Ich werde dein Herz brechen, so wie sie mir meines gebrochen haben.

Ich werde deine Seele zerreißen, so wie sie mir meine zerrissen haben.

Es wird leichter werden.

Aber es wird nie vorbei sein.

Die Dinge, die ich schreibe, helfen mir, meine Gefühle zu ordnen.

Sie beruhen auf meinen Erfahrungen, lassen mich jedoch nicht alles verstehen.

Danke an alle, die mir vor Augen geführt haben, dass meine Geschichten lebendig sind.

Somit gebe ich die Story mit einem tränenden Auge frei.

houseghost

xxx

My grief lies in you

Kapitel 13

My grief lies in you

Die gemeinsame Zeit mit Severus verging wie im Flug. Selbst im Unterricht war plötzlich alles anders. Hermine konnte dem Drang nicht widerstehen, ihn immer wieder anzusehen und zu beobachten. Alleine seine Stimme war so tief und schön, dass sie dabei schauderte, sobald er das Wort ergriff.

Nie zuvor in all den Jahren, in denen er sie unterrichtet hatte, hätte sie gedacht, dass sie einmal so für ihn empfinden würde; dass sie so in seinem Bann stehen würde, einzig gefesselt von seiner Gegenwart.

Glücklicherweise schien Harry neben ihr die Sache nicht ganz so zu beunruhigen, wie sie im ersten Moment befürchtet hatte. Er erwies sich ihr gegenüber als loyaler Freund, was weitaus mehr war, als sie von ihm erwarten konnte. Es bedeutete zwar nicht, dass er sich mit Snape und den Geschehnissen zwischen ihm und Hermine abgefunden hatte, doch immerhin spürte sie, dass er sich bemühte, die Ereignisse des vergangenen Sommers zu verstehen.

Snape mied er, so gut er konnte, bis er eines Tages einen großen Fehler machte, der alles verändern sollte.

Hermine war gerade auf dem Weg zu Severus - sie hatte ihn seit Tagen nicht außerhalb des Unterrichts gesehen. Doch sie vermisste ihn unglaublich und würde sich wohl nie daran gewöhnen, dass er sich bei Zeiten rar machte, ganz so, wie er es ihr prophezeit hatte.

Wie fast immer, wenn sie nach Schulschluss sein Klassenzimmer betrat, saß er am Schreibtisch, mit der Nase tief über einen Stapel Pergament gebeugt.

Als er ihre Gegenwart bemerkte, legte er die Feder beiseite und stand auf. Hermine merkte sofort, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Dennoch kam sie näher und griff nach ihm, um seine Finger mit ihren zu umschlingen.

Im ersten Moment sah er sie verwundert an, fast so, als hätte er vergessen, was diese Geste zu bedeuten hatte. Dann entzog er ihr abrupt seine Hand und wendete sich von ihr ab, bis er mit dem Rücken zu ihr stand.

„Was ist los?", fragte sie irritiert.

Angespannt drehte er den Kopf, um ihr ins Gesicht zu sehen.

„Es hat einen Kampf gegeben", sagte er wie mechanisch. Seine Lippen bewegten sich kaum, seine Kiefer jedoch arbeiteten hart. „Potter und Draco haben sich duelliert. Draco wurde dabei schwer verletzt."

Sie schlug die Hand vor den Mund. „Oh mein Gott, Severus! Das klingt ja furchtbar!"

Er schnaubte wütend. „Das trifft es bei Weitem nicht ..."

„Wa-was ist mit Harry?", fragte sie vorsichtig. In ihren Kopf überschlugen sich vor Sorge um ihren Freund förmlich die Gedanken, denn dass Snape Draco bevorzugen würde, war kein Geheimnis.

„Potter geht es gut", sagte er matt.

Hermine wollte aufatmen, doch sie kam nicht dazu. Vollkommen unerwartet riss er den Kopf hoch. Strähnen fielen ihm ungebändigt ins Gesicht und verbargen seine wütenden Züge vor ihr.

„Draco hätte sterben können, wenn ich nicht rechtzeitig da gewesen wäre", bellte er in den Raum hinein.

Verstört über seinen veränderten Tonfall schreckte Hermine zurück. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie ihn zuletzt in so schlechter Verfassung gesehen hatte.

„Aber – aber wie konnte das passieren?", fragte sie unbeholfen.

„Das solltest du am besten Potter fragen. Er hat sich eines alten Buchs bemächtigt, das im Klassenzimmer für Zaubertränke gelagert war, um damit Unfug anzustellen."

Sie verstand nicht, was er damit sagen wollte und machte verunsichert einen Schritt auf ihn zu. „Was hat das zu bedeuten, Severus?"

Mit glühenden Augen starrte er sie an. „Hast du dich nie gewundert, warum er plötzlich so ein Wunderknabe im Tränkebrauen war, Hermine? Er, der immer aufsässig und einnehmend war? Wie konnte es möglich sein, dass ein vollkommen unbedeutender Schüler mit einem Mal das Potential einer Hermine Granger besitzt?"

Sie schluckte. „Severus – lass uns vernünftig darüber reden. Bitte. Was hat es mit diesem Buch auf sich?"

„Du wusstest davon!", dröhnte er bitter, die funkelnden Augen eng zusammen gekniffen. „Hat es dir Spaß gemacht, deinen alten Professor zum Narren zu halten?"

Sie blinzelte ihn ungläubig an. „Wovon redest du? Severus, was ist nur los mit dir?" Ihre Stimme war ganz schwach und zittrig geworden. Sein Anblick jagte ihr Angst ein.

„Wusstest du, dass er das Buch besitzt?", setzte er kühl nach.

Belämmert nickte sie. „Ja. Er hat es während Slughorns Unterricht zum Arbeiten aus dem Schrank genommen. Ron hat auch eins ..."

Er schüttelte vehement den Kopf, die Augen weit aufgerissen. „Gewiss nicht so eines, das kann ich dir versichern."

„Und? Was hat das zu bedeuten?"

„Das würde ich gerne von dir erfahren."

„Aber … wieso ist das so wichtig?"

„Genau das ist der Punkt. Du wusstest, dass er das Buch hat. Aber wusstest du auch, dass er die Zaubersprüche anwendet?"

„Oh, Severus! Ich konnte doch nicht ahnen, dass er sie an einem Menschen ausprobieren würde ..."

„Das tut nichts zur Sache", zischte er sie lieblos an.

Hermine seufzte tief, um sich zu sammeln. Sie hatte das Gefühl, dass wenigstens einer von ihnen die Nerven behalten sollte, denn so würden sie unmöglich weiter kommen. „Severus, bitte. Sag mir einfach, was hier los ist. Er hat es schließlich nicht gestohlen oder so etwas. Er hat es zum Arbeiten benutzt. Aber wieso ist dieses Buch überhaupt so wichtig für dich?"

„Weil es mir gehört!", rief er laut. „Es ist mein Buch!"

Sprachlos starrte sie auf seine bebende Gestalt. Die Rage, die ihn erfüllte, ließ ihn um Jahre älter aussehen. Verschwunden war die Unbefangenheit, die ihn in den letzten Wochen umgeben hatte. Zurück blieb nur ein verbitterter, unliebsamer Mann in tiefschwarzer Kleidung, auf dessen Gesicht unzählige Furchen geprägt waren, die ihm das Leben abverlangt hatten.

„Was? Wieso?"

Er griff links und rechts mit den Fingern nach dem Saum seines Umhangs, der ihm von den Schultern hing, und ballte die Hände darum zu Fäusten. „Seit Jahren habe ich in diesem Klassenzimmer unterrichtet. Immer war das Buch an seinem Platz, bis plötzlich Potter es in die Finger bekam." Wie ein Irrer legte er den Kopf schief und sah sie an, als würde er eine Erklärung von ihr erwarten. „Ist das nicht ein merkwürdiger Zufall?"

Hermine wagte kaum zu atmen. „Ich – ich verstehe das nicht. Warum hast du das Buch nicht wo anders aufgehoben?"

„Ich habe nicht daran gedacht, dass jemand es dort finden könnte. Viel schlimmer noch, dass jemand es missbrauchen könnte."

Sie wurde bleich. Genau davor hatte sie Harry gewarnt. „Ich – ich weiß nicht, was ich sagen soll", stammelte sie betroffen. „Ich dachte nicht, dass er so weit gehen würde, es an jemandem auszutesten."

Er zog die Brauen tief zusammen. „Du wusstest davon?"

Sie nickte. „Ja. Er hat damit geübt. Heimlich. Irgendwann sagte ich zu ihm, er solle keinen Unsinn mit dem Buch anstellen." Schuldbewusst schluckte sie. „Oh Gott, Severus! Es tut mir so leid ..."

„Verdammt, Hermine!", keifte er und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. „Du hättest damit zu einem Lehrer kommen müssen … Warum hast du mir nichts gesagt?"

„Ich wusste nicht, dass es dein Buch war!"

„Spielt das eine Rolle? Dir hätte bewusst sein müssen, welche Gefahr davon ausging. Diese Zaubersprüche habe ich geschaffen. Sie sind gefährlich. Sie dienten einst dazu, mir die Rumtreiber vom Hals zu halten ..."

Um Hermine herum schien die Welt zusammenzubrechen. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte, geschweige denn, was sie tun sollte. Verzweifelt suchte sie nach Worten. Vergeblich, bis sie plötzlich Snapes Stimme sprechen hörte, die so kalt und abweisend klang, als käme sie aus ihrer Kindheit.

„Ich bin noch immer, was ich bin, Hermine." Kaum hatte er geendet, senkte er resigniert den Kopf.

Sie schauderte. „Was soll das bedeuten?", fragte sie leise.

„Ist das nicht offensichtlich?"

Hermine schüttelte wild ihre Mähne. „Nein, wenn du mich so fragst, ist es das ganz und gar nicht."

„Ich kann nicht so weitermachen wie bisher", erklärte er knapp. „Es geht nicht."

„Warum nicht?"

„Weil es nicht gutgehen kann."

„Was?"

„Hermine … wir müssen damit aufhören, verstehst du?"

„Womit, Severus?"

„Mit allem. Wir müssen unserer Wege gehen. Alleine."

„Aber du - du hast gesagt, dass du mich liebst. Und wir werden eine Lösung für alles finden ..."

„Das spielt jetzt keine Rolle mehr", fuhr er ihr dazwischen. „Ich habe es versucht. Aber es geht nicht. Mein Leben ..." Er stockte und suchte verbissen nach Worten. „Es – es geht einfach nicht."

„Es spielt sehr wohl eine Rolle. Für mich. Du würdest nicht einfach nur so etwas so bedeutendes sagen, Severus, wenn du es nicht empfinden würdest."

„Vielleicht … vielleicht habe ich mich geirrt."

„Das ist nicht dein Ernst!"

Er sah sie eigenartig an und versteifte sich ganz plötzlich. „Wie dem auch sei, es geht nicht."

Hermine schossen Tränen in die Augen. „Und deswegen bist du sauer auf mich? Weil Harry und Draco Mist gemacht haben? Was ist nur los mit dir?"

Er zuckte zusammen, ohne zu antworten. Hermine aber wusste nicht, was sie davon halten sollte. War das ein Ja oder ein Nein?

„Warum hasst du Harry so sehr?", fragte sie traurig.

„Ich kann es dir nicht sagen", entgegnete er kopfschüttelnd.

„Doch, du kannst", beharrte sie. „Bitte, Severus. Er hat es nicht leicht. Versuch, ihn zu verstehen. Du weißt, wie Draco sein kann ..."

Er fuhr sich gestresst mit den Händen durch die Haare. Hermine sah, wie sich seine Brust unruhig hob und senkte. „Ich kann nicht anders", sagte er dann. „Ich habe den Schwur geleistet."

Mit einem Schlag schien sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht zu weichen. Die letzten Wochen und Monate waren so innig, so vertraut zwischen ihnen gewesen, dass sie die Sache mit dem Schwur ganz vergessen hatte.

„Severus", hauchte sie verzweifelt.

Er nickte matt, seine Hände zu Fäusten geballt. „Geh jetzt."

Doch sie war unfähig, sich zu bewegen. Über ihr Gesicht liefen Tränen, als ihr in den Sinn kam, dass es tatsächlich vorbei war.

„Dann geschieht das alles nur wegen des Schwurs?", fragte sie ungläubig.

„Nein. Ich musste meine Fassade vor dem Dunklen Lord aufrecht erhalten, um mein Leben zu schützen. Und das von Potter, Weasley und dir."

„Was meinst du damit?"

„Du weißt, dass das alles ein Ende haben muss. Der Dunkle Lord muss zerstört werden."

„Natürlich", stimmte sie zu.

„Aber das geht nicht ohne Opfer", fuhr er ungehalten fort. „Wir alle müssen sie erbringen. Wir müssen vorsichtiger sein, Hermine. Und du, du wirst bei ihnen bleiben. Die Zeit wird kommen, da jeder auf sich allein gestellt sein wird. Sie werden dich brauchen."

„Aber … WAS?" Die Erkenntnis, dass er sie nicht einmal mehr sehen wollte, vielleicht auch bald nicht mehr sehen konnte, traf sie unerwartet hart.

„Wir müssen damit aufhören, uns zu treffen."

„Severus, nein!" Mit offenem Mund starrte sie ihn an. Sie konnte nicht glauben, was sie da gehört hatte. „Ich werde dich nicht gehen lassen!"

„Aber ich muss mich dem Willen Dumbledores beugen. Und dem des Dunklen Lords. Du weißt, dass es keinen anderen Weg gibt."

Hermine sah auf seine geschlagene, schwarze Gestalt und wollte die Arme um ihn schlingen. Sie brauchte erneut die Bestätigung, dass er sie noch immer liebte...

„Nein!", rief sie bitter, während unaufhaltsam stumme Tränen über ihre Wangen liefen.

„Du musst."

Sie stürzte vor und warf sich direkt an seine bebende Brust.

Seine Hände lagen zittrig an seinen Seiten, zu festen Fäusten geballt. Aber dann, als er ihr Schluchzen hörte, schien das Eis in ihm zu schmelzen. Er hob die Arme und drückte sie in seiner innigsten Umarmung an sich.

„Mach es nicht schwerer für uns, als es schon ist", flüsterte er mit rauer Stimme. „Wir können nicht ewig so weitermachen."

„Das hast du schon einmal gesagt", flüsterte sie kaum hörbar.

In einer sanften Bewegung nahm er ihr Gesicht in seine warmen Hände. „Sieh mich an."

Voller Horror fühlte Hermine sich daran erinnert, wie es bei ihrer letzten Trennung gewesen war, als er sie zum Bahnhof gebracht und sich dort von ihr verabschiedet hatte. Nie wieder wollte sie daran denken. Doch jetzt war es unumgänglich.

„Nein", sagte sie schwach. „Du kannst mir das nicht antun. Nicht schon wieder!"

Er aber ließ ihr Gesicht nicht los. Und als sie es nach wie vor verweigerte, ihn anzusehen, beugte er sich zu ihr hinab, bis er mit seiner Nase beinahe ihre berührte.

Endlich verschmolzen ihre Blicke miteinander und er begann damit, ihre Wange mit seinem Daumen zu streicheln.

„Aber du weißt, dass es wahr ist", sagte er in einem heiseren Raspeln. Es klang so gebrochen, dass sie für einen Moment um seinen Stolz fürchtete, obwohl sie selbst so unwahrscheinlich verletzt war.

Sie konnte ihn nicht gehen lassen. Sie hatte zu stark um ihn gekämpft und würde es jederzeit wieder tun. Doch zum ersten Mal, seit er sie damals auf seine Arme gehoben hatte, fühlte sie, dass er nicht weiter wusste. Er war hilflos, gefangen in dem, was er getan hatte.

„Ich liebe dich, Severus. Und ganz gleich, was du mir antust, es wird nie meine Gefühle für dich ändern." Störrisch zog sie die Nase hoch. „Du willst mich nicht haben? Wegen etwas, was Harry und Draco getan haben?"

Frustriert seufzte er. „Nein ..."

„Was dann?"

„Du musst deinen Weg gehen. Und ich meinen."

„Für wie lange?"

Er sah sie überrascht an und sie wusste, dass er etwas in seinen Augen verbarg. Zu gut kannte sie ihn inzwischen. Trotzdem konnte sie nicht erkennen, was es war. Selbstaufgabe? Verzweiflung?

„Bis der Dunkle Lord tot ist", sagte er schlicht.

„Aber … Das kann nicht sein! Ich möchte nicht ohne dich sein!"

„Und ich nicht ohne dich."

„Ich verstehe das nicht ..."

Er ließ ihr Gesicht los und machte einen Schritt zurück. Dann drehte er sich um und sprach leise und eindringlich in den Raum hinein: „Geh jetzt."

Sie schielte zur Tür hinüber, unsicher was sie tun sollte. Sie wollte nicht gehen. Sie konnte es nicht.

„Severus ..."

Doch als sie wieder zu ihm sah, war er fort.