Hermine traf ihre Freundin am frühen Samstagnachmittag vor dem Schlossportal. "Hey, Pansy!", begrüßte sie die wartende Slytherin. "Hallo, Hermine!", grüßte diese zurück und umarmte Hermine kurz. Hermine war wieder einmal etwas überrascht, denn das Privileg sie zu umarmen hatten nur Harry und Ginny – und Ron, wenn er sich ihr gegenüber mal anständig und nicht verletzend aufführte. Aber Pansy tat es einfach und nach einem Überraschungsmoment erwiderte Hermine die Geste.

Pansy jedenfalls schien nichts zu bemerken, sondern begann gleich munter loszuplappern. "Wo wollen wir denn als erstes hingehen, Hermine? Also, ich bräuchte mal wieder ein paar neue Klamotten... und dann brauch ich noch von Zonko's was...und meine Lakritzzauberstäbe sind auch alle…" "Ja, klingt gut! Wir könnten auch noch in den Drei Besen vorbeischauen und ein Butterbier trinken? Ich liebe dieses Zeug!", meinte Hermine dazu.

"Ok, machen wir das.", sagte Pansy sichtlich vergnügt, warf wieder auf diese sexy Weise – 'Hermine, was denkst du da!?' ihre Haare zurück und hakte sich unbedarft bei Hermine unter.

Hermine genoss ihre kleine Shoppingtour über alle Maßen. Pansy war zum Glück nicht ganz so extrem wie Ginny und versuchte zu Hermines Erleichterung auch nicht, sie in hautenge rosa Tops zu zwängen, die zu Hermines Teint und Figur zwar passen mochten, Hermine diese aber zu Ginnys Unverständnis gar nicht ausstehen konnte.

"Die blaue da sieht doch gut aus!", sagte Pansy und zeigte Hermine eine dunkelblaue kurzärmelige Bluse. "Tja, ich glaube, ich nehme lieber die rote...", scherzte Hermine, und hielt vor Pansy eine rote Bluse hoch. „Ihr blöden Gryffindors!", lachte Pansy und drückte Hermine das blaue Oberteil in die Hand. "Bitte, probier das einfach mal, ich kann's mir so gut an dir vorstellen!" Hermine seufzte gespielt ergeben und zog sich um.

"Wow! Das... das ist wunderschön, Hermine!", sagte Pansy, als Hermine zum Ansehen aus der Umkleidekabine trat. "Die musst du dir kaufen!" "Ja?" "Unbedingt!" "Also, na gut... mir gefällt's auch." Pansy strahlte. Hermine kaufte sich die blaue Bluse und sie verließen den Laden, Pansy mit einer allerdings deutlich praller gefüllten Einkaufstüte.

"Zwischenstopp bei den Drei Besen?", schlug Pansy vor. Hermine nickte und Pansy zog sie mit. "Zwei Butterbier, bitte!", orderte Hermine. Pansy legte nun ein charmantes Grinsen an den Tag. "So, jetzt musst du mir aber erzählen, was zwischen dir und Weasley ist!"

Hermine rollte mit den Augen. "Du bist schon fast so schlimm und süchtig nach Gerüchten wie Lavender!" "Pff...", schnaubte Pansy. "Aber gut, ich erzähl's dir, es nur fair, nachdem du mir schon von Malfoy erzählt hast.", lenkte Hermine ein, als sie Pansys enttäuschten Gesichtsausdruck sah.

"Weißt du noch, in der vierten Klasse, bei dem Weihnachtsball vom Trimagischen Turnier?", fragte Hermine. Pansy kicherte albern. "Ich war mit Draco dort." Hermine nickte und fuhr fort: "Viktor Krum hatte mich als, ähm, Date auserwählt, von allen... Ich dachte in dem Moment eigentlich gar nicht an Harry oder Ron, ich war einfach zu überwältigt. Aber bei dem Ball war Ron richtig... eifersüchtig und hat danach eine Zeitlang nicht mehr mit mir gesprochen, insbesondere nachdem er herausgefunden hatte, dass Viktor und ich eine Brieffreundschaft aufrechterhielten. Ich darf dazufügen, dass seine Eifersucht total unbegründet war..."

Hermine nahm einen Schluck Butterbier. Das hatte sie noch nie jemandem erzählt, nicht einmal Ginny. Aber Ginny war ja auch Rons Schwester.

"In der folgenden Zeit hat sich Ron irgendwie weiterentwickelt, mit dem Kampf gegen Vol-, äh Du-weißt-schon-wen und wurde auch Vertrauensschüler... da merkte ich, dass ich irgendwie eine Schwärmerei für ihn hegte. Aber er hat das nie so realisiert und irgendwann, tja, da verschwand das Gefühl für ihn einfach. Ich meine, die Freundschaft natürlich nicht, ich mag Ron sehr, aber ich glaube, einfach nicht mehr als das. Und jetzt ist das Spielchen andersherum."

"Nun ja", meinte Pansy und trank ebenfalls einen Schluck Butterbier, "meinst du nicht, dass du jetzt, wo du offensichtlich eine Chance bei ihm hättest, deine Gefühle für ihn wieder entdecken könntest?" Hermine blickte nachdenklich aus dem Fenster. "Nein, Pansy, das glaube ich nicht." Sie blickte ihre Freundin an und meinte, ein kurzes Funkeln in deren Augen entdeckt zu haben, aber das war so kurz, dass Hermine glaubte, sich geirrt zu haben. "Nein, das Thema Ronald ist für mich durch. Und außerdem beschäftigt mich gerade eine andere Person.", gestand Hermine und wollte sich dann gleich auf die Zunge beißen.

War sie völlig wahnsinnig geworden? Hermines Herz klopfte schneller bei diesem Geständnis. Ausgerechnet vor Pansy von allen möglichen Leuten musste ihr das rausrutschen. Merlin, Pansys Neugierde war legendär und außerdem war sie es, die Hermine temporär verwirrte. Aber diese blauen Augen hatten sie so gefangen gehalten, dass sie nicht mehr gewusst hatte, was sie sagte...

"Wer denn? Doch nicht etwa Potty?", fragte Pansy grinsend, auch wenn ihre Augen etwas traurig aussahen, fand Hermine. "Was, Harry? Nein, bestimmt nicht.", lachte sie. "Und nenn ihn nicht 'Potty', er ist mein bester Freund! Das bekommst du jetzt nicht aus mir heraus, Pansy." Trotzdem versuchte sie es, doch Hermine blieb standhaft.

Als die beiden ausgetrunken hatten, zahlten sie und gingen weiter zu Zonko's. In diesem Laden drängten sich, wie üblich, die meisten Schüler. "Hey Ron, Harry!", sagte Hermine, als sie ihre Freunde entdeckte. Beide starrten sie jedoch grußlos so an, als wäre sie von einem anderen Planeten. Offensichtlich, weil sie mit Pansy Arm in Arm lief.

'Nicht gut', dachte Hermine, 'das gibt nachher noch Ärger...'. Laut sagte sie: "Bis später, Leute!", und zog Pansy schnell weiter weg zu einem anderen Regal. Kurze Zeit später war der Zwischenfall vergessen und beide machten sich einen Heidenspaß daraus, neben den obligatorischen Stinkbomben neue Scherzartikel auszusuchen.

Zu guter Letzt statten sie auch noch dem Honigtopf einen Besuch ab und erneuerten ihre Süßigkeitenvorräte. Mit Tüten vollbepackt gingen sie zurück zum Schloss. "Hach, der Nachmittag war toll.", sagte Pansy zufrieden. "Ja, es war schön.", stimmte Hermine ihr zu. In der Halle schließlich verabschiedeten sie sich. "Treffen wir uns mal wieder?", fragte Hermine etwas scheu. "Klar doch!", sagte Pansy leichthin, "Wie wär's morgen, lass uns doch zusammen nach dem Mittagessen Hausaufgaben machen und dann eine Runde um den See gehen! Das schöne Wetter muss man doch ausnutzen."

Als Hermine den Gemeinschaftsraum betrat, wurde sie schon von Harry und Ron erwartet. Ginny stand auch dabei, schien aber eher auf die zwei Jungen einzureden als gegen Hermine irgendwelche Anschuldigungen vorbringen zu wollen.

"Hermine, was ist das da mit Pansy? Du kannst dich doch unmöglich mit dieser Person angefreundet haben!", rief Ron wutentbrannt aus. Harry nickte dazu.

'Oh nein, nicht schon wieder eine Verschwörungstheorie. Voldemort spioniert uns aus.'

"Was glaubst du denn, diese dreckigen Slytherins sind doch nur auf einen Vorteil aus, merkst du das nicht, Hermine? Pansy hat immer noch mit Malfoy zu tun, auch wenn er sie – mir verständlicherweise – endlich weitergehauen hat! Sie spioniert durch dich nur Harry aus! Und bestimmt hat sie auch das Dunkle Mal!"

"Ron!", rief Hermine, "Du weißt nicht, was du redest! Du urteilst vorschnell..."

Ginny unterbrach Hermine. "Das sage ich dir schon die ganze Zeit, du Idiot!", fauchte sie Ron an.

"Bitte Ron, komm runter oder geh, ich will eigentlich nicht streiten.", sagte Harry ruhig.

Hermine konnte sehen, dass Harry alles andere als erfreut war, aber dass er nicht so selbstgerecht und hitzköpfig wie Ron war und auch Hermines Seite anhören wollte, bevor er ein Urteil fällte. Das war eine Eigenschaft von Harry, die Hermine sehr schätzte. Ron gab nur einen unwilligen Laut von sich und verschränkte in kindischer Manier seine Arme, hielt aber den Mund.

"Hermine?", fragte Harry auffordernd, um ihre Darstellung zu hören.

Sie versuchte, ihre Stimme ruhig zu halten. "Vertraust du mir, Harry? Ich habe dir, glaube ich, noch nie einen Grund gegeben, dies nicht zu tun. Und mit Pansy habe ich mich angefreundet, weil sie so anders ist in meiner Gegenwart als wenn sie mit dem typischen Dreck, der Malfoy umgibt, unterwegs ist. Als sie und Malfoy sich getrennt haben, habe ich zum ersten Mal per Zufall mit ihr geredet. Und unsere Gesprächsthemen betreffen dich, Harry, in Verbindung mit Voldemort, in keinster Weise! Ich denke, ich kann selbst entscheiden, wem ich trauen kann und wem nicht!"

Harry nickte dazu. "Ich vertraue dir, Hermine. Aber verlang nicht, dass ich mich gleich mit Parkinson gutstelle..." Hermine umarmte Harry impulsiv, während von Ron nur ein ungläubiges Schnauben ertönte. "Komm, Hermine, wir gehen!", sagte Ginny, legte ihren Arm um Hermines Schultern und beide verschwanden in den Mädchenschlafsälen, um Hermines Taschen auszupacken.

"Also Pansy?", fragte Ginny. Hermines Herz blieb für einen Moment still stehen. "Wie, ähm, also, wie meinst du das?", stotterte sie. Ginny lachte. "Kein Grund, verlegen zu werden, ich bin nicht hitzköpfig wie Ron – ich wollte nur wissen, ob ihr jetzt befreundet seid und wie Slytherins so sind!"

Hermine atmete erleichtert aus. Die jüngste Weasley wusste also doch nichts von ihrem sich anbahnenden Gefühlskonflikt. "Ja, ich mag sie wirklich sehr, Pansy ist so anders, als man es erwarten würde. Das, was sie öffentlich zeigt, ist zu einem Großteil nur Fassade. Du solltest mal ihre natürliche Stimme hören, nicht die überdrehte, mit der sie ihre Umwelt sonst nervt." "Hm... ich kenne sie nicht anders, aber du wirst schon recht haben. Hübsche Bluse, Hermine! Das Blau steht dir."

Als Hermine an dem Abend ins Bett ging, konnte sie lange nicht einschlafen, weil sie immer wieder Pansys lachendes Gesicht vor Augen hatte. Was war das nur für ein Gefühl, das sie immer in der Gegenwart der Slytherinschülerin beschlich? Und diese Augen. Dieses wunderbare Tiefblau. Pansys Figur war auch äußerst... 'NEIN, Hermine, das denkst du doch jetzt nicht ernsthaft! Du stehst doch eigentlich auf Männer wie Ron und Pansy ist auch nur eine gute Freundin.'

Hermine traf Pansy am nächsten Tag, Sonntag, nach dem Mittagessen und beide gingen mit ihren Schulsachen in die Bibliothek, um dort ihre Hausaufgaben zu erledigen. Hermine merkte, dass Pansy keineswegs so dumm war, wie sie die Umwelt gerne glauben ließ. Sie flüsterte: "Warum stellst du dich im Unterricht so ungeschickt an, du kannst es doch viel besser!"

Pansy grinste sie wieder so an, dass es Hermine den Atem verschlug. "Weil", flüsterte sie zurück und lehnte sich näher zu Hermine, sodass diese Pansys Atem auf der Wange spüren konnte, "für mich das Image einer kleinen dummen Schlampe von Draco Malfoy wesentlich besser ist" Pansy zog selbstironisch eine Augenbraue hoch, "als das des intelligenten, unabhängigen Mädchens... vergiss nicht, aus welcher Familie ich stamme. Man erwartet, dass ich einmal die brave, naive Hausfrau neben einem Draco Malfoy oder Theodore Nott sein werde und nicht die erfolgreiche Heilerin oder Geschäftsfrau, die keine Zeit hat, reinblütige Familienerben in die Welt zu setzen."

"Könnte ich nicht... ich bin ein schlechter Schauspieler.", murmelte Hermine und wagte nicht aufzublicken, weil sie fürchtete, bei Pansys Nähe fürchterlich zu erröten, wenn sie ihr in die Augen blickte. Da fühlte sie auf einmal Pansys Hand in ihrem Nacken, was sie leicht und auf eine angenehme Art frösteln ließ.

"Was...", flüsterte Hermine. "Spinne in deinem Haar, sorry.", sagte Pansy einfach und zerdröselte etwas Schwarzes in ihrer Hand. "Oh. Ja. Danke.", sagte Hermine und vergrub sich tiefer in ihr Buch.

Nach einer Weile schweigendem Arbeiten lehnte sich Pansy über den Tisch zu Hermine herüber und Hermine war mehr oder minder gezwungen, in Pansys tief ausgeschnittenes Top zu sehen, das sie heute anstatt der Schuluniform trug. Hermine trug ihre Uniform auch oft am Wochenende, und wenn nicht, dann sicherlich nicht so ein T-Shirt. Pansy zog Hermine einen dicken Wälzer aus den Händen und klappte ihn vor Hermines Augen zu. "Genug Arbeit für heute, lass uns raus an die frische Luft gehen!"

Bevor Hermine protestieren konnte, war Pansy schon aufgestanden, hatte ihre Schulsachen in ihre Tasche gestopft und Hermines Bücher zum Regal gebracht. "Los jetzt!", sagte Pansy laut, sodass Madame Pince herüberblickte und Anstalten machte, aufzustehen.

Hermine, die es sich auf keinen Fall mit der geierähnlichen Bibliothekarin verscherzen wollte, packte hastig ihre Sachen ein und folgte Pansy nach draußen. "Das war nicht nett!", beschwerte sie sich bei ihrer Freundin. Pansy lachte. "Lernen ist nicht alles. Und ich hätte nicht gewusst, wie ich dich sonst von deinen Büchern hätte loseisen können." Sie grinste Hermine unverschämt an.

Hermine atmete tief durch und lächelte. Pansy hatte so eine natürliche Art, so gar nichts von Rons Minderwertigkeitskomplexen und Harrys Weltschmerz. Einfach nur wohltuend.