Vielen Dank an eamonn für deine Review 3
Harry Potter und das ganze Drum und Dran gehören JK Rowling, und diese Geschichte hier war leider nicht meine, sondern Moonsigns Idee.
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6. Birthing Friendships and Vendettas (Neue Freund- und Feindschaften)
The glory of friendship is not the outstretched hand,
nor the kindly smile, nor the joy of companionship;
It is the spiritual inspiration that comes to one
When he discovers that someone else believes in him
and is willing to trust him with friendship.
(Ralph Waldo Emerson)
SIRIUS:
Es war der glücklichste Moment in Sirius´ Leben, als James Potter auf seiner Bank stand und für ihn applaudierte. Sirius hatte den Sprechenden Hut angefleht, nach Gryffindor zu kommen, aber als das Wort aus dem Spalt in der Hutkrempe gekommen war und er die hasserfüllten Blicke vom Slytherintisch und die schockierten, stillen Gryffindors gesehen hatte, hatte er erkannt, dass er einen schrecklichen Fehler gemacht hatte.
Er hatte überlegt, aufzustehen und „Das ist alles ein Versehen! Ich sollte in Slytherin sein!", zu rufen, aber er hatte keinen einzigen Muskel mehr bewegen können in der grässlichen Stille, die die Halle nach dem anfänglichen Keuchen und Flüstern erfüllt hatte.
Dann war James auf die Bank geklettert und seine kindliche Stimme war durch den Raum gehallt.
„Juhuu! Super, Sirius! Ich wusste, dass du es schaffst!"
Und plötzlich war es überhaupt kein Fehler mehr gewesen. Er etwas Mutiges getan, nichts Dummes. James, der ihn noch nicht einmal einen ganzen Tag lang kannte, war für ihn aufgestanden, ohne sich darum zu kümmern, dass sie dafür beide von der gesamten Schule verachtet werden würden. Es war das Wundervollste, was jemals jemand für Sirius getan hatte, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.
Es war eine edle, impulsive, sturköpfige und komplett Gryffindor-hafte Geste der Freundschaft gewesen. Und es war etwas, das Sirius selbst getan hätte, hätte er sich in der Situation befunden.
Grinsend und benebelt vor Glück, als der Gryffindortisch in einen Sturm aus Jubel und höhnischem Gelächter (an die Slytherins gerichtet) ausbrach, ging Sirius hinüber zu James. Als er sich setzte, hämmerte James ihm entzückt auf den Rücken.
„Gott sei Dank," sagte der unordentlich frisierte Junge grinsend. „Ich hätte mir nicht solche Mühe gegeben, mich mit dir anzufreunden, wenn du am Ende ein dummer Slytherin geworden wärst."
„Solche Mühe?", fragte Sirius und hob eine Braue. „Du solltest wissen, dass du dich geehrt fühlen solltest, mit dem Erben des Alten und gar Fürnehmen Hauses der Blacks befreundet zu sein."
„Eher der Bald-Enterbte-Erbe des gar Schleimigen Slytherin-Hauses der Blacks," sagte James. Er duckte sich unter Sirius' Schlag hinweg, als der Tisch erneut in Jubel ausbrach und sie Peter Pettigrew auf sich zukommen sahen.
„Gut gemacht, Mann!", sagte Sirius. „Ich wusste doch, du bist nicht so ein Waschlappen. Irgendwo in dir versteckt liegt ein Gryffindor-Tunichtgut, ich weiß das!"
James erwies Peter die Ehre der gleichen, entzückten, auf den Rücken schlagenden Behandlung wie zuvor Sirius, was dazu führte, dass die Nase des kleinen Jungen schmerzhaft mit dem Tisch kollidierte, ihm aber nicht das stolze Grinsen vom Gesicht vertreiben konnte.
„Das ist genial!", sagte James mit leuchtenden Augen. „Wir werden die berühmtesten Tunichtgute der ganzen Schule, die allerberühmtesten! Wir werden in Eine Geschichte von Hogwarts stehen und die Sänger werden Lieder über uns schreiben! Sie werden irgendeine tolle Süßigkeit nach uns benennen! Sie werden - "
„Hey!", unterbrach Sirius, „Schaut mal, da ist dieser Penner mit den fettigen Haaren aus dem Zug."
James unterbrach seine Rede und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Auswahlzeremonie zu. Der Junge mit den fettigen Haaren und der großen Nase saß auf dem Hocker und der Hut hob gerade seine Krempe um „Slytherin!" zu verkünden.
„Na, das überrascht mich jetzt," sagte Sirius und zog eine Grimasse. „Der Bursche hatte Slytherin doch quer übers Gesicht geschrieben."
Sie sahen zu, wie der Junge selbstgefällig grinsend zum Slytherintisch ging.
„Severus Snape," brachte Peter sich ein. „Das klingt schon böse und schleimig."
„Eher nach Schniefelus," sagte Sirius, und die drei kicherten.
„Evans, Lily." Rief Professor McGonagall aus dem vorderen Teil der Halle.
Sirius kicherte noch heftiger. „Schau, James. Das ist deine zukünftige Frau."
„Was?"
„Ich weiß doch, dass ihr Potters keiner Rothaarigen widerstehen könnt. Ihr seid berühmt dafür. So habe ich euch am Bahnhof erkannt. Deine Mutter hat rote Haare. Das, und deine sehen aus wie ein Vogelnest."
„Sie ist nicht meine zukünftige Frau!", sagte James empört und starrte das Mädchen an, das auf sie zukam, nachdem der Hut verkündet hatte, dass sie in Gryffindor war.
„Ja, sicher," grinste Sirius. „Und ich komme aus einer Familie voller Muggel, du siehst immer ordentlich und sauber aus, Dumbledore ist in Wirklichkeit ein Troll mit einem sehr gut platzierten Kunstbart und Umhang und... und..." Er sah sich auf der Suche nach weiteren Inspirationsquellen um. „Und das verrückte Kind aus dem Zug kommt nach Gryffindor."
„Ich werde Evans niemals heiraten!", sagte James und lief scharlachrot an.
„Ha! Siehst du!" Sirius deutete triumphierend mit dem Finger auf ihn. „Du erinnerst dich sogar an ihren Namen! Ich wette zehn Schokofrösche und eine Stinkbombe mit dir, dass du sie am Ende heiratest."
„Hey Leute, der verrückte Kleine ist dran!", unterbrach Peter.
James und Sirius wandten sich auf der Stelle wieder dem Geschehen vorne zu, als McGonagall vorlas:
„Lupin, Remus."
„Lupin?", sagte James. „Na, das passt. Lusche Lupin."
Der Junge stolperte auf dem Weg zum Hocker über seine übergroße, alte Robe und die Halle füllte sich mit Gekicher. Lupin lief scharlachrot an, als er sich auf den Hocker setzte, und Sirius sah, wie seine großen, bernsteinfarbenen Augen die Halle absuchten und kurz auf ihrer kleinen Gruppe landeten.
„Der ist echt verrückt," murmelte er und fühlte sich zutiefst unwohl.
„Ja, absolut," stimmte James zu.
Lupin setzte den Hut auf und verzog das Gesicht. Er saß für lange Zeit da, und seine Hände schlossen sich in seinem Schoß zu Fäusten. Sirius fragte sich, ob dieser Junge ebenfalls mit dem Sprechenden Hut stritt.
Endlich, nach einer atemlosen Pause in der Halle, öffnete sich der Schlitz und der Hut verkündete:
„Gryffindor!"
Alle drei erstarrten schockiert.
„Was?", sagte James.
„Er ist in Gryffindor?", fragte Peter verwirrt.
Für einen Augenblick dachte Sirius, dass Lupin sich vielleicht seinen Weg nach Gryffindor erkämpft hatte, wie er es getan hatte. Der Junge eilte auf ihren Tisch zu, sein Gesicht völlig ausdruckslos, aber sein Blick flackerte für eine Sekunde zu ihm hinüber, und Sirius sah etwas Verstörtes in seinen Augen. Hatte er versucht, nicht nach Gryffindor zu kommen? Sirius konnte es sich nicht vorstellen. Aber wie hatte es der Junge überhaupt nach Gryffindor geschafft? Er war schüchtern, offensichtlich verängstigt und komplett verrückt.
„Er hat dich nach Gryffindor gesteckt?", wollte Sirius wissen, als er sich setzte. Lupin antwortete nicht, sein Blick war auf den Tisch neben seinem Teller gerichtet.
„Aber du bist 'ne Lusche!"
Er rührte sich nicht und wich ihren Augen aus.
„Gut gemacht, Lupin!"
Sirius, James und Peter wandten sich um, dorthin, wo Lily Evans einige Plätze weiter saß. Lupin zuckte ein wenig zusammen und sah sie misstrauisch an, als ob er befürchtete, sie werde in Gelächter ausbrechen.
„Bleib weg, bleib weg," murmelte er so leise, dass er nicht einmal zu bemerken schien, dass er es tat.
Sirius wechselte seinen Blick mit James, der eine kreisförmige Handbewegung neben seinem Kopf machte, um auf seine Ansicht über Lupins geistige Gesundheit hinzuweisen.
„Danke," sagte Remus leise zu Lily, die ihn erwartungsvoll anlächelte, und als ihr Lächeln breiter wurde, hoben sich seine Lippen in den Mundwinkeln ein wenig, als ob sein eigener Mund versuchen würde, zu lächeln, aber nicht genug Übung darin hatte. Er war zwar an seinem Mund nicht besonders erfolgreich gewesen, aber Sirius bemerkte, dass Remus' goldene Augen sich mit etwas wie Freude füllten. Nein, es war eher Erleichterung – als ob jemand ihm angedroht hätte, ihn zu Tode zu foltern, es sich aber anders überlegt und beschlossen hätte, ihm stattdessen gleich den Kopf abzuschlagen.
Als die Auswahlzeremonie weiterging, wandten sich Lupins Augen wieder seinem Teller zu, und James stieß Sirius an.
„Er wird doch nicht mit uns in einem Schlafsaal sein, oder?", flüsterte er und funkelte Lupin dabei an.
„Wahrscheinlich," antwortete Sirius. „Es ist kein großer Jahrgang und es sind nur ein paar neue Jungen in jedem Haus. Bei Gryffindor weiß ich es nicht, aber ich habe gehört, dass in Slytherin normalerweise zwei oder vier Leute in jedem Schlafsaal sind. Es gibt sechs neue Jungen in Gryffindor. Uns drei, Lupin, der Longbottom-Junge und Michael Douglas da drüben. Wenn wir zusammen bleiben wollen, werden wir wohl einen Vierer-Saal nehmen müssen.
„Na, dann hoffen wir mal, dass wir es mit einem von den anderen beiden schaffen," sagte Peter. „Longbottom sieht nicht so schlimm aus."
„Schsch!", zischte Evans. „Schaut, die Auswahl ist vorbei."
Alle wandten ihre Aufmerksamkeit nach vorne, wo Dumbledore sich erhob. Sirius hatte von seinen Eltern viel über Dumbledore gehört. Ein ‚Muggel liebender Narr' sagten sie, und ‚völlig verrückt'. Sirius' Mutter war sicher, dass sie Dumbledore nur als Dank dafür, dass er vor so vielen Jahren Grindelwald besiegt hatte, in Hogwarts bleiben ließen.
Sirius konnte nicht bestreiten, dass der Mann in seiner leuchtend violetten Robe mit blauen, glitzernden Mustern darauf ein wenig exzentrisch aussah. Aber ihn schien auch eine Aura der Macht und Weisheit zu umgeben. Seine funkelnden blauen Augen hinter halbmondförmigen Brillengläsern durchsuchten die Halle und nahmen die neuen Schüler in Augenschein. Sie landeten kurz auf Sirius, und sein Lächeln schien hinter seinem langen, weißen Bart noch breiter zu werden.
„Ein herzliches Willkommen an alle neuen Schüler!", sagte er mit einer schwungvollen Geste nach unten in die Halle. „Ich hoffe, ihr werdet schöne Jahre hier mit uns in Hogwarts verbringen. Ich will nur noch einige Dinge sagen, bevor wir uns dem köstlichen Essen widmen können. Ich kann einige Bäuche bis hierher knurren hören, also werde ich es kurz machen.
Der Verbotene Wald am Rand von Hogwarts ist – wie der Name schon sagt – verboten. Für alle Schüler. Mr. Filch hat eine neue Liste mit verbotenen Gegenständen an seine Bürotür gehängt, mit denen ihr euch vertraut machen solltet, die, glaube ich, auch Würgende Springseile, Stinkbomben und Grüne Schleimkugeln beinhaltet.
Eine Sache noch, bevor wir essen! Dieses Jahr wurde auf dem Gelände von Hogwarts ein Baum gepflanzt, die Peitschende Weide. Ich muss jeden von euch darum bitten, sich von diesem Baum fernzuhalten. Er ist gefährlich und könnte jeden, der ihm zu nahe kommt, ernsthaft verletzen oder töten. Jeder, der sich ihm nähert, wird hart bestraft werden. Das ist alles. Lasst uns essen!"
Plötzlich ächzten die Tische vor ihnen unter dem Gewicht von gewaltigen Mengen verschiedenster Speisen. Sirius spürte, wie seine Augen sich unwillkürlich weiteten. Es gab einfach alles: Truthahnbraten, Kartoffeln, Rindsgulasch, Reis, Steak– und Nierenpastete und unglaublich viel mehr. Er sah sogar ein Tablett mit Schokoladeneclairs irgendwo.
„Ooh, ich hab solchen Hunger!", verkündete Peter und begann, seinen Teller bis zum Überlaufen zu beladen. „Ich könnte alles auf diesem Tisch essen."
Sirius und James lachten, während sie die Speisen ebenfalls in Angriff nahmen. „Ich weiß, was du meinst, Kumpel," sagte James, der den Mund voller Truthahn hatte. „Ich hab noch nie so viel Essen auf einmal gesehen."
Als das Essen vorbei war, war Sirius so voll, dass er bezweifelte, hinauf zu den Schlafsälen gehen zu können. Er lehnte sich auf der Bank zurück, als er Professor McGonagall bemerkte, die auf sie zukam.
„Mr. Lupin?", sagte sie, und der angesprochene Junge zuckte heftig zusammen und hob die Augen von seinem kaum gefüllten Teller.
„Der Schulleiter würde Sie nach dem Essen gerne in seinem Büro sprechen. Würden Sie mir bitte folgen?"
Lupin sah nicht überrascht, aber sehr nervös aus, als er vom Tisch aufstand und der Professorin in Richtung der großen Eingangstüren folgte.
„Worum, glaubt ihr, geht es da?", fragte Sirius.
„Der muss Lusche Lupin wohl daran erinnern, seine Medikamente zu nehmen, damit er nicht völlig durchdreht," sagte James grinsend. Peter kicherte, aber Sirius runzelte bei dem Gedanken nur die Stirn, während er dem Jungen hinterher sah.
„Also, meine Damen und Herren!", sagte Dumbledore von vorne. „Die Erstklässler folgen bitte den Vertrauensschülern in ihre Schlafsäle. Sie werden euch auch die Passwörter für die Gemeinschaftsräume geben. Los geht's!"
Sirius kletterte von seinem Sitzplatz und eilte mit James und Peter auf die dunkelhaarige Vertrauensschülerin zu, die am Tischende stand.
„Ich bin Charlotte," sagte sie und lächelte die Erstklässler an. „Folgt mir, bitte. Geht nicht weg. Das Schloss ist sehr groß und man verläuft sich leicht."
Sie folgten ihr durch viele Korridore, schwenkende Treppen hinauf und durch einige Wandteppiche. Sirius begann sich zu fragen, ob er sich hier jemals zurechtfinden würde. Es schien einfach zu riesig.
„Ich frag mich, ob es hier Geheimgänge gibt," zischte James, als sie die letzten Stufen zum Gryffindor-Turm hinaufstiegen. „Wir könnten sie suchen und dann eine Karte davon machen, die wir für Streiche benutzen können."
Sirius grinste bei dem Gedanken. Es wäre toll, das Schloss besser als jeder andere zu kennen. Er stellte sich vor, hervorspringen, jemandem, der ihn ärgerte, einen peinlichen Fluch aufzuhalsen und dann spurlos wieder zu verschwinden, wenn derjenige sich umdrehte.
Sie blieben vor dem Portrait einer sehr fetten Frau in einem pinkfarbenen Kleid stehen.
„Ihr müsst der Fetten Dame das Passwort sagen, um in den Gemeinschaftsraum zu kommen," erklärte Charlotte ihnen. „Derzeit ist es Beifuß."
Das Portrait schwang auf und die Erstklässler folgten Charlotte und kletterten durch das Portraitloch. Der Gemeinschaftsraum war wundervoll. Er war purpurfarben und golden dekoriert, voller weicher Sofas und Sessel, und mit Tischen und Stühlen an den Wänden. An einen Ende des Raumes prasselte ein großes Feuer in einem Kamin, und am anderen Ende führten zwei Treppen zu den Schlafsälen.
„Fantastisch!", freute sich Sirius. „Meine Mutter würde es hassen!"
James lachte und klopfte ihm auf den Rücken. „Vergiss sie. Du musst sie jetzt ewig nicht mehr sehen."
„Die Jungenschlafsäle sind dort oben," sagte Charlotte und deutete auf eine der Treppen. „Geht mit Simon mit, er wir euch alles zeigen. Mädchen, mir nach."
Die Jungen folgten dem Vertrauensschüler die Stufen hinauf.
„Mal sehen," sagte Simon und las etwas auf einem Stück Pergament in seiner Hand. „Longbottom und Douglas hier hinein," verkündete er und deutete auf eine der Türen. „Und der Rest dorthin."
Er sah sie an und runzelte die Stirn. „Da fehlt einer. Wo ist er?"
„Er spricht mit dem Schulleiter," erklärte James mit düsterer Stimme.
„Oh. Okay. Also, richtet euch ein. Ich muss mit Charlotte reden."
Die Jungen gingen in ihre Schlafsäle. James machte ein finsteres Gesicht. „Ich kann nicht glauben, dass wir mit Lusche Lupin zusammen sind."
„Ich weiß," sagte Sirius. „Aber es sagt ja niemand, dass wir uns mit ihm anfreunden müssen."
„Gut so, denn das werde ich nicht."
Ihre Koffer waren bereits an die Fußenden ihrer Betten gestellt worden. Sirius' Bett war neben James'. Ihm gegenüber war Lupin und Peter war gegenüber von James. Sirius ließ sich erschöpft auf sein Bett fallen.
„Ich bin so müde," gähnte er. „Ich könnte jetzt sofort einschlafen."
„Ich auch," kam es aus Peters Bett. „Mir ist schlecht, ich glaube, in meinem Essen waren irgendwelche Bazillen."
„Oh, und das hat nichts mit der Tatsache zu tun, dass du drei Steak- und Nierenpasteten, fünf Grillkartoffeln, eine Schüssel Gulasch, einen Teller Karotten und eine ganze Servierplatte Truthahn verputzt hast?", fragte James.
„Natürlich nicht!", rief Peter und hielt sich den Bauch. „Wenn das Zeug nicht verschwunden wäre, würde ich noch immer essen."
Sirius lachte. „Gott sei Dank also, dass es verschwunden ist. Anderenfalls wärest du geplatzt und wir müssten monatelang kleine Stücke von dir von den Wänden schaben."
„Ekelhaft," sagte James und schnitt eine Grimasse.
„Aber wahr."
„Das sind Bazillen, ich sag's euch!", sagte Peter. „Ich sterbe wahrscheinlich an irgendeiner schrecklichen Krankheit, und alles was ihr tun könnt, ist mein Essen zu beschuldigen. Was, wenn die Slytherins versuchen, mich zu vergiften?"
„Habt ihr gesehen, wie glücklich dieser schmierige Kerl war, weil er nach Slytherin durfte?", sagte Sirius und verzog das Gesicht. „Als ob irgendjemand wirklich dort sein wollte."
„Ja, der könnte wirklich mal 'ne Haarwäsche vertragen," stimmte James zu. „Gott sei Dank musste ich den Hut nicht nach ihm aufsetzen. Igitt!"
„Vielleicht würde es in Grün besser aussehen. Um zur Schleimigkeit zu passen, weißt du?" Sirius grinste plötzlich, öffnete seinen Koffer und wühlte darin. „Ich glaube, eines von meinen Tottenblow Togarts' Haarfärbetoffees färbt grün."
„Ooh!" James und Peter eilten zu Sirius' Koffer hinüber, alle tödlichen Krankheiten waren vergessen.
Eine Weile später, als der Boden schon voller Scherzartikel und Pergamentstücken mit skizzierten Streichen war, öffnete sich plötzlich die Tür, und Lupin stand da. Er starrte sie unsicher an, dann schlich er hinüber zu seinem Bett. Sirius bemerkte, dass sein Koffer zerkratzt und verblasst war und mindestens hundert Jahre alt zu sein schien.
„Glaub bloß nicht, wir sind jetzt Freunde, nur weil wir gemeinsam hier drin sind, Lusche Lupin," sagte James angriffslustig und runzelte dann die Stirn. „Wo warst du überhaupt?"
„I-Ich war beim Schulleiter," sagte der Junge, setzte sich auf seine Bettkante und starrte hinunter auf seine Hände. „Meine M-Mutter ist krank, deshalb muss ich m-manchmal für ein paar Tage weg und s-sie besuchen. Er hat mir nur gesagt, wie wir es organisieren werden."
„Oh." James begann, ein wenig schuldbewusst dreinzublicken und Sirius bemerkte unwillkürlich, wie klein Lupin aussah, zusammengesunken auf seiner Bettkante. Obwohl sein Umhang mehrere Größen zu groß war, konnte Sirius sehen, dass er sehr dünn und blass war.
Lupin stand auf, öffnete seinen Koffer, holte einen Schlafanzug heraus und ging ins Badezimmer. Die Tür klickte hinter ihm.
„Vielleicht solltest du nicht ganz so grob sein?", schlug Sirius leise vor. „Wir müssen ja nicht seine Freunde sein, aber er kann nichts dafür, dass er verrückt ist. Lassen wir ihn doch einfach in Ruhe.
James sah sehr verlegen aus. „Trotzdem, er hat meine Mutter ausgelacht."
„Er ist wahnsinnig. Merlin alleine weiß, warum er gelacht hat. Es war wahrscheinlich nicht einmal an sie gerichtet. Vielleicht hat er an seine eigene Mutter gedacht und gelacht, damit er nicht anfängt zu weinen, weil sie nicht da war, um sich von ihm zu verabschieden."
James seufzte. „Vielleicht. Okay, ich hör' auf damit. Solange wir nicht seine Freunde sein müssen."
„Freunde?" Sirius lachte. „Wenn wir seine Freunde sein würden, würde sich niemand mit uns anfreunden wollen. Er ist komplett verrückt."
„Genau!", sagte James, sichtlich zufrieden.
Sie ignorierten Lupin, als er in einem langen Schlafanzug zurück ins Zimmer schlich. Er kroch ins Bett und schloss die Vorhänge darum.
Sirius gähnte. „Ich geh' jetzt auch schlafen," sagte er. „Morgen fängt der Unterricht an, und ich bin total fertig."
„Jaah," stimmte Peter zu. Er und James halfen Sirius, das ganze Zeug wieder in dessen Koffer zu stopfen.
„Ich frag mich, was wir morgen alles haben."
Später, als Sirius im Bett lag zu den dunklen Vorhängen über ihm aufstarrte, fragte er sich, was seine Mutter wohl sagen würde, wenn sie hörte, in welchem Haus er war. Er fühlte sich plötzliche sehr einsam. Alles, was er hatte, waren James und Peter und vielleicht Regulus, wenn auch nur heimlich. Was sollte er tun, wenn seine Familie in tatsächlich enterbte?
Es schien keine Antworten zu geben, und so verfiel er langsam in unruhigen Schlaf.
