Nicht meins. Obwohl ich keinen der hier erwähnten Charaktere umgebracht hätte. Ich bin dreizehn und kann nichts dafür.
Moonsign sagt übrigens, dass ihr das abrupte Ende des letzten Kapitels leid tut. Ich finde es gut, aber ich hab definitiv nichts zu sagen.
Und den Vorschlag für Remus' Reaktion auf den Streich hatte auch nicht Moonsign, aber da keiner weiß, wer es war, können wir ihm oder ihr hier leider keinen Applaus spendieren. Enjoy.
19. Blood on the Walls of a Werewolf's Shack (Blut and den Wänden)
"Secrets are made to be found out with time." (Charles Sanford)
SIRIUS:
Sirius war sich nicht ganz sicher, wann alles schief gelaufen war. Der Trank hatte wunderbar gewirkt: Schüler waren in Panik, Lehrer waren verwirrt und riefen nach Ordnung, und die Slytherins sahen ohne Arme und ohne Haar unglaublich komisch aus und konnten ihre Wut außer durch Zischeln nicht einmal in Worte fassen.
Dann hatten sie ihren Anteil trinken müssen, um nicht aufzufliegen. Und ab da hatten sich die Dinge verändert. Sirius hatte seinen Kürbissaft hinuntergeschluckt und beobachtete entzückt, wie sein Körper sich verwandelte. James' ohnehin schon zerzaustes Haar wurde länger und wilder und spross seinen Rücken hinunter, und Sirius deutete auf ihn und kicherte, bis James ihn seinerseits erblickte und sich fast anmachte vor Lachen.
Dann hatte Sirius sich nach Remus umgedreht und gesehen, dass der kleinere Junge eine komplett andere Reaktion zeigte. Er starrte seine sich verwandelnden Hände mit einem Ausdruck tiefsten Entsetzens und Abscheu an. Sein Atem ging schnell, und trotz des Lärms der anderen Schüler konnte Sirius ihn in Remus' dünnen Brustkorb hinein und hinaus rauschen hören. Der braunhaarige Junge hyperventilierte offensichtlich und als Sirius einen Schritt nach vorne trat, hob Remus eine kleine Hand an seinen Hals, wo Haar begann, aus seinem Nacken zu sprießen, und begann zu schreien.
Es war das schrecklichste Geräusch, das Sirius je gehört hatte. Es klang nicht wie die einheitlichen Angstschreie der anderen Schüler - die tief im Inneren wussten, dass die Lehrer alles wieder normalisieren würden. Es war ein Schrei voller Angst und Hass und tiefer, tiefer, unsäglicher Qual.
Sirius spürte, wie bei dem Geräusch etwas in seinem Inneren zerrissen wurde. Ohne zu denken griff er nach Remus, versuchte verzweifelt, ihn zu halten, und den Schrei zu beenden, der weiter und weiter anhielt.
„Rem? Remus. Guter Gott! Remus, was ist denn!" Sirius versuchte, seine Schultern zu packen, doch der Junge zuckte zurück, als wären seine Hände Gift.
Er begann zurückzuweichen, und plötzlich waren auch James und Peter da, standen neben Sirius und streckten ebenfalls die Arme aus. „Was ist denn mit ihm? Remus? Remus!"
Und dann kämpfte Remus sich von ihnen fort. Er drehte sich um und sprintete auf die Tür zu, während er die krallenbewährten Hände vor sich ausgestreckt hielt, als ob sie ein Trank wären, der jeden Moment in die Luft gehen konnte. Die anderen drei sahen sich schnell an, dann rannten sie hinterher. Nach einer Weile sah Sirius ein, dass sie den kleinen Jungen niemals einholen würden. Er war genauso trügerisch schnell wie stark. Sie liefen so schnell sie konnten hinter seiner verschwindenden Gestalt her, nach draußen und in Richtung der Peitschenden Weide.
Sie waren immer noch viel zu weit um etwas zu unternehmen, als Remus in die wild um sich schlagenden Äste eintauchte, ihnen mit scheinbar unmenschlicher Geschwindigkeit auswich und auf einen Knoten am Baumstamm hämmerte.
„Remus! Bleib stehen!", versuchte Sirius zu rufen, doch er machte kaum ein Geräusch, so sehr war er außer Atem. Remus verschwand im Geheimgang unter dem Baum und beinahe sobald er außer Sicht war, begannen die Äste wieder, sich zu bewegen.
„Wir müssen auf den Knoten am Stamm drücken," keuchte James, lehnte sich mit den Händen auf den Knien nach vorne und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. „Sucht einen langen Stecken."
Die drei begannen eine verzweifelte Suche und nach einer kurzen Weile stieß Peter einen Triumphschrei aus und wedelte einen langen Stock in der Luft.
„Schnell, verdammt!", fuhr Sirius ihn an. Warum freute er sich, während Remus dort drin war und sich Merlin wusste was antat? Alles, woran er denken konnte, war der kleine, blutige Handabdruck an der Wand und der Anblick von Remus, als er sich in der Nacht der Mondschatten die Handfläche aufgeritzt hatte.
Peter begann ungeschickt, mit dem Stock auf den Baumstamm einzustechen, und mehr durch Glück als durch irgendwelche Fähigkeiten beim Zielen traf er schließlich den Knoten. Die Äste erstarrten und die drei rutschten hinunter in die Dunkelheit.
Sie begannen wieder zu laufen, kramten nebenher nach ihren Zauberstäben und sagten Lumos. Drei wabernde Lichter verjagten die Schatten, als sie auf die Heulende Hütte zurasten. Sirius erinnerte sich, dass der Tunnel sich sehr lang angefühlt hatte, als sie Peter hatten tragen müssen, doch jetzt schien es, als würde er für immer weitergehen.
Nach einer, wie ihnen schien, unendlich langen Zeit, platzten aus der Tür, die in die Hütte führte, und fanden sich im selben Raum wieder wie damals. Der metallische Blutgeruch und die moschusartige, tierische Note waren wie eine Barriere gegen Sirius' Nasenlöcher. Er sah sich einen Moment lang gehetzt um, bevor seine Augen auf dem kleinen, getrocknetem Blutabdruck an der Wand landeten und er mit dem Kopf auf die Stiege deutete.
„Hier rauf!"
„Woher weißt du das?", wollte James wissen und sah sich ängstlich um.
„Ich weiß es einfach."
E rannte die Treppen anfangs hinauf, wurde dann langsamer, als der Geruch sich verstärkte, und betrat schließlich furchtsam schleichend einen Raum. Er wusste nicht, was ihm solche Angst einjagte, er wusste nur, dass alles in ihm LAUFLAUFLAUF! schrie.
Als Sirius das Zimmer betrat, verstand er, warum. Es war wie ein Ausschnitt aus jedermanns schlimmstem Albtraum. Es sah aus, als wäre der Raum einmal ein Schlafzimmer gewesen – aber in Wahrheit sah schon lange nicht mehr wie eines aus. Jedes einzelne Möbelstück hier war mit etwas bespritzt, das nur Blut sein konnte, und aus allen Oberflächen waren große Stücke gerissen und gebissen. Ein dünnbeiniger Stuhl lag in seine Einzelteile zerlegt auf dem blutbefleckten Boden neben einem Schrank, und es sah aus, als hätte ein riesiges Tier wütende an der Schranktür gekaut.
Sirius sah sich gehetzt nach Remus um, sein Herz hämmerte vor Angst. Dann entdeckte er die kleine, zusammengerollte Gestalt auf dem Bett, die so heftig zitterte, dass das ganze Ding wackelte. Aus seinem Mund kam ein seltsames, vom Kissen gedämpftes Wimmern.
Sirius schlich vor und legte so sanft er konnte eine Hand zwischen die zwei dünnen Schulterblätter. Remus erstarrte sofort. Er war angespannt wie ein Tier - bereit zu kämpfen oder zu laufen.
„Oh Merlin, oh Merlin," wimmerte Peter. „Was ist das hier. Da ist Blut an den Wänden!"
„Rem? Remus? Komm, das hier ist kein guter Ort." Er legte die Hände unter seine Arme und versuchte, ihn hochzuziehen. „Hier sind Dinge! Hier ist Blut! Was ist los? Sag es mir!"
Für einen langen Moment blieb Remus' Körper steif und sträubte sich, dann schien sein kleiner Körper plötzlich in sich zusammenzufallen, als ob er für lange, lange Zeit gekämpft hatte und jetzt nicht mehr weiter konnte. Er drehte den Kopf vom Kissen weg, sodass sein Gesicht zum Vorschein kam, und dann schluchzte eine kleine, gebrochene Stimme: „Ich d-d-dachte, Ich w-würde mich v-v-verw-wandeln! Es i-ist noch nicht m-mal V-V-Vollmond und ich dachte ich w-w-w-würde mich v-verwandeln!"
Jetzt erstarrte Sirius, während sein Verstand versuchte, den Worten Sinn zu verleihen. Verwandeln? Vollmond?
Etwas in ihm wurde eiskalt, und für einen Moment dachte er, sein Herz wäre tatsächlich stehen geblieben. Er gehörte zu einer alten Reinblüterfamilie, die bis über beide Ellenbogen in den dunklen Künsten steckten, und man hatte ihn über dunkle Kreaturen unterrichtet, seit er Worte verstehen konnte.
„Werwolf."
Sirius wusste, dass er das Wort gesagt hatte. Es klang nicht anschuldigend. Es klang nicht freundlich. Es klang überhaupt nicht wie seine Stimme. Es klang wie eine kalte Tatsache. Als hätte er gesagt 'jeder muss letzten Endes sterben', oder 'es wird immer Hunger auf der Welt geben'. Es war keine gute Tatsache, es war einfach eine Tatsache, und sie war so groß, dass sie nicht in Sirius' Kopf zu passen schien. Er fühlte absolut nichts, weil er wie eingefroren war und sein Gehirn sich weigerte, diese neue Erkenntnis zu registrieren.
Er bemerkte am Rande, dass Remus aufgehört hatte, zu atmen. Er starrte Sirius mit weiten, entsetzten Augen an, als ob er der Grim persönlich wäre. Eine immer noch krallenbewährte Hand war so fest auf seinen Mund gepresst, dass er sich selbst in die bleiche Wange schnitt.
Sirius fühlte nichts. Er konnte sich nicht rühren. In seinem Kopf fielen Fakten mit lautemDröhnenzu Boden - wie eiserne Türen, die sich für immer schlossen.
KLANG! Dieser Raum war nicht von heulenden Geistern oder grässlichen Monstern zerstört worden, sondern vom kleinen Remus mit seinen großen Augen und mageren, zerbrechlichen Händen.
KLANG! Remus war ein Werwolf.
KLANG! Das Blut an den Wänden war Remus' – es kam von gewaltigen Wunden, die er sich verwandelt selbst zufügte, und die schreckliche Narben hinterließen.
KLANG! Remus war ein Werwolf.
KLANG! Remus fuhr nicht jeden Monat nach Hause. Er kam hier her. Ganz allein. Er verwandelte sich und der Wolf in ihm riss ihn in Stücke.
KLANG! Remus war ein Werwolf.
Sirius bemerkte verschwommen, das Remus sich an seinen Arm klammerte. Er schrie und schluchzte gleichzeitig, „Es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir so leid!", und Blut und Tränen rannen seine Wangen hinunter. Sirius wünschte, er könnte sich bewegen, doch sein ganzes Gehirn wurde von den Eisentür-Fakten beansprucht.
KLANG! Deshalb war Remus so stark, deshalb konnte er zu gut kämpfen.
KLANG! Remus war ein Werwolf.
KLANG! Deshalb konnten sie sich nie unbemerkt an ihn heranschleichen.
KLANG! Remus war ein Werwolf.
Wieder bemerkte er nur am Rande, wie Remus seinen Arm losließ und mit erhobenem Zauberstab vom Bett taumelte.
„Obliv… bliv… oblivi…" Dann sackte er zusammen und seine Hand fiel nach unten. „Ich kann es nicht tun. Ich kann nicht, ich kann nicht…"
James und Peter schienen so erstarrt wie Sirius zu sein, und keiner von ihnen versuchte, Remus aufzuhalten, als er sich umdrehte und aus dem Zimmer rauschte.
KLANG! Das hatte Professor McGonagall mit einem ´Unfall in seiner Kindheit' gemeint. Ein Unfall, der seine Mutter verletzt - getötet? - und ihn für immer vernarbt und verflucht hinterlassen hatte.
KLANG! Remus war ein Werwolf.
KLANG! Das hatte ihn heute verbrannt - die Silberplatte.
Aus irgendeinem Grund zuckte Sirius' unbeweglicher Körper bei diesem Fakt einmal. Etwas näherte sich vom Rande seines Bewusstseins her. Es fühlte sich groß und rot-schwarz an.
KLANG! Silber verbrannte Remus, weil Remus ein Werwolf war. Remus' Vater hatte am Bahnhof etwas aus der Tasche gezogen, dass Sirius zuerst für eine Münze gehalten hatte, und es auf Remus' dünnen Arm gedrückt und ihn verbrannt, weil Remus ein Werwolf war. Es war eine Münze gewesen - ein Silbersickel.
KLANG! Zu Weihnachten lag ein schlichtes, braunes Paket auf Remus' Bett. Ein Geschenk von seinem Vater. Remus öffnete es, und ein silberner Löffel fiel auf sein Bett.
Das Ding war jetzt fast über ihm. Es war wie eine Wolke oder eine Flutwelle, und es war dunkel, dunkelrot und beinahe schwarz, wie Remus' Blut in seiner Hand, während er einen Wunsch auf die Mondschatten aussprach.
KLANG! Remus zu Beginn des Schuljahres, kränklich, schwach und den ganzen Körper übersät mit runden Verbrennungen.
Und dann war es über ihm, und jetzt wusste er, was es war. Es war Wut. Nein, mehr als das. Es war HASS.
„Sirius?"
Sirius wandte sehr langsam den Kopf in James' Richtung. Sein Freund war auf die Knie gesunken und starrte wie hypnotisiert den Boden an. Peter stand neben ihm, starrte ebenfalls, und sein Mund öffnete und schloss sich, doch kein Laut drang heraus.
Am Boden waren Fußabdrücke. Einige stammten von großen, hundeartigen Pfoten, die auf- und abgegangen waren, aber die, die James und Peter anstarrten, stammten von sehr kleinen Menschenfüßen voller Blut.
„Remus ist ein Werwolf," sagte James, als wüsste er nicht, wie er reagieren sollte.
Und dann explodierte der rotschwarze Zorn über Sirius. „ICH BRING IHN UM, ich schwör' bei Merlin, ICH BRING IHN UM!" Er schlug mit den Fäusten auf das zerfetzte Kopfende des Bettes ein und James und Peter starrten ihn schockiert an.
„Sirius?", sagte James und wich tatsächlich verängstigt vor ihm zurück. „Remus hat uns nie etwas getan. Ich weiß, er ist ein Werwolf, aber vielleicht sollten wir… du weißt schon… mit ihm reden…"
Sirius starrte mit dumpfem Erstaunen durch seine rasende Wut zurück. „Nicht Remus!", sagte er. „Niemals Remus. Ich bringe seinen widerwärtigen, gottverdammten Wurm von einem Vater um!"
James starrte ihn weiterhin an, sein Mund hing sperrangelweit offen. „Wieso?"
„Er hat ihn verbrannt! Er hat Remus mit Silber verbrannt. Er hat ihm einen Silberlöffel zu Weihnachten geschickt, verdammt!"
James' Augen weiteten sich. Sirius bemerkte nur oberflächlich, wie seine Gliedmaßen sich in kribbelnde Nadeln und Stacheln verwandelten, als die Wirkung des Trankes nachließ und sein Körper wieder normal wurde.
„Ich helf dir," sagte Peter, der neben James kniete, zaghaft. Er sah lächerlich aus, als das Haar zurück in seinen dicken Kopf wuchs.
„Was?"
„Ich helf dir, ihn umzubringen."
„Ich auch," sagte James, und seine Augen waren nicht mehr weit, sondern loderten jetzt.
Seltsamerweise schien der Anblick ihrer Wut die von Sirius zu einer glühenden Hitze in seiner Brust abzukühlen.
„Nein, jetzt noch nicht. Lasst uns zuerst Remus finden. Er ist weggerannt."
Peter sah sich mit so etwas wie dämmerndem Entsetzen im Raum um, nahm die Blutflecken und die zerfetzten Möbel auf. „Das hat alles Remus getan?"
„Der Wolf in Remus hat das alles getan," sagte James grimmig. „Er kann nichts dafür. Mein Dad hat mir mal von Werwölfen erzählt. Sie verlieren ihren menschlichen Verstand, wenn sie sich verwandeln. Deswegen muss er hierher kommen. Damit er niemanden verletzt. Deswegen hatte er so schreckliche Angst, als er dachte, er würde sich in der Großen Halle verwandeln."
„Wir müssen ihn suchen," sagte Sirius.
Sie gingen zurück zur Schule und schlichen durch die versteckte Tür, die in den Korridor vor dem Krankenflügel führte. Die letzten Schüler, die unter dem Trank gelitten hatten, wurden von Madam Pomfrey und Professor McGonagall zurück in ihre Gemeinschaftsräume gescheucht.
McGonagall bemerkte sie als erste und stürmte hinüber. „Was habt ihr getan?", fragte sie zornig und funkelte die drei an.
Sirius starrte sie einen Moment lang ehrlich verwirrt an. Der Streich schien jetzt so lange her, dass er ihn in diesem Augenblick völlig vergessen hatte. „Was?"
„Seid ihr für all das verantwortlich?"
Sie sah so wütend aus, dass Sirius wusste, dass sie alle von der Schule fliegen würden, wenn er jetzt zugab, den Streich gespielt zu haben.
„Was?", sagte er nochmal. „Nein! Wir suchen Remus! Er ist davongelaufen!"
Das schien sie nur noch wütender zu machen. Ihr Mund wurde zu einem winzigen, dünnen Strich und die drei traten einen Schritt zurück. „Er ist nach Hause gegangen!", schnappte sie. „Ist hier reingekommen, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her, und wollte über Weihnachten nach Hause. Er ist vor ein paar Minuten über das Flohnetzwerk aus dem Krankenflügel verschwunden. Wusstet ihr das nicht?"
Sirius war so entsetzt, dass er nicht sprechen konnte. Er konnte zu diesem Zeitpunkt an diesem Abend nur dastehen und sie anstarren, als ob sie plötzlich anfangen zu lachen und „Reingefallen!" rufen würde.
Schließlich war es James' heisere Stimme, die sprach. „Und Sie haben ihn gehen lassen?"
„Wir haben das doch schon einmal besprochen, Mr. Potter. Wir können nichts tun, um ihn aufzuhalten, wenn er wirklich gehen will. Erklärt mir jetzt bitte, was hier vorgeht." Sie bedeutete ihnen, in den Krankenflügel zu kommen, und die drei setzten sich nebeneinander auf ein Bett ihr gegenüber.
Und seltsamerweise war es Peter, der zu reden begann. Der kleine Rumtreiber mochte nicht brillant in der Schule oder fantasievoll im Ausdenken von streichen sein, doch Sirius musste zugeben, dass er genial darin war, sich Lügen einfallen zu lassen. Sie alle wussten, dass McGonagall nicht erfahren durfte, dass sie von Remus' Geheimnis wussten.
„Wir waren in der Halle und haben angefangen, uns zu verwandeln," sagte Peter kleinlaut. „Es hat sich echt komisch angefühlt, und als wir bemerkt haben, was los ist, fanden wir es eigentlich ganz lustig. Wir wollten gerade mit allen anderen zu lachen anfangen und… Sie wissen schon… wem auch immer die Hand schütteln, der sich den Streich ausgedacht hat. Dann hat Remus sich plötzlich sehr seltsam benommen. Er hat seine Hände angestarrt, während sie sich verwandelt haben, und als die Haare auf seinem Rücken gewachsen sind hat er angefangen zu schreien und schreien. Er ist weggelaufen, und wir konnten in bis jetzt nicht finden. Wir haben überall gesucht und uns wirklich Sorgen gemacht."
Professor McGonagall starrte sie an und Sirius sah in ihren Augen tatsächlich, dass sie ihnen glaubte, genauso wie dämmernde Furcht als sie realisierte, was Remus so aufgeregt haben musste. Peter hatte genau den richtigen Anteil an Wahrheit und Lüge zusammengemischt.
„Bitte holen Sie ihn zurück, Professor," sagte Sirius, und war ziemlich verängstigt, seine eigene Stimme so flehend und verzweifelt zu hören. „Sie wissen ja nicht, was sein Vater ihm antut."
„Sie ebenso wenig, Mr. Black."
Sirius öffnete den Mund und schloss ihn gleich darauf wieder, als ihm einfiel, dass er nicht zugeben konnte, von Remus' Silberverbrennungen zu wissen.
„Wir müssen ihn zurückholen," sagte James. „Sie wissen doch, dass sein Vater ihm wehtut!"
„Es gibt Fakten, die euch nicht bekannt sind," sagte Professor McGonagall grimmig. „Wir können nicht einfach ins Ministerium gehen und ihnen von unseren Vermutungen berichten."
Und plötzlich erkannte Sirius, warum. Remus war ein Werwolf. Seine Narben - besonders die Bissnarbe - wären sehr auffällig. Und sobald das Ministerium wüsste was er war, würde er nicht nur dafür bestraft werden, die Regeln zu verletzen und in Hogwarts unterrichtet zu werden, sondern sie würden auch alles befürworten, was sein Vater für ‚notwendig' hielt, um seinen Sohn zu kontrollieren. Sie glaubten, dass alle Werwölfe grausame, unmenschliche Kreaturen und wie Tiere waren.
Das hast du auch, sagte eine Stimme in seinem Kopf. Das hast du auch gedacht, bis du wusstest, dass Remus einer ist. Wenn es irgendjemand anderes als Remus oder James oder Peter gewesen wäre, hättest du dich irgend anders verhalten?
Also würde das Ministerium ihnen keine Hilfe sein. Sirius' Gedanken rasten und kamen so plötzlich zu einer neuen Idee, dass er beinahe zusammenzuckte.
„Lasst uns gehen, Leute," sagte er zu Peter und James, stand auf und ging an Professor McGonagall vorbei.
„Wohin geht ihr?", wollte sie wissen.
„Remus einen Brief schreiben, dass er zurückkommen soll," sagte Sirius.
Ihr Gesichtsausdruck wurde sanfter. „Bitte tut das."
Die anderen folgten ihm hinaus und eilten ihm den Korridor hinunter in Richtung des Gryffindorturms hinterher.
„Ich weiß, dass du eine Idee hast, Sirius Black," sagte James und sah ihn spitz an, als sie ankamen und durch das Portraitloch kletterten. „Was ist es?"
„Ich werde Remus schreiben," sagte Sirius. „Ich will ihm sagen, dass es uns egal ist, dass er ein Werwolf ist. Ich wünschte, ich hätte es ihm gleich gesagt, aber ich war irgendwie wie festgefroren und konnte mich nicht rühren."
James seufzte und nickte. „Ich auch."
„Und ich," sagte Peter.
„Dann werde ich Professor Anders schreiben," sagte Sirius.
„Anders?", fragte James verwirrt. „Warum?"
Sie erreichten ihren Schlafsaal und Sirius ging hinüber zu seinem Koffer, während er versuchte, Remus' Abwesenheit von seinem Bett zu ignorieren. Er begann, Pergament und Federn herauszusuchen.
„Er ist ein Auror. Er mag Remus. Er weiß, dass er ein Werwolf ist und er vermutet, dass er misshandelt wird. Er hat Kontakte im Ministerium und große starke Leute, die Remus Vater k.o. schlagen und ihn retten können. Und wenn das alles nicht klappt kann er Remus vielleicht überreden, von alleine über Weihnachten zurückzukommen."
James und Peter dachten darüber nach, während Sirius mit dem Brief für Remus begann.
„Es ist eine gute Idee, Mann," sagte James schließlich. „Aber wir müssen der Eule, die wir zu Remus schicken, sagen, dass sie den Brief nur ihm geben darf. Wir wollen nicht, dass sein Dad ihn in die Finger bekommt."
Lieber Professor Anders,
Sie erinnern sich wahrscheinlich noch vom letzen Jahr an uns (wir sind schwer zu vergessen), oder von Remus Wir haben wirklich schlechte Nachrichten über Remus. Wir haben diesen Streich gespielt, wo wir den Saft mit einem Zaubertrank gemischt haben, der die Leute teilweise in das Tier verwandelt, dass ihr Haus darstellt. Am Anfang lief es gut doch dann hat Remus Panik bekommen und angefangen zu schreien. Er ist in die Heulende Hütte gelaufen und wir sind ihm gefolgt.
Er hatte Angst, dass er sich verwandeln würde. Wir wissen jetzt, dass er ein Werwolf ist, aber wir waren zu geschockt um ihm zu sagen, dass es uns egal ist, und er ist weggelaufen, und als wir wieder in der Schule waren, war er nach Hause gegangen.
Sie müssen uns helfen, ihn zu retten, Professor. Sein Vater verbrennt ihn mit SILBER. Er hat ihm letztes Weihnachten einen Silberlöffel als Geschenk geschickt und Sirius hat gesehen, wie er ihn am Bahnhof mit einem Sickel verbrannt hat. Wir wissen nicht, was wir sonst tun sollen. Wir haben Remus einen Brief geschrieben, dass es uns nichts ausmacht, aber wir wissen nicht, ob er ihn bekommen wird.
Wir haben der Eule aufgetragen, ihn nicht seinem Vater zu geben.
Bitte helfen Sie uns. Wir wissen, dass Sie Remus mögen, und er mag Sie auch. Und er hebt immer Würstchen für Ihre Eule auf.
Bitte,
Sirius Black, James Potter und Peter Pettigrew.
Lieber Remus,
Es tut uns so leid, was heute passiert ist. Du hättest sagen sollen, dass du den Trank nicht nehmen willst, auch wenn du uns nicht gesagt hättest warum. Wir hätten uns schon was ausgedacht.
Bitte glaub uns, wenn wir sagen, dass uns egal ist, dass du ein Werwolf bist, und dass wir versprechen es niemals jemandem zu sagen. Du bist immer noch derselbe schlaue, lustige Rumtreiber voller genialer Streichideen, der du immer warst. Es tut uns leid, dass wir es dir nicht schon in der Hütte gesagt haben. Wir waren nur so geschockt.
Bitte, bitte komm zurück zur Schule. Wir machen uns solche Sorgen um dich, und wir wollen dich hier, damit wir auf dich aufpassen können, wie wir versprochen haben. Sirius sagt er wird dir diese riesige Dose mit Schokolade aus dem Honigtopf besorgen, die du in der Auslage entdeckt hast, wenn du zurückkommst. Er sagt sogar, dass er sich nicht nach Hogsmeade schleichen sondern sie wie eine normale Person bestellen wird.
Bitte komm zurück. Wir haben dir gesagt, wir sind deine Freunde und du kannst uns alles erzählen. Es war keine Lüge. Du kannst.
Deine Freunde, die Rumtreiber,
Sirius, James und Peter.
