Hermine fuhr hoch, neben ihr gähnte Pansy verschlafen. „WAS!?", rief sie entsetzt. Sie war noch nie zu spät erschienen. Hastig sprang sie von der Couch, als ihr etwas einfiel. „Malfoy! Heute ist doch Samstag! Wir haben noch nicht mal unsere Stundenpläne!" Dann blickte sie auf die Uhr. Tatsächlich war es nicht kurz vor acht, sondern halb sieben.

Malfoy feixte. Hermine wurde wütend. Er sah es und meinte: „Das war für gestern, du Schlamm-", er würgte sich selber ab und fügte hinzu: „Nicht, dass ich mich jetzt entschuldigen würde. Aber angesichts der Tatsache, dass wir nun zusammen leben müssen und du mit meiner besten Freundin zusammen bist…"

Hermine begriff. „Also, du nennst mich nicht mehr ‚Schlammblut' und ich nenne dich auch einfach nur ‚Malfoy', einverstanden?" Er zog die Augenbraue hoch und nickte schließlich einmal kurz. Dann wandte Malfoy Hermine den Rücken zu und spazierte aus ihrem Quartier.

Pansy öffnete die Augen und kicherte leise. „Was gibt's denn?", fragte Hermine. „Ooch, Draco. Er hat sich mal zu Herzen genommen, was man ihm gesagt hat." „Wie?" „Oh, gestern, nachdem du eingeschlafen warst, habe ich ihn von dem Silencio befreit, nachdem ich im gesagt habe, dass es besser sei, einen Waffenstillstand zu vereinbaren." Hermine lachte ungläubig. „Und ich dachte schon, er würde sich bessern."

„Immerhin zeigt er guten Willen.", grinste Pansy. „Außerdem hat er vor dir im Grunde ziemlich viel Respekt. Auch wenn er das nie zugeben würde." Hermine stand auf und ging ins Bad. Für heute war sie spät dran. Ron und Harry würden spätestens in einer Stunde antanzen, um zu überprüfen, ob Malfoy sie ganz gelassen hatte oder ob nur noch Einzelteile von ihr übrig waren.

Hermine schloss die Badtür hinter sich und lehnte sich erst einmal dagegen. Es war so viel passiert. Sie holte tief Luft. Malfoy war der zweite Schulsprecher und das Wichtigste, Pansy und sie waren nun endlich zusammen. Hermine dachte an all die Stunden zurück, in denen sie in den Ferien in ihrem Zimmer gesessen hatte und gegrübelt und geweint hatte, warum sie nie Glück haben konnte und sich in eine Person verlieben musste, die unerreichbar schien.

Aber Pansy hatte genauso empfunden wie sie und gestern… Hermine schüttelte den Kopf. Wenn Malfoy sie nicht gestört hätte, wie weit hätte sie sich wohl vorgewagt? Sie stieß sich von der Tür ab und machte sich fertig, um dann Pansy ins Bad zu lassen.

Als beide fertig waren, fragte Hermine: „Was ist denn mit denen aus deinem Schlafsaal? Werden die dich nicht vermissen?" „Oh, nein, die kümmern sich nicht um mich. Ich habe schon viele Nächte auswärts verbracht." Wegen Hermines irritierten Blicken fügte Pansy hinzu: „Ich habe ziemlich oft in dem Raum der Wünsche geschlafen, seit ich ihn durch eure DA kannte. Die anderen haben wohl geglaubt, ich wäre bei Draco oder so, jedenfalls haben sie nie was gesagt – aber ich wollte einfach nur meine Ruhe haben."

Hermine setzte sich auf das Bett in ihrem eigenen Schlafsaal und Pansy ließ sich auch darauf nieder, um sich bei Hermine anzulehnen. „Sag, wie schaut dein Raum der Wünsche denn aus?", wollte Pansy wissen. „Oh, er… es ist langweilig.", sagte Hermine zögerlich. „Na gut, also… er sieht ein bisschen aus wie die Bibliothek und in der Mitte ist eine kreisrunde Fläche zwischen den Bücherregalen und dort hat man die Möglichkeit, Zaubertränke zu brauen und Tabellenwerke der Arithmantik und Chemie hängen aus. Es riecht nach altem Pergament und auch etwas frisch, Zitronengras vielleicht. Naja, und nach den Zaubertrankzutaten, die in einem Wandschrank aufbewahrt sind."

Pansy lächelte leicht bei der Vorstellung. „Irgendwie hab ich mir auch nicht denken können, dass es was anderes ist." „Und was ist er bei dir?" „Also der zentrale Rauminhalt war immer ein Bett." Hermine schnaubte, um ein albernes Kichern zu unterdrücken. Pansy versetze ihr einen Stoß. „Angesichts der Tatsache, dass ich ihn immer nachts betreten habe, ist das gar nicht so abwegig, oder? Der Raum hat noch ein Fenster, von dem aus man über den See zum Verbotenen Wald blicken kann." „Aber der Raum liegt doch mitten im Schloss, wie kann er da ein Fenster haben?", fragte Hermine.

„Dafür ist er doch gut, dass er dir deine Wünsche erfüllt.", meinte Pansy. „Und die Bettdecke ist immer braun-gelb gemustert, die Farben der Holyhead Harpies. In einer Ecke steht ein kleines Schränkchen mit allerlei unbrauchbarem Kram herum. Ein Regal mit Büchern, Romane jeden Genres. Von dort ist auch der Shakespeare. Das Zimmer wirkt gemütlich, mit einem Kamin… ich bin gern dort. Das einzige, das fehlt, ist Essen, denn das schafft der Raum nicht. Deswegen gehe ich immer in die Küchen und hole mir ein paar Donuts, bevor ich es mir gemütlich machen kann."

Beide saßen schweigend da und blickten sich an. Pansy zog Hermine sanft zu sich und begann, sie zu küssen. Hermine schloss die Augen und genoss es, bei Pansy zu sein.

Nach einer Zeitspanne, die eine gefühlte Ewigkeit und doch viel zu kurz war, hörte Hermine plötzlich laute Stimmen. Erschrocken sprang sie auf, gerade noch rechtzeitig, bevor Harry und Ron und Draco Malfoy ins Zimmer platzten. „Hermine!", „Hier bist du!", „Granger!", riefen sie zu dritt los. „Halt die Klappe, Wiesel, ich rede!" „Wir sind Hermines Freunde, du Slytherinbastard!" „Und was will die hier!?" „Hört auf, RON! Harry.", schrie Hermine. „Malfoy, du zuerst.", bestimmte Hermine. Nicht, weil sie sonderlich an seiner Entschuldigung interessiert war, sondern weil sie ihn dann mit Pansy wegschicken konnte.

„Sie waren draußen vor dem Teppich und haben herumgeschrien. Nach dir, Granger – und als ich ihnen gesagt habe, dass du gerade beschäftigt bist, sind sie hereingekommen und wollten zu dir. Konnte sie nicht aufhalten.", erklärte Malfoy. „Komm, Pansy, wolltest du nicht Snapes Musteraufsatz lesen?" „Äh, ja, sicher. Bis später dann." Pansy erhob sich von Hermines Bett und folgte Malfoy nach draußen.

Hermine wartete, bis sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, dann wandte sie sich ihren Freunden zu. „Erstens, Ron. Pansy ist meine Freundin, also halt dich zurück. Wir hatten das Thema schon mal, und dasselbe gilt auch für dich, Harry! Malfoy mag uns noch so zuwider sein, aber ich bin der Depp, der mit ihm das ganze Schuljahr zusammenleben und mit ihm auskommen muss! Also beleidige ihn gefälligst nicht, sonst hab ich hier keine RUHE!", rief Hermine wütend. „Und was fällt euch eigentlich ein, so hereinzuplatzen?"

Reumütig senkten beide ihre Köpfe und Harry sagte: „Tut uns leid, Hermine… du bist noch nicht zum Frühstück erschienen, deswegen haben wir dich gesucht und Malfoy hat uns verhöhnt, als wüsste er was, das wir nicht wissen. Ja, und jetzt sind wir da.", schloss Harry etwas lahm, von Rons Kopfnicken bekräftigt. Ron fragte schließlich: „Also, kommst du jetzt mit uns frühstücken? Wir haben extra gewartet."

Hermine nickte besänftigt und ging mit den beiden nach draußen. Weder Pansy noch Malfoy waren in Sicht, also fragte Hermine Harry leise nach den Horkruxen. „Sag mal, Harry, wie läuft Du-weißt-schon-was jetzt? Dumbledore hat dir schon lange keine Einladung geschickt, nicht?" Harry antwortete: „Es geht auch… stockend. Wir kommen einfach nicht weiter. Die Artefakte von Tom und seiner Familie waren fast zu leicht. Der Ring und das Tagebuch. Und das Medaillon von Slytherin konnte Dumbledore ausfindig machen, auch wenn wir es noch nicht zerstört haben, weil-" „Harry", unterbrach Hermine ihren besten Freund, „wir wissen das alles schon. Wir wissen, dass die alte Kröte Umbridge das Medaillon besitzt. Was gibt es Neues an der Front?"

„Nun, nicht viel in der Tat." Er seufzte. Dann zählte Harry an den Fingern an: „Voldemort selbst- eins. Dann wahrscheinlich die Schlange, die deinen Dad angegriffen hat, Ron- zwei. Der Ring, das Tagebuch, das Medaillon von Slytherin. Weil Dumbledore aufgrund Slughorns Erinnerung glaubt, dass Voldemort sieben angefertigt hat, fehlen nach unserer Rechnung noch zwei. Es kommen nur noch Hufflepuff, Gryffindor und Ravenclaw infrage. Bei Hufflepuff existiert eine Teetasse-" „Becher, Harry, es ist ein Becher!", verbesserte Hermine ihren Freund. „Ja, jedenfalls kennt Voldemort ihn."

„Das haben wir aber schon hunderte Male durchgekaut, Harry.", sagte Hermine, enttäuscht, dass er nichts hatte. Also wandte sie sich an Ron: „Und du, Ron? Kennst du nicht irgendwelche Geschichten, die du in deiner Kindheit mitbekommen hast? Erzählungen, Sagen?" Ron runzelte die Stirn. „Klar wurde mir die Gründungsgeschichte von Hogwarts hunderte Male erzählt, aber dabei ist nur die Rede von dem Sprechenden Hut…"

Hermine keuchte auf. „Was ist – was ist – glaubt ihr – was wäre, wenn der Sprechende Hut ein Horkrux wäre? Ich meine, das Schwert, das Harry aus der Kammer des Schreckens mitgebracht hat, kann es nicht sein, es hat den Ring zerstört – und der Hut – er spricht, wie das Tagebuch! Und es heißt ja auch, dass die Gründer ihm Grips verliehen hätten, was wäre, wenn auch Voldemort…"

Harry zog die Augenbrauen zusammen. „Es klänge logisch, aber… direkt vor Dumbledores Nase? Das wäre zu dreist von Riddle gewesen… aber ich werde, wenn ich das nächste Mal im Schulleiterbüro bin, mal nachsehen. Einen Versuch ist es immerhin wert.", versprach Harry.