My grief lies in you
Kapitel 11
Nur du und ich
Es dauerte bis zum Morgengrauen, ehe Snape zurückkam. Schweigsam und sanft weckte er sie. Dann legte er sich erschöpft neben sie ins Bett, ohne sich aus seinen Sachen zu befreien.
Hermine drehte den Kopf zu ihm um. „Wie spät ist es?", flüsterte sie mit einem verlegenen Lächeln auf den Lippen und drückte ihre Rückseite fest an ihn. Sie fühlte sich beinahe so überrumpelt wie damals, als sie in Spinner's End neben ihm auf dem Sofa aufgewacht war. Doch das Eigenartige daran war nur von kurzer Dauer, dann fing sie sofort wieder damit an, sich mit seiner Nähe vertraut zu machen.
„Wir haben noch fast zwei Stunden, bis du zum Frühstück in die Große Halle musst."
Sie nickte. Anscheinend hatte er nicht vor, dort zu erscheinen.
„Du solltest die Zeit nutzen, um noch etwas zu schlafen", bemerkte sie wie beiläufig.
Er seufzte nachdenklich in ihr Haar hinein und schlang innig seinen Arm um ihre Taille, was ihr keinesfalls entging. Erleichtert atmete sie auf. Dass er so offen auf sie zukam, obwohl sie in seinem Bett lagen, tat gut.
„Ich denke nicht, dass ich jetzt auch nur ein Auge zu bekomme", raspelte er in ihr Ohr.
„War es so schlimm?", fragte sie vorsichtig. Zwar schien er unverletzt zu sein, trotzdem hatte sie sich Sorgen um ihn gemacht. Doch er ging ohnehin nicht darauf ein. Stattdessen fing er an, sanfte Küsse auf ihrem Nacken zu verteilen, die sie erzittern ließen.
„Das liegt allein an dir", hauchte er leise.
Sie lächelte und streichelte dabei zärtlich seine Hand. „Gut so. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich lieber noch ein Weilchen hier bleiben. Die ersten beiden Stunden kann ich heute ausfallen lassen."
Er blinzelte sie herausfordernd an. „Tatsächlich?"
Hermine nickte. „Komm schon, was ist so schlimm daran, wenn ich einmal in all den Jahren den Unterricht sausen lasse?"
„Ich kann mich erinnern, dass du schon öfter geschwänzt hast."
„Tatsächlich? Muss mir wohl entfallen sein ..."
Ein schiefes Grinsen tauchte auf seinem Gesicht auf. „Solange es nicht meine Stunden sind, die du verpasst ..."
Hermine stieß spielerisch mit dem Ellenbogen in seine Seite. „Das würde ich nicht wagen. Bis heute Nachmittag ist noch viel Zeit, Herr Professor."
„Gut, meinetwegen. Ich werd uns was zum Essen aufs Zimmer kommen lassen, wenn du möchtest. Aber wie willst du deinen Mitschülern erklären, wo du die ganze Zeit über gesteckt hast?"
Sie biss sich schmerzhaft auf die Lippe. „Tja, ich glaube, ich sollte dir da was erzählen ..."
Er legte die Stirn in Falten. „Tatsächlich?"
Hermine nickte und schnappte sich auch noch seine andere Hand. Erst nachdem sie ihre Finger mit seinen verschlungen hatte, fuhr sie fort. „Harry weiß, dass ich bei dir bin. Er hat mich gestern Nacht in deinem Klassenzimmer gefunden. Ich war an deinem Pult eingeschlafen und ..." Sie verstummte plötzlich, als sie spürte, dass er neben ihr erstarrte.
„Und was?", knurrte er verärgert hervor.
„Er hat das mit uns ganz von allein herausgefunden."
„Wie?"
Traurig schüttelte sie den Kopf. „Bitte verlang nicht von mir, dass ich ihn verrate, Severus. Er ist mein Freund. Und ich weiß, dass er mich nie mit Absicht in Schwierigkeiten bringen würde. Er will, dass ich glücklich bin, also müssen wir ihm vertrauen."
„Ausgerechnet Potter!", zischte er säuerlich.
Fast schon flehend blickte Hermine ihn an. Sie wusste, dass es ihm nicht gefiel, doch was sollte sie tun? Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend konnte sie hören, wie er die Luft scharf in seine Lungen einsog, die Augen stur geradeaus gerichtet.
„Ich weiß, dass das sehr viel ist, worum ich dich bitte. Aber du musst mir glauben. Ich kenne Harry. Und er würde die Schuld eher auf sich selbst nehmen, als mich zu verraten. Ihm wird schon was einfallen ..."
„Du meinst, er würde für dich lügen", fuhr er hart dazwischen.
Sie wippte kaum merklich mit dem Kopf. „Ja."
Snape schnaubte. „Du hast Recht, Hermine, es ist keine Kleinigkeit, um die du mich bittest." Endlich drehte er den Kopf und sah sie wieder an. Seine Augen funkelten vor Erregung. „Aber ich will dir glauben."
Sie war so unendlich erleichtert, dass sie ihm spontan um den Hals fiel. „Danke, Severus!"
Er nickte. „Schon gut. Doch das nächste Mal bist du vorsichtiger, verstanden? Ich kann deinetwegen nicht immer ein Auge zudrücken."
„Ja."
Plötzlich kam Bewegung in ihn. Er rollte sie herum und legte sich im Gegenzug auf sie, die Arme zu beiden Seiten ihres Kopfes abgestützt. Es geschah alles so schnell, dass Hermine erst bewusst wurde, was er tat, als sie seinen harten Unterleib spürte, der sich aufreizend gegen ihren Körper drückte.
Von oben herab sah er ihr tief und verwegen in die Augen. Das wütende Funkeln, das eben noch in den schwarzen Tiefen seiner Pupillen lag, war zu einem begierigen Glitzern geworden. Und obwohl ihm seine langen Haarsträhnen ins Gesicht gefallen waren, erkannte sie, dass hunderte von Fragen in seinem Blick zu liegen schienen. Es war offensichtlich, was er wollte. Und sie wollte es auch. Sie musste nicht lange darüber nachdenken, bis sie das wusste.
„Ja, Severus", hauchte sie verführerisch. „Ich will es ... Ich will dich."
Er senkte den Kopf, bis er mit seiner Nase fast ihr Gesicht berührte. „Sicher?"
Sie nickte sanft. „Ja. Nur du und ich."
Ihre Hände streckten sich nach ihm aus und umfingen sein Gesicht. „Schlaf mit mir", forderte sie eindringlich. Dann ließ sie ihre Finger an seinen Wangen hinab gleiten, versenkte sie in seinem Kragen und zog ihn bestimmend zu sich.
Snape sah sie so eindringlich an, dass sie von einem wohligen Schauder erfasst wurde, der bis in ihre Körpermitte fuhr.
„Ich will dich", flüsterte sie erneut und küsste ihn sanft auf den Mund.
Seine Augen bohrten sich intensiv in ihr Inneres und Hermine glaubte fast, er würde mit ihnen bis in die Tiefen ihrer Seele vordringen. Dann beugte er sich zu ihr hinab und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals.
Hermine schauderte wohlig, als sie seine Lippen spürte, die abwärts über ihre Haut glitten, bis er sich plötzlich vom Bett erhob und damit begann, sich vor ihr auszuziehen. Das Herz pochte ihr bis zum Hals. Nie würde sie jene schreckliche Nacht vergessen können, in der ihr die fremden Männer die Kleider vom Körper gerissen hatten. Dennoch wusste sie, dass mit Severus alles anders werden würde.
Mit geschickten Fingern öffnete er die Knöpfe auf seiner Brust und an den Ärmeln und ließ das schwarze Gewand zu Boden fallen. Dann folgte das weiße Hemd.
Hermine schluckte. Hatte sie je zuvor einen so sinnlichen Mann gesehen? Alles was er tat, jede seiner Bewegungen, die er vollbrachte, wirkte erotisch und wunderschön auf sie. Er schien vollkommen zu sein, obwohl er es nicht war. Mit Wehmut erinnerte sie sich an das Dunkle Mal, das er auf seinem Arm trug, an all die Narben, die es umgeben hatten. Doch als er das Unterhemd über den Kopf zog und sie seinen blassen, vom harten Leben gezeichneten Oberkörper vor sich sah, kamen ihr fast die Tränen.
Seine Haut schimmerte wie Pergament, weiß und zart. Jede seiner Sehnen war deutlich im aufgehenden Licht der Sonne zu sehen, die langsam aber beständig von draußen zu ihnen vordringen wollte.
„Severus ..."
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte und stand auf. Vollkommen überwältigt von seinem Anblick kam sie näher und ließ ihre zittrigen Finger über seinen Torso gleiten.
Snape zuckte zusammen, als sie ihn berührte. Er sah verunsichert aus, als würde er vor ihr zurückschrecken wollen, genauso wie er es damals in Spinner's End getan hatte, oder immer dann, wenn er fürchtete, dass etwas unangenehm werden könnte. Doch Hermine schüttelte den Kopf und senkte ihre Lippen auf die Stelle seiner Brust, unter der sein Herz schlug. Erst jetzt realisierte sie, wie schnell sein Atem ging.
„Ich liebe dich, Severus", hauchte sie leise hervor. „Und keine Narbe dieser Welt wird das ändern können."
Er rang nach Worten. „Hermine ...", raspelte er heiser, ehe sich seine Stimme im Nichts verlor und sein Kopf schwer zu Seite fiel.
Gebannt blickte Hermine auf und sah in sein von Strähnen umranktes Gesicht. „Du musst nichts sagen", flüsterte sie ergriffen. Es überwältigte sie schier, dass er so emotional reagierte. „Ich erwarte nichts von dir, Severus."
Wie in Zeitlupe nickte er, streckte seine Hand nach ihr aus und nahm ihr Kinn zwischen seine Finger. „Sieh mich an."
Hermine gehorchte blind. Sie konnte ohnehin nichts anderes tun, als ihn für das bewundern, was er war. Ein unergründliches Feuer loderte in seinen Augen, durchzogen von Schmerz, gemischt mit jener Verunsicherung, die sie so sehr an ihm lieben gelernt hatte, wusste sie doch, was für ein Mann er war; wozu er fähig war.
„Ist es das, was du willst?", hörte sie ihn fragen. „Noch kannst du zurück. Ich bin nicht vollkommen. Ich bin um einiges älter als du, Hermine."
„Severus, nein! Es spielt keine Rolle für mich ..."
Doch er setzte ein gequältes Lächeln auf, ohne auf sie einzugehen. „Es ist wahr. Fast zwanzig Jahre liegen zwischen uns. Ich habe getötet und mich mit Huren umgeben. Du hingegen hast noch so viel vor dir ..."
„Severus – du hattest Recht, ich hätte dir keine Vorwürfe machen dürfen. Es war allein meine Schuld. Ich habe mich dir aufgedrängt, habe dich in Gefahr gebracht - niemals hätte ich das von dir verlangen dürfen. Doch jetzt ... jetzt, wo wir hier sind, wird alles anders werden. Ich möchte, dass du es bist, der mich von meinen Ängsten befreit. Dem Fluch, der auf mir liegt, seit jener Nacht, in der du mich gefunden hast ..."
So plötzlich, wie sie begonnen hatte, verstummte sie wieder. Sie konnte es nicht länger ertragen, ihn anzusehen, ohne dabei vor Sehnsucht zu vergehen. Seine schwarzen Augen waren einzig und allein auf sie gerichtet, in purer Konzentration und Lust.
„Schlaf mit mir, hier und jetzt", flüsterte sie leise.
Er schluckte schwer und ließ das Kinn träge herabhängen, als ihm bewusst wurde, dass sie ihn tatsächlich wollte. Dann hob er die Hand und strich mit seinem Daumen über ihre Wange.
„Ich möchte dir nicht wehtun", sagte er mit belegter Stimme, die kaum noch hörbar war.
Sie schüttelte den Kopf. „Das wirst du nicht. Ich weiß es."
„Hermine ..."
„Nein, Severus", hauchte sie in seinen geöffneten Mund hinein. „Selbst wenn es wehtut, ist es in Ordnung, weil du es bist."
Seine Mundwinkel zuckten unruhig. „Sag so etwas nicht."
Etwas Verletztes schwang in seinen Worten mit. Doch Hermine lächelte und nahm sein Gesicht in ihre Hände.
„Seit dem Moment, als wir uns zum ersten Mal geküsst haben, habe ich mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, wenn wir miteinander schlafen würden. Und ich habe es genossen, daran zu denken, Severus. Weil ich dich will."
Irritiert legte er den Kopf schief. „Vielleicht ist es noch zu früh, Hermine. Vielleicht brauchst du noch etwas Zeit ..."
Sie schüttelte energisch ihre wilde Mähne. „Nein. Ich weiß, dass du es sein sollst. Schlaf mit mir. Bitte."
Kaum hatte sie ausgesprochen, konnte sie sehen, wie sich die Lust ungebändigt in seinem Ausdruck widerspiegelte. Er hob sie mit Leichtigkeit auf die Arme und trug sie zurück zum Bett, wo er sie vorsichtig ablegte. Dort beugte er sich über sie und ließ seine Hände in langen Bahnen über ihren Körper gleiten, ehe er damit begann, sie auszuziehen.
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An bunterhund: Sehnsucht … sie beherrscht mein Leben. Das hast du wunderbar auf den Punkt gebracht. Manchmal vergesse ich es einfach nur. Dankeschön!
houseghost
