HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI
Fortsetzung von „Harry Potter und der Flug des Phönix"
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Kapitel 2 - Krokodilslächeln
Nach dem Frühstück stiegen Harry, Ron, Ginny und Draco die Treppen hoch zu ihren Schlafzimmern, schon ganz aufgeregt wegen der Aussicht auf einen Ausflug. Insgesamt waren jetzt schon zwei lange Wochen vergangen, seitdem man sie das letzte mal raus gelassen hatte, damit sie sich die Beine vertreten konnten.
Ron fing an sich anzuziehen und plapperte ununterbrochen, scheinbar gar nicht darauf achtend, ob die Sachen, die er gerade anzog, auch wirklich passten oder nicht.
Draco ging zum Umziehen ins Badezimmer, wie immer. Seine Erklärung dafür war, dass er sein Haar zähmen musste und dies Ruhe und höchste Konzentration erforderte. Harry hatte da jedoch so seine Zweifel. Er glaubte eher daran, dass Draco sich immer alleine umzog, damit Harry und Ron sein Dunkles Mal nicht sahen. Es war immer noch schwarz, und Harry wurde einmal unfreiwillig Zeuge davon, wie Blut daraus hervorsickerte. Dracos Gesicht wurde scharlachrot und er verbarrikadierte sich für die nächste Stunde im Bad.
Harry schlüpfte schnell in seine Jeans und ärmellosen Pullover, den er geschenkt bekommen hatte, darunter das Snape T-Shirt, dann öffnete er sein Pelzige-Pilze-Set und setzte sich damit auf Rons Bett.
Ron taumelte immer noch planlos durch die Gegend und versuchte verzweifelt, sich ein Sweatshirt über den Kopf zu zwängen, welches gut zwei Nummer zu klein für ihn war.
"Also, diese Pelzdinger", sagte Harry über seine Schulter zu Ron. "Die werden also so richtig lebendig sein?"
Ron nickte. "Yep, werden sie. Sind so was wie Haustiere, richtig putzig. Ich kann mich noch daran erinnern, als Bill seines damals mit nach Hause gebracht hatte."
Harry holte den Pflanzentopf aus der Schachtel und stellte ihn auf den Tisch am Ende des Bettes, dann suchte er nach den verschiedenen Samen. Er fand insgesamt drei, verschlossen in einem kleinen Beutelchen, jeder so groß wie eine Paranuss. Er holte den größten heraus und ließ ihn in den Top fallen, dann überlegte er, welches Farbpulver er verwenden sollte.
Er hatte sich gerade für grün entschieden, als die Badetür aufging und Draco herauskam, sein Haar wieder wie gewohnt zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Es wurde wirklich ziemlich lang. Draco sah mit jedem Tag, der verging, mehr und mehr nach seinem Vater aus.
"Oh, probierst du diese pilzigen Pelze aus?" sagte er.
"Pelzige Pilze", korrigierte ihn Harry und ließ das Puder in den Top rieseln. "Jupp... könnte ein Freund für Sneezy werden, würde ich sagen. So lange es funktioniert. Ihm ist langweilig und er hätte dann jemanden zum Spielen, der so groß wäre wie er selbst."
"Du kannst alle möglichen Sachen mit den Dingern anstellen", sagte Draco vage und spielte mit einer Strähne seiner Haare. "Verschiedene der Puder zusammenmischen und ein paar Zaubertränke dazu... die Ergebnisse sind manchmal wirklich schaurig, kann ich dir sagen. Du würdest nicht glauben, was die Leute schon alles beim Herumexperimentieren mit diesen Dingern entdeckt haben."
"Ich wills auch gar nicht wissen", sagte Harry grimmig. Er ging eine Gießkanne aus dem Bad holen und lies vorsichtig Wasser in den Top plätschern. "So! Jetzt warten wir ein paar Tage und es sollte sich was tun."
Ron lugte über Harrys Schulter und besah sich klumpige Masse in dem Pflanzentopf. "Was, wenn es mutiert oder so was in der Art? Und die Kontrolle über das Haus übernimmt?"
"Dann besorgen wir uns etwas Unkrautvernichter und das Problem ist gelöst", sagte Draco gelangweilt.
"Ju-uungs, wir gehen gleich, beeilt euch!", rief Mrs Weasley vom Fuße der Treppe.
Sie alle schnappten sich ihre Rucksäcke und machten sich auf den Weg nach unten. Der Grimmauld Platz sah genauso aus, wie Harry sich erinnerte – schwarz, düster und ausladend. Zum Glück würden sie sich bald daranmachen und das Haus renovieren.
Fred und George hatten ein paar ihrer Super-Klatscher-Dekoration 2003 gesponsert, und so, mit ein bisschen Glück, würde alles bald um einiges heller aussehen.
"Potter", sagte eine Stimme vom Korridor links von ihnen. "Ich muss einen Moment mit dir sprechen."
Harry sah sich um und sah Snape in seiner Zimmertüre stehen und ihn beobachten. Ron hatte einen beunruhigten Blick aufgesetzt, doch Harry sah ihn deswegen nur finster an und ging dann durch den Gang zu Snape. Der Professor hielt die Tür auf und er trat nach einem kurzen Zögern ein. Snapes Zimmer war anscheinend schon eingerichtet worden, von Snape selber, und alles schien sogar noch düsterer als normal zu sein.
Das Fenster war komplett verschwunden, ersetzt durch Kerzenleuchter, und der Boden war bis auf den Steingrund nackt. Ganz offensichtlich hatte Snape Heimweh und vermisste seinen kalten, steinernen Kerker.
Harry blickte von den Veränderungen des Zimmers zu Snape, der sich in einen alten, von Motten zerfressenen Lehnstuhl sinken ließ und ihm ebenfalls bedeutete, sich zu setzen. Nervös setzte Harry sich auf die Kante seines Sessels. Er fühlte sich immer wie ein Eindringlich in Snapes privaten Gemächern, sogar wenn der Professor ihn eingeladen hatte.
"Ich habe gerade eine Eule vom Schulleiter erhalten", sagte Snape gedehnt. Er sah ein zusammengerolltes Stück Pergament auf der Armlehne von Snape und erkannte die Handschrift als die Dumbledores.
"Es ist einmal wieder soweit, deinen persönlichen Unterricht zu ändern..."
Harry fiel absolut nichts ein, was er in diesem Augenblick hätte sagen oder fragen können, also saß er einfach weiterhin auf seinem Stuhl und starrte zwischen Snape und dem Brief hin und her. Snape lehnte sich zurück und beobachtete ihn über die Spitzen seiner zusammengelegten Finger. "Nun, da du genug Okkulmentik und Legilimentik zum Überleben gelernt hast, will der Schulleiter, dass du dich auf etwas weit mehr Nützlicheres konzentrierst ... und Gefährlicheres."
Harrys Augen weiteten sich ein kleines bisschen. "Nämlich?" fragte er sehr leise.
"Oh, verschiedene Sachen", erklärte Snape abwesend, während er sich den Brief noch einmal durchlas. "Geisteskontrolle, Löschen von Dingen aus dem Gedächtnis, Hinzufügen von Dingen in das Gedächtnis ... sogar, obwohl ich davon zutiefst abraten würde, Physische Manipulation durch Benutzung des Geistes."
Harry sah ihn erschrocken an. "Physische was bitte, Professor?"
"Physische Manipulation durch den Geist", sagte Snape und runzelte leicht die Stirn. "Das Verwandeln des menschlichen Körpers in eine kontrollierte Marionette durch Stimulierung besonderer Regionen im Gehirn."
"Wie... jemanden dazu zu zwingen, seine Nase zu berühren?" sagte Harry. "Wird für so etwas eigentlich nicht der Imperius Fluch benutzt?"
Snape schüttelte den Kopf. "Der Imperius Fluch kommt nicht an das heran. Jemanden seine Nase berühren lassen, von mir aus, jedoch eine spontane Selbstentzündung, nein. Durch physische Manipulation durch den Geist kann Dinge erzielen, die -"
"Spontane Selbstentzündung?", wiederholte Harry, sichtbar geschockt. "Sie werden mir zeigen, wie ich Leute explodieren lassen kann?"
Snape runzelte aufgrund der Unterbrechung die Stirn und fuhr fort, als hätte er Harry nicht gehört.
"Durch physische Manipulation kann der Geist kann Dinge erzielen, die man mit dem Imperius Fluch nie erreichen kann. Allerdings ist es auch höchst gefährlich und kann fürchterlich schief gehen. Ich würde viel dafür geben, das nicht mit dir durchmachen zu müssen, doch es geht nicht anders. Der Schulleiter denkt es ist an der Zeit, dein Training für deine letzte, entscheidende Herausforderung zu beginnen."
"Voldemort töten", sagte Harry ruhig.
Snape nickte. "Flüche haben dich bis hierher gebracht, wenn du jedoch den Dunklen Lord vernichten willst, wirst du mehr Fähigkeiten benötigen."
Harry machte sich allmählich Sorgen. Er sollte lernen einen fremden Geist zu manipulieren? Er wusste nicht ob es sehr lustig sein würde, wenn Snape die ganze Zeit in seinem Gehirn herumtollte.
Snape schien sein Zögern richtig zu deuten und sagte mit einem kleinen Anflug eines Lächelns: "Wir werden mit ganz einfach Dingen anfangen ... Und ich kann durchaus mit Stolz sagen, dass ich sehr bewandert bin in Dingen, die den Geist betreffen."
"Könnten die mir nicht einfach ne Knarre geben und mir beibringen, wie man damit schießt?", sagte Harry hoffnungsvoll. "So könnte ich Voldemort auch niedermachen."
"Die Wunden von Muggelwaffen", sagte Snape hochnäsig, "sind eine der am leichtesten durch Magie zu heilenden Wunden, die es gibt. Wir könnten dich genauso gut mit einem angespitzten Stock bewaffnet in den Kampf schicken."
"Ein spitzer Stock hört sich gut an, finde ich!" sagte Harry und ein Lächeln umspielte seine Lippen.
"Wo wir gerade davon sprechen ..." Snape stand auf und ging quer durch den Raum zu einem großen Schrank aus dunklem Holz. Er fing an die Schubladen zu durchsuchen, fand das, was er suchte, und ging zurück zu seinem Stuhl um sich zu setzten, dann reichte er Harry den Gegenstand.
Harry blinzelte überrascht. "Für mich?"
"Nein, ich will einfach nur, dass du da sitzt und das ein bisschen für mich hältst, einfach so, für nichts und wieder nichts."
Harry lächelte aufgrund des Sarkasmus in Snapes Stimme und studierte dann aufmerksam die kleine Box, die ihm Snape gereicht hatte. Sie war dünn und rechteckig, in schwarzen Samt gefasst und hatte an den Ecken kleine Silbernieten als Zierde.
"Etwas, von dem ich denke, dass es sich als praktisch erweisen könnte ... und von dem ich will, dass du es hast."
Harry schob, nun neugierig geworden, die Fingernägel in den Spalt an der Seite des Kästchens und zog es vorsichtig auf. Was er sah, ließ ihm den Mund aufklappen.
Sein Gesichtsausdruck ließ Snape leise glucksen. "Überraschung."
Harry langte in die Box und zog das Leder, das es umfasste, beiseite, dann zog er es heraus. Mit einem Gefühl aus Ekel wie auch Ehrfurcht starrte er auf das, was Snape 'nützlich' nannte.
Es war ein Dolch mit einer sehr dünnen und runden Klinge, fast schon wie ein Spieß. Das Heft war aus massivem Silber und glitzerte wegen den vielen blutroten Rubinen, die in das Metall eingelassen waren. Er war nicht überrascht, dass Snape ihm das nicht am Frühstückstisch gegeben hatte. Mrs Weasley hätte mit ihm den Boden gewischt.
"Er ist schon seit Generationen in meiner Familie", sagte Snape ruhig und lehnte sich nach vorne, um Harry die Worte 'Snape' zu zeigen, die auf der anderen Seite des Griffes eingraviert waren. "Da ich ihn nicht länger brauche ist es nun an der Zeit, dass du ihn trägst."
"Für was, zur Hölle, haben sie das Ding denn schon einmal gebraucht?" fragte Harry und starrte ihn an.
Snape hob eine Augenbrauche und sagte leise, in einem sehr gefährlichen Tonfall, "Vielleicht wenn du etwas älter und vernünftiger bist, dann werde ich es dir erzählen, die ganze Geschichte dieses Dolches hier. Für jetzt reicht es, wenn du ihn einfach bei dir hast ... nur für den Fall. Wenn du an deinen Zauberstab kommst, bei Merlin, benutzte ihn. Aber wenn nicht... dann kann dieser Dolch einiges an Schaden bei einem Angreifer anrichten."
"Sie hören sich jeden Tag mehr wir Mad-Eye Moody an", sagte Harry und ein ungläubiges Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. So vorsichtig er konnte legte er den Dolch zurück in die Box, dann ließ er sie zuschnappen. "Wo soll ich ihn denn aufbewahren? In meiner Tasche?"
"Lass auf jeden Fall immer das Leder darüber und binde ihn dir an deinen Arm, unter den Ärmel", sagte Snape ihm ruhig. "Ich denke, ich muss dir nicht sagen, dass du dies absolut niemanden sagen wirst, Potter ..."
Harry lächelte leicht. "Wenn Mrs Weasley rausfindet, dass sie mir ein Messer gegeben haben..."
Snape verzog das Gesicht zu einer Grimasse. "Hmm... In der Tat, Potter. Dann wird sie es wohl nicht erfahren, richtig?"
"Ich hoffe doch nicht", sagte Harry. Er öffnete seinen Rucksack und ließ den Dolch mitsamt der Hülle hineingleiten, inständig hoffend, ihn in nächster Zeit nicht benutzen zu müssen. "Kommen Sie mit auf unseren Ausflug?", fragte er Snape.
"Nein", war die Antwort und Snape schaute dabei sehr erfreut aus der Wäsche. "Ich habe Lupin dazu überredet, euch statt meiner zu begleiten. Ich habe einen Werwolfs-Bann Trank zu brauen, der bis morgen fertig sein muss, oder ihr werdet alle noch in euren Betten aufgefressen."
"Oh, danke für diese nette kleine Info..."
"War mir ein Vergnügen." Snape stand auf, brachte Harry zur Tür und hielt sie auf. "Versuch dich mal ein bisschen auszupowern, sonst gehst du mir mit deiner überschüssigen Energie nur wieder auf die Nerven..."
Harry lächelte. "Jawohl, Sir."
Snape lächelte zurück und schloss hinter sich die Türe. Harry ging den Weg zurück und in die Diele. Alle warten bereit zum Abmarsch und standen um einen Halbkreis vor der Türe, der mit Kreide auf den Boden gemalt worden war. Harry wusste, dass diese Linie die Mrs Black-Gefahrenzone eingrenzte. Jegliches Geräusch innerhalb dieser Grenze würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Portrait von Sirius' Mutter aufwecken, und die war nach dem Aufwachen fast so schlimm wie Snape.
"Also dann", sagte Lupin der an der Tür stand und sie alle anlächelte. "Alle fertig? Bill, Molly, Tonks und ich werden mitkommen, also wäre es am besten, wenn wir immer paarweise gehen, immer einer von euch mit einem Erwachsenen, nur für den Fall, dass wir getrennt werden. Harry, du kommst mit mir. Ron, du kannst mit deiner Mutter gehen. Tonks, ich bin sicher, du kannst ein Auge auf Ginny werfen. Draco, du gehst mit Bill. Alle einverstanden?"
Als sie alle nickten öffnete er die Tür und brachte sie hinaus zur Straße. Harry ging hinaus in die warme Sommerluft, nahm einen tiefen Atemzug und spürte, wie frischer Sauerstoff durch seine Lungen strömte. Es wunderbar, endlich wieder raus zu können, nachdem er so lange im Haus eingesperrt gewesen war.
Die Sonne schien geradezu auf sie hinunterzulächeln als sie sich auf den Weg zum Einkaufszentrum machten.
Mrs Weasley stritt sich gerade mit Ron über dessen Haare. "Dieser fürchterliche weiße Streifen, Ron... Ehrlich, ohne sah es so viel besser aus."
Ginny und Tonks unterhielten sich freudig über ein baldiges Quidditch Spiel, und Draco löcherte Bill mit Fragen über Archäologie. Draco schien sehr interessiert an Bill zu sein, seitdem er gesehen hatte, dass Snape ihn freundlich begrüßt hatte. Also hatte er angefangen, Bill während den Abendessen eine Menge über Ägypten zu fragen.
"Und was ist mit den Flüchen aus dieser Pyramide?", fragte er in diesem Moment neugierig und ging neben Bill her.
"Naja, das meiste sind ganz gewöhnliche Flüche", erklärte Bill. "Einer der am meist verbreiteten ist der, der nur dann in Aktion tritt, wenn das Grab zum ersten Mal geöffnet wird und daher meist auch nur die Leute angreift, die zum ersten Mal dort drinnen sind."
"Und was passierte mit diesen Muggeln?" sagte Draco, der Bill so gebannt lauschte, dass er fast in einen Laternenmast gerannt wäre und erst im letzten Moment auswich.
"Ziemlich oft eine recht hässliche Angelegenheit", sagte Bill. "Die Ägypter machen die beachtenswertesten Flüche, die es gibt, sehr schwer zu brechen, wenn man nicht einiges an Übung darin hat."
"Und wie hast du diese Übung bekommen?", fragte Draco und hob eine Augenbraue.
Bill lächelte zu ihm runter. "Einiges an Training und hartes Arbeiten für meine UTZe."
"Was für UTZe hast du denn gewählt?"
"Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Kräuterkunde, Zauberkunst, Verwandlung, Zaubertränke, Alte Runen und Geschichte der Zauberei."
"Hmm... Zauberkunst, Kräuterkunde oder Geschichte der Zauberei hab ich nicht genommen. Dafür Reine Künste und Astronomie."
"Astronomie könnte nützlich sein", sagte Bill. "Aber es könnte sein, dass du danach einen Kurs für Geschichte der Zauberei belegen musst, wenn du bei Gringotts als Fluchbrecher anfangen willst. Wenn du nicht wirklich sehr gute Noten in deinen UTZen bekommst, dann kann es sein, dass du zuerst ein bisschen in der Bank arbeiten musst, und dafür brauchst du Arithmantik."
"Und außerdem musst du hässlicher sein als die Kobolde, dann werden die nicht eifersüchtig", unterbrach Ron.
"Ja", sagte Draco gelangweilt. "Ich denke, das könnte ein Problem werden." Er lachte in sich hinein. "Warum eigentlich nur 'könnte'?"
Ron warf ihm einen äußerst empörten Blick zu. "Du solltest mal wirklich deine Augen aufmachen und dir einen Spiegel kaufen, weißt du, da könntest du eine Menge lernen..."
Draco lächelte zuckersüß. "Wenn du mir das Geld leihst, dann wäre es mir ein Vergnügen, mir einen zu besorgen."
Und mit diesen Worten ließ er einen verdutzten Ron neben Harry stehen und flitzte wieder zu Bill, um ihn ein paar mehr Dinge zu fragen. Harry zog eine Augenbraue hoch, als er das Gesicht seines Freundes sah, und Ron sagte einfach nur, "Ich hab keine Ahnung, wen er damit gemeint hat."
"Vielleicht besser so", antwortete Harry lächelnd.
"Oh Mann, ich werd dir niemals vergeben, dass du ihm erlaubt hast, hier zu bleiben", grummelte Ron vor sich hin, als sie über die Straße gingen.
"Es ist mein Haus", sagte Harry. "Und wer immer sage, kann dort bleiben."
"Nun gut", sagte Ron und zuckte mit den Schultern. "Wird wohl so sein. Aber wenn Crabbe und Goyle wieder kommen, dann hört bei mir der Spaß auf. Der Gestank würde uns alle umbringen."
Harry kicherte und sie beeilten sich, Lupin wieder einzuholen. Ein paar Minuten später gingen sie durch die Doppeltür eines Muggel-Einkaufszentrums. Ron schnappte nach Luft und blinzelte.
"Schau dir mal alle diese Farben an! Das ist schon ein bisschen zu krass... Wie werden die Muggel denn damit fertig? Uärgh, schau dir mal das Pink dort an. Das leuchtet ja schon fast..."
"Muggel sind in der Hinsicht ein bisschen moderner als Zauberer", antwortete Harry mit einem leichten Lächeln.
"Du meinst, sind ein bisschen farbenblinder als wir", sagte Ron und rümpfte die Nase, als sie gerade an einem großen Schaufenster eines Sportgeschäfts mit orangen und blauen Trainingsanzügen vorbeigingen.
"Ihr würdet mich da nicht mal tot reinbekommen, ich schwör's euch!"
"Es ist wirklich eine Schande, dass Dad heute arbeiten muss", sagte Bill. "Er wäre ganz verrückt nach all diesem Kram hier gewesen. Aber so wie ich ihn kenne, hätte er wahrscheinlich zwei Drittel des Ladens leer gekauft und alles mit nach Hause geschleppt."
Lupin war stehen geblieben und sah die Gruppe an. "Schaut so aus, als würden wir ab hier getrennt weitergehen", sagte er und wirkte dabei etwas beunruhigt. "Wir sollten jetzt also in unseren Pärchen weitergehen und uns dann wieder hier treffen, so in einer Stunde... Wenn es irgendwelchen Ärger gibt, haben wir unsere – na, ihr wisst schon."
"Wisst was?" sagte Ron und sah interessiert die Erwachsenen an. "Was habt ihr denn?"
"Nicht deine Sache", sagte Mrs Weasley sofort. "Komm jetzt, ich will mir noch ein paar von diesen Muggelkleidern ansehen..."
Damit verschwand sie mit Ron, sein frustriertes Stöhnen ignorierend. Tonks und Ginny verließen sie und schlugen den Weg zu einem Juwelier ein, dann verschwanden Draco und Bill in der Nähe eines großen Bücherladens ganz in der Nähe der Eingangstüren.
Lupin wandte sich Harry zu und lächelte. "Also", sagte er. "Wo soll's hingehen?"
"Irgendwo hin, ist mir egal", sagte Harry schulterzuckend. "Wir könnten einfach ein bisschen rumgehen und uns umsehen, denke ich. Sie sind noch nicht oft in Muggelgeschäften gewesen, oder?"
"Nicht wirklich", hab Lupin zu. "Dann lass uns mal hochgehen und da ein bisschen rumschauen." Damit blickte er zur Rolltreppe und sah dabei ein wenig besorgt aus. "Die Treppe scheint kaputt zu sein, Harry, ich glaube nicht, dass das sicher ist. Wir sollten uns einen anderen Weg suchen."
Harry lächelte, führte Lupin zur Rolltreppe und machte einen Schritt darauf. "Es fährt einfach immer die ganze Zeit nach oben", erklärte er, als Lupin es ihm nervös nachtat und sich sofort an der Seite festklammerte. "Oben geht man dann einfach wieder runter."
Er zog die Augenbrauen hoch. "Ach, so ein Ding ist das? Arthur hat mir gestern was darüber erzählt, aber ich hab nicht so ganz verstanden, was er mir eigentlich sagen wollte... Ich glaub nicht, dass ich das mag, Harry..." sagte er noch und betrachtete nervös die Leute, die an seiner Seite nach unten glitten. Seine Hände schlossen sich fester um das Geländer. "Nein, definitiv nicht!"
"Sie werden sich schon noch daran gewöhnen", sagte Harry und trat mit einem leichten Lächeln von der Rolltreppe und half anschließend Lupin. "Tante Petunia hasst sie auch. Sie zwingt Onkel Vernon und Dudley immer dazu, Treppen zu steigen."
"Mit guten Grund", sagte Lupin, während er einen unsicheren Blick zurück über die Schulter warf.
Die meiste Zeit ihrer Stunde liefen sie einfach nur planlos durch die verschiedenen Geschäfte, blickten in Schaufenster und unterhielten sich über Gott und die Welt. Harry hatte ein bisschen Muggelgeld dabei (Mr Weasley hatte zum Anfang der Ferien bei Gringotts ein wenig umgetauscht, schließlich würden sie die meiste Zeit zwischen Muggeln leben), auch wenn er nicht wirklich viel davon ausgab. Er und Lupin tranken einen Kaffee und er kaufte tatsächlich einen Plastikkessel voll mit Süßigkeiten für Halloween, von dem er sicher war, dass sich Mr Weasley darüber freuen würde. Sonst hielten sich ihre Ausgaben in Grenzen, bis sie an einem äußerst exquisit aussehenden Juwelier vorbei kamen und Harry stehen blieb.
"Professor, könnten wir hier mal kurz stehen bleiben?"
Lupin drehte sich um und nickte, als er zu ihm kam. "Irgendwas interessantes entdeckt?"
Harry nickte. Seine Augen hingen an einer goldenen Halskette mit herzförmigen Anhänger, die im Schaufenster hing. Er wusste, dass er schon sehr bald Kainda wieder sehen würde, und er wollte auf keinen Fall ohne ein Geschenk bei ihr auftauchen. Zuvor hatte er ja schon gegrübbelt, ob er ihr nicht auch einen Liebestrank schenken sollte, quasi als Antwort auf den ihren, aber nun, da er die Halskette entdeckt hatte...
"Ich bin nur mal schnell was kaufen," erklärte Harry Lupin, als er auch schon den Laden betrat. Ein paar Minuten später verließ er den Laden wieder, die Kette sicher verstaut in einer Tasche, der Geldbeutel hingegen spürbar leichter. Lupin lächelte ihn an. "Fertig?"
Er nickte und war schon dabei, Lupin zum Aufzug zu folgen, als ihn etwas ganz plötzlich stehen bleiben ließ. Er hörte ein merkwürdiges Geräusch hinter sich, wie ein Flüstern. Neugierig geworden, drehte er sich um und wieder dem Laden zu. Das, was er in einer Spiegelung des Fensters sah, ließ ihn erschrocken nach hinten springen und dabei fast Lupin von den Füßen werfen. Es war ein einzelnes Gesicht, das Harry schon viele Male zuvor gesehen hatte, wenn auch nur in seinen Träumen. Das grobe Aussehen eines menschlichen Jungens, jedoch mit der Haut eines Löwen, den Augen eines Adlers und einem Maul voller scharfer Krokodilszähne. Der Junge lächelte ihn an. Lächelte einfach nur... Die Vision verschwand so schnell, wie sie gekommen war und die merkwürdige Reflexion verblasste. Harrys Herz schlug so schnell, dass er befürchtete, es könnte jeden Moment abhauen. Ihn ihm machte sich ein bedrückendes Gefühl breit, so, als hätte er das Gesicht irgendwo schon einmal gesehen, aber wüsste nicht wo.
"Harry?" sagte Lupin erwirrt, als er sich umdrehte um zu sehen, was los war.
"I-... Ich hab... Da im Fenster –", stammelte Harry, auf das Fenster deutend. "Da war ein Gesicht, wie von einem M-... Monster..."
Lupin versteifte sich ein wenig. "Das ist nichts, Harry, keine Sorge... War wahrscheinlich einfach nur irgendeine merkwürdige Spiegelung. Diese Muggel Beleuchtung ist echt die Hölle."
"Nein, nein, ich hab's gesehen", protestierte Harry und griff nach Lupins Arm. "Es sah aus wie ein Junge, nur... Ich bin mir hundert prozentig sicher, Professor! Ich hab das wirklich gesehen."
Lupin klopfte ihm beruhigend auf die Schulter. "Nun, jetzt ist da auf jeden Fall nichts mehr, Harry... Komm schon, wir sind eh schon zu spät dran. Bleib nahe bei mir, die Menge wird immer aufdringlicher." Damit setzte er sich in Bewegung. Harry warf noch einen letzten Blick zurück zum Fenster und für einen winzigen Moment dachte er, ein Schatten würde vorbeihuschen, als Lupin auch schon nach ihm rief. Er beeilte sich, seinen Professor einzuholen und musste kämpfen, um in der Menge nicht unterzugehen. Er konnte das schrecklichte Gefühl nicht abschütteln, beobachtet zu werden und jedes mal, wenn er an einem Schaufenster vorbeikam, achtete er darauf, nicht einmal den kleinsten Blick in dessen Richtung zu werfen. Trotzdem war er sicher, ein kurzes Aufblitzen von rasiermesserscharfen Zähne in den Fenstern der Schiebetür gesehen zu haben, selbst als er das Einkaufszentrum schon wieder verlassen und Mrs Weasley ein Picknick vorgeschlagen hatte.
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"Alles in Ordnung mit dir?", fragte Ron, der ihn über den Rand seines Quidditch Magazins ansah. "Du hast kaum ein Wort gesagt, seit wir aus dem Einkaufszentrum raus sind."
"Mir geht's gut", sagte Harry. Mit einem leichten Seufzer gab er Sneezy eine weitere Erdnuss zu Essen. Sie waren schon vor ein paar Stunden von ihrem Ausflug zurück gewesen, aber Harry fühlte sich immer noch paranoid und besorgt. Trotzdem, immer wenn er sich überlegte, mit jemanden darüber zu sprechen, konnte er nicht die richtigen Worte finden, mit denen er erklären konnte, was ihm so Angst machte.
Als sie sich zum Picknick setzten, hatte er sich überlegt, ob Mrs Weasley ihm vielleicht helfen könnte, dann hatte er an Bill gedacht, der schließlich eine Menge Erfahrung mit Dunklen Kreaturen hatte. Als sie nach Hause kamen saß Snape am Tisch und korrigierte Aufsätze. Klar, wenn er jemanden von all dem erzählen konnte, dann war es sein magischer Beschützer – aber irgendetwas hielt ihn zurück. Er hatte keinerlei Beweise, und Snape war in dieser Hinsicht nicht gerade der umgänglichste Typ.
Er sah zu Ron, seinem besten Freund, und fragte sich, ob er es nicht ihm erzählen könnte. Dann wanderte sein Blick weiter zu Draco, der auf seinem Bett fläzte und etwas zeichnete. Draco könnte vielleicht etwas über seltsame Gesichter wissen, die in Glasscheiben auftauchten und gleich wieder verschwanden. Hatte es vielleicht etwas mit einem schwarzmagischen Gegenstand zu tun? Dracos Familie hatte hunderte solcher Objekte gehortet. Aber dann merkte Harry, dass er es einfach niemandem erzählen konnte. Dass es einfach zu bescheuert klingen würde. Er konnte sich nur zu gut Dracos Reaktion vorstellen, wenn er ihm erzählte, er würde Gesichter in Glasscheiben sehen.
Er mochte das letzte Jahr vielleicht recht tolerant geworden sein, doch bewusst zugeben tat er das noch nicht.
"Du siehst ziemlich... fertig aus", sagte Ron, der ihn genau beobachtete.
Harry zog die Schultern hoch. "Einfach nur gelangweilt, schätze ich."
Ron nickte und gähnte. Sie alle waren gelangweilt. Harry konnte sich nun leise vorstellen, wie sich Sirius die letzten zwei Jahre gefühlt haben musst, dazu gezwungen, in diesem Haus zu verweilen, ohne dass jemals wirklich etwas aufregendes passiert wäre.
Das Geräusch der sich öffnenden Eingangstüre ließ ihn aufhorchen. Er hörte, wie sie wieder geschlossen wurde und wie jemand gewaltige Mengen an Krempel in der Halle ablud. Ein paar Momente, und vielleicht auch eine Überprüfung, ob der Ankömmling, wer immer es auch war, in sicherer Entfernung von der Mrs Black Gefahrenzone war, später hörte er Mr Weasleys Stimme durchs Haus schreien. "Molly! Kinder! Kommt schnell, ich habe unglaubliche Neuigkeiten!"
Harry, Ron und Draco sprangen aus den Betten und spurteten nach draußen, wo sie Ginny und Tonks trafen, die über das Geländer nach unten schauten. Mr Weasley strahlte ihnen aus der Halle entgegen, und zu Harry Überraschung hielt er unter einem Arm einen Muggel Fernseher, in der anderen Hand einen Umschlag. Auf seinem Kopf befand sich ein riesiger Party Hut mit einem 'M' darauf.
"Was, bei allen guten Geistern, ist das denn?" sagte Ron und starrte auf den Fernseher, als würde dieser gleich explodieren.
"Den hab ich mit meinen Gehaltsbonus gekauft", er grinste in die Runde. "Ich wurde befördert!"
Ron und Ginny jubelten und sprangen förmlich die Treppe herunter um ihren Vater zu umarmen, ihm Fragen zu stellen und den Fernseher aufgeregt zu untersuchen. Alle anderen kamen eher gemächlich dazu, dann gingen sie alle in die Küche und setzten sich. Mrs Weasley, die gerade beim Abtrocknen war, schmiss die Schürze weg und eilte herbei, um ihren Ehemann zu umarmen.
"Oh Arthur, endlich! Gut gemacht!" sagte sie.
Er grinste und strich ihr über den Rücken. Dann stellte er den Fernseher auf dem Küchentisch ab. Draco betrachtete ihn mit dem allergrößten Misstrauen und zusammengezogenen Augenbrauen. "Was tut dieses Ding genau?"
"Das ist doch eines von den Dingen, die die Muggel benutzen, um Essen warm zumachen, oder? Sagte Ginny und blickte ihren Vater an. "Luna hat mir davon erzählt... Ihre Tante arbeitet mit Muggeln zusammen."
"Zu was wurdest du befördert, Arthur?", fragte Mrs Weasley und blickte ihren Mann an.
"Ich bin nun offizieller Minister für Inter-Muggel Beziehungen", sagte er stolz. "Er werde jede Menge Kontakt mit Muggeln haben und mehr über sie herausfinden. Du-weißt-schon-wer ist wieder zurück, und wer weiß, was jetzt passiert. Wenn er anfängt, die Muggel anzugreifen, braucht das Ministerium jemanden, der die Ruhe bewahrt und eine Panik verhindert. Und diese Person bin ich!" Er strahlte und lachte. "Cornelius sagte, es könne gut sein, dass ich mit der Muggel Königin Tee trinken werde! Ich!"
"Oh, das ist wundervoll, Arthur!" sagte Molly, die ihn schon wieder umarmte.
Draco hingegen inspizierte den Fernseher eingehender, ließ die Finger über das Glas wandern. "Hmm... Ich glaube so was habe ich letzten Sommer schon einmal gesehen..."
"Und du warst du damals?" sagte Ron schnell. Er versuchte schon den ganzen letzten Monat aus Draco heraus zu pressen, wo sich dieser den letzten Sommer aufgehalten hatte, aber weit gekommen war er damit nicht.
"Irgendwo", sagte Draco mit deutlich kühlerer Stimme.
Vielleicht hatte Lupin die steigende Spannung zwischen den beiden Jungen bemerkt, auf jeden Fall sprang er auf und sagte. "Tee wäre gut, denke ich... Ron, könntest du mir helfen? Und Draco, häng doch bitte den Umhang von Arthur auf."
Draco und Ron starrten sich noch einen Moment lang finster an, dann verschwanden sie. Harry sah ihnen beiden einen Moment hinterher. Rons Nacken war ziemlich rot, und Dracos linke Hand war fest zu einer Faust geballt, als er den Raum verließ.
Glücklicherweise setzte sich Mr Weasley in diesem Moment um den Fernseher zum Laufen zu bringen und der mögliche Streit war abgewendet. Oder vielleicht auch nur verschoben ...
