Charaktere, Orte etc.: JK Rowling
Geschichte: Moonsign
2. A White Sheep Named Black (Ein weißes Schaf namens Black)
I am what I am
And what I am needs no excuses
I deal my own deck
Sometimes the ace
Sometimes the deuces
It's my life and there's no return and no deposit
One life, so it's time to open up your closet
Life's not worth a damn 'till you can say
Hey, I am what I am
(Shirley Bassey)
SIRIUS:
Sirius hatte nie vorgehabt, das weiße Schaf des „Alten und gar Fürnehmen Haus der Blacks" zu werden. Es war so schrittweise passiert, dass er es zuerst gar nicht bemerkt hatte. Es hatte mit normalem, kindischem Trotz begonnen. Sirius war immer derjenige gewesen, der die Grenzen ausgetestet hatte – er musste herausfinden, wie weit er es treiben konnte, bis seine Mutter ausrastete und ihn bestrafte.
Er war größtenteils von den Hauselfen der Familie erzogen worden, und so versuchte Sirius stets, die Aufmerksamkeit seiner hochmütigen Mutter und seines fast immer abwesenden Vaters auf sich zu ziehen, und er hatte herausgefunden, dass der effektivste Weg dazu war, in Schwierigkeiten zu kommen.
Es fing mit kleinen Dingen an. Er stahl ein Glas mit magischem, die Farbe wechselndem Nagellack von seiner Cousine Narzissa, als sie zu Besuch kam, und malte damit Gesicht und Hände des Portraits seiner Großmutter, das in der Halle hing, an. Unglücklicherweise für Geminus Blacks Portrait war der Nagellack als ewig haltend entwickelt worden und verschwand erst, wenn er ausgewachsen war, und so war ihr Portrait abgenommen und auf dem Dachboden versteckt worden. Sirius war geschlagen und für einen Tag in den Keller gesperrt worden, wo er geschrien hatte, sie mögen ihn hinauslassen. Er fürchtete sich vor dem schattigen Schüttgut, den Weinfässern und den dunklen Ecken.
An einem Weihnachtsabend einige Monate nach seinem siebten Geburtstag hatte er eine stille Nacht damit verbracht, fünf Packungen Druhbels Besten Blaskaugummi zu kauen und seiner Cousine Bellatrix ins Haar zu kleben. Das nachfolgende Drama war die erneuten Prügel und die Konfiszierung seines Taschengeldes für zwei Wochen vollkommen wert.
Ein andermal, als die Familie Malfoy zum Abendessen gekommen war, hatte Lucius Malfoy über Sirius' neue, blaue und grüne Samtrobe gespottet. Sirius hatte ihm breit zugelächelt, und Lucius später mithilfe seines Bruders Regulus von der Party weg und in ein Gästezimmer gelockt, wo Geminus Blacks alter Schluckender Stuhl gelagert wurde.
Erst viel später, als die Malfoys gehen wollten, wurde Lucius entdeckt, bis zum Hals in einem riesigen, fellgepolsterten Stuhl steckend und ohne Pause Sirius und Regulus verfluchend, die das weißblonde Haar des älteren Jungen zufrieden mit Strähnen aus pinkfarbener und violetter Lebensmittelfarbe bemalten.
Nur seine Lieblingscousine Andromeda und sein Großonkel Alphard schienen seine Bemühungen, Chaos im „Alten und gar Fürnehmen Haus der Blacks" zu verursachen, anzuerkennen. Zu der Zeit hatte er nicht verstanden, dass sie in ihm den gleichen Trotz gegen die Familie erkannten wie in sich selbst.
Als Sirius' Mutter ihn durch ständige Kritik und Bestrafungen immer weiter von sich und ihren Idealen fortdrängte, nahmen sich Andromeda und Alphard still seiner an, die so eine kleine Herde weißer Schafe unter den Blacks entstehen ließen.
Sirius begann, seine neuen Beschützer mehr als seine Eltern zu lieben, und als Andromeda, drei Wochen vor Sirius' zehntem Geburtstag, ihre Verlobung mit dem Muggelstämmigen Ted Tonks verkündete und konsequent verleugnet und vom Black'schen Familienstammbaum gebrannt wurde, verwandelten sich Sirius' Bemühungen um Unfug von der Bitte nach Aufmerksamkeit in einen subtilen Weg, sich an seiner Mutter für seine Lieblingscousine zu rächen.
„Du wirst enden wie sie!", kreischte Walburga Black ihren trotzigen jungen Sohn an, während sie zornig den Hauselfen Anweisungen gab, die zwölf Niffler einzufangen, die das Haus auf der Suche nach glänzenden Gegenständen auseinander nahmen.
Sirius hatte monatelang sein Taschengeld gespart, um sich die Niffler leisten zu können, und hoffte plötzlich, dass seine Mutter sie nicht ertränken würde.
„Hörst du mir eigentlich zu, Sirius Orion Black? Ich schwöre, ich werde dich vom Stammbaum brennen, wenn du dich weiterhin so benimmst!"
„Vielleicht interessiert mich das gar nicht!", schrie Sirius zurück. „Vielleicht finde ich ja, es wäre besser, wie Andromeda zu sein, als wie du!"
„WAGE ES NICHT, IHREN NAMEN IN DIESEM HAUS NOCH EINMAL AUSZUSPRECHEN! DIESE SCHMUTZIGE, MUGGELLIEBENDE BLUTSVERRÄTERIN!"
Bevor Sirius reagieren konnte, hatte seine Mutter ihm hart mit dem Handrücken ins Gesicht geschlagen. Er fühlte, wie der große Ring mit der Familienkrone in seine Wange schnitt und fiel schockiert auf den Boden. Seine Mutter hatte ihn noch nie geschlagen. Angeordnet, ihn zu schlagen, ja, aber ihn wirklich selber geschlagen?
„Ich mag Ted!", spie Sirius ihr entgegen, sein Gesicht brannte vor Hass und Wut. „Er ist nett und lustig und es ist mir egal, dass er ein Schlammblut ist!"
Er öffnete den Mund, um noch mehr zu sagen, doch sie beugte sich hinunter und schlug ihn wieder, dann hob sie ihn hoch, zerrte ihn in die Küche und warf ihn in den Keller. Er war zwei ganze Tage lang dort, die längste Zeit, die er je bestraft worden war, und sein Hass und sein Zorn wuchsen mit jeder dunklen Stunde.
An seinem ersten Schultag wurde Sirius in den frühen Morgenstunden der Nacht geweckt. Er setzte sich im Bett auf, lauschte, und lächelte, als er das zögerliche Klopfen ein zweites Mal vernahm.
„Komm rein, Reg," rief er seinem kleinen Bruder leise zu. Die Tür öffnete sich knarrend und der neunjährige Regulus schlüpfte herein und kletterte auf das Bett seines Bruders.
„Ich will nicht, dass du in die Schule gehst," flüsterte er Sirius zu. „Was soll ich machen, wenn du mich nicht mehr vor Mom beschützt?"
„Du brauchst keine Schutz," sagte Sirius und grinste seinen Bruder in der Dunkelheit an. „Ich bin doch der böse Junge. Du kommst nur in Schwierigkeiten, wenn ich dich dazu bringe."
„Aber ich werde dich hier vermissen."
„Ich werde dich auch vermissen, Reg."
Sirius beugte sich vor und umarmte seinen Bruder ungeschickt um die Schultern. Keiner der Jungen war an körperliche Zeichen der Zuneigung gewöhnt und beide fühlten sich unsicher dabei.
„Wirst du mir schreiben?"
„Natürlich," sagte Sirius, „ich werde dir schreiben und dir von den genialen Streichen erzählen, die ich für unsere ganzen schleimigen Slytherin-Cousins plane."
„Aber du wirst ein Slytherin sein. Wenn du ihnen allen Streiche spielst, wer wird dann dein Freund sein?"
Sirius lehnte sich im Bett zurück und betrachtete seinen kleinen Bruder durch die Dunkelheit. Regulus' Gesicht sah blass und besorgt aus im Mondlicht, das durch die Gardinen fiel. Er entschied sich.
„Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?", sagte Sirius, beugte sich vor und starrte Regulus' Gesicht ernst an.
„Ein Geheimnis?", antwortete Regulus unsicher, „Was für ein Geheimnis?"
„Ich erzähl's dir nur, wenn du versprichst, es für dich zu behalten."
„Okay. Ich versprech's." Auch Regulus beugte sich vor, sein Gesicht begierig.
„Ich werde nicht in Slytherin sein."
„WAS!"
„Schschsch!", zischte Sirius und drückte seine Hand auf den Mund seines Bruders.
Regulus schlug seine Hand beiseite und starrte Sirius an. „Was meinst du mit, du wirst nicht in Slytherin sein? Jeder in unserer Familie war in Slytherin. Du kannst nicht in einem anderen Haus sein! Die einzige Person, die das war, war Andromeda und sie..." Regulus verlor sich für eine Sekunde in seinen Gedanken, als er plötzlich verstand. „Das ist der
Grund, nicht wahr? Wegen dem, was Mom Andromeda angetan hat! Komm schon, Sirius! Willst du, dass das mit dir passiert? Sie wird dich hassen - mehr als sie es ohnehin schon tut! Außerdem, man kann sich nicht aussuchen, in welchem Haus man sein wird."
„Doch, kann man," sagte Sirius. „Na ja, nicht in welchem Haus du sein wirst, aber du kannst wählen, in welchem Haus du nicht sein willst. Das hat Andromeda gemacht. Sie sagte dem Sprechenden Hut, dass sie nicht in Slytherin sein wollte, deshalb hat er sie nach Ravenclaw gesteckt."
„Hat sie nicht!", flüsterte Regulus, und vage Bewunderung schwang in seiner Stimme mit.
„Hat sie."
„Aber wenn er dich nicht nach Ravenclaw schickt? Was, wenn er dich nach Hufflepuff steckt? Oder Gryffindor! Was, wenn er dich nach Gryffindor schickt! Niemand in der Familie würde dir je verzeihen!"
„Du schon, oder, Reg?", fragte Sirius, plötzlich unsicher.
„Du willst nach Gryffindor?", fragte Regulus schockiert. Er rutschte auf dem Bett von Sirius weg, als ob dessen verstörende Gryffindor-Vorlieben ansteckend wären.
„Bitte, Reg, sag dass du mir verzeihen wirst, auch wenn er mich dorthin steckt!" Sirius streckte die Hand aus, um nach Regulus' Arm zu greifen, der auswich. „Du musst zu mir halten!"
„Mom wird mich umbringen!"
„Bitte!"
„Siri..." Regulus Stimme erlosch, und er wandte sich ab, starrte auf den kleinen Spalt zwischen den Vorhängen an Sirius' Bett. „ich verspreche, ich werde dich heimlich unterstützen. Aber ich kann nicht versprechen, dich in Schutz zu nehmen." Er sah Sirius mit Tränen in den Augen an. „Ich bin nicht mutig wie du. Du würdest tatsächlich einen guten Gryffindor abgeben. Du bist stur und tapfer und machst dumme Sachen ohne vorher zu denken. Aber ich kann mich Mom nicht so widersetzen wie du."
Sirius fühlte einen krampfartigen Schmerz in seinem Herzen. Er fühlte sich, als würde es verdreht und in seiner Brust mit einem Ruck nach oben gerissen worden. Er fragte sich, ob Andromeda sich so gefühlt hatte, als sie zugesehen hatte, wie ihr Name vom Familienstammbaum gebrannt worden war. Er wollte Regulus anschreien und ihm sagen, dass Brüder zueinander halten sollten, egal was passierte. Doch er merkte, dass er es nicht konnte. Regulus hatte Recht. Er war nicht so tapfer und verwegen wie Sirius. Als er darüber nachdachte, fand er, dass es das mutigste war, was er je getan hatte, zu sagen, dass er Sirius - wenn auch nur heimlich - unterstützen würde.
„Es ist okay, Regulus. Solange ich weiß, dass du heimlich hinter mir stehst, ist es in Ordnung." Er zögerte kurz, dann sagte er, „Selbst wenn ich in Slytherin sein wollte, ich denke, ich könnte nicht. Fallen dir irgendwelche Slytherin-Eigenschaften ein, die ich hätte? Wenn ja, dann werde ich sie mit aller Macht bekämpfen."
Regulus antwortete nicht. Er lehnte sich nur vor und umarmte seinen Bruder erneut so seltsam um die Schultern, dann schlüpfte er aus dem Bett und ging auf Zehenspitzen zur Tür „Ich werde dich echt vermissen, du großer, dummer Gryffindor," flüsterte er, als er sie erreichte.
„Sei still, du Idiot!", zischte Sirius zurück, und der Schmerz in seinem Herzen verschwand plötzlich.
Er lachte leise. „Und wenn du aus Versehen ein Slytherin wirst, wenn du in die Schule kommst, dann verspreche ich, dass ich dir keine zu schlimmen Streiche spielen werde."
Regulus kicherte und schlüpfte aus dem Zimmer.
