HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI
KAPITEL 8 – Das Malfoy Anwesen
Snape bückte sich und zog ihn eher unwirsch wieder auf die Beine, wobei er Asche und Staub von seinem Umhang klopfte. „Alles in Ordnung?"
Harry hustete schwach und öffnete den Mund, um sich zu beschweren, bevor seine Augen erkannten, wo er war. Sein Husten verstummte und er riss den Mund auf.
Es war wie ein Palast – nein, mehr als ein Palast. Jemand, der größer war als ein König oder Kaiser oder Politiker musste hier wohnen. Einen Moment lang blendete ihn das Blitzen des Silbers, das überall war, bevor sein Blick daran vorbeiwanderte. Die Wände waren in einem dunklen Grün gehalten und bestanden aus einem Material, das wie Wasser schimmerte und wie Metall glitzerte, und der hölzerne Boden unter seinen Füßen bestand aus einem so komplexem Muster, dass es unmöglich war, ihm zu folgen. Über Harrys Kopf glitzerte ein Kronleuchter aus Saphiren, Diamanten und Silber so hell, dass es schien, als wäre er aus Sternen gemacht worden. Es war leicht der teuerste und schönste Ort, an dem Harry jemals in seinem Leben gewesen war, obwohl das Zimmer Spuren der Verlassenheit aufwies. Eine dicke Staubschicht lag auf allen hölzernen Oberflächen und sogar ein Teeservice, noch schön aufgestellt war auf einem Tischchen, der Morgenkaffee halb getrunken und die Zeitung lag geöffnet daneben, während ihre Seiten langsam vergilbten.
„Draco wohnt hier?", fragte Harry überwältigt und sah sich in dem wunderschönen Zimmer um.
„Wohnte", meinte Snape. „Lucius erinnerte mich immer gerne daran, dass seine Familie schon hier gewohnt hat bevor Hogwarts gegründet wurde. Ich denke, dass die wahre Malfoy Blutlinie nur durch den ältesten Sohn läuft – alle anderen Kinder sind vergessen. Das Haus gehörte dem ältesten Sohn des ältesten Sohnes, und so weiter."
Harrys Augen fielen auf ein riesiges Gemälde über einem Marmorkamin auf der anderen Seite des Zimmer. Der eisige Blick Lucius Malfoys traf den seinen mit feurigem Stolz und Arroganz, während sich seine blasse Hand fester auf die Schulter den blonden Jungen an seiner Seite legte. Draco war höchstens acht Jahre alt, aber die Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn war bereits deutlich. Sie hatten die gleichen Augen, das gleiche, spitze Gesicht, die gleiche Haut, die gleiche Haarfarbe. Während Harry das Bild betrachtete, nahm Draco den silbernen Schlangenstab aus der Hand seines Vater und begann, damit zu spielen; er ließ seines Finger mit unschuldiger Neugier über die Fangzähne der Schlange gleiten. Lucius lächelte seinen Sohn stolz an.
„Draco sah seiner Mutter nie ähnlich", sagte Snape und betrachtete das Gemälde über Harrys Schulter hinweg. „Er ist wirklich Lucius' Sohn. Als er erst ein halbes Jahr alt war, waren seine Augen genau wie die seines Vaters."
„Wieso wissen Sie, wie Draco mit einem halben Jahr ausgesehen hat?", fragte Harry neugierig.
„Die meisten Paten müssen wissen, wie ihre Patenkinder aussehen", sagte Snape und hob eine dünne, schwarze Augenbraue.
„Sie sind Dracos Pate!", sagte Harry schockiert.
„Bist du darüber so sehr überrascht?"
Harry dachte nach. „Nein, nicht wirklich."
Snape wandte sich der Tür zu, zog seinen Zauberstab aus dem Ärmel und ließ ihn mit einem gemurmelten: „Lumos!" erleuchten. Er warf Harry über seine Schulter hinweg einen Blick zu. „Komm, Potter. Wir müssen eine ganze magische Villa durchsuchen und im Moment ist alles, was wir wissen, dass er nicht im Salon ist."
„Das ist der Salon der Malfoys?", sagte Harry und hielt inne."
„Mm."
„Dann glaube ich, dass wir nicht lange suchen müssen." Harry sah sich um, entdeckte einen langen Schürhaken, der neben dem Kamin lag, und hob ihn auf. „Ich denke ich weiß, wo er ist. Und ich weiß auch, wie wir sehr schnell dorthin kommen."
Snape beobachtete ihn misstrauisch, sagte jedoch nichts.
„Wir müssen durch diesen Boden", sagte Harry. „Aber jeder Zentimeter dieses Hauses ist wahrscheinlich von Magie geschützt, oder? Also wird kein einziger Zauber in Loch im Boden öffnen. Wenn ein Zimmer also keine Tür oder ein Fenster hat, ist es das perfekte Versteck ... aber die Malfoy erkennen einfach nicht, wie viel Schaden ein Schlammblüter mit einem Schürhaken anstellen kann." Und er schlug ein Loch direkt durch die uralten Bretter des Bodens.
„Potter!" Snape riss den Schürhaken aus seiner Hand und zischte: „Was GENAU denkst du, was du tust? Das ist nicht der richtige Augenblick um den Vandalen in dir zu entdecken!"
„Wer ist da?", rief eine Stimme aus dem Loch, das Harry geschlagen hatte. „Ich warne dich, ich habe meinen Zauberstab!"
Die Änderung von Snapes Miene war verblüffend. Noch nie zuvor hatte Harry gesehen, dass sich Wut so schnell und glatt in Schock umwandelte. Snapes Blick wanderte von dem Loch zu Harry und dann sagte er verblüfft: „Wie im Namen von Salazar Slytherin wusstest du, dass – "
„Professor Snape?", rief Draco aus der geheimen Kammer unter dem Salon der Malfoys.
„Malfoy!" Snape kniete sich hin, packte den Teppich und zog ihn zurück, während er mit der anderen Hand den Schürhaken fest umklammerte. „Geh zurück!" Er schlug ein weiteres Loch in den Boden und mit viel Kraft schaffte er es, das Loch so groß zu machen, dass er und Harry in den verborgenen Raum hinunter schlüpfen konnten.
Verglichen mit dem anderen Glitzern und Funkeln der Malfoy Familie war Harry überrascht. Boden und Wände waren nur kalter, harter Stein ohne jegliche Dekoration und das einzig helle Licht kam von dem Loch, das Harry und Snape geschlagen hatten. Es gab sehr wenig Möbel, eigentlich nur ein Berg alter Truhen in verschiedenen Größen und Formen. Einige waren geöffnet und durchsucht worden, der Inhalt durcheinandergebracht und unordentlich wieder hineingestopft worden, aber ein paar waren noch fest verschlossen. Inmitten der Truhen saß Draco im Schneidersitz auf dem Boden und starrte zu ihnen hoch.
„Woher habt ihr gewusst, dass ich hier bin?", fragte er misstrauisch.
Snape wandte sich mit einer erhobenen Augenbraue an Harry. „Das habe ich mich auch schon gefragt ..."
Harrys Blick wanderte von Draco zu Snape und wieder zurück, und er erkannte, dass eine Erklärung auch beweisen würde, dass er von Snape gestohlen hatte und, dass er und Ron in ihrem zweiten Jahr Draco mit dem Vielsafttrank reingelegt hatten. „Eines Tages", sagte er weise. „Wenn ich sehr, sehr weit von euren Zauberstäben entfernt bin, fragt mich wieder und dann werden wir darüber reden."
Snape setzte seine ich-bin-damit-nicht-zufrieden Miene auf, aber Draco änderte glücklich das Gesprächsthema, indem er den Deckel der nächsten Truhe hob und begann, darin herum zu wühlen. „Wenn ihr wollt, könnt ihr beide zurück zum Grimmauldplatz gehen. Ich werde nicht lange brauchen."
„Was machst du eigentlich?", fragte Harry und ging zu ihm hinüber.
„Ich hole mein rechtmäßiges Erbe", meine Draco. Er hob etwas auf, das aussah wie ein Drachenei aus purem Silber, bestückt mit Smaragden, und er legte es in die Truhe vor ihm. Darin waren bereits ein paar Umhänge, sehr sauber gefaltet und die meisten waren, grün, silbern oder schwarz; ein paar Bücher, eine hölzerne Schachtel mit der Aufschrift „Die komplette Sammlung eines künstlerischen Zauberers"; und eine verblüffend große Menge von Goldes, die leicht drei Viertel des Platzes brauchte. „Das Ministerium hat mir vielleicht das offizielle Malfoy Erbe genommen", sagte Draco mit kalter Stimme und steckte noch mehr Münzen in jeden freien Schlitz des Koffers, „aber mein Vater würde seine Erbe nie ohne Geld lassen. Ganz im Gegenteil. Er hat Gringotts nie vertraut, deshalb hat er mein ‚offizielles' Erbe dort untergebracht. Eine Fälschung. Nicht einmal genug, um mir Land kaufen zu können. Er wusste, wenn meine Familie jemals verdächtigt würde, würden sie die Malfoy Verliese durchsuchen, und sie haben es getan. Aber er ließ meine wahres Erbe hier, alles, das für meine Familie wertvoll ist. Sie können das Haus zerstören – das ist mir egal. Ich kann ein anderes Haus kaufen. Aber diese Schätze gehören mir, und kein Ministeriumsangestellter wird es mir je wegnehmen. Niemals."
„Aber ... wenn sie dir das Haus und alles darin weggenommen haben", sagte Harry vorsichtig. „Gehört dies hier nicht auch dazu? Ist das dann nicht eigentlich Diebstahl?"
Dracos Augen verengten sich gefährlich. „Das Ministerium hat meine Familie nicht kontrolliert, als sie am Leben war, Potter. Sie werden es im Tod ebenfalls nicht tun."
„Es gibt auf der Welt drei Arten von Menschen", sagte Snape weise und ging hinüber zu den Truhen, die auf dem Boden verstreut lagen. „Es gibt Gut ... es gibt Böse ... und es gibt Malfoy. Lucius war ein Mann mit einem solchen Charakter, dass er über allen Einordnungen stand, die man wagte, ihm zuzuteilen. Sogar bei den Treffen der Todesser gab er sich, als wäre es seine Wahl, dort zu sein und wir sollten für seine Anwesenheit dankbar sein. Die Malfoy tanzen zum Schlag ihrer eigenen Trommel."
„Aber falls Mr Weasley herausfindet, dass du – ", begann Harry.
Draco unterbrach ihn mit einem scharfen Zischen. „Entschuldige? Die einzige Möglichkeit, wie Mr Weasley von dem hier erfahren kann, ist wenn es ihm jemand sagt. Und niemand wird es ihm sagen, nicht wahr?" Seine Augen blitzten gefährlich, während er Harry anstarrte, genau wie die Hermines, wenn sie herausfand, dass er bei einer Prüfung geschummelt hatte.
Harry warf einen Blick in die Truhe. Draco hatte eigentlich nichts. Kein Gold, keine ordentlichen Klamotten, keine Gegenstände, die wirklich ihm gehörten. Er hatte viel weniger als die Weasleys, von denen Harry immer gedacht hatte, sie wären wirklich die ärmsten Menschen, die er kannte.
Harry schüttelte den Kopf. „Nein, er wird es nicht erfahren. Keine Angst. Wie planst du eigentlich, die Truhe zum Grimmauldplatz zu bringen, ohne dass es jemand merkt?"
Sie wurden in diesem Moment jedoch von dem Geräusch von sich nähernder Schritte unterbrochen. Harry und Draco erstarrten sofort. Snape zog den Zauberstab heraus und zischte: „Occulto!" Das Loch in der Decke verschwand sofort, als würde das Holz selbst heilen, und dann standen sie in kompletter Dunkelheit da. „Ponere quisnam", murmelte Snape.
Ein paar Rauchwölkchen stiegen aus dem Ende seines Zauberstabes auf und Harry sah zu, wie sie zu tanzen begannen und sich dann in drei Schatten aufteilten. Er fragte sich, welche Gestalt sie wohl annehmen würden, bevor er es erkannte. Drei Gesichter schwebten vor Snape, Draco und Harry in der Luft. Zwei von ihnen erkannte er – der fettige, scharfkantige Rookwood. Harry wusste nie wirklich, womit man Rookwood vergleichen konnte, denn er sah nicht aus wie eine Ratte oder Ungeziefer, aber irgendwo gab es bestimmt ein unnützliches Getier, das genau so aussah wie Rookwood.
Neben ihm schwebte das Gesicht einer Frau, sehr blass und schön wie eine schwarze Witwe. Isabis war Rookwoods Frau, mit schwarzem Haar, so dunkel wie Raben, und rauchig silbrigen Augen. Wie schön sie auch war, sie kam mit einem hohen Preis. In der Zaubererwelt war Ehebruch ein bestraftes Verbrechen, wie Professor Snape im letzten Jahr herausgefunden hatte – sogar noch schlimmer, Isabis hatte Snape betrogen und sich wieder ihrem Mann angeschlossen.
Den dritten erkannte Harry nicht, aber nach nur einem kurzen Blick wusste er eines über diese Person. Er war ein Malfoy, offenbar von Lucius' Seite der Familie. Er hatte kurzes, weißblondes Haar mit dunklen Strähnen, ein blasses, spitzes Gesicht und die bekannten Malfoy Augen.
„Kane ...", zischte Draco neben Harry.
„Wer ist Kane?", fragte Harry so leise er konnte.
„Mein Cousin", murmelte Draco. „Der Sohn der jüngsten Schwester meines Vaters, Vatusia. Ich glaube, er ist achtzehn."
„Warum war er nicht in Hogwarts?"
„Durmstrang", flüsterte Draco. Er runzelte die Stirn. „Vertrau darauf, dass er hierher kommt ... hinter meinem Erbe her. Ich würd gern sehen, wie er es versucht ..."
„Ruhig", zischte Snape plötzlich und beendete ihr Gespräch. „Wie bist du in dieses Zimmer gekommen, Draco? Wir brauchen einen Weg hier raus ..."
„Die Falltür unter dem Teppich", murmelte Draco und zuckte kurz mit den Schultern. Er deutete in eine Ecke des verdunkelten Verlieses. „Und von dort aus Flohpulver in die Gasse am Grimmauldplatz. Der gleiche Kamin, den Mr Weasley benutzt, um jeden Tag zur Arbeit zu kommen."
Snape seufzte und rieb sich über die Stirn. „Das läuft nicht so, wie ich es geplant hatte."
„Ist es meine Schuld, dass ihr mir folgen musstet?", sagte Draco kalt.
Snape sah ihn düster an und bedeutete den beiden Jungen dann, ihm zu folgen und ruhig zu bleiben. Harry hielt seinen Zauberstab fest in der Hand. Obwohl er merkte, dass sich leichte Besorgnis in seiner Brust breit machte, konnte er die seltsam prickelnde Aufregung nicht unterdrücken. Snape wandte sich den beiden zu, als sie unter der Falltür standen und er murmelte sehr, sehr leise: „Versucht, sie zu erwischen, wenn ihr könnt, bringt euch aber nicht selbst in Gefahr. Sie werden vielleicht vom Ministerium gesucht, aber eure Sicherheit kommt zuerst. Wenn die Tür offen ist, gehe ich als Erster ... wenn ich oben bin, folgt ihr beiden. Draco, du hast am meisten Erfahrung mit Kane, konzentriere dich auf ihn. Ich werde mich um Rookwood kümmern. Potter – "
„ – darf ein Mädchen zusammenschlagen", beendete Draco von Ohr zu Ohr grinsend.
„Halt den Mund", zischte Harry. „Immerhin kann ich es. Ein Blick auf ihre Beine und du würdest zulassen, dass sie dich einfach umbringt."
Draco warf Harry einen scharfen Blick zu, ignorierte aber den Kommentar, und nickte Snape dann zu um zu sagen, dass er bereit war. Snape warf Harry einen Blick zu und schlang dann die Hand um den Griff der Falltür. Harry hielt den Atem an.
Dann warf Snape die Falltür auf und flog praktisch von dem geheimen Raum in einem Schauer aus Funken nach oben. Harry hörte die überraschten Aufschreie der drei Eindringlinge, bevor Draco ihn nach oben in den Salon hob und rief: „LOS!"
Harry musste sich das nicht zweimal sagen lassen. Er sprangt auf und erhaschte einen kurzen Blick auf Rookwood, der mit Snape an den Fersen aus dem Raum lief, bevor Dracos Cousin nach vor lief, um ihn zu packen. Harry stieß instinktiv hart zu und traf den Jungen hart an der Seite des Kopfes, bevor er den Zauberstab zog und rief: „Stupor!"
Der andere wedelte schnell mit dem Zauberstab und der Fluch prallte von ihm ab, traf ein Bücherregal und hinterließ ein großes Loch. Draco war nun aus der geheimen Kammer gekommen und attackierte gnadenlos, wobei sein Zauberstab sich so schnell bewegte, dass er nur noch verschwommen zu sehen war. Die beiden Malfoys duellierten sich so schnell, dass Harry innehielt und sie beobachtete, bevor ihm einfiel, dass er sich um Isabis kümmern sollte. Er sah sich schnell um, und obwohl sie schon verschwunden war, erkannte seine Ohren das Geräusch von hohen Plastikabsätzen auf dem marmornen Boden, und er lief aus einer Tür neben dem Kamin, um ihr zu folgen.
Da war sie, am Ende eines Korridors, an dessen Wänden Bilder von blonden, blassen Kindern hingen, doch Harry hatte keine Zeit, um sie sich anzusehen. Er sprintete hinter Isabis her, wobei seine Schuhe einen schnellen Rhythmus am Boden schlugen; er zog den Zauberstab und rief: „Stupor!"
Sie schrie auf und entkam gerade noch durch eine Tür. Der Fluch traf eine teuer aussehende Vase, die mit einem markerschütternden Krachen zu Boden fiel. Harry erhöhte sein Tempo, richtete den Zauberstab auf sich selbst und keuchte: „Celox!" Sofort fühlte er, wie er sich schneller bewegte und Energie in seine Arme und Beine schoss, als der Zauber wirkte.
Er lief nun schneller durch die Tür, die Isabis genommen hatte, und befand sich dann in der Mitte einer Bibliothek. Sie war vom Boden bis zur Decke mit Büchern gefüllt, die in Regalen an allen Wänden und in der Mitte des Raumes standen. Harry sah, wie Isabis zwischen Regalen auf der anderen Seite lief und folgte ihrem Weg. Sie wurde offenbar langsamer und konnte mit ihren hohen Absätzen nicht so schnell laufen wie Harry. Harry konnte ein grimmiges Lächeln nicht unterdrücken – wie ironisch, dass das Beste an ihr, ihre Schönheit, zu ihrem Nachteil wurde.
Ein Fluch schoss aus der Spitze ihres Zauberstabes, aber er verfehlte Harry um Meter. Sie schrie erstickt auf und wandte sich um, um einen neuen Fluchtversuch zu starten, aber Harry brüllte: „Stupor!" und der Fluch traf sie am Arm; sofort rollten sich ihre Augen in den Kopf. Sie fiel zu Boden und landeten zusammengerollt. Von seinem Sieg überwältigt lief Harry zu ihr.
Sie lag auf dem Boden und ihr Umhang und Mantel umrahmten sie wie die Flügel eines Engels. Einer der Absätze ihrer Schuhe war abgebrochen und am anderen fehlte ein Riemchen. Kein Wunder, dass sie nicht ordentlich hatte laufen können. Harry bückte sie, zog den Zauberstab aus ihren Finger und steckte ihn zur Aufbewahrung in seinen Gürtel. Ein Gefühl des Stolzes, wegen seiner ersten Festnahme, stieg gerade in ihm auf, und er fragte sich, ob es auf seiner Bewerbung als Auror gut aussehen würde, als er etwas bemerkte, weswegen er sich sehr, sehr unsportlich fühlte.
Sie war hochschwanger. Harry hatte mit solchen Dingen überhaupt keine Erfahrung, aber nach der Größe ihres Bauches zu schließen, würde das Baby sehr bald zur Welt kommen. Harry bedeckte die Augen mit den Händen und stellte sich die Schlagzeile vor. HARRY POTTER ÜBERRUMPELT SCHWANGERE FRAU. Trotzdem, sie war eine Todesserin, schwanger oder nicht. Das machte sie nicht weniger böse. Nur ein wenig ... verletzlicher und verteidigungsloser.
Harry dachte gerade, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte, aber es kam ein paar Momente später, als er Schritte hörte. Draco kam in den Raum und zog etwas hinter sich her, dass Harry zunächst für eine riesige Raupe hielt, doch dann erkannte er, dass es Dracos Cousin war, der mit starken, seidigen Seilen gefesselt war. Draco stöhnte und sagte, sich über die Augenbraue wischend: „Hat eine Ewigkeit gedauert, ihn hierher zu bringen ... du weißt nicht, wo Professor – " Er erblickte Isabis auf dem Boden und seine Augen weiteten sie vor Schock. „Potter!"
„Sag es nicht", stöhnte Harry.
„Sie ist schwanger!"
„Ich weiß", sagte Harry und seufzte. „Ich hab nicht nur eine Frau überrumpelt, sie ist auch noch schwanger. Du musst es mir nicht noch einmal sagen."
„Nicht das", sagte Draco undeutlich, ließ seinen Cousin fallen und kam herüber. „Obwohl das nicht gerade sehr männlich von dir war, und ich später darauf zurückkommen werde. Es gibt etwas wichtigeres. Sie ist etwa im achten Monat, würde ich sagen ... vielleicht sogar schon später, und – "
„Sie wird das Kind doch nicht jetzt bekommen, oder?", rief Harry. „Zauber beschleunigen die Wehen doch nicht, oder so etwas?"
„Nein, nein", sagte Draco abweisend. „Das ist es nicht. Potter, denk mal nach. Wir wissen, dass sie vor acht Monaten bei Professor Snape war. Das bedeutet, dass es die Möglichkeit gibt, dass ..."
Draco musste den Satz nicht beenden. Harrys Blick wanderte von Draco zu Isabis. „Wie können wir es herausfinden?", sagte er leise.
„Ich denke, das beste wäre, es gar nicht herauszufinden", sagte Draco. „Professor Snape will es wahrscheinlich nicht wissen, sogar falls ... nun ... er würde wütend sein, Potter. Und es würde ihn unter Stress setzen, was er weder will noch braucht."
„Aber wenn es sein Baby ist ...", sagte Harry verzweifelt. „Er würde es wissen wollen, oder? Falls er Vater wird."
„Professor Snape ist wohl kaum der väterliche Typ", sagte Draco und hob eine Augenbraue.
„Er würde es trotzdem wissen wollen", wiederholte Harry. Er zögerte einen Moment, sein Blick noch immer auf Isabis liegend. Die Vorstellung, dass sie vielleicht einen kleinen Severus Snape mit sich herumtrug, war nicht gerade beruhigend. Harry seufzte. „Ich denke, wir sollten es ihm zumindest sagen."
„Wie zum Teufel willst es ihm sagen?", fragte Draco und starrte Harry an. „Es ist die Sache von Professor Snape, nicht wahr? Er würde wütend sein, falls er es nicht wissen will, Potter."
Harry wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Isabis zum ersten Mal an Rookwood zu verlieren, hatte Snape fast aus der Bahn geworfen, und als sie ihn dann noch einmal betrogen hatte, war er am Boden zerstört. Harry wollte sich gar nicht erst ausmalen, wie Snape reagieren würde, wenn er herausfände, dass sie sein Kind trug. Aber auf der anderen Seite, was wäre, wenn Snape es erst nach vielen, vielen Jahre erfahren würde? All die verlorene Zeit ...
„Ich denke trotzdem, dass wir es ihm sagen sollten", sagte Harry leise. „Oder wir sollten zuerst herausfinden, ob es sein Baby ist. Er wird uns umbringen, wenn wir im sagen, dass sie mit seinem Kind schwanger ist, und denn stellt sich heraus, dass es nicht seines ist."
Draco hob eine Augenbraue. „Nun, ich weiß ja nicht, wie es mit dir steht, Potter, aber in meinen Kursen hatten wir den Wie-finde-ich-den-Vater-eines-ungeborenen-Kindes Zauber noch nicht. Ich werde mich daher auf dich verlassen müssen."
Harry rieb sich die Augen. Das war eindeutig nicht, wie er gehofft hatte, dass seine erste Mission für den Orden verlaufen sollte. Seufzend öffnete er die Augen wieder und wollte einen neuen Plan vorschlagen – bevor er innehielt und über Dracos Schulter starrte. Draco wirbelte herum.
Rookwood stand keuchend in der Tür. Er hatte hier und da einen Kratzer abbekommen, sah aber ansonsten genauso gefährlich aus wie immer. Er hielt seinen Zauberstab in der Hand und richtete ihn auf Draco. „Also", sagte er und seine Augen blitzten. „Versteckt ihr euch hier, oder, Jungs?"
„Wo ist Snape?", sagte Harry und seine Hand schloss sich fester um seinen Zauberstab.
„Er ist im Moment ein wenig ... beschäftigt", antwortete Rookwood und offenbarte seine gelben Zähne in einem schrecklichen Lächeln.
Harry fühlte, wie Zorn in ihm hochstieg. „Was hast du mit ihm gemacht?"
„Oh, ihr werdet ihn schon finden ..." flüsterte Rookwood. Als Nachgedanke fügte er hinzu: „Irgendwann ... aber du ... ich will nicht, dass irgendjemand dich findet, Harry Potter. Weißt du, welche Plage du bist? Wieviel Ärger du mir Tag für Tag bescherst?"
Harry sagte nicht, hielt jedoch mit der Hand den Zauberstab umklammert, die Spitze auf Rookwood gerichtet. Sie zitterte leicht. Harry war bereit, einigen Todessern zu vergeben, falls sie sich vom Dunklen Lord trennten und ihre Schuld bekannten, wie Draco und Snape es getan hatten. Aber Rookwood, das wusste Harry, würde er niemals vergeben.
„Wie praktisch, dass ihr beide hier seid, wo ich euch haben will", sagte Rookwood leise und trat einen Schritt nach vor. Harry blieb jedoch stehen. Rookwood erhob den Zauberstab und beide Jungen zuckten zusammen. Er lachte; ein schreckliches Geräusch, das zur gleichen Zeit ein Gackern und ein Schnauben war. „Wo sind heute all deine kleinen Freunde, Potter? Wer ist heute hier, um dich zu retten?"
„Ich brauche niemanden, der mich rettet", knurrte Harry. „Ich habe keine Angst vor dir. Du bist nur ein Psychopath."
„Psychopath, mmh?", lachte Rookwood. „Ist es das, was du von mir denkst? Ist es das, was Dumbledore seinen kleinen Soldaten beibringt? Dass es okay ist, einen Todesser zu töten, weil er es nicht weiß ... sie können nicht richtig denken ... ist es das, Harry? Oder bringt er euch nicht einmal bei, zu töten? Sagt er euch, dass ihr nur dasitzen und brave Jungen sein sollt ... immerhin ... das hast du gemacht, als ich dich das letzte Mal gesehen habe ... an deinen wertvollen Severus gefesselt dasitzend, und du hast nicht gekämpft ... sei jetzt ein guter Junge, Harry. Schließ die Augen, damit ich dich ohne Schuldgefühle töten kann."
Er hob den Zauberstab. Harrys Muskeln spannten sich an und er war bereit, sich zu ducken, oder einen Gegenzauber zu sprechen, oder einen Schild zu beschwören, aber Rookwood begann seinen Fluch niemals. Von der weit entfernten Tür her hörten sie plötzlich schnelle Schritte, Rookwood wirbelte überrascht herum und Harry sprang nach vor.
„Affligossis!", rief er und ließ den Zauberstab herunter in Richtung Rookwood brausen. Ein Blitz aus hellem, blauen Licht brach aus seinem Zauberstab hervor und traf Rookwood am Knie, worauf er mit einem Schmerzensschrei zu Boden fiel. Eine Reihe schrecklicher, schnappender Geräusche ertönte und Rookwood schrie und umklammerte sein Bein in Schmerzen, als Harrys Knochenbruch Zauber perfekt funktionierte. „Stupor!", rief Harry und Rookwoods Augen rollten in seinen Kopf und er erschlaffte bewusstlos.
Snape kam ruhig in den Raum. Ein seltsamer grüner Schnitt zog sich über seinen Hals und sein Umhang war an der Brust zerrissen, aber abgesehen davon, war er sein übliches, ruhiges Selbst. Er hob eine Augenbraue, als er die drei Zauberer am Boden sah, und sagte: „Gut gemacht, Jungs."
Harry strahlte. „Draco hat sich um Kane gekümmert, und ich habe Isabis bis hierher verfolgt und sie dann erwischt."
„War ja kaum in der Lage, schnell zu laufen, oder?", sagte Draco hinterlistig und inspizierte seine Fingernägel.
Harry warf ihm einen sehr wütenden Blick zu, aber Snape sagte ruhig: „Mmm ... sie hat ein gewisses Talent für Flüche. Ich dachte, sie würde besser kämpfen, aber die Mutterschaft beeinflusst den Körper manchmal sehr seltsam."
„Sie haben es gewusst?", sagte Harry und starrte ihn a.
Snape nickte kalt. „Ich musste auch sehr viele Streitigkeiten wegen meinem „zu wenig Besorgnis und Verständnis" für sie."
„Aber ... nun, Professor, was ist, wenn das Baby ...?"
„Ist es nicht", sagte Snape einfach. Er zog ruhig seinen Zauberstab und ließ dünne Seile daraus hervorschießen, die ihre drei Gefangenen fest fesselten. „Kein Baby kann durch Betrug einer Zaubererehe entstehen. Es ist einfach und komplett unmöglich."
„Aber ... was ist mit – ", begann Harry stirnrunzelnd. Draco, der hinter ihm stand, stieß Harry mit den Knöcheln in den Rücken und zischte ihm zu, er solle den Mund halten. Snape schien es nicht zu bemerken, während er die drei Gefangenen mit einem Zauber in die Luft hob und sie durch die Tür schweben ließ. Er bedeutete Draco und Harry ihm zu folgen und verschwand dann durch die Tür.
Draco wollte ihm folgen, aber Harry packte ihn an der Schulter. Draco wandte sich um und starrte ihn an. „Nein."
„Nun? Sag's mir."
„Dir was sagen?", zischte Draco und wollte wieder Snape folgen.
„Dein Großvater hatte eine Affäre mit einer Veela, damit dein Vater geboren werden konnte", sagte Harry. „Dein Vater entstand wegen dem Bruch einer Zaubererehe. Mit einer Veela-Kellnerin, oder was auch immer. Erkläre."
„Nein", schnarrte Draco. Er riss seinen Umhang aus Harrys Griff und folgte Snape, doch Harry blieb an seiner Seite.
„Du bist überhaupt nicht Veela, oder? Du hast gelogen", sagte Harry und beeilte sich, um mit ihm Schritt halten zu können.
Draco rollte mit den Augen und hielt inne. Harry wandte sich ihm zu und wollte ihn gerade wieder beschuldigen, als plötzlich etwas die Worte daran hinderte, aus seinem Mund zu kommen. Wie konnte er Draco beschuldigen, zu lügen? Eigentlich war das etwas wirklich Dummes. Draco war immerhin brillant und er konnte einfach nicht lügen. Obwohl, auch wenn er es tat, war es egal, denn er war einfach umwerfend.
Das Gefühl verschwand wie von einer Welle davongetragen. Harry schüttelte den Kopf, um die letzten, fernen Gedanken los zu werden, wie wunderbar Draco doch war. Er blinzelte verwirrt. „Was war ...?"
„Ich kann dich dazu überreden, alles zu machen", sagte Draco leise. „Jeden, alles. Sieh einfach mal zu und dann sag mir, dass ich nicht Veela bin." Er sah sich um und erblickte dann Snape, der am Ende des Korridors auf die beiden wartete. Er rief: „Professor!" und Harry beobachtete genau, wie Dracos Augen seltsam aufblitzten.
„Ja, Draco?", sagte Snape mit ziemlich liebevoller Stimme.
„Trag mich ...", schnurrte Draco. Er lächelte süß. „Ich will meine Füße nicht verletzen."
„Nun gut", sagte Snape und zu Harrys großer Überraschung ließ Snape die drei bewusstlosen Todesser mitten in der Luft hängen, ging zu Draco, bückte sich und hob ihn wie seine Braut vom Boden.
Draco lächelte wieder süß, als er in die Luft gehoben wurde und hauchte, Snape unter dem Kinn kitzelnd: „Gut ... nun, mir ist kalt. Gib mir dein Hemd. Eigentlich will ich auch die Hose haben."
„Nein!", rief Harry. „Nein, nein ... es ist okay, ich bin überzeugt. Mach, dass er dich runterlässt."
Draco gluckste. „Wie du wünscht ... Sevvie, mein Lieber, lass mich jetzt runter. Bitte sanft." Snape stellte Draco wie gewünscht wieder auf den Boden und Harry sah, wie Dracos Augen wieder blitzten. Snape blinzelte, schüttelte den Kopf ein wenig und sah sich um.
„Mm ... ich muss für einen Moment bewusstlos gewesen sein", sagte er kalt. „Rookwoods Zauber hat mich wahrscheinlich stärker getroffen, als ich angenommen hatte. Wir müssen bald wieder zum Grimmauldplatz zurück und dem Ministerium unseren Fang melden, damit sie – " Er unterbrach sich selbst.
Harry warf einen Blick zum Ende des Korridors zu den Türen, wo Snape die Todesser gelassen hatte – aber sie waren verschwunden. Am Boden lag nur ein klebriger und verwirrter Knoten aus weißen Seilen, die zuvor Kane gefesselt hatten, sonst nichts. Draco ging instinktiv einen Schritt näher zu Snape und Harry und sah sich besorgt im Korridor um. „Sie sind weg", meinte er.
„Gut beobachtet", murmelte Snape.
„Aber ... wo sind sie hin?"
„Sie haben es geschafft zu apparieren ...", sagte Snape abwesend. „Oder ein Portschlüssel. Es ist aber nicht wichtig – wir sind nicht hierher gekommen, um Todesser zu fangen. Wir sollten schnell zurück zum Grimmauldplatz ..."
„Aber was ist mit meinem Erbe?", sagte Draco ziemlich wütend.
„Still", war Snapes ziemlich bissige Antwort. „Wir haben Zeit, um es zu holen, aber wenn es dir lieber ist, kann ich dich als leichte Beute für Rookwood, Kane und Isabis hier lassen."
Draco runzelte leicht die Stirn, sagte aber nichts. Snape legte eine Hand auf die Schultern der beiden und führte sie hinaus aus dem Korridor, zurück zum Salon. Harry konnte nicht umher zu bemerken, dass Snape immer wieder Blicke nach allen Seiten warf und wenn er auch nur die kleinste Bewegung bemerkte, wurde sein Griff auf Harrys Schulter fester.
Als sie zu Hause ankamen, schaffte es Draco, den Koffer unbemerkt nach oben zu bringen und unter seinem Bett zu verstecken, obwohl Hermine misstrauisch war, als sie ihn fragte, was all der Lärm von oben zu bedeuten hatte. Er sagte, dass es eine Ratte war, aber sie war davon nicht überzeugt. Als sie sich verabschiedete, warf sei ihm einen zweifelnden Blick zu, umarmte ihn dann aber trotzdem, wodurch Rons Nacken sich leicht rot verfärbte. Vielleicht bemerkte sie es und umarmte ihn deshalb viel liebevoller und gab ihm auch noch einen kleinen Kuss.
Als alle endlich verschwunden waren, war es sehr spät. Mrs Weasley gab Harry, Ron, Draco und Ginny eine letzte Tasse Kakao und schickte sie dann alle nach oben zu Bett. Draco verbarrikadierte sich wie immer im Badezimmer, während Ron auf seinem Bett saß und in einem Quidditchmagazin las, das er von Neville geborgt hatte. Harry fühlte sich überhaupt nicht danach, noch wach zu bleiben. Er ließ sich gleich in sein Bett fallen; er war von dem ganzen, schrecklichen Tag total mitgenommen. Khepris Gesicht trat vor sein inneres Auge, gefolgt von Isabis, Rookwood, Dracos Cousin Kane ... es schien in seinem müden Geist keinen Sinn mehr zu machen, es war einfach nur eine Ansammlung von Ereignissen, die auf zwei Tage zusammengequetscht waren. Er hatte nur noch eine Woche bis zu seiner Rückkehr nach Hogwarts und, so schrecklich es sich auch anhörte, er konnte es kaum noch erwarten. Es war nicht so, dass er nicht am Grimmauldplatz bleiben wollte, er fühlte sich nur schrecklich frustriert, wenn er Tag und Nacht im Haus eingeschlossen war und nur nach draußen durfte, wenn es einen besonderen Grund gab.
Während er so in seinem Bett lag, halb unter der Decke und halb darauf, erinnerte er sich an den Tag, an dem er mit Professor Alrister und seinem Falken unterwegs gewesen war. Wie sie über die Felder und die Berge und die Täler darüber hinaus gewandert waren, ohne einer bestimmten Route zu folgen und sie hatten so viel Zeit, wie sie wollten. Er erinnerte sich auch mit einem leichten Stechen an die Spaziergänge, die er immer mit Kainda unternommen hatte. Er hoffte inständig, dass die Reporter des Tagespropheten nicht in Hogwarts sein würden, um die neuesten Geschichten über sein Liebesleben herauszufinden. Das war noch etwas, das er von Hogwarts vermisste – wie privat es war. Als er in der ersten Klasse gewesen war, hatten die Schüler ihn angestarrt, nur weil er der berühmte Harry Potter war und sie alle seine Geschichte gehört hatten. Nun, in seinem siebten Jahr, akzeptierten die anderen, dass Harry Potter in Hogwarts war und es war keine große Sache. Doch in der Zaubererwelt gab es immer Menschen, wegen derer er sich seltsam fühlte, als ob sie etwas großes von ihm erwarteten, und er musste diese Erwartungen erfüllen.
Er gähnte leise und fühlte, wie der Schlaf an seinen Gedanken zog. Es war ihm eigentlich egal, ob Khepri ihn während seiner Träume besuchen würde oder nicht. Er war einfach zu müde.
Plötzlich klopfte jemand an der Tür und riss ihn aus seinen warmen und ruhigen Gedanken. Ron stand von seinem Bett auf und öffnete die Tür. Professor Lupin stand vor ihnen, einen Brief in der Hand und ein großes Lächeln im Gesicht. „Noch mehr Briefe von Hogwarts", sagte er breit lächelnd. „Ginnys ZAG Resultate sind da, deine Eltern sind mit ihr unten ... und Hermine ist zur Schulsprecherin gewählt worden. Sie hat es uns gerade über die Kerzen mitgeteilt."
„Wer ist Schulsprecher?", sagte Draco und versuchte so zu klingen, als wäre es ihm ziemlich egal.
„Ernie Macmillan", sagte Lupin mild. „Hermine hat es uns gesagt."
„Aber – ", sagte Ron mit großen Augen.
„Warum bin – ", sagte Draco und sah genauso empört aus.
„Der Direktor wird schon seine Gründe haben", sagte Lupin ruhig. „Nun, Ginny könnte ein bisschen Rat wegen ihrer UTZ Kurse brauchen ... und ich bin sicher, dass ihr alle sehr glücklich für sie seid und ihre Resultate wissen wollt. Er hob eine Augenbraue.
„Ich schon", sagte Harry und kletterte aus dem Bett. „Ist sie glücklich? Hat sie bekommen, was sie wollte?"
Er folgte Lupin aus dem Zimmer nach unten, wo in der Küche das Licht brannte und er Mrs Weasleys glückliche Stimme hörte konnte. Ron und Draco folgten Harry und beide sahen ein wenig geschockt aus. Harry erkannte das Gefühl als das gleiche, das er gefühlt hatte, als er nicht zum Vertrauensschüler ernannt worden war.
„Ich habe nie etwas falsch gemacht", sagte Draco. „Acht ZAGs ist verdammt gut, und ich habe eine gute Akte. Ich hab letztes Jahr Blaise Zabini erwischt!"
„Ich hab geholfen, den Stein der Weisen zu retten", sagte Ron mit schmerzlicher Stimme. „Und ich war in der Kammer des Schreckens, und ich war in der Heulenden Hütte, und ich war letztes Jahr in der Mysteriumsabteilung. Was habe ich je falsch gemacht?"
„Wie viele ZAGs hast du bekommen, sagte Draco und wandte sich ihm zu.
„Ähm ... sechs", sagte Ron.
„Das erklärt dann natürlich alles", war Dracos ein wenig hochmütige Antwort. „Aber was ist mit mir? Alastor Moody hat eine sehr hohe Meinung von mir. Ich habe letztes Jahr eine halbe Million Punkte für Slytherin gewonnen. Warte! Es sind die Vorurteile gegen Slytherin! Das ist es ... Dumbledore hat Gryffindor schon immer bevorzugt.!
„Warum bin nicht dann nicht Schulsprecher?", wollte Ron wissen. „Warum Ernie Macmillan? Er ist aus Hufflepuff!"
„Wie viele ZAGs hatte er?", sagte Draco schnell und sein Blick wanderte von Harry zu Ron. „Einer von euch muss es wissen."
„Er sagte, dass er etwa acht Stunden am Tag gelernt hat", sagte Ron. „Er hat sicher wirklich gute Noten bekommen. Aber trotzdem, er ist nicht gerade erfolgreich, oder?"
„Hört ihr jetzt bitte auf, euch zu beschweren", sagte Harry. „Kommt schon, ihr solltet euch für Hermine freuen und nicht immer nur an euch denken, weil ihr nicht Schulsprecher seid. Es ist nur ein dummes Abzeichen."
„Aber – "
„Ron!", rief Ginny, als sie die Küchentür öffneten und sie flog ihnen mit einem Stück Pergament in der Hand entgegen. „Ich hab acht ZAGs! Ich hab ein M in Zaubertränke, aber acht hab ich geschafft! In Pflege magischer Geschöpfe hab ich ein Ohnegleichen!"
„Hey, großartig!", sagte Ron und brachte ein falsches Lächeln hervor, als er sie umarmte. „Charlie wird zufrieden sein."
„Ich hab E's in Kräuterkunde und Muggelkunde", fuhr Ginny glücklich fort und hielt ihnen das Pergament entgegen. „Und A's für alles anderes. Was waren eure Noten?"
„Ähm ..." Ron dachte darüber nach und erwiderte dann: „Ich hab ein S in Zaubertränke, S in Geschichte der Zauberei, S in Wahrsagen ... ich hab ein E in Pflege magischer Geschöpfe und A's für alles andere."
Draco schnaubte leise. „Du hast drei D's? Kein Wunder, dass du nicht Schulsprecher bist."
„Was hast du denn bekommen?", sagte Ron wütend.
„Ohnegleichen in Runen, Astronomie, Zaubertränke und Verteidigung gegen die dunklen Künste", sagte Draco glatt. „E in Zauberkunst und Verwandlung, dann Annehmbar in Pflege magischer Geschöpfe und Geschichte der Zauberei."
„Was hast du in Kräuterkunde?", fragte Harry.
Draco war einen Moment lang still und sagte dann: „Der Prüfer gab mir eine sehr mickrige Pflanze für meine Arbeit und das hat meine Note beeinträchtigt."
„Ja, ja, aber was war sie?", wollte Ron wissen.
„M", schnaubte Draco.
Ron gluckste. „Ich war in Kräuterkunde besser als du. Das muss ich mir aufschreiben und irgendwo eingerahmt an die Wand hängen. Was hast du gesagt, dass du in Kräuterkunde hast? Ohnegleichen? Das solltest du Hermine lieber nicht sagen." Er zog eine Grimasse. „Sie hat nur O's, außer einem E in Astronomie. Sie wird deshalb andauern verrückt und wird ganz seltsam, wenn sie nachts draußen ist. Fängt dann an, über Mondpositionen zu reden und wie unzuverlässig die Schulteleskope sind."
„Wann bist du in der Nacht mit Hermine draußen gewesen?", fragte Mrs Weasley misstrauisch.
„Ähm ...", sagte Ron.
Harry, der das schnelle Wechseln von Themen bald zu seinem Beruf machen würde, sagte: „Also, Ginny, welche UTZ Kurse willst du nehmen? Wo ist dein Formular? Wir können dir beim Ausfüllen helfen ..."
Ginny zog ihr Formular hervor und alle versammelten sich um den Tisch, wo sie aufgeregt über ihre Zukunft redeten und welche Fächer sie nehmen wollte. Als alles vorbei war und die drei Jungen wieder nach oben in ihr Zimmer gingen, murmelte Draco Ron zu: „Also, wann bist du in der Nacht mit Granger draußen gewesen?"
„Das geht dich nichts an", schnappte Ron. „Immerhin werde ich nicht von gehenden Röcken angezogen."
Draco kochte fast vor Wut und Harry lachte, als sie sich alle wieder in die Betten legten. Ron schlief ziemlich bald ein, aber Harry und Draco waren beide noch eine Weile wach und hörten zu, wie er im Schlaf redete; irgend etwas über die Opsittops, die aufhören sollten, ein Kussgeräusch zu imitieren, bevor beide langsam einschliefen.
