Hierfür habe ich mich noch mal richtig ins Zeug gelegt. Ein ganzes Kapitel an einem Schultag? Das ist ja wohl eindeutig ein Zeichen, dass ich ein Leben brauche.
Naja. Ich wusste ja schon immer, dass Casting Moonshadows eine fantastische Geschichte ist, aber jetzt wo ich mich wieder ein bisschen mehr damit befasse, kommt es meiner jetzigen Obsession, Criminal Minds, schon ziemlich nahe. Ich freue mich schon richtig auf Kapitel 24 – schon immer einer meiner Favoriten. Ob ich danach noch weitermache, lasse ich jetzt aber noch offen.
Die Handlung und gewisse Leute gehören der unwahrscheinlich talentierten Moonsign, das Harry Potter – Universum gehört, Überraschung, JK Rowling. Viel Vergnügen.
23. Child-Like Moony (Kleinkind Moony)
Eine Eigenschaft eines normalen Kindes ist, dass es sich selten so verhält.
(Anonymus)
SIRIUS:
Sirius lag wach da und grübelte darüber nach, ob er sein warmes, gemütliches Bett verlassen und seine volle Blase entleeren, oder lieber versuchen sollte, sie zu ignorieren und weiter zu schlafen. Er war nicht sicher, wie lange er schon dagelegen hatte, aber als er sich auf den Bauch rollte, erkannte er, dass der Himmel immer noch stockfinster war und eine lange Wartezeit bis zum Morgen versprach. Außerdem verstärkte die Bewegung das Bedürfnis.
Mit einem genervten Stöhnen glitt er aus dem Bett und schlich zum Bad, um sich zu erleichtern. Auf dem Rückweg sah er auf und erblickte Remus' Bett. Die Vorhänge waren halb geöffnet und enthüllten, dass der Werwolf nicht da war.
Sirius runzelte die Stirn und sah hinüber zur Tür des Schlafsaals, die einen Spalt geöffnet war. Er seufzte und bewarf sein Bett mit einem sehnsüchtigen Blick, dann schlich er durch die Tür und die Treppe hinunter in den Gemeinschaftsraum.
Als er im Türrahmen stand, sah er sich um. Der Gemeinschaftsraum wurde nur noch durch das ersterbende Feuer im gewaltigen Steinkamin erleuchtet. Schließlich entdeckte er Remus zusammengerollt auf einem Fensterbrett. Er trug seinen abgenutzten, zu langen Schlafanzug. Sirius zögerte, unsicher, ob er die Einsamkeit des anderen durchbrechen sollte. Die Entscheidung wurde ihm abgenommen, als Remus den Kopf bewegte, ohne sich vom Fenster abzuwenden, und fragte, „Habe ich dich aufgeweckt?"
„Nö," sagte Sirius und kam auf ihn zu. „Ich musste pinkeln."
„Du pinkelst nachts in den Gemeinschaftsraum?", fragte Remus und klang kaum merklich amüsiert, als er Sirius den Kopf etwas mehr zuwandte.
„Nein, du Idiot." Sirius stupste seine Schulter an. „Ich hab gesehen dass dein Bett leer ist und mich gefragt, wo du steckst." Er war einen Moment lang still, aber als klar wurde, dass Remus nicht antworten würde, fügte er hinzu, „Woher wusstest du, dass ich es bin?"
„Wir haben dich gespürt," sagte Remus. Seine Stimme war teilnahmslos vor Erschöpfung.
Sirius sah sich um. „Wir?"
„Ich und Moony. So kurz vor Vollmond ist er näher an der Oberfläche. Obwohl ich dich auch gespürt hätte, wenn er es nicht wäre." Er seufzte. „Heute ist er irgendwie näher, warum auch immer. Ich bin mir nicht sicher warum. Direkt in meinem Kopf."
Sirius lugte über Remus' Schulter und sah den Mond, der beinahe voll am Himmel hing. „Wann ist es?"
„Morgen."
Sirius seufzte und kletterte neben Remus auf die Fensterbank, sodass ihre Schultern sich berührten. „Kannst du mit ihm reden? Moony, mein ich."
„Ein bisschen," sagte Remus. „Es sind keine richtigen Konversationen. Er hat keinen menschlichen Verstand. Er hat den eines Tieres, und er redet ein bisschen wie ein Kleinkind. Du weißt schon, töten, essen, hungrig, was das? Er kommt um Vollmond herum näher an die Oberfläche, oder wenn ich starke Gefühle wie Wut oder Schmerz oder so was empfinde. Er will die Kontrolle übernehmen, und wenn er das tut, muss ich dagegen ankämpfen."
Etwas klickte in Sirius' Kopf. „Ah! So wie im Zug im ersten Jahr. Und auch sonst immer wenn wir dachten du wärst verrückt und redest mit dir selbst."
Remus lächelte trocken und sah Sirius zum ersten Mal richtig an. „Ich habe mit mir selbst geredet. Moony ist ein Teil von mir."
„Das ist ein bisschen komisch, weißt du. Nicht, dass das schlecht wäre. Nur dass du irgendwie zwei Persönlichkeiten in einem Körper hast."
Remus wandte sich wieder ab und lehnte die Stirn gegen das kühle Fensterglas.
„Ich hab nicht darum gebeten, Sirius."
„Ich weiß." Sirius drückte Remus' Schulter und spürte, wie der Junge sich anspannte, als seine Finger ihn berührten. „Ich weiß, Remus. Und ich finde es irgendwie cool."
„Ha!" Ohne aufzusehen legte Remus den Kopf schief und schenkte Sirius ein kleines Lächeln. Aus dieser Nähe konnte Sirius die Erschöpfung und den Schmerz auf seinem müden Gesicht sehen.
„Ich wünschte, ich könnte irgendetwas tun, um dir zu helfen."
„Es gibt nichts. Denkst du, ich habe nicht nachgeforscht?"
„Wir sind die Rumtreiber. Wir werden uns was einfallen lassen."
Remus lächelte erneut, er wirkte berührt, aber nicht überzeugt.
„Also, was machst du so spät noch hier unten? Solltest du dich nicht ausruhen?", fragte Sirius und änderte somit das Thema.
„Ich finde es schwer, um diese Zeit zu schlafen. Und ich musste über ein paar Sachen nachdenken."
„Was für Sachen?"
Remus seufzte und wandte sich ab, um wieder aus dem Fenster zu sehen. „Sie haben mich gefragt, ob ich bei ihnen wohnen will."
„Was?", fragte Sirius verwirrt. „Wer?"
„Die Anders'. Sie haben gefragt, ob ich bei ihnen wohnen will, wenn man Vater ins G-G-Gefängnis kommt."
„Oh, Remus." Sirius wusste nicht, wie er reagieren sollte. Irgendwie fand er, er sollte froh sein, dass er sich keine Sorgen mehr darüber machen musste, dass sein Freund kein Zuhause hatte, aber gleichzeitig konnte er sehen, dass es nur noch mehr Konflikt für Remus bedeutete.
„Was hast du gesagt?"
„Ich hab gesagt, dass ich drüber nachdenken werde. Ich was nicht, was ich tun soll!" Remus' Stimme brach, und er senkte den Kopf. Das goldbraune Haar fiel nach vorne und verdeckte sein Gesicht. „Er ist mein Dad! Das muss doch etwas bedeuten, oder? Er ist die letzte Familie, die ich habe. Es fühlt sich an, als würde ich ihn... ich weiß nicht... verraten."
Vorsichtig legte Sirius den Arm um die Schultern des kleinen Werwolfs. „Er hat dir wehgetan."
„Aber er hat gesagt, es wäre nur zu meinem besten."
„Glaubst du das wirklich, Moony?"
Es war sehr lange still, dann antwortete er mit einer Stimme, die mehr nach einem Schluchzer klang: „Ich weiß es nicht!"
„Wir werden aufpassen, dass niemand dich jemals wieder zu etwas zwingt, das du nicht tun willst," sagte Sirius energisch, und zog seinen Arm fester um Remus' dünne Schultern. „James und Pete und ich werden auf dich aufpassen."
„Ich habe immer davon geträumt, solche Freunde wie euch zu haben."
„Nein, hast du nicht," sagte Sirius mit einem kleinen Grinsen. „Nicht mal jemand, der so schlau ist wie du, könnte von so etwas wundervollem wie mir träumen."
Remus kicherte wässrig. „Du hast recht. Wie könnte ich von jemandem von solcher Bescheidenheit und Genügsamkeit träumen?"
Sirius runzelte einen Moment lang die Stirn. „Das war eine Beleidigung, oder?"
„Natürlich nicht. Würde ich das tun?"
„Wir verbringen viel zu viel Zeit hier," sagte Peter und biss einem der für Remus bestimmten Schokofrösche den Kopf ab, als sie zum Krankenflügel gingen.
„Was glaubst du, wie schlimm es für Remus ist," machte James ihn aufmerksam. „Er ist wirklich die ganze Zeit hier. Ich hoffe nur, dass Madam Pomfrey und zu ihm lässt. Gut, dass Vollmond letzte und nicht diese Nacht war. Morgen fängt die Schule wieder an."
„Iss nicht die ganzen Schokofrösche," fügte Sirius hinzu, und schnappte Peter das Säckchen aus der Hand. „Die sind nicht für dich."
Sie stießen die Türen zum Krankenflügel auf und sahen sich um. Alle Betten waren leer.
„Wo ist er?", fragte Peter.
„Was macht ihr denn hier?", sagte Madam Pomfrey erschrocken, als sie aus dem kleinen Raum am Ende des Hauptbereiches kam.
„Wir wollten Remus sehen," sagte James.
„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist," sagte sie, und es klang nicht wütend, sondern eher bedauernd. „Ihr wisst nicht, wie er am Tag nach der Verwandlung ist."
„Wir haben ihn schon schlimmer verletzt gesehen," sagte Sirius stur.
„Es ist nicht nur das." Sie strich sich das dunkle Haar aus der Stirn. Sirius bemerkte, dass sie extrem müde aussah, und Sorge stieg in seiner Brust auf.
„Also? Was ist es dann?"
„Er..." Sie brach ab, suchte nach dem richtigen Wort. „Wisst ihr noch, wie er war, als ihr ihn beim ihm zuhause gefunden habt?"
„Ja," sagte Peter unsicher. „Er war verletzt und hat geblutet und so."
„Nein, ich meine wie er war. Wie er reagiert hat."
Sirius runzelte die Stirn, als er versuchte, zu verstehen. „Was?"
Sie seufzte. „Am Tag nach Vollmond ist der Wolf immer noch sehr stark in ihm. Sehr stark. Es verändert seine Gedanken ein bisschen und dann verhält er sich... reagiert... und spricht ein wenig wie ein Kind. Er hatte Schmerzen, als wir ihn gefunden gehaben, deshalb war der Wolf auch damals näher an der Oberfläche. Deshalb hat er so geredet. Und seine Erinnerungen sind ein bisschen verschwommen."
Sirius erinnerte sich an das Gespräch mit Remus über Moonys kindliche Persönlichkeit. Es ergab Sinn.
„Dieses Mal ist es schlimmer," sagte sie leise.
„Was meinen Sie?", fragte James, und Sorge schwang in seiner Stimme mit.
„Ich denke, es hat etwas damit zu tun, was er über Weihnachten ertragen musste. Aus irgendeinem Grund ist es heute schlimmer. Für gewöhnlich kämpft er gegen den Wolf an, sogar in diesem Zustand. Er kann normale, simple Gespräche führen, wenn sie nicht zu anstrengend sind. Er weiß, was um ihn herum geschieht. Heute ist er einfach... Er kann nicht mal ganze Sätze formen. Ich glaube, was ihm angetan wurde, hat den Wolf näher an die Oberfläche gebracht. Ich befürchte, es ist dauerhaft. Dass er jetzt immer nach Vollmond so sein wird. Ich glaube, ein Teil der natürlichen Barriere zwischen seinen und den Gedanken des Wolfs ist zerstört."
„Das ist uns egal," sagte Sirius entschlossen und versuchte, nicht zu zeigen, wie sehr sein Herz aus Angst um ihren Freund hämmerte. „Wir wollen ihn trotzdem sehen. Ich wette, er würde sich freuen, uns zu sehen."
Sie kämpfte sichtlich mit sich, bis sie schließlich nachgab und nickte. „Nur... hänselt ihn nicht deswegen, wenn er sich erholt hat."
„Würden wir nie!", sagte James und wirkte beleidigt angesichts der Tatsache, dass sie so etwas denken würde.
„Ich weiß, ich weiß. Ihr seid gute Jungs." Sie zeigte in Richtung der Tür, aus der sie vorhin gekommen war. „Er ist da drinnen."
Sie betraten das Zimmer ein wenig unsicher. Keiner von ihnen wusste, was sie erwarten würde. Sirius sah, dass es aus dem gleichen, hellen Stein gemacht war wie der Rest des Krankenflügels. In der Ecke befand sich ein großes Waschbecken aus Porzellan, und über dem Bett, das, im Gegensatz zu den simplen weißen Betten draußen, purpurrote Gryffindor-Laken besaß, war ein großes Fenster. Remus war nur ein eine kleine Erhebung unter der Decke.
Sirius ging zögernd auf das Bett zu und sah auf seinen Freund hinunter. Er war fast komplett unter der Decke versteckt, nur ein Büschel goldbrauner Haare lag auf dem roten Kopfkissen.
„Remus?"
Die Decke bewegte sich ein wenig und die obere Hälfte eines Gesichts erschien und beobachtete ihn mit großen, bersteinfarbenen Augen.
„Sirius?" Remus' Stimme wurde halb durch die Decke erstickt.
„Ja, ich bins, Moony. Und James und Peter. Wir haben dir Schokolade mitgebracht, damit es dir besser geht."
„Schoko?"
„Ja. Willst du welche?"
Eine kleine Hand kam unter der Decke hervor, Handfläche nach oben. Peter trat vor und legte einen Schokofrosch hinein.
Der Rest seines Gesichts erschien, grinsend.
„Meins?"
„Jap. Alles für dich, Moony." Trotz seiner fröhlichen Worte sah Peter blass und schockiert aus.
Die drei Jungen holten sich Besucherstühle zum Bett, während Remus mit konzentrierter Miene versuchte, den Frosch auszupacken. Nach einer Weile runzelte er frustriert die Stirn, und er zuckte zusammen und wimmerte leise, als er wütend am Papier anriss und durch die Bewegung seine Wunden reizte.
„Lass mich mal," sagte Sirius und streckte die Hand aus.
„Meins!"
„Ich weiß, Moony. Ich pack ihn nur für dich aus."
Remus beäugte ihn argwöhnisch; ein leises, überraschend tiefes Knurren drang aus seiner Kehle, dann legte er den Schokofrosch vorsichtig in Sirius' Hand. Der packte ihn schnell aus und legte ihn zurück. Remus stopfte ihn sich ungeschickt in den Mund, als hätte er Angst, jemand würde ihm den Frosch jeden Moment wegnehmen, und Sirius wurde beinahe übel vor Mitgefühl. Er dachte daran, wie der intelligente, witzige Remus jeden Vollmond zu dem hier herabgestuft werden würde. Und dann erinnerte er sich, dass John Lupin dafür verantwortlich war. Der rotschwarze Hass loderte in seiner Brust auf.
„Wir haben noch mehr, Rem," sagte James, und seine Stimme klang nur fast unbeschwert. Sirius fragte ich, ob er sich ebenso mies fühlte wie er selbst. „Du musst sie nicht so hinunterschlingen, Mann."
Peter entleerte das Säckchen auf dem Bett vor Remus, der die anderen Rumtreiber unsicher beobachtete. Seine Finger zuckten in Richtung der Süßigkeiten. Sein Mund war voller Schokolade. Sirius nahm einen weiteren Frosch, wickelte ihn aus und überreichte ihn Remus. Dieses Mal aß er ein wenig langsamer.
„Tut es weh, Moony?", fragte Peter und deutete auf Remus' Arm, der unter dem Schlafanzug eindeutig bandagiert war.
Remus sah erst ihn, dann seinen Arm an. Er zupfte am Ärmelsaum, der sich ein wenig hob in neue, verheilende Schnitte über den Narben preisgaben. „Moony wehgetan," erklärte er ernst.
Sirius war sich nicht sicher, ob er von sich selbst in der dritten Person sprach, oder ob er versuchte, ihnen zu sagen, dass der Wolf, Moony, ihm wehgetan hatte.
„Tut mir leid," sagte er.
„Nicht du," sagte Remus und tätschelte beruhigend Sirius' Hand, die auf dem Bett lag. „Moony wehgetan."
Es folgte eine lange, unangenehme Stille. Schließlich wurde Remus müde und döste langsam ein. Sein Gesicht und seine Hände klebten voll Schokolade. Die Jungen legten die übrige Schokolade auf den Nachttisch und sahen zögernd auf den schlafenden Remus hinunter.
„Meint ihr, wir sollten ihn ein bisschen sauber machen?", fragte James, und seine Wangen liefen vor Scham rot an.
„Ich denke schon," sagte Peter. „Madam Pomfrey wird uns wahrscheinlich umbringen, wenn sie herausfindet, wie viel Schokolade wir ihm gegeben haben."
Die zwei wandten sich Sirius zu, der einen Schritt zurücktrat. „Nein! Warum ich?"
„Na ja," sagte James und gestikulierte vage mit den Händen. „Du umarmst ihn mehr als wir und... so."
„Tu ich nicht!"
James und Peter starrten ihn weiter an.
„Warum sollte ich ihn sauber machen?", fragte Sirius schmollend.
„Da drüben ist ein Tuch," sagte James und deutete auf das steinerne Waschbecken in einem kleinen Alkoven in der Ecke.
Remus murmelte leise etwas vor sich hin, und seine klebrigen Finger klammerten sich in die Decke. Sirius sah ihn an und seufzte. „Blödmänner," sagte er zu James und Peter, als er hinüberging, um das Tuch zu holen. Ungeschickt begann er, das schlimmste an Schokolade von Remus' Fingern zu wischen. Er kam nicht umhin zu bemerken, wie klein die Hände des anderen Jungen waren. Alles an Remus wirkte so verletzlich, und doch wusste er aus Erfahrung, dass der Werwolf alles andere als das war.
Remus' Augen öffneten sich für einen Moment, als Sirius seinen Mund abwischte. Er gab ein fragendes Geräusch von sich, das mehr nach Hund als nach Mensch klang.
„Ich mach dich nur ein bisschen sauber, Moony. Schlaf weiter."
Folgsam schloss Remus die Augen und war gleich wieder eingeschlafen.
Am nächsten Tag verpasste Remus den ersten Unterricht. Er kam erst am Abend wieder, als die anderen Rumtreiber am Feuer Zauberschnippschnapp spielten. Sirius entdeckte ihn als erster, als er vorsichtig durch das Portraitloch kletterte.
„Hey, Remus!", rief er. „Hier drüben."
Remus sah zu ihnen hinüber, lief rot an und senkte den Kopf, um ihren Blicken auszuweichen. Er kam zögernd auf sie zu.
„Was ist los, Rem?", fragte James und klang ein wenig besorgt, weil Remus auf der Sofakante Platz nahm anstatt wie die anderen auf dem Boden.
„Madam Pomfrey hat gesagt, ihr seid mich besuchen gekommen," sagte Remus, immer noch mit dunkelrot angelaufenem Gesicht. „Ich erinnere mich nur ein bisschen. Ich wünschte, ihr wärt nicht gekommen."
„Warum?", fragte Sirius. „Du hast dich eindeutig gefreut, uns zu sehen."
Remus schaute nur finster drein und senkte sein Gesicht noch mehr. Er murmelte etwas, das sie nicht verstehen konnten.
„Was?"
„Ich wünschte, ihr hättet mich nicht so gesehen!", schnappte er und hob energisch den Kopf.
Sirius erschrak. Die Reaktion verletzte ihn, bis er die Scham in Remus' Augen sah und erkannte, dass es nur sein grob verletzter Stolz war, der sie verursachte.
„Remus, wir..." begann James, dann brach er ab, weil ihm kein passendes Wort einfallen wollte.
„Freunde tun so etwas," sagte Sirius sanft. „Sie stehen die schwersten Zeiten miteinander durch. Es stört uns überhaupt nicht. Du warst irgendwie süß." Er spürte wie er rot wurde, entsetzt darüber, was er gerade gesagt hatte.
Remus schlug die Hände vors Gesicht und stöhnte. „Ich will aber nicht süß sein!"
„So- So hab ich das nicht gemeint," stotterte Sirius in seiner Verlegenheit. James gab ihm einen Schlag auf den Hinterkopf.
„Sicher hast du das," sagte der Junge mit der unordentlichen Frisur. „Es stimmt aber, Rem. Du warst es irgendwie. Tut mir leid."
„Tötet mich doch einfach," stöhnte Remus. „Und sie hat außerdem gesagt, es ist wahrscheinlich dauerhaft."
„Wirklich?", fragte Sirius, und spürte, wie sein Herz tiefer sank.
„Sie wird weiter nach einem Heilmittel suchen, aber sie sagt, dass ein Teil der Mauer zwischen mir und Moony endgültig zerstört ist."
„Hey, das tut uns leid, Mann."
Remus seufzte. „Ist ja nicht eure Schuld. Einfach nur eines von diesen Dingen, nehm ich an." Die Schatten unter seinen Augen ließen ihn um hundert Jahre älter aussehen.
„Sieh es so," sagte Peter. „Du benimmst dich nur einmal im Monat wie ein kleines Kind. James und Sirius hier tun es die ganze Zeit."
„Hey!", riefen die zwei dunkelhaarigen Rumtreiber empört.
Remus musste kichern angesichts ihrer Gesichtsausdrücke. „Gutes Argument," sagte er.
„Bitte zwing uns nicht dazu, dir zu versprechen, dass wir nicht mehr kommen," sagte James. „Wir wollen doch sehen, ob es dir gut geht."
Remus seufzte und sah weg. „Ich komme mir nur so blöd vor. Ich sitze in meinem eigenen Kopf und schreie „Hör auf, dich so aufzuführen!", und der Rest von mir ignoriert es einfach."
„Wir wissen, dass du nicht wirklich so bist, Moony," sagte Sirius.
„Na schön. Aber wehe, ihr wagt es, irgendjemandem zu erzählen, was in diesem Raum vor sich geht."
„Das würden wir nicht tun, und das weißt du."
Sie saßen einige Zeit lang in unbehaglicher Stille da, bevor Remus murmelte; „Es war irgendwie schön, euch da zu haben. Es hat sich... sicher angefühlt."
Lieber Sirius,
Ich hoffe, in Hogwarts ist alles in Ordnung. Ich vermisse dich hier, wie immer. Mum und Dad haben mir einen neuen Lehrer besorgt, und der ist noch schlimmer als die alte Fledermaus, der du einmal die Ohren hast abfallen lassen. Er ist ein richtiger, verrückter Reinblüter, und er muss mir die Geschichte jeder einzelnen Reinblüter-Familie die es gibt beibringen.
Ich habe heute Morgen Zeitung gelesen, und da war auch ein Artikel über diesen Typen, Lupin, dem sie wegen Kindesmisshandlung den Prozess machen. Das hat doch nichts mit deinem Lupin zu tun, oder? Du solltest dich besser nicht in so etwas verwickeln. Mum und Dad hatten nicht viel Mitgefühl, und wenn sie hören, dass du damit irgendetwas zu tun hast, wirst du es zuhause wirklich nicht lustig haben. Dachte nur, ich sollte dich warnen.
Ich hasse es hier ohne dich. Ich wünschte, ich wäre schon in Hogwarts. Ich kann es kaum noch erwarten, nächstes Jahr auch dort zu sein.
Liebe Grüße,
Regulus
