HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI
KAPITEL 6 – Gringotts Gold
Alle, die zum Abendessen blieben, gingen nach einer Weile hinüber ins Esszimmer, während Harry, Ron, Hermine, Neville, Luna, Ginny und Draco Mrs Weasley beim Heraufbeschwören von grundlegenden Kochzutaten halfen und zu kochen begannen. Dabei lernten sie ein paar sehr wichtige Lektionen: Neville und heiße Pfannen passen einfach nicht zusammen, Gemüse schneiden ist schwerer als es aussieht, und Draco konnte absolut nicht kochen und würde sich während seines gesamten Lebens immer etwas ins Haus liefern lassen müssen. Hermine musste ihn ein paar Mal retten um ihm zu zeigen, wie man richtig mit dem Zauberstab Soße kochen konnte, anstatt das gesamte Gebräu auf die Wände zu spritzen.
Nach einer halben Stunde kontrollierten Chaoses hatten sie für alle etwas gekocht und trugen die heißen Teller vorsichtig hinüber ins Esszimmer. Alle saßen um den Esstisch herum und redeten angeregt miteinander – außer Snape, der am Tischende gegenüber von Alrister saß und ihm ab und zu einen sehr dunklen Blick zuwarf. Harry gab ihm einen Teller mit Hühnchen und Nudeln mit Soße. „Ist alles in Ordnung, Professor?"
„Alles wunderbar", sagte Snape düster und starrte Alrister immer noch an; er schien gar nicht zu erkennen, was er überhaupt aß.
„Harry!", rief Alrister fröhlich und winkte ihn zu sich hinüber. „Wie geht es dir?"
„Gut, danke", sagte Harry. Er lächelte, während er zur anderen Seite des Zimmers ging und Alrister seinen Teller mit Hühnchen und Nudeln gab; er hörte, wie Snape aufgebracht schnaubte. Er tat so, als hätte er es nicht gehört und reichte Alrister mit einem Lächeln den Teller. „Und wie geht es Ihnen?"
„Nicht so schlecht", sagte Alrister. Seit Harry ihn zum letzten Mal gesehen hatte, hatte er sich überhaupt nicht verändert. Alrister war einer von Harrys Lieblingslehrern; noch immer groß, muskulös und in sehr piratenähnlichen Klamotten gekleidet. Sein Haar war heute ausnahmsweise nicht in dem üblichen Pferdeschwanz zusammengehalten, sondern hing locker um seine Schulter, und als er es zurückstrich, erhaschte Harry einen Blick auf einen goldenen Ring an seinem Ohr. „Schöne Ferien?", fragte der Professor.
Harry setzte sich neben ihn. „Ja, bis jetzt ziemlich gut. Aber langweilig."
„Wie geht es dir mit den Hausaufgaben?", fragte Alrister.
„Eigentlich gut. Ich habe jeden Tag geübt." Er grinste und auf Alristers auffordernde Miene hin, streckte Harry die Arme aus und konzentrierte sich auf den Tag, an dem er erfahren hatte, das Kainda überleben würde. Alrister sah gespannt zu, und einen Moment lang fürchtete Harry, dass nichts geschehen würde, bis er fühlte, wie er zu schweben begann, zuerst nur ein paar Zentimeter.
Alrister grinste und klatschte. „Sehr gut, sehr gut, Harry."
„Danke." Harry strahlte, als er wieder auf seinen Stuhl sank. „Ich kann auch schon Feuer, aber Mrs Weasley will beim Essen keine Explosionen."
„Verständlich", sagte Alrister und nickte weise. „Ich würde dich fragen, wie es um dein Liebesleben steht, aber ich denke, dass es die gesamte Zaubererwelt schon weiß, hmm?"
Harry grinste unschuldig. „Sie haben den Tagespropheten gelesen ..."
„Sie haben es auf dich angelegt, oder?", sagte er mitfühlend.
„Nur ein wenig", sagte Harry mit einem kleinen Lächeln und nahm einen Schluck aus seinem Glas mit Kürbissaft.
„Mach dir deswegen keine Sorgen, Harry", sagte Alrister. „Das wird sich ziemlich bald wieder legen, denk daran. Wenn ich mich recht erinnere, hat Dumbledore sich um ein paar Sicherheitsmaßnahmen gekümmert, für den Fall, dass die Reporter dir nach Hogwarts folgen. Kainda kommt noch mal für das siebte Jahr zurück, nicht wahr?"
Harry nickte und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Um ihre UTZe zu machen."
„Wunderbar", sagte Alrister. „Kainda ist eine gute Schülerin. Sie arbeitet sehr hart. Immer bereit und willig, vor der Klasse etwas zu demonstrieren – sollte interessant sein, wie sie ihre Reine Künste UTZ macht. Wir werden uns das gesamte Jahr lang darauf vorbereiten, also solltet ihr eine gute Übung bekommen ..."
„Das ganze Jahr?", fragte Harry mit großen Augen. „Was müssen wir machen?"
Alrister lächelte und tippte sich auf die Nase. „Ah, das würde doch den ganzen Spaß verderben, oder?"
Harry lachte leise und nahm einen weiteren Schluck Kürbissaft. Nach einem Moment fragte er: „Haben Sie sich dem Orden angeschlossen?"
„Das habe ich", seufzte Alrister. Er sah angesichts dessen ziemlich besorgt aus. „Ich denke, dass die Zeit gekommen ist, etwas zu unternehmen ... es sieht aus, als gäbe es nur drei Wege, wie man mit Voldemort klarkommt. Kämpfen, sich anschließen oder sterben. Ich würde die letzten beiden gerne vermeiden, wenn ich kann. Also ist das Kämpfen meine einzige Möglichkeit."
„Wenn sind Sie dem Orden beigetreten?", fragte Harry neugierig.
„Am Ende des letzten Schuljahres", antwortete Alrister. „Dumbledore kam zu mir und wir haben uns unterhalten ... und hier sind wir. Das ist dein Haus, nicht wahr?"
Harry nickte. „Ich hab es von Sirius geerbt. Es wird aber eher so etwas wie ein Hotel, es kann eigentlich jeder hier bleiben. Draco und die Weasleys sind hier, Professor Snape, Professor Lupin, Tonks ... wo verbringen Sie die Ferien?"
„Rookwood Schloss", sagte Alrister. „Es ist ziemlich einsam. Nur ich und meine Vögel sind dort. Und nicht die Art von Vogel, bevor du fragen kannst!"
Harry lachte. Er hatte irgendwie Alristers Sinn für Humor vermisst. Er war sehr sorgenfrei und cool als Lehrer und missachtete gerne die Regeln des Ministeriums; sein natürliches gutes Aussehen war bei den Mädchen sehr beliebt. Hermine war von Alrister immer sehr beeindruckt gewesen, aber zu Harrys Überraschung, hatte sie ihn heute noch nicht einmal begrüßt. Sie war zu sehr daran interessiert, Rons Geschichte über den Besuch im Einkaufszentrum zu lauschen. Harry konnte angesichts dessen ein Lächeln nicht unterdrücken.
Er sah sich am Rest des Tisches um, während er sein Glas wieder befüllte und einen Schluck nahm. Mrs Weasley und seine Freunde aus dem Ministerium diskutieren, ob die Zauberer den Muggeln etwas voraus hatten, Tonks und Lupin redeten mit den anderen Hogwarts Schülern über die UTZe, Mrs Weasley stritt mit Bill, weil er seine Drachenhautstiefel drinnen trug, und Snape aß in Stille sein Essen als wäre niemand außer ihm im Zimmer. Dann warf er einen Blick auf die blonde Frau, die ihm schon zuvor aufgefallen war und sah, dass sie ihn anlächelte.
Alrister bemerkte dies und sagte mit dem Mund voller Hühnchen: „Oh, Harry ... das ist Professor Pebblebank, sie wird dieses Jahr Vermischte Magie unterrichten.
Harry lächelte und streckte die Hand aus. „Nett, Sie kennen zu lernen."
„Ebenfalls", sagte sie und schüttelte grinsend seine Hand. Sie hatte ein spitzes Gesicht und ihr blondes Haar war sehr kurz geschnitten, wodurch sie einer Fee aus den Kinderbüchern der Muggel ähnelte. Ihre Augen strahlten in hellem babyblau – genau derselbe Farbton wie ihr Umhang – und sie sah Harry sehr interessiert an, als wäre er jemand, den sie sehr lange nicht mehr gesehen hatte. „Ich erinnere mich an diese Augen", sagte sie fast zärtlich und warf Lupin einen Blick zu.
Lupin lächelte und drehte sich um, um sich dem Gespräch anzuschließen. „Ja, das tut jeder ... er ist James mit den Augen seiner Mutter."
„Sie kannten meine Mutter?", sagte Harry und sah Professor Pebblebank überrascht an.
Sie nickte und ein Lächeln voller Erinnerungen kräuselte ihre Lippen. „Wir waren in der Schule die besten Freundinnen. Du hast auch ihr Lächeln ..."
„Hat er?", sagte Lupin mild. „Ich finde immer, dass er wie James aussieht, wenn er lacht."
Harry strahlte. Lupin und Professor Pebblebank grinsten. „Ja", sagte sie. „Das ist Lily."
Harry war neugierig geworden. Bisher hatte er immer nur Freunde seines Vater getroffen und es war ihm niemals eingefallen, dass Lilys Freunde wahrscheinlich noch am Leben waren. Er wusste sehr wenig über seine Mutter. Alle sagten ihm andauernd, dass er ihre Augen hatte, und er wusste, dass sie seine Verbindung zu den Dursleys und den Weasleys war, aber das war auch schon alles. Er erinnerte sich dumpf daran, dass Snape einmal gesagt hatte, er hätte das feurige Temperament seiner Mutter und die Sturheit seines Vaters, aber Snape hatte seine Eltern gehasst.
„Unterrichten Sie Vermischte Magie, Professor?", fragte Hermine von der anderen Seite des Tisches her und lehnte sich vor, um Pebblebank ansehen zu können.
Die Professorin nickte und goss noch Kürbissaft in ihr Glas. „Ja, das mache ich. Du bist im siebten Jahr, oder?" Hermine nickte und Pebblebank grinste. „Ich werde mit den Siebtklässlern verschiedene Arten von Magie durchgehen ... wir werden von Chinesischer Drachenmagie lernen, die Magie der vorzeitlichen Zauberer, Indische Magie und noch viel mehr."
„Werden wir einen UTZ ablegen müssen?", fragte Ron schnell.
„Nein", sagte Pebblebank. „Ihr werdet eure UTZ Resultate aus dem Durchschnitt aller Noten bekommen, die ihr in diesem Jahr sammelt. Wahrscheinlich habt ihr auch so schon genug Prüfungen, oder?"
„Viel zu viele", sagte Ron und streckte die Hand wieder nach dem Krug mit Kürbissaft aus.
„Nein, Ron", sagte Mrs Weasley. „Du hast schon genug davon getrunken. Eigentlich denke ich, dass ihr alle ins Bett gehen solltet ... Hermine, Luna und Neville bleiben heute Nacht hier, aber ich will nicht, dass ihr noch stundenlang redet. Wir werden morgen wieder dekorieren."
Die Teenager am Tisch standen auf und nach einem kurzen Gute-Nacht-Ruf zu den Erwachsenen gingen sie die Treppe hoch ins Bett.
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Wieder setzte sich Harry auf einen Lehnstuhl in Snapes Büro; ein paar kalter Hände drückte ihn zurück auf ein Kissen. Die Finger seiner linken Finger drifteten in einer Schüssel voller Wasser und über seinem Kopf konnte er in der Dunkelheit eine brennende Ruhekerze sehen, deren bronzener Rauch müde durch die Schatten drang. Im nächsten Moment erschien Snapes Gesicht über ihm und wie immer fragte der Professor leise: „Bist du entspannt."
Harry nickte vage. Eine kalte Hand legte sich auf sein Kinn, hob seinen Kopf und dann traf sein Blick auf Snapes - smaragdgrün auf tintenschwarz. Langsam wurde Snapes Blick tiefer. Er ging durch seine Augen, durch seinen Körper, durch seine Seele direkt in seinen Geist. Dieses dunkle und beruhigende Etwas war in seinen Gedanken, blätterte durch sie hindurch und untersuchte jeden einzelnen, wie es ihm gefiel, doch Harry beschwerte sich nicht. So zu sein war besser, als unter dem Imperius Fluch zu stehen. Es war nicht nur das Gefühl, keine Probleme zu haben, aber er fühlte, dass all seine zukünftigen Probleme gefunden und dann von jemand anderem gelöst werden konnten; dass sich jemand um seine Emotionen kümmern würde. Seine Finger lagen noch immer in der Wasserschüssel und Hitze stieg aus ihnen hervor und brachte es zum Kochen. Harry konnte die kleinen Rauchwolken fühlen, die auf der Oberfläche tanzten und er nahm vage wahr, dass Snapes Augen noch immer in ihm bohrten, bevor –
Plötzlich ertönte ein so lauter Knall, dass Harry fast einen Herzanfall bekam. Er wurde aus seinem Traum in die Realität gerissen, als er mit einem kleinen Aufschrei aufwachte. Ron stand in der Tür, die er gerade aufgeworfen hatte. „Oh", sagte er. „Tut mir Leid, ich dachte, du wärst wach."
Harry holte tief Luft, bedeckte sein Gesicht mit den Händen und legte sich wieder zurück ins Bett, um seinen rasende Herzschlag zu beruhigen. „Es ist okay", sagte er nach ein paar Augenblicken. „Ich hab nur geträumt, das ist alles ..."
„Oh? Wovon denn?", fragte Ron und setzte sich ans Ende seines Bettes.
„Wenn ich das nur wüsste", sagte Harry leise. Er rieb sich die Augen. Wieder hatte er dieses seltsame, leere Gefühl, als hätte er etwas sehr wichtiges vergessen. Er konnte sich nur an kurze und schnelle seines Traumes erinnern. Etwas mit Snape? Und Wasser, irgendwo war bestimmt Wasser gewesen. Er seufzte. Es machte keinen Sinn, sich seinen Kopf über etwas zu zermartern, an das er sich niemals erinnern würde. „Wo sind die anderen?", fragte er schläfrig.
„Unten", sagte Ron. „Sie frühstücken gerade." Er gab Harry einen braunen Umschlag und sagte: „Von der Schule; die Bücherliste und all das. Gerade erst angekommen. Wenn alle aufgestanden und angezogen sind, fahren wir in die Winkelgasse, dort können wir dann alles besorgen."
Harry gähnte leise, während er den Umschlag aufriss und den Brief las. Ron lehnte sich über seine Schulter, verglich die Listen und las laut vor.
„Ein Genauer Ratgeber Zu Den Schwarzen Künsten ... yep, das hab ich ... Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 7 ... ja, hab ich. Oh, ein neues Buch für Verwandlung. Urgh ... Binns will, dass wir uns ein neues Buch kaufen. Ich wette, da ist nicht ein einziges Bild drinnen. Hey ... du brauchst eins, das bei mir nicht dabei ist." Er zeigte stirnrunzelnd auf das letzte Buch auf Harrys Liste. „Kaltes Blut: Eine Studie Des Magischen Mordes, von Verin Maleficia."
Harry hob die Augenbrauen. „Wofür brauch ich das?"
„Frag mich nicht", sagte Ron schulterzuckend. „Aber sieh mal, es steht in einer anderen Handschrift dabei. Der Rest ist mit einer Diktierfeder geschrieben."
„Es sieht wie Lupins Handschrift aus", sagte Harry und runzelte leicht die Stirn. „Aber du hast auch Dunkle Künste. Warum muss ich mir ein anderes Buch kaufen?"
„Wahrscheinlich, weil du es bist, oder?", sagte Ron. „Mit der DA und all dem. Sie glauben, dass du mehr Chancen hast und deswegen helfen sie dir mehr. Ich wette, dass Hermine das Buch auch braucht."
Harry zuckte die Schultern. „Vielleicht", sagte er. Plötzlich bemerkte er, dass Ron außer seiner Bücherliste noch ein Buch in der Hand hielt. „Hey, was ist das?"
„Oh, Hagrid und Charlie haben es aus Hogwarts geschickt", erklärte Ron, ließ sich zurück auf sein Bett fallen und zeigte Harry das Buch. Es war ein Kinderbuch der Muggel mit Bildern zum Herausziehen. Vorne drauf war ein großer Apfel.
„Warum zum Teufel haben sie dir das geschickt?", fragte Harry verwirrt.
Ron zog den Brief aus dem Buch heraus und las vor: „Lieber Harry und Ron. Wie geht es euch beiden? Ich und Charlie haben hier viel Spaß. Wir haben für euch und Sneezy eine Aufgabe, weil ihr ihn über die Ferien bei euch habt. Vor ein paar Tagen haben wir die Opsittops gefüttert und dabei bemerkt, dass sie zu sprechen beginnen. Nur ein paar Worte wie ‚Essen' und ‚raus' und ‚nein'. Wir haben versucht, ihnen noch ein bisschen mehr beizubringen und ich hab euch ein Muggle Alphabet Lernbuch mitgeschickt, damit ihr es mit Sneezy versuchen könnt. Die anderen haben Probleme mit ‚Giraffe', sie nennen sie immer Jerraf. Habt Spaß, von Hagrid und Charlie." Ron warf Harry ein mattes Lächeln zu. „Wir müssen ihm das Sprechen beibringen."
„Wir könnten es versuchen", sagte Harry. „Wie wär's, wenn wir es gleich machen? Geh und hol ihn und wir werden sehen, was wir schaffen."
Falls Harry gedacht hatte, dass die Aufgabe einfach sein würde, hatte er meilenweit daneben gelegen. Sneezy wurde schon bei A für Auto extrem aufgeregt und schien eine Blockade gegen das T in Katze zu entwickeln („Kak! Kak!"). Als sie umblätterten, erschien ein großes Bild einer Bulldogge und es dauert mindestens zehn Minuten, bis sie den panischen Sneezy wieder unter Dracos Bett hervorgeholt hatten. Dann gab es natürlich noch E für Eiscreme, F für Frosch und U für Uhu. Sneezy konnte nicht ganz verstehen, dass N für Nuss und E für Eichel zwei verschiedene Dinge waren und als Harry versuchte, es ordentlich zu erklären, sagte Sneezy ihm, dass er böse war – und die Nuss genauso. Sneezy entschied auch, dass I nicht für Igel sondern eigentlich für Impel stand, G war die Jerraf, B war Bruwwen und nicht Brunnen, und Violinen waren auch böse und als sie endlich Z für Zebra erreichten, hatte Sneezy eine weitere Panikattacke und sie mussten ihn mit Rosinen wieder herauslocken.
Danach legten sie das Buch endlich weg und als Harry sich umgezogen hatte, gingen die drei hinunter in die Küche zum Frühstück. Zu Harrys Schrecken warf Sneezy nur einen Blick auf Snape und nannte ihn einen „bösen Yak", aber Snape bemerkte ihn zum Glück nicht. Als Tausch für die Stille wurde Sneezy mit Brotkrümeln gefüttert.
„Guten Morgen!", sagte Hermine fröhlich. „Habt ihr gut geschlafen?"
„Wunderbar", log Harry. Er setzte sich an den Tisch und stopfte schnell noch ein paar Krümel in Sneezys Mund, um ihn ruhig zu halten. Sneezy, der gerade mitten in einem Wort war, wurde überrascht, hustete stark, fiel um und nieste prompt.
„Warum niest er immer?", fragte Neville und lehnte sich nach vorn um Sneezy besser sehen zu können.
„Er sucht doch nur die Aufmerksamkeit", sagte Ron. „Oder er hat es von etwas im Verbotenen Wald gelernt. Das ist der einzige Ort auf der Welt, an dem sie vorkommen."
„Aber warum niesen die anderen dann nicht?", sagte Hermine. Sie streckte ihre Hand aus und Sneezy tapste herüber. Er setzte sich stolz auf ihre Handfläche und ließ sie seinen Eichelhut tätscheln. „Vielleicht reagiert er auch auf etwas allergisch ... könnten Pollen sein. Er hat vielleicht nur Heuschnupfen."
„Eunupfen", sagte Sneezy glücklich und mampfte auf ein paar Krümeln herum, die Ron ihm gab. „Mmmm, Krulpel."
„Krümel", korrigierte ihn Ron.
„Nein!", quietschte Sneezy. „Krulpel."
Draco lehnte sich nach vorn und sagte langsam: „Krü."
„Krü", wiederholte Sneezy.
„Mel."
„Mel."
„Krümel."
„Krulpel."
Draco legte eine Hand über die Augen und ließ Sneezy in Ruhe und der Opsittop kicherte. Hermine grinste und tätschelte ihn wieder. Sneezy begann zu schnurren – in perfekter Imitation einer Katze.
„Kommt ihr heute mit uns zur Winkelgasse?", fragte Harry Hermine, Luna und Neville.
„Klar", sagte Neville. Er gab Sneezy noch ein paar Krümel. („Ooooh! Krulpel!") und zog dann seine Bücherliste hervor. „Ich hab heute morgen mit Oma durch das Flohnetzwerk geredet und sie sagt, dass es okay ist."
„Ich bin sicher, dass es Daddy nichts ausmachen wird", sagte Luna verträumt und starrte Harry mit diesen nervenaufreibenden großen Augen an. „Er ist im Moment sehr beschäftigt und weil ich nun volljährig bin, kann ich machen was ich will. Immerhin kann ich mich jetzt gegen die Gefahren der Welt verteidigen."
Hermine hielt ein Glas Wasser an Sneezys Lippen und der kleine Opsittop gurgelte fröhlich in das Wasser, während er trank. „Ich hab Mum und Dad eine Eule geschickt und sie meinen, dass es vollkommen in Ordnung ist. Ich könnte mir schon langsam meine Bücher kaufen, ich würde gerne sehen, was wir dieses Jahr machen werden."
„Wir sind ein wenig eifrig, oder?", sagte Draco und hob eine Augenbraue.
„Oh, aber das siebte Jahr soll doch das beste sein", sagte Hermine. „Und natürlich das wichtigste. Wir werden in diesem Jahr ein paar wirklich interessante Sachen durchmachen, die uns das Gesetz bis jetzt verboten hat. Es ist auch unser letztes Jahr. Danach haben wir keine Gelegenheit mehr zum Lernen. Ich werde mich dieses Jahr wirklich bemühen und so hart wie möglich arbeiten."
„Sogar noch mehr, als du es schon machst? Unmöglich", sagte Draco.
„Danke für das Kompliment", sagte sie mit einem süßen Lächeln.
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Als Harry in den Hinterhof des Tropfenden Kessels trat und sich dann die magische Barriere vor ihm auftat, konnte er eindeutig sagen, dass er die Winkelgasse vermisst hatte. Er wusste nicht, ob er einfach nur glücklich war, draußen sein zu können oder ob es etwas anderes war, aber er war in ausgesprochen guter Laune, als die ganze Gruppe die magische Einkaufsstraße betrat.
„Sind alle hier?", sagte Mr Weasley und sah sich um. Alle strahlten ihn an. „Gut, gut. Wir wollen doch in dem Gedränge niemanden verlieren. Heute ist es sehr eng. Molly? Denkst du, dass wir uns trennen sollten?"
„Ich glaube schon", sagte Mrs Weasley. Sie wandte sich um, um die anderen anzusehen. „Kinder, kann ich euch vertrauen, dass ihr alleine zurechtkommt? Ich will aber, dass ihr zusammen bleibt, niemand läuft davon und ihr trennt euch nicht. Ist das klar?"
„Warte", sagte Lupin und hielt eine Hand hoch. „Gringotts wird sie ohne einen Erwachsenen nicht zu den Verliesen lassen. Wir sollten wenigstens die Bank noch gemeinsam besuchen, dann können wir uns trennen."
Mrs Weasley nickte. "Du hast Recht, Remus … kommt schon, bleibt zusammen!"
Sie führte sie die enge gewundene Straße entlang auf ein weißes Gebäude zu, das in der Ferne gerade noch zu sehen war. Harry sah sich um und betrachtete alle Geschäfte, an denen sie vorbeikamen und wollte unbedingt gehen und sich umsehen. Jedes Schaufenster schien ihn herzuwinken und näher zu rufen und einzuladen. Es gab Geschäfte, die Pflanzen verkauften, in anderen gab es Zaubertrankzutaten, das Büchergeschäft, Ollivanders Zauberstabladen, Schokoladengeschäfte, Umhanggeschäfte, Schmuckgeschäfte, ... wie jedes Mal, wenn Harry in der Winkelgasse war wünschte er sich, er hätte zwanzig Augen. Harrys Meinung nach viel zu bald erreichten sie die Gringotts Bank und gingen hinein. Sie war voll bepackt mit Zauberern, die herumstanden und mit den Kobolden sprachen. Einige von ihnen sahen ziemlich gestresst aus und die Kobolde taten ihr bestes, um die Zauberer und Hexen zu beruhigen.
„Wegen der Rückkehr von Ihr-wisst-schon-wem", erklärte Mr Weasley leise. „Jeder fürchtet, dass er die Winkelgasse als nächstes Ziel auserkoren hat, deshalb wollen sie alle ihr Geld abheben."
„Denken Sie, wir sollten ...?", begann Hermine.
Mr Weasley schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Gringotts ist absolut sicher. Es gibt keinen Grund, in Panik zu geraten und alles nach Hause zu holen, bis wir sicher wissen, dass Du-weißt-schon-wer plant, Gringotts zu übernehmen."
Die Gruppe ging auf den einzigen freien Kobold zu. Er saß an seinem Schalter und kritzelte in einem Buch, so groß wie eine Gehwegplatte, herum. Als sie vor ihn traten, schien er sie nicht bemerkt zu haben, bis sich Mr Weasley laut räusperte und sagte: „Entschuldigung?"
Der Kobold blickte auf und sagte mit freundlicher, aber doch gereizter Stimme: „Kann ich Ihnen helfen, Sir?"
„Wir würden gerne hinunter zu unseren Verliesen", sagte Mr Weasley. „Könnten wir vielleicht ...?"
Der Kobold schüttelte den Kopf. „Wir sind im Moment zu sehr beschäftigt. Doch Erwachsene dürfen mit den Karren zu ihren eigenen Verliesen fahren, solange wir sicher sind, dass sie nichts ... ah ... gefährliches vorhaben." Er wieß auf eine Kurve aus Metallschienen an der gegenüberliegenden Wand. Die Schienen führten durch eine Doppeltür und Harry wusste, dass dahinter die Untergrundbahn und die Wege zu den Verliesen waren.
Mr Weasley dankte dem Kobold und scheuchte die Gruppe hinüber zu den Karren. Er und Ginny stiegen in die erste, dann kamen Mrs Weasley mit Ron und Hermine, Bill und Luna folgten ihnen, Draco folgte zögernd Tonks in eine Karre und dann kamen Lupin und Neville. Wie Harry vorhergesehen hatte, blieben er und Snape übrig. Sie stiegen vorsichtig in den Wagen und Snape schloss hinter ihnen das Türchen. Harry ging sicher, dass er bequem saß, packte den Rand der Karre und dann öffneten sich die Türen hinunter in den Untergrund der Bank und der Wagen rollte langsam vorwärts auf die Dunkelheit zu.
Es war eisig kalt und das Klackern der Räder auf den Metallschienen schien endlos in der Dunkelheit zu klingen. Harry fühlte den kalten Wind, der um sein Gesicht und seinen Hals spielte, während der Karren langsam immer schneller wurde und sein Haar in sein Gesicht geweht wurde; sein Magen schien ein paar Zentimeter zu rutschen, als der Wagen eine steile Neigung nach unten raste, nur um im nächsten Moment steil nach oben zu rattern. Harry warf einen Blick über die Schulter – er erinnerte sich an Hagrid in einem dieser Karren und wie er sie hasste, aber Snape war eindeutig nicht so ein Typ. Er sah komplett ruhig aus, schon fast gelangweilt, als ob er zu überlegen wäre, um sich von einer kleinen Sache wie einer Hochgeschwindigkeitsfahrt durch einen unterirdischen Tunnel aus der Ruhe bringen zu lassen. Snape hob angesichts von Harrys Blick fragend eine Augenbraue und Harry rief über das Rattern der Räder: „Wird Ihnen von der Bewegung nicht schlecht?"
„Nein", sagte Snape ruhig, während der Wagen in eine weitere steile Schlucht hinabfuhr. „Und nun ist nicht der richtige Augenblick um mir zu sagen, dass es dir so geht, Potter."
„Das tut es nicht", rief Harry zurück. „Es macht eigentlich sogar Spaß."
Der Wagen schlingerte plötzlich zur Seite und raste eine scharfe Kurve entlang. Harry rutschte nach rechts und musste seine eigenen Worte schlucken, als der Karren gefährlich ratterte, aber Snape streckte eine Hand aus und packte ihn am Kragen. Mit überraschender Stärke zog er Harry zurück auf seinen Platz. „Vorsicht", sagte er halbherzig. „Es ist nicht weit bis nach unten, aber du würdest auf hartem Stein landen und ich habe nicht das Verlangen, dich davon abkratzen zu müssen."
„Wieso wissen Sie, dass es nicht weit nach unten ist?", fragte Harry.
Snapes Mundwinkel zuckten ein klein wenig. „Nun, ich dachte, es wäre offensichtlich ... ich war schon unten."
„Warum waren – ", begann Harry.
„Schon vergessen, Potter?", sagte Snape, seine Augen auf Harry fixiert und in seiner kalten Stimme schwebte ein wenig Humor mit.
Harry dachte einen Moment lang nach und dann erinnerte er sich an letztes Weihnachten, als Snapes Vorstellung von einem Geschenk eine Tasche voller gefährlicher magischer Objekte gewesen war. „Oh, klar ... als Sie die Verdopplungsmünze von Gringotts gestohlen haben."
„Gestohlen ist nicht das Wort, das ich verwenden würde", sagte Snape fast gelangweilt. „Ich denke lieber, dass ich Gringotts um einen Gegenstand erleichtert habe, den sie weder verwendet noch gebraucht haben."
„Ich nenne es stehlen", sagte Harry. Er warf einen Blick nach oben und beobachtete die unruhige Decke, die über sie hinwegzog. Jeder Wassertropfen der fiel, kam Harry und Snape nicht nahe, denn der kleine Zug bewegte sich zu schnell und sie fielen nur nutzlos fünf Meter hinter ihnen zu Boden. „Wie haben Sie es geschafft?"
„Mit Leichtigkeit", war die kalte Antwort.
„Aber wie? Gringotts ist der sicherste Ort für etwas, das man sicher aufbewahren will, außer vielleicht Hogwarts." Harry erinnerte sich daran, wie Hagrid ihm genau das vor sechs Jahren gesagt hatte. „Die Bank wurde noch nie zuvor ausgeraubt, nicht einmal von Voldemort."
„Jedes Puzzle kann gelöst werden, und zwar mit Zeit, Vorbereitung und Naturtalent", sagte Snape. Er lehnte sich in seinem Sitz zurück, immer noch mit sehr gelangweilter Miene. „Ich bin einfach aus dem Wagen gestiegen, habe das Verlies gefunden, in dem die Verdopplungsmünze versteckt war und habe sie in dem Berg von Fälschungen entdeckt."
Harry warf Snape einen unschlüssigen Blick zu. „Sie sind nicht gerade ein Freund von Details, oder?"
„Welche Details soll ich dir geben?"
„Nun ... wie sind Sie aus dem Wagen gekommen?"
„Ich bin gesprungen."
„Sie sind gesprungen?"
„Mm."
„Aber ... warum sind Sie nicht gestorben?"
„Ich habe meine Landung abgeschätzt und die schlimmsten Felsen vermieden."
„Aber wie? Es ist komplett dunkel, wie konnten Sie etwas sehen? Und der Zug fährt einfach zu schnell, Sie würden sofort an die Felsen prallen."
Snape grinste nur. „Das, Potter, ist wo natürliches Talent in die Gleichung kommt. Stell jetzt keine Fragen mehr. Wenn der Tag kommt, an dem du Gringotts ausraubst, werde ich dir mehr beibringen. Bis zu diesem Tag glaub mir einfach, dass ich es im richtigen Moment gemacht habe."
Harry wollte unbedingt mehr fragen, aber er wusste, dass es nichts brachte, Snape nach Antworten zu pressen. Obwohl es noch eine Frage gab, zu der er die Antwort wissen musste. „Ähm ... Professor?"
„Mm?"
„Ist es wahr, dass Drachen die Hochsicherheitsverliese bewachen?"
Snape nickte grimmig. „Ich habe noch immer sehr viele der Verbrennungen."
Etwa eine Minute später blieb der Wagen quietschend vor Harrys Verlies stehen und riss ihn aus seinen Überlegungen, wie Snape etwas geschafft hatte, das nicht einmal Voldemort gelang. Snape öffnete die Tür des Karrens und die beiden kletterten heraus, während Harry in seiner Tasche nach dem Schlüssel suchte. Er fand ihn schließlich und steckte ihn vorsichtig in das Schloss, wobei Snape zusah. Harry wünschte sich fast, er würde woanders hinsehen. Er hasste es, wenn jemand das gesamte Potter Erbe sah, besonders, wenn es jemand war, der ihm nahe stand. Er wusste nicht, ob Snape viel oder wenig Geld hatte, obwohl ihm das auch nicht geholfen hätte.
Er öffnete sein Verlies und hob schnell eine handvoll Galleonen auf und stopfte sie in eine Ledertasche, wobei er versuchte, Snapes Blick zu blockieren. Doch zu Harrys Schrecken, sprach sein magischer Beschützer leise: „Nun, das erklärt einiges ..."
Harry wurde rot, hielt sich jedoch an seine Würde und sagte mit so kalter Stimme, wie er konnte: „Was genau erklärt es?"
„Was dein Vater mit dem Geld gemacht hat", sagte Snape gelangweilt. „Ich muss zugeben, ich hatte erwartet, dass er alles sofort ausgegeben hatte, in der Nacht, als er es bekam ..."
„Dann haben Sie falsch gedacht", sagte Harry. Er war ein paar Augenblicke lang still, während derer er einen kleinen Rubin aus der Ledertasche zog und zurück ins Verlies warf. Dann, doch neugierig geworden, wandte er sich mit erhobenen Augenbrauen Snape zu. „Was meinen Sie, was er mit dem Geld gemacht hat? Wissen Sie, wie er es bekommen hat?"
„In der Tat", sagte Snape stirnrunzelnd.
„Würden Sie das Wissen mit mir teilen?", fragte Harry. Er schloss die Tür seines Verlies, stopfte den Lederbeutel in seinen Rucksack und sah Snape dann fast vorwurfsvoll an.
Snapes Lippen kräuselten sich zu einem Lächeln von der Art, die Harry fast dazu brachte, ihm einen Stoß zu geben und hinunter in die Dunkelheit unter ihnen fallen zu lassen. „Du meinst, du weißt es nicht, Potter?"
„Was war es?", sagte Harry kalt. „Ein Belohnung, weil er Ihr Leben gerettet hat?"
Snapes Augen blitzten. Harry konnte sich ein kleines Gefühl des Triumphes nicht verkneifen. Sein Vater war für Snape immer ein wunder Punkt. „Nein", gab der Professor in einem kalten Zischen zurück. „Im Gegenteil."
„Weil er Sie umgebracht hat?", sagte Harry, bevor ihm klar wurde, wie dumm das klang.
Snape antwortete mit einem Augenrollen. „Ich bin noch ziemlich aktiv für einen Toten, nicht wahr?"
„Okay, okay, der Punkt geht an Sie ... bitte, sagen Sie mir, wie mein Dad das Geld bekommen hat." Er warf Snape einen bittenden Blick zu. „Wollen Sie etwa, dass ich Ihre Schuhe lecke oder so was?"
„Nein", sagte Snape. „Diese Schuhe sind teuer." Er seufzte, öffnete das Türchen des Wagens und ging hinein. Harry setzte sich wieder auf seinen Platz und sah Snape auffordernd an. Snape runzelte die Stirn. „Was?"
„Sagen Sie es mir!", verlangte Harry verzweifelt. „Was denken Sie, dass ich machen werde? Lachen?"
„Ja", war die ziemlich kurze Antwort. Snape hob eine Augenbraue. „Doch ich denke, dass du mich nicht in Ruhe lassen wirst, bis ich es dir sage?"
„Korrekt", sagte Harry.
Snape seufzte. „Nun gut ... obwohl ich dir nur sagen werde, was ich will und nicht mehr. Sind wir uns klar?"
„Aber Sie werden nicht lügen", sagte Harry.
„Nicht mit Absicht." Snape lehnte sich zurück und besah sich einen Zaubertrankfleck auf seiner Handfläche, an dem er abwesend mit seinem Daumen zu kratzen begann. „Einfach gesagt, dein Vater war der Auror der alleine dafür verantwortlich war, dass etwa fünfzehn Todesser gefasst wurde. Mich eingeschlossen."
Harry starrte Snape mit offenem Mund an. „Wann?"
Snape sah ihn mit verengten Augen an. „Kurz nachdem die Welt mit dir gesegnet wurde."
„Was hat er gemacht?", fragte Harry. „Was ist passiert?"
„Weil er der neugierige Dummkopf war, der er eben war, stolperte er über die Information wo unser nächstes Ziel sein würde", sagte Snape kalt. „Wir machten den Fehler, nicht gemeinsam sondern nacheinander anzukommen, also konnte er einen nach dem anderen erledigen." Als ob er ein wenig seiner Würde behalten wolle, fügte er noch hinzu: „Ich wurde nur durch mein eigenes Pech erwischt. Es hatte nichts mit den Fähigkeiten deines Vaters zu tun."
„Klar", sagte Harry abwesend. „Also hat er all das Geld dafür bekommen?"
Snape nickte. „Das Ministerium belohnte ihn großzügig für seine ‚Anstrengungen'. Meine Partner wurden befragt, doch sie standen weiterhin beim Dunklen Lord und landeten in Askaban. Ich hatte geplant, die Reihen des Dunklen Lords zu verlassen, egal, was passiert, und deshalb habe ich davon profitiert. Weil wir schon beim Thema sind, Potter, ich war es, der Dumbledore davon in Kenntnis setzte, dass der Dunkle Lord plante, deine Familie anzugreifen."
„Das waren Sie?", sagte Harry erstaunt. Das Rattern und Schlingern des Wagens schien ihn nicht mehr zu berühren, oder zumindest wurde es in seinem Gehirn nicht registriert. „Sie haben versucht, uns zu retten? Aber ... wann genau wurde der Beschützerbund auferlegt?"
„In der Nacht nachdem deine Eltern ermordet wurden", antwortete Snape.
„Also ... gab es den Bund noch nicht, als Sie Dumbledore den Tipp gaben", sagte Harry und sah Snape überrascht an.
Snapes Augenbraue hob sich nur kurz und dann nickte er. „Bevor du fragst, ich habe es aus Loyalität zu Dumbledore gemacht. Dein Vater hat mich gehasst, als er gestorben ist, und ich kann sagen, dass ich mein eigenes Ende ohne Trauer wegen ihm treffen werde."
Harry schüttelte stumm den Kopf und fragte sich, welche anderen Dinge Snape noch wusste, von denen er keine Ahnung hatte. „Sie werden nie aufhören, mich zu überraschen, oder?"
Snape grinste ein klein wenig. „Menschen zu erschrecken ist eine der wenigen Nettigkeiten in meinem sonst so bedeutungslosen Leben. Vertrau mir Potter – du wirst noch eine Weile lernen."
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Harry verbrachte gemeinsam mit seinen Freunden einen schönen Tag in der Winkelgasse und sie besuchten fast jedes Geschäft, dass es gab. Sie kauften auch ihre Schulausrüstung und hatten dann noch Zeit übrig, also spendierte Harry für alle Eis und sie setzten sich in die Sonne vor dem Eiscafé und redeten. Hermine dachte wie immer über das kommende Schuljahr nach.
„Ich kann's kaum noch erwarten zu sehen, worum es bei Vermischte Magie gehen wird", sagte sie begeistert und knabberte an der Waffel ihrer Eiscreme.
„Es sollte interessant werden", meinte Draco. Er verfolgte das geschmolzene Eis mit seiner Zunge und hielt es von der Flucht ab. „Chinesische Drachenmagie ist faszinierend ... Vater hat mir etwas davon beigebracht. Sehr auffällig. Mittelalterliche Zauberer haben sie immer vor den Königen und so vorgezeigt. Sie ist auch nicht schwer. Sogar du könntest sie schaffen, Longbottom."
Neville errötete ein wenig, obwohl er nicht wie sonst zusammenschrak. Sein Widerstand gegen Draco wurde immer stärker, und obwohl es ein langsamer Prozess war, konnte er nun die meisten der abwertenden Kommentare des Slytherins ignorieren. „Es muss auf Vorschulniveau sein", sagte er mit leicht zitternder Stimme. „Wenn es dir gefällt, Malfoy."
Die anderen schnaubten in ihre Eisbecher. Draco starrte Neville nur an und lehnte sich zurück; die ganze Zeit über warf er ihm einen düsteren Blick zu, dann widmete er sich wieder seinem Eis.
„Ich hoffe", sagte Luna verträumt. „Dass Professor Lupin weiterhin Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten wird ... er scheint ein sehr guter Lehrer zu sein ..." Sie sah einen Moment lang nachdenklich aus, dann wandte sie ihre gespenstischen Augen Harry zu und sagte tonlos: „Kainda mag Professor Lupin."
„Oh?", sagte er und fragte sich, warum sie dachte, das wäre eine große Sache. Allerdings dachte Luna auch, dass Regen etwas Besonderes war, oder wenn Harry neue Socken trug, oder wenn eines von Rons Haaren nicht auf seinem Platz lag.
„Ja", sagte sie in halbem Flüsterton.
„Jeder mag Professor Lupin", sagte Ron schulterzuckend und schleckte an seinem Kirschen und Bananen Eisbecher.
„Kainda mag ihn mehr", sagte Luna und starrte Harry an.
Draco legte einen Moment lang die Hand über die Augen und murmelte etwas über verrückte Leute. Draco hatte immer und würde immer Luna für die seltsamste Person der Welt halten.
Luna legte den Kopf ein wenig zur Seite und starrte Harry ohne zu blinzeln an. „Kainda mag Professor Lupin."
"Wir haben dich beim ersten Mal schon gehört", murmelte Draco.
„Schhh", unterbrach ihn Luna. „Deine Stimme verjagt sie ..."
„Verjagt wen?", sagte Draco und starrte sie ungläubig an. Luna gab ihm keine Antwort.
Nachdem sie ihr Eis gegessen hatten, gingen sie zurück zu Gringotts, wo sie Mr und Mrs Weasley, Lupin, Snape, Tonks und Bill trafen. Sie alle trugen Taschen bei sich und es roch so, als wäre Snapes mit Drachenleber gefüllt. Es gluckste, wenn er ging. Harry wollte gar nicht erst fragen.
Sie gingen zurück nach Hause. Die große Gruppe auf dem Gehsteig zwang die Muggel, auszuweichen, die dann grummelten und verärgert etwas über Großfamilien murmelten. Inzwischen waren alle hungrig und setzten sich erwartungsvoll um den Tisch, als Mrs Weasley begann, das Abendessen zu kochen. Harry bot an, Rons und Dracos Bücher nach oben in ihr Zimmer zu bringen, und seine Arme wurde fast ausgerissen, als er die schweren unförmigen Taschen nach oben zerrte. Er ließ sie auf die Betten plumpsen und fiel dann seufzend aus sein eigenes. Gerade, als er sich umdrehen und wieder aufstehen wollte, um zum Abendessen zu gehen, erkannte er etwas.
Jemand stand hinter ihm. Er dachte, es wäre Ron oder Draco, und so drehte er sich um, um Hallo zu sagen. Die Gestalt schoss sofort nach vorn, packte Harry und legte etwas, dass unmissverständlich eine Pfote war, über Harrys Mund, um ihn ruhig zu halten. Harry starrte in ein Gesicht, „dieses" Gesicht, und plötzlich war es kein Traum mehr.
„Guten Abend", kam es im Flüsterton aus einem Mund voller Krokodilszähne.
