Weiter geht es … und wenn ein Engel wie Michael seine Finger im Spiel hat, kann das ja nur im Chaos enden ^^ oder doch nicht? Wir, oder besser ihr, werdet sehen und die Winchesters fühlen *g*

Und an meine lieben Leser - besonders an drei, die schon wissen, wen ich meine ;) - die mich hier wieder gefunden und besucht haben, dazu ein kleines Review hinterlassen haben, einen besonders dicken Dankehug. Sieht wohl so aus, als sollte ich weiter Schreibwerkeln *g*

Viel Spaß :9

Eure Lia


"Highway to hell"

- Teil 2 -

Das Erwachen kam langsam, holperig, genau wie alles andere auch. Unklare Schemen rauschten in seinem Kopf umher, als ein undefinierbares Säuseln aus Fragmenten, die sich zu einem einzigen Chaos vermengten.

Als er blinzelnd die Augen aufschlug, umgab ihn im ersten Moment nur Dunkelheit. Er zwinkerte erneut und entschlüsselte allmählich das seltsame Bild vor ihm: Schmutzig vergilbter, löchriger Stoff und schräges Glas … eine Rückscheibe – und all das hatte schon bessere Tage gesehen – gemischt mit dem widerlichen Geruch der Polster unter ihm, ein mehr als verwirrender Cocktail.

Sein Körper war seltsam träge, selbst den Kopf konnte er nicht drehen, als wäre alles an ihm in zählflüssiges Blei gegossen. Also beschränkte er sich vorerst auf das, was möglich war – sehen, riechen und hören. Seine Augen wanderten umher, machten aus vielen kleinen Teilen ein Ganzes. Er lag auf einer schäbigen Rückbank eines noch schäbigeren Wagens - einer Schrottkarre, wie er sich schnell selber korrigierte, spürte unter sich zerschlissenes Leder und die metallenen Federn, die ihm in die Seite stachen. Er blickte auf die Rückenlehne nur Zentimeter vor seiner Nase und schielte dann über sie, um einen Blick nach oben und somit draußen werfen zu können. Dort war nichts am Himmel außer ein paar winzig kleiner leuchtender Funken in schwärzester Nacht.

Der Geruch, der in seiner Nase hing, erinnerte ihn an eine dieser unzähligen, widerlichen Bars, in denen es nach kaltem Rauch und schalem Bier stank, zusammen mit verschwitzten Körpern, die eine Dusche maximal einmal im Jahr sahen. Das waren alles Orte, an denen man gut Kohle machen konnte, hinterher allerdings grundsätzlich einen Kammerjäger brauchte, um das Ungeziefer aus der Kleidung loszuwerden. Er wollte sich lieber nicht ausmalen, was alles schon hier gesessen oder gelegen hatte.

Okay, Ablenkung war von Nöten, denn sein Samba tanzender Mageninhalt wollte dem Ganzen anscheinend noch eine weitere Note hinzufügen.

Ein mühsames Schlucken und der Kloß wanderte zurück.

Riechen war also keine gute Idee, dann eben Hören …

Das Rauschen des Fahrtwindes draußen, das Brummen des Motors weiter vorne, beruhigten ihn auf eine seltsame Art. Er lauschte weiter und das gelegentliche Rascheln und Seufzen war ein Zeichen, dass die Person, die dieses Unding hier fuhr, tatsächlich so etwas wie am Leben war. Das war aber auch so ziemlich das Einzige, das er Stück für Stück aus seiner Umgebung heraus filtern konnte.

Dieser lebende Jemand fuhr, bis auf einige gelegentliche Schlenker, offensichtlich nur geradeaus, immer im selben Tempo – kein Schalten, kein Bremsen, einfach nur gerade aus – also waren sie mit ziemlicher Sicherheit auf einem Highway unterwegs.

Sonst war da nur Stille und diese Präsenz, so seltsam bekannt und vertraut.

Eingelullt vom ewig gleichen, lag er einfach nur da und tastete mit seinen funktionierenden Sinnen die Umgebung ab, bis ein Kribbeln und schließlich Zucken in den Fingen anzeigte, dass die Maschine Körper offensichtlich wieder Energie bekam. Die Frage war nur, ab wann Lenkung und Fahrwerk wieder voll funktionierten.

Allmählich begannen auch seine Beine Protest anzumelden, denen es nicht zu gefallen schien, seit geraumer Zeit halb verknotet, teilweise auf und neben der Rückbank, eingekeilt zu liegen.

Dann mal los …

Erste Versuche, mühselig einen Arm zu bewegen und unter sich zu schieben, waren nach einigem Hin und Her von Erfolg gekrönt und schließlich schnaufend ein träger Körper in Rückenlage gebracht.

Er machte Geräusche wie eine Frau, die gerade unter größten Anstrengungen ein Kind zur Welt brachte und die zu allem Übel von dem einzig anderen Menschen, der nur im Ansatz eine Hilfe sein könnte, ignoriert wurde.

Ein erster, zorniger Blick nach vorne auf dunkles Haar, entlockte ihm ein überraschtes: „Sam?"

Stille.

Ein weiterer Schwenk mit den Augen durch den Innenraum folgte, jetzt nicht mehr eingeengt durch stinkende Polster. Der braune Haarschopf vor ihm war unzweifelhaft der seines Bruders, aber das hier war garantiert nicht der Impala, womit ihm offensichtlich ein gehöriges Stück Erinnerung flöten gegangen war, wie zum Geier sein Hintern hier her gekommen war.

„Sammy - …?"

Keine Antwort.

Okay, offensichtlich war ein dritter Versuch mit etwas mehr Stimmgewalt als der einer Maus notwendig: „SAM?"

Nichts.

„Hey, wenn du sauer auf mich bist, dann erklär mir wenigstens, warum ich ein schlechtes Gewissen haben sollte, denn ich hab nicht den geringsten Schimmer, auch wenn mein Brummschädel mir eine ungefähre Vorstellung gibt." Bei diesem Satz fuhr sich Dean mit der Hand an die schmerzverzerrte Stirn und versuchte das Hämmern dahinter einzudämmen.

Immer noch Ruhe vor ihm.

Dean stemmte sich weiter hoch und saß jetzt halb hinter dem schweigsamen Fahrer, angelehnt an das löchrige Inventar in seinem Rücken.

Langsam kroch Wut in ihm hoch, schon viel zu nahe am Siedepunkt.

„Sam, das ist nicht mehr witzig …", mit der Hand nach vorne über den Sitz greifend, wollte er den Angesprochenen an der Schulter rütteln und hielt irritiert inne.

Anscheinend hatte sein Kopf mehr als nur einen kleinen Schlag abbekommen, denn ansonsten war es weder logisch, noch in irgendeiner Art beruhigend, dass er den Jüngeren nicht wirklich zu greifen bekam.

Er versuchte es erneut – nichts – und war damit schlagartig putzmunter …

Babum. Babum.

Okay. Kein. Grund. Zur. Panik -… aber was sich da in seinem Inneren zusammenbraute war eben … na ja, Panik.

`VERDAMMTE SCHEI-…`

Erschrocken blickte er an sich hinab, suchte hektisch nach Blut, tastete nach verborgenen Wunden unter seiner Kleidung, irgendwas, das erkennen ließ, warum er hier anscheinend Casper spielte.

Doch ohne den geringsten Hinweis, glitt sein Blick halb ungläubig zur Seite aus dem mit Schmutz beladenen Fenster, streifte über die Landschaft, die im Dunkel der Nacht nur schwer zu erkennen war. Er sah den Highway, auf dem es gespenstisch still und leer war. Es gab keine entgegen kommenden Fahrzeuge, keine Lichter von Häusern oder einer fernen Stadt, nichts, nur verbogene Metallskelette ausgebrannter Fahrzeuge am Straßenrand.

Babum.

Immer nervöser zog er all kleinen Informationen zu einem Ganzen zusammen, das ihm die Haare zu Berge stellte: Hier war nur ohrenbetäubende Stille, erdrückend und niederschlagend. Kein Radio, nicht einmal diese Musik, die Dean so hasste und sonst bei jeder noch so kleinen Gelegenheit serviert bekam. Nur der brummende Motor war zu hören, und bei genauerem Hinhören, Sams unruhige Atmung. Dean rutschte, immernoch etwas wackelig, zur Seite und versuchte dem anderen ins Gesicht zu sehen – verdammte Haare, er konnte nichts ausmachen hinter dem langen Gestrüpp.

Schließlich krabbelte er frustriert über den nur noch halb in der Halterung hängenden Beifahrersitz, ehe er mehr schlecht als recht neben seinem jüngeren Bruder saß und regelrecht bei dessen Anblick zurückprallte.

Erschrocken musterte er die ausgemergelte Gestalt.

Schlimm war nicht einmal ansatzweise eine Bezeichnung, die dieser Erscheinung gerecht geworden wäre. Das Haar war länger und wilder, als es Deans Erinnerung nach eigentlich sein sollte, die Haut war bleich, zumindest dort, wo sie unter dem stoppeligen Bart hervorspitzte, der deutlich mehr als ein paar Tage hatte wachsen und gedeihen dürfen. Die Augen waren schwarz umrandet. Sam hatte, so wie es aussah, seit Wochen nicht mehr richtig geschlafen. Seine Klamotten hingen ihm nur noch schlackernd am Leib und die Fingerknöchel, die das Lenkrad umschlungen hielten, stachen spitz hervor, die Haut darüber mit blutigen Kratzern übersäht.

Sam saß zusammengekauert im Fahrersitz und sein Blick glitt immer wider suchend in den Rückspiegel, zeigte dann kurze Erleichterung dank der einsamen Schwärze hinter ihm, ehe das Spiel von Neuem begann. Erst die Angst beim Sehen in brüchiges Glas, dann Erleichterung – immer wieder, dieser zermürbende Tanz.

„Oh Sammy …", nur ein Flüstern, auch wenn Dean sich mittlerweile mehr als sicher war, dass er weder gesehen, geschweige denn gehört wurde.

Das alles, gemischt mit seinem eigenen flatterhaften Erscheinen, ließ weniger erfreuliche Schlüsse zu und er fragte sich unweigerlich, ob es damals, in den Monaten nach seinem Tod, auch so mit Sam gewesen war? Eine kleine Stimme in Deans Hinterkopf erinnerte ihn sarkastisch an Ruby. Aber bevor sie gekommen war- …

Dean versuchte zusammen zu bekommen, was passiert sein konnte, fischte in trüben Gewässern nach Bildern und blieb doch erfolglos. Beim letzten Mal, da hatte er jede furchtbare Sekunde gespürt, vom ersten Biss verseuchter Reißzähne, bis hin zum Zerreißen seines Fleisches, dem Stillstand seines eigenen Herzens, hatte gehört, gesehen und gefühlt – aber hier war nichts, keine Erinnerung an Tod, geschweige denn an die Zeit, die anscheinend vergangen war.

Warum hatte man ihn, wenn er wieder in die ewigen Jagdgründe abgewandert war, nicht verbrannt, oder was noch viel interessanter war, warum war er nicht wieder in der Hölle? Wie lange es wohl brauchte, ehe aus einem ruhelosen Geist eine verfluchte, randalierende Seele werden würde?

Aber viel interessanter war die Frage: Was hatte Sam getan, oder eher nicht getan?

Doch bevor die Grübeleien noch weiter seine Gedankenstränge verknoteten, brachte ein schiefes, nur noch halb hängendes Schild am Straßenrand sein Herz beinahe endgültig zum Aussetzen – lustig, wenn man die Situation bedachte, in der er sich anscheinend gerade befand.

Das gefluchte Wort, das ihm nur Bruchteile später durch den Kopf schoss, traf es nicht einmal ansatzweise.

~sss~


Danke fürs vorbeischauen und mit auf die Reise gehen, auf die ich die Jungs geschickt habe … wie es weiter geht und vor allem, wohin? Lasst euch überraschen. *evilgrins*

Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntagnachmittag.

Leila :9