„Entscheide dich für meine Seite. Keiner wird erwarten, dass du dem Orden beitrittst und gegen deine Freunde kämpfst, aber du kannst auch nicht zu den Todessern gehen."

Pansy nickte langsam. „Ich hab auch sehr viel darüber nachgedacht, Hermine.", sagte sie schließlich. „Ich liebe meine Eltern, aber jetzt… jetzt, wo ich eine wirkliche Wahl habe – werde ich nicht zu Du-weißt- schon-wem zurückgehen, ich hasse ihn und ich kann es nicht mit mir vereinbaren dorthin zu gehen, wo Frauen im Allgemeinen und wir", Pansy deutete zwischen sich und Hermine hin und her, „im Besonderen diskriminiert werden. Ich halte keine Seite für völlig richtig oder falsch… aber ich möchte frei sein und keinem Zwang unterliegen. Ich hab mich lang genug versteckt.", erklärte Pansy.

Hermine nickte und zog Pansy langsam heran, um sie zu küssen.

Ihr fiel damit schon mal ein großer Stein vom Herzen.

Pansy entzog sich ihr auf einmal und stand auf. Sie packte Hermines Hand und lachte dabei offen. „Komm, Hermine, lass es uns doch gleich offiziell machen, das Abendessen hat vorhin begonnen, sollen es alle sehen!"

Hermine war verwirrt ob dem Tatendrang, aber sie ließ sich bereitwillig mitziehen. Ihr Herz klopfte schneller, als sie daran dachte, dass sie sich gleich vor der ganzen Schule und ihren Freunden outen würden. Hermine war nervös und sie hoffte, dass sie es gut auffassen würden. Aber sie waren zu zweit und das gab ihr etwas Rückhalt. Alleine, das wusste Hermine, hätte sie sich das nicht getraut. Aber mit Pansy an ihrer Seite…

Pansy und sie gingen zur Großen Halle, wo schon der Großteil der Schüler versammelt war und aß. Hermine wurde wieder unsicherer, aber Pansy zog sie ganz nahe zu sich und legte ihren Arm um Hermines Hüfte. Sie küsste Hermine kurz und dann betraten sie die Halle.

Hermine legte nun auch ihren Arm um Pansy. Die scheinbar genau wusste, was zu tun war. Sie dirigierte Hermine zum Gryffindortisch und setzte sich mit ihr hin, nur um Hermine dann liebevoll zu küssen.

‚Es schauen alle!', wurde Hermine fast unangenehm bewusst, als sie das Tuscheln hörte. Sie öffnete ihre Augen und lächelte Pansy glücklich an, bevor sie sich Essen auf den Teller lud.

„Hermine! Was… was tust du da, ich dachte…", sagte Harry perplex.

„Ron, nein, hör auf!", sagte Ginny laut.

Lavender und Parvati kicherten.

Nevilles Mund klappte auf und zu.

Ron war feuerrot und wurde von Ginny zurückgehalten.

Hermine war froh, dass sie mit dem Rücken zu den Slytherins saßen.

„Ich wollte es dir sagen, Harry, aber ich wusste nicht, wie du reagieren würdest.", sagte Hermine schließlich.

„Ich… es ist okay, Hermine, ich bin nur etwas überrascht, das ist alles.", gab Harry zu. Hermine lächelte und tauschte einen Blick mit Pansy aus. Dann wandte sie sich Ron zu. Er hatte sich mittlerweile beruhigt und löffelte verdrossen seine Suppe. Als er bemerkte, dass Hermine ihn ansah, legte er sein Besteck beiseite und starrte sie anklagend an. „Hermine, du wusstest doch, was ich für dich empfinde, wie kannst du nur… und dann mit der da! Bitte, lass es mich besser machen! Bitte, sei meine Freundin!", sagte er.

Hermine wusste gar nicht, wie ihr geschah. „Ronald Weasley! Pansy steht auf unserer Seite. Und noch etwas. Kein Mensch kann sich aussuchen, in wen er sich verliebt. Und ich liebe Pansy!", sagte sie nachdrücklich. Ihr war klar gewesen, dass Ron sich kindisch aufführen würde, aber hier ging es nicht darum, wer den besseren Partner abgeben würde, sondern wen sie liebte.

„Ich bin nicht wie die anderen Männer, ich werde dich nicht enttäuschen!", flehte Ron. Parvati lachte verdruckst, während Ginny, Harry und Hermine Ron einfach nur empört ansahen. Pansy hatte einen neutralen Gesichtsausdruck. Sie begann zu sprechen: „Weasley, Hermine ist meine Freundin. Ich will keinen Streit mit dir, aber so ist es eben. Und ob man lesbisch ist oder nicht, sucht man sich in der Regel nicht selbst aus. Dafür können wir genauso wenig wie du dafür kannst, dass du rote Haare hast."

Sie wandte sich wieder ihrem Essen zu, als wäre nichts gewesen. Hermine lächelte und küsste sie auf die Wange. Ron ballte seine Hände zu Fäusten, stand auf und ging. Ginny murmelte: „Er kriegt sich schon wieder ein." Lauter fügte sie hinzu: „Ich freue mich wirklich für euch beide, und dass ihr euch getraut habt, eure Beziehung öffentlich zu machen."

Dafür fand sie breite Zustimmung am Gryffindortisch.

Beim Hinausgehen sahen Hermine und Pansy, dass ihnen viele Slytherins wütend nachblickten. Manche riefen ihnen auch offen Beleidigungen zu. Malfoy allerdings sah völlig gelassen aus und das überraschte Hermine etwas.

„Warum nutzt Malfoy die Gelegenheit nicht, mich zu beleidigen? Und als Reinblut, warum hat er keine Vorurteile sowie alle anderen?", fragte Hermine.

Pansy lächelte leicht. „Draco hatte seine Vorurteile, aber er kennt mich… er weiß, dass ich es mir nicht ausgesucht habe und dass ich kein anderer Mensch geworden bin. Er mag sich zwar immer für etwas Besseres halten und stolz auf seinen Reinblutstatus sein, aber er hat begriffen, dass Homosexualität kein Verbrechen ist oder minderwertig macht.

Du kennst doch sicherlich Nott, oder? Bei ihm… wir waren uns nie sicher, aber er hat auch nie Interesse an Mädchen gezeigt… Draco hat ihn nie so drangsaliert wie alle anderen. Glaub es oder nicht, aber in diese Richtung ist er sogar tolerant. Wenn er dir deswegen das Leben schwer macht, dann nur, weil es dein persönlicher Angriffspunkt ist und er dich dadurch beleidigen kann."

„Ich hab ihn immer als intolerantes A…loch gesehen.", sagte Hermine. Pansy lachte. „In vielerlei Hinsicht ist er das wahrscheinlich auch." „Machst du dir jetzt keine Sorgen, was alle anderen Slytherins sagen werden? Werden sie dich in Ruhe lassen?", wollte Hermine wissen. „Ich weiß nicht, wie sie reagieren werden, aber sie müssen erst mal an Draco vorbei und mit ihm verscherzen sie es sich nicht so gern.", meinte Pansy gedankenverloren.

„Wollen wir nicht…", fing Hermine an und unterbrach sich, als sie der Mut verließ. „Hm?" Hermine wurde rot. „Ähm… ich dachte, vielleicht… wollenwirheutezusammenübernachten?", sprudelte Hermine heraus, bevor sie wieder einen Rückzieher machen konnte.

Pansy strahlte sie an. Sie blieb stehen und so hielt auch Hermine an. Pansy streichelte ihre Wange und küsste Hermine federleicht auf die Lippen. Sie nickte und flüsterte: „Ja, gerne…" und nahm Hermines Arm, um an ihn ganz zart durch ihre Hände gleiten zu lassen. Hermine schauderte. Bei ihren Händen angelangt, verfestigte sich Pansys Griff und sie ließ ihre Finger zwischen Hermines rutschen. Hermine drückte zuversichtlich Pansys Hand.