Charaktere, Orte, etc.: JK Rowling

Geschichte: Moonsign

7. Gather That Magic (Sammle die Magie)

I wish that I could share myself, not just some disguise that takes the place of the me within,

hiding from your eyes!

(Peter Rosen)

REMUS:

Remus wachte früh am ersten Schultag auf, sodass er in die Dusche und wieder hinaus konnte, bevor seine Schlafsaalgenossen sich auch nur gerührt hatten. Er wollte definitiv nicht, dass einer von ihnen seinen übel zugerichteten und vernarbten Körper zu Gesicht bekam.

Er wühlte so leise er konnte in seinem Koffer nach seinem Gewand und den Toilettenartikeln, dann schlüpfte er zwischen den Vorhängen nach draußen.

Die Fremdheit von Hogwarts vergrößerte sich, anstatt abzunehmen, noch, als er ins Badezimmer schlich. Der Raum war riesig – größer als die gesamte Hütte der Lupins. Er bot einen glänzenden Anblick, voller grauem Stein und weißem Marmor.

Remus ging hinüber zu einer der Duschkabinen und zog den Vorhang vor. Er entkleidete sich, hängte seinen Schlafanzug zu seinem Umhang auf einen Haken, betrat die Dusche und griff nach dem Wasserhahn.

Der grässliche Schmerz kam plötzlich. Er erkannte es sofort – Die Wasserhähne waren aus Silber. Er starrte hinunter auf seine Hand, die selbst nach der kurzen Berührung wund aussah und kleine Blasen warf. Er war so dumm. Warum hatte er nicht aufgepasst? Ein Ausrutscher wie dieser konnte in Gesellschaft sein ganzes Geheimnis ans Licht bringen. Er konnte nur dankbar sein, dass das Besteck gestern offensichtlich aus Edelstahl bestanden hatte.

Er hob vorsichtig einen Waschlappen mit der unverletzten Hand auf und benützte ihn, um die Hähne zu drehen. Das Wasser strömte heraus, warm und tröstlich, und Remus versuchte, den stechenden Schmerz zu ignorieren, als er sich wusch.

Er zog sich schnell an und ging zurück zum Schlafsaal, gerade als Potter, der ungepflegt und schlaftrunken wirkte, ins Badezimmer kam. Er verspottete Remus halbherzig, als sie aneinander vorbeigingen.

Remus seufzte, ging zu seinem Bett, verräumte den Schlafanzug und wühlte in seinem Koffer nach seinen Heiltränken. Er zog einen hervor, der die Silberverbrennung lindern würde, und drehte den Deckel mühsam auf. Er war bereits halbleer. Nachdem er den Brief von Hogwarts bekommen hatte, hatte sein Vater seine Bestrafungen noch großzügiger verteilt als sonst. Remus' Körper war immer noch von kleinen, runden, fast verheilten Verbrennungen übersäht, wo John Lupin ihm einen Silberlöffel auf die Haut gepresst hatte.

Das war das Gute an Hogwarts, dachte er, während er begann, den Trank auf seine Handfläche und seine Finger zu reiben. Auch wenn er keine Freunde hatte, bezweifelte er, dass ihn irgendjemand so physisch verletzen würde, wie sein Vater es tat. Und selbst wenn sie ihn verprügelten, so war das dem heftigen Brennen von Silber auf seiner Haut auf jeden Fall vorzuziehen.

„Was hast du mit deiner Hand gemacht?"

Remus zuckte zusammen, als er die Stimme hörte, und sah auf, um Sirius Black zu sehen, der am Fußende seines Bettes stand und ihm neugierig zusah.

„Ich... Ähh... Hab sie mir verbrannt. Das Wasser. Es war heiß."

Dumm, dumm. Wann wirst du endlich lernen, nachzudenken? Du hast es ihn sehen lassen...

„Oh."

Lange Zeit war es still, dann öffnete Black den Mund, als ob er noch einmal sprechen wollte, doch da öffnete sich die Badezimmertür und Potter schlenderte herein.

„Morgen, Kumpel!", sagte er, als er Black sah, und wirkte nach seiner Dusche fröhlicher. „Geh duschen. Das Wasser ist noch heiß, aber ich hab gehört, es braucht sich schnell auf."

Remus sah, wie Blacks graue Augen zu der Verbrennung auf seiner Hand huschten, und schloss sie zur Faust, obwohl das höllisch wehtat. Dann zuckte der größere Junge mit den Schultern, wandte sich Potter zu und schenkte ihm einen bösen Blick.

„Musst du so früh morgens so ekelhaft fröhlich sein?", beschwerte er sich. „Davon wird mir schlecht, und es macht mich richtig griesgrämig."

Potter lachte unbeeindruckt. „Du klingst wie meine Mutter. Wenn du dich beeilst, warte ich auf dich und wir können gemeinsam runter in die Große Halle gehen."

Sirius stöhnte und rümpfte die Nase. „Schön. Und weck Peter auf. Er hat sich noch keinen Millimeter gerührt."

Remus packte seine Sachen zusammen und vergewisserte sich, dass sein Koffer abgeschlossen war, bevor er unbemerkt von den Jungen aus dem Zimmer schlüpfte.

Jetzt, zu Schulbeginn, summte die Große Halle voller Gespräche und Geschwätz. Remus ließ sich am Ende des Gryffindortisches auf die Bank gleiten und betrachtete die Platten voller Essen argwöhnisch. Das Besteck mochte aus Edelstahl sein, aber die Teller mit dem Essen waren definitiv aus Silber. Er konnte die Hitze auf seiner Hand spüren, als er sie einige Zoll von der nächsten Würstchenplatte entfernt schwenkte.

Er sah den Tisch entlang zu seinen Gryffindor-Kameraden. Sogar diejenigen, die darüber, so früh aufstehen zu müssen, ungefähr so glücklich wie Black wirkten, schienen jeder genug für eine ganze Armee in sich hineinzustopfen. Remus wurde schlecht bei dem Gedanken, so viel zu essen. Sein Vater hatte ihm nie mehr als eine Scheibe Toast zum Frühstück erlaubt, und er konnte sich nicht vorstellen, wie das alles in jemanden hineinpassen sollte.

Er lehnte sich hinüber, nahm vorsichtig ein Stück Toast vom Toasttablett und begann, es mit Butter zu bestreichen.

„Remus Lupin?"

Er sah auf und erblickte Charlotte, die Vertrauensschülerin von Gryffindor im sechsten Jahr, die zum ihm hinuntersah.

„Ja?"

„Dein Stundenplan."

Sie überreichte ihm ein Stück Pergament und ging weiter zur rothaarigen Lily Evans, während er es mit vor Aufregung pochendem Herzen betrachtete. Endlich würde er richtige Magie lernen. Er konnte es nicht erwarten, einfach mit dem Zauberstab schnippen zu können und sich damit seine Wünsche zu erfüllen. Er fragte sich, was seine Mutter wohl sagen würde, wenn sie ihn jetzt sehen könnte, wie er wie eine richtige Person am Gryffindortisch saß und wie ein gewöhnlicher Zauberschüler einen Stundenplan studierte. Der das Toasttablett nicht berühren kann, weil er sich sonst verbrennt, machte ihn ein grausamer Teil von ihm aufmerksam. Er war zu glücklich, um ihm allzu große Beachtung zu schenken.

Als seine Schlafsaalgenossen erschienen, war das Frühstück schon fast wieder zu Ende. Potter hüpfte fröhlich und mit wilder Frisur herein, gefolgt von Peter, der mit großem Interesse in der Halle, die er zum ersten Mal ihm Tageslicht sah, herumstarrte, und Black, der aussah, als ob das einzige, was ihn interessierte, der Moment war, in dem er wieder ins Bett durfte.

Sobald er sie bemerkt hatte, erhob Remus sich vom Tisch und wollte zu seiner ersten Zauberkunststunde gehen. Er wollte ihnen an seinem ersten Schultag nicht hineinlaufen.

Er hatte jedoch kein Glück, denn sobald Potter ihn sah, verwandelte sein froher Gesichtsausdruck sich in einen bösen, und er funkelte Remus an.

„Gehst du schon, Lusche Lupin?"

Remus zuckte bei dem Spitznamen zusammen und wich ein wenig zurück.

„James...," sagte Sirius schläfrig, „lass uns einfach was essen, ich verhungere noch!"

James sah seinen Freund an, dann zuckte er mit den Schultern, ging auf den Tisch zu und vergaß Remus anscheinend, der das nutzte und erleichtert flüchtete. Er sah Charlotte, die bei der Tür zur Großen Halle mit einem Zweitklässler sprach, und ging zu ihr hinüber.

„Kannst du mir sagen, wie ich zu Zauberkunst komme, bitte?"

„Natürlich."

Und so kam Remus an diesem Morgen als Erster zur Klasse für Zauberkunst, und er wartete dort, an die Wand gelehnt, bis die anderen kamen.

Als sie endlich hinein durften, entfernte er sich so weit wie möglich von Potter und seinen Freunden. Er saß in der Mitte der Klasse, neben Frank Longbottom.

Ihr Lehrer war ein kleiner Mann namens Professor Flitwick, der sie anlächelte und in die Hände klatschte, um sich ihrer Aufmerksamkeit zu versichern.

„Heute," quiekte er, „lernen wir den Schwebezauber. Wingardium Leviosa."

Er demonstrierte die zugehörige Handbewegung mit dem Zauberstab, und ein Tannenzapfen erhob sich aus einem Korb auf dem Lehrertisch. Die Schüler bekundeten murmelnd ihre Anerkennung und umfassten ihre Zauberstäbe, bereit, es selbst zu versuchen.

Sobald der Professor nickte, begann die Klasse zu üben. Remus linke Hand schmerzte, als er den Zauberstab hielt, doch es war ihm egal. Ihm wurde fast schwindelig bei dem Gedanken, diesen Zauber zu beherrschen.

Wenn du ihn gut kannst, sagte eine Stimme in ihm, die er immer auf seinen Inneren Tunichtgut zurückführte, könntest du ihn vielleicht ganz schnell und stark auf Potters Hose richten und ihm einen Hosenzieher verpassen. Das wäre sicher unterhaltsam.

Er versuchte, die Stimme zu ignorieren. Sie brachte ihn unweigerlich in Schwierigkeiten und bescherte ihm hunderte Silberverbrennungen von seinem Vater. Über die letzten zwei Jahre hatte er festgestellt, dass dies hauptsächlich deshalb geschah, weil er seiner Mutter ähnelte, wenn er auf die Stimme hörte und Unfug anrichtete. Sie war es gewesen, die diese Stimme seinen 'Inneren Tunichtgut' getauft hatte, nachdem Remus ihr mit fünf Jahren erklärt hatte, dass er eigentlich nicht vorgehabt hatte, ihren Trank durch das Hineinwerfen einer toten Ringelnatter zum explodieren zu bringen, ihn die Stimme aber dazu angewiesen hatte. Sie hatte darüber gelacht, dass er, wie sie, einen inneren Tunichtgut hatte, der seine Vernunft unterdrückte und ihn Unsinn machen ließ.

Alles, was seinen Vater an seine Mutter erinnerte, reichte aus, um Remus eine Tracht Prügel und drei Wochen in seinem Schlafzimmer im Keller einzubringen.

„Alles in Ordnung mit dir?", fragte Frank, der Remus besorgt ansah. Remus blinzelte und starrte ihn an.

„Ähm... Ja. Wieso?"

„Du hattest schon seit zehn Minuten deinen Zauberstab in der Luft und deinen Mund offen und hast nichts gesagt. Ich dachte, dir geht's nicht gut oder so."

„Ich... Ähh, nein." Remus spürte, wie er ein wenig rot anlief.

„Er kann's nicht ändern. Er ist verrückt," warf Black hilfreich ein, während er auf der Suche nach einem weiteren Tannenzapfen nach vorne kam. Pettigrew hatte es geschafft, ihre beiden zu Asche zu verbrennen, indem er sie mit dem Zauberstab angestoßen hatte.

Remus sah in böse an und Black hob eine Augenbraue. „Was, leugnest du es jetzt?"

„Lass den Jungen in Ruhe, Black," warf Longbottom ein. „Wenn er verrückt ist, geht dich das nichts an."

„Sag das mal, wenn du dir für sieben Jahre den Schlafsaal mit ihm teilen musst."

„Ach, hau ab," sagte Longbottom und hob den Zauberstab. „Ich glaube außerdem, dass Pettigrew gerade ein Loch in deine Schultasche gebrannt hat."

Black drehte sich um und sah zum Ende der Klasse, wo Peter schuldbewusst inmitten einer Wolke schwarzen Rauches stand.

„Pete!", schrie er. „Ich hab dir doch gesagt, dass du nichts tun sollst, bis ich zurück bin. James, warum hast du nicht auf ihn aufgepasst?"

„Wer bin ich? Seine Mutter?" Potter sah von der ganzen Situation eher amüsiert aus.

„Jungen, setzt euch," sagte Flitwick von vorne.

Black ging zum Schriebtisch nach vorne, schnappte sich einige Tannenzapfen und eilte zu seinem Platz zurück, um weitere Missgeschicke zu verhindern.

„Also, du bist verrückt?", fragte Frank Remus, und sah ihn interessiert an. „Ich habe noch nie einen Verrückten getroffen."

„Ähm..." Remus war zu perplex von der Tatsache, dass Frank absolut unbehelligt wegen seiner offensichtlichen geistigen Instabilität zu sein schien, um sich eine passende Antwort auszudenken. „Ich habe... Ähh... Nur meine Magie zusammen g-gesammelt," sagte er in einem Moment der Inspiration von seinem Inneren Tunichtgut.

„Wirklich?" Frank klang zweifelnd. „Also kannst du es jetzt?"

Remus sah hinunter auf seinen Tannenzapfen und konzentrierte sich wieder auf die Vorführung des Lehrers und auf das Zauberkunstbuch, dass er über den Sommer, in den drei Wochen, die er in seinem unterirdischen Schlafzimmer verbracht hatte, eifrig gelesen hatte. Wenn Remus etwas hatte, das wirklich für ihn sprach, dann war es seine Liebe zu Büchern und sein ausgezeichnetes Gedächtnis.

Wingardium Leviosa!"

Der Tannenzapfen erzitterte, dann erhob er sich schwankend in die Luft, wurde ruhiger, als Remus an Vertrauen gewann, und schwebte und tanzte über ihren Köpfen.

„Genial!", sagte Frank. „Kannst du mir zeigen, wie man seine Magie zusammen sammelt?"