Harry Potter und das Ankh von Khepri

KAPITEL 5 – Harrys erstes Treffen

Harry, Ron, Draco und Ginny lungerten alle am oberen Ende der Treppe herum, um zu sehen wie die Männer vom Ministerium ankamen und begannen, die empfindlichen Schriftrollen und Koffer aus dem versteckten Gewölbe zu levitieren. Bill und Mr. Weasley hatten eine Menge ernsthafter Gespräche, Mrs. Weasley sauste hin und her und machte Tee für alle, und gerade als die vier Teenager ihr Abendessen aßen kam eine Gruppe Kobolde an, mit einer Menge Klemmbretter und Ausrüstung für magische Photographie. Harry war sehr interessiert daran, Bill Koboldogack mit den Kobolden sprechen zu hören, mit vielen Handzeichen und Nicken. Die Kobolde blieben nicht lange. Sie nahmen das mit, was Bill ihnen sagte, und gingen, leise über die Informationen auf den Klemmbrettern debattierend, davon.

Die vier Jugendlichen ließen sich gerade Mrs. Weasleys selbstgemachtes Erdbeereis mit Himbeeren schmecken, als Mr. Weasley die Treppe heraufschwankte, seinen geliebten Fernseher schleppend.

„Da seid ihr ja", sagte er und stellte den Fernseher mit einem kleinen Ächzer ab. „Molly denkt, ihr könntet etwas zur Unterhaltung brauchen, während die Ministeriumsleute räumen, und Fred und George werden euch nicht erlauben, beim Streichen zu helfen."

„Sie würden es bloß verderben!" schallte Freds Stimme vom oberen Stockwerk. „Du weißt, wie Ron mit einem Pinsel umgeht!"

Ron runzelte die Stirn und murmelte etwas Unzusammenhängendes, während sein Vater den Fernseher einstellte und seinen Zauberstab zog. „Ein spezieller Zauber", sagte Mr. Weasley lächelnd. „Wurde gerade vom Departement für Experimentelle Zauber genemigt … es treibt die elektrischen Geräte der Muggel an. Und weil ich Minister für Inter-Muggel Beziehungen bin, dachten sie, es würde nützlich sein." Er lächelte, schnippte mit seinem Zauberstab zum Fernseher und sagte: „Ammario!"

Sofort ging mit einem Flackern der Fernseher an, und der Bildschirm wurde von einem großen Bild eines Kaninchens ausgefüllt. Mehrere Puppen umringten ein Kaninchen am unteren Bildschirmrand und spielten mit ihm, auf seine Stupsnase und die langen Ohren aufmerksam machend. Ron schreckte zurück und rief: „Stoppt sie! Sie werden es umbringen!"

„Das sind Puppen", seufzte Draco. „Sie sind nicht lebendig."

„Woher weißt Du das?", sagte Ron, sich zu ihm umdrehend.

Draco streckte den Arm aus und klaute eine Socke von dem Wäschestapel, den Tonks gerade vorbeitrug. Er zog sie über seine Hand, und machte eine Beißbewegung nach. „Ist diese Socke gefährlich?"

„So wie ich dich kenne ...", murrte Ron.

Harry ging nach vorne und drückte auf dem Fernseher den Knopf, um den Kanal zu wechseln. Das Kaninchen und die Puppen verschwanden, ersetzt durch einen Mann mit ein paar Haaren, die über seine Glatze frisiert waren, der die Muggelneuigkeiten verlas.

„Guten Abend, und willkommen zur Tagesschau", sagte der Mann mit einem kleinen Lächeln, seine Papiere mischend. „Es ist 18 Uhr."

Ron kontrollierte seine Uhr und flüsterte: „Wisst ihr was, er hat Recht"

„Stell Dir vor", sagte Draco leise. Zum Glück hörte Ron ihn nicht.

„Die neueste Schlagzeile, für die sie eingeschaltet haben", sagte der Sprecher, als Bilder oben rechts auf dem Bildschirm erschienen. „Ein weiteres ägyptisches Grab wurde kürzlich entdeckt, eine ganze Strecke entfernt vom Tal der Könige. Experten sind bereits vor Ort, obwohl es scheint, dass das Grab schon von Grabräubern aufgebrochen wurde, und wenig von der ursprünglichen Stätte erhalten geblieben ist. Es wurden wenige Zeichnungen auf Papyrus gefunden, die so schnell wie möglich in ein Museum gebracht werden."

Gelangweilt wollte Harry zurück zum Kanal mit den Puppen und ihrem Kaninchen schalten, als ein Bild auf dem Bildschirm aufleuchtete, das ihn abrupt innehalten ließ. Es war dieses Gesicht, das adleräugige Gesicht mit Krokodilszähnen, ihn von der oberen rechten Ecke angrinsend. Harry gab ein ersticktes Keuchen von sich und zeigte darauf: „Seht!"

Das Bild aber war gerade überblendet worden in eine Aufnahme von einem kleinen Lamm, das an einer Milchflasche saugte. Draco starrte Harry verblüfft an, und Ginny blinzelte, aber Ron schnappte nach Luft und lehnte sich vor, um es genauer in Augenschein zu nehmen. „Whoa, was ist das? Es sieht irgendwie brutal aus."

„Nein, nicht das", sagte Harry, „Das Ding vorher. Das Gesicht."

„Oh, die Zeichnung?" sagte Ginny. Sie zuckte die Schultern. „Was stimmte damit nicht?"

„Ich habe es schon vorher gesehen", sagte Harry. „Im Schaufenster des Juweliergeschäfts, und ich hab' davon geträumt."

Sie sahen ihn alle mit großen Augen an. Harry sah seine Freunde reihum an, und dann sagte Ginny ruhig: „So?"

Harry fühlte, wie sein Gesicht zu brennen begann. „Habt ihr es noch nie gesehen?" Sie schüttelten den Kopf. Er fühlte sich nun unglaublich dumm, weil er so viel Aufheben darum machte, ein Gesicht vorher schon gesehen zu haben, und er erkannte, als was für ein Idiot er erschienen sein musste, als er im Einkaufszentrum Lupin am Arm gepackt hatte.

Glücklicherweise verweilte Ron nicht beim Thema und spielte wieder am Fernseher herum. Nach wenigen Minuten schien Harrys momentane Seltsamkeit vergessen, als Ron begierig Dinge über Muggel Kaninchen lernte. Ginny schien interessiert, aber war nicht allzu begeistert, mehr damit beschäftigt, ihr Eis aufzuessen, und Draco gab vor gelangweilt zu sein. Harry konnte allerdings sehen, dass seine Augen auf den Fernseher fixiert waren, und der Hauch eines Lächelns kräuselte seine schmalen Lippen, als der Moderator die Aufmerksamkeit besonders auf eine der Puppen lenkte. Harry allerdings war sehr gelangweilt. Er hatte alles über Kaninchen gelernt, als Dudley vor einiger Zeit eines zum Geburtstag bekommen hatte, aber seiner schnell überdrüssig geworden war, und Harry hatte es ausmisten und sich darum kümmern müssen.

Seine Freunde mit den Puppen im Fernsehen zurücklassend, brachte Harry seine Schüssel zur Küche herunter, dann strebte er wieder hoch und ging einen Korridor entlang, sich in die allgemeine Richtung der Leiter zum Dachgeschoss bewegend. Fred und George waren zur Zeit dort oben am Malen, den Geräuschen nach, und der ganze Inhalt des Dachbodens was um den Fuß der Leiter aufgetürmt. Harry blickte flüchtig über die alten Gemälde, Hauselfenköpfe, mottenzerfressene Lehnstühle und Pappschachteln voller Dinge, die allerhöchstens als Trödel beschrieben werden konnten. Sein Blick fiel dann auf etwas, ein großer hölzerner Koffer, auf den „Die Mitglieder der Magie" geschnitzt war. Harry erinnerte sich sehr gut daran. Ein Jahr zuvor hatte er den Koffer geöffnet und herausgefunden, dass er mit Ron verwandt war, und auch den Stammbaum seines magischen Beschützers, Peter Peelish. Er hatte den Koffer schon eine Weile nicht mehr gesehen.

Er beschloss, dass es nicht schaden würde, es sich anzusehen, also setzte sich Harry im Schneidersitz auf den Boden und stemmte den Deckel auf. Dieser schwang auf. Innendrin waren die bekannten Schriftrollen aus Pergament, gebunden mit meterweise Bändern in verschiedenen Farben und Breiten, aufgestapelt direkt vom Boden der Truhe an. Jedes Stück Pergament hatte einen Zaubererstammbaum darauf, soweit er zurückverfolgt werden konnte, und obwohl Harry kaum jemanden der Leute auf den Stammbäumen kannte, die er gefunden hatte, unterhielt er sich für einige Minuten damit, sie durchzulesen und Fred und George zuzuhören, die sich im Dachgeschoss über etwas stritten.

Nachdem er etwa zwanzig Minuten nur gelesen hatte, begann er zu Leuten zu kommen, die er kannte, und stellte fest, dass er von ihnen gefesselt wurde. Er fand heraus, dass Luna Lovegood von vielen Astronomen und Philosophen abstammte, was keine große Überraschung war, und zu seiner Freude fand er Peters Stammbaum noch einmal. Der achtzehn Jahre alte Junge auf dem Bild winkte ihm zu, grinsend, und das Mädchen neben ihm, Jilly, lächelte ebenfalls ein klein wenig. Dann schaute er hinauf, die Linien zurückverfolgend, und fand heraus, dass ihre Mutter die Tochter von Baron Mortimer Carnet war – dem Blutigen Baron. Es war seltsam, sich vorzustellen, dass Peeves, Peters Alter Ego, der Enkel des ausgemergelten Blutigen Barons war, aber tatsächlich waren da offensichtliche Verbindungen. Der Baron war der Hausgeist von Slytherin, und Harry wusste, dass Peter in Slytherin gewesen war. Er war ein ziemlich guter Slytherin, so wie es klang. Der Baron war auch die einzige Person, die Peeves jemals wirklich hatte kontrollieren können, aus offensichtlichen Gründen. Harry wusste, dass er sich anständig verhalten würde, wenn sein Großvater von silbernen Blutflecken bedeckt wäre, deren Herkunft niemand kannte. Neugierig, ob der Stammbaum diese Information enthalten würde, überflog Harry den winzigen Text unter dem Baron. Er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Der Baron war offenbar auf einer Kostümparty gewesen, das Kostüm eines ermordeten Georgischen Lords tragend, und hatte sich um des Effekts Willen selber mit falschem Blut beschmiert. Dann hatte er zuviel getrunken und war im Fischteich ertrunken, nachdem er beschlossen hatte, dass ein Mitternachts-Schwimmen eine gute Idee sei. Kein Wunder dass der Blutige Baron nicht viel darüber sprach.

„Harry?"

Harry sah sich um und sah Ginny am Ende des Korridors stehen. „Hi", sagte er. „Wie ist das Kaninchen-Programm?"

„Ron und Draco geben vor, nicht mitsingen zu wollen", sagte sie, zu ihm rüberkommend. „Was machst Du?"

„Nur das hier durchschauen", sagte Harry. Er rollte die Schriftrolle auf, knüpfte das Band wieder um und legte sie zurück in die Kiste. Ginny setzte sich neben ihn, und er erklärte alles über die Stammbäume und zeigte ihr die interessanten, die er gefunden hatte. Ginny schien besonders an Lunas Stammbaum interessiert, und als sie Harrys fanden, verbrachten sie einige Minuten, nur all die Leute darauf zurückverfolgend. Harry erkannte einige von ihnen wieder, die er Jahre zuvor im Spiegel Nerhegeb gesehen hatte, und sie lächelten ihn an und winkten ihm von den Bildern aus zu. Harry war sich nicht sicher, was er von seiner Familie erwartet hatte. Er wusste, dass eine Menge Leute auf Generationen und Generationen mächtiger und bekannter Kriegsfürsten gehofft hätten, die wunderbare Dinge getan und heroische Enden gehabt hatten, aber in Wahrheit waren die Potters nur… normale Leute. Einer seiner Ururgroßväter hatte bei Ollivander gearbeitet, und ein Mann hatte vor vielen Jahrhunderten Kessel gefertigt. Eine Frau mit seidigem schwarzem Haar bis zur Hüfte war von Muggelhexenjägern gefasst worden, allerdings disapparierte sie während ihrer Verbrennung und verbrachte den Rest ihres Lebens in Devon. Das war wahrscheinlich die aufregendste Sache, die einem Potter passiert waren. Aber irgendwie fühlte Harry sich dadurch besser. Die Potters waren nur normale Leute, eine normale Familie, die jene Art von Geschichten erzählen, die nur auf Familienfeiern interessant waren, wenn alle betrunken waren.

„Hey, Harry! Sieh dir das an!"

Harry blickte von seinem Stammbaum auf und sah, dass Ginny gerade eine blutrote Schriftrolle mit schwarzer und silberner Schrift entrollt hatte. Er lehnte sich über ihre Schulter, um sie zu lesen und erkannte nach einigen Momenten, dass es Professor Snapes Blutlinie war. Es war, einfach gesprochen, eine sehr sehr chaotische Familie. An einigen Stellen hatte Inzucht stattgefunden, und da waren etwa zehnmal mehr ermordete Leute als Leute, die einfach am hohen Alter gestorben waren. Linien kreuzten sich da und dort, wenn jemand gestorben war, heiratete sein Gatte jemand anderen, der ihn prompt ermordete und wieder eine andere Person heiratete … Harry versuchte, mit seinem Finger Snape direkt zurückzuverfolgen, den Vätern folgend. Er konnte sehr ähnliche Hakennasen ausmachen, dunkle Augen, fettiges schwarzes Haar, diese gleiche sauertöpfische Miene. Die meisten, wenn nicht alle, hatten ein unangenehmes Ende. Snapes Ururgroßvater war in einem Vielsafttrank-Unfall ums Leben gekommen, und ein anderer Mann war an etwas gestorben, auf das verwiesen wurde als „der Grund, warum Nadelschläger und Ruhekerzen nicht gemischt werden können."

Ginny trug einen sehr verkniffenen Gesichtsausdruck, als Harry zu ihr aufblickte. „Eine wirklich glückliche Familie, hm?"

„Klar", sagte er grimmig. Er sah auf den Baum herunter und bemerkte schwarze Bs neben den Namen der meisten Männern. „Wofür steht B?"

„Ich kann mir etwas vorstellen, was zu Snape passt", sagte Ginny, und ihre Mundwinkel zuckten.

„Nein, im Ernst."

Sie zuckte die Schultern. „Biestig, vielleicht… bühnenreife Abgänge, bemitleidenswert langweilig, belästigend, bitter … Blutschande, vielleicht. B für Besser nie geboren. Vielleicht steht es für blah. Wie in blah blah blah Zaubertränke blah Gegengifte blah Sie arbeiten nicht auf einem genügenden Niveau blah."

„Da ist ein Datum daneben", sagte Harry. Er zeigte darauf. „Oh, ich seh's. Es muss für das Geburtsdatum stehen. B wie Beginn des Lebens, oder so."

Ginny grinste, als sie das Datum unter Snapes Namen studierte. „Verdammt, er hatte ein hartes Leben."

Plötzlich kam von unten eine Menge Lärm, das Geräusch einer knallenden Tür, jemand schrie. Harry und Ginny sprangen auf und drehten sich um.

„Arthur", rief eine Männerstimme, die Harry nicht kannte. „Arthur, schnell! Komm schnell!"

Mit einem gegenseitigen beunruhigten Blick standen Harry und Ginny auf und rannten zur Treppe, gerade rechtzeitig, um Mr. Weasley zu sehen, der aus einer Tür in den Flur kam und zu einem Schatten eines anderen Mannes in der Türöffnung hinaufschaute. „Was ist los?" fragte Mr. Weasley blinzelnd.

„Arthur", seufzte der Mann erleichtert. „Merlin sei Dank, dass du da bist! Es gab einen Angriff, Arthur, von Todessern! Sie sind ins St. Mungos hineingekommen und … oh Arthur, du musst kommen. Die Heiler werden nicht in der Lage sein, sie lange aufzuhalten!"

Mr. Weasley wurde blass. Er packte seine Robe von der Seite, gerade als Lupin und Tonks aus einer anderen Tür erschienen. „Ein Angriff? Auf St. Mungos?", sagte Lupin.

Der Mann in der Tür nickte hektisch. „Todesser, ungefähr sechs. Spazierten einfach rein und begannen, Flüche loszulassen."

„Wir kommen auch", sagte Tonks und zückte ihren Zauberstab. „Wo sind Snape und Bill?"

„Ich bin hier", sagte Snapes kalte Stimme hinter Harry. Er wehte so schnell die Treppe hinunter, dass es aussah als ob er flöge, und sein Zauberstab war schon in seiner Hand. „Haben die Muggel etwas bemerkt?"

Der junge Mann schüttelte den Kopf, leicht keuchend. „Nein, es passierte alles in der Wartehalle. Zurückhaltende Attacke. Wir wollen nicht, dass die Muggel etwas bemerken, falls es überhaupt möglich ist, aber wir haben…"

Mrs. Weasley war wegen all dem Geschrei aus der Küche gekommen, einen hölzernen Löffel in der Hand. „Was ist passiert, Arthur?" sagte sie.

„Es gab einen Todesser-Angriff, Molly", sagte Mr. Weasley, bereits zur Tür hinausgehend. „Auf St. Mungos."

„Wartet! Einen Moment, ich hole meinen Zauberstab!" sagte sie, aber Mr. Weasley schnitt ihr den Weg ab.

„Nein, Molly, bleib hier", sagte er. „Bleib bei den Kindern, es könnte ein Ablenkungsmanöver sein, um Harry oder Draco zu kriegen."

„Aber wir kommen auch", sagte Ron und blickte hoffnungsvoll zu seinem Vater hinunter. „Das tun wir doch? Bitte, Dad, wir sind volljährig, wir können dem Ministerium helfen!"

„Auf keinen Fall", sagte Mr. Weasley. „Du bleibst hier bei Deiner Mutter. Bill! Bill, wo bist du?"

Bill kam aus dem Wohnzimmer geeilt und rannte hinter ihnen her, als all die erwachsenen Zauberer das Haus verließen, die Tür knallte hinter ihnen zu. Harry sah durch das Milchglas, wie sie den Platz überquerten, aber Mrs. Weasley zog die Vorhänge vor und scheuchte sie alle nach oben. Sie schickte sie in den Salon, und in dem Moment, wo sich die Tür schloss, sagte Ron ärgerlich: „Warum können wir nicht mitgehen und helfen? Kommt schon, wir verdienen eine Chance!"

„Sprich für dich selber", sagte Draco, sank elegant in einen Sessel und machte es sich bequem. „Wir würden niedergemetzelt werden."

„Wir sind so begabt wie alle anderen", sagte Ron. „Wir sind siebzehn geworden, und wir haben in der Belagerung gekämpft. Warum können wir jetzt nicht kämpfen?"

„Korrektur", sagte Ginny. „Draco hat in der Belagerung gekämpft. Du und ich saßen hinter einer Blase fest, und Harry war gefesselt. Wir konnten nicht kämpfen." Sie seufzte und klopfte Ron mitfühlend auf die Schulter. „Komm schon, es ist keine große Sache… sie werden unsere Hilfe nicht brauchen. Das Ministerium wird alles bald geklärt haben. Es sind bloß sechs."

„Aber was, wenn mehr kommen?" sagte Ron hitzig. „Du-weißt-schon-wer schickt nicht bloß sechs Todesser! Es werden schon Hunderte auf dem Weg sein!"

Ginny schüttelte den Kopf. „Werden sie nicht. Die Muggel würden es bemerken, falls sie es wären."

„Er wird wollen, dass die Muggel es bemerken", wandte Ron ein. „Er will einen großen Aufruhr verursachen, erinnerst du dich? Nicht nur in der Zaubererwelt, er will die ganze Welt!"

„Seit wann bist du der Sprecher des Dunklen Lords?" sagte Draco gedehnt und mit kühler Stimme.

Ron funkelte ihn wütend an, aber offensichtlich hatte sein Kommentar ihn aus dem Konzept gebracht. Er sank mit einem besiegten Seufzer in einen Sessel, verschränkte seine Arme und starrte an die Decke. „Es ist trotzdem unfair. Es kommt nicht darauf an, wie viele da sind, wir sollten helfen dürfen. Was sagte noch Dumbledore am Ende des letzten Jahres? Wir müssen alle zusammenstehen, um Du-weißt-schon-wen zu bekämpfen? Und trotzdem lassen sie uns außen vor! Wenigstens Harry sollte es erlaubt sein zu gehen, er ist ein Experte für Du-weißt-schon-wen!"

Draco rollte die Augen. „Weasley, der Dunkle Lord sucht Potter. Falls er von einem Todesser gefunden oder auch nur flüchtig erblickt wird, wird er sofort massakriert werden. Es ist, als ob man den König ausschickt, um die Arbeit eines Bauern zu verrichten."

Ron drehte sich mit blitzenden Augen zu Harry um und sah Hermine überraschend ähnlich. Er öffnete den Mund um möglicherweise Harrys Meinung zu erfragen, oder zu versuchen, Harry in dem Streit auf seine Seite zu ziehen, aber er verstummte beim Blick auf Harrys Gesicht. „Was ist los mit dir?"

Harry war für einen Moment still. Dann sagte er, ohne die Besorgnis aus seiner Stimme halten zu können: „Kainda ist in St. Mungos."

„Sie werden nicht durch die Eingangshalle kommen", sagte Ginny mitfühlend. „Ehrlich, Harry … sieh dir all die Qualifikationen an, die Heiler brauchen. Unmengen von Verteidigung gegen die Dunklen Künste und alles. Sie werden fähig sein, die Todesser zurückzuschlagen." Sie tätschelte ihm den Arm. „Mach dir keine Sorgen."

„Siehst du", sagte Ron brutal zu Draco. „Falls Kainda umgebracht wird, wird es dein Fehler sein."

„Mein Fehler?" schnarrte Draco, seine überlegene Coolness sofort aufgebend. „Wie soll es mein Fehler sein? Habe ich dich daran gehindert zu helfen? Nein! Falls du dich selbst in hundert kleine Stücke geflucht haben willst, dann geh, renn nur dort raus, um niedergemäht zu werden, tu uns allen den Gefallen!"

„Du bist nur - " begann Ron zornig, aber Harry beschloss auf der Stelle, dass er es schon satt hatte.

„Hört auf", sagte er mit fester Stimme. „Hört einfach auf zu streiten. Niemand kann etwas beweisen." Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, verschränkte die Arme und schloss die Augen. „Alles, was wir tun können, ist warten…"

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Es vergingen zwei Stunden, bis Harry, Ron, Ginny und Draco hörten, wie die Eingangstür unten aufging und Leute hereinkamen. Alle sprangen von ihren Stühlen und stürzten aus dem Raum, nur um von Bill Weasley abgefangen zu werden.

„Hey, hey, zurück in den Salon", sagte er. „Es findet ein Ordenstreffen statt, euch ist es nicht erlaubt, zuzuhören."

„Was ist passiert", fragte Harry hastig. „Bitte, sag uns nur das. Ist jemand gestorben? Sind die Todesser weg?"

„Sie sind disappariert", sagte Bill. „Wir haben es geschafft, zwei von ihnen festzunehmen, und der Rest begriff, dass sie nicht weiter kommen würden als bis zum Warteraum. Allen geht es gut, Harry, keine Sorge. In dem Moment, als die Todesser das Gebäude betraten, setzte die Hexe am Empfangsschalter die Sicherheitsmaßnahmen in Kraft. Es gibt nur ein paar kleine Verletzungen… Lupin hat sich eine blutende Nase eingefangen, denke ich, und Snape hat einen hässlichen Schnitt im Nacken, aber es wird jetzt behandelt."

„Warum können wir nicht am Ordenstreffen teilnehmen", fragte Ron wütend. „Komm schon, Bill, bitte!"

„Nein, Ron", sagte Bill fest. „Ihr seid keine Mitglieder."

„Warum?" sagte Ron.

Bill sah ihn einen Moment verblüfft an, dann sagte er vage: „Keine Ahnung, aber es ist euch nicht erlaubt zuzuhören … Mach kein Theater, Ron, ich müsste jetzt gerade dort drinnen sein."

„Bill?" sagte eine Stimme vom Korridor her. Sie schauten alle auf. Lupin stand vor ihnen, einen Bausch weißen Stoffs unter seiner Nase haltend, welcher das Blut aufsog. „Dumbledore möchte die Kinder sehen, während die Verletzungen versorgt werden."

Ron drückte sich an Bill vorbei, bevor sein älterer Bruder ihn aufhalten konnte, und eilte zu Lupin hinüber. „Er will, dass wir beitreten, oder?"

„Ich bin nicht sicher", sagte Lupin. „Er trug mir nur auf, euch alle zu ihm zu bringen. Harry, Ginny, Draco … kommt. Bill, falls du nicht verletzt bist, könntest du helfen, die Verletzungen zu versorgen? Es sind alle im Wohnzimmer."

Bill nickte. Während Lupin Harry, Ron, Ginny und Draco zur Küche führte, bewegte sich Bill in eine andere Richtung zum Wohnzimmer. Harry bemerkte, dass er bei jedem zweiten Schritt hinkte, aber er hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, da Lupin die Küchentür öffnete. „Albus? Hier sind sie", sagte er.

Albus Dumbledore, der Schulleiter von Hogwarts, saß auf einem Stuhl am alten hölzernen Tisch, mit einer langen purpurnen, mit goldenen Sternen besetzten Robe bekleidet. Wie immer, wenn er Dumbledore nach einer Pause wiedersah, fühlte Harry ein seltsames Gefühl von Ruhe und Sicherheit. Der Schulleiter lächelte sie an und zeichnete Stühle mit einem Winken seines Zauberstabs. „Setzt euch, Kinder… wie sind eure Ferien bisher? Keine Hausaufgaben mehr?"

„Zaubertrank-Hausaufgaben", sagte Draco träge.

„Als ob du es wagen würdest, sie bis zur letzten Woche aufzuschieben, mit Snape im Haus", murrte Ron.

Dumbledore gluckste leicht. „Gut, gut … und Harry? Wie geht es dir?"

Harry lächelte. „Gut, danke … ein wenig gelangweilt, aber ok."

„Wunderbar… nun… ich bin sicher, ihr wisst alle, dass ich euch aus einem bestimmten Grund hergerufen habe."

Dumbledore spähte sie über den Rand seiner halbmondförmigen Brillengläser an. „Ein sehr ernster Grund… irgendwelche Ideen?"

„Sie wollen, dass wir dem Orden beitreten", sagte Harry ruhig.

Dumbledore nickte. „Das will ich, Harry… Ihr habt euch vielleicht gewundert, warum ich es so lange unterbleiben ließ euch einzuladen. Die Wahrheit ist, dass ich warten wollte, bis Miss Weasley volljährig ist, damit ich nicht alle einlade außer einem. Es ist furchtbar, der einzige zu sein, der ausgelassen wird."

„Was ist mit Hermine?" sagte Ron. „Tritt sie nicht bei?"

„Ich habe Miss Granger schon früher besucht", sagte Dumbledore. „Auch Mr. Longbottom, Miss Lovegood und Miss Zabini. Ich glaube, es ist Zeit, dass eine neue Generation unseren Reihen beitritt. Aber ich muss jetzt mit euch sprechen… das ist nicht etwas, was auf die leichte Schulter genommen werden kann, nicht im Geringsten. Der Orden des Phönix ist immer noch eine geheime Organisation, bis jetzt Voldemort und allen seinen Anhängern vollkommen unbekannt. Ich möchte, dass dies so bleibt." Er griff in seine Tasche und entnahm ihr eine Rolle Pergament, eine Feder und eine Tintenflasche. „Deshalb müsst ihr alle unterschreiben, dass ihr eure Verschwiegenheit versprecht. Dies ist ein magischer Vertrag, ein wenig wie diejenigen, die für eine Heirat oder magische Beschützer verwendet werden, und ich sollte euch jetzt warnen, dass diejenigen, die einen solchen Vertrag brechen, sehr hart von der Magie selber bestraft werden. Ihr könnt davon nicht zurücktreten."

Harry nahm die Feder ohne jedes Zögern. Dumbledore lächelte, entrollte das Pergament und hielt es still, als Harry seine Unterschrift auf die gepunktete Linie setzte. Er wusste, dass er nie der dunklen Seite beitreten würde, und niemals freiwillig in irgendeiner Weise Voldemort helfen würde. Ron und Ginny fühlten klar dasselbe. Sie unterschrieben direkt nach Harry mit ihren Namen, aber als Draco die Feder gereicht wurde, warf er einen Blick hoch zu Dumbledore.

„Verbietet dieser Vertrag Loyalität zu einem Todesser als Person?" fragte er und hob eine Augenbraue. „Ich werde nichts unterschreiben, das verlangt, meine eigene Familie zu hassen."

Dumbledore schüttelte den Kopf und sagte: „Keine Sorge, Draco. Ich würde es nicht wagen, jemanden zu zwingen, seine Familie oder Freunde nicht mehr zu lieben."

Glücklich mit der Antwort nahm Draco die Feder und schrieb sorgfältig „Malfoy" auf die Linie.

„Und den Vornamen, bitte, Draco", sagte Dumbledore.

Draco zog eine Augenbraue in die Höhe und fügte danach seinen Vornamen in Klammern hinzu. „Hier."

Dumbledore lächelte. „Vielen Dank euch allen… ich bin sicher, dass ihr den Orden in der Tat sehr stolz machen werdet. Nun… ich denke, es ist an der Zeit, dass ihr an eurem allerersten offiziellen Treffen teilnehmt. Oh… eine Sache zuerst…" Und er nahm vier Kerzen aus seiner Tasche, und gab ihnen je eine. „Sie sind sehr geheim… ich hoffe, ihr werdet sie alle verantwortungsvoll nutzen."

Harry blinzelte als er seine eigene Kerze bekam. „Sie meinen, nicht mit Streichhölzern zu spielen?"

„Nein, nein, Harry", gluckste Dumbledore. „Obwohl dies natürlich sehr wichtig ist. Dies sind keine normalen Kerzen. Jedes einzelne Mitglied des Ordens des Phönix hat eine dieser Kerzen, und falls ihr sie anzündet und den Namen der Person sagt, die ihr kontaktieren möchtet, wird deren eigene Kerze sich entzünden, und ihr könnt zu ihr sprechen. Wir gebrauchen sie, um einander zu kontaktieren, wenn Flohpulver, Eulen, Portschlüssel und Apparation nicht möglich sind."

„Cool", hauchte Ron. „Aber… wartet… was, wenn wir das Ding in unseren Taschen haben, wenn sich jemand mit uns in Verbindung setzen will? Wir werden Feuer fangen, oder?"

„Nein", sagte Dumbledore mit einem kleinen Lächeln. „Die Kerze wird einfach nur warm werden, bis sie herausgenommen wird an die Luft, worauf sie sich entzündet und Kommunikation möglich sein wird."

„Was, wenn es in einer Schulstunde heiß wird?" fragte Ron.

„Fragt einfach, ob ihr euch kurz entschuldigen dürft", sagte Dumbledore. „Die meisten Lehrer auf Hogwarts sind Mitglieder des Ordens und werden euch gehen lassen. Kommt nun. Ihr habt an einem Meeting teilzunehmen, und ich muss eines leiten – zufälligerweise das selbe."

Sie standen alle auf und gingen von der Küche durch die Eingangshalle, einen Gang herunter bis zum Wohnzimmer. Es war sehr dunkel, da die Vorhänge zugezogen waren, und es lag ein starkes Gefühl von Wichtigkeit in der Luft. Jeder einzelne Sitz was besetzt, und es standen noch mehr Leute herum, sich um kleinere Verletzungen kümmernd und mit leiser Stimme sprechend. Viele Augenpaare blickten in ihre Richtung, als Dumbledore sie hereinführte, aber er nickte wohlwollend und deutete auf die Kerze, die Harry immer noch in seiner Hand hielt. Die anderen Mitglieder des Ordens machten alle verstehende Geräusche, die neuen Mitglieder anlächelnd, und von der Rückseite des Raumes kam ein lautes Wispern: „Hier hinüber!"

Harry schaute sich um und sah Hermine Granger, Luna Lovegood und Neville Longbottom, die an der Rückwand standen. Hermine grinste und winkte sie herüber. Sie suchten sich vorsichtig ihren Weg durch die Menge und quetschten sich auf das Sofa, welches Hermine, Luna und Neville gesichert hatten. Ron bekam eine Umarmung von Hermine, und mit leicht rosa Ohren umarmte er sie zurück.

„Wie geht's euch allen?" flüsterte sie. „Was ist passiert?"

„Nicht viel", sagte Ginny. „ Wir waren die ganze Zeit drinnen. Harry ging vor ein paar Tagen, um Kainda zu sehen, und da war diese St. Mungo-Sache vorher… aber davon abgesehen nichts. Was ist mit dir?"

„Oh, Hausaufgaben machen, wiederholen, das Übliche", sagte Hermine munter. Sie drehte sich zu Harry um und lächelte: „Hast du mein Geschenk bekommen?"

„Klar", sagte er und lächelte zurück. „Es ist wirklich… nützlich, danke."

„Es sind brillante Bücher", sagte Hermine enthusiastisch. „Ich habe mir selber eines gekauft, weißt du, so dass ich mir nicht immer deines ausleihen muss. Sie sind so gut. Es deckt alle Arten von Wiederholungstechniken ab, und - "

„Könnte ich bitte eure Aufmerksamkeit haben?" Dumbledore rief zur ruhe, und so verstummte Hermine über ihre UTZ-Wiederholungsbücher. Dumbledore lächelte in die Runde, beim Kamin stehend. „Erstens möchte ich allen danken, dass ihr an diesem Treffen teilnehmt. Zweitens, wie ihr alle bemerkt habt, heißen wir heute acht neue Mitglieder in unseren Reihen willkommen. Harry Potter, Draco Malfoy, Ron und Ginny Weasley, Hermine Granger, Neville Longbottom, Luna Lovegood und Kainda Zabini haben sich alle einverstanden erklärt, dem Orden beizutreten, obwohl Miss Zabini bedauerlicherweise nicht persönlich anwesend sein kann. Eine Verbindung via Kerze muss genügen…"

Er nahm seine eigene Kerze aus seiner Tasche, platzierte sie auf dem Kaminsims und schnippte mit den Fingern. Eine kleine Flame erschien auf dem Docht, im Dunkeln tanzend, und er murmelte: „Zabini, Kainda". Es gab ein Geräusch wie ein Glockenschlag, und im nächsten Moment erfüllte eine hallende Stimme den Raum.

„Hallo?"

„Guten Abend, Miss Zabini", sagte Dumbledore erfreut. „Es findet ein Ordenstreffen statt, und wir wünschen uns, dass Sie teilnehmen… Ich hoffe, wir stören nicht bei etwas Wichtigem?"

Harry konnte das Lächeln in Kaindas Stimme hören. „Es ist in Ordnung, Sir. Ich könnte Gesellschaft gebrauchen."

„Ich bin sicher, dass Sie das könnten", sagte Dumbledore mit einem kleinen Seufzer. „Wie stehen die Dinge innerhalb von St. Mungos?"

„Um Ihnen die Wahrheit zu sagen, ich wusste nicht einmal, dass wir angegriffen werden", sagte Kaindas Stimme. „Wenigstens auf meiner Station gab es mit Sicherheit keine größeren Schäden. Die Heiler versorgten jegliche Verletzungen sehr rasch. Die Dinge hier stehen gut, nehme ich an."

„Gut", sagte Dumbledore. Er drehte sich zum Rest der anwesenden Leute und fragte: „Gab es irgendwelche signifikanten Verluste auf unserer Seite?"

„Nein", sagte Lupin von seinem Platz nahe den Bücherregalen. „Wir haben alles versorgt. Nichts, was ein guter Zauber nicht in Ordnung bringen würde."

„Exzellent. Wurde die totale Anzahl an Verlusten in der Belagerung schon gezählt?" fragte Dumbledore.

„Wir haben ziemlich viele vom Ministerium verloren", sagte eine dunkelhäutige Hexe in der Nähe. „Nur drei Viertel der Leute, die an diesem Tag nach Hogwarts gingen, kamen sicher zurück. Hogwarts-Schüler haben wir etwa die Hälfte verloren, glaube ich…"

Dumbledore nickte ernst. „Das haben wir in der Tat. Slytherin hat scheinbar die schwersten Verluste erlitten… wir haben nur noch dreissig von siebzig…"

„Sie werden sich ihren Eltern angeschlossen haben", sagte die dunkelhäutige Hexe. „Die Todesser, Dumbledore."

„Einspruch", sagte Snape kalt von seinem Sitz beim Kamin.

„Ich unterstütze das", sagte Kainda.

„Wie auch ich", sagte Draco in einem Tonfall nicht unähnlich Snapes.

Snape ließ seine dunklen Augen über jedes Gesicht schweifen und sagte ernst: „Ich möchte diese lächerliche Vorstellung zerstreuen, die Sie alle von meinem Haus haben. Salazar Slytherin war weder Todesser, noch war er ein Befürworter des Dunklen Lords. Das Haus Slytherin steht daher nicht für Todesser, aber für die Dinge, die der Sprechende Hut einmal jährlich beschreibt – Ehrgeiz, Gerissenheit, Unabhängigkeit. Nicht jeder Slytherin wird ein Todesser, und nicht jeder Todesser ist ein Slytherin."

Niemand wollte dagegen argumentieren, und für einen Moment war es still, bevor die dunkle Hexe mit erhobener Augenbraue sagte: „Dann werden nur vier Siebtel des Slytherin-Hauses Todesser werden."

„Mit Ihrer Logik", sagte Snape gedehnt, „hat das Haus Slytherin nicht einen einzigen Todesfall erlitten, und vierzig Kinder haben sich einfach so in Luft aufgelöst, um dem Dunklen Lord beizutreten. Wenn sie ihre Kräfte mit denen der Todesser vereint hätten, hätten wir sie gesehen, wenn sie auf irgendeine Weise das Gelände verlassen hätten."

„Ihre Körper wurden nicht gefunden" sagte die dunkle Hexe kalt.

„Es gibt Wege, Körper zu beseitigen", sagte Snape, und ging glücklicherweise nicht weiter darauf ein.

„Wenn ich sprechen darf", sagte Dumbledore ruhig, über den Beginn der Antwort der dunklen Hexe hinweg. „Wir sind nicht hier um zu streiten. Wie auch immer dies passiert ist, das Haus Slytherin hat am meisten Schüler verloren, obwohl auch die anderen Häuser nicht ohne Verluste geblieben sind. Deswegen werde ich die Barrieren zwischen den Häusern in Hogwarts senken. Es wird keine Haustische mehr geben, sondern kleinere Tische, wo die Schüler aller Häuser und die Lehrer gemischt sein werden. Die Quidditch-Meisterschaft wird sein wie im letzten Jahr, mit gemischten Mannschaften, und die Hauspunkte - "

„Wenn es keine Hauspunkte gibt - " begann Hermine laut, aber als alle sich umdrehten, um sie anzuschauen, nahm sie ihre Stimme ein wenig zurück. „ – dann werden die Schüler nichts haben, wofür sie arbeiten", endete sie still.

Dumbledore lächelte. „Genau das Argument, das auch mir in den Sinn kam, Miss Granger. Danke. Die Hauspunkte werden jedoch nicht komplett abgeschafft… mein Plan ist es, eine anwachsende Gesamtheit von Punkten zu haben, und wenn eine bestimmte Menge erreicht ist, zum Beispiel 100 kumulative Hauspunkte, wird eine Belohnung für die Schule arrangiert."

„Ich stimme dafür", sagte Professor McGonagalls Stimme forsch. Harry überflog die Menge und sah sie auf einem Sofa sitzen, mit Professor Sprout, dem kleinen Professor Flitwick und, zu seiner großen Überraschung, Professor Alrister, dem Lehrer für die Reinen Künste.

Alrister warf Harry einen Blick zu und lächelte leicht, bevor er die Hand hob: „Ich unterstütze Minerva."

„Dann sind wir uns einig", sagte Dumbledore mit einem leichten Lächeln. „Und wie im letzten Jahr gibt es noch mehr Veränderungen, die auf Hogwarts zu machen sind. Die Reinen Künste werden momentan sehr gut unterrichtet und gelernt - "

„Hört, hört", sagte Harry. Alrister schenkte ihm ein weiteres Lächeln.

„Danke, Harry", sagte Dumbledore mit zwinkernden Augen. „Ja, da dies ein so beliebtes Fach geworden ist, habe ich beschlossen, ein weiteres neues Fach einzuführen, das dieses Jahr gelehrt wird – Vermischte Magie. Penny Pebblebank hat sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, dies für eine Stunde pro Woche die Schüler zu unterrichten, und ich hoffe, es wird gut aufgenommen werden."

„Was für eine Art Dinge…?" sagte Ron vorsichtig.

Dumbledore lächelte nur. „Sie werden wohl abwarten müssen und dann sehen, Mr. Weasley. Nun…" Er gab einen kleinen Seufzer von sich. „Müssen wir uns um unsere wichtigste Aufgabe kümmern. Voldemort. Welche Informationen haben wir von seinen laufenden Aktivitäten und seinen nächsten Zielen?"

Eine junge Hexe mit grünem Haar sprach aus der Ecke, ein wenig vortretend, so dass man ihr Gesicht richtig sehen konnte. „Es ist wirklich schwierig geworden, Informationen über ihn zu bekommen…"

„Ja", sagte ein Mann neben ihr, von seinen Händen aufschauend. „Wir haben es allerdings versucht, aber er spricht nicht einmal mehr zu Todessern. Immer nur Rookwood."

„Nach der Belagerung zog er sich auf eine Art zurück, in den Korridor mit den Vampiren und den Nekromanten in ihren Käfigen", sagte die Frau mit hochgezogenen Augenbrauen. „Er verbrachte seine ganze Zeit mit ihnen, schaute ihnen nur zu, wie sie gefüttert wurden. Ihr wisst von dem reinblütigen Vampir-Mädchen, das er hat? Es geht das Gerücht um, er füttere sie sogar selbst. Mit seinem eigenen Blut."

„Wie alt ist sie jetzt?" fragte Dumbledore ernst.

Der Mann gab ein nervöses kleines Lachen von sich. „Wir sind nicht sicher… seht ihr, es sieht so aus, als ob er davon gelangweilt wäre zu warten, bis sie erwachsen wird. Er verbrachte einen Monat damit, sich um sie zu kümmern, danach weiß ich nicht… er begriff, dass sie noch für eine ganze Weile nicht erwachsen werden würde."

„Daher beschloss er, vorwärts zu springen", sagte die Frau. „Er ließ sie von einem der Nekromanten trinken in der Hoffnung, sie würde dessen Fähigkeiten absorbieren. Aber sie tat es nicht. Es stellt sich heraus, dass dies ein ziemlich schlechter Zug war… sie begann, schneller zu wachsen, als sie es sollte. Sie wurde vor ein paar Tagen etwa zwanzig. Er nahm sie kürzlich aus ihrem Käfig und brachte sie weg vom Gehege. Wir wissen nicht, wohin sie gingen, aber sie war nicht bei ihm, als er zurückkam. Er brachte sie um. Sie war nicht mehr nützlich für ihn."

„Wenigstens haben wir jetzt eine Sorge weniger", sagte Dumbledore ernst. „Haben wir eine Idee, wo sein nächstes Ziel liegt?"

„Überhaupt nicht", sagte die Frau. „Nun… wie wir gesagt haben, er ist sehr heimlichtuerisch. Er lässt nur Rookwood hinein, um ihn zu sehen. Er sagt, dass nur noch Rookwood sein einziger wahrhaft loyaler Diener sei, nachdem Lestrange und Malfoy getötet worden sind und Snape sich als Verräter herausgestellt hat."

„Allerdings schickt er Rookwood, um einige seltsame Dinge zu tun", sagte der Mann neben ihr, seine linke Augenbraue erhoben. „Muggelmuseen ausrauben, meistens. Ägyptische Artefakte und Informationen zurückbringen. Rookwood geht täglich in einen der Londoner Muggelbuchläden und bringt Ladungen von Büchern über altertümliche Zivilisationen zurück. Wir haben keine Ahnung, was er vorhat."

„Sie haben ein neues Grab in Ägypten ausgegraben, gerade heute", ergänzte die Frau. „Aber die Muggel sagen, es sei ziemlich leer gewesen, nur ein paar Malereien und Dinge übrig. Es war heute morgen voll. Rookwood muss Wind bekommen haben von einem Grab, das gerade vor seiner Entdeckung durch Muggel steht, und ist kurz vorher dorthin gegangen. Hat es leergeräumt. Wir wissen nicht, ob er nach etwas Bestimmtem sucht, oder ob Voldemort nur seine Sammlung aufbessern will." Sie lächelte grimmig. „Es ist sein neues Hobby."

„Seltsam", sagte Dumbledore nachdenklich. „Irgendwie bezweifle ich, dass dies so unschuldig ist wie es klingt."

„Vielleicht hat er sich entschieden, die Eroberung der Welt auszulassen", sagte die grünhaarige Hexe schwach grinsend. „Er plant vielleicht, mit einer Dokumentarfilm-Reihe ins Muggelfernsehen zu kommen: „Voldemorts wundervolle Welt der Geschichte"

Es gab einen leisen Ausbruch von Gelächter, und als es erstarb, lächelte Dumbledore und sagte: „Nun… ich glaube das ist alles…"

„Möchte jemand bleiben, um etwas zu essen?" sagte Mrs. Weasley hoffnungsvoll. „Ihr seid alle willkommen, sicher."

Einige wenige Leute murmelten und nickten, während andere aufstanden und Richtung Tür gingen. Die Professoren Sprout, Flitwick und McGonagall schenkten den Kindern alle ein flüchtiges Lächeln, bevor sie gingen, und als alle, die gehen wollten, gegangen waren, schaute Harry sich um, um zu sehen, wer entschieden hatte zu bleiben. Zu seiner Freude blieb Alrister, Harry wollte ihn unbedingt sprechen. Dumbledore stand immer noch beim Feuer, einige von Mr. Weasleys Freunden vom Ministerium standen um ihn herum und plauderten mit ihm, eine blonde Hexe, die Harry nicht kannte, redete lebhaft mit Tonks, und alle von Harrys Freunden lösten sich vom Sofa.

„Ein neues Fach", sagte Hermine aufgeregt. „Ich frage mich, was wir lernen werden. Wahrscheinlich ist es nur noch eine andere Magie, die wir normalerweise nicht gelehrt bekommen, wie Theorie und solche Sachen."

Ron ächzte. „Falls es das ist, haben wir besser keine UTZ-Prüfung darüber."

„Kommt", sagte Ginny und steuerte auf die Tür zu. „Lasst uns Mum mit dem Kochen helfen. Vielleicht können wir aus Lupin herausbekommen, was wir in Vermischte Magie lernen werden."