HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

KAPITEL 4 – Liebenswürdigkeiten und Schriftrollen

Nachdem Harry an die Tür mit der Nummer 18 geklopft hatte, herrschte für ein paar Augenblicke Stille, während derer er wartete und hoffte, dass er das richtige Zimmer erwischt hatte. Dann rief von drinnen eine bekannte Stimme; eine, die er seit langer Zeit nicht mehr gehört hatte und sein Magen schien sich zu verknoten, als er sie hörte.

„Hallo?"

Er biss sich auf die Lippe und während der den Drang unterdrückte, die Tür aufzureißen und laut: „Überraschung!" zu rufen, drehte er den Türknauf, öffnete die Tür und trat ein.

Es war ein ziemlich kleines Zimmer mit einem dunkelgrünen Teppich unter seinen Füßen und die Wände waren mit einer sanften Pistazienfarbe gestrichen, mit hier und da ein wenig Weiß, als wären es Wolken. Es gab nur ein Fenster und der Vorhang war zugezogen, deshalb lag alles in einem sanften Schatten. Doch Harry nahm sich nicht wirklich viel Zeit, um die Einrichtung zu bewundern, denn er war viel mehr an dem Bett auf der anderen Seite des Raumes interessiert – und natürlich an der Person, die darin saß und ein Buch las, das auf ihrem Schoß lag. Er spürte einen seltsamen Knoten in seinem Hals, als er die Tür hinter sich schloss und zum Stuhl neben dem Bett hinüber ging.

Sie sah ihn mit verengten Augen genau an, während er sich setzte, und dann sagte sie mit misstrauischer Stimme: „Ich denke, dass Sie im falschen Zimmer sind ..."

Sie erkannte ihn nicht. Harry war angesichts dessen ein wenig verletzt, doch dann fiel ihm ein, dass er natürlich getarnt war und ihn niemand erkannte. Er lächelte ein wenig. „Erinnerst du dich nicht?", murmelte er.

Sie starrte ihn an und ihr Gesicht sah verwirrt aus, bevor es plötzlich klickte. Er konnte die Erkenntnis auf ihrem Gesicht sehen und es war verblüffend zu beobachten, wie ihr der Mund auffiel und sie herausbrachte: „Ich- ... Harry?"

Er lächelte wieder. „Also steht mir das Blond nicht", sagte er mit erhobener Augenbraue.

Sie starrte ihn ein paar Momente lang an, bevor sie blinzelte und dann mit einem verwirrten Lächeln auf den Lippen sagte: „Du ... ich wusste nicht, dass du kommst ... was ist mit deinen Augen? Fluchschäden sind im vierten Stock, das sollte sich besser mal ein Heiler ansehen."

Harry lachte. Er hatte gar nicht gewusst, wie sehr er ihren Sinn für Humor vermisst hatte. Hier war sie also, in St. Mungos, nachdem sie fast durch ein Gift gestorben war, und trotzdem war sie immer noch so sorgenfrei, wie er sie in Erinnerung hatte. „Es war kein Zauber, es war ein Trank."

„Dann bist du am richtigen Ort", sagte sie grinsend. „Das Essen ist nicht wirklich gut, aber immerhin bringt es einen nicht um."

„Wie geht es dir inzwischen?", fragte er. „Darfst du schon richtige Mahlzeiten essen?"

Sie nickte, lehnte sich ein wenig aufrechter an ihre Kissen und legte ihr Buch beiseite. „Sie haben den Großteil meines Magens wieder hingekriegt, und er kann Essen verdauen, allerdings nichts zu Würziges oder Heißes ... meine Muskeln waren am Schlimmsten betroffen. Aber die Heiler werden mir bald einen Rollstuhl besorgen, dann kann ich herumfahren. Ich kann es nicht erwarten, aus diesem Zimmer zu kommen ... ich hab seit einem Moment nur dieses Grün gesehen ... und wie geht es dir? Was ist passiert, während ich weg war?"

Harry lächelte matt. „Nun ... Lord Voldemort hat die Schule angegriffen und wir haben die Hälfte der Schüler verloren ... ich bin ein paar Mal fast umgebracht worden ... Draco hat eine halbe Million Punkte für Slytherin bekommen, dann haben wir im Lehrer gegen Schüler Quidditch Spiel verloren. Wir haben uns für die Ferien getrennt, ich bin einen Moment lang im Dunkeln gesessen und jetzt bin ich hier."

„Also war alles immer nur Friede, Freude, Eierkuchen, hm?", sagte sie.

„Eigentlich schon", sagte er mit einem leichten Lächeln.

„Was ist beim Quidditch Spiel passiert? Irgendwas, das mich interessieren könnte?"

„Madam Hooch hat Ginnys Knöchel gebrochen."

„Oh, wie nett von ihr."

„Und Professor Sinistra hat mit dem Quaffel fast Dracos Nase gebrochen."

„Also war es ein wirklich ruhiges und langweiliges Spiel." Sie lächelte, nahm ein Glas Wasser vom Nachttisch und trank kurz daran. „Wer hat statt mir gespielt?"

„Alrister", sagte Harry. „Er hat mit den Bright Sparks gespielt, um dich zu ersetzen ... aber er war nicht so gut."

Sie grinste, seufzte und warf einen Blick in ihr Wasser. „Ich werde Quidditch vermissen ..." Auf seinem neugierigen Blick hin, hob sie den Kopf wieder und ein sehnsüchtiger Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht. „Meine Muskeln wurden zu schwer beschädigt ... die Heiler glauben nicht, dass ich je wieder richtig auf einem Besen fliegen kann, geschweige denn zur gleichen Zeit einen Schläger schwingen." Sie sah finster in ihr Glas. „Heilerin Webb schlug freundlicherweise Muggelgolf vor. Irgendwie gefällt mir das nicht."

„Du wirst nie wieder spielen?", sagte er traurig.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein ... nun." Sie seufzte wieder und stellte das Glas auf den Nachttisch. „Sie haben es mir erst vor ein paar Tagen gesagt. Sie fragten, was ich mit einem Leben anfangen wolle, um zu sehen, dass ich keine Schwierigkeiten haben würde, und ich sagte Quidditch. Du hättest ihre Gesichter sehen sollen. Dumme Heilerin Webb ... ‚Ich denke nicht, dass das die angemessene Karriere für ein nettes Mädchen wie dich ist.' Hast du sie gesehen, als du gekommen bist?"

„Ich glaube nicht. Wie sieht sie denn aus?"

„Sie ist wirklich alt ... ganz dünn und faltig und böse." Kainda zitterte und starrte die Wand an. „Mums Tante. Als ich hierher gekommen bin, schickte sie Webb eine Eule und bat sie, auf mich Acht zu geben."

„Was denkt deine Familie von all dem?", fragte er vorsichtig. „Ich meine ... es war Blaise, der dir das angetan hat, er ist jetzt in Askaban ..."

Sie nickte und ein grimmiges Lächeln kräuselte ihre Lippen. „Mmm, immerhin hat es etwas Gutes. Mum und Dad kommen jede Woche und besuchen mich zwanzig Minuten lang, geben Interviews im Tagespropheten und sagen, wie wütend sie auf Blaise sind. Wie betrogen sie sich fühlen. Ich weiß aber, dass es ihnen überhaupt nicht Leid tut ... mein Dad ist genau wie Blaise. Er denkt wahrscheinlich, dass ich Blaises glorreicher Arbeit nur im Weg war."

„Es tut mir Leid, dass sie so denken", sagte er und er meinte es wirklich. Nicht nur hatte sie ihre Zukunft im Quidditch verloren, sondern auch ihre Familie und einen großen Teil ihrer Ausbildung. Er legte seinen Arm sanft um ihre Schultern. Sie lehnte sich an ihn, ließ den Kopf auf seinen Schulter fallen und es verwandelte sich in eine Umarmung. Er hatte ihren Geruch so sehr vermisst. Es war nur etwas Winziges, etwas, das ihm noch nie zuvor aufgefallen war, aber sie roch seltsam warm und beruhigend, wie eine weiche Decke in einer kalten Nacht.

„Ich habe dich vermisst", sagte ihre Stimme in seinem Ohr. Sie atmete sanft ein. „Ich hatte gehofft, dass du mich besuchen würdest ... es ist hier ziemlich einsam, mit nur den Heilern und meinen dummen Eltern einmal in der Woche."

Er hatte nie gewusst, dass Kainda jemand war, der einsam sein konnte, aber das ließ ihn erst erkennen, wie schrecklich es für sie hier gewesen sein musste, ohne Freunde, die sie besuchten. Er klopfte so sanft er konnte ihren Rücken, damit er sie nicht verletzte, und dann fragte er leise: „Wohin wirst du gehen, wenn du hier raus darfst?"

Sie lächelte an seinen Hals. „Ich dachte, dass du das fragen würdest .. ich habe gute Neuigkeiten ... Dumbledore hat mir vor ein paar Wochen geschrieben. Er sagte, dass ich so viel vom Schuljahr und meine UTZe versäumt habe, dass er mich zurückkommen und das siebte Jahr noch einmal machen lässt. Damit ich ordentliche Qualifikationen habe und einen guten Job bekomme ... immerhin kann ich nicht mehr Quidditch spielen."

„Also kommst du zurück?", sagte er glücklich. „Das ist wunderbar! Dann bist bei uns allen ... welche UTZ Kurse hast du belegt?"

„Dunkle Künste, Reine Künste ... ähm ... Zaubertränke, Pflege magischer Geschöpfe, Kräuterkunde und Muggelkunde", antwortete sie. „Hast du auch welche von denen?"

Er nickte. „Reine Künste, Zaubertränke, Dunkle Künste, Magische Geschöpfe. Also haben wir immerhin ein paar Stunden gemeinsam." Er lächelte und küsste sanft ihre Wange. Wieder traf ihn die Erkenntnis, wie sehr er sie vermisst hatte. Ihre Zuversicht und entspannte Einstellung rieben auf ihn ab und er fühlte sich besser; egal, wie schlecht die Dinge standen, irgendwo dort draußen gab es eine Zukunft.

„Weißt du, wer heuer Dunkle Künste unterrichtet?", fragte sie, noch immer an ihn gelehnt und ihr Atem kam in kleinen warmen Strömen an seinen Hals.

„Lupin", murmelte er. „Er hat schon zwei Jahre hinter sich ... ich denke, dass das mit dem Fluch auf dem Dunkle Künste Posten immer nur Zufall war ..."

Sie nickte ein wenig und er fühlte ihre Lippen an seinem Hals. „Heute kein Halsband ... er hat dich endlich gut trainiert, oder?"

Er lächelte. „Ja ... ich sollte es zwar jetzt tragen, aber ich hab es einfach zu Hause gelassen ..."

Sie lachte sanft ihr Glucksen voller Vergnügen. „Du wirst in Schwierigkeiten sein, wenn du heim kommst, hm?"

„Ich würde gerne sehen, wie er mich fängt", sagte Harry grinsend. Er zog sie näher zu sich und rieb sanft ihren Rücken. Er seufzte leise und glücklich. Er hatte dieses Gefühl, dass das alles war, was er brauchte; jemanden, den er lieben und auf den er Acht geben konnte, obwohl er wusste, dass er das niemals zugeben würde, nicht einmal gegenüber Kainda.

„Also ... was soll das mit der Tarnung?", fragte sie neugierig und streckte die Hand aus, um eine seiner blonde Strähnen in die Hand zu nehmen. „Du siehst wirklich anders aus."

„Oh ...", sagte er und erinnerte sich mit einem schweren Gefühl im Magen an den Artikel im Tagespropheten. „Weißt du ... ich musste irgendwie ins Gebäude ohne erkannt zu werden."

Sie zog die Hand zurück und sah ihn lächelnd an, während sie eine Augenbraue hob. „Sind wir jetzt auf der Flucht, oder?"

„Irgendwie", gab er zu. „Draußen waren ziemlich viele Reporter ... und ... nun, ich weiß nicht genau, wie ich es sagen soll, aber heute morgen im Tagespropheten – "

Zu seiner Überraschung gluckste sie. „Ich bin nicht so krank, dass ich keine Zeitung mehr lesen kann, Harry."

„Du weißt es?", sagte er und hob eine Augenbraue.

Sie nickte mit einem kleinen Lächeln. „Webb kam heute herein, während ich gerade frühstückte und wedelte damit herum und wollte unbedingt wissen, was ich mir eigentlich dabei dachte und warum ich mit einem Jungen aus Gryffindor ausging." Sie grinste. „Ich hab ihr bewiesen, dass ich noch immer ein wenig werfen kann. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis sie die gebackenen Bohnen von der Wand hatten."

„Also ... du bist nicht wütend?", sagte er hoffnungsvoll.

„Natürlich bin ich das nicht", sagte sie und zwinkerte. „Du dachtest nicht, dass ich unsere Geschichte jetzt gleich an die Zeitung verkaufen würde, oder?"

Er grinste. „Nein, ich wusste nur nicht, ob du die Aufmerksamkeit wolltest oder nicht ... da stand auch etwas über Ron und Hermine; Ron wird in zwanzig Jahren deshalb noch rot im Gesicht sein."

„Sie könnten ihn wie dich tarnen", sagte sie und spielte mit einer Locke von Harrys blondem Haar. „Ich bin sicher, dass ihm das gefallen würde."

Plötzlich klopfte jemand an die Tür und Harry wandte sich um, wobei er Kainda nicht losließ, die immer noch an seiner Schulter lehnte. Die Tür öffnete sich knarrend und das Gesicht einer sehr ernst aussehenden alten Frau erschien.

„Du hast einen weiteren Besucher", sagte sie steif.

„Oh? Wen?", fragte Kainda und lehnte sich dabei an Harrys Wange.

Die Augen der alten Frau verengten sich angesichts dessen. „Es ist ein weiterer Herr. Falls du noch nicht genug davon hast." Sie stieß die Tür auf und ging davon, während Snape ins Zimmer kam. Ihn schien der Anblick von Kainda, die sich an Harry schmiegte, nicht im geringsten zu stören.

„Wir gehen jetzt, Potter ... wir können nächste Woche wieder kommen, denke ich." Er warf Kainda einen Blick zu. „Miss Zabini, wie fühlen Sie sich?"

„Viel besser, danke, Professor", sagte sie lächelnd und lockerte ihre Arme um Harrys Hals. Sie zwinkerte ihm zu. „Wir sehen uns bald, Harry. Übrigens, hast du meinen Zaubertrank bekommen?"

Er grinste und sagte: „Klar, hab ich ... oh! Das hab ich fast vergessen! Ich hab was für dich ..." Er steckte die Hand in seine Tasche und fand die kleine Schachtel, die er vorhin hineingesteckt hatte und sagte: „Es ist nicht viel ..."

Sie öffnete sie mit einem neugierigen Blick in ihren Augen und dann kräuselten sich ihre Lippen zu einem Lächeln. „Harry ... danke." Sie küsste seine Wange. „Du bist einfach zu freundlich."

Er lächelte und war sich bewusst, dass Snape sie beobachtete. Er umarmte sie ein letztes Mal und stand dann auf. „Ich werde dich bald wieder sehen. Macht es dir etwas aus, wenn Ron, Ginny und Draco beim nächsten Mal mitkommen?"

„Überhaupt nicht", sagte sie mit einem Lächeln. „Ich hätte gerne mehr Besucher."

Snape hielt die Tür auf und Harry winkte ihr noch ein letztes Mal zu, bevor Snape ihn sanft nach draußen stieß, die Tür schloss und dann sagte: „Komm, Romeo, wir müssen die Presse hinters Licht führen."

Harry waren die Reporter eigentlich ziemlich egal. Er wollte irgendwie, dass einer von ihnen ihn erkannte und dann könnte er einfach lächeln und sagen: „Kein Kommentar", und dann davon laufen. Er sprang praktisch den dritten Stock entlang, mit Snape an den Fersen, und sie trafen Tonks an der Treppe.

„Wie geht es ihr?", fragte Tonks mit einem Lächeln.

„Es geht ihr gut", sagte Harry glücklich und hopste ein wenig über die ersten Stufen.

„Hättest du das gedacht?", murmelte Snape sarkastisch und er und Tonks folgten Harry die Treppe hinunter in die Eingangshalle. Bevor sie zum Ausgang gingen, packte ihn Tonks und überprüfte kurz, ob seine Tarnung noch in Ordnung war.

„Außer der Tatsache, dass du im ganzen Gesicht Kussspuren hast, sieht alles okay aus", sagte sie fröhlich. Sie nahm ein Taschentuch aus einer Tasche ihres Pelzmantels und fummelte an seinem Gesicht herum, wie eine Mutter, die Dreck auf der Nase ihres Sohnes gefunden hatte. „Nun los. Sie haben inzwischen sicher mit dem Dekorieren begonnen, also können wir ihnen noch immer helfen."

Sie gingen vorsichtig durch die Glastüren des Kaufhauses, ließen St. Mungos hinter sich und traten hinaus in die Muggelstraße. Die Reporter des Tagespropheten waren zu sehr damit beschäftigt, die Zauberer zu beobachten, die St. Mungos betraten, um den blonden Jungen zu bemerken, der von Ohr zu Ohr grinsend herauskam und zwei belustigt aussehende Erwachsen die Straße entlang führte und dann verschwand.

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„Harry, halt dich endlich still und beweg dich nicht dauernd, mein Lieber ..."

„Kann ich nicht einfach gehen und dekorieren?"

„Nein, noch nicht." Mrs Weasley klatschte eine weitere Portion von Madam Madmops Naturhaarfarben Wiederhersteller auf seinen Kopf und schrubbte hart. „Wirklich, Tonks, ich dachte du wüsstest, was du tust," seufzte sie.

„Das hab ich", sagte Tonks. „Woher sollte ich wissen, dass man einen Zauber für Blond nicht auf schwarzem Haar anwenden soll?"

Mrs Weasley seufzte wieder und trat zurück, um einen Blick auf Harrys Haar zu werfen. Er saß auf einem Stuhl mit dem Gesicht über einem Waschbecken, sein Haar bedeckt mit dem Farben Wiederhersteller und einem Handtuch um seine Schultern. „Nun, immerhin ist es nicht mehr knallrot", sagte Mrs Weasley schwer. „Armes Kind. Ich denke, wir brauchen noch mehr von diesem Zeug, es ist immer noch dunkelrot."

Harry seufzte leise. Tonks hatte seine Augen leicht wieder zurückverwandelt und einmal mit einen Handtuch über sein Gesicht gewischt und seine Narbe war wieder sichtbar gewesen, aber dann hatten sie versucht, sein Haar wieder zu natürlicher Farbe zurück zu verwandeln. Niemand wollte ihm sagen, was passiert war, als Tonks es zum ersten Mal versucht hatte, aber Draco hatte ihm verraten: „Du willst es gar nicht wissen, Potter."

An der Küchentür hörten sie Schritte und als Harry unter seinem Arm hindurch einen Blick hin warf, sah er Snape, der mit einem Kelch voller Etwas hereinkam. „Was ist das?", fragte er besorgt.

„Verschiedene Dinge, die Farben lösen können", sagte Snape. „Ich hätte es früher gebraut, wenn die Black Familie das Gehirn benutzt und in etwas stabileres als einen Kessel aus Plastik investiert hätte."

„Und wir schütten das einfach über seinen Kopf, oder?", fragte Mrs Weasley und nahm den Kelch aus seiner Hand.

Snape hob eine Augenbraue. „Ein beständiges Tröpfeln wäre etwas effektiver, als alles einfach über Potter zu kippen, aber wie du wünscht ..."

Harry bereitete sich vor, als Mrs Weasley sanft den faul riechenden Trank auf seinen Kopf schüttete. Er rann an seinem Kinn hinunter und seine Stirn entlang, und andauernd hörte er dieses Besorgnis erregende Zischen, das aus dem Becken unter ihm kann. Nach ein paar Augenblicken war der Rest des Zaubertrankes abgeronnen und Mrs Weasley besah sich sein Haar. „Wunderbar, endlich ist es wieder schwarz ..." Sie warf ein Handtuch über seinen Kopf und begann, ziemlich wild sein Haar zu rubbeln. Harry konnte dumpf Explosionen hören, die von oben kamen, obwohl niemand dachte, dass das etwas Außergewöhnliches war.

Mrs Weasley lächelte und sagte prompt: „Gut ... sehr schön. Alles wieder normal."

„Kann ich jetzt gehen und helfen?", fragte Harry.

„Natürlich kannst du. Aber sei vorsichtig, wenn du hinein gehst; geh sicher, dass sie nicht gerade ein Feuerwerk gezündet haben", sagte Mrs Weasley, lächelte ihn an und wuselte dann aus der Küche, auf die Treppe nach oben zu. Er folgte dem Geräusch von Stimmen und fand schließlich heraus, wo die anderen waren. Er klopfte an die geschlossene Türen von einem der Schlafzimmer und rief: „Kann ich reinkommen?"

Die Tür öffnete sich und Ron grinste ihn an. Er war mit Farbe bedeckt und hatte es sogar geschafft, welche in seine Ohren zu bekommen. „Bist du jetzt nicht mehr rothaarig?"

„Zum Glück", sagte Harry und grinste zurück. Die beiden traten ein und schlossen die Tür. Harry war verblüfft angesichts dessen, was sie mit dem Zimmer gemacht hatten, das bis vor kurzem schwarz gewesen war. Alles war in einem Ton von warmem Beige gehalten und alle standen mit ihren Zauberstäben herum und verwendeten Trocknungszauber an der Farbe.

„Alles okay, Harry?", rief Fred von der anderen Seite des Zimmers.

„Klar, danke", sagte er, während er seinen Zauberstab herauszog und Ron mit der Farbe in der Nähe der Tür half.

George kam zu ihnen herüber und benahm sich wie der Chef einer großen Firma. „Gute Arbeit von allen, wirklich gute Arbeit! Macht so weiter und wir schaffen das vielleicht noch bevor die Sonne in sich selbst zusammenstürzt!"

„Warum machst du eigentlich keine Arbeit, wenn du so gut bist?", fragte Ginny über ihre Schulter.

„Ich arbeite, falls du es nicht wissen solltest", sagte er zu ihr. „Ich erledige den wichtigen Job, euch anzuschreien bis ihr tatsächlich schneller arbeitet."

„Oh, George", sagte Bill. „Wir machen es nicht schlecht ... vielleicht sollten wir uns aber trennen, damit wir mehr Zimmer gleichzeitig machen können. Wir müssen uns auch noch überlegen, wie wir Mrs Blacks Portrait unten von der Wand bekommen ..."

„Das könnten wir jetzt erledigen", sagte Mr Weasley. „Remus? Tonks sollte in ein paar Minuten hier sein, könntet ihr beiden hier oben auf Fred, George und Ginny aufpassen? Wir anderen können nach unten gehen und versuchen, den Abfalleimer zu Mrs Blacks neuem Zuhause zu machen."

Und so folgten Ron, Draco, Harry und Bill Mr Weasley aus dem Schlafzimmer und die Treppe hinunter in die Halle und auf dem Weg trafen sie Tonks. Snape war bereits vor ihnen dort und stand außerhalb der Mrs Black Gefahrenzone, offenbar tief in Gedanken.

„Schon irgendwelche Ideen, wie wir sie herunter bekommen, Professor?", fragte Draco und schleimte sich sofort bei Snape ein.

„Viele", sagte Snape. „Jede irgendwo fehlerhaft. Die alte Hexe war eine typische Black; sie hat ihr Gehirn nur für unwichtige Dinge verwendet."

„Ich bin mit ihnen verwandt", sagte Draco und sah ein wenig verletzt aus.

„Mm", sagte Snape; es war ihm offenbar egal.

„Das Problem ist, dass wir nicht nahe genug rankommen, um den Fluch heben zu können", sagte Bill. „Jedes Geräusch in ihrer Nähe wird sie wecken. Es ist unmöglich, all dieses Schreien zu ignorieren, um sich genug konzentrieren zu können."

„Nun ... was ist hinter dieser Wand?", sagte Ron. Alle drehten sich um und sahen ihn an. „Ich meine, es muss doch etwas dahinter sein. Es gibt nur keine Tür. Seht euch mal den Umriss des Hauses an, da muss ein Zimmer oder eine solide Betonwand oder so etwas sein."

„Und das heißt ...?", sagte Draco.

Ron zuckte mit den Schultern. „Warum versuchen, sie von der Wand zu bekommen, wenn wir die Wand nicht brauchen? Wir könnten sie einfach in das andere Zimmer befördern." Leise ging er in die Gefahrenzone und klopfte mit den Knöcheln an die Wand. „Sie ist hohl", flüsterte er.

„Wir könnten Mad-Eye brauchen, dann wüssten wir, was dahinter ist", sagte Mr Weasley. „Nun ... ich denke nicht, dass es etwas gefährliches ist, wenn der Raum schon so lange verschlossen ist, wie Sirius gesagt hat. Es kann nicht schmerzen, es zu versuchen."

„Was ist, wenn die Wand das Haus trägt oder so was?", sagte Harry.

„Das tut sie nicht", versicherte ihm Bill. „Alle magischen Häuser sind nicht von den Gebäuden selbst getragen. Sie werden von Magie zusammengehalten. Wir könnten das gesamte Erdgeschoss entfernen, aber solange der obere Stock noch irgendwie mit der Erde verbunden ist, wird er nicht fallen."

Mr Weasley lächelte ein wenig und rollte die Ärmel hoch. „Nun gut ... Ärmel hoch, Zauberstäbe raus. Ein guter Reductor Fluch sollte reichen ... sollen wir alle direkt auf das Bild zielen?"

Die anderen nickten, zogen ihre Zauberstäbe heraus und traten zurück.

„Auf drei", sagte Mr Weasley. „Bereit? Eins ... zwei ... drei!"

„REDUCTO!", riefen alle wie aus einem Mund, hoben die Zauberstäbe über ihre Köpfe und Kugeln aus rotem Licht brachen aus ihnen hervor. Sie trafen das Portrait in der Mitte, ein markerschütternder KNALL ertönte, der das gesamte Haus wackeln ließ, und in einer Explosion aus Mauer und Holzstücken, flog der Staub überall hin und nahm ihnen die Sicht.

Der Rauch und Staub verzogen sich langsam und fielen in einer grauen Wolke, die dünne Streifen zurückließ, die an der Decke schwebten. Durch den Nebel konnte Harry die Wand sehen, an der Mrs Blacks Bild gehangen hatte; sie war auseinandergerissen worden und hatte ein großes Loch, wo das Gemälde gewesen war.

Mr Weasley hustete, wedelte mit der Hand und versuchte, den Nebel zu vertreiben, während alle nach vor gingen um einen Blick in den Raum jenseits des Lochs zu werfen. „Es ist zu dunkel", sagte Mr Weasley. „Sehen wir mal ... Lumos!" An der Spitze seines Zauberstabes erschien ein kleines, aber helles Licht und vorsichtig streckte er ihn durch das Loch in die Dunkelheit. Der Kreis aus Licht zog über etwas, das aussah wie ein Berg aus hölzernen Schränken und vielen Schriftrollen aus Pergament; alles war von Staub bedeckt und offenbar schon vor vielen Jahren hier verstaut worden. „Wie seltsam", sagte Mr Weasley und runzelte nachdenklich die Stirn. „Familiendokumente, vielleicht?" Er packte ein Stück der Wand und zog daran, wodurch das Loch größer wurde und die anderen hindurch konnten. Sie zündeten ihre Zauberstäbe an und knieten sich neben dem Pergamentberg hin.

Bill, der gerade eine der Rollen aufgehoben hatte, rollte sie auf und las langsam mit einem tiefen Stirnrunzeln. „Welche Sprache ist das?", sagte er und zeigte es seinem Vater. „Die Zeilen sind verschiedenen Schriften ... das hier ist Ägyptisch ... dann skandinavische Runen ... das hier sieht Chinesisch aus, und ich bin sicher, dass das darunter Kyrillisch ist."

Draco hatte eine andere Rolle genommen. Harry sah über seiner Schulter zu, wie er sie öffnete. „Das sind Alte Runen ... etwas über den Verlust von ... was ist das? Sterblichkeit? Ich bin sicher ... heißt das, der Tod?"

„Verlust von Sterblichkeit oder Tod sind zwei sehr verschiedene Dinge", sagte Snape. Er nahm Draco das Pergament ab und las es laut, wobei er nur ein oder zwei Mal inne hielt. „Viele Dinge auf dieser Welt helfen beim Verlust von Sterblichkeit. Konzentriertes Vampirblut, Einhornblut, zu Staub zerstampfte Eier von Phönixen. Alles muss kombiniert werden, um den Trank des Ewigen Lebens herstellen zu können."

Ron sagte plötzlich von der anderen Seite des Zimmers: „Ähm ... Dad? Ich denke ich weiß, worum es hier geht ..."

Alle versammelten sich um Ron und starrten auf das Pergament, das er entrollt hatte. Als das Licht darauf traf, verstanden sie. Dort, ganz unten auf der Seite, war das Dunkle Mal, gezeichnet in Grün und Schwarz.

„Voldemort", flüsterte Harry. Ein paar zuckten zusammen. „Und Unsterblichkeit ... denkt ihr, dass das hier seine Notizen sind? Als er nach etwas suchte, das ihm das ewige Leben bringen konnte?"

„Warum würden sie im Haus der Blacks sein?", sagte Mr Weasley stirnrunzelnd.

„Vielleicht hat er sie ihr gegeben, damit sie darauf aufpassen konnte", sagte Bill. Er hob eine Augenbraue. „Alle Blacks außer Sirius waren Gefolgsleute von Voldemort, oder? Falls er etwas gefunden hatte, das er für das ewige Leben brauchte, hätte er die Schriftrollen jemandem gegeben, dem er wirklich trauen konnte."

„Was ist mit meiner Familie?", fragte Draco. „Sicherlich wären die Malfoys die logischere Wahl gewesen."

„Die beiden Familien gehören aber zusammen", sagte Bill. „Wegen deiner Mutter. Voldemort würde auch einen sehr, sehr sicheren Platz brauchen, wo er die Rollen verstecken kann."

„Das Malfoy Anwesen ist sicher", sagte Draco ein wenig verletzt.

Bill sah einen Moment lang ein wenig zögerlich aus, und dann sagte er: „Sieh es dir mal so an ... der Grimmauldplatz, das Haus der Blacks, steht noch. Es wurde noch nicht vom Ministerium untersucht. Aber das Malfoy Anwesen ..."

„... wurde wegen technischen Schwierigkeiten beschlagnahmt", sagte Draco stirnrunzelnd.

„Das ist jetzt egal", sagte Mr Weasley schnell. „Hört auf zu streiten. Wenn das wirklich die Notizen von Ihr-wisst-schon-wem sind, müssen wir Experten informieren, die sie übersetzen. Herausfinden, wie er es gemacht hat. Es gibt vielleicht einen Weg, seine Unsterblichkeit zu brechen ... wer von uns kann das hier lesen?"

„Ich könnte die Runen übersetzen", sagte Snape.

„Ich werde helfen", sagte Draco.

„Ich verstehe die Hieroglyphen und ein paar der skandinavischen Runen", sagte Bill. „Doch wir werden mehr Leute brauchen. Wir sollten die hier an das Ministerium schicken, Dad, sie haben dort Experten. Wir wollen doch nicht, dass irgendetwas das Pergament zerstört."

„Natürlich", sagte Mr Weasley. „Du hast Recht. Alle hinaus, wir müssen sie in Sicherheit aufbewahren und nicht berühren, bis das Ministerium hier ist. Ich werde sofort eine Nachricht an Cornelius schicken. Bill, könntest die du eine Eule an deinen Chef bei Gringotts schicken? Sag ihm, dass wir Übersetzer brauchen – und zwar viele."

„Kein Problem", sagte Bill und ging aus dem Raum und lief die Treppe hoch davon.

Mr Weasley schob die anderen aus dem dunklen Verlies. „Was für eine Entdeckung ... und wer hätte gedacht, dass es einen Grund gab, warum Mrs Black ihr Portrait hierher hängen ließ? Sie war die Wächterin. Schon fast ein Köder."

„Arthur?", sagte Mrs Weasley und warf einen Blick aus der Küche auf sie alle, als sie, mit Staub bedeckt, aus dem Zimmer kamen. „Was ist los? Ist etwas passiert?"

„Ja, Molly", sagte er atemlos, während er die Treppe hoch lief und dann noch über seine Schulter rief: „Wir haben gerade den Schlüssel zum endgültigen Untergang des Dunklen Lords gefunden!"

Sie stand in der Küchentür und starrte ihm nach. Nach einem Augenblick sagte sie blank: „Nun gut ... um Sechs gibt es Abendessen."