Wie ich feststellte, waren auch hier nur noch wenige Seiten zu übersetzen, also habe ich das (mehr oder weniger) schnell gleich in der Schule erledigt. Wie versprochen: Kapitel 22. Ich finde, man kann eine so fantastische Geschichte wie Casting Moonshadows nicht mit einem Kapitel wie 21 oder gar 20 beenden. Vielleicht werde ich irgendwann, wenn ich wirklich überhaupt nichts zu tun habe, mit Nummer 23 anfangen. Aber versprechen kann ich nichts, der einige Grund dafür ist dass ich Kapitel 24 liebe und das gerne auch noch machen würde. Man wird sehen. Wie immer gehört mir nichts.

22. No Bras for Christmas, Only Friends (Freunde zu Weihnachten)

Healing takes courage, and we all have courage, even if we have to dig a little to find it.

(Tori Amos)

REMUS:

Remus konnte sich kaum an seine Rettung erinnern. Er erinnerte sich an das Geräusch der Kommode, als sie bewegt wurde, und wie er hoffte, dass sein Vater dieses Mal – dieses Mal – das tun würde, worum Remus in die letzten Tage angefleht hatte. Das Ministerium rufen, ihnen von ihm berichten, Remus selbst umbringen… Es interessierte ihn nicht länger, wie es passierte, er wollte nur noch, dass der schreckliche, nicht enden wollende Schmerz aufhörte.

Dann erinnerte er sich an Füße – mehr als ein Paar – und Stimmen, die sein unsicheres Gehirn zu erkennen versuchte. Und dann war da Sirius' Stimme, und er wusste, dass er endgültig durchgedreht war. Er konnte ein Wimmern der Erleichterung nicht unterdrücken. Wenn sein Verstand fort war, vielleicht konnte er sich dann von seinem zerschundenen Körper distanzieren.

Danach war alles ein wenig verschwommen, bis plötzlich eine Hand unter dem Bett sichtbar wurde. Nochmal Sirius' Stimme. James' und Peters. Und es gab keine Silberäxte und keine Peitschen. Sie versprachen ihm das.

Da waren Arme – Arme die nicht voller Abscheu und Ekel zurückwichen wie die seines Vaters. Er wusste, dass er nicht gut roch. Der Gestank war wie eine Barriere gegen seine empfindliche Nase, und auch normale Menschen mussten es riechen können. Aber die Arme hielten ihn weiter fest und er kannte den Geruch, die sie mit sich brachten. Es war der blau-graue Geruch, der kurz vor einem Regenguss in der Luft lag, zusammen mit feinem Zitrus. Sirius. Und es gab noch andere Gerüche. Eine Hand berührte seine und brachte den kühlen grün-braunen Duft von gemähtem Gras und frischem Holz, von dem er wusste, dass er zu James gehörte. Dann setzte sich jemand zu seiner anderen Seite hin und es war es roch nach Toast und Sägemehl – Peter.

Die Töne vermischten sich, versuchten, seinen eigenen Geruch nach Blut, Krankheit und Hoffnungslosigkeit darin zu ertränken. Sie rochen nach Freunden.

"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""

Zwei Tage später wurde Remus von lauten Stimmen auf dem Korridor vor dem Krankenflügel aus dem Schlaf geweckt.

„Oh bitte lassen Sie uns ihn besuchen!"

„Mr. Potter, zum hundertsten Mal, Remus ist noch sehr krank und nicht bereit für Besuch." Madam Pomfrey klang sehr streng und Remus wusste genau, welchen Gesichtsausdruck sie haben würde. Er fragte sich, wie die anderen davon nicht eingeschüchtert sein konnten.

„Er würde uns sehen wollen."

„Bitte, Madam Pomfrey."

Remus verdrehte die Augen. Sirius sprach mit seiner Missverstandener-Reinblut-Außenseiter-Stimme. „Wir haben Schokolade. Und Weihnachtsgeschenke. Das wird ihn aufheitern."

„Mr. Black, was genau verstehen sie an einem „Nein" nicht?"

„Wir geben Bestechungsgelder," sagte Sirius gewinnend, als er offensichtlich eine andere Taktik versuchte. „Wir könnten Ihnen alles besorgen, was sie wollen. Sie wären überrascht, was das Alte und Gar Fürnehme Haus der Blacks für Kontakte hat."

Mister Black. Sie können eine Schulheilerin nicht dazu bestechen, sie gegen ihren Willen in ihren Krankenflügel zu lassen!" Madam Pomfrey klang, als wüsste sie nicht genau, ob sie schockiert, wütend, oder amüsiert sein sollte. Remus war nicht überrascht. Sirius schien diese Wirkung auf die meisten Leute zu haben. Remus hörte andere Schüler ihr Gelächter unterdrücken und erkannte, dass seine Freunde anscheinend ein Publikum hatten.

„Na schön," sagte James mit sehr resigniert klingender Stimme. „Wir wollten das hier wirklich nicht tun, aber Sie lassen uns keine Wahl."

„Wovon reden Sie, Mr. Potter?", fragte Madam Pomfrey äußerst argwöhnisch. Remus konnte es ihr nicht verdenken.

Es gab drei leise Aufpralle , dann riefen drei Stimmen im Chor: „Bitte, oh BITTE, oh BITTE lassen Sie uns in den Krankenflügel, wunderschönste und fantastischste Madam Pomfrey!"

„Mr. Black, Mr. Potter, Mr. Pettigrew! Stehen Sie sofort wieder auf! Das ist vollkommen unangemessen!"

Die Leute auf dem Korridor lachten jetzt völlig ungeniert.

„Sie sind eine wundervolle und weise Heilerin!", sagte James pathetisch.

„Sie haben unsere Schule viele Male vor Unheil bewahrt!", fügte Peter hinzu. „Wir wollen doch nur eine Sache von ihnen."

„Ihre Tränke sind… zugegebenermaßen abscheulich… aber sehr effektiv!", verkündete Sirius. „Und Sie, Madam, sind eine ansehnliche Dame!"

MISTER BLACK!"

Remus konnte nicht anders, als zu lachen. Es brachte seinen ganzen Körper zum schmerzen und brennen, doch er hätte nicht damit aufhören können, selbst wenn er gewollt hätte.

„Ihr Haar ist wie flüssige Schokolade!", sagte James, indem er Sirius' Faden aufnahm.

„Ihre Augen sind -"

Na gut! IN ORDNUNG!", sagte Madam Pomfrey, die jetzt erschöpft klang, und versuchte, das Gelächter zu übertönen, dass jetzt im ganzen Korridor ausgebrochen war. „Ihr könnt ihn kurz sehen, wenn ihr versprecht, dass ihr euch benehmt!"

„Danke! Danke, allerweiseste und -"

„Mr. Black, wenn Sie diesen Satz zu Ende bringen, werde ich persönlich dafür sorgen, dass Sie den Krankenflügel für eine Woche nicht verlassen werden.Und ihr anderen könnt gehen, und zwar jetzt!"

Es folgte das Geräusch vieler davoneilender Schritte, dann öffnete sich die Tür und die Rumtreiber kamen herein geschlendert, gefolgt von einer rot angelaufenen Madam Pomfrey.

„Was für eine Show," keuchte Remus unter Schmerzen zwischen seinem Gelächter.

„Schaut, was ihr jetzt schon mit ihm angestellt habt," sagte Madam Pomfrey und starrte die drei Jungen anklagend an. „Ihr benehmt euch besser, oder ich werde mit eurer Hauslehrerin sprechen! Ich bin in meinem Büro."

Sie fegte aus dem Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

„Also, das war lustig," sagte James, warf sich in einen Stuhl neben Remus' Bett und grinste ihn an. „Wusste sonst noch jemand, dass Madam Pomfrey so eine interessante Rotschattierung annehmen kann?"

„Ich kann nicht glauben, dass ihr das gemacht habt!", sagte Remus, hörte endlich auf zu lachen und sank zurück in seine Kissen.

„Naja, wir wollten dich sehen," sagte Peter, und setzte sich auf den Stuhl neben James.

„Das dachte ich mir. Ich kann es trotzdem nicht glauben."

„Niemand soll sagen, dass die Rumtreiber keine hinterlistigen Methoden benutzen, um ihre Ziele zu erreichen," sagte James selbstzufrieden.

„Also, Mister Moony, wie geht es dir?" Sirius warf sich neben Remus auf das Bett, sodass er sich hastig aus dem Weg schieben musste, um nicht zerquetscht zu werden.

„Sirius!", sagte Peter. „Du hättest ihm wehtun können."

„Nein, hätte ich nicht. Er hat Wolfskräfte. Er ist rechtzeitig aus dem Weg gekommen."

„Wolfskräfte?", sagte Remus empört. „Mister Moony?"

„Es ist doch ein guter Name, oder?", fragte Sirius. „James hat ihn sich ausgedacht."

Remus sah James wütend an, und der hatte die Güte, ein wenig reumütig dreinzusehen. „Ich wusste ja nicht, dass ihr ihn dann alle benutzt."

„Gefällt er dir nicht?", fragte Sirius anklagend.

Remus seufzte. Er konnte Sirius nie widerstehen, wenn der seinen Hündchenblick aufsetzte, und in Wahrheit machte ihm der Name kaum etwas aus. Er hatte noch nie einen richtigen Spitznamen gehabt, und der Mond war ein so großer Bestandteil seines Lebens, dass er entschied, dass ihm kein besserer einfallen würde. „Naja, es ist jedenfalls besser als Lusche," sagte er. Sirius sah erfreut aus.

„Wie auch immer, wir haben ein paar Nachforschungen über Werwölfe angestellt, während du dich erholt hast, und unsere Schlussfolgerung ist, dass du kein guter bist," sagte Peter.

Remus hob eine Braue und versuchte, nicht zu zeigen, wie unangenehm es ihm war, so spielerisch über sein tiefstes, verhasstestes Geheimnis zu sprechen. „Ach? Ich dachte, ich erfülle alle Bedingungen. Ich wurde gebissen, ich habe manchmal furchtbar schlechte Laune, ich bin ziemlich stark und kann gut hören und riechen. Silber verbrennt mich. Und natürlich verwandle ich mich einmal im Monat in ein mörderisches, gefräßiges Monster."

„Ah," sagte James, „aber verwendest du deine Falsche menschliche Maske, um unschuldige Leute zu verführen und zu deinen Freunden zu machen, nur um ihnen dann im Schlaf die Kehlen herauszureißen und ihr immer noch warmes Fleisch zu essen."

„Äh…nein?", sagte Remus. Er begann, zu erraten, was für eine Art von Werwolf-Büchern es in der Bibliothek gab.

„Benutzt du deine unmenschliche Stärke und deine gewaltvolle, wölfische Natur, um Unschuldige deinem Willen zu beugen und so ein Gefolge hilfloser menschlicher Sklaven zu erschaffen?", sagte Peter.

„Ähm, nicht in letzter Zeit."

„Wünschst du, ständig frei zu wüten und nach Belieben Menschen anzugreifen, um so deinen schrecklichen Fluch zu verbreiten und ein Heer gefräßiger Monster zu erschaffen, die Chaos und Blutbäder veranstalten?", fragte Sirius mit Interesse.

„Immer morgens vor dem Kaffee."

„Da, siehst du," sagte Peter und sah erfreut aus. „Überhaupt kein ordentlicher Werwolf."

„Die Bücher, die ihr da gelesen habt, wurden von voreingenommenen, engstirnigen Trotteln geschrieben, die einen richtigen Werwolf nicht mal dann erkennen würde, wenn er vor ihrer Nase im Bastrock einen Hula-Tanz hinlegen würde!"

„Ooh!", machte Sirius. „Ist das eine von deinen geheimen Werwolf-Fähigkeiten?"

„Nein!"

„Hast du irgendwelche guten Bücher, die wir lesen können?", fragte James, und sein Gesichtsausdruck wurde ernst. „Wir wollen so viel wie möglich herausfinden, damit wir dir helfen können."

Remus fühlte bei dieser Aussage eine angenehme Wärme, und spürte, wie seine Wangen leicht rot wurden. „Ich habe ein paar in meinem Koffer. Habt ihr meinen Koffer mitgenommen?"

„Wofür hältst du uns?", fragte Sirius neckend. „Wir sind Rumtreiber. Wir haben dein Zimmer geplündert und alles mitgebracht."

Remus lächelte.

„Es war nicht viel da, aber wir konnten deine restlichen Sachen nicht finden," sagte Peter.

Remus wurde rot vor Scham. „Das ist alles. Es war alles da drin. Das ist mein Schlafzimmer."

Es war still, sann sagte Sirius mit ungläubiger Stimme, „Was? Nicht nur über Vollmond?"

„Nein, das war mein Zimmer, seit ich gebissen wurde."

„Aber es war völlig…"

„Ich weiß."

„Ich werd ihn umbringen!"

„Sirius, das ist mein Vater, von dem du da redest!", sagte Remus ein wenig verzweifelt.

„Das ist mir verdammt egal!"

„Mir aber nicht! Er ist mein Vater! Er ist meine einzige Familie! Wo ist er? Was habt ihr mit ihm gemacht?"

„Remus, beruhig dich." James beugte sich über Sirius, der mit wütendem Gesicht neben Remus auf dem Bett lag. Sanft drückte er Remus' Schulter. „Wir haben gar nichts mit ihm gemacht. Er ist im Ministerium, in Untersuchungshaft wegen Kindesmisshandlung."

„Was?", Man hörte es kaum, so leise war es. Remus fühlte sich, als hätte man ihm in den Magen getreten. „Ihr habt gesagt, ihr seid nicht zum Ministerium gegangen."

„Wir haben gesagt, dass wir ihnen nichts davon erzählt haben, dass du ein Werwolf bist. Und das haben wir auch nicht. Und sie werden es auch nicht herausfinden. Aber dein Vater muss dafür bezahlen, was er dir angetan hat. Es war abscheulich und unmenschlich."

„Ich bin kein Mensch," flüsterte Remus, und in seinem Kopf drehte sich alles.

Und dann rührte sich Sirius, und Remus fand sich einmal mehr in diese Arme gebettet, obwohl sie ihn nur sanft hielten, um ihm nicht wehzutun. Remus war so in Verbände eingewickelt, dass er die meisten Stellen, an denen Sirius ihn berührte, gar nicht spürte, doch er fühlte die Wärme, und er fühlte Sirius' stützende Hand in seinem Nacken.

„Bist du schon, verdammt noch mal!", sagte der größere Junge. „Du bist eine Person und was er gemacht hat, war falsch. Ich weiß nicht, warum du das nicht einsiehst."

„Er wollte mir damit helfen, Sirius. Damit der Wolf nicht herauskommt und meinen Körper übernimmt."

„Oh, komm schon, Remus," sagte James und starrte ihn ungläubig an. „Wir wissen so gut wie gar nichts über Werwölfe und sogar wir wissen, dass der Wolf näher ist, wenn man dich wütend macht oder dich aufregt oder dir wehtut. Du konntest kaum noch klar denken, als wir dich gefunden haben."

Remus zuckte zurück und versuchte, Sirius wegzudrücken, während er Tränen aufkommen spürte. Er kämpfte mit aller Kraft gegen sie an.

„Remus," sagte Sirius, rieb seinen Rücken und weigerte sich, ihn loszulassen. „Remus, Mann, wir haben dich so gesehen und wir wollen immer noch deine Freunde sein. Reicht das nicht, um uns zu glauben, dass wir nur das Beste für dich wollen?"

„Er ist mein Dad!", sagte Remus mit erstickter Stimme.

„Wir sind jetzt deine Familie," sagte Peter. „Du brauchst ihn nicht. Wir werden dir nicht wehtun."

Remus erkannte, dass er nicht antworten können würde, ohne in Tränen auszubrechen. Für eine Weile sagte niemand etwas, und Sirius ließ ihn nicht los. Die Hand auf seinem Rücken hörte nicht auf, sich zu bewegen, bis Remus seinen zittrigen Atem wieder unter Kontrolle gebracht hatte.

„Und jetzt etwas Erfreulicheres," sagte James plötzlich, sodass sie alle zusammenschraken. „Geschenke und Schokolade!"

Sirius ließ ihn Remus auf der Stelle gehen und begann zu grinsen. Er lehnte sich über die Bettkante und fing an, in seiner Tasche herumzuwühlen, die er beim Hereinkommen auf den Boden geworfen hatte. Er tauchte mit Bergen von Schokolade wieder auf, die er unzeremoniell in Remus' Schoß fallen ließ, der völlig überrumpelt war. „Gute-Besserung-Schokolade," sagte er stolz.

Remus öffnete den Mund, doch bevor er irgendetwas sagen konnte, legten James und Peter noch mehr auf den Haufen.

„W-w-was?", sagte Remus, während er auf die größte Ansammlung von Süßigkeiten hinunter starrte, die er jemals außerhalb des Honigtopfes gesehen hatte.

„Das meiste ist von uns, aber ein paar davon sind von den anderen," erklärte Peter. „Anders und Angela, Professor McGonagall, dieser Auror Shakkybolt und die Zitronenbrause ist von Dumbledore. Das ist so eine Art Muggelsüßkram.

„Dumbledore?", fragte Remus schwach.

„Aber das sind nicht deine Weihnachtsgeschenke," fügte Sirius hinzu. „Du hast Weihnachten verpasst, also bringen wir sie dir jetzt. Ihr zwei, gebt ihm eures zuerst."

James und Peter grinsten, und James zog etwas aus seiner Tasche. „Wir haben unser Geld zusammengelegt," sagte er. „Weil wir etwas richtig Tolles kaufen wollten."

„Was?", sagte Remus erneut. Er geriet langsam in Panik. „Ich hab euch noch gar nichts besorgt! Ich hatte keine G-Gelegenheit!"

Sirius legte ihm eine beruhigende Hand auf den Arm. „Wissen wir, Moony. Das war nicht deine Schuld. Wenn du uns wirklich was kaufen willst, können wir uns irgendwann nach Hogsmeade schleichen und du kannst uns was bei Zonko besorgen."

„Wir können uns nicht nach Hogsmeade schleichen!", sagte Remus. „Wisst ihr nicht mehr, was beim letzten Mal passiert ist?"

„Ist schon okay," sagte James. „Hast du es nicht gehört? Es war gestern im Propheten. Die Auroren vom Ministerium haben das Versteck der Todesser gefunden. Sie haben zwölf gefangen, und die haben jetzt einen langen Aufenthalt in Askaban vor sich. Ein paar sind davongekommen, aber sie erregen kaum noch Aufsehen. Es gibt nicht mal mehr annähernd genug von ihnen, um über einen längeren Zeitraum Probleme zu machen, und Voldemort versteckt sich auch. Sie glauben, er wartet auf den richtigen Augenblick. Außerdem haben die Auroren alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen um das Schloss getroffen. Können wir jetzt bitte mit den Geschenken weitermachen?"

Remus war immer noch schockiert, als James ihm das kleine, grellbunt verpackte Paket in die Hand drückte.

„Fröhliche Weihnachten, Moony. Von mir und Pete. Du musst es mit einem Engorgio-Zauber belegen. Wir haben es geschrumpft, damit man es leichter tragen kann."

Immer noch verwirrt begann Remus, dass Geschenk auszupacken. Was heraus in seine offene Hand fiel, war ein winziger, hölzerner Koffer. Er starrte ihn mit offenem Mund an.

„Mach schon, Rem," sagte James ungeduldig. Er nahm Remus den Koffer aus der Hand und stellte ihn auf den Boden. „Engorgio!"

Der Koffer wuchs und verbreiterte sich, bis er in voller Größe auf dem Boden stand. Er war brandneu, glänzend poliert und aus rotbraunem Kirschholz gefertigt. Auf der Vorderseite prangte eine polierte Messingplatte mit der Aufschrift „R.J. Lupin".

„Innen ist er größer," sagte Peter. „Wir wollten nicht dein ganzes Zeugs durchwühlen, also haben wir einfach alles aus deinem alten Koffer hineingekippt. Ich hoffe, da war nichts Zerbrechliches drin."

„Ich... Ich..." Remus versuchte zu sprechen, doch seine Kehle schloss sich immer wieder.

„Gefällt er dir?", fragte James unsicher. „Der Wolf hatte den alten völlig zerkaut."

„I-Ihr hättet meinetwegen nicht so viel Geld ausgeben sollen," sagte Remus mit wild pochendem Herzen. „Ich kann euch nicht mal annähernd solche Sachen kaufen. Er ist wunderschön!"

James' und Peters Gesichter entspannten sich. „Ich will sowieso keinen langweiligen Koffer, Mann," sagte James. „Ich hab schon einen. Ich hätte viel lieber ein paar Stinkbomben. Ich habe diesen neuen Plan für Schniefelus -"

„Danke!", unterbrach Remus ihn und beugte sich and Sirius vorbei, um ihm und dann Peter die Hand zu schütteln. „Das ist das beste Geschenk das ich je hatte."

Seine Freunde grinsten ihn an und sahen sehr zufrieden mit sich selbst aus.

„Jetzt das von Sirius," sagte James und stupste Sirius an, der grinsend auf dem Bett neben Remus zugesehen hatte. „Er hat es geheim gehalten. Er wollte uns nicht sagen was es ist und er hat Anders dazu gebracht, es für ihn zu bestellen."

„Bestellen?", fragte Remus und sah Sirius an. Das klang teuer.

„Ja." Sirius begann, ein wenig unsicher auszusehen.

„Also?," fragte Peter ungeduldig. „Wo ist es?"

„Ich hab nur..." Sirius holte eine kleine, verpackte Box aus seiner Tasche. „Es ist eigentlich dumm. Ich meine, es ist ein bisschen mädchenhaft..." Seine Wangen liefen rot an.

Mädchenhaft?", fragte James mit gehobenen Brauen. „Was hast du ihm gekauft? Einen BH?"

Sirius wurde noch röter und stopfte das Päckchen zurück in seine Tasche. „Nein! Ich hab bloß... Ich will es dir nicht mehr geben. Ich werd dir was anderes kaufen."

Remus warf dem schuldbewusst dreinblickenden James über Sirius hängenden Kopf hinweg einen wütenden Blick zu. Er streckte sich und drückte Sirius' Schulter. „Es ist mir egal, ob es mädchenhaft ist," sagte er und versuchte, seine Stimme fröhlich klingen zu lassen. „Ich weiß gar nicht, wie du darauf kommst, dass mich das stören könnte. Ich bin eine Lusche, weißt du noch? Ich mag alle möglichen seltsamen Sachen."

Sirius antwortete nicht und ließ nur den Kopf noch mehr hängen. „Komm schon, Sirius," flehte Remus und machte sein bestes Schmollgesicht. Er hatte nicht viel Übung, aber anscheinend funktionierte es, denn Sirius konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen, als er aufblickte und Remus' Gesicht sah.

„Na schön!", sagte er, holte die Box hervor und warf sie Remus zu. „Aber ich bin dafür, dass wir diesen Hündchenblick verbieten. Er ist zu unwiderstehlich, um legal zu sein. Ich weiß nicht, warum du ihn noch nicht bei McGonagall versucht hast – sie würde zu einer Pfütze schmelzen."

„Das liegt daran, dass ich mich, anders als du und James, nicht immer rausreden muss," sagte Remus, während er begann, das Geschenk auszupacken. „Ich werde nicht erwischt."

James und Peter kicherten, aber Sirius sah nur erwartungsvoll zu, während Remus eine kleine, grüne Box aus dem Papier zog. Er öffnete sie vorsichtig und lugte hinein. Ihm stockte der Atem. Es war ein Anhänger an einer Kette, bestehend aus einem blau-silbrigen Metall, das kein Silber war, weil er keine Hitze von ihm ausgehen spürte. Es hatte die Form einer Hand, ausgestreckte, schlanke Finger, jeder bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. In die Handfläche war ein runder, facettierter, blutroter Stein eingelassen. Er wusste, dass es kein Rubin war, denn die Gryffindor-Rubine in ihren Punktegläsern waren eher rosarot. Dies hier war dunkles Purpur.

Er brauchte keine Erklärung für dieses Geschenk. Schon als er es anstarrte, stieg ein Bild vor seinem geistigen Auge auf, weit ausgestreckte Finger, von denen aus Blut auf den Mondschatten tropfte, den sie auf die Wiese warfen. Dazu kam das Bild eines blutigen Handabdrucks auf der hölzernen Wand der Heulenden Hütte, und die Besorgnis und Angst auf Sirius' Gesicht, als sein Blick den von Remus im schwachen Zauberstablicht traf.

Sirius räusperte sich verlegen, als die Stille andauerte. „Es ist ein Granat. Der Stein, mein ich."

Remus fühlte, wie die Tränen, die er vorher erfolgreich bekämpft hatte, mit neuer Kraft zurückkamen. Eine entwischte und rann seine Wange hinunter.

„Remus?" Sirius klang entsetzt.

Er bekam keine Gelegenheit, noch mehr zu sagen, denn Remus hatte sich aus seinem Bett gebeugt und umarmte ihn, zog den größeren Jungen in seine Arme und drückte ihn fest an sich. „Dankadankedanke!", sagte er, erschreckt darüber, wie wässrig seine Stimme klang.

„Ist ja gut. Soviel ist es doch gar nicht."

„Meine Güte," sagte James und versuchte, in die Box zu spähen. „Was hast du ihm gekauft? So emotional hab ich Remus ja noch nie gesehen."

Er und Peter lehnten sich vor und begutachteten den Anhänger.

„Ah, verstehe," sagte James grinsend. „Sirius, tut mir Leid, aber ich muss dir sagen dass du recht hattest. Du bist so ein Mädchen."

„Bin ich nicht." Sirius rückte ein Stück von Remus weg, um James einen bösen Blick zuzuwerfen.

„Natürlich nicht. Es ist eine männliche Kette."

„Es ist überhaupt keine Kette," sagte Remus empört, und schnappte es James aus der Hand. „Es ist ein Anhänger. Viele Jungen tragen Anhänger."

„Hey, hey!", sagte James und hielt ergeben die Hände hoch. „Ich hab euch doch nur veräppelt. Er gefällt mir. Wirklich. Ich finde, es ist ein gutes Geschenk." Er sah Sirius an, damit der wusste, dass er die Wahrheit sagte. Sirius entspannte sich und grinste.

„Jedenfalls besser als ein alter Holzkasten," sagte er.

„Halt die Klappe, Black."

Eine Woche später, zwei Tage vor dem Ende der Weihnachtsferien, kam Remus aus der Großen Halle und ging, die Nase in einem Buch, in Richtung Bibliothek.

„Remus?"

Er sah auf und lächelte, als er Anders und Angela auf sich zukommen sah. Heute waren Angelas helle Haare noch buschiger als normalerweise. Vier riesige Schmetterlingsspangen steckten zwischen ihren Locken, sodass sie ein wenig wie eine gigantische Blume aussah.

„Hallo, Professor. Angela."

„Du kannst mich Neil nennen," sagte Anders und zog eine Grimasse. „Ich bin nicht mehr dein Lehrer."

Remus lächelte unsicher.

„Wo sind deine Freunde?", fragte Angela und blickte über seine Schulter.

„Oh, die sind irgendwo und spielen den Slytherins einen Streich," sagte Remus, und sein Lächeln wurde breiter. „Sie haben mir angeboten, mitzukommen, aber ich bin immer noch nicht ganz bereit für die hastigen Rückzüge, zu denen wir uns manchmal gezwungen sehen."

„Du meinst das Davonlaufen?", fragte Angela neckend.

„Es ist immer wichtig, eine Niederlage zu erkennen," erklärte Remus altklug. „Ich kann im Moment nicht wirklich laufen. Am Ende würden mir Verbände hinterherflattern wie einer wütenden Mumie, und Madam Pomfrey regt sich über sowas auf. Außerdem bin ich erst seit drei Tagen aus dem Krankenflügel draußen."

„Und natürlich bist du der brave Junge der Bande," ergänzte Neil lächelnd.

Remus gab ein Geräusch von sich, das nicht ganz zu deuten war, und steckte sein Buch in seine Tasche. „Braucht ihr mich für irgendetwas, oder wolltet ihr nur Hallo sagen?"

„Eigentlich wollten wir mit dir über etwas reden," sagte Angela ernst. „Wollen wir uns irgendwo hinsetzen?"

„Wenn ihr wollt," sagte Remus. „Ich wollte eigentlich gerade -"

Er brach ab, als er, selbst für sein feines Gehör kaum wahrnehmbar, das näherkommende Geräusch laufender Schritte vernahm. „Ihr solltet euch vielleicht gegen die Wand drücken," sagte er zu seinen beiden Begleitern und folgte seinem eigenen Ratschlag. Sie sahen ihn seltsam an, gehorchten aber. Sekunden später wurden die Schritte lauter, begeleitet von Gelächter und Geschrei.

Wir kriegen euch schon noch, ihr verdammten Gryffindors!", schrie jemand. „Warte nur, bis deine Eltern davon hören, Black!"

Plötzlich rasten Sirius und James mit voller Geschwindigkeit um die Ecke, stießen sich an der Wand ab und sprinteten in Richtung Remus, Neil und Angela. Sie kamen schlitternd zum stehen, als sie ihren Freund sahen.

„Verdammt... genialer... Spruch... Moony!", keuchte James und klopfte Remus anerkennend auf den Rücken. „Keine... Ahnung... was wir ohne... dich... machen würden."

„Warte nur... bis du sie siehst," fügte Sirius hinzu.

Die Schritte kamen noch näher, und die beiden eilten wieder davon, durch den Haupteingang und hinaus. Wenige Sekunden später kamen ihnen fünf wutschnaubende Slytherin-Drittklässler hinterher, alle mit neonpinkem Haar, knielang geschrumpften Roben mit rosaner Spitze an den Rändern, Netzstrumpfhosen und einem Schild auf dem Rücken, auf dem stand „Tritt mich". Sie rannten ebenfalls nach draußen, den beiden schwarzhaarigen Gryffindors hinterher.

„Also," sagte Remus und wandte sich wieder Neil und Angela zu, die die Szene mit offenen Mündern beobachtet hatten. „Worüber wolltet ihr mit mir sprechen?"

„Die haben einen schlechten Einfluss auf dich," sagte Neil streng.

„Nein," antwortete Remus, nahm seine Tasche und führte sie zurück in die Große Halle, um dort zu reden. „Ich habe einen schlechten Einfluss auf sie. Wer, glaubt ihr, hat sich diese Sprüche ausgedacht? Könnt ihr euch James oder Sirius beim Nachforschen in der Bibliothek vorstellen? Und Peter, sosehr ich ihn mag, ist nicht unbedingt der hellste Lumos-Spruch im Zauberstabladen."

„Diese Jungen sind sehr intelligent," sagte Neil, während er Sirius und James hinterher starrte. „Sie könnten soviel erreichen, wenn sie sich ein bisschen anstrengen würden."

„Ich weiß," sagte Remus. „Ich arbeite dreimal so viel wie sie und bekomme trotzdem die gleichen Noten. Es ist ziemlich unfair."

„Deine Noten sind perfekt," bemerkte Angela.

„Das meine ich ja." Remus lächelte. „Aber es macht mir nichts aus. Sie haben mehr für mich getan als irgendjemand anderes." Unbewusst wanderte seine Hand zu dem Anhänger.

Sie kamen in der Großen Halle an and und setzten sich ans Ende des Gryffindor-Tisches.

„Remus, wir haben uns gefragt, was du über den Prozess deines Vaters weißt," sagte Neil vorsichtig.

Remus erstarrte sofort, und seine gute Laune verflog. „Ich weiß, dass sie ihn wegen... wegen... K-Kindesmisshandlung anklagen." Es war so schwer, dieses Wort zu sagen. Er hasste es. „Ich wünschte, sie würden es nicht tun. Ich wünschte, ihr würdet die Anklage fallen lassen. Er wollte mich nur beschützen."

„Glaubst du das wirklich?", fragte Angela. „Denkst du wirklich, er liebt dich?" Die Schmetterlinge in ihrem Haar flatterten mit den Flügeln, als sie den Kopf schieflegte und ihn ansah. Remus fixierte die Spangen mit den Augen, um ihr Gesicht nicht ansehen zu müssen.

„Ich glaube... Ich glaube nicht, dass er mich wirklich l-l-liebt," brachte er hervor. „Aber er hat meine Mutter geliebt. Und sie hätte mich beschützen wollen. Deswegen hat er dem Ministerium nie von mir erzählt. Für sie."

„Remus," sagte Anders, lehnte sich vor und zwang Remus so, ihn anzusehen. „Ich denke, er hat seine Wut darüber, dich beschützen zu müssen, an dir ausgelassen. Es war falsch und boshaft, einem Kind so etwas anzutun. Willst du nicht, dass es ihm leidtut, was er getan hat? Er hat dich ausgehungert, geschlagen, verbrannt und eingesperrt. Stell dir vor, so etwas wäre mit James oder Sirius oder Peter passiert. Was würdest du gegenüber der Person empfinden, die ihnen das angetan hat?"

Remus sah weg. „Sie sind keine Werwölfe."

„Es ist doch egal, was sie sind. Selbst wenn sie Werwölfe wären, was würdest du empfinden?"

Remus kämpfte mit sich selbst. „Wut," flüsterte er schließlich.

„Ja," sagte Angela und nahm sanft seine Hand. „Das fühlen wir auch. Verstehst du jetzt? Du bist ein gutaussehender, intelligenter, lustiger junger Mann, und du verdienst im Leben eine Chance, genau wie jeder andere. Und die einzige Möglichkeit, die zu bekommen, ist, diesen Mann loszuwerden. Wir werden ihn nach Askaban stecken, damit das passieren kann."

„Askaban ist schrecklich," sagte Remus bebend. „Ich habe Geschichten darüber gelesen."

„Das ist der Punkt, Liebes. Wir wollen, dass Verbrecher lernen, anderen Menschen nicht wehzutun, weil sie sonst bestraft werden."

Remus spürte, wie es ihn innerlich förmlich entzwei riss. Ein Teil von ihm hatte immer noch eine instinktive Liebe für seinen Vater – etwas tiefes, bitteres, dass ihm befahl, diesen Mann zu beschützen. Ein anderer Teil von ihm verlangte nichts mehr, als ihn in der Hölle verrotten zu sehen. Und ein weiterer Teil erinnerte sich daran, dass John Lupin sich tapfer vor einen blutrünstigen Werwolf gestellt hatte, um seine Frau zu beschützen. Gleichzeitig fiel ihm ein, dass er damit Remus gegen einen weiteren Angriff ungedeckt ließ.

„Ich weiß nicht was ich denken soll," sagte er leise.

„Ich weiß, es ist schwer. Wir wollen doch nur helfen. Und du weißt, wir sind für dich da, genau wie deine Freunde es sind."

„Wenn... Wenn er geht. Nach Askaban, meine ich. Wo soll ich dann hin?"

„Darüber wollten wir uns mit dir unterhalten," sagte Neil, und Remus spürte ihn seine andere Hand nehmen. „Wir wollten dir unser Zuhause anbieten, wenn du es willst."