Ich war versucht, mich an das siebte Buch zu halten, das mir so viele schlaflose Nächte beschert hat...

houseghost

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My grief lies in you

Kapitel 14

Trage mein Herz fort

Bereits ein weiteres Mal hatte er sich von ihr verabschiedet und sie mit ihrem Schmerz zurückgelassen. Und diesmal führte kein Weg daran vorbei.

Hermine machte weiter. Irgendwie. Doch die kommende Zeit war der reinste Horror für sie. Immer wieder wurde sie von ihren Albträumen heimgesucht. Diesmal aber weckte er sie nicht aus dem Schlaf, um sie schützend in seine Arme zu nehmen und an seine Brust zu betten, so wie er es in Spinner's End getan hatte.

Snape machte sich rar und Hermine sollte etwas wie damals, als sie bei ihm in seinem Haus gelebt hatte, und in seinem Büro ein und aus gegangen war, nicht mehr finden.

Sie war erschöpft. Die letzten Monate hatten seelisch schwer an ihr genagt.

Die Nachricht vom Tod Dumbledores erschütterte sie alle. Doch niemand von ihnen konnte auch nur erahnen, was sie durchmachen musste, als sie erfuhr, dass Severus Snape ihn getötet hatte. Nicht einmal Harry.

Bis zu dem Moment jedoch wollte sie die Hoffnungen, eines Tages mit ihm zusammen zu sein, nicht aufgeben.

Erst ab diesem Zeitpunkt musste sie sich eingestehen, dass sie ihn an Voldemort verloren hatte. Und so begann ihre Tour mit den Jungs durch das Land, stets auf der Flucht vor Voldemort und seinen Häschern.

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Diese Geschichte war nie dazu bestimmt, ein glückliches Ende zu nehmen. Im Mai 1998 sollte Professor Severus Snape an den tödlichen Bissen, die Voldemorts Schlange ihm zugefügt hatte, sterben.

Hermine war dabei, als es geschah. Wie gelähmt musste sie mit ansehen, wie er um sein Leben kämpfte.

Die Ereignisse überschlugen sich so schnell, dass sie den Überblick über alles verlor.

Im einen Moment sah sie Severus vor sich: seine aufrechte, dunkle Gestalt jagte ihr einen eisigen Schauder durch den Körper - schließlich hatte er Dumbledore getötet. Dann, als er verwundet und blutend auf dem Boden lag, hatte er all seine unbeugsame Magie verloren.

Hermine erstarrte. Es war beinahe so wie damals, als sie selbst auf dem Boden gelegen hatte: Missbraucht, verletzt, gedemütigt...

Jedes Detail, das sie über Snape wusste, spukte wie ein ungelöstes Rätsel in ihrem Kopf herum. Er war nie beliebt gewesen, hatte nie wie eine strahlende Heldenfigur gewirkt. Und doch hatte er sie gerettet.

Harry kroch auf ihn zu und nahm seinen Kopf in seine Hände.

Alles in ihr drehte sich. Gedanken und Emotionen, Schmerz, Leid, Verlust...

Immer wieder hatte sie nur eine Erinnerung vor Augen: er hatte Dumbledore getötet. Und trotzdem war da noch etwas anderes: er hatte sie bei sich aufgenommen, sie in seinen Armen gehalten, sie geküsst, sich fürsorglich um sie gekümmert. Kurz: er war für sie da gewesen.

„Gib mir ein Fläschchen, schnell! Irgendwas!"

Harrys Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Und dann ging alles ganz schnell. Sie sah noch, wie Harry die Erinnerungen seines einstigen Professors in der kleinen gläsernen Phiole auffing, wie Severus ihn ansah.

Dann trafen seine Augen plötzlich auf sie und sie konnte sich nicht mehr länger zurückhalten. Wie in Trance stürzte sie zu ihm. Es war klar, dass er sterben würde. Doch sie durfte es nicht zulassen. Sie wusste, was sie für ihn fühlte, wusste, was er für sie gefühlt hatte. Und auch dann, wenn zwischenzeitlich all diese schrecklichen Dinge geschehen waren, bedeutete ihr sein Blick mehr als alle Worte dieser Welt.

Panik durchflutete sie, als sie seinen rasselnden Atem hörte. Noch immer sah er sie an. Seine Augen waren nur halb geöffnet, doch es genügte ihr, um ihr zu sagen, dass er Schmerzen hatte. Und trotzdem drang kaum ein Laut über seine dünnen Lippen.

Sie fiel vor ihm auf die Knie und nahm seinen Kopf in ihre Hände.

„Professor!"

Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Es fiel ihr nicht leicht, jetzt zurückzublicken, auf das, was er war; wer er war. Niemals aber hätte sie gedacht, dass er auf diese Weise sterben würde. Nicht Snape! Er war ein Meister in dem was er tat.

„Können Sie mich hören?", fragte sie verzweifelt.

Wie unsagbar dumm sie sich dabei fühlte, hatten sie doch miteinander geschlafen! Nach allem aber, was in den vergangenen Monaten geschehen war, wusste sie nicht, wie sie auf ihn reagieren, geschweige denn, wie sie ihn ansprechen sollte. Die vertrauten, intimen Momente zwischen ihnen schienen so ungreifbar geworden zu sein, als wäre alles nur ein Traum gewesen.

Der Mann, der sie geliebt hatte, war zum Mörder ihres Schulleiters geworden.

Er nickte schwach und sah sie mit seinen unergründlichen Augen an. Jenen Augen, die ihr beider Geheimnis verbargen.

Tränen rollten über ihre Wangen, sie konnte kaum noch atmen. Nur eines war ihr klar: er durfte nicht sterben - ihr Held mit den schwarzen Augen, die glitzerten wie Perlen.

Er hatte sie gerettet.

„Kommen Sie, ich werde Sie von hier fortbringen", sagte sie entschieden.

Er schüttelte den Kopf, wollte etwas sagen, doch er konnte es nicht.

Genauso wie damals wusste er nicht, wie er es tun sollte. Und selbst wenn er es fertiggebracht hätte, würde er vermutlich keinen weiteren Ton über seine Lippen bringen. Seine Kehle war zerfetzt, das Blut lief weiter.

Mein Gott!

Er durfte einfach nicht sterben! Sie konnte es nicht zulassen...

Spätestens jetzt wusste sie, dass sie nach allem, was sie zusammen durchgemacht hatten, immer noch für ihn fühlte. Sogar mehr: sie hatte nie aufgehört, ihn zu lieben. Wie oft hatte sie sich seinetwegen heimlich des Nachts während ihrer Wache die Augen wund geheult, wenn die Jungs im Zelt eingeschlafen waren?

Harry wurde allmählich ungeduldig und Hermine sah ihn flehend an. Dann blickte sie zu Ron.

Ron. Er hatte keine Ahnung von allem.

„Geht!", rief sie ihnen zu. „Ich kann ihn nicht alleine lassen!"

„Aber Hermine ..."

„Macht schon!"

Ron schürzte säuerlich die Lippen. Das ganze Szenario vor seinen Augen war ihm nicht geheuer. Doch Hermine würgte ihn ab, noch ehe er zu Wort kommen konnte. „Los jetzt! Ihr müsst Nagini töten!"

Harry zögerte nicht länger. Er packte Ron am Ärmel und zerrte ihn mit sich fort. Kurz darauf verstummten ihre Schritte. Und dann, dann war sie mit Snape allein.

Wieder.