Kapitel13 All the powers of hell
Draco blickte auf die Uhr an der Wand seines Zimmers. Sie zeigte fünf nach Zwölf. Draußen hörte er das Knallen der Silvesterraketen, die den Himmel hell erleuchteten. Das Jahr 1997 hatte angefangen und die Menschen hießen es voller Freude willkommen. Es wurden gute Vorsätze gemacht, die man am Ende ohnehin wieder brechen würde, und man sah mit Hoffnung und voller Zuversicht in die Zukunft, denn ein neues Jahr bedeutete ein neues Leben, voller neuer Möglichkeiten.
Draco seufzte. Er begrüßte das neue Jahr nicht. Für ihn fühlte es sich an, als ende sein Leben und als gäbe es keine Zukunft, keine Hoffnung nur die Dunkelheit und einen Dienst, der ihm zutiefst zuwider war.
Blaise saß in einem der weichen Sessel, die Draco in seinem Zimmer stehen hatte. Er sah, wie immer, zutiefst zufrieden aus. Seine blauen Augen beobachteten jede Bewegung des Blonden, aber er sagte nichts, was diesem ganz Recht war, denn er hatte keine Lust auf Unterhaltungen darüber, wie toll Voldemort doch war.
Ein leises Klopfen an der Zimmertür ließ Draco zusammenschrecken, bevor Narcissa den Kopf in den Raum steckte und ihren Sohn kurz aufmunternd anlächelte. „Draco, kommst du? Der Lord verlangt dich zu sehen", sagte sie, ihre Stimme klang rauer und zugleich brüchiger als normal.
Der Angesprochene nickte kurz, warf einen letzten Blick zu Blaise, der zu grinsen begonnen hatte, und folgte dann seiner Mutter hinunter in den schneebedeckten Garten.
Voldemort hatte mit etwas, das aussah wie Blut, und vermutlich auch welches war, Runen in den weißen Schnee geschrieben. Die Anwesenden Death Eater des Dark Council standen im Kreis um diese Runen und den Dunklen Lord herum. Sie traten beiseite, als Narcissa ihren Sohn in den Kreis führte.
Draco drehte sich der Magen um, als er vor Voldemort stand und in sein schlangenartiges Gesicht blickte. Er schirmte jeden Gedanken ab, der ihn und seine wahre Meinung hätte verraten können, während sich die roten Augen in seine bohrten und auf den Grund seiner Seele zu blicken schienen. Der Slytherin konnte nur mit Mühe ein Schaudern unterdrücken, dann richtete der Lord seine Worte an ihn und die Umstehenden, die ihre Masken trugen und abwartend zu Draco blickten.
„Meine Lieben Freunde, wieder einmal versammeln wir uns, um dem Leben eines jungen Zauberers die richtige Richtung zu geben. Er hat sich entschieden, unseren großen Zielen zu dienen und sein Leben in meine Hand zu legen. Er wird einer der wenigen Auserwählten sein, die noch stehen werden, wenn sich die Welt aus dem Feuer erhebt, mit der wir die Verderbnis der Muggle hinfort waschen werden. Er wird Zeuge einer neu geschmiedeten Welt sein, in der wir Zauberer nicht im Verborgenen werden leben müssen, sondern offen unser Erbe antreten können und die Welt beherrschen. Er wird uns helfen, die Welt in den Feuern des Krieges neu zu schmieden".
Draco versuchte die Worte des Wahnsinns zu überhören, versuchte an etwas anderes zu denken, als das was Voldemort da vor hatte, aber die Worte schienen sich wie Feuer in seine Gedanken zu brennen und Narben zu hinterlassen.
Seine Knie wurden weich und er zwang sich selbst zur Ordnung.
„Knie nieder, junger Freund", schnarrte der Dunkle Lord und blickte mit einem Grinsen zu dem Jungen vor sich, der, mit wackeligen Knien, in den weichen Schnee sank und den Kopf senkte.
„Nun strecke deinen linken Arm vor".
Draco tat wie ihm geheißen und befreite seinen linken Unterarm vom Stoff seines schwarzen Hemdes, ehe er ihn Voldemort entgegen hielt. Die kalte Winterluft prickelte auf der empfindlichen Haut, aber der Blonde verzog keine Mine.
Auch dann nicht, als eiskalter Stahl seine Haut berührte und der Dolch, den der Lord führte, einen fünf Inches langen Schnitt in seiner Haut hinterließ, aus dem heißes Blut rann.
„Mit Blut soll es nun beginnen und nur durch Blut soll unser Packt enden", begann der Dunkle Lord. „Das Band, das wir heute Abend schmieden, soll nur durch Tod oder Verrat zu brechen sein und beides wird in Blut enden. Von heute ab, solltest du voller Stolz ein Zeichen der neuen Zukunft tragen und dieser zuversichtlich entgegen blicken".
Draco spürte, die das Blut an seinem Arm hinunter lief und auf den weißen Schnee tropfte. Rotes Blut auf weißem Schnee. Sein Magen rebellierte erneut.
„Lucius, komm her", rief Voldemort und Draco sah einen blonden Mann mit Maske aus dem Kreis auf sie beide zukommen. In Händen hielt er etwas, dass aussah wie ein magisches Brenneisen, und diesmal musste der Slytherin den Würgereflex mit aller Kraft bekämpfen, denn der Gedanke, an das was folgen würde allein, machte es unerträglich noch länger im eisigen Schnee zu knien.
„Der Schmerz des Feuers wird dich an mich binden und zugleich die Flammen verdeutlichen, in der wir diese alte, verdorbene Welt versenken werden, um sie dann nach unseren Wünschen, neu zu formen".
Er streckte die Hand aus, und ließ sich von Lucius das Brenneisen geben, das aussah, wie ein Totenkopf, aus dessen Mund eine Schlange kroch. Draco schluckte hart, schloss die Augen und biss sich auf die Lippe, bis er Blut schmeckte, als er die eisige Hand Voldemorts spürte, die sich um seinen Arm legte.
Dann schien die Welt in Schmerz zu vergehen, als das glühende Eisen seine Haut berührte. Nichts hatte ihn auf solche Pein vorbereitet. Ein Schrei entkam seinen Lippen, noch ehe er realisierte, was geschah. Am liebsten hätte er den Arm sofort zurückgezogen, aber der Griff des Lords war hart und erbarmungslos.
In diesem Moment wünschte Draco sich nichts sehnlicher, als den Tod, nur damit der Schmerz, der seinen ganzen Arm hinauf kroch, endlich ein Ende haben würde. Es fühlte sich an, als hätte er das Eisen Stunden auf seinem Arm und der Schrei der seiner Kehle entkam schien diese wund werden zu lassen.
Als das Brenneisen von seiner Haut verschwand gaben seine Knie nach und er drohte in den Schnee zu fallen. Mit aller Kraft hielt er sich aufrecht und kämpfte gegen die Übelkeit. Das Erste, das seine wieder klarer werdenden Gedanken wahrnahmen war der abartige Geruch nach verbranntem Fleisch.
„Der Bund ist vollbracht, mit Blut und Eisen sind wir von nun an verbunden. Draco Malfoy ist vom heutigen Tag an, einer der Unsrigen", sagte Voldemort voller Stolz, dann drehte er sich um, und verließ den Kreis, gefolgt von seinen Anhängern.
Draco blieb allein zurück. Der Schmerz, der noch immer von seinem Arm ausging, schien ihm den Verstand zu rauben und seine Beine gaben endgültig nach, als er versuchte, sich aufzurichten. Sanfte Hände fingen ihn auf, von denen er sofort wusste, dass es Narcissas waren. Sie hatte Tränen in den Augen, als sie ihren Sohn stütze und ins Haus zurück brachte.
Kaum hatte Draco sein Zimmer betreten, aus dem Blaise derweil verschwunden war, da lief er schon Richtung Bad, um sich zu übergeben. Sein gesamter Mageninhalt fand den Weg zurück und selbst als davon nichts mehr übrig war ging das Würgen weiter, bis nur noch Galle blieb. Die ganze Zeit über war Narcissa an seiner Seite. Ihre Hände streichelten sanft über seinen Kopf und die schweißnasse Stirn.
Draco spürte, wie sich Fieber in ihm ausbreitete und war froh, als er von kühlen Händen unter eine weiche Decke gepackt wurde und ein Stück kalten Stoffes auf die Stirn gelegt bekam, ehe seine Gedanken sich vollends in Schwärze verloren.
Als Harry die Augen aufschlug befand er sich an einem Ort, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Vor ihm erhob sich ein ehrwürdiges, altes Herrenhaus mit einem riesigen Garten davor. In eben diesem Garten stand der Gryffindor nun.
Der Boden war bedeckt von frischem Schnee und in der Ferne konnte er das Knallen der Feuerwerkskörper hören, die dann und wann die sternenklare Nacht erhellten. Kurz fragte er sich, wo er war, dann fiel sein Blick auf eine Gruppe Männer vor ihm.
Er wusste, es war wieder eine Vision und was auch immer er gleich zu sehen bekommen würde, wäre nichts als die reine Wahrheit.
Er ging näher zu der Gruppe, die sich bei näherer Betrachtung als Death Eater entpuppten. Es waren nicht nur Männer, wie Harry bemerkte, zwei oder drei Frauen schienen ebenfalls unter den Maskierten zu sein. Sie standen im Kreis um einige Runen herum, die mit Blut in den Schnee geschrieben worden waren und Voldemort stand in der Mitte des Kreises, seine verzerrten Gesichtszüge sahen zufrieden und stolz zugleich aus.
Dann fiel Harrys Blick auf die beiden Gestallten, die den schneebedeckten Kiesweg entlang kamen. Die Steine machten gedämpfte Geräusche unter der weißen Pracht.
Sein Herz zog sich zusammen, als er die beiden erkannte.
Die Frau war um die vierzig Jahre alt, aber noch immer bildschön. Neben ihr ging ein junger Mann mit platinblondem Haar, seine schönen silbernen Augen waren hart vor Kummer und Ablehnung.
Am Liebsten wäre Harry zu ihm gelaufen und hätte ihn einfach mitgenommen, fort von diesem verfluchten Ort, aber er wusste, Draco konnte ihn nicht sehen. Nur sein Geist hatte die Reise hier her angetreten, während sein Körper in einem weichen Bett in London lag.
Draco ging auf die im Kreis stehenden Death Eater zu, welche ihm Platz machten, um ihn zu ihrem Meisten in ihre Mitte zu lassen.
Voldemort schien verzückt, als der Blonde den Kreis betrat. Seine Mine war angespannt. Harry konnte die Konturen seines Kiefers eindeutig sehen, sie traten überdeutlich hervor, Draco presse vermutliche die Zähne aufeinander, um sich selbst zu Ruhe und Ordnung zu rufen.
Ein Stich fuhr Harry durchs Herz, denn er wusste, er konnte seinem Freund nicht helfen, nur beobachten.
Voldemort begann mit einer Ansprache, die der Gryffindor ausblendete, er wollte gar nicht erst hören, welche kranken Gedanken dem Hirn des Lords entsprangen. Seine Aufmerksamkeit wurde erst wieder auf das Schauspiel gelenkt, als er sah, wie Draco in die Knie ging und seinen linken Unterarm offenbarte.
Eine eisige Hand schien in Harrys Eingeweide zu greifen, als er sah, wie Voldemorts Ritualdolch einen feinen Schnitt in die weiche Haut machte und rotes Blut in den weißen Schnee tropfte. Ohne, dass er es wirklich wahrnahm stiegen Tränen in seine Augen und liefen über seine Wangen, nur um dann ebenfalls in den Schnee zu fallen.
Draco zuckte nicht, als der kalte Stahl durch seine Haut drang und Harry zwang sich ruhig stehen zu bleiben.
Voldemort rief nach Lucius Malfoy, der mit etwas zu ihm kam, dass aussah wie ein Brenneisen nur sehr viel filigraner und genauer. Es sah aus, wie ein Totenkopf, aus dessen Mund eine Schlange kroch. Harry erschauderte. Das glühende Metal wurde Voldemort überreicht, der eine Hand um Dracos Handgelenk legte und dann mit der anderen das Brenneisen auf die frische Wunde am Arm drückte.
Ein zischendes Geräusch erfüllt die Nachtluft, gefolgt von einem markerschütternden Schrei, der Harrys Nackenhaare aufrecht stehen ließ.
Wut und Verzweifelung wallten in ihm auf, als er ohne darüber nachzudenken zu Draco rannte und sich neben ihn in den Schnee fallen ließ. Erst als seine Hände durch ihn hindurch griffen wurde ihm klar, dass er nichts tun konnte. Noch immer schrie der Blonde neben ihm und Tränen rannen Harrys Gesicht herunter.
Er wollte auf Voldemort losgehen, ihn anschreien und ihm das Brenneisen wegnehmen, mit dem er gerade den einen Menschen folterte, der Harry auf der Welt noch wirklich wichtig war. Sein Zorn war glühend heißt und sie Sorge um Draco schien ihn zu zerreisen.
Sein Innerstes schien sich aufzubäumen, als auch seiner Kehle ein Schrei entkam. Er wollte, dass es aufhörte, dass Voldemort aufhörte Draco weh zu tun. Seine eigene Verzweiflung schien ihn zu zerfressen, als das Bild vor seinen Augen verschwamm und sich alles in Schwärze verlor.
Harry hörte sich selbst schreien, als er in seinem Bett in London erwachte. Die Bilder und Gerüche waren noch immer in seinem Kopf. Dracos Schrei und der Gestank verbrannten Fleisches. Seine eigene Wut und Verzweiflung, die ihn letztlich aus seiner Vision gerissen hatten.
Das schwarze Haar klebte ihm auf der Stirn, der Pyjama lag wie eine zweite Haut auf seiner und heiße Tränen liefen seine Wangen hinab, ohne dass er etwas dagegen tun konnte.
Merik saß an seinem Bett und reichte ihm ein Glas Wasser, dass Harry in schnellen, fast panischen Zügen, lehrte. Seine Kehle fühlte sich wund an. Er wusste nicht, wie viel er geschrieen hatte in der letzten Zeit, aber es musste eine ganze Menge gewesen sein. Außerdem brannten die Tränen auf seinen Wangen, als würde sich das Salz in seine Haut fressen.
„Harry, ganz ruhig. Versuch dich zu entspannen und dann erzähl mir, was du gesehen hast", sagte Merik, er hatte eine Hand auf die Schulter des Schwarzhaarigen gelegt und sah ihn besorgt an.
„Was… was ist passiert… was…", versuchte Harry heraus zu bringen, aber noch immer ging sein Atem zu stoßweise.
„Du hast im Schlaf geschrieen und versucht dir die Augen auszukratzen. Was hast du gesehen?".
Der Gryffindor versuchte einen Moment die Worte in die richtige Reihenfolge zu bringen. Seine Kehle tat weh, weil er geschrieen hatte und das wahrscheinlich nicht erst, als das Brenneisen zum Einsatz gekommen war und seine Wangen schmerzten, weil er versucht hatte, sich die Augen auszukratzen, damit er nicht würde mitansehen müssen, was man seinem Freund antat. Es ergab Sinn.
„Ich war dabei…", brachte er hervor und zwang sich selbst dann zur Ruhe. „Ich habe mit angesehen, wie sie Draco zum Death Eater gemacht haben… es war schrecklich…".
Merik presste die Lippen aufeinander.
„Es… sie haben es ihm mit einem Brenneisen auf Haut gebrannt… Er… hatte schreckliche Schmerzen… ich konnte nichts tun… gar nichts… ich musste einfach zusehen…".
„Schon gut Harry, schon gut", murmelte Merik und hielt ihm eine dampfende Tasse vor die Nase. „Trink das, es wird dir helfen".
„Was ist das?"
„Dreamless Sleep Potion".
Harry nickte und setze die warme Flüssigkeit an die Lippen. Sie war etwas zäh, aber wohltuend, als sie seine Kehle hinab lief und ihn von Innen heraus wärmte. Schläfrigkeit und Geborenheit machten sich in ihm breit und er spürte, wie seine Lider immer schwerer wurden, bis er ohne einen weiteren klaren Gedanken in eine sanfte, alle Sorgen hinweg waschende, Schwärze sank.
Draco saß im Hogwarts Express und ließ den Blick über die Landschaft schweifen. Draußen lag noch immer der Schnee. Er glitzerte sanft und rein in der Wintersonne. Der Blonde seufzte. Sobald er die weiße Pracht ansah glaubte er Spuren roten Blutes darin zu sehen. Sein eigenes Blut, das vor wenigen Tagen in den Schnee getropft war, als man ihm das Schlimmste angetan hatte.
Noch immer war die Haut um das Dark Mark rot und entzündet. Kein Zauber hatte die Wunde schneller heilen lassen können. Schwarze Magie, so hieß es, verlange immer Opfer und seines wären wohl Schmerzen in den nächsten Wochen.
Statt wie sonst, saß Draco diesmal allein in einem Abteil. Er hatte nicht nach Harry gesucht, denn er war sich sicher, dass der Schwarzhaarige mit Parker zur Schule kommen und den Trubel des Zuges meiden würde. Auf Blaise Gesellschaft hatte Draco keine Lust gehabt. Der Braunhaarige zeigte sein Dark Mark unter den Slytherins herum, als sei es etwas unglaublich tolles.
Seufzend ließ er sich in seinem Sitz nach hinten sinken. Das Jahr 1997 hatte ja wirklich wunderbar angefangen. Am liebsten hätte Draco die Zeit einfach zurück gedreht und sich selbst wieder in den Room of Requirements gesperrt.
War das wirklich erst einen Monat her? Es kam ihm vor, wie eine Geschichte aus einem anderen Leben. Als wäre dies einem anderen Menschen passiert, aber nicht ihm.
Leise wurde die Abteiltür aufgeschoben und ein bekanntes, aber nicht unbedingt vertrautes Gesicht erschien im Eingang. Hermione Granger betrat, ohne weiter um Erlaubnis zu bitten, das Abteil und setzte sich auf einen der Sitze vor Draco.
„Was willst du, Granger?", fragte der Blonde genervt.
„Mit dir reden, was sonst", sagte sie, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück.
„Wenn du reden willst, dann geh und texte Weasle zu, aber lass mir meine Ruhe".
„Ich will aber nicht mit Ron reden, sondern mit dir, Malfoy. Es geh um Harry".
Draco spürte, wie seine Eingeweide sich zu verkrampfen begannen. Natürlich war es Granger nicht verborgen geblieben, dass sich zwischen ihm und Harry in der letzten Zeit etwas geändert hatte.
Dennoch hob er fragend eine Augenbraue und tat so, als wisse nicht, wovon sie spreche. „Was sollte ich dir zu Potter sagen können? Du bist seine beste Freundin, nicht ich", erwiderte er und verschränkte nun ebenfalls die Arme vor der Brust.
„Ich bin nicht blöd, Malfoy. Du und Harry, ihr habt euch das ganze Schuljahr über merkwürdig verhalten. Und ihr wart drei Wochen allein in einem Raum eingesperrt. Ihr weigert euch beide, über das zu sprechen, was darin passiert ist, aber ihr macht nicht den Eindruck, als hättet ihr euch den ganzen Tag gestritten. Außerdem werft ihr euch bei jeder Gelegenheit Blicke zu, die wohl eigentlich keiner sehen soll und heute sitzt du, statt bei deinen Freunden, lieber allein in einem Abteil und starrst die Landschaft tot und Harry fehlt komplett. Denkst du ich bin so dumm, dass ich nicht sehe, dass ihr beide keine Feinde mehr seid? Ihr habt euch angefreundet und versucht es geheim zu halten, hab ich Recht?".
Als ihr Redeschwall beendet war fühlte Draco sich, als habe man ihm mit Wucht in den Magen getreten. Er hatte nicht gemerkt, dass Granger bereits so viel wusste. Sie war auf dem richtigen Weg, alles was sie davon abhielt die richtigen Schlüsse zu ziehen war wohl die Tatsache, dass sie glaubte ihr bester Freund sei an Frauen interessiert.
Der Blonde wusste nicht, was er sagen sollte. Er könnte es bejahen und sie wäre zufrieden, aber das wäre eine potentielle Gefahrenquelle, wenn es jemand aus ihr heraus bekäme.
Granger schien zu merken, dass er zögerte.
„Ok, Malfoy, dass du jetzt nichts sagst, ist eigentlich Antwort genug, aber ich will es hören. Glaub mir, ich kann schweigen, von mit erfährt keiner, dass ihr Freunde seid. Ich bin sogar ganz froh, dass Harry dich hat; auf Ron kann man sich im Moment ja nicht sehr verlassen. Also was ist jetzt?"
Draco schnaubte. „Nicht nur Weasle hat ganz schönen Mist gebaut, Granger. Ich würde mir an deiner Stelle auch an die eigene Nase packen!".
Ihre eben noch selbstsichere Mine wurde plötzlich traurig und schmerzerfüllt, sodass der Slytherin beinahe mitleidig gewesen wäre, wenn sie Harry nicht so verletzt und verraten hätte.
„Ja, da hast du Recht, aber ich habe meinen Fehler eingesehen. Bitte, sag mir, was mit Harry ist… wo er ist… wo er seine Ferien verbracht hat, denn er war nicht in Hogwarts, das weiß ich".
„Also gut, Granger. Ich hatte in den Ferien Kontakt zu…", er schluckte hart: „Harry. Er war bei Professor Parker und darum ist er wohl auch nicht im Hogwarts Express. Die beiden werden auf anderem Wege in die Schule kommen, okay?".
Die Gryffindor nickte kurz. „Danke, Malfoy", sagte sie, als sie sich von ihrem Platz erhob und das Abteil verließ.
Seufzend ließ Draco seine Stirn gegen die kühle Scheibe sinken. Es war klar, dass Granger dahinter kommen würde.
Nachdenklich ging Hermione in ihr Abteil zurück. Ron, Luna, Ginny und Neville saßen bereits dort und unterhielten sich angeregt.
Der Rotschopf sah auf, als sie sich schweigend neben ihn setzte. „Du warst verdammt lange auf dem Klo", bemerkte er.
„Musste anstehen…", erwiderte Hermione bloß und schenkte Ron ein Lächeln, während sie in Gedanken noch immer bei ihrem Gespräch mit Draco Malfoy war.
Es war in der Tat offensichtlich, dass er und Harry so etwas wie Freunde geworden waren und es jetzt geheim hielten. Hermione konnte das verstehen, wie würden ihre Mitschüler reagieren, wenn ausgerechnet diese Beiden Freunde würden? Sie waren das Sinnbild des Krieges, der aufziehen würde. Harry der gute Gryffindor, der für die Rechte der Muggleborns eintrat und Draco der böse Slytherin, der versuchte eine Welt, regiert von Purebloods, aufzubauen, aber vielleicht täuschten sie sich alle. Vielleicht war die Welt gar nicht schwarz und weiß und die beiden Jungen bewegten sich in einer Grauzone dazwischen.
Für Hermione stand fest, sie musste ein ernstes Wort mit Harry sprechen.
Draco saß beim Abendessen in der Großen Halle. Die Widersehensfreude unter den Schülern war ungetrübt und sie erzählten allesamt von ihren Ferienerlebnissen. Der Blonde hatte sich nicht, wie sonst, neben Blaise gesetzt, sondern zwischen Pansy und Amanda, die ihn erst irritiert angesehen und sich dann damit abgefunden hatten. Im Moment ertrug er Blaise Nähe einfach nicht. Konnte dessen Stolz über das Dark Mark einfach nicht verstehen und hätte ihm zuweilen am Liebsten ins Gesicht geschlagen dafür.
Sein Blick glitt wie gewohnt zum Tisch des Gryffindors, doch das vertraute Gesicht fehlte, ebenso wie Parker und Dumbledore am Lehrertisch. Draco brauchte sich nicht lange fragen, was da los war. Die drei nutzen die Gelegenheit, sich über Harrys Fortschritte und Voldemorts Pläne zu unterhalten.
Kurz blickte Granger zu ihm rüber und fing seinen Blick auf. Es war, als wolle sie ihm sagen, dass sie für alles Verständnis hätte. Schnell wandte er seinen Blick ab und versuchte sich auf den Rollbraten auf seinem Teller zu konzentrieren, aber es war wie verhext. Seine Gedanken wanderten wie automatisch immer wieder zu Harry und der Frage, welche schrecklichen Vision er in der Ferien wohl gehabt hatte.
Das Essen lag wie Steine in seinem Magen, als er eine Stunde später sein Zimmer betrat und es magisch versiegelte, damit er seine Ruhe haben würde.
Als er sich auf sein Bett sinken ließ fiel ihm ein gefaltetes Stück Pergament auf. Er griff danach und faltete es auf.
Triff mich heute Abend um 23Uhr im Room of Requirements
Harry
Draco seufzte leise. Er wusste zwar nicht, wie dieser Zettel in sein Zimmer gekommen war, aber er war froh, dass es ihn gab und Harry ihn sehen wollte. Dem Gryffindor musste klar sein, dass sein Freund nun ein Death Eater war.
Er warf einen Blick auf die Uhr. Es war erst zehn.
Wie in Trance öffnete Draco die Knöpfe am linken Arm seines schwarzen Hemdes und schob den Stoff bis zum Ellenbogen hinauf.
Grotesk hob sich das Dark Mark von seiner weißen Haut ab. Die Ränder waren noch immer feuerrot gegen das Alabaster des restlichen Arms.
Seufzend ging er zum Regal und nahm eines der Bücher heraus, in der Hoffnung, dass, wenn er lesen würde, die Zeit schneller verginge. Aber leider kroch sie noch immer genauso langsam dahin und Draco schaffte es kaum, sich auf das Buch zu konzentrieren, so oft starrte er die Uhr an.
Als es endlich viertel vor elf war verließ er sein Zimmer, um zum Room of Requirements zukommen, doch auf dem Flur begegnete ihm zuerst einmal Blaise.
„Dray, wo willst du ihn um die Uhrzeit?", fragte er und hob eine Augenbraue. Seine blauen Augen schienen sich in Dracos zu bohren.
„Das geht dich nichts an", fauchte dieser ungeduldig.
„Du triffst dich mit Potter, hab ich Recht?"
„Und wenn es so wäre, würde ich es dir nicht sagen".
„Ich warne dich, Dray. Vergiss nicht, wem du die Treue geschworen hast", Blaise sah seinen besten Freund warnend an, einen Blick, an der Draco sich langsam zu gewöhnen begann.
„Das vergesse ich schon nicht, keine Angst", maulte er zurück und ging dann ohne ein weiteres Wort an dem Italiener vorbei, der nur kopfschüttelnd im Gang zurück blieb.
Es war zwei Minuten nach elf, als der Blonde den angestrebten Raum betrat und sein Blick glitt wie automatisch zu dem vertrauten Bett, auf dem Harry bereits saß und auf ihn wartete.
Ein sanftes, aber etwas zurückhaltendes Lächeln umspielte seine Lippen. Draco spürte, wie sich seine Schritte beschleunigten, ohne dass er es wirklich bestimmte. Harry wirkte wie ein Magnet auf ihn, mit seinen schönen grünen Augen.
Der Schwarzhaarige erhob sich vom Bett und kam ihm einige Schritte entgegen, bis sie direkt vor einander standen.
Draco konnte seinen unverwechselbaren Duft einatmen und schloss wie automatisch seine Arme um Harry und drückte ihn an sich. Etwas Schweres schien von ihm abzufallen, als er den vertrauten Körper spürte und seine Lippen sich sanft auf die seines Gegenübers legten. Er wusste nicht, wohin ihn das alles führen würde, aber es war ihm auch egal, wenn nur Harry in diesem Leben zu ihm gehören würde.
Dracos Kuss war sanft und zugleich unendlich liebevoll. Harry wollte sich einfach fallen lassen.
Die ganze letzte Woche hatte er sich von dieser Begegnung gefürchtet und sie dennoch herbeigesehnt. Jetzt war es soweit und am liebsten hätte der Schwarzhaarige einfach mit dem Küssen weiter gemacht und sich dem hingegeben, was daraus entstehen würde, aber es wusste, dass Draco die Wahrheit verdiente, die Wahrheit darüber, dass Harry den schrecklichsten Moment im Leben des Blonden mit angesehen hatte.
Sanfte löste er sich von ihm und versuchte etwas Abstand zwischen sie zu bringen, wogegen der Slytherin sich kurz wehrte. „Wir müssen reden, Draco", sagte Harry ernst und spürte, wie der Angesprochene im nächsten Moment völlig von ihm abließ.
„Worüber?", seine Stimme klang fast lauernd und in seinen Augen konnte Harry Angst sehen, auch wenn Draco versuchte, sie zu unterdrücken.
„Du verdienst die Wahrheit", sagte er der Schwarzhaarige leise und ließ sich aufs Bett fallen.
Draco zog die Brauen zusammen und setzte sich neben ihn. „Die Wahrheit worüber?", wieder hatte sich seine Stimme verändert, jetzt klang sie belegt, erstickt und rau.
„Ich… hatte an Silvester eine Vision… ich war da, als man dir das Dark Mark eingebrannt hat… Ich habe alles mit angesehen… es tut mir leid".
Harry sah, wie Draco sich ein wenig entspannte, zugleich aber auch das Gesicht unter Schmerz verzog. „Wenn ich ehrlich bin, hatte ich fast damit gerechnet, dass du mir sagst, es ist vorbei, weil ich jetzt ein Death Eater bin…", begann der Blonde, seine Stimme klang etwas heiser.
„Nein Draco, du weißt, dass ich dich mehr liebe, als alles andere. Ich wünschte, du wärst kein Death Eater, aber ich kann damit leben und es ist ganz sicher kein Grund, nicht mehr mit dir zusammen sein zu wollen".
Draco lächelte leicht. „Es tut mir leid, dass du das mit ansehen musstest. Ich hätte es dir lieber erspart… war sicher kein schöner Anblick".
Die Bilder schienen wie von allein zu Harry zurück zu kommen. Draco im Schnee, sein Blut vor seinen Knien, das Brenneisen auf seinem Arm und der Schrei, der die Nachtluft erfüllte. Der Geruch von Blut und verbranntem Fleisch im eisigen Wind.
Etwas Schweres schien sich auf die Brust des Schwarzhaarigen zu legen und ihm das Atmen fast unmöglich zu machen.
„Das Schlimmste war, die nicht helfen zu können", presste er hervor, bevor sich weiche Lippen erneut auf seine legten. Sie schienen die schrecklichen Bilder hinweg zu waschen und Harry konnte dem Drang, sich fallen zu lassen, nicht mehr widerstehen und wehrte sich auch nicht, als Draco ihn sanft in die Kissen drückte.
Er hatte diese Berührungen vermisst und war froh, sie zurückzubekommen.
Wie von allein fanden seine Finger zu Dracos Hemdknöpfen und öffneten sie, während kühle Finger sich unter seinen Pullover schoben und seine Haut, unter der Berührung, zu prickeln begann.
Dracos Kuss wurde intensiver, weniger zärtlich und dafür umso leidenschaftlicher. Harry streifte ihm das schwarze Seidenhemd von den Schultern und entblößte die alabasterfarbene Haut. Als der Blonde seinen linken Arm wegziehen wollte, hielt er ihn am Handgelenk fest.
„Du brauchst dich dafür nicht zu schämen", flüsterte er und hauchte ihm einen Kuss direkt unter das rechte Ohrläppchen, bevor er seine Augen auf der Dark Mark richtete. Es wirkte fast lebendig. Schwarz hob es sich von der Haut ab, die noch immer stark gerötet war. Eigentlich sah es eher aus, wie eine Tätowierung, weniger wie ein Brandmahl, aber Harry hatte schließlich zugesehen, wie es entstanden war und das ließ keine Fragen offen.
„Es ist noch entzündet", bemerkte der Schwarzhaarige, vorauf hin Draco nur nickte. Es war ihm merklich unangenehm, dass sein Freund das Mal sah.
Harry ließ von seinem Arm ab und küsste ihn erneut. Solche Dinge waren jetzt nicht wichtig. Im Moment ging es nur um sie beide und es gab in ihrer Welt keinen Dunklen Lord, dessen Schatten bedrohlich über ihnen hing.
Draco zog dem Schwarzhaarigen den Pullover über den Kopf und ließ ihn achtlos zu Boden fallen, während er geistesgegenwärtig den Raum versiegelte, damit kein Erstklässler, auf der Suche nach der Toilette, hereinkommen würde.
Harrys Hände strichen fahrig über die Brust des Blonden, während er spürte, wie er Stoff seiner Hose immer enger um ihn herum wurde. Es kam einer Erlösung gleich, als der Slytherin erst seinen Gürtel löste und ihn dann von der störenden Jeans befreite, bevor er sich wieder zu Harry herunter beugte und ihn fordernd küsste.
Eine freche Hand strich über die Shorts des Gryffindor, entlockte ihm ein Keuchen, während er versuchte Draco von seiner Hose zu befreien. Der Blonde half ihm ein wenig und kurz darauf folgten auch ihre Shorts.
Harry zog das Bettlaken über sie und presste seinen aufgeheizten Körper gegen Dracos, der nun seinerseits ein Keuchen nicht unterdrücken konnte.
Noch immer war der Slytherin über ihm und verteilte nun heiße Küsse und sanfte Bisse auf Schultern und Hals seines Freundes, der diese Behandlung sehr zu genießen schien und sich dem Blonden immer weiter entgegen schob.
Draco lachte kurz auf. Harry hörte seine, von Lust heisere, Stimme direkt neben dem rechten Ohr. Sein warmer Atem streifte über die empfindliche Haut, als der Slytherin sprach und jagte Schauer über den Rücken des Goldjungen. „Da ist aber jemand ungeduldig", Draco klang amüsiert.
„Ich musste fast zwei Wochen darauf verzichten!", raunte Harry und versuchte sich seinem Freund weiter entgegen zu schrieben. Dieser lachte kurz auf, dann küsste er den Gryffindor zärtlich, bevor er dessen Unterschenkel über seine Schultern legte. „Entspann dich, Harry", flüsterte er.
Entspannen schien ihm das Leichteste auf der Welt, denn wie immer wurden all seine Muskeln weich, als er hört, wie Draco seinen Namen aussprach. Zufrieden schloss er die Augen und ließ sich fallen.
Das Nächste, das er realisierte, war ein neckischer Finger, der vorsichtig in ihn glitt. Allein die Vorstellung dessen, was der Blonde gleich mit ihm machen würde jagte heiße Schauer über Harrys Rücken und ließ seine Erektion schmerzhaft pochen.
Ein zweiter Finger kam hinzu und der Gryffindor konnte ein lustvolles Stöhnen nicht länger unterdrücken. Seine Welt schien bereits jetzt in Flammen zu vergehen.
Als er die Augen öffnete blickte er in Dracos Augen. Das Silber war flüssig und voller Wärme. Nichts mehr war zu sehen, von der Bitterkeit der Silvesternacht und für Harry waren sie ohnehin die schönsten Augen der Welt.
Kurz darauf verschwanden die forschenden Finger und hinterließen einen ungekannten Hunger in dem Gryffindor. Draco lächelte nachsichtig, beugte sich hinunter, um seinen Freund zu küssen und drang gleichzeitig vorsichtig in ihn ein.
Harry keuchte auf. Natürlich war es nicht das erste Mal, aber es war noch immer unendlich intensiv und schien seine Nervenenden unter Strom zu stellen. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, als Draco sich langsam in ihm zu bewegen begann. Sie wussten mittlerweile, wie weit sie gehen konnten, was ihnen gefiel und wie sich ihre Körper zu einander verhielten. Es war, als wären sie schon seit Menschengedenken für einander bestimmt.
Die Welt um den Gryffindor verlor sich in einem Wirbel aus Farben, Gefühlen und Eindrücken, die er nicht fassen oder begreifen, aber fühlen konnte und so ließ er sich auf das ein, was kam. Dracos Bewegungen in ihm, die sich so richtig anfühlten und sein unverwechselbarer Duft, der in der Luft hing.
Der Schwarzhaarige spürte, wie jeder Stoß ihn dem Höhepunkt näher brachte. Seine Lust staute sich zu süßer Qual auf und er wusste, dass es Draco nicht anders erging. Ein letzter tiefer Stoß und eine Welle, aus Lust und Erleichterung, floss über ihn hinweg, als der Slytherin sich im gleichen Moment aufbäumte und sich in ihn ergoss.
Harry atmete stoßweise, als Draco sich vorsichtig aus ihm zurückzog und neben ihn legte. Eine leichte Schweißsicht bedeckte die helle Haut, das blonde Haar hing ihm in der Stirn und ein seliges Lächeln umspielte die blassen Lippen.
„Ich liebe dich", murmelte er, als er sich an den Gryffindor kuschelte, der jene Nähe nur zu gerne willkommen hieß. Sein Körper war zwar immer noch überreizt, aber der lange Abschied von Draco steckte ihm noch immer in den Knochen.
„Ich liebe dich auch", flüsterte er zurück und küsste den Blonden liebevoll.
Müdigkeit machte sich in ihm breit und er schloss die Augen.
„Wenn du jetzt nachgibst liegen wir morgen früh immer noch hier", bemerkte Draco, das Lächeln, welches seine Lippen zierte, war seiner Stimme anzuhören.
„Das wäre mir lieber, als in einem leeren Bett im Gryffindorturm aufzuwachen", gab Harry zurück. Er wollte diese Nacht mit seinem Freund verbringen, wollte nicht wissen, was morgen sein würde. Geliehene Zeit… immer wieder lief es nur darauf hinaus…
Es war Montagabend, der erste Schultag war geschafft und außer Hermione war niemand mehr im Common Room der Gryffindors, denn die meisten hatten noch immer ihren Ferienrhythmus und waren vom frühen Aufstehen müde und bereits im Bett.
Sie warf einen Blick auf die magische Uhr; es war erst zehn. Da schwang das Portrait der Fetten Dame auf und Harry betrat den Common Room.
Sofort sprang Hermione, von ihrem Platz am Feuer, auf und lief auf ihn zu, nur um ihm dann um den Hals zu fallen. „Oh Harry!", entkam es ihren Lippen, als sie ihre Arme um ihn schlang.
Zögerlich erwiderte der Schwarzhaarige ihre Umarmung.
Natürlich hatten sie einander schon im Laufe des Tages im Unterricht gesehen, aber nie die Gelegenheit gehabt, zu reden. Umso glücklicher war Hermione darüber, Harry allein erwischt zu haben.
Sie schob ihn auf Armeslänge von sich und lächelte.„Wie waren deine Ferien?", fragte sie, noch immer freudig, aber mit einer Spur Sorge in der Stimme.
Harry zog die Brauen zusammen. Hermione konnte sich denken, dass seine Ferien wahrscheinlich nicht schrecklich schön gewesen waren, aber sie wollte ihn trotzdem fragen, ihm zeigen, dass sie Interesse an ihm hatte.
„Ganz in Ordnung und deine?", fragte er, seine Mine war noch immer skeptisch.
„Gut. Ich war bei meinen Eltern", antwortete sie und lächelte.
„Nicht bei Ron?"
„Ähm… nein. Ich brauchte Abstand".
Ein Nicken sonst nichts.
„Du warst bei Parker", es war keine Frage sondern eine Tatsache.
„Woher weißt du davon?", fragte Harry irritiert.
Hermione zog ihn mit sich auf ein Sofa neben dem Feuer. Ihre haselnussbraunen Augen blickten ihn warm und freundlich an. „Ich habe Malfoy gefragt", antwortete Hermione wahrheitsgemäß. „Sei bitte nicht böse, aber es war offensichtlich, dass wenn jemand etwas über dich weiß, dann er".
„Bitte?"
Die junge Frau lächelte. Sie hatte damit gerechnet, dass sie ihren besten Freund ein wenig ärgern würde, wenn sie ihm offenbarte, wie viel sie über ihn und Malfoy wusste. „Naja, es war nicht schwer zu bemerken, dass du dich gut mit ihm verstehst. Die Blicke, die ihr euch zuwerft, eure Zeit im Room of Requirements, über die ihr nicht sprecht. Das alles ist doch sehr offensichtlich".
Der Schwarzhaarige wirkt auf einmal fast verängstigt. „Du weißt davon?"
„Wie gesagt, es war nicht schwer zu erraten. Aber keine Sorge, ich habe nicht vor, dich deswegen weniger zu mögen und verrate es auch sicher nicht weiter".
„Danke. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so offensichtlich ist".
„Schon gut. Wie geht es denn jetzt weiter mit euch? Ich meine wie könnt ihr euch sehen, wenn ihr nicht mehr eingesperrt seid?", Hermione war neugierig, aber auch ehrlich interessiert an Harrys Leben.
„Nun…", begann der Schwarzhaarige zögerlich, dann straffte er seine Schultern. „Da du es eh weißt, muss kann auch frei sprechen. Also den Raum gibt es ja immer noch, nicht wahr? Oder wo sonst sollte ich die letzte Nacht verbracht haben? Ron hat dir sicher erzählt, dass ich gefehlt habe".
Verwirrung machte sich in Hermione breit. Harry hatte die Nacht im Room of Requirements verbracht? Warum? Was…
Plötzlich setzen sich in ihrem Kopf alle Puzzleteile zusammen und ergaben ein einheitliches Bild.
Ihr bester Freund war nicht bloß mit Malfoy befreundet, die beiden waren zusammen, so wie Ron mit ihr hatte zusammen sein wollen.
„Oh…", entkam es ihren Lippen, woraufhin Harry beide Augenbrauen hob.
„Hermione?", fragte er irritiert.
„Ich dachte ihr… seid Freunde… nicht mehr…", sagte sie perplex.
„Du… oh… dann… wusstest du gar nicht, dass…-"
„Nein, wusste ich nicht. Ich dachte, ihr hättet euch angefreundet, mehr nicht".
Sie konnte sehen, wie Harry hart schluckte. Er hatte sich verraten und es tat Hermione unendlich leid, dass sie sich nicht klar ausgedrückt hatte.
„Harry… das wollte ich nicht… Es tut mir leid. Wenn ich gewusst hätte…", ihre Stimme brach.
„Schon gut, Hermione. Jetzt weißt du die Wahrheit. Ich bitte dich einfach darüber zu schweigen, mehr nicht", Harry klang völlig gelassen, als er sich von seinem Platz erhob, ihr ein letztes Lächeln schenkte und dann zum Schlafraum ging.
Hermione saß noch lange vor dem Feuer an jenem Abend und dachte über das nach, was sie gerade erfahren hatte. Ihr bester Freund hatte in der Tat selten Interesse an Mädchen gezeigt. Klar er war vor einem Jahr mit Cho zusammen gewesen, aber über ein bisschen ‚Händchenhalten' und einen Kuss war das nicht hinausgegangen und auch Ginnys Versuche, seine Aufmerksamkeit zu erregen, entgingen ihm. Es passte wieder alles zusammen.
Sie seufzte leise. Aber änderte das Harry? Nein. Er war noch immer der gleiche Mensch, der ihre Welt vor dem Untergang retten würde und warum sollte diese Rettung weniger wert sein, nur weil der Held schwul war?
So gut Hermione es konnte, würde sie hinter ihrem besten Freund stehen, wenn er es wollte.
Draco saß in der Großen Halle über seinem Frühstück, neben ihm nur Pansy, da die anderen noch schliefen. Sie lächelte ihn kurz an, als er seine Kaffeetasse an die Lippen hob. „Alles klar bei dir, Draco?", fragte sie.
„Ja, alles klar", log er und warf einen kurzen Blick zum Gryffindortisch, an dem Harry neben Longobottom und Granger saß. Ihm gegenüber hatte Weaslette Platz genommen und versuchte die Aufmerksamkeit des Schwarzhaarigen zu erregen, scheiterte aber mal wieder.
Pansy sah sich kurz am Tisch um, als wolle sie sehen, ob jemand zuhöre, dann richtete sie ihre Augen wieder auf den Blonden.
„Jetzt mal ehrlich. Du bist nicht wie Blaise und sicher auch nicht stolz auf das Teil da auf deinem Arm", sagte sie und nickt zu Dracos linker Hand.
Der Slytherin schluckte kurz. „Ja und weiter? Dann bin ich eben nicht stolz auf ein Mal an meinem Arm, das mich verschandelt", fragte er und klang dabei alles andere als freundlich.
„Hör mal Dray. Ich weiß, es ist nicht deine Art, aber wenn du über was reden willst, dann hab ich ein offenes Ohr, okay? Mit Blaise hast du ja grade etwas… nun ja… ihr habt eure Meinungsverschiedenheiten, nicht wahr?", Pansy lächelte aufmunternd und trank einen Schluck Tee.
„Danke. Wenn ich reden will, weiß ich ja jetzt mit wem", bemerkte der Blonde, bevor er sich ein Toast zu belegen begann.
Aus den Augenwinkeln sah er, dass sich vorne am Lehrertisch etwas tat. Dumbledore erhob sich, um der versammelten Schulgemeinschaft etwas mitzuteilen. Einem Reflex folgend warf Draco einen weiteren Blick zum Gryffindortisch, den Harry auffing und erwiderte. Sie dachten das Gleiche, da war der Blonde sich sicher.
Dumbledore würde die Schulgemeinschaft warnen.
„Meine lieben Schüler. Es tut mir leid, dass es zu eurer Rückkehr keine Ansprache gegeben hat, aber dringende Dinge benötigten meine Aufmerksamkeit. Es wird Zeit dies nun nachzuholen, obwohl ich sagen muss, dass ich diesmal keine guten Nachrichten für euch habe. Vielmehr muss ich euch warnen, doch zunächst bitte ich jenen Einzelnen nicht in Panik zu geraten. Wir erwarten einen Angriff auf Hogwarts in den nächsten Wochen. Schon lange versuchen die Death Eater der Schule habhaft zu werden und sie werden einen weitern Versuch starten, noch vor Mitte März. Ich muss euch alle also bitten, auf der Hut zu sein. Für den Fall, dass die Schule angegriffen wird, gibt es einen Notfallplan. Ihr haltet euch bitte unbedingt an das, was die Prefects, sowie Headboy und Headgirl euch sagen. In den Dungeons gibt es einen Portkey, der euch zugegebener Zeit an einen sicheren Ort bringen wird. Es tut mir leid, dass eure Rückkehr keine Möglichkeiten der Freude lässt. Die einzige gute Nachricht, die ich habe ist, dass unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen, das Quidditchspiel am Samstag stattfinden wird. Als kleines Trostpflaster für die schweren Zeiten, in denen wir leben."
Mit besorgtem Gesichtsausdruck setzte Dumbledore sich wieder auf seinen Platz und blickte kurz zu Harry.
Es herrschte absolutes Schweigen in der Halle; keiner traute sich ein Wort zu sagen und auch Draco hatte das Gefühl einen schweren Kloß im Hals zu haben. Bis März wären es nur noch knappe zwei Monate und irgendwann, in dieser Zeit, würde Voldemort zuschlagen.
Der Toast in seiner Hand, kam Draco plötzlich unappetitlich vor und er ließ das Stück Brot auf seinen Teller fallen. Ihm war schlecht geworden, von der Vorstellung der Zukunft. Was würde geschehen, wenn Hogwarts fiel? Auf welcher Seite würde er stehen? Und würde er Harry noch immer sehen können, wenn sie auf unterschiedlichen Seiten standen? Und wieder einmal war es zum Verrücktwerden.
Harry stand neben Hermione, abseits der anderen Gryffindors, auf den Tribünen, die das Quidditchfeld einschlossen.
Tatsächlich waren die Sicherheitsvorkehrungen immens. Überall um das Feld herum waren Auroren aufgestellt, die mit grimmigen Gesichtern das Geschehen beobachteten. Die Lehrer schien auch weniger auf der Spiel, als viel mehr auf das Umland von Hogwarts zu achten, als erwarten sie jeden Moment einen Angriff. Die bedrohliche Lage war deutlich zu spüren und Harry konnte sich nicht vorstellen, dass es auch nur einem Schüler gelang, sich dabei zu entspannen und über das Spiel zu freuen.
Nichts desto trotz blickte er auf das Feld, auf dem sich gerade die beiden gegnerischen Teams begrüßten: Hufflepuff gegen Slytherin.
Eigentlich stand der Gewinner bereits fest, aber trotzdem drückten sämtliche Gryffindors den Dachsen die Daumen; alle außer einem oder vielleicht zwei, wenn Hermione sich wirklich auf seine Seite geschlagen hatte.
Harrys Augen waren starr auf Draco gerichtete, der in seiner smaragdfarbenen Quidditchrobe auf den Teamcaptain der Hufflepuffes, Kevin Whitby, zuging und ihm die Hand schüttelte. Whitby war erst ein Drittklässler, aber herausragend begabt und der einzige Lichtschimmer im schlechten Team der Dachse.
Madame Hoch nahm die Pfeife zur Hand und gab den Startpfiff, woraufhin sich vierzehn Besen in die Luft erhoben.
Harrys Aufmerksamkeit galt weniger Colins Ansagen über den Verlauf des Spieles, als viel mehr Draco, der hoch über ihren Köpfen das Feld umkreiste. Nie hätte der Schwarzhaarige sich träumen lassen, einmal Slytherin die Daumen zu drücken, egal ob beim Quidditch oder sonst irgendwas.
Hermione legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte freundlich, als Slytherin das erste Tor erzielte. „Die Chancen, dass sie gewinnen liegen bei fast 100%, Hufflepuff ist, bis auf Whitby, ausnahmslos schlecht", sagte sie.
Harry nickte nur.
„Machst du dir Sorgen, dass etwas passieren könnte?", fragte sie, ihre Augen musterten ihn verständnisvoll.
„Nein, eigentlich nicht. Voldemort weiß, dass bei solchen Veranstaltungen für Sicherheit gesorgt ist. Er greift erst an, wenn keiner mehr damit rechnet".
Sie nickte leicht, bevor sie sich wieder auf das Spiel konzentrierte.
Noch nie hatte Harry so bei einem Quidditchspiel mitgefiebert. Es war ihm immer relativ egal gewesen, wer gewann, solange es nicht Slytherin war. Aber die Welt hatte sich geändert und jetzt achtete er voller Spannung auf jede Bewegung, die er von Draco erkennen konnte.
Slytherin führte bereits 70:30, als der Blonde plötzlich wie ein Blitz Richtung Boden schoss.
Harry hielt den Atem an, als er sah, dass auch der Sucher von Hufflepuff ihm folgte. Seine Hände schienen sich zu verkrampfen. Endlose Sekunden flogen beide in rasendem Tempo dem Snitch hinterher, der immer wieder Haken schlug und versuchte seinen Verfolgern zu entkommen.
Hermione hatte sich an seinem Arm festgekrallt und schien ihm nun vor Aufregung das Blut abzudrücken. Es machte sie um einiges sympathischer, dass sie zu ihm hielt und sogar jetzt für Slytherin mitfieberte; und dass sie sich nicht angeekelt von ihm abwendete und sein Geheimnis in die Welt hinaus schrie.
Dann endlich, als Harry schon glaube seinen rechten Arm zu verlieren, ging ein Raunen durch die Menge, als Dracos Hand sich um den kleinen Ball legte. Unter den Slytherins brach lauter Jubel aus, während die restlichen Häuser eher enttäuscht aussahen, wenn auch nicht überrascht.
Der Schwarzhaarige konnte nicht anders, als zu grinsen. Zum ersten Mal in seinem Leben spürte er Stolz auf jemanden, wie noch nie zuvor. Draco hatte gerade das Spiel beendet und gewonnen und Harry konnte von sich sagen, dass der Blonde sein Freund war, dass sie zusammen gehörten. Einzig die Tatsache, dass er dies nicht offen zeigen konnte, schmälerte seine Freude.
„Ich freu mich für euch", sagte Hermione und legte ihren Kopf an seine Schulter.
Harry lächelte leicht. „Danke, Mione".
Vielleicht hatte er Ron als Freund verloren, aber er hatte Draco gewonnen und Hermione einmal mehr, besser kennen gelernt.
Dumbledore stand am Fenster seines Büros, hinter ihm die Professoren Snape, McGonagall und Parker.
„Es war gefährlich, das Spiel durchzuführen", sagte der Potionsmaster, seine Stimme klang ein wenig anklagend.
„Ich weiß, Severus. Aber ich kann diese Kinder nicht nur einsperren und ihnen schlechte Nachrichten mitteilen. Sie brauchen einige wenige schöne Ereignisse in ihrem Leben".
„Dennoch, ein Angriff und wir alle wären noch verwundbarer gewesen, als wir es ohnehin schon sind", warf nun auch Minerva ein, sie hatte die Lippen fest aufeinander gepresst, wie immer in der letzten Zeit.
„Ah… der Angriff… er ist unvermeidbar. Harry ist noch nicht soweit, dass er Voldemort schlagen kann, wenn er hier auftaucht muss der Junge unter allen Umständen aus dem Kampf heraus gehalten werden. Minerva, Merik Sie beide werden einen Schutzkreis um den Portkey errichten, der groß genug ist um zweihundertfünfzig Menschen zu fassen. Der Dunkle Lord darf nicht an den Portkey kommen. Und Sie Severus sorgen dafür, dass Harry in diesen Kreis kommt, ob er will oder nicht. Einmal darin wird er nicht herauskommen und der Lord nur herein, wenn er Merik und Minerva tötet".
Der alte Schulleiter drehte sich zu seinen engsten Vertrauten um und sah einen nach dem anderen an. Jeder von ihnen nickte, auch wenn sie nicht glücklich aussahen.
Die Vorkehrungen für den Angriff waren getroffen und jeder wusste, was zu tun war, auch, wenn es eine bittere Pflicht sein würde.
Es war in der Nacht von Sonntag auf Montag.
Seit einer Woche waren die Schüler wieder in Hogwarts und Harry Potter lag schlafend im Gryffindorturm, als ein Knall, fast eine Explosion, ihn aus seinen Träumen riss. Auch die anderen Klassenkameraden, die mit ihm einen Raum teilten, saßen aufrecht in ihren Betten.
„Was war das?", fragte Dean Thomas entsetzt, seine Atmung hatte sich bereits beschleunigt.
„Was auch immer es war, es bedeutet nichts Gutes", bemerkte Harry, während er seine Brille aufsetzte. „Wir sollten in den Common Room gehen, McGonagall wird sicher bald dort auftauchen und eine Erklärung geben".
Einstimmiges Nicken füllte den Raum, dann gingen sie alle, noch immer in Pyjamas, die Treppe hinunter.
Der Common Room war zum Bersten mit Schülern gefüllt, welche die gleiche Idee gehabt hatten.
Hermione kam sofort auf Harry zu, ihr langes, braunes Haar stand in alle Himmelrichtungen ab. „Was war das? Glaubst du es hat begonnen?", fragte sie ihn so leise, dass es sonst keiner hören konnte.
„Ja, ist bin sicher, dass er das ist", antwortete der Gryffindor und griff nach seinem Zauberstab. Er war bereit zu kämpfen und Voldemort in die Knie zu zwingen, um zu schützen, was er liebte.
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Professor McGonagall tatsächlich durch das Portraitloch hereinkam. Sie trug ebenfalls ein Nachtgewand und sah sorgt, fast ängstlich aus. „Ich bitte Sie alle jetzt zur Ruhe. Der Knall, der nicht nur Sie, sondern auch mich, aus dem Schlaf gerissen hat, bedeutet in der Tat nichts Gutes. Es ist dem Dunklen Lord gelungen, die Schutzzauber um Hogwarts herum zu brechen. Er und seine Death Eater sind bereits vor der Eingangstür und dort brechen sie die letzten Barrieren. Sie alle werden sofort mit mir in die Kerker gehen, wo ein Portkey Sie in Sicherheit bringen wird. Dazu bitte ich Sie, einander an der Hand zu nehmen. Die anderen Lehrer werden die Death Eater aufhalten, das sei Ihnen versichert", sagte sie mit belegter, aber ernster und kontrollierter Stimme, dann ging sie voraus und ihr Haus folgte ihr.
Hermione griff nach Harrys Hand, an der anderen hatte sie Ginny, die wiederum Neville an der Hand hatte. „Was sollen wir tun? Gehen wir mit?", fragte sie.
„Du wirst sowieso mitgehen, Hermione. Ich will nicht, dass du dich in Gefahr begibst. Aber ich werde auch mitkommen, zumindest fürs Erste. Ich muss wissen, dass es Draco gut geht". Sie nickt kurz, dann setzten sie sich in Bewegung Richtung Dungeons.
Dort unten löste sich ihre gute Formierung auf. Sie befanden sich ungefähr in der Mitte der Dungeons, auf halben Weg hindurch zum Portkey und Schüler strömten durcheinander. Harry verlor Hermiones Hand. Sie verschwand einfach in der Menge der Körper irgendwo hinter ihm, aber der Schwarzhaarige verfolgte nur eingene Gedanken. Er wollte sehen, dass Draco zum Portkey ging und sich in Sicherheit brachte, dann hätte er selbst den Kopf frei, um sich Voldemort zu stellen.
Doch während immer neue Schülermassen an ihm vorbei zogen und bekannte Gesichter auftauchten, darunter auch Pansy Parkinson, Amanda Gordon und Millicent Bulstrode, blieb Draco verschwunden.
Die Körper der Schüler drückten gegeneinander, die Luft wurde knapper und erste Schreie waren zu hören. Die Leute schubsten und drängelten, sodass es dem Schwarzhaarigen schwer fiel, sich an seinem Punkt zu halten und nicht weiter mitgezogen zu werden, von den Schülern, die in die Dungeons drängten.
Und während alle dem war Draco nirgendwo zu sehen. Suchend blickte Harry sich um, Panik machte sich in ihm breit.
Dann brach das Chaos aus. Blitze zuckten durch die Luft, als die Death Eater die Schülermassen erreichten. Schmerzensschreie ertönten und die Schüler begannen in wilder Panik durcheinander zu laufen, um den Schutzkreis, den McGonagall und Parker errichtet hatten, zu erreichen.
Harrys Augen waren schockgeweitet, das wusste er, aber seine Gedanken waren wie elektrisiert und kreisten immer nur um Draco. „Nun komm schon. Wo bist du bloß?", sagte er mehr zu sich selbst, während es immer schwerer wurde, sich gegen die Schülerschar am Ort und Stelle zu halten.
Die Luft war erfüllt von Schreien, Rufen und dem Donner der duellierenden Zauberer. Panik war ausgebrochen. Da tauchte Ginnys Gesicht aus der Masse der Schüler auf. Sie griff nach seinem Arm und versuchte ihn mit sich zu ziehen. „Lauf Harry! Wir brauchen dich doch!", rief sie, ehe die Schülerströme sie mit sich trugen.
Der Schwarzhaarige hatte genug. Er wollte sich nicht länger gegen die Körper stemmen und abwarten. Er wurde zurückgehen und nach Draco suchen. Sollte ihm dabei Voldemort über den Weg laufen, umso besser. Mühevoll kämpfte er sich gegen den Strom, der immer weiter in die Dumgeons vordrang. Noch immer war die knappe Luft erfüllt von Schreien und Blitzen, der kämpfenden Lehrer und Death Eater.
Es schien Stunden zu dauern, bis Harry es endlich geschafft hatte, aus der Schülermasse, zu den Kämpfen, am Eingang der Dungoens, durchzudringen. Er hatte seinen Zauberstab bereit, als seine Augen in ein paar glühend roter blicken.
Voldemorts Gesicht verzog sich zu einem bösartigen Lächeln, als er auf Harry zuging. Dieser machte sich innerlich auf das Schlimmste gefasst. Es würde zum Kampf kommen, zwischen ihm und dem Dunklen Lord und nur einer der beiden würde mit dem Leben davon kommen, so wollte es die Prophezeiung.
Die Schüler waren in den Gängen hinter ihm verschwunden, genug Luft schien seine Lungen zufüllen, und doch fühlte er sich benebelt und etwas schwindelig im Anbetracht dessen, was nun folgen würde. Bedrohlich kam der Lord auf Harry zu, sein Zauberstab bereit zu töten. Das Grinsen auf seinem Gesicht wurde mit jedem Schritt breiter und zufriedener. Er sah aus, als wäre er der Hölle selbst entstiegen.
Der Schwarzhaarige hörte keine Schreie mehr. Sein Gehirn war wie leergefegt. Er wusste, er hatte keine Chance. Nicht jetzt, nicht heute. Aber er hatte es herausgefordert, und er würde kämpfen, bis zum letzten Atemzug.
„Harry Potter, wie schön dich endlich wieder zu sehen", sagte Voldemort mit tödlich sanfter Stimme.
„Stupefy", rief der Gryffindor, doch sein Gegenüber wehrte den Fluch mit einer Handbewegung ab.
„Glaubst du wirklich, mich so einfach schlagen zu können? Da musst du dich schon etwas mehr anstrengen… wobei… lass es lieber bleiben. Du hast ohnehin schon verloren. Bereite dich darauf vor, zu sterben. Deine Eltern werden sich sicher freuen, dich wiederzusehen", säuselte er.
Wut stieg in Harry auf. Flammend heiß und glühend schien sie sein Innerstes zu verschlingen und ließ nur den Wunsch zu verletzen in seinem Kopf zurück. Er wollte Rache, wollte diesen Mann all den Schmerz spüren lassen, den er gespürt hatte in den sechzehn Jahren seines Lebens. Voldemort hatte nicht das Recht, von Lily und James zu sprechen und dafür würde er jetzt bezahlen und leiden!
„Sanguinem fundere", rief Harry und der Fluch gelang ihm tatsächlich, obwohl es ein schwarzmagischer war und seine Fortschritte noch immer zu wünschen übrig ließen. Doch auch diesmal wehrte Voldemort den Angriff ab.
„Schwarze Magie? So so! Wir sind uns in der Tat nicht unähnlich. Aber deine Versuche sind lächerlich! Gib es auf, Harry", sagte er und richtete seinen Zauberstab auf den Schwarzhaarigen. „Es ist Zeit, zu sterben".
„Avada Ke-"
Ein roter Fluch traf den Lord an der Schulter und er wirbelte herum. Aus den Augenwinkeln konnte Harry Dumbledore erkennen, der mit erhobenem Zauberstab im Gang stand. „Wie wäre es mit einem ebenbürtigen Gegner, Tom?", fragte er, seine Stimme war stark und erinnerte kaum an einen alten Mann.
Mehr bekam Harry nicht mit, denn jemand, den er nicht sehen konnte, hatte ihn am Kragen gepackt und zog ihn mit sich, zurück in die engen Gänge der Dungeons und näher zum Portkey.
„Sie müssen sich wirklich immer, und zu jeder Zeit, in den Mittelpunkt drängen, nicht wahr, Potter?", schnarrte Snape wütend.
„Lassen Sie mich los!", rief Harry und versuchte sich zu lösen. „Ich muss Dumbledore helfen!"
Hart drückte Snape ihn gegen die Wand. „Sie können nicht einmal sich selbst helfen, viel weniger noch anderen. Sie wären keine Hilfe, sondern nur eine Behinderung, also halten Sie ihren Mund und kommen Sie mit mir, sonst händige ich Sie persönlich an die Death Eater aus, verstanden? Der Lord ist bereits hinter uns, wir haben keine Zeit für Mätzchen!". Die Stimme des Potionsmasters war kalt und schneidend wie nie. Er ließ Harry nicht mehr zu Wort kommen, bevor er ihn weiter die nun leeren Gänge der Dungeons entlang schleifte.
Als sie den Schutzkreis erreichten, hatten sich die meisten Schüler bereits dort drin eingefunden. Snape musste sich den Weg durch Death Eater hindurch kämpfen, die versuchten die Schüler an der Flucht zu hindern.
Im Gang konnte Harry bereits Voldemort erkennen, der weniger zu laufen, als viel mehr zu gleiten schien. Seine Gesichtszüge waren von Wut verzerrt.
„Hast du geglaubt, du könntest mir entkommen, Potter?", schrie er mit hoher, schriller Stimme.
Hinter Harry begannen auch die Schüler entsetzt zu schreien, als die den Dunklen Lord erblicken. Snape kämpfte noch immer mit einem der Death Eater, während Voldemort dem schwarzhaarigen Gryffindor immer näher kam. Er hob erneut den Zauberstab. Einen Moment fragte Harry sich, wo Dumbledore abgeblieben war, aber dann bekam er einen Stoß und spürte, wie er durch eine Art Schild glitt, als er nach hinten taumelte.
„Berühren Sie den Portkey, Potter!", rief McGonagall, ihre Stimme klang noch immer gefasst, aber die Anstrengung war ihr anzuhören.
Harry zögerte. Seine grünen Augen waren noch immer auf Voldemort gerichtet, der nun noch wütender wirkte, da der Gryffindor aus seiner Reichweite entkommen war. Er glitt auf ihn zu blieb direkt vor dem Schutzkreis stehen.
Ihre Augen trafen aufeinander, sie sahen sich an und Harry konnte nichts außer Hass und Wahnsinn erkennen.
„Du kannst versuchen zu fliehen", rief Voldemort, und blinzelte dabei kein einziges Mal. „Aber die Zeit, Harry Potter, die Zeit wird dich ausliefern! Sie gibt die den Todesstoß!".
„Das werden wir ja sehen", antwortete der Angesprochene mit ebenso lauter Stimme. Sein Kampfgeist war wieder erwacht und er wollte Voldemort zeigen, dass er sich nicht einschüchtern lassen würde. „Es wird sich zeigen, wer von uns beiden am Ende noch steht!"
„Deine Berühmtheit wird dir nicht helfen, Harry Potter! Am Ende bleiben nur du, ich und all die Mächte der Hölle. Du kannst dich nicht verstecken; du kannst nur sterben! Du wirst alles verlieren!"
Harry ballte die Hände zu Fäusten und wollte etwas erwidern, als er McGonagalls fast schon wütende Stimme hörte. „Potter, nun verschwinden Sie endlich, um Himmels Willen!"
Einem Reflex folgend drehte Harry sich um. Er wusste, er konnte nichts mehr ausrichten, der Schutzkreis ließ Voldemort nicht hinein und ihn selbst nicht hinaus, also musste er nun sich und die verängstigen Schüler in Sicherheit bringen. Nach einem letzten Blick auf den Mann, der seine Eltern getötet hatte, legte Harry eine Hand auf den Portkey, der zu ihm geschwebt war und durch den Zauber, den Dumbledore gewoben hatte, begann dieser zu leuchten und umschloss all jene, die sich unter dem Schutzkreis befanden mit hellem Licht.
Kurz fragte sich der Schwarzhaarige, ob Draco es doch noch in den Kreis geschafft hatte, dann verlor sich seine Welt in einem Wirbel aus Farben.
Kapitel 13 Ende
