HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI
KAPITEL 9 – Das Willkommensfest
Harry konnte sich an einen Morgen vor einigen Jahren erinnern, als er sich bereit gemacht hatte nach Hogwarts zu gehen, mit all den Weasleys um ihn herum, in Panik versetzt und verzweifelt Sachen zusammen sammelnd, auf den Treppen zusammenstoßend und halbangezogen herumrennend, überall Toaststücke hinterlassend. Damals hatte er gedacht, dass es ziemlich hektisch sei – aber das war, bevor er versuchte, sich in einem Haus für Hogwarts bereit zu machen, welches bis unters Dach mit Zauberern und Hexen gefüllt war; mit vier Schülern und zwei Lehrern, die sich bereit machten.
Sie mussten den Hogwarts-Express um elf Uhr erreichen. Mrs. Weasley wachte um etwa sechs Uhr auf, machte mehrere turmhohe Stapel mit Toast, schon gebuttert und mit einem Warmhaltezauber belegt, und begann dann, Taschen und Käfige und Koffer und Kästen und Kisten und alles andere neben die Vordertür zu packen, bereit zum Auto gebracht zu werden. Harry war um sieben auf, und obwohl er am Abend vorher alles gepackt und seine Kleider für diesen Morgen bereitgelegt hatte, fand er sich selbst panisch herumrennend wieder, seinen Besen suchend, der mysteriöserweise wie vom Erdboden verschluckt war. Um halb acht war Draco wach und verbrachte eine halbe Stunde damit, seine Haare zu richten, bevor er Harry half, dessen Besen zu suchen. Es wurde halb neun. Lupin saß ziemlich ruhig am Frühstückstisch, alles gepackt und bereit, las die Zeitung und trank Kaffee. Ginny kam um Viertel vor neun aus ihrem Zimmer gerannt und half bei der Suche nach dem Besen.
Es wurde halb zehn, und der Besen wurde unter Dracos Bett gefunden. Ginny rannte davon, um ihre Taschen zusammenzusuchen, und Draco setzte sich, um seine Haare zu glätten. Lupin war beim Sportteil der Zeitung angelangt, und Snape stand bei der Hintertür und machte giftige Bemerkungen darüber, wie spät sie alle dran waren. Endlich wurde es zehn, und Harry begann gerade, sich zu entspannen, als sie alle realisierten, dass Ron immer noch schlief und noch nicht gepackt hatte.
Sie schlugen Ron mit Kissen wach und zogen ihn praktisch in seine Kleider hinein, während Draco widerwillig Rons Sachen packte. Harrys Besen ging erneut verloren und wurde um etwa zehn nach zehn in Rons Koffer entdeckt. Ein noch immer schläfriger Ron torkelte in einer Art Trance herum, über Dinge stolpernd und darüber grummelnd, so früh geweckt worden zu sein. Viertel nach zehn kam, gerade als Mr. und Mrs. Weasley alle aus dem Haus jagten und zu einem knallgelben Auto scheuchten, welches draußen angekommen war. Fred und George wurden angewiesen, sehr schnell zu fahren und für niemanden anzuhalten. Es war zwanzig nach zehn, als Fred sich zurücklehnte und allen Bertie Botts Bohnen anbot und fragte, wo Ginny war.
Sie wendeten, um zum Grimmauldplatz zurückzufahren, und trafen Mr. Weasley unterwegs, der die Straßen entlang rannte und die arme Ginny am Arm mit sich zerrte. Ginny sprang ins Auto, sie rasten wieder davon und kamen mit zwanzig Minuten verbleibender Zeit in Kings Cross an. Fred und George wünschten ihnen allen ein gutes Schuljahr und scheuchten sie zum Gleis 9 ¾ , nachdem sie ihnen einige Nasch- und Schwänzleckereien gegeben hatten, „aufs Haus".
Harry, Ron, Draco und Ginny holten sich Karren für ihr Gepäck und rollten sie durch den ganzen Bahnhof bis zum Gleis, durch die solide Ziegelstein-Mauer. Sie fanden ein Abteil für sich alleine, luden ihr Gepäck ein, und Ron ließ sich sofort mit einem schläfrigen Grunzen auf einen Sitz fallen.
„Murrh… Ich kann noch nicht einmal klar sehen…" ächzte er.
Draco sank elegant auf einen Platz in der Ecke, streckte sich und nahm ein Magazin aus der Tasche, die er mithatte. „Dann solltest du früher aufstehen, nicht?" Seit den Ereignissen im Malfoy Anwesen hatte Harry eine große Menge neuer Einkäufe bemerkt, die plötzlich um Draco herum auftauchten. Snape war eines Nachmittags ausgegangen und mehrere Stunden nicht zurückgekommen. Als er dann kam, war er überladen mit Taschen, die Draco in sein Zimmer schleppte. Seine Schultasche war neu, eine ziemlich reife und erwachsene, und seine Kleider waren nicht länger alt. Harry hatte vergessen, wie groß Draco war, aber sobald dieser wieder seine eigenen schwarzen Kleider trug, ragte er zur Decke.
Ron ließ nicht erkennen, dass er Draco gehört hatte, seufzte nur, rieb sich die Augen und versuchte, sich aufzuwecken. „Ihr wisst beide, dass ich vorne bei den anderen Vertrauensschülern sein sollte, richtig?"
„Wir wissen alle, dass du nicht damit belästigt werden kannst, den ganzen Weg dorthin zu laufen, Weasley", sagte Draco kühl. „Gib nicht vor, dass du das nicht weißt."
Die Tür ging auf, und Harry schaute auf, um Hermine auf dem Gang zu sehen, die zu ihnen hoch lächelte. „Guten Morgen", sagte sie strahlend und hüpfte ins Abteil. Hinter ihr konnte Harry drei Wägen mit ihrem Gepäck sehen. Ihr Vater stand dabei und schaute deutlich nervös inmitten all der Eulen, Katzen, tränennahen Müttern und aufgeregten jungen Zauberern und Hexen. Hermine nahm Krummbeins Korb zuoberst vom Gepäckwagen und sagte prompt: „Alle, das ist mein Dad. Dad, das sind Harry, Ron, Draco und Ginny."
„Hi", sagte Harry lächelnd. Mr. Granger schenkte ihm ein flüchtiges Lächeln und ein Nicken und schaute dann auf Ron, der noch immer halb-schlafend auf den Sesseln lag.
„Ron?" sagte Hermine. „Das ist mein Dad, sag hallo!"
„H'lo", murmelte Ron und öffnete ein Auge, um Mr. Granger anzusehen. Mr. Granger lächelte schwach.
Hermine lachte nervös. „Er ist normalerweise wacher als so…"
„Wa'?" sagte Ron unbestimmt und hob seinen Kopf gerade genug, um Hermine anzuschauen.
Hermine nahm sich nicht die Mühe, sich zu wiederholen, und begann stattdessen, ihre Kisten von dem Wagen zu laden. Draco legte sein Magazin zur Seite und half ihr. Er war sogar umsichtig mit Krummbein, den alle anderen haßten. Ron saß in seinem Sessel und schaute aus, als ob er Drogen bekommen hätte. Als Hermine ihren Vater fest umarmte und er ihr viel Glück wünschte, schaffte es Ron aufzusitzen und zu gähnen, das war aber auch alles. Mr. Granger ging über den Bahnsteig davon, und Hermine schenkte Ron ein missbilligendes Stirnrunzeln.
„Du bist nicht grade gut mit ersten Eindrücken, stimmts?"
„Es ist zu früh, Mine…" grummelte Ron und rieb seine Augen. „Lass mich aufwachen, dann denke ich über erste Eindrücke nach…"
Sie schüttelte ihren Kopf, setzte sich neben ihn, nahm Krummbein von Draco entgegen und ließ die orangerote Katze aus ihrem Korb. Krummbein sprang mit einem Fauchen heraus und landete in Rons Schoss, die Krallen noch immer ausgefahren. Ron schrie auf und schlug beinahe mit seinem Kopf an die Decke, weil er so hoch sprang.
„Krummbein, nein, kratze Ron nicht!" sagte Hermine, packte die Katze und zerrte sie von Rons Hosen. „Armer Ron… sag Entschuldigung…"
Krummbein schaute Ron mit einem Blick totalen Hasses an, während Hermine ihn festhielt. Rons Gesichtsausdruck war ziemlich ähnlich, obwohl sein Gesicht nicht so eingedellt war wie Krummbeins. In diesem Moment war ein Klopfen an der Tür, und die Aufmerksamkeit wurde von Krummbein und Ron abgelenkt, weil alle sich umdrehten um zu schauen. Neville und Luna standen in der Tür. Harry hatte kaum einen Moment um zu bemerken, dass Neville lächelte und Luna etwas kleines, schwarzes hielt, als Krummbein ein wildes Zischen von sich gab und fauchend an Lunas Brust sprang. Luna sprang aus dem Weg, und Draco schoss Krummbein hinterher, nach dessen Schwanz schnappend.
„Krummbein!", kreischte Hermine, als die orangerote Katze durch die Menge davonschoß, verfolgt von Draco.
„Warum wollte er - " fing Harry an, aber dann erkannte er warum, als Luna sich wieder umdrehte. In ihrem Arm saß ein kleines, flaumiges Kätzchen, das mit riesigen, strahlend blauen Augen zu Harry hochblinzelte. Als er es anschaute, miaute das Kätzchen und zuckte mit den Ohren.
„Seltsam", sagte Luna ruhig. „Keine andere Katze hat Kübel bisher gejagt…"
„Kübel?" sagte Harry. „Warum heißt es Kübel?"
Luna zuckte leicht mit den Schultern. „Ein Eimer war das erste Objekt im Haus auf das er zuging … Ich nahm es als Zeichen, dass er so genannt werden will…"
Harry dachte über weitere Fragen nach, die er darüber stellen konnte, aber eine war lächerlicher als die andere, und so ließ er es bleiben. Luna und Neville kletterten in ihr Abteil, und Hermine half ihnen, alles Gepäck hereinzuholen, indem sie es in die Gepäckregale über ihren Köpfen verstaute. Draco erschien ein paar Minuten später und hielt Krummbein fest um die dickliche Mitte, übersät von zahlreichen Kratzern und Bissen. Hermine musste zugeben, dass es am besten war, Krummbein für den Rest der Reise im Korb einzuschließen. Sie stellte ihn im Weidenkorb beiseite und begann dann, Dracos Verletzungen mit verschiedensten kleinen Zaubern zu heilen.
„Hey, Harry! Kainda ist da!" sagte plötzlich Neville, der aus dem Fenster auf den Bahnsteig spähte.
Harry sprang auf. „Sie ist hier?" Er rannte davon und hielt in der spärlichen Menge Ausschau. Eine sehr alte, runzelige Frau in St.-Mungos-Uniform war mit seltsam schnellen und kurzen Schritten in den Bahnhof gekommen, einen Rollstuhl vor sich her schiebend, als sei er ein Rammbock. Kainda saß im Rollstuhl, mit einem eher irritierten Gesichtsausdruck.
Harry strebte zur Tür, und Ron stand auf, um ihn zu begleiten, aber Hermine zog ihn kräftig zurück. Als Harry aus dem Abteil sprang, fand er Hermines Blick und schenkte ihr ein kleines Dankeslächeln. Sie zwinkerte.
Harry eilte über den Bahnsteig und hüpfte die Brücke hinauf, gerade darüber und auf der anderen Seite die Stufen herunter, gerade als Kainda und die Heilerin zur Brücke kamen. Harry bemerkte, dass zwei oder drei Reporter ihnen hart auf den Fersen waren, was wahrscheinlich erklärte, warum die Heilerin lief. Die Reporter brachen in Hurrarufe aus, als Harry erschien, und rannten zur Jagdbeute. Kainda hatte immer noch ein sehr mildes Lächeln auf ihrem Gesicht, das Harry zum Lachen brachte.
„Ich nehme sie von hier an", sagte er zur Heilerin und trat vor.
Die Heilerin schenkte ihm einen bemerkenswert sauren Blick. „Sehr gut", sagte sie dann, naserümpfend. „Bring sie nur schnell zum Zug. Der ganze Stress ist schlecht für sie, Junge."
Harry versuchte nicht zu lächeln. „In Ordnung, danke." Während die Heilerin durch den Bahnhof davon marschierte und sich dabei noch immer bewegte, als ob sie eine Art Rekord im Power-Walking aufstellen wollte, grinste Harry Kainda blitzartig an und nahm die Griffe des Rollstuhls. „Alles in Ordnung?"
„Alles in Ordnung", antwortete sie schmunzelnd. „Es ist ein magischer Stuhl. Er sollte die Stufen hochgleiten. Aber geh nicht zu schnell, du könntest mich heraus schubsten in den Weg des Hogwarts Express, und das wäre ein verdammtes Foto für den Propheten."
Harry lachte und rollte den Stuhl vorsichtig zur Treppe, sich bewusst dass die Reporter so viele Fotos schossen, wie ihre Kameras hergaben. Er konnte hören, wie einige ihn um Interviews anriefen. Der Rollstuhl neigte sich leicht nach hinten und schwebte die Stufen hoch, bevor er sich wieder waagrecht stellte, als sie das obere Ende der Brücke erreichten.
„Harry! Harry!" rief einer der Reporter. Harry warf einen Blick über die Schulter und sah Rita Kimmkorn, die hinter ihm die Stufen hinaufeilte, von Ohr zu Ohr strahlend, so sehr, dass ihr Lippenstift verschmierte. „Harry, wie geht es dir'"
„Gut", sagte Harry, so höflich er konnte.
„Also sind die Gerüchte wahr?" fragte Rita, direkt zum Punkt kommend, ihre Feder balancierend und bereit zu schreiben. „Vergeben, sind wir? Du hattest eine ganze Reihe Ex-Freundinnen bis jetzt, nicht wahr? Hast du etwas zu ihnen zu sagen?"
„Nein", sagte Harry süßlich und rollte Kainda über die Brücke. Sie grinste zu ihm hoch, und er hatte Mühe, sein eigenes Grinsen zu bekämpfen.
„Du bist nun ein junger Mann, nicht wahr?" belästigte Rita weiter, offensichtlich verzweifelt, einen Kommentar von ihm zu bekommen. „Denkst du an deine Zukunft? Sesshaft werden und eine Familie gründen?"
„Ich bin bloß siebzehn", sagte Harry und starrte sie an.
„Oh, dann ist es nichts Ernsthaftes?" sagte sie schnell. „Nur eine Sommerliebe? Würdest du dies einen ersten Versuch einer erwachsenen Beziehung nennen? Der Prophet hat jetzt eine Kolumne für junge Leute, weißt du, wärest du interessiert daran, ihnen einen Rat für Verhütungsmittel zu geben? Das könnte groß sein, Harry. Setz deinen Namen ins Bild!"
„Ich denke", sagte Kainda mit einem süffisanten Grinsen, „Dass Harry nicht wirklich Verhütungsmittelratschläge geben muss, um seinen Namen in Szene zu bringen."
Rita ignorierte sie und sagte verzweifelt zu Harry: „Nur ein paar wenige Worte über die Vorteile, bis zur Hochzeit zu warten, Harry, du wärest der Held der jungen Leute… oder vielleicht möchtest du diese altmodischen Ideen vertreiben und die Stimme einer neuen Generation sein?"
„Momentan gibt es nur eine Stimme, die mich beschäftigt", sagte Harry. „Ihre. Betreffens zu schweigen."
„Sag uns nur, ob die Gerüchte wahr sind, Harry, bitte! Schau uns an, wir sind den ganzen Weg für Neuigkeiten von dir gekommen!" flehte Rita. „Ein Wort, Harry, Ja oder Nein!"
Harry blickte zu Kainda hinunter, und sie schaute zu ihm hoch, ihre Mundwinkel zu einem spitzbübischen Lächeln verzogen. Sie schienen sich in einem Moment zu verstehen. Harry drehte sich zu Rita um und sagte mit strahlendem Lächeln: „Kein Kommentar", dann drehte er sich auf dem Absatz um und brachte Kainda weg, die Rampe der Brücke hinunter und zum Hogwarts Express. Die Reporter blieben nach und nach zurück, grummelnd und fotografierend, mit Rita Kimmkorn, die noch immer hinter Harry herrief, ob Hochzeit in naher Zukunft ein Thema sei.
„Brillant gemacht", sagte Kainda feixend zu Harry.
„Danke", grinste er. „Ich habe geübt, hättest du das gedacht?"
Bevor sie antworten konnte, hörten sie, wie ein Fenster des Hogwarts Express aufgezogen wurde. Harry sah auf und sah Ron, der heraushing und Rita Kimmkorn hinterherschrie: „HE! Mein Name ist RONALD Weasley, nicht ROBERT, schreiben Sie wenigstens meinen NAMEN RICHTIG, wenn sie schon LÜGEN über mich drucken, Sie dumme Frau!"
„Ron!" zischte Hermines Stimme von innen, und Ron wurde aus dem Sichtfeld des Fensters gerissen, und einen Moment später knallte das Fenster zu.
Harry grinste und manövrierte vorsichtig den Rollstuhl in das Zugabteil. Alle begannen gleichzeitig zu reden, als sie hineinkamen, fragten Kainda, wie es ihr ging, beschwerten sich über Rita Kimmkorn und den Rest der Reporter, boten an, Kaindas Taschen zu tragen. „Danke", sagte sie, als Ron all ihre Sachen in die Gepäckträger über ihnen verstaute.
„Warum bist du immer noch im Rollstuhl?" fragte Hermine interessiert.
„Meine Bauchmuskeln sind immer noch schwach", sagte Kainda. Sie griff hinunter und rollte sich selbst zu allen anderen, indem sie die Rückenlehne des Stuhls gegen die Wand stellte. „Ich muss alles locker nehmen, versuchen zu rasten und meinen Magen zu entspannen. Ihn heilen lassen, wisst ihr?"
„Kannst du essen?" sagte Luna verträumt und kraulte Kübel das Kätzchen mit ihren Fingerspitzen.
„Oh ja", sagte Kainda. „Ich bin bloß für eine Weile ein bisschen misstrauisch geworden gegenüber allem Salzigen." Sie grinste und nahm Nevilles Angebot einer Gelee-Bohne mit einem fröhlichen „Danke, Nev." an.
„Wo ist Professor Snape heute?" fragte Luna sanft und blickte sich im Abteil um, als ob er jeden Moment hinter den Vorhängen hervorspringen und sie alle fressen könnte. „Er war da, als die Schule endete… warum heute nicht?"
„Er ist im hinteren Abteil mit Professor Lupin", sagte Harry unbestimmt.
Luna seufzte. „Schade…" Alle starrten sie an, und sie lächelte liebenswürdig, leicht von einer Seite zur anderen schwankend. „Ich mag Professor Snape…"
„Werft sie raus", grunzte Ron. „Raus. Raus jetzt. Seltsames Mädchen."
Kainda lachte sanft und schaute sich mit amüsierten braunen Augen in der Runde um: „Oh, ich habe Hogwarts vermisst."
Ein Schaffner bewegte sich nun dem Zug entlang und schloss Türen, während Pfiffe den Bahnsteig herauf- und herunterhallten. Harry spürte eine seltsame Blase von Aufregung in sich, als er realisierte, dass es dies war: der Anfang seines letzten Jahres in Hogwarts. Er schaute sich reihum seine Freunde an, und konnte nicht anders als sich zu fragen, ob die Dinge in diesem Jahr irgendwie anders werden würden. Zumindest waren all die Umstände des letzten Jahres völlig verschieden von den jetzigen. Lord Voldemort war aktiv und lebte, bereit, Rache zu üben an denen, die ihn geärgert hatten. Die Todesser würden noch immer da draußen sein, irgendwo. Rookwood als einer von ihnen würde sich nicht verstecken und in Dunkelheit versinken. Waren die Heliopathen noch immer mit Voldemort verbündet? Konnte innerhalb von Tagen eine nächste Attacke folgen? Was auch immer kommen würde, Harry fühlte sich dafür bereit. Sein Leben änderte sich mit jedem Jahr, das verging, und er hatte das Gefühl, dass dieses Jahr das bisher gefährlichste werden würde.
Die Reise nach Hogwarts verlief ereignislos, wie fast immer. Sie alle lachten und witzelten während der langen Stunden, die sie im Zug verbrachten, und um die Mittagszeit kam die Hexe mit dem Süßigkeiten-Wagen vorbei. Sie legten alle ihr Gold zusammen und kauften sich einen Berg von Süßigkeiten und Kuchen, Chips, Sandwiches und Pasteten, dann ließen sie es sich schmecken. Vielleicht war es, weil er das erste Mal seit langem wieder draußen war, aber Harry fühlte sich seltsam glücklich, als er einen Schokofrosch mit Ginny teilte und die Landschaft vorbeirollen sah. Hermine, Ron und Draco boykottierten das Vertrauensschüler-Abteil, um bei den anderen zu bleiben, und Harry hatte das Gefühl, Ernie Macmillan würde Ron und Draco einige hasserfüllte Blicke zuwerfen, wenn sie sich das nächste Mal trafen.
Draußen begann die Sonne allmählich zu sinken. Harry bemerkte, dass ihre Reise über eine andere Strecke verlief als normal – vielleicht war es nur für den Fall, dass die Todesser den Zug unterwegs versuchten zu überfallen, fragte sich Harry. Lupin und Snape waren auch im Zug dieses Mal, im hinteren Abteil, obwohl sie glücklicherweise nicht gebraucht wurden. Die Reise verlief den ganzen Weg über glatt.
Es war sehr dunkel, als der Zug außerhalb der Station Hogsmeade ankam, und die Türen wurden durch Schaffner aufgezogen, die den Bahnsteig entlang gingen. Schüler begannen aus dem Zug zu quellen, eifrig plaudernd und Gepäck und Käfige heraushebend. Harry und all seine Freunde begannen, ihre Kisten von den Gepäckträgern herunterzunehmen. Harry konnte den großen, zottigen Kopf von Hagrid über der Menge draussen sehen, und seine Laterne glühte wie ein Signalfeuer in der Dunkelheit. „Ers'klässer! Ers'klässler hierher!"
„Hey Hagrid!" schrie Harry, winkend und strahlend, als er Krummbeins Korb heraus zu Hermine gab.
„H'lo Harry!" winkte Hagrid grinsend zurück. „Wie war dein Sommer?"
„Großartig, danke!" rief Harry. Mit einem letzten Winken ging Hagrid über den Bahnsteig davon, gefolgt von einem Häufchen kleiner, verschreckt aussehender Erstklässler, die alle Taschen und Babyeulen in Käfigen an sich geklammert hatten. Harry war getroffen davon, wie unglaublich klein sie alle waren. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so klein gewesen zu sein.
Der Bahnsteig wurde allmählich frei von Schülern, als alle sich auf den Weg aus dem Bahnhof zu den von Thestralen gezogenen Kutschen machten, die sie alle nach Hogwarts bringen würden. Harry und seine Freunde waren jetzt alle beladen mit Taschen und Kisten, und als große wackelige Masse bewegten sie sich aus dem Bahnhof, als hinter ihnen ein Ruf erklang. Harry, der die Griffe von Kaindas Rollstuhl hielt, drehte sich um.
„Oi! Ihr kenntats mia ned a bissal helfen, oder?"
Der seltsamste Mann, den Harry seit Mad-Eye Moody gesehen hatte, stand am Ende des Zuges und winkte ihn zu sich. Harry musste ein, zweimal blinzeln, um sicher zu sein, dass er sich nichts einbildete, und fragte sich, ob Draco und Ron eine Art Halluzinations-Zauber über ihn gelegt hatten, so dass er Dinge sah.
Das erste, was Harry an dem Mann bemerkte, war das T-Shirt, das dieser trug, früher weiß und nun grau, über einen eindrücklichen Bierbauch spannend und mit dem gigantischen Slogan „I LUV MUGGLES". Das nächste, was Harrys Aufmerksamkeit auf sich zog, war der leuchtend regenbogenfarbige Schal um den Nacken des Mannes, der fast bis zum Boden hing und mit vielen Buttons besteckt war, die alle Botschaften wie „MUGGLES ROCK" und „MUGGLES 4EVA" verkündeten. Er war um die fünfzig und trug Hosen mit Schottenkaro zu seinem seltsamen T-Shirt. Er erinnerte Harry an die alternden britischen Touristen auf Spanien-Urlaub, die sich in der Nähe des Pools fläzten und während der Kabarett-Veranstaltungen versuchten zu tanzen.
„Ähm... sind Sie okay da drüben, Sir?" rief Harry.
„I kenntat a bissal Hilfe brauchn, falls ihr ned in Eile seids", sagte der Mann mit einem breiten, gehaltvollen schottischen Akzent. Harry drehte Kainda herum, sagte den anderen, sie sollten vorausgehen, und rollte dann Kainda zu dem seltsamen Mann hinüber. Harry realisierte, dass dieser keinen Regenbogen-Hut trug, wie er zuerst gedacht hatte, sondern dass tatsächlich seine Haare barett-Veranstaltungen versuchten zu tanzen.
isten auf Spanien-Urlaub, die sich in der Nähe des Pools fläzten und während in verschiedenen Farben gefärbt waren, von denen keine in der Natur vorkam.
„Dankeuch", sagte der Mann und strahlte Harry an. „Ich brauch blos jemand'n, dea ma den Wellensittich-Käfig trogt ... i will na ned falln lassn, und i hob die gonz verdammt'n Bücher a nu mit ..."
Räder zu bekommen. d und rollte Kainda neben dem schottischen Mann her, während er versuchte, dessen Schärpe nicht zwischen die
„Kein Problem", sagte Harry und bekämpfte sein Lächeln, als der Mann ihm einen großen Käfig übergab, der einen einzelnen Wellensittich auf einer Stange beherbergte. Kainda nahm den Käfig und setzte ihn auf ihren Schoss. Der Mann mühte sich mit mehreren riesigen Taschen ab, wovon eine mit noch mehr seltsamen Abzeichen bedeckt war, und schlug dann die Tür des Zugabteils zu.
„Aye, danke", sagte er und grinste sie beide an. „Es woa nett von eich, dass ma ghoifn hobst. Ich hob an onderen Typen gfrogt, ob er mia hilft, aber er hat ned zughört ... seid's ihr Schüler an da Schule?
Harry nickte lächelnd und rollte Kainda neben dem schottischen Mann her, während er versuchte, dessen Schal nicht zwischen die Räder zu bekommen. „Wir sind im siebten Jahr", erklärte er. „Unterrichten Sie dieses Jahr, Sir?"
„Aye", strahlte der Mann. Er reichte Harry eine dickliche Hand mit vielen Haaren zwischen den Fingern. „Profess'r Chetry...Brian Chetry…"
„Freut mich", sagte Harry.
„Ebenso", sagte Kainda irritiert. „Ich bin Kainda Zabini…"
„Harry Potter", sagte Harry mit einem kleinen Lächeln.
„Nett, euch kenn'zulern'", sagte Professor Chetry fröhlich und strahlte zu ihnen hinunter.
„Was unterrichten Sie, Professor?" fragte Kainda. Der Wellensittich im Käfig auf ihrem Schoss pfiff erfreut, hüpfte auf und ab und studierte sein Spiegelbild im Spiegel an den Stäben.
„Muggelkunde", sagte der Professor stolz. „Ach, s'is oba mei erstes Jahr ... woa nimma hier seit i a klana Junge g'wen bin, und i sag eich, des is scho a paar Jahre her!"
„Oh, ich hab Muggelkunde belegt", sagte Kainda.
„Ach, guates Mädchen! Donn werd i dich unterrichten." Professor Chetry grinste und zeigte dabei zahlreiche Plomben. „Was host du gsogt, wia du heißt? Kinder?"
„Kainda", sagte sich und lächelte leicht. „Ka-in-da."
„Ka-jin-dii?"
„Genau", nickte sie und ihre Lippen zuckten ein wenig in den Mundwinkeln. Der Wellensittich auf ihrem Schoss pfiff fröhlich und hüpfte auf und ab. „Ich mag Ihren Vogel", sagte sie und schaute zu dem verrückten Professor auf. „Wie heißt er?"
„Er hoast Kylie", sagte Chetry.
„Häh?" sagte Harry und hob eine Augenbraue.
„Aye", sagte Chetry und zuckte die Schultern. „Schauts, ich hob am Anfang zwoa ghobt ... hob denkt, dass zwoa Mädchen san, oans woa'd Danni, s'ondare Kylie ... donn hodt Dannie Eier glegt und ich hob gmerkt, dass Kylie a Bua woa. Ea heat oba auf nix ondres mehr."
Nur noch zwei Kutschen warteten außerhalb des Bahnhofs. Eine war leer, und in der anderen waren Draco und Ginny. Harry und Kainda setzten Kylie den Wellensittich in die leere Kutsche, versicherten sich, dass Professor Chetry in Ordnung war, und beeilten sich dann, so schnell sie konnten in Dracos und Ginnys Kutsche zu kommen. Die beiden Kutschen fuhren los, und Draco lehnte sich aus dem Fenster, um auf Professor Chetry zu starren.
„Wer, in Salazar Slytherins Namen, ist das?" sagte er mit angewidertem Tonfall.
„Das ist Professor Chetry", sagte Kainda und lächelte irritiert. „Er lehrt Muggelkunde, liebt Muggel und hat einen männlichen Wellensittich namens Kylie. Wahrscheinlich von der Minogue-Abart."
„Wie passen Minnesänger in diese Geschichte?", sagte Draco und drehte sich um, um sie in absoluter Verwunderung anzustarren.
„Nicht so wichtig", sagte Kainda und lachte sanft.
Die Kutsche rollte angenehm zur Schule hinauf, und erschien wenige Minuten später auf der Einfahrt. Harry half Kainda beim Aussteigen, und sie balancierten so viele Taschen auf ihren Rollstuhl, wie sie konnten, bevor sie zum Schloss taumelten. Als sie in der Eingangshalle ankamen, waren sie alle erschöpft. Draco warf sein Gepäck achtlos auf den Berg, der in der Halle angewachsen war, und Ginny folgte sofort. Beide machten sich auf den Weg in die Große Halle und ließen Harry zurück, um alle Taschen von Kainda herunterzuheben. Er sann gerade über die Rufe und Kommentare nach, die er von all den Schülern bekommen würde, wenn er und Kainda die Halle zusammen betreten würden, als die Türen sich öffneten und Professor Lupin herauskam.
„Oh, Harry! Da bist du ja!" sagte er und kam herüber. „Wir waren besorgt, dass deine Kutsche nicht gestartet hatte, oder es ein Problem am Bahnhof gab." Ich muss nur für ein paar Minuten mit Dir reden, in meinem Büro..."
„Okay", sagte Harry und wunderte sich, was Lupin von ihm wollte. Er warf einen Blick auf Kainda, und sie schenkte ihm ein kleines Lächleln, bevor sie sich auf den Weg durch die Doppeltür in die Grosse Halle machte. Lupin schloss die Tür hinter ihr.
„Nun denn... mein Büro, bitte, Harry. Oh, und ich habe Dir ein extra Buch auf die Liste getan, hast Du gesehen?"
Harry nickte. „Jaah..." Er bückte sich und zerrte das Buch von oben aus dem Plastiksack zu seinen Füssen. „Dieses?"
„Ja, dieses", sagte Lupin. „Nimm es mit, wir können es kurz durchgehen... diesen Weg dann." Und er führte Harry den Korridor entlang zu seinem Büro, und Harry folgte ihm, hielt das Buch über das Töten und wunderte sich versunken(?).
Lupin öffnete die Tür zu seinem Büro und schenkte Harry ein mildes Lächeln, als dieser eintrat. Dann schloss er die Tür, und Harry setzte sich gerade vor dem Pult hin, als Lupin ein seltsames Geräusch machte, welches Harry sich umschauen ließ. Es war wie ein Knurren. Harry sah ihn gegen etwas auf der Türklinke schlagen, bevor er bemerkte, dass Lupin mehrere kurze, scharlachrote Haar in seinen Fingern hatte.
„Sie war hier drin", seufzte Lupin und sein Anflug von Zorn schmolz dahin, als er die Haare in den Abfalleimer schnippte.
„Sorry", sagte Harry, „aber wer war hier drin?"
„Die neue Dunkle-Künste-Lehrerin", war die eher schwammige Antwort. Lupin starrte einen Moment den Abfalleimer an, bevor er in den Sessel hinter seinem Pult sank. „Professor Dumbledore dachte, es sei das beste, einen zweiten Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste einzustellen, falls etwas wahres an den Gerüchten ist, dass der Posten verflucht ist. Aber sie besteht darauf, in mein Büro zu kommen und überall ihre furchtbaren Haare zu hinterlassen."
Harry konnte nicht anders als zu starren. Nicht einmal in seinem Leben hatte er Lupin wütend oder boshaft gegen jemand anderen gehört, selbst in seinem dritten Jahr, als Professor Snape sich mitten in seinem kleinen psychopathischen Zwischenfall befand, war Lupin ruhig und gesammelt gewesen. Trotzdem war er jetzt hier, offensichtlich sehr ärgerlich über ein einfaches Haar in seinem Büro.
„Wird sie mich überhaupt unterrichten?" fragte Harry neugierig.
Lupin nickte. „Ich werde Halbzeit arbeiten... obwohl du mich so oft wie möglich haben wirst, wenn ich mitzureden habe." Harry hob seine Augenbrauen leicht an, und als er seinen Gesichtsausdruck sah, sagte Lupin, ein wenig ruhiger: „Madam Ivy ist eine sehr fähige Lehrerin, da bin ich sicher... wie auch immer, zum Geschäft... bitte lass mich einmal dieses Buch sehen, Harry..."
Harry händigte Professor Lupin das dicke Buch aus. Die Titelbuchstaben in Rot blitzten leicht zu Harry. „Kalt-Blut: Eine Studie magischer Morde, von Verin Maleficia", und darunter war ein Bild, von dem Harry annahm es sei der Autor. Verin Maleficia sah nicht gerade wie die Sorte Mensch aus, die man zu Kaffe und Kuchen einladen würde. Groß, dünn, dunkel und unnatürlich bleich, erinnerte er Harry stark an eine Kreuzung aus Professor Snape und einem Vampir.
„Was ich dir sagen muss, wird vielleicht ein Schock für dich sein, Harry..." sagte Lupin schonend, während er das Buch in seinen Händen hielt und müßig durch die Seiten blätterte. „Du könntest sogar widerwillig sein..." Er seufzte und überprüfte Harry mit seinen beruhigenden braunen Augen. „Der Schulleiter will, dass ich dir extra Stunden gebe, jeden Samstag morgen."
„Worüber?" fragte Harry.
„Du weißt, Harry, dass du eines Tages Lord Voldemort gegenüberstehen musst", sagte Lupin ruhig. Er wischte sich etwas von seinem graubraunen Haar aus den Augen. „Du wirst ihn umbringen müssen, Harry, und momentan, so begabt du auch bist, sind der Schulleiter und ich in Sorge, dass du die dafür benötigte Boshaftigkeit nicht aufbringst."
Harry sagte nichts und beobachtete nur aufmerksam Lupin. Lupin fuhr fort.
„Dieses Jahr werde ich dir beibringen zu töten", sagte Lupin ernst. Er legte das Buch zwischen ihnen auf das Pult. „Wir werden mit Flüchen starten, die gut ausgeführt töten können, Dinge wie Messerflüche, Giftsprüche, Flüche, die den menschlichen Körper schwer verstümmeln können... dann werden wir zu den Unverzeihlichen Flüchen übergehen. Hauptsächlich Avada Kedavra."
„Aber - " Harry hielt inne und fragte sich, was genau er sagen konnte, um dagegen zu protestieren. „Das ist... das ist illegal! Und... wie kann ich jemals lernen, Avada Kedavra zu benutzen ohne zu üben? Was werden Sie mich zwingen zu töten?"
„Wahrscheinlich Insekten", sagte Lupin. „Dann vielleicht größere Tiere, Mäuse und Vögel..."
„Ich..." Harry konnte sich nicht vorstellen, wie er den Zauberstab hob und eine kleine, unschuldige Maus oder einen Vogel umbrachte. Oder schlimmer, eine Person. Er wusste nur, dass jedes Mal, wenn er es versuchen würde, die Bilder von seiner Mutter und seinem Vater in seinen Gedanken herumschwimmen würden. Er konnte es nicht. „Professor... ich kann wirklich nicht..."
Lupin klopfte ihm sacht auf den Arm. „Ich weiß, Harry ... ich weiß ... aber es ist notwendig. Wenn du diese Dinge nicht lernst, wirst du nie in der Lage sein zu überleben. Wir werden sehr langsam anfangen, keine Sorge. Es wird sein wie bei anderen Flüchen, die du übst."
„So... wann werde ich meine erste Lektion haben?" fragte Harry zögernd.
„Samstag", sagte Lupin. „Komm einfach runter in mein Büro, und wir werden den größten Teil der Übungen hier drin abhalten. Komm etwa um zehn, und wir werden ein paar Stunden haben." Er stand auf und gab Harry das Buch. Harry nahm es schweigend entgegen. „Lass uns dann mal zum Fest runtergehen", sagte Lupin mit einem sanften Lächeln. „Wir wollen die Eröffnungsrede von Professor Dumbledore nicht verpassen."
Harry nickte und folgte Lupin still aus dem Büro und durch die Schule zurück zur Großen Halle. Harry hielt nur einen Moment inne, um sein Buch zu deponieren, bevor Lupin die Türen öffnete und sie beide eintraten. Ein Meer von Gesichtern drehte sich augenblicklich, um sie anzuschauen, und Harry war für einen Moment fassungslos. Die Haustische waren verschwunden und ersetzt durch kleinere, rundere Tische für etwa zehn Leute, zufällig über die ganze Halle verteilt. Harry blinzelte und suchte mit seinen Augen den Raum ab, bis er Ron, Hermine, Draco, Neville, Luna, Ginny und Kainda herausgepickt hatte, die alle an einem Tisch am gegenüberliegenden Ende zusammensaßen, ergänzt durch die Professoren Alrister und McGonagall. Hermine war ein kleines bisschen rosa im Gesicht, da sie schon immer von Alrister eingenommen gewesen war. Lächelnd eilte Harry durch die Menge hinüber und setzte sich zwischen Ron und Draco.
„Wo warst du?" fragte Ron flüsternd.
„Ich erzähl's euch später", antwortete Harry und drehte sich in seinem Sitz um, gerade rechtzeitig, um Lupin neben Dumbledore Platz nehmen zu sehen.
Der Schulleiter lächelte Harry warm an, seine blauen Augen zwinkerten ein wenig, bevor er sich wieder zum Rest der Halle umwandte. „Nun... wo war ich? Ah, ja, unsere neuen Mitglieder... wir sind glücklich, in diesem Jahr vier neue Lehrer begrüßen zu dürfen."
Harry schaute sich um und versuchte zu zählen, welche Gesichter er nicht wieder erkannte. Da war der verrückte Professor Chetry, der neben Professor Flitwick saß und in der Pracht der Großen Halle von Hogwarts noch deplazierter aussah, mit seinem fliegenden Regenbogenhaar und seinem lächerlich leuchtenden Schal. Einige Stühle entfernt von Chetry war Professor Pebblebank, in babyblauen Roben mit einem glitzernden Stern auf der Brust, sah Dumbledore begeistert an und spielte mit einem Büschel ihres hellblonden Haars. Neben ihr saß ein Mann mit eher unbändigem dunkelblondem Haar, einem Doppelkinn und dunklen Augen, obwohl dieser Mann im Licht der Frau neben ihm völlig unterging. Harry wusste sofort, dass sie die neue Dunkle-Künste-Lehrerein sein musste, die in Lupins Büro gewesen war. Ihr Haar war nicht rot wie das von Rons, oder sogar wie das von Harrys Mutter, sondern es war ein unnatürliches, schreckliches Scharlachrot. Es war kurz, fast stachelig, und genau vom gleichen Ton wie ihr Rollkragenpullover. Sie trug auch einen mittellangen schwarzen Rock, kleine knöchelhohe Stiefel und eine silberne Kette mit einer Erdbeere um den Hals.
„Professor Chetry ist unser neuer Lehrer für Muggelkunde", sagte Dumbledore und Harry riss seine Augen von der Verteidigungs-Lehrerin los. „Unser letzter Lehrer für Muggelkunde hat die Schule verlassen, um seinen Traum zu verwirklichen und ein Waschmaschinenverkäufer zu werden. Professor Chetry hat selbstlos zugestimmt, der Schule beizutreten, und ich bin sicher, ihr werdet eure Stunden mit ihm genießen."
Chetry grinste zu all den neugierigen, ihm zugewandten Gesichtern und streckte beide Daumen nach oben. „H'lo." Einige Leute tauschten beunruhigte Blicke aus, und Harry hörte deutlich eine Ravenclaw am nächsten Tisch, die bemerkte, wie froh sie war, nicht Muggelkunde genommen zu haben.
„Ebenfalls", sagte Dumbledore und deutete zu Penny Pebblebank, „haben wir ein neues Fach, das dieses Jahr in Hogwarts gelehrt wird. Vermischte Magie. Ihr alle werdet eine Stunde pro Woche in ihrer Gesellschaft verbringen und verschiedenste nützliche Dinge lernen, die in kein anderes Fach passen.
Ein Murmeln von Interesse folgte daraufhin, und die Leute lehnten sich vor und zurück, um einen Blick auf die neue Professorin zu werfen. Sie lächelte und errötete ein wenig und zeigte dabei ihre Zähne, so dass sie noch mehr wie eine Elfe aussah.
Dann richtete Dumbledore seine Aufmerksamkeit auf den blonden Mann und sagte mit mildem Lächeln: „Professor Knighton hat freundlicherweise zugestimmt, die Position unseres Arithmantikprofessors zu übernehmen, für diejenigen, die dieses Fach gewählt haben, und zu seiner Rechten sitzt unsere neue Verteidigungs-Lehreren, Madam Ivy."
Harry richtete seinen Blick auf Madam Ivy. Sie lächelte, als ihr Name genannt wurde, eine sehr dankbare und süße Art zu Lächeln, sehr feminin. Harry erinnerte sie an die letzte Art von süßen Lächelns, die er gesehen hatte, auf den Lippen von Professor Umbridge, obwohl Madam Ivy überhaupt nicht wie Professor Umbridge aussah – immer ein Pluspunkt in Harrys Augen. Er hörte nur halb zu, als Dumbledore sie der Schule vorstellte und erwähnte, dass sie vom Ministerium empfohlen war, weil er viel zu sehr an den Reaktionen von Lupin und Snape unten am Tisch interessiert war. Die beiden Professoren verschmähten einander üblicherweise, jedoch saßen sie nun beide zusammen und unterhielten sich murmelnd, ihre Blicke auf Ivy fixiert. Snapes Schultern waren nach unten gekrümmt, und seine Augen waren praktisch Schlitze. Lupins Stirn war in finstere Linien gerunzelt. Offenbar war Madam Ivy nicht beliebt bei den beiden Professoren. Harry konnte Snapes Reaktion verstehen, immerhin hatte er nach dem Dunkle-Künste-Job gestrebt, seit er in Hogwarts unterrichtete, aber Lupin war nicht der Typ, der Groll hegte, unter keinen Umständen.
„Gut dann", sagte Dumbledore lächelnd. „Ich denke, das ist alles, was ich euch jetzt sagen muss, und ich bin sicher, ihr seid alle müde und hungrig von euren Reisen." Er hob die Arme, klatschte in die Hände, und sofort füllten sich alle Schüsseln in der Halle, und häuften sich selbst hoch auf. Die Erstklässler schnappten vor Überraschung und Verwunderung nach Luft. Ron schnappte nach Luft vor Verlangen und warf sich praktisch in die Berge von Pommes, lud die Hälfte des Haufens auf seinen Teller und begann, sie in seinen Mund zu stopfen, als ob es ein Rennen wäre.
Ein Plappern von Gesprächen brach in der Halle aus, während alle das köstliche Essen verdrückten und ihre Teller beluden. Harry nahm von allem etwas und begann zu essen. Neben ihm verschlang Ron seine Pommes und war kaum zu sehen hinter dem Pommeshügel auf seinem Teller. Draco beäugte ihn verächtlich, als er mit seinem eigenen Fisch und Pasta begann.
„Du weißt, dass Du eine vielfältig Ernährung haben solltest, nicht wahr, Weasley?" sagte er in einem sehr geringschätzigen Ton.
„Mmmmmm, Pommes..." war Rons Antwort, der den Hügel mit Ketchup und Salz attackierte.
„Es ist vielfältig", sagte Kainda neben Ron. „Siehst du, du hast Pommes aus Kartoffeln, also ein Gemüse, und er hat Fett drin. Dann ist da Ketchup von Tomaten, die technisch gesehen Früchte sind. Dann Salz, welches ein Mineral ist. Perfekt ausgewogen."
„Und seine Proteine darin kommen von wo?" sagte Draco zu ihr und hob eine dünne blonde Augenbraue.
„Er wird ein Dessert haben, nicht wahr? Mit Creme? Creme enthält Milch, und Milch enthält Protein", sagte Kainda lächelnd. „Also halt deine Klappe, Fischjunge."
„Es ist Lachs", empörte sich Draco.
„Oh, entschuldige. Siehst du, ich hatte den Eindruck, dass Lachs ein Fisch IST. Natürlich lag ich falsch. Mein Fehler." Sie nahm sich ein weiteres Stück Pizza und ließ ein wenig von dem Käse in ihren Mund laufen, bevor sie feixte: „Würde es dir etwas ausmachen, uns zu erleuchten, zu welcher Gruppe Lachs demnach gehört, Draco? Säugetiere? Echsen? Vielleicht sogar ein Vogel, immerhin fliegen sie Wasserfälle hinauf ... Vielleicht weiß jemand Rat?
Der Tisch brach in Gelächter aus, und sogar Alrister schnaubte in seine Suppe, bevor er sich selbst zusammenriß und ein Feixen bekämpfte. Draco starrte sie alle an und verlor auf einmal seine Vorliebe für Lachs. Er stieß ihn von sich weg, und Kübel das Kätzchen tänzelte hinter den Würsten hervor, um es für ihn auszuessen, mit viel freudigem Miauen. Draco bekam einen anderen Teller und begann mit dem Auflauf.
Professor McGonagall runzelte die Stirn, als Kübel auf dem Tisch herumtapste und das Essen der Leute fraß. „Miss Lovegood, keine Haustiere am Tisch, bitte."
Luna streckte sich und zog Kübel mit einem verträumten „Nein, Kübel ..." von Dracos Lachs weg, bevor sie ihn auf den Boden setzte. Er huschte durch die Halle davon und seine kleinen weißen Pfoten tauchten auf der Suche nach Abfall unter einem nahen Tisch unter, den Schwanz hoch in die Luft erhoben wie eine Antenne. Alle an dem Tisch schauten darunter, und Padma Patil gab einen Entzückensschrei von sich. Kübel wurde prompt hochgehoben, und alle Mädchen gurrten und fütterten ihn mit Fischstückchen. Professor McGonagalls Stirnrunzeln vertiefte sich, aber sie aß weiter an ihrem Haggis, als ob nichts passiert wäre.
In der Zwischenzeit hatte sich Sneezy aus Rons Tasche gewunden und bekam von Hermine und Neville Reste über den Tisch gereicht. Er aß nur, wenn sie ihm sagten, was es war, und ein ziemlicher Kampf begann.
„Karotten, Sneezy."
„Stäbe."
„Nein, nein, das ist kein Stab, es ist eine Karotte!"
„Nein, böse! Stäbe!"
„Sneezy, es ist kein - "
„Stab! Stab, Stab, Stab! Böser Stab!"
„In Ordnung, in Ordnung, es ist ein Stab... iss es einfach und hör auf zu streiten..."
Nach den Hauptgerichten kamen die Nachspeisen. Harry liebte die Hogwarts-Desserts immer, und dieses Jahr hatten die Hauselfen wirklich ihr Bestes gegeben. Vielleicht wollten sie allen beweisen, dass dieses Jahr keine Probleme mit dem Essen aufkommen würden, und mit Sicherheit hatten sie Harry überzeugt. Er hatte etwas klebrigen Karamellpudding, etwas von dem Schokoladenkuchen, eine große Schüssel Schokoeis und zum Schluss ein schmales Stück Apfeltorte. Ron vertiefte sich richtig in den Pudding, und hatte ein Stück oder eine Schüssel von praktisch allem. Sneezy erfreute sie, weil er das Wort „Schokolade" schaffte, und bekam daraufhin ein Stück des Kuchens, das fast so groß wie er selbst war. Alle waren jetzt voller Essen und sehr glücklich, diskutieren den morgigen Tag, und gingen, jeder nach einem letzten Becher Kürbissaft, zu Bett.
Harry und all seine Gryffindor-Freunde waren freudig überrascht, als sie ihr Nest bereits ordentlich für sie ausgelegt im Gemeinschaftsraum vorfanden. Harry hatte sich seit dem Albtraum letztes Jahr in den Schlafsälen immer seltsam gefühlt, und er war froh, dass er dies nicht wieder erleben musste. Sie zogen sich alle zum Schlafengehen um und schlüpften unter das Gewirr von Decken und Laken, die Jungen auf der einen, die Mädchen auf der anderen Seite. Harrys letzter Gedanke vor dem Einschlafen war, wie froh er war, zurück in Hogwarts zu sein, und ob dieses Jahr genauso aufregend sein würde wie das letzte.
