein Inneres zu Eis gefror. Diese verdammten Briefe – wie sehr er sie hasste! Wenn Harry jemals davon erfahren würde… Draco wollte über diese Option gar nicht erst nachdenken. Der Slytherin schluckte, um den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte, loszuwerden, während Harry weiter sprach.

„Auf dem Tisch vor Voldemort waren Runen, die ich nicht kannte. Sah nach einem Ritual aus und in der Mitte der Runen lag ein menschliches Herz. Es hat noch geschlagen. Dann hat Wormtail… ich weiß nicht, ob du ihn kennst… er war der Secret Keeper meiner Eltern… aber egal, er hat ein Kind rein gebracht. Ein kleines Mädchen, sie war kaum älter als sieben und ihr Brustkorb stand offen… das Herz hat gefehlt… anschließend bin ich aufgewacht", als er geendet hatte sah Draco deutlich tiefen Schmerz und Bedauern in seinen Augen.

„Das Ritual… ein menschliches Herz ist nicht nur ein Organ im Körper, sondern auch ein sehr mächtiger, magischer… Gegenstand… wenn man so will. Wenn ich richtig deute, was du gesehen hast, versucht Voldemort mit dem Ritual seine Macht noch weiter zu stärken. Seine Flüche würden dadurch ungeahnte und ungekannte Kraft erreichen, besonders die schwarzmagischen. Andererseits werden sie ihm auch umso mehr Kraft entziehen. Diese Wirkung hast du sicher schon selbst erlebt. Das könnte dein entscheidender Vorteil sein, wenn du es geschickt nutzt".

Harry nickte leicht, dann änderte sich sein Gesichtsausdruck. "Ich glaube, wir sind keine Freunde", sagte er und verwirrte Draco einmal mehr.

„Wie kommst du denn jetzt darauf?", fragte der Blonde und zog die Brauen zusammen.

Der Gryffindor schluckte. Die Röte auf seinen Wangen wurde tiefer, als er weiter sprach. „Naja, also… Du hast eben gesagt wir wären Freunde, aber… wie soll ich das bloß sagen… eigentlich sind wir doch viel mehr, als Freunde, oder?".

Eine Welle aus Zuneigung schien über Draco zusammen zu brechen. Er ließ Harrys Hände los und hob sie zum Gesicht des Schwarzhaarigen. Wie weiche Haut seiner Wangen fühlte sich unter seinen Händen mehr als gut an.

„Du hast Recht, wir sind viel mehr als Freunde und weißt du was? Es ist gut so", hauchte er, zog Harry sanft zu sich und legt seine Lippen auf die seines Gegenübers. Es war ein Versprechen echter Zuneigung und Draco erkannte, dass er die Wahrheit gesagt hatte, ohne es selbst so richtig zu wissen.

„Meinst du denn, das mit uns… meinst du das geht?", fragte der Gryffindor, nachdem Draco sich wieder von ihm gelöst hatte. Die Frage war vorprogrammiert gewesen. Was sonst sollte man sich fragen, wenn es darum ging, dass Harry Potter und Draco Malfoy jemals etwas anderes sein sollten als Rivalen? Eine Freundschaft und noch dazu eine Liebesbeziehung konnte sich wahrscheinlich nicht mal Merlin selbst vorstellen. Aber das hatte ja nichts zu bedeuten.

„Wahrscheinlich wird es für uns kein Happy End geben, falls du das meinst, aber dass es geht siehst du ja. Und warum sollten wir es nicht versuchen? Warum aufgeben, bevor wir begonnen haben? Klar, wenn Voldemort diesen Krieg gewinnt… werde ich dich verlieren… und solltest du gewinnen… werde ich mich an ein Leben auf wenigen Quadratmetern in Azkaban gewöhnen müssen, also nach einer heilen Familie sieht unser Leben nicht aus, aber vielleicht können wir die Zeit, die uns noch verbleibt nutzen und versuchen wenigstens so lange glücklich zu sein".

Harry nickte und gähnte kurz. „Vielleicht sollten wir jetzt schlafen. Ich glaube die Träume haben sich für heute Nacht verzogen", sagte er und versuchte zu lächeln. Draco schlang seine Arme um den Schwarzhaarigen und ließ sich mit ihm zurück in die Kissen sinken.

„Ich werde schon dafür sorgen, dass du keine Alpträume mehr hast", flüsterte er, als Harry sich an ihn kuschelte.

Nein, es würde kein Happy End geben, aber das interessierte Draco im Moment nicht. Alles was zählte war, zu leben und nicht an morgen zu denken.


Ron war mehr als wütend gewesen, als er nach der Strafarbeit bei Parker wieder den Common Room der Gryffindors betreten hatte. Der Brief an den Daily Prophet hatte ihm die Laune verhagelt und seine Erwartungen für den kommenden Morgen waren mehr als schlecht gewesen.

Nun saß er an seinem Haustisch und hatte die neuste Zeitungsausgabe in der Hand, die damit titelte, dass Harry Potter von seinen Freunden verraten worden sei und es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Zusammen mit der Eule, die den Daily Prophet gebracht hatte, war auch ein Brief seiner Mutter gekommen, in dem es um die Ausgabe vom Vortag ging. Molly Weasley war eindeutig nicht glücklich gewesen, über die Enthüllungen ihres Sohnes und dass die Zeitung jetzt zurückruderte würde sie sicher nicht milder stimmen.

Hermione setzte sich neben ihn und griff nach einem Toast. „Wahrscheinlich sind wir jetzt die meist gehassten Zauberer in ganz England. Aber wir haben es versucht. Du kannst ja nichts dafür, dass Parker auf Harrys Seite ist", sagte sie und schenke ihm ein Lächeln.

„Du kannst mir ruhig sagen, dass du auch an Harrys Unschuld glaubst. Du hast mir doch bloß geholfen, damit ich zufrieden bin!", gab Ron wütend zurück und biss in ein Würstchen.

„Ronald, ich bitte dich! Jetzt hör auf ungerecht zu werden! Was passiert ist, war dumm, aber das heißt nicht, dass ich dich nicht unterstütze oder an dich glaube. Trotzdem finde ich hat Parker nicht ganz Unrecht, mit dem was er sagt", gab sie zurück. Wut stand in ihren braunen Augen.

Hermione war vor Ron dran gewesen mit Strafarbeit und hatte von Parker die gleiche Standpauke gehalten bekommen, wie der Rotschopf. Doch im Gegensatz zu ihm, glaubte sie Parker und begann ehrlich an ihrer Tat zu zweifeln, wie sie Ron gestanden hatte.

„Lass es gut sein, Hermione! Ich hab keinen Bock auf deine ‚es-wäre-nur-logisch'-Theorien", Ron stand von seinem Platz auf und ließ seine beste Freundin allein zurück. Er konnte ihr Gesicht im Moment nicht ertragen.

Seit langem schon war dem Rotschopf klar, dass er für Hermione mehr empfand, als bloß Freundschaft, aber er wusste noch nicht, wie er ihr das sagen sollte und dass ausgerechnet sie jetzt an seinen Worten zweifelte war sehr schmerzhaft. Jeder andere hätte ihn einen Lügner schimpfen können, und es hätte ihn nicht im Geringsten interessiert, nur bei ihr war alles anders.

Viel früher, als normal stand Ron in den Dungeons vor dem Klassenraum für Potions, dessen Tür bereits offen stand. Er warf einen kurzen Blick hinein und sah Snape, der bereits hinter seinem Schreibtisch saß und genau in diesem Moment aufblickte. Ron versuchte seinem Blick stand zu halten, während sich die schwarzen Augen in seine bohrten, ähnlich wie die Parkers am Abend zuvor.

„Weasley, kommen Sie rein", schnarrte Snape und machte eine winkende Handbewegung. Der Rotschopf schluckte und straffte seine Schultern, um aufrecht und standhaft zu wirken, egal was jetzt kommen würde.

Vor dem großen, schwarzen Schreibtisch blieb er stehen und blickte zu Snape, der noch immer vor ihm saß und erst jetzt wieder von seinen Pergamenten aufsah.

„Ich will mit Ihnen über diesen Artikel sprechen und Sie warnen. Das war verdammt dumm von Ihnen so etwas zu tun. Denken Sie, nur die normale Zaubererbevölkerung liest den Daily Prophet? Wenn ja, dann täuschen Sie sich. Der Lord verfolgt ebenso jeden Artikel, den dieses Schmierblatt veröffentlicht! Und wenn er es nicht schon wusste, dann ist ihm spätestens jetzt bewusst, dass Potter ohne Unterstützung dasteht. Und was noch viel schlimmer ist, er wird damit rechnen, dass die Zaubererwelt sich auf einen Kampf ohne Harry Potter vorbereitet und entsprechende Maßnahmen treffen, um dies zu untergraben. Wenn Sie in Slytherin wären, sage ich Ihnen, würden sie schneller nach Hause fahren, als Sie ‚Merlin' sagen können und jetzt verschwinden Sie zu ihrem Platz!".

Schwarze Augen funkelten Ron gefährlich an, der sich nun umdreht und zu seinem Platz ging. Hatte er wirklich so großen Schaden angerichtet? Konnte der dunkle Lord wirklich einen Vorteil aus dem ziehen, was in der Zeitung gestanden hatte? Darüber hatte Ron nie nachgedacht, er hatte nur helfen wollen. Seufzend nahm er sein Buch aus der Tasche und ließ es auf den Tisch fallen. Er hatte immer geglaubt nach der fünften Klasse nie mehr Potions zu haben, aber die Grenze war abgeschafft worden, damit die Vorbereitungen auf den Krieg besser laufen würden und so hatten sie noch immer alle ihre ursprünglichen Fächer.

Der Rotschopf richtete seinen Blick wieder zum Schreibtisch und fing einen weiteren Blick von Snape ein, der so kalt war, dass Ron glaubte körperlich zu frieren.

Vielleicht hatte er wirklich einen Fehler gemacht, der nicht wieder gut zu machen war.


Es war gegen Mittag. Harry und Draco hatte gerade zu Ende gegessen und die Teller waren verschwunden, als ein Knistern im Kamin ankündigte, dass ein Besucher kommen würde.

Harry erinnerte sich daran, dass Professor Parker alle paar Tage nach ihm und Draco sehen sollte, um sicher zu gehen, dass die beiden mit dem Unterrichtsstoff würden klar ging zum Bücherregal und nahm sich etwas heraus, ohne weiter auf das Knistern einzugehen, während der Gryffindor seine Augen nicht von den sich grün färbenden Flammen nehmen konnte.

Kurz darauf stand Professor Parker im Raum und klopfte sich ein wenig Asche vom schwarzen Umhang. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen blickte er erst zu Draco, der ohne von seinem Buch aufzublicken leise ‚Guten Tag' murmelte, und dann zu Harry, der aufstand und seinem Lehrer für Defence gainst the dark arts die Hand reichte.

„Mr. Malfoy, Mr. Potter, wie ich sehe sind Sie beide wohlauf und haben einander noch nicht verhext", bemerkte der Professor amüsiert. Draco blickte noch immer nicht von seinem Buch auf, auch wenn Harry sich nicht vorstellen konnte, dass es so schrecklich spannend sein sollte.

„Es geht uns gut, Professor. Danke, dass Sie gekommen sind", antwortete Harry höflich.

„Immer doch, Potter. Könnte ich Sie kurz unter vier Augen sprechen?", fragte Parker. Der Schwarzhaarige tauschte einen kurzen Blick mit Draco aus, der nun zum ersten Mal von seinem Buch aufblickte. Etwas Warnendes lag in seinem Blick, dass Harry nicht deuten konnte.

„Wie Sie wollen. Bitte folgen Sie mir", sagte er und führte den Professor aus dem Schlafzimmer in die Küche.

Parker ließ sich auf seinen Stuhl in der Küche sinken und blickte Harry offen an.

„Also, Harry. Wie geht es Ihnen?", fragte er.

Der Angesprochenen runzelte kurz die Stirn. „Es geht mir gut, wie ich eben sagte", antwortete er und setzte sich nun seinerseits.

„Schön. Wie kommen Sie mit den Büchern zurecht, die ich Ihnen empfohlen habe?"

„Gut soweit. Draco hat zugesagt mir beim Duellieren zu helfen".

Das Gesicht seines Gegenübers wurde schlagartig dunkel und die eben noch ruhigen schwarzen Augen schienen sich nun in Harrys zu bohren und in seine Seele zu blicken. ‚Legilimency', schoss es dem Gryffindor durch den Kopf und er versuchte die wenigen Kenntnisse in Occlumency, die Snape ihm hatte vermitteln können, anzuwenden.

„Draco?", fragte Parker gefährlich leise.

Harry schluckte. Er hatte sich verplappert und jetzt wurde ihm auch klar, warum der Blonde ihm vorhin diesen Blick zugeworfen hatte. Es war schwer ein Geheimnis vor Professor Parker zu haben.

„Ähm… ja… wir verstehen uns besser als erwartet", versuchte er die Situation zu retten. Parker lehnte sich derweil in seinem Stuhl zurück. Der stechende Ausdruck in seinen Augen war verschwunden.

„Ja, ich habe gesehen, wie gut Sie sich verstehen. Ehrlich Harry, es ist mir egal, mit wem Sie was machen und von mir muss auch niemand etwas erfahren, aber ich möchte, dass sie vorsichtig sind. Draco Malfoy ist und bleibt der Sohn eines Death Eaters und das macht ihn gefährlich".

„Er ist nicht gefährlicher, als Freunde die mich verraten. Ich vertraue ihm!", antwortete der Schwarzhaarige aufgebracht.

Parker hob beide Hände, um ihn zu beruhigen. „Ganz wie Sie meinen, Harry. Ich will nur, dass man Ihnen nicht noch mehr Schmerz zufügt. Übrigens, Sie sollten sich Nachhilfe in Occlumency bei ihrem Freund holen, der kann seine Gedanken ziemlich gut verbergen im Gegensatz zu Ihnen", ein amüsiertes Lächeln umspielte Parkers dünne Lippen, als er sich vom Stuhl erhob und wieder Richtung Schlafzimmer ging.

Vor dem Kamin blieb er stehen und blickt noch einmal zu beiden.

Dracos Augen waren noch immer auf das Buch in seinen Händen fixiert.

„Gut, wenn Sie mich nicht weiter brauchen, werde ich dann gehen. Ich wünsche Ihnen beiden noch einen schönen Tag", sagte er und verschwand in einer Wand aus grünen Flammen.

Seufzend legte Draco das Buch neben sich und blickte zu Harry. „Was wollte er?"

Der Angesprochene zuckte mit den Schultern. „Er wollte wissen, wie ich mit seinen Büchern zurecht komme", antwortete er, lügen konnte er ohnehin nicht und eigentlich hatte er auch keinen Grund dazu. „Aber ich schätze Parker weiß jetzt… von uns beiden…", fügte er hinzu und richtete seinen Blick schuldbewusst auf den Boden.

Draco zog erstaunt die Brauen zusammen und stand aus seinem Schreibtischstuhl auf. „Woher?", fragte er und legte den Kopf leicht schief. Seine Mine war ernst.

„Ich hab ‚Draco' gesagt, statt ‚Malfoy' und er hat es in meinen Gedanke gelesen. Ich bin ziemlich mies in Occlumency, leider", gab er zu, seine Wangen glühten vor Scham und Schuld.

Der Blonde seufzte hörbar. „Super. Parker kann mich ohnehin nicht leiden, jetzt hat er einen Grund mehr mich zu hassen. Ich habe meine Hände an den wertvollen Harry Potter gelegt", bemerkte er und ließ sich wieder auf den Stuhl fallen.

„Bitte?", fragte Harry irritiert.

„Er kann mich nicht leiden, seit dem Tag, an dem ich den Patronuszauber durchgeführt habe. Aber egal, jetzt weiß eh bald die halbe Schule was wirklich los ist", ein letzter Blick seitens des Blonden, dann stand er wieder auf, ging ohne ein Wort aus dem Raum und warf die Tür hinter sich zu.

Der Gryffindor folgte ihm sofort schnellen Schrittes. Er wollte diesen Streit aus der Welt schaffen, statt ihn tot zu schweigen. Außerdem ängstigte ihn der Gedanke, Draco vielleicht auch zu verlieren, so wie er Ron und Hermione verloren hatte. Doch kaum dass er die Wohnzimmertür erreicht hatte, hinter sich der Slytherin befand, spürte er wie eine magische Barriere errichtet wurde. Wütend folgte er dem ersten Impuls, und hob sie Hand, um zu klopfen. Wenige Inches vor dem Holz hielt er jedoch inne.

Vielleicht brauchte der Blonde einfach nur ein wenig Zeit.


Lautlos öffnete sich die Tür zu Albus Dumbledores Büro.

Der alte Zauberer saß hinter seinem Schreibtisch und blickte über seine Halbmondbrille zu den beiden Besuchern, die gerade eintraten. Minerva McGonagall und Severus Snape sahen beide ernst und besorgt aus.

Dumbledore erhob sich aus seinem Stuhl und ging auf die beiden zu. „Schön Sie zu sehen, Minerva, Severus. Wir warten noch auf Merik, dann können wir beginnen", sagte er in freundlichem Ton und schüttelte beiden Professoren die Hand.

„Albus, worum geht es? Ihre Nachricht war sehr vage", fragte Minerva, ihre grünen Augen waren fragend auf den Schulleiter gerichtet.

„Ah, ich dachte mir, dass Sie gleich auf das Thema würden zu sprechen kommen wollen, aber ich möchte, wie gesagt, Meriks Eintreffen abwarten. Möchte jemand Tee?"

Beide schüttelten nur den Kopf.

Nun trat Severus vor, er hatte die Brauen zusammen gezogen. „Warum warten wir auf ihn? Was befugt ihn heute Abend hier zu sein? Er ist kaum länger als ein paar Wochen an der Schule und sie ziehen ihn derart ins Vertrauen?", fragte er.

Dumbledore lachte kurz auf, als er sich eine Tasse mit Tee füllte und einen Schluck nahm. „Ja, ich ziehe ihn ins Vertrauen. Er ist eine wichtige Schlüsselfigur bei dem, was ich vorhabe. Harry vertraut ihm. Also sollten wir es auch tun", sagte er gelassen.

„Potter vertraut ihm?", rief Snape aus. „Potter ist ein Kind! Er würde fast jedem vertrauen, der nett aussieht. Ich muss Sie ja hoffentlich nicht daran erinnern aus welcher Familie Merik Parker stammt, oder?"

Der alte Schulleiter schüttelte nur den Kopf. „Nein Severus, das müssen Sie nicht. Aber ich denke, dass ich sie auch nicht daran erinnern muss, dass Menschen sich ändern können, oder?"

Der Potionsmaster sagte nichts mehr, sondern trat zurück neben Minerva.

Im gleichen Moment öffnete sich die Tür und eine jüngere Ausgabe von Severus trat ein. „Guten Abend. Sie wollten etwas besprechen, Sir?", fragte er und stellte sich neben Minerva.

Dumbledore ging auf seinen Schreibtisch zu und nahm einen kleinen goldenen Schlüssel vom Schreibtisch, bevor er zu seinen drei Professoren ging.

„Das hier", er hielt den Schlüssel vor den dreien in die Höhe. „Ist ein Portkey. Im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man so will. Ein kleiner Witz meinerseits. Aber kommen wir zurück zum Wichtigen. Dieser Portkey führt nach Irland. Direkt an die Küste, oder besser gesagt in eine Höhle unterhalb der Küste. Darüber liegt eine alte Burg, sie wird Schutz bieten. Ich gehe davon aus, dass Voldemort nicht mehr lange warten wird, bis er uns angreift, oder Severus?".

Slytherins Head of House nickte. „In der Tat. Ich kann zwar nicht genau sagen, wann er zuschlagen wird, aber es soll noch vor den Iden des März passieren, also zu Begin des nächsten Jahres", sagte er.

„Ah, die Iden des März. Jeder große Machthaber fürchtet sie, nicht wahr?", fragte Dumbledore, ein verschwörerisches Lächeln umspielte seine Lippen. „Wie dem auch sei. Der Portkey wird im Schloss versteckt und nur einigen wenigen Schülern erzählt wo er ist. Das Schloss in Ulster ist mit allen Mitteln geschützt und ein Illusionszauber liegt darüber. Uralte Magie schützt das Gebäude. Dort wären die Schüler eine Zeit lang sicher, solle Hogwarts angegriffen werden".

Minerva tat mit besorgtem Blick vor. „Albus, muss ich Sie daran erinnern, dass nichts auf der Welt so gut geschützt ist, wie Hogwarts? Wenn die Schule fällt, wie soll dann ein anderes Schloss Voldemort aufhalten?", fragte sie. Ihre grünen Augen waren dunkel geworden vor Sorge.

„Ich dachte mir bereits, dass Sie das fragen würden, Minerva. Aber zum einen müsste Voldemort das Schloss erst finden, das kostet Zeit und zu Letzt und das ist wichtig, werden jene, die Hogwarts verraten nicht mit nach Ulster gehen", antwortete der Schulleiter und lächelte traurig.

„Verräter?", fragte Minerva.

Dumbledore nickte leicht und wand sich von seinen drei Besuchern ab, um aus dem Fenster in die Ferne zu sehen. Die Nachmittagssonne schien kalt über das Land. „Ja, in unseren Mauern befinden sich Verräter. Jene, die Voldemort den Weg in unsere Hallen ebnen werden", sagte er traurig.

„Aber warum eliminieren wir sie dann nicht sofort und bannen die Gefahr?", rief Merik, seine Stimme schien sich fast zu überschlagen.

Dumbledore drehte sich um, und hob beschwichtigend die Hände. „Manchmal, mein junger Freund, müssen wir den Dingen ihren Lauf lassen. Ein großer Verlust kann in einen noch größeren Sieg münden, wenn wir die Dinge geschehen lassen, wie sie kommen", sagte er.

Merik Parker schloss seinen Mund und blickte zur Seite.

Dumbledore trat vom Fenster zurück. „Ich will, dass Sie dafür sorgen, dass die Schüler zum Portkey kommen. Heute Abend kann ich Ihnen noch nicht sagen, wo er sich befinden wird, aber sobald ich es weiß, teile ich es Ihnen mit. Beschützen Sie die Schüler und bringen sie alle zum Portkey", schloss er und blickte jeden der drei einen Moment lang an.

„Ich hoffe, Sie wissen, was Sie tun, Albus!", sagte Minerva, ihre Lippen waren aufeinander gepresst.

„Ich weiß was ich tue. Sie können jetzt gehen. Nur mit Ihnen, Merik, würde ich gern noch unter vier Augen sprechen".

Severus und Minerva warfen einander einen kurzen Blick zu, dann verließen sie schweigend den Raum.

Merik machte ein paar Schritte auf Albus zu. „Was gibt es, Professor?", fragte er, seine Stimme klang skeptisch.

„Sagen Sie Merik, wie geht es Harry und Draco? Haben Sie einander noch nicht verhext?", erwiderte der alte Zauberer die Frage.

Der Lehrer für Defence against the dark arts räusperte sich hörbar. „Nun, die beiden kommen mit einander aus, würde ich sagen", antwortete er.

Dumbledore lächelte zufrieden. Wahrscheinlich waren die Worte des Lehrers untertrieben, aber er schien Harrys Vertrauen zu verdienen, wenn er schweigen konnte. Das stimmte den Schulleiter sehr zuversichtlich.

Er reichte Merik den Schlüssel und schloss für einen Moment die Augen, bevor er weiter sprach. „Ich möchte, dass sie den Portkey verstecken und dann mir und Mr. Potter davon berichten, wo er sich befindet. Sagen Sie ihm auch, was ich Ihnen heute Abend erzählt habe und stellen Sie sicher, dass Mr. Malfoy dabei ist. Es ist wichtig, dass er davon weiß".

Der junge Lehrer zog einmal mehr die Brauen zusammen. „Aber Professor, Malfoy ist der Sohn eines Death Eaters, was er weiß, wird der Lord auch bald wissen!", warf er ein.

Dumbledore lächelte nachsichtig. „Merik, Sie sollten lernen, über den Tellerrand zu blicken. Die Dinge sind nicht immer, wie sie scheinen. Ich weiß, dass Sie und Mr. Malfoy einander nicht sonderlich mögen, aber das hat nichts damit zu tun, wem er treu ist. Ohne, dass Mr. Malfoy von dem Portkey weiß, könnte der Krieg verloren werden. Er ist mehr als wichtig und das auch nicht nur für mich, wie ihnen wohl bewusst ist".

„Malfoy ist genau wie Lucius – arrogant und überheblich! Er wird den gleichen Weg gehen, den auch sein Vater gegangen ist! Ich halte ihn für gefährlich!"

„Es ist nicht Ihre Aufgabe, das zu entscheiden! Tun Sie, was ich Ihnen aufgetragen habe und hören Sie auf zu denken, Parker!".

Angesichts einer Wut, die Dumbledore nur selten zeigte, nickte der Schwarzhaarige nur und machte dann auf dem Absatz kehrt.

Der alte Schulleiter drehte sich wieder zum Fenster um und blickte hinaus.

Oh ja, Draco Malfoy war wichtig in diesem Spiel. Wenn Harry der König auf seinem Schachbrett war, dann war der blonde Slytherin die Königin. Die beiden wichtigsten Spielfiguren waren bereit für die entscheidenden Züge.


Gegen Abend ließ Draco die magische Barriere fallen, die Harry aus dem Wohnzimmer ausgeschlossen hatte und ging Richtung Schlafzimmer, wo er den Gryffindor auf dem Bett sitzend vorfand. Auf dem Schoss hatte er ein altes, in Leder gebundenes Buch. Eines von denen, die er dem Slytherin gezeigt hatte.

„Hi", murmelte Draco, als er sich zu Harry aufs Bett sinken ließ.

Dieser blickte lächelnd zu ihm auf. Wenn der Blonde es nicht besser gewusst hätte, so wäre er nun dem Glauben verfallen, ihre Auseinandersetzung vom Mittag habe es nicht gegeben.

„Ich, wollte mich entschuldigen, wegen heute Mittag. Die letzten zwei Stunden habe ich damit verbracht, mir zu überlegen, wie ich mich entschuldigen könnte, aber so richtig ist mir nichts eingefallen. Ich hab wenig Übung darin, schätze ich".

„Schon gut. Ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert", antwortete Harry, in seinen Augen konnte Draco Verständnis und Zuneigung lesen.

„Ich hatte heute Mittag einfach Angst, dass jemand außerhalb dieses Raumes davon erfahren könnte. Dass Parker es weiter sagt. Und mein Vater dann davon erfährt. Das wäre nicht nur mein Ende… sondern auch deines… Der Lord würde mich als Waffe gegen dich verwenden. Das hat mir Angst gemacht", gab er zu.

Harry ließ das Buch in seinen Händen sinken und legte es auf seinen Nachttisch. Als er wieder zu Draco blickte waren seine grünen Augen gefüllt mit Wärme. Er legte beide Hände auf die Schultern des Slytherin. Das Lächeln auf seinem Gesicht ließ diesen beinahe dahin schmelzen.

„Ich weiß, es ist etwas anderes, sich so was abends zu sagen, wenn man so tun kann, als würde der Andere schlafen, aber das ändert nichts daran, dass es wahr ist. Ich liebe dich und bei mir brauchst du dich nicht zu rechtfertigen. Für nichts", sagte er liebevoll.

„Ich liebe dich auch", hauchte Draco und im nächsten Moment spürte er weiche Lippen auf seinen und eine sanfte Zunge, die darüber strich.

Obwohl ihre Küsse schon fast zur Routine geworden waren, spürte der Slytherin noch immer das Feuer in seinen Adern und das Prickeln auf seinen Lippen, wenn er Harry so nah war. Niemals hätte er glaubt, dass es einmal eine Zeit geben würde, in der sie beide vereint sein könnten, auch wenn es nur eine geliehene, befristete war. Es machte ihn glücklich zumindest jetzt so tun zu können, als würde das hier für immer dauern und ein gutes Ende haben.

Er selbst war es, der seine Lippen von Harrys löste und ihn stattdessen in die Kissen drücke, um die weiche Haut an seinem Hals zu liebkosen. Dem Schwarzhaarigen entkam ein zufriedenes Seufzen. Dracos Hände glitten wie von selbst unter das Shirt des Gryffindors. Berührten die warme Haut, die unter seinen Fingern immer heißer zu werden schien. Ein Ziehen in seiner Leistengegend machte Draco wieder einmal klar, wie sehr er den jungen Mann unter sich begehrte. Er löste seine Lippen von dessen Haut und zog ihm das Shirt über den Kopf, dem sein eigenes sofort folgte.

Harry zog ihn zu sich, presste seine warme Haut gegen Dracos und ließ diesen somit glücklich seufzen. Er liebte das Gefühl von Harrys Haut auf seiner. Die wohlige Wärme, die von ihr ausging und sich nach und nach zu Hitze steigerte. Sie war weich und seidig, fühlte sich richtig an, so, als sollte es niemals anders sein.

Seine Lippen wanderten über die Brust des Schwarzhaarigen, hauchten Küsse auf jeden Zentimeter Haut, den sie finden konnten. Seine Zunge umkreiste frech Harrys Brustwarzen, bevor er sanft seine Zähne darin versenkte.

Der Gryffindor unter ihm stöhnte kurz auf und warf den Kopf von einer Seite auf die andere. Seine Augen waren geschlossen, während seine Wangen ein leichtes Rot angenommen hatten.

Während seine Zunge weiter Harrys Brustwarzen liebkoste, begann er dessen Gürtel zu öffnen, gefolgt von der Schwarzhaarige bewegte ein paar Mal sein Becken, als wollte er den störenden Stoff abschütteln, bevor Draco ihn sanft dazu brachte still zu halten.

Er hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen und flüsterte leise: „Geduld haben, Harry. Alles zu seiner Zeit". Der Angesprochene öffnete die Augen und nickte kurz.

Zufrieden mit dem Resultat küsste der Blonde ihn noch einmal in die Halsbeuge, bevor er sich mit seiner Zunge dem freigelegten Bauchnabel widmete, während er mit der rechten Hand über die Beule in Harrys Hose strich.

Seine eigene war unangenehm eng geworden und er wollte eigentlich nichts sehnlicher, als den Stoff endlich los zu werden, aber er hatte sich vorgenommen, dies zu seiner Entschuldigung zu machen und darum war es seine oberste Aufgabe Harry zu verwöhnen. Folglich blieb auch die störende Hose erst einmal, wo sie war. Stattdessen entledigte er den jungen Mann unter sich seiner.

Sanft liebkosten seine Hände Harrys Männlichkeit, streichelten über die weiche, empfindsame Haut und entlocken ihm wohlige Seufzer. Hin und wieder bäumte der Schwarzhaarige sich auf oder versuchte in Dracos Hände zu stoßen. Seine schönen grünen Augen waren von einem glitzernden Fieber erfüllt, während seine Wangen nun rot glühten.

Kurz darauf spürte er Hände, die versuchten seinen Gürtel öffnen, aber zu fahrig waren, um präzise Bewegungen auszuführen. Draco lächelte, ließ Harrys Glied los und hauchte ihm einen weiteren Kuss auf die Lippen, den dieser hungrig erwiderte.

„Ssshhh, Harry. Nicht so voreilig", säuselte er, nachdem sich ihre Lippen von einander gelöst hatten.

„Bitte", flüsterte dieser zurück. Seine Hände wanderten über Dracos nackten Rücken, zu seinen Haaren und vergruben sich liebevoll darin.

„Bitte, was?", fragte er sanft, während er den Gryffindor auf die Stirn küsste.

„Nimm mich…", hauchte er zurück, seine Stimme war rau vor Lust und seine Hände begannen wieder an Dracos Gürtel zu ziehen. Dieser wurde schlagartig ernst.

„Harry, hast du dir das gut überlegt? Es könnte wehtun und ich möchte dich nicht verletzen", sagte er. Der Schwarzhaarige nickte leidenschaftlich. „Ja, habe ich. Bitte. Ich… wir gehören zusammen"

Mehr brauchte er nicht sagen, um Dracos innere Barrieren zum Schmelzen zu bringen. Er griff zu seinem Nachttisch und zog Massageöl heraus. Als er es mitgebracht hatte, war ihm nicht klar gewesen, dass er es nutzen würde. Es war nur ein vages Gefühl gewesen, dass er es brauchen könnte, auch wenn er nicht gewusst hatte, wozu.

Wieder begann Harry an seinem Gürtel zu ziehen und diesmal half er ihm den störenden Stoff zu entfernen. Der Gedanke an das, was jetzt kommen würde, ließ seine Erektion noch heftiger pochen, als sie es ohnehin schon tat.

Wie lange hatte er sich danach gesehnt genau das mit dem Gryffindor zu tun? Immer war ihm klar gewesen, dass es niemals wahr würde. Doch jetzt schienen seine kühnsten Träume wahr zu werden.

„Entspann dich, Harry. Ich werde versuchen dir nicht weh zu tun. Wenn es doch passieren sollte, oder du es dir anders überlegst, dann sag es mir, ja?"

Der Gryffindor nickte, seine Augen waren noch immer verschleiert vom Fieber.

Draco verteilte Massageöl auf seinen Fingern, während Harry seine Hüfte anhob. Der Anblick jagte Wellen aus Lust durch seinen Köper.

„Entspann dich", flüsterte der Blonde, als er den ersten Finger vorsichtig in den Gryffindor gleiten ließ, der sich sofort unter der Berührung aufbäumte und laut stöhnte.

Innerlich atmete Draco auf. Er hatte Harry nicht verletzt. Vorsichtig, langsam und unendlich sanft begann er den Finger in ihm zu bewegen, während seine Erektion langsam schmerzhaft zu werden begann. Er begehrte den Schwarzhaarigen mit jeder Faser seines Körpers.

Harry schien jede Bewegung zu genießen, er drängte sich ihm sogar eher entgegen. Draco nahm seinen zweiten Finger hinzu und spürte wie der Körper unter ihm sich kurz anspannte. Aber nur für einen Moment, bevor der Gryffindor sich wieder lustvoll zu bewegen begann.

Er wiederholte die dehnenden Bewegungen von zuvor und nahm dann sogar einen dritten Finger hinzu. Unter allen Umständen wollte er verhindern, dass er Harry wehtun würde. Erst als dieser ich ihm erneut entgegen dränge und mit rauer Stimme ‚Draco, bitte', hauchte, zog er die Finger zurück.

Er küsste den Gryffindor ein letztes Mal zärtlich auf die Lippen, bevor er in ihn eindrang. Für einen Moment fürchtete er Harry doch zu verletzten, bis dieser sich unter ihm erneut aufbäumte und sein Becken näher zu ihm schob.

Es fühlte sich wie magisch an. Der Schwarzhaarige war eng und heißt. Draco spürte, wie seine eigene Atmung immer schneller wurde und Wellen aus Lust und Begierde über ihn hinweg zu rollen begannen.

Der junge Mann unter ihm hatte die Augen geschlossen und stöhnte unter jedem sanften, langsamen Stoß lustvoll auf. Der Slytherin musste sich zügeln, um nicht sofort schnell und hart zu zustoßen. Stattdessen versuchte er seine Bewegungen rhythmisch zu beschleunigen, ohne etwas zu überstürzen.

Harry schob sie ihm weiter entgegen und stöhnte. „Halt… halt dich nicht zurück… bitte… ich… will dich spüren".

Dracos Herz machte einen Hüpfer, als er die gehauchten Worte hörte und ließ sich daraufhin fallen.

Die nächsten Minuten spürte er nichts anderes als heiße Enge, süße Qual, weiche Haut und Schweiß. Die Welt wurde fort gewaschen in einem Strudel aus Emotionen und Gefühlen, die er nie geglaubt hatte erleben zu dürfen. Er war sich sicher, noch nie im Leben etwas so wundervolles gespürt zu haben, wie die Vereinigung mit Harry. In diesem Moment gab es keinen Voldemort und keine Schicksale, die sie erfüllen mussten. Es gab nur sie beide in diesem weichen Bett und einen uralten Rhythmus, der Dracos Verstand hinwegspülte.

Die süße Qual in seinem Inneren schwoll immer weiter an, während Harrys lautes Stöhnen in seinen Ohren wie Musik klang.

Der Schwarzhaarige bäumte sich unter ihm auf, bog den Rücken durch und ergoss sich mit einem Stöhnen. Der Anblick löste etwas in Draco aus, dem er nicht länger standhalten konnte und er spürte, wie der Höhepunkt über ihn hinwegrollte. Sterne tanzen vor seinen Augen, in dem Moment, als er in Harry kam und sich selbst mit einem lauten Stöhnen aufbäumte.

Erschöpft ließ er sich nach vorn sinken. Sein Kopf lag nun auf Harrys Schuler, der seine Arme sofort um den Blonden schlag und ihn an sich drückte.

Seine Haut war heiß und von einer dünnen Schweißschicht überzogen. Dennoch empfand Draco ihn in diesem Moment als wunderschön.

„Ich liebe dich", hauchte der Gryffindor, als er seine Wange an Dracos blondes Haar drückte.

„Ich liebe dich auch, Harry", antwortete er.

In diesem Moment war es ihm egal, ob er in zwei Monaten ein Death Eater sein würde, alles was zählte war, dass er den Gryffindor von ganzem Herzen liebte und innerlich bereits wusste, dass er alles tun würde, um dessen Leben zu schützen.

Er wollte sein Leben mit Harry verbringen und dafür würde er kämpfen – bis zum letzten Atemzug.


Die Sonne kitzelte Harry sanft im Gesicht, als er die Augen aufschlug.

Er blinzelte kurz, denn ohne Brille war die Welt nach vor wie ein verschwommener Schleier. Im Rücken spürte er eine angenehme Wärme und Dracos Atmen streifte sanft sein Ohr. Er kurzes Gähnen entkam ihm, gefolgte von einem leisen Kichern, sodass Harry erst nach einer Brille fischte und sich dann umdrehte.

Er blickte in ein paar schöner silberner Augen und ein lächelndes Gesicht. „Guten Morgen", hauchte der Slytherin und küsste Harry zärtlich. Die Schmetterlinge in seinem Bauch zeigten wieder volle Präsenz, als er die weichen Lippen spürte.

„Gut geschlafen?", fragte der Blonde.

„Ziemlich gut, ja und du?", gab Harry zurück, ein Grinsen schlich sich auf seine Züge. Die Erinnerung an den letzten Abend war noch immer recht lebhaft. Wie hätte er auch vergessen sollen, wie gut sich Draco anfühlte?

„Ebenfalls", antwortete dieser amüsiert und strich dem Schwarzhaarigen eine Strähne aus der Stirn. „Was würdest du von einer Dusche halten?", fragte er weiter.

Sie hatten schon einmal zusammen geduscht, oder besser gebadet, eine Dusche gab es ja nicht, aber dennoch wurde Harry leicht rot, als er nickend zustimmte. Draco lächelte zärtlich und verließ das Bett.

Der Schwarzhaarige hatte ganz vergessen, dass sie beide noch immer nackt waren, wurde aber, dank Draco, nun daran erinnert.

Der Blonde warf ihm ein letztes Lächeln zu, als er aus dem Schlafzimmer verschwand.

Harry wickelte sich in eines der Laken, bevor er dem Slytherin folgte.

Als er das Bad betrat saß Draco auf dem Wannenrand und heißes Wasser und Schaum liefen aus den vielen Hähnen. Es erinnerte Harry einmal mehr an das Bad der Prefects, in dem er vor zwei Jahren das Eierrätsel gelöst hatte.

„Harry? Alles klar? Du bist ganz abwesend?", fragte Draco, seine Stimme hatten einen besorgten Ton angenommen.

Der Angesprochene schüttelte den Kopf. „Alles klar. Ich hab nur grade an das Bad der Prefects denken müssen", antwortete er.

„Du warst im Bad der Prefects? Wie das denn? Ich dachte Weasle und Granger hätte das übernommen", der Blonde schien erstaunt, während er sich ins nun volle Becken gleiten ließ.

„Ähm ja… Cedric hat mir das Passwort gegeben… im vierten Jahr… wegen der zweiten Aufgabe. Man musste das Ei unter Wasser halten", erklärte er.

„Verstehe. Sag mal, bist du schüchtern oder warum hast du dich in ein Laken gewickelt und kommst jetzt nicht ins Wasser?"

Harry spürte, wie er rot um die Nase wurde. „Nein, ich… ach egal", er zog sich das Laken vom Körper und ließ sich zu Draco in die Wanne sinken.

Das heiße Wasser fühlte sich gut an. Es wusch den noch immer verbleibenden Schweiß der letzten Nacht weg. Gleichzeitig konnte er seine Augen wieder nicht von dem blonden Slytherin vor sich, abwenden. Er hatte die Arme auf den Beckenrand gelegte und lächelte sein Gegenüber freundlich an.

„Und, was meinst du, wird Granger nächstes Jahr Head Girl?", fragte er grinsend.

Harry war überrascht von dieser Frage. Seit wann unterhielten sie sich über solche Banalitäten, anstatt über den Krieg und all diese ernsten Dinge? Aber vielleicht war es auch ganz gut zur Abwechslung mal über leichte Kost zu sprechen.

„Keine Ahnung. Mich würde ja mehr interessieren, ob du Head Boy wirst", gab er zurück. Das Grinsen auf Dracos Gesicht verschwand.

„Nein, wohl kaum. Dazu müsste ein Wunder geschehen", antwortete er. Die leichte, friedliche Stimmung von eben war verschwunden und Harry fühlte sich schuldig.

„Entschuldige. Ich wollte nicht-"

„Schon gut. Du kannst es nicht wissen. Ich verspreche dir, du wirst alles erfahren. Ich muss nur erst noch die richtigen Worte finden", unterbrach Draco ihn. Seine Augen waren ernst und zugleich lag ein Versprechen in ihnen.

„Lass dir Zeit", antwortete Harry und versuchte aufmunternd zu lächeln. Die Stimmung schien sich wieder zu entspannen, als der Blonde das Lächeln erwiderte und nickte.

„Und was dachtest du, wie wir den Tag verbringen?", fragte er.

Der Schwarzhaarige zuckte mit den Schultern. „Vielleicht sollte ich ein wenig üben… Voldemort wartet sicher nicht, bis ich gut genug bin, um ihn zu schlagen, dafür muss ich schon selbst sorgen".

„Gut, dann helfe ich dir dabei, wenn wir hier raus sind", sagte Draco.

Harry spürte, wie Dankbarkeit in ihm aufstieg und nickte. Er hatte die ganze Zeit über geglaubt, er müsste diesen Kampf allein ausfechten, aber vielleicht gab es doch jemanden, dem er vertrauen konnte und der ihm beistehen würde.


Hermione saß allein im Schlafraum der Mädchen und blickte aus dem Fenster, das ihrem Bett gegenüber lag.

Seit fünf Tagen war Harry nun in diesem Raum und sie hatte das Gefühl, als sei es Jahre her, seit sie ihn zuletzt gesehen hatte. Alles schien sich geändert zu haben im Laufe der Woche. Ron war immer zu wütend auf alles und jeden, während Ginny und Neville sich kaum trauten ein Wort zu sagen. Wann immer Hermione in der Großen Halle zum Essen auftauchte spürte sie die brennenden Blicke der Slytherins in ihrem Rücken. Zabinis wütendes Gesicht schien sie sogar im Schlaf zu verfolgen. Hinzu kamen Zweifel. Zweifel an dem, was sie und Ron dem Daily Prophet geschrieben hatten. Vielleicht täuschten sie sich doch und Harry war wirklich nicht mit Voldemort im Bunde.

Schuld schien in ihrem Inneren zu glühen.

Wann hatte sie aufgehört logisch über das alles nach zudenken? Als sie gemerkt hatte, dass sie Ron vielleicht doch ein kleines bisschen lieber hatte, als Freundschaft es zuließ? Oder als sie gespürt hatte, wie Harry sich immer weiter von ihr entfernte?

Sie vermisste ihren besten Freund, so wie immer, wenn er und Ron im Streit lagen, aber diesmal war sie selbst mit verantwortlich für alles, was passiert war.

Parkers Worte hatten tief in ihrem Inneren etwas ausgelöst und bewegt. Sie hatten Hermione eine Erkenntnis gebracht, die ihr von allein nicht vergönnt gewesen war. So brillant sie auch sein mochte, sie hatte nicht gesehen, wie sehr Harry eigentlich litt.

Scham breitete sich heiß in ihrem Magen aus, als sie an das Gespräch mit Dumbledore zurück dachte und sich vorstellte, was dieser wohl von alle dem gehalten hatte. Sie waren so dumm gewesen, Harry des Verrats zu bezichtigen. Am Liebsten wäre sie in diesen verfluchten Raum gestürmt, und hätte sich bei ihrem besten Freund entschuldigt, aber zum Einen konnte sie nicht hinein und zum Anderen hatte sie entsetzliche Angst von ihm abgewiesen zu werden.

Warum hatte sie nicht früher über die Konsequenzen ihres Handelns nachgedacht?


Harry stand in einem gefühlten Meer aus weichen Kissen, die über den Boden verteilt waren. Knochenbrüche aller Art waren also definitiv ausgeschlossen. Draco stand am anderen Ende des Raumes und grinste. Wie lange war es her, dass sie einander nur herablassend hatten ansehen können? Harry kam es vor wie Jahre.

Als sie nach dem Baden den Raum verlassen hatten war dem Blonden eine neue Tür aufgefallen, die vorher noch nicht da gewesen war. Anscheinend hatte der Room of Requirements sich erneut ihren Bedürfnissen angepasst und ihnen einen Raum zum Üben geschenkt.

Nun hielten sie beide ihre Zauberstäbe in der Hand und Harry fühlte sich ein wenig an den Duellierclub im zweiten Schuljahr erinnert. Nun begann auch der Schwarzhaarige zu grinsen und richtete seinen Zauberstab auf sein Gegenüber. Dieser tat es ihm gleich, während das Grinsen auf seinem Gesicht noch etwas bereiter wurde.

„Bereit?", rief Harry zu ihm herüber.

„Frag nicht so dumm!", gab Draco zurück.

„3, 2, 1 –Los", zählte eine magische Uhr an der Wand.

„Expelliarmus", rief der Gryffindor und musste wenige Sekunden später zusehen, wie Draco den Zauber mit einem Wink seines Stabes abwehrte.

„Stupefy"

Harry warf sich zur Seite, um dem Stunning Spell zu entkommen.

„Levicorpus", diesmal war es Draco, der dem Zauber auswich.

Harry hörte seine eigene Stimme im nächsten Moment „Stupefy" rufen in dem auch Draco etwas rief, das er nicht verstehen konnte. Die Zauber trafen in der Mitte des Raumes aufeinander und stoben dann zu ihren Anwendern zurück, wobei es keinem der beiden gelang dem eigenen Zauber auszuweichen. Der Gryffindor spürte, wie er nach hinten geschleudert wurde und sah, dass es dem Blonden nicht viel besser erging. Nun war er sehr dankbar für die vielen Kissen, die ihm der Raum zu Verfügung gestellt hatte.

Schnell versuchten beide sich wieder aufzurappeln, um keine Zeit dem anderen gegenüber zu verlieren. Flüche rauschten an Harry vorbei, während er immer wieder selbst welche abfeuerte. Ein Knallen und Zischen erfüllte den Raum, wann immer einer ihrer Zauber die Wände traf. Sie bewegten sich schnell und gekonnt im Kreis durch den Raum.

Immer wieder gelang es dem Gryffindor auch Zauber abzuwehren und nicht nur außer Reichweite zu springen. Draco war ein harter Gegner und irgendwie wünschte sich der Schwarzhaarige jetzt umso mehr, ihm nicht auf einem Schlachtfeld begegnen zu müssen.

Ein blauer Blitz schoss an seinem Ohr vorbei, von dem er nicht einmal wusste, zu welchem Zauber er gehörte und er antwortete mit einem weiteren Stunning Spell, der Draco ebenfalls nur knapp verfehlte. Sie waren recht ausgeglichene Gegner, bei denen wohl nur die Erschöpfung einen Sieger zulassen würde. Und Harry spürte bereits, wie seine Atmung schneller wurde, durch die vielen ruckartigen Bewegungen und Sprünge, die er ausführte.

Erneut knallte es laut in seinen Ohren, als zwei abgewehrte Zauber gegen die Wände schlugen; Dracos hinterließ eine Brandspur. Kurz fragte der Gryffindor sich, welcher Zauber das wohl gewesen war, als ihn etwas Heißes an der Schulter traf.

Er keuchte auf und hielt sich für einen Moment die Schulter, dann richtete er seinen Zauberstab wieder auf den Slytherin.

„Expelliarmus", rief er und verfehlte ein weiteres mal. Es war zum Verrückt werden! Draco hatte entsetzlich gute Reflexe.

Der Blonde lachte zufrieden auf, was Harry sich nun endgültig zu Nutze machte. „Levicorpus!", rief er und traf den Slytherin auf der Brust, was diesen von den Füßen riss und in die weichen Kissen fallen ließ. Klar hätte Harry den Sturz abfedern können, wenn er den Zauberstab weiter auf Draco gerichtet und ihn somit in der Luft gehalten hätte, aber es ging hier um wirkliches Duellieren und sein Gegenüber hatte ihn auch nicht geschont.

Bevor der Blonde sich wieder richtig aufrappeln konnte, schlüpfte Harry hinter eine der Säulen. Zwei Flüche, die er nicht kannte, schossen an ihm vorbei und schlugen an die Wand hinter seinem Rücken ein.

„Protego", sagte er und trat aus seinem Versteck heraus. Von nun an wäre er hoffentlich gut geschützt jetzt Flüche jeglicher Art.

Draco grinste zufrieden, als er einem weiteren ‚Stupefy' des Gryffindors auswich.

„Incarcerus", rief er, sein Zauberstab deutete auf den Schwarzhaarigen, der im nächsten Moment spürte, wie ihn Seile gegen eben jene Säule banden, die ihm eben noch Schutz geboten hatte.

Zufrieden lächelnd kam Draco auf ihn zu. „Du darfst dich niemals zu sicher fühlen, Harry, egal wie gut deine Situation auch zu sein scheint", sagte er, als er seinem Gegenüber einen zärtlichen Kuss auf die Lippen hauchte.

Dieser seufzte kurz, lächelte aber. „Du hast Recht. Immer wachsam, oder wie war das?"

„Bitte?"

„Ähm… Moodys Spruch…"

„Ah".

„Finite", murmelte Draco, sodass sich die Fesseln um Harry lösten.

„Ich schätze, die Runde geht an dich", sagte der Schwarzhaarige, sein Lächeln war ein wenig verrutscht.

„Das schätz ich auch", erwiderte der Slytherin und packte seinen Zauberstab weg. „Vielleicht sollten wir uns ausruhen und was essen, so ein Duell ist anstrengend".


Ron saß an einem der Schreibtische im Common Room der Gryffindors und kratzte mit der Feder über ein Blatt Pergament, während ihm einfach nichts für seinen Charmsaufsatz einfallen wollte. Hermione nebenhin hatte bereits ein Viertel mehr, als verlangt wurde, machte aber keinerlei Anstalten, ihm zu helfen.

Es war Samstagnachmittag und eigentlich hätte der Rotschopf besseres mit seiner Zeit zu tun gewusst, als im Common Room zu sitzen und Aufsätze zu schreiben. Hermione hätte ihm da ruhig helfen können, damit er etwas mehr Freizeit hätte. Aber die braunhaarige Hexe hatte bereits seit dem Vortag schlechte Laune. Immer, wenn Ron ihr zu Nahe kam sah sie ihn wütend und vorwurfsvoll an, wobei dieser nicht mal wusste, woran das lag.

„Sag mal, Mione, was is los?", fragte er sie und ließ seine Feder ein für alle Mal fallen. Sie blickte von ihrer Pergamentrolle auf und zog die Brauen zusammen.

„Bitte?"

„Naja, du bist ziemlich schlecht drauf, seit gestern"

Sie schlug ihre eigene Feder mit voller Wucht auf den Tisch, bevor sie aufstand und einen Schritt auf Ron zu machte. „Warum ich schlecht drauf bin? Ganz einfach, wir haben Mist gebaut, was Harry angeht, falls es dir entfallen ist! Ich schäme mich für das, was passiert ist, Ron! Und ich wünschte, du würdest es auch endlich einsehen!", fauchte Hermione, bevor sie an ihm vorbei rauschte und Richtung Mädchenschlafraum verschwand. Keine dreißig Sekunden später hörte der Rotschopf, wie eine Tür krachend ins Schloss fiel.

Er zuckte mit den Schultern und packte seine Schreibutensilien weg. Mädchen konnten sich manchmal aufregen und Hermione war ja bekanntlich eines, also würde sie sich auch wieder abregen, wenn es Zeit dazu wäre. Er verstand nicht, warum sie sich so aufregte. Er hatte schon häufiger Streit mit Harry gehabt, wegen Missverständnissen und sie hatten sich immer wieder vertragen. Es würde auch diesmal so sein, also machte Ron sich gar keinen Kopf und wartete lieber ab, bis sein bester Freund wieder aus dem Room of Requirements heraus käme.


Harry warf einen kurzen Blick auf die Uhr, und stellte fest, dass es bereits Nachmittag war. Er war gerade mit seinem Aufsatz für Charms fertig geworden und warf nun einen Blick aus dem Fenster, was ihm allerdings nur sagte, dass es mal wieder regnete.

Draco blickte nun ebenfalls von seinen Hausaufgaben auf und lächelte. „Ein Gutes hat dieser Raum. Wir müssen bei diesem Wetter nicht raus zu Care of Magical Creatures".

Harry lachte kurz auf, dann richtete er seinen Blick wieder auf die Landschaft. „Morgen ist Qudditch. Gryffindor gegen Ravenclaw. Ich frage mich, wen sie als Ersatz für mich genommen haben", sagte er.

Im nächsten Moment spürte er sanfte Hände, die seine Schultern massierten. „Darüber solltest du nicht nachdenken. Außerdem kann dich ohnehin niemand ersetzen", sagte Draco, als er dem Gryffindor einen Kuss in den Nacken hauchte.

Harry seufzte leise. „Danke".

„Nichts zu danken", erwiderte der Blonde, zog den Goldjungen aus seinem Schreibtischstuhl und legte beide Hände um seine Hüften. Ein liebevolles Lächeln umspielte seine Lippen, bevor er Harrys damit verschloss.

Ein vertrautes Knistern im Kamin jedoch beendete ihren Kuss, und kurz darauf stand Parker im Raum. Er nickte höflich, als er die beiden erblickte, doch Harry spürte eine gewisse Spannung, als diese schwarzen Augen sich auf Draco richteten.

Es war mehr ein Reflex, als eine wohl durchdachte Handlung, als er nach der Hand des Blonden griff, und sie mit seiner umschloss.

Wenn Parker es gesehen hatte, dann ließ er es sich nicht anmerken. „Ich muss mit Ihnen reden. Naja, eigentlich mit Mr. Potter, aber Sie können dabei bleiben, Mr. Malfoy", sagte er, ohne auf ihr Befinden einzugehen, was normalerweise seine Aufgabe gewesen wäre.

Harry zog die Brauen zusammen und blickte seinen Professor fragend an.

„Ich habe Mitte der letzten Woche einen Portkey in den Dungeons versteckt. Sie werden ihn ganz leicht finden, Mr. Potter. Er liegt hinter einem lockeren Stein direkt neben der Tür zum Klassenraum für Potions. Ich muss bitten, ihn nicht zu suchen, bevor ich Ihnen bescheid gebe. Er ist dazu gedacht, die Schüler von hier weg zu bringen, wenn Voldemort versucht die Schule einzunehmen. Er bringt sie in eine Burg nach Irland. Dort ist es sicher.", erklärte dieser.

„Voldemort ist auf dem Weg hierher? Wann wird er zuschlagen?", fragte der Gryffindor ohne Umschweife.

„Das hat Sie erst einmal nicht zu interessieren, Mr. Potter. Wenn Voldemort hier auftaucht, dann ist es ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Schüler entkommen. Sie bringen alle in die Dungeons und bilden einen Ring aus Menschen um den Portkey. Er ist so verzaubert, dass man ihn nicht zwangsweise berühren muss, um damit zu reisen. Viel mehr müssen sich alle, die ihn nutzen wollen in einem Bestimmten Areal darum befinden. Sorgen Sie dafür, dass alle Schüler nahe genug an ihm dran sind, aber kein Death Eater".

„Bitte?", fragte Harry. „Ich soll dafür sorgen, dass die Schule evakuiert wird? Falls es Ihnen entgangen ist, diese Prophezeiung betrifft mich. Ich muss Voldemort aufhalten".

Parker begann zu grinsen und in seinen schwarzen Augen blitzte kurz etwas auf, das Harry nicht zu deuten wusste. „Ah, wie ich sehe haben Sie ihren Kampfgeist wieder gefunden. Aber glauben Sie mir, der Tag, an dem Voldemort hier auftaucht, ist nicht der richtige, um ihn zu besiegen. Darum werden Sie von hier verschwinden und dafür sorgen, dass der Lord nicht weiß, wo Sie sind", antwortete er.

„Aber-", begann der Gryffindor, wurde jedoch von seinem Professor mit einer Handbewegung zum Schweigen gebracht.

„Nichts ‚aber', Mr. Potter. Sie tun, was man Ihnen sagt, verstanden? Vertrauen Sie Dumbledore und fügen Sie sich".

Harry ballte die freie Hand zur Faust. Warum schloss Dumbledore ihn aus? Warum durfte er nicht sein Schicksal erfüllen und dann endlich seine Ruhe haben? Ein normales Leben führen? Stattdessen wurde er zum Nichtstun verdonnert, was Voldemorts Herrschaft nur noch verlängern würde.

„Ich kann doch nicht einfach nur rumsitzen!"

„Doch, Potter, das können Sie. Tun Sie einmal, was man Ihnen sagt. Es folgt alles einem großen Plan".

Harry schluckte den nächsten Satz hinunter. Er würde jetzt nicht darüber diskutieren, das hätte eh keinen Sinn, aber er hatte für sich bereits beschlossen, dass er nicht tatenlos zusehen würde, wie Voldemort den einzigen Ort entehrte, der ihm je wie ein Zuhause vorgekommen war.

Parker schien mit dem Schweigen des Schwarzhaarigen zufrieden zu sein und nickte. Seine schwarzen Augen richteten sich noch einmal auf Draco, dessen Hand Harry noch immer hielt und der die ganze Zeit über geschwiegen hatte. Seine Mine war wie vereist und wenn die Worte des Professors etwas in ihm auslösten, dann zeigte er es nicht. „Ich werde Sie jetzt wieder verlassen. Wir sehen uns in den nächsten Tagen. Und vergessen Sie nicht Potter, manchmal ist es besser, sich taktisch zurückzuziehen, als im offnen Kampf geschlagen zu werden", sagte Parker, bevor er sich umdrehte und im Knistern der grünen Flammen wieder verschwand.


Entsetzten rollte über Draco hinweg, während er nach außen hin eine ungerührte Maske trug, bis Parker endlich ging. Warum hatte der Lehrer riskiert, ihn das hören zu lassen? War er sich der Gefahr nicht bewusst, in die solch eine Tat Harry brachte? Alles was der Slytherin wusste, konnte theoretisch in die Hände Voldemorts fallen und er wäre gewarnt.

Harry wandte sich ihm zu und zog nun wieder die Brauen zusammen, als er Dracos ganz und gar nicht mehr gelassenen Gesichtsausdruck sah.

„Was ist los?", fragte er und Sorge schwang dabei in seiner Stimme mit.

Der Blonde atmete tief durch. „Harry, das war ein großer Fehler. Ich hätte niemals dabei sein dürfen, als du das erfahren hast. Ich hätte es nicht wissen dürfen. Ich bin eine Gefahr und alles, was ich weiß könnte auch Voldemort erfahren", sagte er und strich sich fahrig mit einer Hand durch das platinblonde Haar.

„Wie meinst du das? Du bist hier, bei mir und der dunkle Lord hat hier keinen Zugriff auf dich. Nicht so lange Dumbledore da ist".

Draco begann im Raum auf und ab zu gehen. Er fühlte sich so aufgewühlt, wie schon lange nicht mehr. Ein Inneres bebte, bei dem Gedanken, dass er den einen Menschen auf der Welt, den er mehr liebte als sein Leben, vielleicht verraten würde. Er wollte flüchten aus dieser Welt der Erwartungen und Verpflichtungen, aber er wollte auch nicht als ewiger Gejagter enden. Ihm war doch noch immer klar, wie dieser Krieg enden würde, auch wenn auf Harry hoffte. Ein Schuljunge konnte Voldemort einfach nicht bezwingen.

„Setz dich Harry… ich werde dir jetzt etwas erzählen, dass ich noch nie jemandem erzählt habe", begann der Blonde, während er noch immer im Raum auf und ab lief. Der Gryffindor setzte sich aufs Bett und sah seinen Gesprächspartner erwartungsvoll an.

„Ich… ich weiß nicht, wie viel du über das Leben der alten Purebloodfamilien weißt, aber es ist sehr strikt und streng. Es gelten harte Regeln, mit denen Kinder solcher Familien aufwachsen. Ich mag dir verwöhnt und verzogen vorgekommen sein, als wir einander kennen gelernt haben. Und tatsächlich, wenn es um materielle Dinge ging, habe ich immer bekommen, was ich wollte. Gleichzeitig wurde mir seit frühster Kindheit immer wieder erzählt, wie stolz ich darauf sein müsste, ein Pureblood zu sein und wie schlecht doch alle Muggle und Muggleborns seien. Vorurteile bekam ich sozusagen mit der Muttermilch eingepflanzt. Genauso, wie das Wissen, dass die Weasleys niemals so viel wert sein können, wie die Malfoys. Gleichzeitig verlangte man von klein auf von mir, mich in der Öffentlichkeit meines Standes entsprechend zu benehmen. Dazu gehörten nicht nur die steifen Verhaltensregeln, sondern auch das Vorweisen, von Erfolgen schulischer oder sportlicher Art. Warum glaubst du hat mein Vater mir so früh das Fliegen beigebracht?", er machte eine kurze Pause, um nach Luft zu schnappen. Noch nie hatte Draco so viel auf einmal gesprochen, aber es fühlte sich befreiend an.

Harry saß auf dem Bett, er hatte sich kein Stück bewegt. Seine grünen Augen waren auf den Blonden gerichtet, während seine Mine ruhig, aber ernst, war.

„Es ging ihm nicht darum, Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, sondern dafür zu sorgen, dass ich möglichst früh ins Qudditchteam komme und dort Erfolge erziele. Mein Spaß stand dabei nie im Vordergrund. Und als es nicht so aussah, als würde ich es in die Mannschaft schaffen, zumindest nicht als Seeker, hat er mich hinein gekauft. Er platzt im Moment wahrscheinlich vor Stolz, weil ich den Snitch gefangen habe. Aber weißt du, was ich meine? Es ging nicht um mich, sondern darum die Familie zu repräsentieren. Ob ich das wollte oder nicht, interessierte ihn nicht. Ich habe ihn nie interessiert. Für meinen Vater war ich ein Schmuckstück, mit dem er sich schmückte, wenn ich etwas richtig gemacht hatte, wenn ich versagte, war ich keinen Blick wert. Er hat mich nicht geschlagen, dazu hatte er wohl nicht den Mut, aber er hat mir auch nie das Gefühl gegeben, geliebt zu werden. Ich musste mir immer nur seinen Respekt verdienen".

Draco lief noch immer auf und ab. Hin und wieder warf er einen Blick aus dem Fenster, dann ruhten seine Augen wieder nur auf Harry, dessen Gesicht wie versteinert aussah. In seinen Augen leuchtete eine Mischung aus Liebe, Wut und Reue. Dennoch schwieg er und ließ den Blonden weiter reden, während jedes Wort sich anfühlte, als falle eine Last von ihm ab. Mit jedem Satz, den Draco sprach, schien die Mauer um ihn herum kleiner zu werden und die Last auf seinen Schultern weniger.

„Meine Mutter hat mich geliebt, ja. Sie hat mich in den Arm genommen und mich getröstet, wenn Vater mich wieder nur behandelte wie Abschaum. Aber sie hat nichts zu sagen. Sie ist genauso Opfer, wie ich auch. Er zieht sie genauso mit in die dunklen Künste hinein, auch wenn sie natürlich in eine schwarzmagische Familie geboren wurde. Weißt du, Vater hat nur nicht nach Voldemort gesucht, weil dann raus gekommen wäre, dass er nicht unter dem Imperiusfluch stand. Aber eigentlich stand er immer treu hinter dem Lord und teilt seine Ansichten. Ich wurde von Kindheit an in dem Glauben erzogen, dass unter ihm eine perfekte Welt geschaffen worden wäre, darum war mir auch klar, dass Vater an seine Seite zurückkehren würde, als du mit Cedric vom Friedhof zurückkamst. Und mir war auch klar, was er erwarten würde. Ich muss ein Death Eater werden, wie er einer ist. Dieser Weg ist vorgezeichnet. Nicht für mich, sondern für alle Kinder der Purebloodfamilien. Wir sind dazu verdammt, Voldemort die Treue zu schwören. Ich bekomme ein Dark Mark, in weniger als zwei Monaten. Solche Dinge, wie das eben, darf ich nicht wissen!", die letzten Worte hatte Draco fast geflüstert, als er sich neben Harry hatte sinken lassen. Nun lehnte er seinen Kopf an die Schulter des Gryffindor und schloss die Augen.

Sein Herz fühlte sich leichter an, während heiße Tränen in ihm aufstiegen. Hilflosigkeit schnürte ihm die Kehle zu, als sich liebevolle Arme um ihn legten. Wie lange hatte er nicht mehr geweint? Wann war er das letzte Mal so ehrlich gewesen? Wieso hatte er nie jemandem von seinem Schmerz erzählt? Und warum fühlte es sich so gut an, es getan zu haben?

„Mir musst du nichts beweisen", flüsterte Harry neben seinem Ohr. „Ich liebe dich genauso, wie du bist. Für mich bist du perfekt".

Wärme breitete sich in Dracos Bauch aus, während heiße Tränen von seinem Kinn auf die Decke tropften. Er fühlte sich aufgewühlt bis auf den tiefsten Grund seiner Seele und zugleich erleichterte, wie nie zuvor in seinem Leben. Natürlich hatte er Blaise, der ihm als bester Freund auch immer zur Seite stand, aber über solche Dinge konnte man mit ihm nicht reden.

Harrys Hände strichen beruhigend über seinen Rücken, während die Tränen noch immer über die blassen Wangen liefen und aufs Bett tropften. Er hatte sich zum ersten Mal in seinem Leben seinen Dämonen gestellt, und erfahren, wie es war, sich endlich jemandem anzuvertrauen. Vielleicht war es ein Fehler seitens Parker gewesen, Draco zu sagen, was Dumbledore geplant hatte, aber für ihn selbst war es Glück gewesen.

Er hatte sich endlich freisprechen können, von dem was ihn seit seiner Kindheit belastete.

Kapitel10 Ende