Charaktere, Orte, etc.: JK Rowling
Geschichte: Moonsign
Ich weiß, dass hat wirklich zu lange gedauert, aber mein Computer weigert sich, sich mit dem Internet zu verbinden. Das ist aber trotzdem keine Entschuldigung, weil es ja noch mehr Computer auf dieser Welt gibt. :( Aber als Entschädigung kommen jetzt gleich ganz viele Kapitel :)
Dieses Kapitel ist nicht proofread, also kann ich nichts versprechen (;
15. Wishing on Moonshadows (Wünsche an Mondschatten)
SIRIUS:
„Sirius!"
James riss sich den Tarnumhang herunter, als sie aus dem Krankenflügel eilten, sodass er und Peter plötzlich aus dem Nichts aufzutauchen schienen.
„Was?", fuhr Sirius sie an. Er fühlte sich nach erschüttert und gereizt nach dem Gespräch mit Lupin.
„Ich dachte, du würdest nur schauen, wie's ihm geht. Du hast nicht gesagt, dass du ihn wegen deiner dämlichen Ideen, sein Vater würde ihm wehtun, zur Rede stellen würdest! Erinnerst du dich nicht, was mit diesen Slytherins passiert ist? Oder bist du einfach so blöd?" James sprach so leise, wie er es in seiner Wut schaffte, und dennoch bedachten sie einige Drittklässler aus Ravenclaw mit komischen Blicken, als sie im Korridor an ihnen vorbeieilten.
„Irgendwer muss doch was sagen!" Sirius stieß James wütend den Ellenbogen in die Rippen. „Du hast es selbst gesehen! Und wir haben nur seine Arme gesehen! Kannst du dir vorstellen, wie schlimm der Rest von ihm aussehen muss, wenn er einfach so ohnmächtig geworden ist?
„Ich dachte, er würde dich angreifen," sagte Peter, der neben James hereilte, bebend. „Seine Augen machen einem echt Angst. Ich dachte, er würde dich verletzen."
„Das hatte er verdammt noch mal auch getan, wenn er in der Verfassung dazu gewesen wäre." James warf Sirius einen vielsagenden, zornigen Blick zu. „Sirius weiß das. Popperlop," fügte er hinzu, als sie die Fette Dame erreichten. Das Portrait schwang auf und sie kletterten hinein.
„Es war nicht seine Schuld," sagte Sirius. „Er hat sich nur verteidigt. Ich weiß, wie er sich fühlt." Er warf James ebenfalls einen vielsagenden Blick zu.
„Ich hab nie gesagt, dass es seine Schuld ist!" James schlug die Tür zum Schlafsaal zu und warf den Tarnumhang auf sein Bett. „Sagte ich, es wäre Lupins Schuld?" Er wandte sich zu Peter um, der ziemlich entsetzt darüber schien, dass man von ihm verlangte, sich am Streit zu beteiligen.
„Ich w-w-weiß nicht… Ich w-w-w…"
James runzelte die Stirn und drehte sich wieder zu Sirius um. „Woher willst du wissen, dass er nicht kommt und dich aus Rache angreift, sobald er aus dem Krankenflügel darf?"
Sirius spürte, wie alles Blut sein Gesicht verließ. Daran hatte er überhaupt nicht gedacht.
„Und wenn du denkst ich werde versuchen, dich zu retten, dann hast du falsch gedacht!"
„James…" Sirius ließ sich hart auf seine Bettkannte fallen. James schien seine Beklommenheit zu bemerken, denn sein Gesichtsausdruck wurde ein wenig freundlicher und er setzte sich neben Sirius und klopfte ihm unsicher auf die Schulter.
„Ich war nur sauer. Natürlich werde ich dir helfen. Ich meine nur, wir haben keine Ahnung, wie er reagieren wird."
Für einen Moment war es still im Zimmer, bevor Peter unsicher sagte, „Was soll er denn überhaupt ausrichten? Er ist ein Zweitklässler wie wir, und er ist winzig. Gerade mal so groß wie ich und viel dünner."
James und Sirius antworteten nicht. Sie beide erinnerten sich lebhaft daran, wie der winzige Lupin über den stöhnenden Gestalten seiner ungeschlachten Slytherin-Angreifer stand, und an den Ausdruck auf seinem Gesicht, als er viermal ‚Obliviate!' geschrien hatte.
„Heute, Gentlemen, ist ein wundervoller Tag!", war das Erste, das James am Montagmorgen verkündete. Er warf sich dramatisch auf den Sitzplatz neben Sirius und begann, seinen Teller mit Würstchen und Toast zu beladen.
Sirius warf ihm einen bösen Blick zu und wünschte sich nicht zum ersten Mal, dass James Potter kein Morgenmensch wäre.
„Ich hab keine Ahnung, wovon du da redest," sagte er griesgrämig. „Der Himmel ist schwarzgrau und es regnet, und wir haben Kräuterkunde in dem Glashaus, das am weitesten vom Schloss entfernt ist, also werden wir völlig durchnässt sein. Nach Kräuterkunde haben wir Zaubertränke und dann Verteidigung Gegen die Dunklen Künste mit einem Typen, der so alt ist, dass Dumbledore wahrscheinlich in Worbelfoffs Pensionistenheim für Völlig Altersschwache Zauberer nach einem Lehrer gesucht hat.
„S'Richtig!", sagte Peter und wedelte schläfrig mit seiner Gabel, woraufhin er Alice Richards ins Ohr stach. Sie schrie hoch auf und rutschte von ihnen weg.
„Ich meinte," sagte James, den Mund jetzt voll mit Würstchen, „dass ich gerade unseren lieben Freund Schniefelus auf dem Weg hier herunter getroffen habe und an ihm diesen neuen Backenhörnchen-Zauber, den wir in dem Drittklässler-Verwandlungsbuch gefunden haben, ausprobiert habe."
Sirius Laune besserte sich merklich. „Wirklich? Wie hat es funktioniert? Ooh! Wo ist er?"
James deutete mit einem Stück Toast in Richtung des Lehrertisches, wo eine vertraute Gestalt mit fettigem Haar verzweifelt auf Madam Pomfrey einredete, während die Viertklässler aus Hufflepuff vom Nebentisch kicherten und auf ihn zeigten. Madam Pomfrey erhob sich und Snape wandte sich um, um ihr aus der Halle zu folgen.
Sirius brüllte vor Lachen, als er sein Gesicht erblickte. Die Wangen des Slytherins waren gewaltig aufgebläht und von goldbraunem Fell überdeckt. Seine Zähne waren lang und sahen aus wie die eines Nagetiers. Auf seinen Ohren, die runder aussahen als gewöhnlich und jetzt oben auf seinem Kopf aus den fettigen Strähnen lugten, schien ebenfalls Fell gewachsen zu sein. Zusammen mit seinem aufgebrachten Gesichtsausdruck, der ganz und gar nicht zu dem Nagetier-Aussehen passte, sah er unglaublich komisch aus.
„Mr. Potter!", sagte eine strenge Stimme, und sie alle zuckten heftig zusammen und drehten sich herum, wo eine wütende Professor McGonagall stand. „Wie können Sie es wagen, einen anderen Schüler mit einem solchen Verwandlungszauber zu belegen! Das sind zwanzig Punkte Abzug für Gryffindor und zwei Stunden Nachsitzen heute Abend, Kesselputzen mit Professor Slughorn. Per Hand!"
James versuchte einen zerknirschten Gesichtsausdruck und weitete die Augen. „Es tut mir so leid, Professor. Ich weiß wirklich nicht, was in mich gefahren ist!"
Sie runzelte misstrauisch die Stirn und schritt dann auf die Türen der Großen Halle zu, um ihre erste Unterrichtsstunde vorzubereiten. Sobald sie außer Hörweite waren, brachen die drei wieder in schallendes Gelächter aus. Sirius lachte so heftig, dass er fast von der Bank fiel und am Ende seinen Ellenbogen in die Marmelade rammte, um sich irgendwo festzuhalten. James legte den Kopf auf den Tisch und verkündete, die Worte vom Lachen undeutlich: „Es w-war jeden… Einzelnen K-Kessel wert." Dann kippte er hysterisch zur Seite und gegen Peter, der in Alice's Schoß fiel, die beschloss, dass sie niemals wieder neben den Jungen sitzen würde, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ.
Wie Sirius an diesem Morgen beim Frühstück schon recht unfreundlich festgestellt hatte, war der neue Lehrer für Verteidigung Gegen die Dunklen Künste tatsächlich sehr alt. Er erinnerte Sirius stark an einen uralten, zähen Baum. Er war nur ein paar Zoll größer als Professor Flitwick, und seine Haut war so faltig und verwittert, dass sie eher nach Holz als nach Haut aussah. Sie hing mit knotigen Sehnen und Muskeln an seinen Gliedmaßen, die scharf und krumm waren und sich in die unvorstellbarsten Richtungen bogen. Sein Haar war schneeweiß und buschig und stand von seinem Kopf ab, sodass er merkbar einem Löwenzahn glich. Zwei helle, weiß-blaue Augen starrten aus dem Nest aus Falten, das sein Gesicht war, hervor.
Obwohl er so alt aussah, dass jeder, der neben ihm ging, seine Arme halb erhoben trug, falls ein Windstoß ihn umwehen würde, schien er sich dieser Tatsache nicht bewusst zu sein. Er bewegte sich mit kantiger, gebrechlicher Agilität, und die Füße am Ende seiner verwitterten Beine schienen nur über den Boden zu streifen, weil man ihnen gesagt hatte, dass dies so zu geschehen hatte, und nicht weil sie es wirklich mussten. Seine Kleidung war sogar noch älter – der V-förmige Hosenbund und der hohe Kragen belegten, dass sie vermutlich vor eineinhalb Jahrhunderten modern gewesen war.
Sirius, James und Peter saßen in ihrer ersten Stunde statt wie üblich hinten ganz vorne in der Klasse, damit sie ihren neuen Lehrer genauer beobachten konnte. Wenige Minuten später öffnete sich die Tür, und der alte Professor schlendert herein und inspizierte sie. Er schien die ganze Zeit kurz vor einem Lachanfall zu stehen.
„Ich bin Professor Tecracken," verkündete er und wandte sich um, um den Namen an die Tafel hinter ihm zu kritzeln. Seine Stimme und seine Handschrift schienen beide so alt und gebrechlich wie seine Bewegungen. „Ich werde dieses Jahr Ihr Lehrer für Verteidigung Gegen die Dunklen Künste sein. Dumbledore hat mich aus den Wäldern von Norwegen herbestellt, wo ich Recherche für ein Buch über Lethifolds betrieben habe.
Ich war ein professioneller Duellant und Soldat in der Armee, die Dumbledore ins Leben gerufen hat, um den schwarzen Magier Grindelwald zu besiegen. Ich war zwanzig Jahre lang Auror, außerdem Drachenhüter, und Altvorderer im Zaubergamot, bis ich die Stühle aller Leute, die an einem wichtigen Treffen mit dem französischen und dem belgischen Ministerium teilnahmen, in Furzkissen verwandelt habe, die jedes Mal, wenn jemand begann, sinnlose Forderungen zu stellen, die jeweilige Nationalhymne anstimmten. Aus dieser Erfahrung lernt man, dass man völlig seinen Sinn für Humor verlieren kann, wenn man jemand Wichtiges in irgendeinem Zaubereiministerium der Welt ist. Heute werden wir an Schild-Zaubern arbeiten."
Das alles sagte Professor Tecracken allem Anschein nach ohne dazwischen zu atmen, obwohl er kurz abbrach und bei der Erinnerung an die Furzkissen kicherte.
Sirius wandte sich um und sah James an, der die Augenbrauen in einer Geste hob, die deutlich zu sagen schien: „Geht's noch?", obwohl er das Entzücken in James Augen sehen konnte, das auch er bei dem Gedanken an jemanden, der mutig genug war, bei einem wichtigen Treffen des Zaubergamots die Stühle zu verzaubern, empfand.
Während die Klasse begann, die Zauberstabbewegung und die Aussprache von Protego für den Schild-Zauber zu üben, war Sirius von der Frage abgelenkt, ob Professor Tecracken ihm wohl den Furzkissen-Zauber beibringen würde, damit er ihn beim Abendessen am Lehrertisch ausprobieren konnte. Er folgte dem Professor mit den Augen, während der seine Runden durch die Schüler drehte, die sich in Paare aufgeteilt hatten, um den Zauber zu üben. Sein zittriges Lachen erfüllte den Raum, als Evan Rosier es schaffte, Gorian Bulstrodes Schild zu durchbrechen und ihn mit dem Flederwichtfluch zu belegen.
Bulstrode starrte böse in Richtung des Lehrers, während dieser amüsiert grinsend den Zauberstab herumwirbelte. Sirius bemerkte, dass Tecrackens Gelächter den Slytherin nicht entmutigte, sondern vielmehr zu wütender Entschlossenheit anspornte. Er brauchte nur noch zwei Versuche, bis Rosiers Zauber von seinem Schild aufgehalten wurde und auf ihn zurückprallte. Tecracken nickte beiden gutheißend zu, bevor er weiter zu Lily Evans und Alice Richards ging.
„Mir ist so langweilig!", verkündete Sirius Peter am Abend, warf sein Astrologiebuch quer durch den Raum und starrte finster umher.
Peter sah von seinem Bett auf, auf dem er saß und eine Trumpelmohn-Pflanze per Hand fütterte, die er in Kräuterkunde umgeworfen hatte. Er hatte strengste Anweisung von Professor Sprout, sie mitzunehmen und sie bis zum nächsten Morgen mit kleinen Stücken eingerollten Brotes zu füttern, damit sie sich von dem Trauma erholte.
„Ich weiß," sagte er betrübt zu Sirius. „Das ist das langweiligste, was ich je machen musste. Wie kann sie denn immer noch Hunger haben? Ich habe sie den ganzen Tag gefüttert!"
„Es gibt einfach nichts zu tun!" Sirius lief im Zimmer auf und ab und verpasste seinem Koffer einen Tritt, als er an ihm vorbeikam.
„Was? Kein James zum Streiche spielen?", sagte Peter und grinste ein wenig. „Keine Lusche zum schikanieren?"
Sirius spürte, wie sich etwas in ihm zusammenzog, als er hinüber zu Lupins leerem Bett sah. Er schätzte, dass der Junge immer noch im Krankenflügel war, doch nach ihrem letzten Gespräch am Freitagabend hatte er es nicht mehr gewagt, nachzusehen. Er wusste auch nicht, warum er überhaupt nachsehen wollte, und das bereitete ihm noch mehr Sorgen. Wann immer er versuchte, den Gedanken an Lupin aus seinem Kopf zu verdrängen, sah er die Erinnerung an sein blasses, dünnes, schwitzendes Gesicht vor sich.
Er konnte nicht vergessen, wie Lupin blind in ihre Kutsche gestolpert war, die Pupillen vom Fieber geweitet und den Arm schützend seinem Bauch gelegt. Als er bewusstlos geworden war, während Sirius versucht hatte, ihm aus der Kutsche zu helfen, hatte Sirius seinen Ärmel packen können, bevor er auf den Boden sinken konnte. Er erinnerte sich daran, dass James' Stimme schockiert „Scheiße!" gemurmelt hatte, und er hinuntergeschaut und Lupins Arm gesehen hatte, völlig enthüllt von dem Ärmel, den er gepackt hatte.
Er war voller Narben jeder Größe, die sich grausam über seine ansonsten bleiche Haut zogen. Doch da waren auch neue Wunden. Schnitte und runde, entzündete Stellen, die aussahen wie riesige Brandblasen. Er erinnerte sich an den Tag am Bahnhof, als er beobachtet hatte, wie Lupins Vater etwas auf seinen Arm gedrückt hatte.
„Sirius?" Peter klang ein wenig besorgt. „Alles okay bei dir?"
„Ich gehe raus und besuche James." Sirius konnte den Gedanken, den Rest des Abends eingeengt in diesem Raum mit Peter und seiner Pflanze zu verbringen, die den quälenden Gestank verrottender Birnen verströmte, nicht länger ertragen.
„Kannst du nicht," sagte Peter geduldig. „Er ist bei seiner Strafarbeit."
Sirius, der jetzt, wo er etwas zu tun hatte, um einiges glücklicher war, beugte sich hinunter zu James' Koffer und öffnete ihn. Er wühlte eine Weile darin herum, bevor er triumphierend den Tarnumhang hervorzog.
„Du wirst ihn in Schwierigkeiten bringen," warnte ihn Peter.
„Natürlich nicht," sagte Sirius. „Das machen loyale Tunichtgute so – sie wagen sich in die Tiefen von grauenvollen Slytherin-Kerkern, um eingesperrten Kameraden Gesellschaft zu leisten. Kommst du mit?" Er wedelte einladend mit dem Tarnumhang.
Peter seufzte und sah mit Bedauern auf seine Pflanze hinunter. „Lieber nicht. Professor Sprout bekommt 'nen Anfall, wenn ich gehe und die hier streben lasse."
„Tut mir leid, Kumpel."
Peter zuckte mit den Schultern. „Richte was für mich an."
„Immer doch."
Sirius schlenderte aus dem Zimmer und die Stufen hinunter in den Gemeinschaftsraum. Sobald er aus dem Portraitloch geklettert war, schwang er sich den Tarnumhang über die Schultern und ging in Richtung der Kerker. Er ging so leise wie möglich, denn es war beinahe Ausgangssperre und er wusste, dass er zurück zu seinem Schlafsaal geschickt werden würde, wenn ein Lehrer ihn erwischte.
Als er am Krankenflügel vorbeikam, wurde er von einer kleinen, dünnen Gestalt abgelenkt, die im Korridor vor ihm verschwand. Das monatelange Beobachten der überraschend geschmeidigen und flüssigen Bewegungen Lupins ließ ihn die Silhouette vor ihm sofort erkennen.
Sirius zögerte einen langen Moment lang und dachte an James, der alleine mit den Kesseln im Kerker war, dann zuckte er mit den Schultern und folgte stattdessen Lupins Gestalt. Er wusste dass James wütend gewesen wäre, wenn er die Gelegenheit, mehr über ihren seltsamen Zimmerkameraden herauszufinden, nicht ergreifen würde, nur um ihm Gesellschaft zu leisten.
Er achtete darauf, dem anderen Jungen in großer Entfernung zu folgen. Sirius war sich nicht sicher, wie gut Lupins Gehör war, und wollte es nicht riskieren, entdeckt zu werden. Lupin ging – oder eher schwebte – von einem Schatten im Korridor zum nächsten. Wenn Sirius nicht Ausschau nach ihm gehalten hätte, hätte er die stumme Gestalt wahrscheinlich übersehen, die sich da zwischen den Seen aus Dunkelheit hinter Statuen, Rüstungen und Alkoven an der Wand bewegte.
Er fragte sich wo Lupin gelernt hatte, sich so zu bewegen. Vielleicht war es derselbe Ort, an dem er gelernt hatte, jene Slytherins auf solche Art und Weise zu besiegen. Er fragte sich, ob es irgendetwas damit zu tun hatte, wie Lupins Vater ihn behandelte.
Lupin erreichte eine der kleineren Türen im Hauptkorridor, die hinaus auf die Ländereien von Hogwarts führte. Er öffnete sie vorsichtig, glitt nach draußen und schloss sie hinter sich. Sirius wartete einige Minuten, um dem Jungen etwas Zeit für einen Vorsprung zu verschaffen, bevor er ihm folgte.
Er ging durch die Tür und sein Blick suchte das Gelände ab, bis er die kleine schwarze Gestalt entdeckte, die sich dem Quidditchfeld näherte. Er ging hinterher, immer noch in einiger Entfernung. Es war jetzt völlig dunkel und er konnte Lupin in der Ferne kaum noch erkennen. Es war windig und kühl, der erste Hauch des Herbstes lag im Wind. Er blies gegen Sirius' Gesicht und durch seinen Umhang und ließ seine Augen tränen, als sie das offene, ungeschützte Quidditchfeld erreichten.
Lupin ging noch etwas weiter aufs Feld hinaus und legte dann den Kopf zurück, um mit eigentümlicher Intensität in den Himmel zu starren. Sirius schlich näher und zog sich unter die nahe Ravenclaw-Tribüne zurück, um sich vor dem schlimmsten kalten Wind zu schützen, den Lupin nicht zu bemerken schien. Er folgte dem Blick des Jungen, doch alles was er sehen konnte war der herrlich klare Nachthimmel, übersät mit Sternen, und der Mond, der direkt über ihnen hing. Er war noch nicht ganz zwei Drittel voll, aber weil der Himmel so völlig klar war, schien er sehr groß und hell. Er warf silbrig blaues Licht über das Quidditchfeld und Lupin hob ein wenig die Arme, als würde er mehr davon auf sich fühlen wollen.
Sirius schlich sich soweit er es wagte nach vorne, bis er nur noch ein paar Meter von dort entfernt war, wo Lupin auf dem Feld stand. Er war jetzt unter dem niedrigsten Teil der Ravenclaw-Tribüne zusammengekauert. Er erstarrte, als der Wind, der gegen sein Gesicht blies, plötzlich Gesang mit sich brachte – wild, melodiös und geradezu beherzt.
Er blickte weg vom Mond und auf Lupins Gesicht, und sah, wie sich der Mund des Jungen bewegte, während er auf zum Himmel sah, die Arme immer noch ein wenig angehoben. Wenn er genau hinhörte, konnte er die Worte ausmachen, bevor sie vom Wind davongetragen wurden.
„…Followed by a moon shadow! Moon shadow, moon shadow! Leaping and hopping on a moon shadow, moon shadow, moon shadow!
And if I ever lose my eyes, if my colours all run dry. Yes if I ever lose my eyes, oh hey – I won't have to cry no more."
So plötzlich, dass Sirius zusammenzuckte, schienen Lupins Beine nachzugeben und er kam hart auf dem Gras zu sitzen. Er hörte auf zu singen, und sein goldbraunes Haar fiel nach vorne und verbarg sein Gesicht, während er die rechte Hand hob, die Finger gespreizt, und sie über dem Gras neben sich in der Luft verharren ließ. Zum ersten Mal wandte er den Blick vom Himmel ab und es sah aus, als würde er die scharfen Konturen des Mondschattens, den seine Hand warf, betrachten.
Er trug seine abgewetzten, braunen Schuhe und einen Winterschlafanzug des Krankenflügels, und der war dünn genug, dass er vom Wind eng gegen seinen Körper gedrückt wurde. Sirius konnte sehen, dass Lupin entsetzlich mager war. Sirius fragte sich, was er tun sollte. Er konnte die Umrisse einer dicken Bandage um den Bauch des Jungen ausmachen und er schätzte, dass er noch nicht außerhalb des Krankenflügels sein sollte. Nicht zum ersten Mal machte Sirius sich ernsthaft Sorgen um Lupins geistige Gesundheit. Nicht auf eine spöttische, grausame Art, sondern so, dass er wirklich überlegte, ob mit Lupin etwas nicht stimmte.
Er sah, wie sich Lupins Mund erneut bewegte und bemühte sich, die Worte zu verstehen.
„…Vermisse dich die ganze Zeit," sagte er, obwohl Sirius wusste, dass niemand da war, mit dem er sprechen könnte. „Aber immer wenn ich versuche, mich an die alten Zeiten zu erinnern, vermischen sie sich mit den neuen. Ich sehe den Mond an und ich liebe ihn und ich hasse ihn. Ich hasse ihn." Lupin schloss die bleichen Finger, die immer noch über dem Gras schwebten und Sirius konnte sehen, wie er den Kopf zur Seite neigte und die Bewegung des Mondschattens unter ihnen beobachtete.
„Du hast gesagt, dass er mich nicht verändern darf," fuhr Lupin fort, die Stimme so leise, dass Sirius sie durch den Wind kaum vernahm. Sie schien unsicher zu zittern, obwohl sein Gesicht so ausdruckslos wie fast immer war. „Aber es ist jetzt ein Teil von mir, und ich glaube nicht, dass ich daran etwas ändern kann. Ich kann mit niemandem darüber sprechen. Niemand mag mich. Ich habe keine Freunde, und ich glaube, sogar der Tunichtgut hat mich verlassen. Die Leute hören nicht auf mich darüber auszufragen wie Dad mich behandelt, als ob es falsch wäre, wo ich doch weiß, dass es das nicht ist. Du würdest niemanden lieben, der schlechte Dinge tut. Oder vielleicht doch. Du hast mich geliebt." Er seufzte und ruckte kurz mit dem Kopf, um das Haar aus seinem Gesicht zu entfernen, das der Wind dorthin geweht hatte.
„Es war alles so viel einfacher, als ich noch an die Magie der Mondschatten geglaubt habe, die du mir beigebracht hast." Er legte den Kopf zurück und starrte den Mond an, anscheinend tief in Gedanken versunken. Die Hand, die noch immer über dem Boden schwebte, schloss sich zur Faust. Lupin neigte den Kopf wieder hinunter um sie zu betrachten. Sein Blick blieb auf dem Mondschatten darunter haften. Er streckte die Finger wieder, und ohne die eine Hand zu bewegen, zog er mit der anderen seinen Zauberstab aus dem Hosenbund seines Schlafanzuges.
Er drehte die rechte Hand, sodass die Handfläche nach oben zeigte, und drückte die Spitze seines Zauberstabes darauf. Er murmelte einen leisen Zauber den Sirius nicht verstand, und Sirius zuckte erschrocken zurück als er dunkles Blut aus einem Schnitt quer über seine Handfläche laufen sah. Lupin wartete, bis das Blut eine seichte Lache gebildet hatte, dann drehte er die Hand um, sodass die dunkle Flüssigkeit direkt auf den Mondschatten spritzte, den seine Hand auf das Gras warf.
„Ich wünsche mir…", murmelte Lupin, während er beobachtete, wie die Tropfen in den Grashalmen versanken. „Ich wünsche mir einen Freund, der mich versteht. Ich wünsche mir einen Freund, dem es egal ist, dass ich nie weiß wie ich mich benehmen soll, und der mich nicht die ganze Zeit Lusche nennt. Ich wünsche mir einen Freund, der mich anblickt und mich sieht und mich kennt und mich nicht dafür hasst."
Er saß lange Zeit still da. Die Blutstropfen von seiner Hand wurden allmählich weniger, als sie gerannen. Schließlich bewegte er sich, drehte die Handfläche wieder nach oben und brachte sie vor sein Gesicht, um sie im Mondlicht zu betrachten. Er runzelte ein wenig die Stirn, dann führte er die Hand zum Mund und leckte das Blut auf eine Art und Weise ab, die Sirius beunruhigend an ein Tier erinnerte, das eine Wunde leckte.
Dann erhob er sich unsicher. Er schwankte ein wenig und fasste sich an den Kopf. Sirius hielt inne und fragte sich, ob er Lupin schon wieder aufsammeln und in den Krankenflügel würde bringen müssen. Doch der Moment ging vorüber, und Lupin steckte seinen Zauberstab zurück in den Hosenbund seines Schlafanzuges und machte sich auf den Weg zum Schloss.
Sirius folgte ihm, wieder mit großem Abstand, und bemerkte, obwohl Lupins Bewegungen zwar immer noch geschmeidig und schwebend aussahen, dass sie auch angespannt wirkten, als würde jede einzelne ihm Schmerzen bereiten.
„Denkst du, das war echte Magie?", fragte Peter, als die drei am nächsten Tag unter einer Trauerweide am See saßen. Es war Mittag, und sie hatten sich nach dem Essen nach draußen zurückgezogen, solange es noch warm genug dazu war.
„Natürlich nicht!", sagte James ungeduldig. „Er hat doch wohl offensichtlich versucht mit jemandem zu sprechen, der früher in der Nacht mit ihm draußen war und jetzt tot ist. Er hat diese ‚Zauberei' spontan erfunden. Es war nicht echt."
Obwohl das eine legitime Aussage war kam es Sirius so vor, als ob James' kalte Zusammenfassung die Ernsthaftigkeit und Feierlichkeit der letzten Nacht nicht verstanden hätte. Er konnte es ihnen aber nicht verdenken. Sie hatten es nicht gesehen.
„Es war wirklich traurig," sagte Sirius, lehnte sich nach hinten auf die Hände und streckte die Beine vor sich aus. „Er hat irgendwie so… einsam ausgesehen."
„Ich weiß," sagte James, „aber du musst doch zugeben, dass er irgendetwas versteckt."
Sirius schnaubte ungeduldig, sagte aber nichts, denn es stimmte.
„Ich frag mich, was mit ihr passiert ist?", sagte Peter.
„Mit wem?", fragte James.
„Mit der Person, mit der er geredet hat. Offensichtlich ist sie nicht mehr da. Tot wahrscheinlich, wenn er dachte, dass sie ihn hören konnte, obwohl niemand da war."
Beide sahen Sirius an, der mit den Schultern zuckte. „Ich weiß es nicht. Ich hab euch alles erzählt, was er gesagt hat. Ich weiß genauso viel wie ihr."
„Vielleicht hat er sie aus Versehen umgebracht," sagte James.
Sie hatten Peter schließlich von dem Vorfall mit den Slytherins im Korridor erzählt. Peters wässrige Augen weiteten sich, als er James anstarrte. „Meinst du?"
„Natürlich nicht!", sagte Sirius und sah sie beide wütend an. „Wer auch immer es war, er hat ihn geliebt. Das hat man an seiner Stimme gehört. Er hätte ihm niemals wehgetan."
„War ja nur 'ne Idee, Sirius," sagte James vorwurfsvoll. „Du musst uns nicht gleich so angehen."
„Eine Idee? Du hast ihm Mord vorgeworfen."
„Tut mir leid." James drückte seine Schulter. „Ich hätte das nicht sagen sollen."
Sirius seufzte und spielte mit einem Grashalm, als es still zwischen ihnen wurde.
„Ich hab etwas, das dich aufheitern wird," sagte James nach einer Weile, offensichtlich darum bemüht, die Stimmung zu heben. „Du glaubst nicht, was ich gestern bei der Strafarbeit in einem von Slughorns Büchern entdeckt habe."
„Was?", fragte Sirius und seine Laune besserte sich erheblich, als er das boshafte Glitzern in den Augen seines besten Freundes sah.
„Slughorn ist weggegangen, weil Peeves im nächsten Klassenzimmer die Stühle am Boden festgeklebt hat und ich habe mir eines der Bücher angesehen, die auf diesem Regal bei seinem Schreibtisch stehen. Ich habe diesen unheimlich coolen Trank gefunden. Er lässt dir Teile von dem Tier wachsen, das für dein Haus steht. Wenn wir den beim Frühstück allen untermischen, haben wir Ravenclaws mit Flügeln oder Schnäbeln, oder Hufflepuffs mit Stummelbeinchen, und vielleicht Slytherins ohne Arme und Beine…" Er brach ab, als er an einen Snape dachte, der sich wie eine Schlange auf dem Boden wand.
„Genial," hauchte Sirius, als er sich den Höllenlärm vorstellte, den dieser Streich verursachen würde. Er stellte sich vor, wie Madam Pomfrey versuchte, in ihrem Krankenflügel genug Platz für alle zu schaffen, und wie Dumbledore und McGonagall versuchten, die zischelnden Slytherins und krächzenden Ravenclaws zu beruhigen.
„Wir müssten den Gryffindors auch was geben und sicherstellen, dass wir selbst welchen trinken," sinnierte er. „Sonst wissen sie gleich, dass es wir waren."
„Das ist okay," sagte Peter, der aufgeregt auf und ab hüpfte. „Wir haben sowieso das coolste Tier. Stell dir nur vor, wie ein Löwe zu brüllen oder Krallen statt Fingernägeln zu haben."
„Der Trank ist wirklich kompliziert," sagte James. „Wir brauchen Billywigflügel und gemahlene Fwuuper-Eierschalen, das bekommen wir nur aus Slughorns privaten Vorräten. Und dann müssen wir uns überlegen, wie wir den Trank morgens in den Kürbissaft bekommen, sodass jeder ihn trinkt."
„Hm…", machte Sirius und dachte angestrengt nach. „Wann haben wir das nächste Mal Zaubertränke?"
„Donnerstag Nachmittag," half Peter.
„Dann stehlen wir es da. Peter, du bist der schlechteste in Zaubertränke – nichts gegen dich, Kumpel."
Peter zuckte mit den Schultern. Es stimmte. Wenn Sirius und James ihm im ersten Jahr nicht mit den Hausaufgaben geholfen hätten, wäre er in Zaubertränke wahrscheinlich sitzen geblieben.
„Also," sagte Sirius und überlegte, während er sprach, „du musst es noch schlimmer machen als sonst. Verhau es völlig, sodass Slughorn kommen und dir helfen muss, bevor es explodiert. Während du das machst, laufen James und ich schnell in sein Büro und stehlen das Zeug aus seinem Vorrat. Do hast dir den rank abgeschrieben, oder, James?"
James zog ein zerknittertes Stück Pergament aus der Tasche und wedelte grinsend damit herum. Sie hatten einen Plan.
„Okay, das kann ich," sagte Peter ernst, und er wirkte stolz und besorgt zugleich, weil er so eine wichtige Rolle bei dem Streich bekommen hatte.
„Wissen wir doch," sagte James und klopfte ihm auf den Rücken. „Ich denke auch, dass wir uns ein wenig in Hogwarts umsehen sollten um herauszufinden, wo genau die Küchen sind und wie das Essen in die Große Halle kommt. Ich wette, irgendwo gibt es Hauselfen. Wenn wir alles wissen, können wir uns mit meinem Tarnumhang rein schleichen, bevor das Essen auf die Frühstückstische kommt, und den Trank in den Kürbissaft leeren.
„Das ist so cool!", sagte Sirius und rieb sich die Hände. „Hogwarts hatte keine Ahnung was sie angerichtet hat, als sie uns hier aufgenommen hat."
Sie steckten wieder die Köpfe zusammen, planten und besprachen.
Am Mittwoch bevor der erste Teil von ‚Operation Zischelnde Slytherins' ausgeführt werden sollte – das Stehlen der Zaubertrankzutaten – geschahen zwei Dinge, die Sirius glücklich machten.
Für das erste war James verantwortlich, als er an diesem Morgen hinunter zum Frühstück ging. Er hatte sich vor Filch versteckt, nachdem er versucht hatte, Mr. Norris, die neue Katze des Hausmeisters, zu verhexen. Sie hatte rote Augen und einen bösartigen Charakter und drohte ein großes Problem bei ihren nächtlichen Vorhaben zu werden. Um nicht von Filch gesehen zu werden, als der um die Ecke kam, hatte James sich hinter die Statue einer buckligen Hexe geduckt, sich gegen den steinernen Rücken gedrückt um so unsichtbar wie möglich zu sein und dabei seinen Zauberstab hervorgezogen, nur für den Fall. Als er um die Statue gelugt hatte, um zu sehen, ob Filch kam, hatte er das Wort Dissendium entdeckt, dass kaum sichtbar und in winzigen Buchstaben in die Achselhöhle der buckligen Hexe eingeritzt war. Überrascht, hatte er das Wort laut gemurmelt und war dann noch überraschter gewesen, als der steinerne Buckel sich geöffnet und einen Geheimgang preisgegeben hatte.
Damit begannen die Tunichtgute von Gryffindor auch mit der ‚Operation Geheimgänge'. Die drei machten Pläne, so viele Geheimnisse über das Schloss Hogwarts herauszufinden, wie sie konnten. Wenn sie all die Geheimgänge und -räume kannten, waren die Möglichkeiten für Streiche einfach endlos.
Das zweite, was Sirius glücklich machte (obwohl er das James und Peter gegenüber nicht erwähnte) war, dass Lupin aus dem Krankenflügel durfte und wieder im Unterricht erschien. Er sah sehr dünn und blass aus, ansonsten aber in Ordnung. Er wusste nicht, warum ihn das so freute, aber er war irgendwie froh, dass er Lupin im Gewächshaus sieben am Tisch sitzen und vorsichtig seinen lilablättrigen Kaptula-Farn umtopfen sah. Seine bleichen Finger beruhigten die reizbare Pflanze, und zu sehen, wie sich streckten, um die Blätter sanft zu streicheln, ließ Sirius an Blut und Mondschatten denken.
James und Peter hatten immer noch Vorbehalte gegen Lupin, und Sirius wusste nicht, wie er sich nach ihrem Streit verhalten sollte, also ignorierten sie die Anwesenheit des kleinen Jungen in ihrem Zimmer, als sie an diesem Abend zu Bett gingen und sich noch leise über Geheimgänge unterhielten.
„Gib Mondstein und Lungenkraut rein," zischte Sirius Peter ins Ohr, der bestürzt seinen Kessel anstarrte. Es sah so aus, als ob es genau den gegenteiligen Effekt hätte, wenn er seinen Trank absichtlich falsch machen wollte. Die Farbe des Haarwuchs-Trankes in seinem Kessel war nicht viel verkehrter als die der anderen.
„Wie viel?", fragte Peter und sah Sirius fast flehend an.
„Das ist egal, du Idiot!", sagte James ungeduldig von der anderen Seite, „Du sollst es doch falsch machen, schon vergessen? Und jetzt beeil dich. Slughorn kommt."
Sirius und James standen auf, schlenderten zum Schrank mit den Schülervorräten hinüber und warfen dabei immer wieder Blicke auf Peter, der folgsam Mondstein und Lungenkraut beigemischt hatte, dicht gefolgt von einer Kiste geriebener Doxyflügel. Zu ihrer Erleichterung wechselte der Trank nun binnen Sekunden von relativ normal zu unheilvoll leuchtend orange und blubbernd.
„Mr. Pettigrew!", sagte Slughorn alarmiert und eilte hinüber zu Peters Kessel. „Was in aller Welt haben Sie mit diesem Trank angerichtet? Schnell, schnell, zerschneiden Sie ein paar blaue Stechpalmenraupen und tun Sie sie da hinein bevor es explodiert… nicht so, Sie dummer Junge… Hier, lassen Sie mich das machen. Sie kümmern sich um die Ringelblumenblätter… Wirklich, hören Sie denn nie zu…"
Sirius und James schlichen so unauffällig sie konnten vom Schülervorratsschrank weg und schlüpften durch die Tür, die er angelehnt gelassen hatte, in Slughorns Büro. Sie eilten hinüber zu seinen Privatvorräten, welche gleich hinter seinem Schreibtisch sauber beschriftet in einem Schrank an der Wand standen.
„Schnell!", flüsterte James. „Billywigflügel und gemahlene Fwuuper-Eierschalen."
Sie durchsuchten die Regalbretter, erleichtert, als sie feststellten, dass alles alphabetisch geordnet war, und nahmen sich schnell was sie brauchten.
„… würde wirklich in die Luft gehen, Mr. Pettigrew!", sagte Slughorns Stimme und näherte sich seinem Büro. James und Sirius tauschten panische Blicke und duckten sich, um sich hinter Slughorns Schreibtisch zu zwängen.
Die Tür schwang ganz auf und Slughorn kam herein und eilte zu seinem Schreibtisch. „Verdammtes Register…", murmelte er und begann, die Bücher und Papiere zu durchwühlen. Er kam um die Tischkante herum, in Sichtweite. Wenn er jetzt hinunterschaute, würde er sie beide sehen und dann hätten sie definitiv ein Problem.
„Sir!", sagte eine vertraute Stimme, als noch jemand den Raum betrat. „Ich glaube, Sie sollten noch mal nach Pettigrews Kessel sehen. Ich denke, diesmal könnte er wirklich explodieren!"
James und Sirius starrten einander schockiert an. Lupin kam um den Tisch herum, stellte sich demonstrativ vor James und Sirius und gab ihnen so die Gelegenheit, aus Slughorns Sichtweite zu krabbeln.
„Mr. Lupin, bitte betreten Sie mein Büro nicht, wenn ich Sie nicht eingeladen habe!", sagte Slughorn streng.
„Aber Sir, Mr. Pettigrews Kessel!"
„Wirklich, Mr. Lupin -", fing Slughorn an.
Und weil James und Sirius nur ein paar Zoll von Lupin entfernt unter dem Tisch zusammengekauert waren, konnten sie sehen, wie Lupin den Zauberstab nahm, vom abgetragenen, schwarzen Ärmel seines Schulumhangs versteckt. Sie hörten ihn eine leise Zauberformel murmeln, während Slughorn ihm einen Vortrag hielt, und er schnipste in einer kleinen Bewegung mit dem Zauberstab in Richtung der Bürotür. Es gab ein schallendes Bumm! aus dem Klassenzimmer, gefolgt von überraschten Rufen, mädchenhaftem Gekreische und Flüchen.
„Großer Merlin!", rief Slughorn und rannte aus dem Raum. Sirius und James starrten Lupin mit offenen Mündern an. Der kleine Junge wandte sich um und hob eine Augenbraue.
„Also? Wollt ihr nicht weglaufen?", fragte er und deutete zur Tür hinüber.
Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. James und Sirius sprangen auf die Füße und rannten aus dem Büro hinein in das Chaos im Klassenzimmer. Es stellte sich heraus, dass Lupin nicht Peters Kessel zum explodieren gebracht hatte, und das war gut, dachte Sirius. Sein Trank hatte eine so beunruhigende Farbe angenommen, dass man sich gar nicht ausmalen wollte, was vielleicht passiert wäre. Bulstrode saß und es war sein Trank, der jetzt alle Schüler im Umkreis von einem Meter bedeckte. Ihnen wuchsen groteske Haarlocken aus sämtlichen Bereichen, die etwas abbekommen hatten.
Slughorn war so damit beschäftigt, alle zu beruhigen und allen das Gegenmittel zu verabreichen, dass er gar nicht bemerkte, dass James und Sirius aus seinem Büro huschten.
„Mr. Bulstrode!", sagte er und reichte Delilah Kettle eine Glasphiole mit dem Gegenmittel, „Sie haben Aprikosenkerne dazugetan, bevor Sie es zum kochen gebracht haben, nicht wahr?"
„Ich… Ich…" Bulstrode schien nicht zu wissen, was er sagen sollte.
„Zwanzig Punkte Abzug für Slytherin, weil Sie nicht aufgepasst und meinen Unterricht gestört haben!"
Sirius sah auf und erblickte Lupin, der lässig aus Slughorns Büro geschlendert kam. Sirius war überrascht. Er dachte, er wäre hinter ihnen gewesen, als sie rausgekommen waren. Lupin kam an Sirius' und James' Tisch vorbei und ließ etwas in Sirius' Schoß fallen. Es war ein Stück Pergament, um zwei Glasphiolen gewickelt. Auf dem Pergament befand sich eine Nachricht in eleganter Handschrift.
Wenn ihr euch schon so viel Mühe wegen eines Ablenkungsmanövers macht, vergesst wenigstens nicht, weswegen ihr gekommen seid. Und nehmt es lieber aus den Gläsern, nicht die ganzen Gläser. Er hätte es bemerkt, wenn ihr alles genommen hättet. RL
Sirius sah James, der ebenfalls ungläubig auf die Notiz starrte, mit geweiteten Augen an. Erst jetzt erinnerte sich Sirius, dass sie die Billywigflügel und zermahlene Fwuuper-Eierschale zwar vom Regal genommen, sie aber dort gelassen hatten, als sie sich versteckt hatten.
Sirius wandte sich um und sah nach Lupin, der wieder ruhig an seinem Platz vorne in der Klasse saß und das Durcheinander um ihn herum nicht zu beachten schien. Er rührte in seinem Kessel, machte dann eine Pause, um vorsichtig gerieben Weißdornwurzeln dazuzugeben, und legte den Kopf schräg, um das Ergebnis zu begutachten.
„Was zum Teufel?", murmelte James Sirius ins Ohr.
„Leute, was ist passiert? Es tut mir so leid!" Peter trippelte atemlos zu ihnen herüber.
„Ich hab wirklich keine Ahnung," sagte Sirius, die Augen auf Lupins Rücken geheftet.
Als die Stunde endlich vorbei war, hielten Sirius und James nach Lupin Ausschau, um sich bei ihm zu bedanken, doch er schien unbemerkt aus der Klasse geschlüpft zu sein und war nirgends mehr zu sehen.
