Und es geht weiter mit unserer rasanten Fahrt auf dem ‚Highway to hell'. Wie so oft bei mir, musstet ihr leider wieder etwas auf die Fortsetzung warten, aber, was lange währt, wird hoffentlich gut *zittert*
Nach einigen noch nachträglich gewünschten „Modifikationen" meiner Beta Mystery – der ich wieder einmal nicht genug danken kann hugs – muss ich euch aber hier eine deutliche Warnung mit auf den Weg geben, auch wenn es schon eine entschärfte Version ist:
WARNUNG: Dieses und alle folgenden Kapitel sind deutlich ab 18 / Rating M und damit nichts für schwache Gemüter.
Aber jeder Supernatural Fan weiß, worauf er sich unter Umständen bei der Serie und ihren Inhalten einlässt ;) - meine Leser, im Allgemeinen, sowieso.
Viel Spaß allen, die wieder gekommen sind, die neu dazu gefunden haben und noch finden werden …
Und meiner kleinen Untergrundgang einen besonderen Spaß, den ausnahmsweise ist dieser Teil eine Überraschung für sie, die sie noch nicht kennen *drückt euch mal ganz doll*
Schönes Wochenende meine Süßen :D
"Highway to hell"
- Teil 4 -
Dass er sein rechtes Bein nicht mehr spüren konnte, war mit Sicherheit kein gutes Zeichen – das Linke machte sich dafür um so deutlicher bemerkbar – Scheiße - Schmerz pulsierte im Takt seines Herzens durch das bisschen, was davon übrig geblieben war, aber ab dem Knie war auch hier Schluss. Feuchte, klebrige Wärme floss daran entlang, ehe sie als schmutziges Rinnsal ins Nichts der Dunkelheit im ehemaligen Fußraum des Wagens verschwand. Das Auto, als solches nicht mehr zu erkennen, war jetzt mehr ein zerknautschtes Metall-Origami, das halb auf der Seite, eingekeilt zwischen einem Baum und dem rissigen Asphalt darunter lag.
Ein gepresstes Stöhnen entschlüpfte ihm, noch bevor er es zurückhalten konnte – etwas, das wiederum dazu führte, dass seine Lungenflügel, gefangen in seinem zu engen Brustkorb, etwas mehr Platz in Anspruch nahmen, als das liebevoll um ihn gewickelte Stück Schrott zuließ.
Etwas stach zu, schob sich weiter voran.
Ein Schrei erklang, aus leisem Keuchen geboren.
Japsend hing er in dem, was sein Körper war; gefangen, hilflos, sterbend – und damit ausgeliefert.
Sein Herz begann zu flattern, versuchte vergeblich, das rote Leben durch seine Adern zu pressen. Kälte und Schwärze zupften an ihm, engten sein Sichtfeld ein, das ohnehin nur aus einem viel zu kleinen Bereich bestand.
Seine Augen klammerten sich an zersplittertes Glas, ein Stück Scheibe, das noch halb im Rahmen hing und verbogene Metallstreben, die seltsam unwirklich in den Innenraum stachen. Stählerne Finger, die anklagend auf ihn zeigten.
Finsternis kroch weiter auf ihn zu, ließ den noch übrig gebliebenen Scheinwerfer, der trotzig die Nacht erhellte, hektisch aufflackern.
Er spürte, wie die Haare an der einen Seite seines Kopfes eklig starr zu haften begannen, angeklebt durch dickes Nass, das träge daran herunter lief, sich mit dem aus unzähligen anderen Schnittwunden vermischte.
Da war ein leises Wimmern irgendwo – oder war er es selber? Erschrocken riss er sich zurück aus der heranschleichenden Bewusstlosigkeit, die ihn zu ersticken drohte.
Seiner Kehle entschlüpften Laute, die er nur von sterbenden Tieren kannte – aber letztendlich war er nichts anderes. Ein sterbendes Säugetier, das einfach im Kreislauf des Lebens den Kürzeren gezogen hatte.
Die tapfere kleine Glühbirne der zertrümmerten Scheinwerfer draußen kämpfte wie er gegen den Untergang, flackerte, zuckte und würde wohl am Ende doch verlieren.
Augenlider zogen bleischwer nach unten, das Bewusstsein schwand und mit einem letzten bisschen Kraft, das geblieben war, trotzte er der aufkommenden Kälte in seinem leblosen Fleisch. Er zwang sie ein letztes Mal auseinander, wissend, dass dies der Moment war -… einen letzten Blick wollte er mit sich nehmen.
Zwinkernd, das Blut von seinen Wimpern stoßend, versuchte er krampfhaft nicht nachzugeben und schaffte es schließlich den klebrigen Reißverschluss, den seine Lider bildeten, endgültig zu lösen.
Fokussieren, er musste nur wach bleiben, irgendwie den Schmerz vergessen.
Pupillen wanderten orientierungslos umher, bis plötzlich -…
Babum. Babum. Babum.
Alle Schleusen öffneten sich, Adrenalin schoss in einer wahren Flut durch seine Venen, lockte letzte Reserven hervor, als er erschrocken in ein Paar schwarzer Augen starrte, die ihn abschätzend durch das Loch in der Frontscheibe musterten.
Babum. Babum.
Instinktiv wollte er zurückweichen, sich vor dem Bösen vor ihm in Sicherheit bringen – aber wie fliehen, wenn Mensch und Maschine ungewollt eins geworden waren? Plötzlich kehrten Gefühle zurück, Schmerzen und er erwachte für den Moment ganz aus der tödlichen Kälte, die ihn umgeben hatte, alle anderen Empfindungen ausgeknipst. Mit voller Wucht wurde sein Geist zurück in den zerstörten Körper katapultiert – er konnte spüren, wie sich die Knochen in seinem Brustkorb verschoben, als er hektisch nach Luft schnappte. Etwas durchstach seine Lunge, füllte sie mit ätzendem Blut.
Ein letzter Schrei starb auf blutigen Lippen.
Eine fremde Hand hob sich ihm entgegen – ein Gesicht, eben noch halb im Schatten verborgen, schob sich weiter vor und tödliches Glitzern versprach die Hölle, die mit den gezischten Worten, die unheilvoll durch die Luft waberten, ihren Anfang nahm: „Unser Auftrag lautete nur, dich zu ihm zu bringen – deinen Körper - in wie vielen Stücken, das hat uns niemand gesagt! Und wer fängt schon bei so einem Fleischpuzzle noch genau zu zählen an, nicht wahr Sammy…"
Babum - … Babum.
Augen, die im Schock hervortraten, Zellen, die nach Atemluft schrieen und der Tod, der als unheilvoller Schatten dem schaurigen Schauspiel im Hintergrund zusah, mit den Fingern immer wieder liebevoll über den Bogen seiner Sense fahrend.
Ein Wink von der Hand vor ihm, ein tödlicher Ruck nach vorne und ein Stück der Metallstreben, die eben noch in halbwegs sicherem Abstand gehangen hatten, bohrte sich mit widerlichem Druck durch ihn. Dunkles Rot, nur durch Haut und Zellen im Inneren gehalten, schoss nun ungehindert hervor und platschte auf das Durcheinander aus Glas und Kunststoffsplittern.
Nur einen Sekundenbruchteil, bevor es endgültig schwarz um ihn herum wurde, hätte Sam schwören können, das entsetzte Gesicht seines Bruders ganz dicht neben sich zu sehen. Er fühlte dessen Hände an seiner Wange, genau wie auf seinem Brustkorb, zusammen mit dem Druck verzweifelt zitternder Finger, die versuchten, das Leben in dem gebrochenen Körper zu halten.
Sam Winchester starb mit dem stummen Ruf nach seinem Bruder auf den Lippen – der so nah und doch nicht weiter entfernt hätte sein können.
„Dean -…"
Und dann war nichts mehr.
...
~sssss~
kurz zuvor ...
Dean folgte entsetzt dem unbegreiflichen Szenario vor sich – hilflos musste er mit ansehen, wie sein Bruder eingeklemmt in diesem Wrack jämmerlich vor seinen Augen verreckte.
Die Blutlache um sie herum wurde immer größer, im flackernden Licht der kämpfenden Scheinwerferbirne wirkte sie tief schwarz.
Ein Gurgeln neben ihm, ein schwaches Husten – Schmerzlaute, Wimmern …
Sam hing halb auf der Seite eingekeilt in seinem Sitz, der sich mit ihm zusammen auf der Fahrerseite um den Baum gewickelt hatte. Der Fußraum des ohnehin schon winzigen Autos war kaum noch vorhanden und dort, wo das rechte Bein seines kleinen Bruders hätte sein müssen, war erschreckende, fast gänzlich zerquetschte Leere.
Warum der Jüngere noch lebte – Dean wusste es nicht. War es Starrsinn, oder einfach der Druck des Metalls um ihn herum, der den Körper noch zusammen hielt? Er hatte keine Ahnung. Es war auch egal, denn worauf das hier hinauslief war eindeutig.
Dean schrie nach Sam, brüllte nach den Engeln, versuchte, etwas wirklich zu greifen zu bekommen, zu helfen, irgendwie … und war doch nur weiter Casper der hilflose Geist.
„SAMMY!"
Aber nichts, kein Erkennen, sondern nur das Wissen, alleine zu stehen – Sam begriff, dass es keine Rettung gab, Dean konnte das schwächer werdende Leben aus dessen Augen weichen sehen.
„SAM!"
Nichts.
Schatten drohten seinen Bruder zu verschlingen, geboren in düsterem Nebel, der sie einhüllte.
Deans Herz bummerte gegen seine Rippen und er kauerte gefangen in den paar Quadratzentimetern, die ihn hatten das Ganze unbeschadet überstehen lassen, auch wenn er sich mehr als sicher war, dass es solche Zufälle nicht zufällig gab.
Grüne Augen huschten suchend durch die Finsterniss, in der Blitze am Horizont wild zuckten und die Nacht für Sekundenbruchteile zum Tag machten. Das Tosen was sich draus löste kam immer näher und er wusste, sie waren nicht mehr allein.
Babum.
Aus dem Gewirr an düsterer Energie löste sich ein Schatten und nahm Gestalt an. Ein aufgeregtes Flüstern waberte durch die Dunkelheit um sie herum , hämisch, freudig und siegessicher - Dean stellte es alles Haare am Körper zu Berge.
Das Entsetzen der Brüder war in der Luft beinahe greifbar, aber gefangen, wie hilflose Insekten, waren sie zur Untätigkeit verdammrt.
Schock ließ die Augen des Jüngeren fast aus ihren Höhlen treten, als sein zerstörter Körper ohne Warnung nach vorne gerissen wurde und das Leben mit einem Würgelaut entwich.
"Nein, nein, nein, nein -...", Ein wortloser Schrei durchzog die Nacht, grell vor Panik und vermischte sich mit leisen Lauten des Unglaubens, als Dean versuchte, seinen Bruder irgendwie zu halten. Der Ältere konnte es spüren, konnte fühlen, wie Sam durchbohrt wurde, nahm über die dünne Verbindung von Sams Arm zu seiner Hand wahr, wie Metall an Knochen schrabte, Muskeln zertrennt wurden und Fleisch riss.
In seiner Zeit in der Hölle hatte er von vielen das Innere gesehen - auf die ein oder andere Art - aber das hier, zu wissen, was geschah, es zu hören und dabei nichts tun zu können, stieß ihn beinahe über die Klippen, an denen er seit Monaten entlang wanderte.
Dean würgte, während er gleichzeitig, mit einer Stimme, die er kaum als seine eigene erkannte, nach seinem Bruder rief. Er würde dem dämonischen Bastard vor dem Fenster seine Innereien mit bloßen Händen herausreißen. Aber es führte kein Weg hinaus und sie saßen in der Falle.
Immer mehr Gestalten lösten sich aus dem Nebel, sahen begierig dem Schauspiel zu und labten sich an dem Sterbenden vor ihnen. Ein Lachen erklang irgendwo, aber Dean kümmerte es nicht, seine ganze Aufmerksamkeit war auf eine Person fixiert.
Sam hing mit dem Brustkorb voran in sich zusammengesackt zwischen den Trümmern, nur noch ein leises Röcheln von sich gebend, das mit jeder Sekunde immer leiser wurde.
„SAMMY."
Warmes Blut ergoss sich über zitternde Hände, die verzweifelt versuchten, das zerrissene Fleisch irgendwie zusammen zu pressen.
Babum.
Aber es war zu spät.
Heiße Tränen vermischten sich mit der erkaltenden Lache unter ihnen.
„Dea-…"
Viel zu spät.
~sss~
