Charaktere, Orte, etc.: JK Rowling

Geschichte: Moonsign

5. Hallucinating DeadEyed Horses (Halluzinationen von Pferden mit toten Augen)

Peeves sah nicht auf, bis Professor Lupin nur noch einen Meter entfernt war, dann wackelte er mit den Füßen, an denen er gekringelte Zehen hatte, und begann zu singen.

Lusche Lusche Lupin," sang er, „Lusche Lusche Lupin, Lusche Lusche Lupin -"

Grob und unbeherrschbar war Peeves zwar fast immer, doch immerhin zeigte er den Lehrern gegenüber meist ein wenig Respekt.

Sie blickten rasch auf zu Professor Lupin, neugierig, wie er damit umgehen würde;

zu ihrer Überraschung war ihm das Lächeln nicht vergangen.

(Harry Potter und der Gefangene von Askaban – J.K. Rowling)

REMUS:

Es schien ein Jahrhundert zu dauern, bis der Zug endlich im Bahnhof von Hogsmeade ankam. Snape hatte die ganze Reise mit der Nase in seinem Buch für Verteidigung gegen die dunklen Künste verbracht, und Remus hatte es nicht gewagt, ihn zu stören. Er wollte nicht, dass sein neuer Freund ihm sagte, er wäre unfreundlich und würde zu viel reden.

Als sie aus dem Zug stiegen, war es dunkel und es regnete. Graue Wolken verdeckten den Himmel über Hogsmeade und versperrten die Sicht auf die Sterne oder den Mond. Remus musste den Mond nicht sehen, um sagen zu können, in welcher Phase er war. Er wusste, dass es noch eine Woche und drei Tage bis zu seiner nächsten Verwandlung waren.

Die Erstklässler drängten sich im Regen zusammen, während die älteren Schüler auf Kutschen zueilten, die hinter dem Bahnhof warteten.

Remus dachte, er würde sterben vor Angst, als er die Kreaturen sah, die sie zogen. Sie waren groß und schwarz und skelettartig. Sie sahen nicht wirklich wie Pferde aus, aber es war die beste Beschreibung, die Remus einfiel. Eines von ihnen schüttelte seine riesigen, fledermausartigen Flügel und spritzte Wasser durch die Luft. Dann drehte es den Kopf und starrte Remus mit blicklosen weißen Augen an.

Mit einem Aufschrei versuchte er, zurückzuweichen, stolperte über jemandes Füße, landete auf jemand anderem und warf sie beide zu Boden. Als er sich auf die Ellenbogen aufstütze, starrte er nach oben in weite, überraschte Augen, die von derselben Farbe wie die Wolken über ihnen waren. Zu seiner Bestürzung erkannte er Sirius Black. Das bedeutete –

„Du schon wieder!"

Jemand zog ihn mit einem Ruck an seinem alten Umhang von Black herunter und Remus kämpfte sich auf die Beine, während Potter eine Hand ausstreckte, um Black aufzuhelfen.

„Was genau ist dein Problem?" Potter funkelte ihn an, während Remus versuchte, sich den Matsch abzuwischen, und ihn dabei nur noch mehr verschmierte.

„I-Ich habe n-nur...," begann Remus.

„Lass es, mir geht's gut." Black sah Remus, dann Potter an. „Es war ein Versehen, nicht wahr?"

„Ja!", sagte Remus, verzweifelt darum bemüht, sich zu entschuldigen. „Es waren diese schrecklichen Pferdedinger, die die Kutschen ziehen. Eins hat mich angesehen!"

„Pferdedinger?", fragte Black, wandte sich um, starrte die Kutschen und dann wieder Remus an.

„Ja!"

„Da ist nichts, Mann."

„Doch, doch!", sagte Remus verzweifelt. „Könnt ihr sie denn nicht sehen? Sie sind mager und schwarz und haben Flügel und schreckliche weiße Augen!"

Jetzt starrten ihn Black, Potter und der dickliche Junge mit den mausfarbenen Haaren an, als wäre er wahnsinnig.

„Ich hab dir doch gesagt, dass er verrückt ist!", zischte Potter.

„Ers'klässler zu mir!"

Sie wurden vom größten Mann, den Remus je gesehen hatte, unterbrochen. Er überragte die Gruppe der durchnässten Erstklässer und starrte aus schwarzen Augen auf sie hinunter. Sein Bart war wild und dicht und er trug den größten, unförmigsten Mantel, den Remus je gesehen hatte.

Remus wagte nicht einmal, zurückzuweichen oder überrascht auszusehen. Er begann sich zu fragen, ob er tatsächlich verrückt war. Vielleicht war das ein weiterer Grund, weswegen sein Vater ihn weggesperrt hatte. Vielleicht sah er Dinge, die in Wirklichkeit nicht da waren.

„Ach du Scheiße!" Potters Stimmer war bewundernd und schamlos laut zugleich. „Der Kerl ist riesig!"

Remus seufzte erleichtert und schloss sich dem Rest der Erstklässler an, die einen Schritt zurückwichen.

„Nur keine Angst!", bellte der Mann, „Ich bin Rubeus Hagrid, Wildhüter un' Hüter der Schlüssel von Hogwarts

Ers'klässler müss'n über den See, um zur Schule zu kommen. In die Boote mit euch! Kommt schon! Nich' mehr als vier pro Boot!"

Remus sah sich nach Snape um und hoffte, er würde es mit seinem neuen Freund in ein Boot schaffen, doch er konnte den Jungen nirgendwo sehen. Remus rannte am Ufer auf und ab und suchte in jedem Boot, bis er Snape fand, der bereits mit drei anderen Schülern in einem saß. Er starrte hinaus zu dem Jungen und fühlte sich verraten und resigniert zugleich.

Immerhin, wenn nicht einmal sein Vater ihn mochte, warum sollte es dann ein Fremder tun, den er gerade erst getroffen hatte? Snape bemerkte seinen Blick gar nicht, er schien fest entschlossen, hinaus auf den See zu starren.

„Hast du deinen neuen Freund so schnell wieder verloren?"

Remus fuhr herum und fand sich Angesicht zu Angesicht mit Potter, Black und dem pummeligen Jungen wieder, die im Boot neben ihm saßen. Potter schmunzelte, Black sah amüsiert aus und der dicke Junge wirkte einfach nur verwirrt. Remus war froh, dass er so daran gewöhnt war, starke Emotionen in der Nähe seines Vaters zu kontrollieren, um nicht bestraft zu werden. Er machte ein völlig ausdrucksloses Gesicht, als er sich umdrehte, um Snape wieder zu beobachten.

„Komm schon! Rein mit dir. Die Boote leg'n gleich ab."

Bevor Remus reagieren konnte, fühlte er, wie er unter den Achseln von einem Paar riesiger Hände hochgehoben wurde und plumpste in das Boot, neben den pummeligen Jungen.

„Wer hat gesagt, dass du mit uns in einem Boot sitzen kannst?", verlangte Potter sofort zu wissen.

Remus konnte sich nicht dazu überwinden, zu antworten. Er saß mit hängenden Schultern in seinem Sitz und versuchte, ihren Augen auszuweichen. Die Boote setzten sich in Bewegung, scheinbar von alleine. Remus starrte hinaus auf den regengepeitschten See, während die anderen drei sich zusammenlehnten und so leise sprachen, dass er es nicht hören konnte.

Als das Schloss Hogwarts in Sicht kam, keuchte Remus, und seine schlechte Laune verflüchtigte sich, während er es anstarrte. Das Schloss und seine Ländereien lagen ausgestreckt in der schottischen Landschaft, spitze Türmchen sprangen dem Himmel entgegen und golden erleuchtete Fenster funkelten gegen die schattigen Wände. Es sah aus wie ein Märchenschloss, das wegen dem Regen an den Rändern schimmerte.

Die Aussicht verschwand kurz, als die Boote sie durch einen Tunnel brachten, der zu einem kleinen, unterirdischen Hafen führte, bevor Hogwarts in all seiner Pracht wieder erschien. Remus war völlig gebannt, er konnte seine Augen nicht von dem Schloss abwenden, während er aus dem Boot kletterte.

Das Größte, was er bis jetzt je gesehen hatte, war der Wald hinter ihrem Haus. Er war in London und der Winkelgasse gewesen, doch er hatte all das in kleinen Teilen gesehen – einmal sogar ein gewaltiges Kaufhaus, das sich an einer Kurve geteilt hatte. Der Wald war größer gewesen, doch das letzte Mal, als er ihn gesehen hatte, war er sechs Jahre alt gewesen und es war ein nächtlicher Ausflug mit seiner Mutter gewesen. Er hatte den vielen Platz um sich herum gespürt, doch er hatte die Bäume, die in der Dunkelheit verschwanden, nie genau betrachtet.

Hogwarts war anders. Es hinterließ einen Eindruck von Erhabenheit, Würde, Mysterien und Kraft und lauter anderer großer, eindrucksvoller Wörter, an die Remus sich aus Büchern, die er aus dem Arbeitszimmer seines Vaters geklaut hatte, erinnerte.

Allein die Eingangspforte war so gewaltig, dass dort vier Hagrids übereinander Platz gehabt hätten, ohne sich ducken zu müssen

„Hierher, Ers'klässler!" Hagrid scheuchte die Gruppe von Schülern zu der riesigen Tür, wo eine große, schwarzhaarige Hexe, die einen förmlichen Gesichtsausdruck hatte und in ebenso förmliches Schwarz gekleidet war, auf sie wartete.

„Ich bin Professor McGonagall," sagte sich mit ernster Miene. „Wenn Sie mir bitte folgen, es ist Zeit für die Auswahlzeremonie."

Die Erstklässler folgten ihr in die Große Halle.

Remus' Umhang war aus zweiter Hand und zu groß für ihn, und durch das Gewicht des Regenwassers schien er noch weiter über den Boden zu streifen. Als er die Große Halle sah, war er so hingerissen von dem Anblick, dass er über den Saum stolperte und einem Mädchen mit triefnassem rotem Haar in den Rücken taumelte, die herumfuhr und ihn am Arm packte.

„Tut mir Leid," murmelte er, und machte sein Gesicht vorsichtshalber ausdruckslos. Warum konnte er sich nicht einfach normal wie alle anderen benehmen? Weil du nicht normal bist, machte eine Stimme in seinem Kopf ihn aufmerksam. Du bist ein Monster, schon vergessen? Du bist nicht einmal ein Mensch.

„Ist schon okay," sagte sie freundlich und betrachtete ihn durch lebendige, grüne Augen. „Schau dir nur die Decke an!"

Als sie seinen Arm losließ, legte er den Kopf zurück um die Decke anzusehen, und wäre beinahe erneut gestolpert. Es war unglaublich! Sturmwolken rollten unbeständig über ihnen hinweg und vergossen Regen, der sich auflöste, noch bevor er den Raum zur Hälfte durchquert hatte.

Kerzen schwebten wie zusätzliche Sterne unter den Wolken und erhellten den Raum mit goldenem Licht.

„Mitkommen, Erstklässler!", rief Professor McGonagall und trieb die umher starrenden Schüler weiter in den vorderen Teil der Halle. Auf einer Plattform weit vorne stand ein dreibeiniger Hocker, auf dem ein gammelig wirkender Hut platziert war. Als die Schüler eine unordentliche und triefnasse Schlange davor bildeten, wagte Remus einen Blick hinaus in den Rest der Halle.

Es gab vier lange Tische voller Schüler unterschiedlichen Alters. Über jedem der Tische hing das Banner ihres Hauses. Eine Schlange für Slytherin, ein Rabe für Ravenclaw, ein Dachs für Hufflepuff und ein Löwe für Gryffindor.

Remus spürte, wie er vor Nervosität zu zittern begann. Er hatte noch nie so viele Leute an einem Ort gesehen. Er erinnerte sich, in Eine Geschichte von Hogwarts über den Sprechenden Hut gelesen zu haben. Würde er vor all diesen Leuten da sitzen und ihn aufsetzen müssen? Was, wenn er vor Angst ihn Ohnmacht fallen würde?

„Prewitt, Fabian."

Professor McGonagalls Stimme hallte plötzlich durch die Halle, als der erste Junge in der Schlange nach vorne zu dem Hocker stolperte und sich den Hut über den Kopf zog.

Ein Spalt an der Hutkrempe öffnete sich und eine Stimme rief: „Ravenclaw!"

Der Ravenclawtisch jubelte, als der Junge auf sie zueilte und dabei ziemlich rot wurde.

„Parkinson, Adora."

„Slytherin!"

„Smith, Jennifer."

„Hufflepuff!"

Remus merkte, dass sein Herzschlag sich beschleunigte, als die Schlange immer kürzer wurde.

„Potter, James."

Er beobachtete mit flatternder Magengrube, wie der Junge hinauf zu dem Hocker schlenderte, anscheinend völlig furchtlos.

Er zog sich den Hut über, und sobald dieser auch nur seine unordentlichen Haare berührt hatte, hallte das Wort „Gryffindor!" durch den Raum.

„Black, Sirius."

Es gab einen kleinen Aufruhr bei den Slytherins, als Black nach vorne ging und den Hut auf den Kopf setzte. Dann war es lange Zeit still, und Blacks Augen waren fest zusammengekniffen, als würde er sehr, sehr scharf nachdenken. Endlich bewegte sich der Hut und verkündete:

„Gryffindor!"

Aus allen Ecken der Halle war lautes Keuchen zu vernehmen, und für einen Augenblick saß Black einfach nur auf dem Stuhl, als könnte er nicht glauben, was er gehört hatte. Remus sah hinüber zum Slytherintisch, wo viele dem Jungen mordlustige, böse Blicke zuwarfen, und dann zum Gryffindortisch, wo alle zu schockiert aussahen, um zu applaudieren.

Plötzlich erhob sich am Gryffindortisch eine kleine, ziemlich durchnässte Gestalt mit sehr unordentlichem Haar und kletterte auf die Bank.

„Juhuu! Super, Sirius!", schrie Potter, und er schien völlig selbstsicher und ungeniert. „Ich wusste, dass du es schaffst!"

Als ob dies einen Bann gebrochen hätte, brach Black in ein triumphierendes Grinsen aus und schlenderte hinüber zum Gryffindortisch, der jetzt doch noch applaudierte, während viele seiner Zugehörigen den Slytherins unanständige Gesten zuschickten.

Remus fühlte einen Stich in seinem Herzen. Es war die Art und Weise, in der Potter für seinen neuen Freund aufgestanden war und gejubelt hatte, ohne sich darum zu scheren, was die anderen dachten. Remus sah nach vorne zu Snape, der einige Leute weiter vor ihm stand. Er sah spöttisch in Potters Richtung und schien Remus völlig vergessen zu haben.

„Ruhe!", rief Professor McGonagall. „Je schneller die Auswahlzeremonie vorbei ist, desto schneller könnt ihr essen."

Die Halle wurde sofort still.

„Pettigrew, Peter."

Es gab eine lange Pause, dann: „Gryffindor!"

Black und Potter jubelten laut, als der pummelige Junge aus dem Boot auf sie zueilte, strahlend und vor Stolz.

Es gab noch einige weitere, dann kam „Snape, Severus."

Der Hut hatte das fettige Haar des Jungen noch kaum berührt, bevor er „Slytherin!" verkündete.

Remus' Herz sank. Wo in aller Welt würde er hineinkommen? Was, wenn er überhaupt nirgendwo hineinkommen würde? Was, wenn er dort sitzen würde und der Spalt sich öffnen und „Werwolf!" rufen würde? Er spürte, wie seine ruhige Maskerade langsam zerbrach.

Vor ihm war jetzt nur noch das rothaarige Mädchen.

„Evans, Lily!"

„Gryffindor!"

Lily lächelte entzückt, als sie zum Gryffindortisch hüpfte und sich setzte.

„Lupin, Remus!"

Sein Herz fühlte sich an, als würde es gleich seine Rippen sprengen, als er sich dem Hocker unsicher näherte. Er stolperte erneut über seinen Mantelsaum, schwankte ein wenig und hörte Gekicher von den Schülern.

Er setzte sich hin und fühlte sich zutiefst elend, als er den Hut auf seinen Kopf hob.

„Schön, schön," sagte eine Stimme in seinem Kopf. „Ein kleiner Wolf. Äußerst ungewöhnlich."

Es tut mir Leid!, dachte Remus verzweifelt, bitte erzähl es niemandem!

„Ich bin nur hier, um dich zuzuteilen," sagte die Stimme, und sie klang ruhig und unbeirrt. „Also, wohin soll ich dich stecken?"

Hufflepuff!, flehte Remus still.

„Hufflepuff?" Der Sprechende Hut klang belustigt. „Nein, ich denke, Hufflepuff passt ganz und gar nicht zu dir. Slytherin auch nicht. Dir fehlt die Verschlagenheit des Hauses der Schlange. Und die Vorurteile, die du dort vorfinden würdest, sind gar nichts für dich. Ravenclaw – na ja. Es ist eine Möglichkeit, aber ich befürchte, sie würden dort zu schlau sein und dein kleines Geheimnis lüften.

Mal sehen. Du bist tapfer. Du bist nett und loyal, obwohl du noch keine Gelegenheit hattest, das herauszufinden. Und du hast Mut, das sehe ich. Es hat dich viel Mut gekostet, auch nur hierher zu kommen. Ich denke, in Gryffindor hättest du die besten Karten."

Nicht Gryffindor, dachte Remus, und sein Herz sank erneut. Nicht zu denen!

„Gryffindor!", verkündete der Hut und Remus fühlte sein Herz buchstäblich abstürzen und in seiner Magengegend landen, wo es sich vor Entsetzen wand.

Er zog sich langsam den Hut vom Kopf und stolperte auf den Gryffindortisch zu, ohne sich des Applauses seines neuen Hauses bewusst zu sein. Er schlüpfte wortlos auf die Bank am Tischende der Erstklässler. Er sah, wie Potter, Black und Pettigrew in schockiert anstarrten.

„Er hat dich nach Gryffindor gesteckt?", keuchte Black ungläubig.

„Aber du bist 'ne Lusche!" Pettigrews wässrige blaue Augen waren geweitet.

Potter sagte nichts. Er starrte finster auf seinen leeren Teller und ignorierte Remus. Auch Remus starrte hinunter auf das polierte Holz des Tisches, als die letzten Schüler verteilt wurden. Er benötigte seine gesamten schauspielerischen Fähigkeiten, um sein Gesicht ruhig und neutral zu halten, während er nur noch weinen wollte.