Pansy stand plötzlich auf und riss ihre Hand von Hermine weg. „Weißt du was? Weißt du, warum ich mich mit den ganzen Idioten getroffen habe? Ich wollte dich eifersüchtig machen, verdammt noch mal!", schrie Pansy. Hermine blieb ruhig. „Aber ein Mann wird doch nicht unsere Freundschaft zerstören, Pansy."
Pansy ließ ein ungläubiges Lachen hören. Dann wurde ihre Miene ausdruckslos, außer dass sie immer noch weinte. „Du verstehst es nicht, oder? Ich- ich…- Und du machst mit einem anderen Typen rum! Tanzt mit ihnen!"
„Ich habe nicht…", begann Hermine.
Pansy machte auf dem Absatz kehrt und rannte mit einem weiteren Fluch davon.
Hermine wollte aufstehen doch ihre Beine gehorchten ihr nicht. War Pansy in sie verliebt? Nein, das war unmöglich… Andererseits würde es alles erklären… Hermine stand auf, als es wieder funktionierte und ging langsam zurück zu ihrem Gemeinschaftsraum. Sie wusste wirklich nicht, was sie tun sollte.
Sie ließ sich einen Sessel am Feuer sinken und schrie laut auf. „Verdammt!" Dann setzte sie leise hinzu: „Wenn ich das gewusst hätte… oh, Pansy, Pansy…" Wie ein Mantra wiederholte Hermine den Namen des anderen Mädchens. ‚Oh Gott, was soll ich nur tun! ', dachte Hermine und fühlte sich unglaublich schlecht und andererseits wiederum hoffnungsvoll, dass Pansy sie vielleicht doch mehr als nur als Schulfreundin mochte.
Nach einer Stunde schließlich stand Hermine auf, wischte sich die feuchten Augen ab und ging hinunter in die Kerker, um mit Pansy zu reden. Als sie um eine Ecke bog, stolperte sie förmlich über Malfoy, der ausnahmsweise alleine unterwegs war.
„Granger, was suchst du denn hier!?", fragte er herrisch, nachdem Hermine wieder aufgestanden war. „Äh, ja, Malfoy.", sagte Hermine verwirrt darüber, dass er sie noch nicht beschimpft hatte. „Ich, ehm, suche Pansy. Kannst du sie bitte holen? Sie ist bestimmt in eurem Gemeinschaftsraum."
„Warum sollte ich das für dich tun?" Malfoy zog eine Augenbraue arrogant nach oben. „Weil es dringend ist, Malfoy." Er lachte höhnisch. „Na gut, dann eben… bitte, Malfoy!", drängte Hermine ihn.
„Nein. Jetzt hör mir mal zu Granger. Pansy will dich nicht sehen. Nie wieder. Zufällig weiß ich das, sie kam nämlich ziemlich verheult zu ihrem besten Freund. Mir." „Du!? Warum sollte Pansy mit ausgerechnet dir befreundet sein? Du bist ihr Ex… und hast sie für eine andere verlassen."
Malfoy blickte sie einen Moment überrascht an. „Nein, Granger. Zeit, dir mal was zu sagen. Pansy und ich waren nie wirklich zusammen. Nur nach außen hin. Die Beziehung, alles daran, das war nicht echt. Wir sind die besten Freunde seit unserer Kindheit und darum will ich nicht, dass ein kleines Schlammblut wie du sie weiterhin verletzt. Pans hatte nie einen Freund, weil sie sich nicht für Männer interessiert. Dass du kleine Alleswisserin das nicht weißt. Ich habe ihr kleines Spielchen mitgespielt, weil ich neben unserer ‚Beziehung' her immer diverse Freundinnen haben konnte. Pans wusste natürlich davon. Natürlich haben wir beide es auch probiert, ob es zwischen uns klappt, aber Pansy… nun, Männer sind eben nicht ihr Ding."
„Warum dann diese Farce?", fragte Hermine so erstaunt, dass sie sogar Malfoys Beleidigungen ignorierte.
„Merlin, Granger. Was meinst du wohl, was die Parkinsons sagen und tun würden, wenn Pansy nicht den Weg einschlägt, der für sie vorgesehen ist?"
Hermine nickte, verstehend. „Und, holst du sie jetzt bitte? Ich muss ihr etwas sagen.", sagte sie eindringlich.
„Nein, Granger. Lass sie in Ruhe.", sagte er überlegen.
„Aber sie ist einfach gegangen, ohne mir zuzuhören und ich muss ihr sagen – ich glaube – sie bedeutet auch mir wahnsinnig viel-"
Malfoy lachte boshaft. „Du hattest deine Chance, Granger, und du hast es versaut. Lass Pansy zufrieden. Und ich Idiot dachte, ihr wäret zusammen. Naja, jedenfalls bist du bei ihr unten durch. Viel Spaß mit dem Wiesel." Mit diesen Worten ging Malfoy. „He, Malfoy, warte doch mal, es tut mir leid – ich-" Malfoy drehte sich noch einmal um. „Sie will nichts mehr von dir wissen! Klare Ansage vorhin von ihr! Gute Nacht Granger, genieß euren und insbesondere deinen Sieg!"
Das war dann doch eine Provokation zu viel. „Du arrogantes Arschloch, Malfoy!", schrie Hermine verzweifelt. Ohne ihn kam sie nicht an Pansy heran. Malfoy drehte sich noch einmal um und sagte: „Tja, ich darf's mir eben leisten…"
„Du bist echt eine… eine männliche Schlampe, Malfoy, so wie du dich benimmst – sag, mit wem hast du es noch nicht getrieben!?" „Mit allen, nur nicht mit euch Schlammblütern! Im Übrigen heißt der Begriff, den du suchst ‚Casanova', Granger.", erwiderte er unbeeindruckt von der Beleidigung und Hermine klappte der Mund auf. Malfoy lachte hämisch und schritt davon.
Hermine krallte sich vor Wut in den eigenen Arm. Der physische Schmerz linderte den psychischen wenigstens ein bisschen. Seit wann fluchte sie eigentlich so oft? Malfoy kehrte ihre schlechten Seiten heraus.
Sie stürmte wutentbrannt in ihren Gemeinschaftsraum zurück, wo die Party mittlerweile in vollem Gange war. So schnell sie sich durch die feiernden Mitschüler kämpfen konnte, verschwand Hermine in ihrem Schafsaal und konnte ihre Tränen nicht mehr länger zurückhalten.
Als sie am nächsten Tag die Heimreise gen London antraten, war Hermine schweigsam und vergrub sich in ein Buch. Jetzt, wo Pansy im Hogwartsexpress „gefangen" war, wäre es ein Leichtes gewesen, sie ausfindig zu machen, aber Hermine fehlte einfach der Mut dazu, nachdem sich das, was Malfoy gesagt hatte, in ihrem Kopf festgefressen hatte. Pansy wollte sie nicht wieder sehen.
Hermine umarmte ihre Freunde zum Abschied, ermahnte Harry zur Vorsicht, wie sie es immer tat und trottete dann, ohne am Bahnsteig einen Blick zu der Gruppe Slytherins zu riskieren, mit ihren Eltern hinaus ins Mugellondon.
Hermines Eltern begannen, sich um ihre Tochter Sorgen zu machen. Seit ihre Tochter aus Hogwarts zurückgekommen war, verhielt sie sich relativ seltsam. Es war nicht die Tatsache, dass Hermine bereits nach einer Woche alle ihre Hausaufgaben erledigt hatte und ständig in irgendwelchen Büchern vergraben war. Auch nicht, dass Hermine gewissenhaft alle ihre Pflichten zu Hause erledigte.
Aber von ihren Freunden wollte sie nichts wissen und sie ging auch nicht auf Partys, wie es jedes andere Mädchen in ihrem Alter gemacht hätte. Alle paar Tage riefen Freunde an oder schickten Eulenpost, doch Hermine fertigte sie ab und wollte nichts unternehmen.
Hermine schien traurig zu sein. Erst ab Mitte August änderte sich Hermines Verhalten ein wenig. Sie erhielt eine Einladung von Bill und Fleur zu deren Hochzeit und dehnte den Besuch bei Harry und Ron im Fuchsbau auf eine Woche aus. Danach schien sie um einiges glücklicher zu sein als zuvor. Mr und Mrs Granger waren erleichtert, dass mit Hermine doch alles zu stimmen schien.
Hermine sah nach einer Weile ein, dass es keinen Sinn hatte, um Pansy zu trauern und sich von allen abzukapseln. Dadurch versank sie nur im Selbstmitleid und Kummer und so nutzte sie Harry bei seinem Kampf gegen Voldemort nicht besonders viel. Pansy hatte ihr kein einziges Mal geschrieben und Hermine, die sich selbst wegen Pansys Familie nicht traute, ihr eine Eule zu schicken, versuchte, damit zu leben, dass sie ihre Chance verpasst hatte. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Sie wusste zwar, dass es ihr unendlich leid tat, nicht mehr mit Pansy befreundet zu sein, aber Malfoy hatte wohl Recht, Pansy wollte nichts mehr von ihr wissen. Und doch vermochte sie Pansy nicht zu vergessen.
