HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

KAPITEL 12 – Alrister, Ivy, Trelawney

Am nächsten Morgen wusste das gesamte Hogwarts, oder hatte zumindest das Gerücht gehört, dass Draco Malfoy, der „reinblütige" Draco Malfoy, zum Viertel Veela war. Ron wärmte die Geschichte gerne immer wieder auf, falls jemand danach fragte, und verbrachte die ganze Zeit, von dem Moment als Harry aufstand, bis sie die Große Halle betraten, damit, darüber zu reden, was für ein Heuchler und Halbblüter Malfoy war. Er hielt erst den Mund als Harry ihm sagte, dass er wie Umbridge klang.

Als sie zum Frühstück die Große Halle betraten, war Harry im ersten Dilemma des Tages. Draco saß an einem Tisch auf der anderen Seite der Halle über eine Schüssel mit Cornflakes gebeugt und ignorierte entschlossen die Blicke der anderen Schüler. Kainda saß rechts neben ihm. Als er Draco sah, ging Ron in die entgegengesetzte Richtung, auf einen Tisch möglichst weit von Draco entfernt, zu. Hermine folgte ihm und versuchte, ihm klarzumachen, dass er einfach nur dumm war. Harry warf Draco und Kainda einen Blick zu, dann Ron. Er wusste, wenn er sich zu seinem Cousin setzte, würde dieser den ganzen Morgen damit verbringen, Harry zu sagen, dass er seine Loyalitäten richtig gesetzt hatte und dass Malfoy ein Idiot ohne Freunde war. Deswegen ging Harry zu Dracos und Kaindas Tisch hinüber und setzte sich neben sie.

Sie warf ihm ein flüchtiges Lächeln zu, das er erwiderte, aber Draco unterbrach jegliche normale Begrüßung. Er wandte den Blick Harry zu und sah dann mit einem Seufzer wieder seine Cornflakes an. „Bist du kommen, um dich zum Halbblut zu setzen?"

„Ja", sagte Harry. „Das bin ich."

„Was ist mit Weasley? Will er seinen besten kleinen Freund nicht an seiner Seite haben?"

Harry entschloss, den ‚kleinen' Kommentar zu ignorieren. „Wahrscheinlich schon, aber ich wollte mich zu dir setzen. Du bist noch immer der Draco, den ich vorher gekannt habe. Ich werde nicht – "

Aber er wurde unterbrochen, als etwas von einem anderen Tisch zu ihnen herüberflog. In der nächsten Sekunde hatte einen Gummiente Malfoy hart hinten am Kopf getroffen. Überall in der Halle brach Gelächter aus. Er packte wütend seinen Zauberstab und wirbelte herum, bereit denjenigen zu verhexten, der ihn mit der Ente beworfen hatte, aber Harry ergriff schnell seinen Arm und zog ihn aus der Halle. Kainda folgte ihnen in ihrem Rollstuhl.

Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, zog Draco seinen Arm aus Harrys Griff; seine Miene war sehr wütend. „Schlammblüter", murmelte er verhalten. „Das wird ihnen noch Leid tun."

„Bald wird sich alles wieder beruhigen", sagte Kainda aufmunternd. „Gib ihnen ein paar Tage, vielleicht eine Woche, und dann gibt es ein anderes Gerücht, über das sie tratschen können. Sieh dir nur den Tagespropheten an. Vor ein paar Wochen konnten sie von Harry und mir nicht genug bekommen. Sie machten Interviews und Telefonanrufe und so weiter. Und nun schreiben sie kein Wort über uns. Glaub mir, Draco, es wird nicht lange dauern."

„Mm", sagte Draco. „Was habt ihr in der ersten Stunde?"

„Reine Künste", sagten Harry und Kainda gleichzeitig.

„Und das Wiesel?"

„Zauberkunst", sagte Harry mit leichtem Stirnrunzeln

„Gut. Immerhin eine Stunde, in der ich ihn nicht ertragen muss." Draco runzelte düster die Stirn und lehnte sich an eine Säule, während sein Blick verschwommen über den Boden wanderte. „Weasley wird das noch sehr, sehr Leid tun. Niemand tut mir das an. Niemand."


Nach dem Frühstück verschwand Draco im Korridor für Alte Runen; er ließ die Schultern hängen und sah düster und wütend drein. Ron und Hermine gingen in Richtung des Zauberkunst Klassenzimmers davon, wobei sie zur Abwechslung von etwas anderem als Draco redeten, und Harry nahm die Griffe von Kaindas Rollstuhl und schob sie zu Reine Künste. Weil es ein magischer Stuhl von St. Mungos war konnte er eigentlich von alleine rollen, so brauchte sie niemanden, der sie schob, aber Harry machte es irgendwie gerne. Und wenn er wirklich ganz ehrlich war, machten ihm auch die neugierigen Blicke der anderen Schüler und das Gekicher der Mädchen nichts aus. Kainda bemerkte sie entweder nicht, oder sie ignorierte sie gekonnt, während sie sich in ihrem Rollstuhl zurücklehnte und ruhig durch ein Tagebuch blätterte, das offen auf ihrem Schoß lag. Sie hatte bereits ihren Stundenplan hineingeschrieben und ab und zu erhaschte Harry einen Blick auf zukünftige Termine, wie etwa: „Termin bei Madam Pomfrey – schlecht", „Untersuchung: St. Mungos – s schlecht", oder: „Darf jetzt wieder Curry essen – s s s gut".

Als sie das Reine Künste Klassenzimmer erreichten, steckte Kainda ihr Tagebuch in ihre Tasche. „Ich frag mich, was wir heute machen werden", sagte sie.

„Was war gestern?", fragte Harry.

„Er sagte, was wir das ganze Jahr über machen werden", sagte sie. „Und grummelte dauernd wegen dem dummen Stundenplan, weil er manche Leute an anderen Tagen unterrichten muss als ihre Kollegen. Sagte, er würde einfach ein Kommen und Gehen System aufstellen und spontan entscheiden."

„Hört sich für mich gut an", sagte Harry mit einem kleinen Lächeln. „Ich liebe Reine Künste sowieso."

„Bist du darin gut?", fragte sie.

„Ziemlich", antwortete er und wollte bescheiden klingen. „Nichts im Gegensatz zu Alrister."

„Nun, seine Magie rinnt ihm doch schon aus den Ohren, oder?", sagte sie. „Letztes Jahr ist er eines Tages rein spaziert und hat die Möbel in Statuen verwandelt, sagte, ihm wäre langweilig."

Harry lachte. Die gesamte Klasse hatte sich nun vor der Tür versammelte und redete fröhlich miteinander. Als sich Harry und Kainda der Gruppe anschlossen, kam Neville lächelnd auf sie zu.

„Hey Leute!", sagte er fröhlich. „Bin ich froh, dass ihr hier seid, ich kenne sonst keinen. Wart ihr gestern in der Stunde? Alle sagen, dass er über die UTZe geredet hat ..."

„Ja, hat er", sagte Kainda. „Es war aber nichts Angsteinflößendes. Es hat sich irgendwie sogar nach Spaß angehört. Wahrscheinlich wird er es heute noch einmal erklären."

In diesem Moment öffnete sich die Tür von selbst. Die Klasse ging hinein, Harry, Kainda und Neville hinter den anderen. Harry fragte sich gerade, wo er und Kainda sitzen konnten, als er hinter sich in Knallen hörte, dann ein Schreien und ein überraschtes Luftschnappen. Er wirbelte herum und griff instinktiv nach seinem Zauberstab, aber zu

seiner Überraschung sah er Alrister neben der Tür, wo er sich offenbar versteckt hatte. Neville stand mit dem Rücken zu Alrister, und vom dem was Harry sehen konnte, hatte der Professor Neville mit einem langen Stab, wie beim Billard, in den Rücken gestoßen.

„Nun, Mr. Longbottom, du bist tot, also setz dich bitte an einen der roten Tische", sagte er fröhlich. „Alle anderen sind noch am Leben. Gut gemacht."

Alle starrten ihn erschrocken an. Neville sah aus, als würde er wirklich jeden Moment sterben. Alrister trat aus dem Schatten und hielt seinen Stab nun mit beiden Händen. Sie wichen ein wenig zurück, falls er noch ein paar weitere Stöße vorhatte.

„Dieses Jahr", verkündete er, „haben wir zwei Aufgeben. Eine ist, euch auf eure UTZ Prüfungen vorzubereiten, und die andere ist, euch auf die wirkliche Welt vorzubereiten. Etwa die Hälfte des Jahres werde ich euch alle mit diesem langen Stab bedrohen, schlagen, stoßen, stechen und stupsen. Eure Aufgabe ist es, mich mit Hilfe der Reinen Künste daran zu hindern. Mr. Longbottom, der offensichtlich die Augen nicht offen hatte und den Feind nicht gesehen hat, ist nun tot. Roter Tisch, Longbottom."

Neville schlurfte mit einem ziemlich wütenden Blick auf Alrister hinüber und setzte sich mit düsterem Blick an einen der roten Tische auf der anderen Seite des Zimmers. Alrister, den Stab immer noch in der Hand, ging nach vor zu seinem Tisch und sah die Klasse lächelnd an, als würden sie in jedem Fach von ihrem Lehrer gestoßen. Niemand bewegte sich, offenbar waren allen noch zu überrascht. Alrister hob den Stab auf, streckte die Hand aus und stieß einem Slytherin kurz auf die Brust.

„Tot. Roter Tisch", sagte er munter. „Nun, das war, weil du nicht aufgepasst oder schnell genug reagiert hast. Alle anderen setzen sich und nehmen nichts heraus."

Alle gingen zu ihren Tischen und setzten sich hin. Harry hatte das Gefühl, dass das eine ziemlich seltsame Stunde sein würde, obwohl er wohl noch keinen anderen Tag in Hogwarts so interessant begonnen hatte. Alrister spazierte mit dem Stab in der Hand zwischen den Tischen umher. Als er an einer Gruppe Mädchen aus Ravenclaw vorbeiging, starrten sei stur nach vor, offenbar schon ziemlich genervt, und zwei von ihnen wurden an die Schulter gestupst.

„Tot. Begreift es wohl noch nicht, oder? Geht schon, roter Tisch. Das ist, weil ihr euch nicht traut, zu kämpfen. Der nächste, der tot ist, wird auf dem Kopf auf seinem Stuhl sitzen müssen, weil ihr nicht begreift und nicht schnell genug seid."

Harry wandte sich um und warf Alrister einen Blick zu, und sah gerade noch, wie der Professor den Stab packte und auf ihn zukam. Harry schlug instinktiv danach aus, doch seine Hand berührte ihn nicht; ein knackendes Geräusch ertönte und der Stab wurde aus der Bahn geworfen.

„So ist es gut, ich wusste, dass wir in dieser Klasse mindestens ein Gehirn haben", sagte Alrister lächelnd und ging wieder nach vor. „Fünf Punkte, Harry. Haben es jetzt alle verstanden? Das ist ein einfacher Test, und ich könnte jederzeit zuschlagen. Ihr müsst alle lernen, dass ein Angriff in jeder Sekunde kommen kann, und ihr könnt euch am besten darauf vorbereiten, indem ihr die Reinen Künste lernt. Ja? Nun, diese vier dort hinten wären inzwischen tot, hätte ich sie wirklich umbringen wollen. Also hat jeder die Erlaubnis, auf sie zu deuten und sie auszulachen, solltet ihr das Verlangen danach haben. Nun zur eigentlichen Stunde."

Er hängte den Stab an einen Haken neben der Tafel. Als sie endlich aus seiner Reichweite waren, atmete die gesamte Klasse erleichtert auf. Kainda lächelte amüsiert neben Harry. Alrister setzte sich an seinen Tisch, legte die Füße mitsamt den Stiefeln darauf, und schnappte mit den Fingern. Das Klassenbuch hüpfte auf seinen Schoß und öffnete sich

„Fehlt jemand?", fragte er und hob den Blick. „Wenn ihr nicht hier seid, hebt ihr bitte die Hand ... niemand? Gut." Er schnippte wieder mit den Fingern, das Klassenbuch füllte sich mit Häkchen und hüpfte zurück auf den Tisch, wo es ruhig liegen blieb. „Nun dann, ein paar von euch sind wahrscheinlich vom Beginn der Stunde überrascht gewesen."

Überrascht kam nicht ganz hin. Neville sah immer noch alle in seiner Nähe mit hilflosem Blick an. Alrister bemerkte es nicht.

„Wie ich jedoch gesagt habe, eines der Themen, die ich euch beibringen werde, ist die Verteidigung gegen unerwartete Angreifer, und wie ihr sie sofort los werdet. Das wird jedoch unregelmäßig sein, Informationen die ihr durch Übung und eure eigenen Fehler lernen werdet. Unsere Hauptarbeit wird in diesem Jahr die Vorbereitung eurer UTZ Prüfung sein, die gegen Ende des Schuljahres stattfindet, und wir werden dazu jede einzelne Stunde verwenden. Die Prüfung in Reine Künste ist die seltsamste, die ihr habt, und kann die einfachste oder die schwerste sein, das hängt von eurer Vorbereitung und eurem Willen, die Prüfung gut zu machen, ab. Ihr müsst während der Prüfung eine Aufgabe erfüllen – den Prüfer beeindrucken." Er lächelte, stand auf, legte die Hände flach vor sich auf den Tisch und ließ seinen Blick über alle Schüler schweifen. Das Kerzenlicht wurde vom goldenen Rand seiner Tunika glitzernd reflektiert. „Bei eurer Prüfung werdet ihr in dieses Klassenzimmer gehen und an meinem Tisch wird ein normaler Zauberer von der Straße sitzen. Der Prüfer wird kein bisschen über die Reinen Künste wissen oder sie beherrschen. Euer Job ist es, ihn so gut wie möglich zu beeindrucken. Je beeindruckter er ist, umso besser ist eure Note."

Jemand hob die Hand.

„Ja?", sagte Alrister und warf dem Mädchen, das die Hand gehoben hatte, ein warmes Lächeln zu.

„Also ... müssen wir vor ihm nur eine magische Show abziehen, oder?"

„Das liegt an euch", antwortete er. „Ihr könnt hereinspazieren und euch mit ihm normal unterhalten, während die Wände und die Decke in verschiedenen Farben blinken, oder ihr könnt herein springen und es wie einen Auftritt machen. Es ist eure Prüfung, und es ist eure Chance, all die wunderbaren, bunten Dinge zu machen, die ihr könnt. Das ganze Jahr über werdet ihr eine Art Drehbuch schreiben und alles planen, was ihr machen wollt, und üben. Ich kann euch beibringen, was ihr wollt und euch Rat geben, wo ihr in die falsche Richtung lauft. So in der Richtung."

Er ging um seinen Tisch herum und sah jedes Gesicht lächelnd an.

„Nun denn", sagte er. „Pergament findet ihr in der Kiste hinten, ihr solltet alle Tinte und Federn haben – falls nicht, sagt es mir einfach. Beginnt, euch ein paar Dinge zu notieren, eine einfache Übersicht über das, was ihr machen wollt. Ich denke, dass die meisten von euch zwei Stunden hier sind, also beeilen wir uns und in der zweiten Stunde werden wir den Anfang ein wenig üben. Irgendwelche Probleme?" Ohne, dass er ihnen Zeit gab, Probleme zu finden, sagte er fröhlich: „Gut, dann fangen wir an!"


Es war eine sehr nette Stunde. Neville durfte aus der Toten Zone kommen und sich zu Harry und Kainda setzen, und die drei verbrachten die ersten Stunde damit, zu diskutieren, welche beeindruckenden und riskanten Tricks sie vorführen konnten. Kainda war von der Idee begeistert, Alristers Tisch explodieren zu lassen, sobald sie den Raum betrat, aber Alrister brachte sie von dieser Idee ab. Es war auch das erste Mal, dass Harry murmelte: „Und ich denke, ich färbe meine Nase blau", und dabei ganz und gar ernst war

Neville war wegen dieser ganzen Sache ziemlich nervös. „Aber ... wie lange muss das dauern?", fragte er, als Alrister herüber kam und fragte, was denn los war.

„So lange du es schaffst", sagte Alrister. „Je länger es ist, desto besser."

„Aber was ist, wenn ich es nur dreißig Sekunden lang machen kann?", sagte Neville. „Oder wenn etwas total schief läuft?"

„Beleg den Prüfer mit einem Lähmzauber", schlug Kainda grinsend vor. „Wenn er dann aufwacht sagst du, dass er versäumt hat, wie du gerade den Tisch ohne Zauberstab in ein Nilpferd und wieder zurück verwandelt hast.

„Miss Zabini, was hat dir mein armer Tisch je angetan?"

Harry lachte. Alrister blinzelte ihm zu und kam dann um den Tisch herum und las sich, über Harrys Schulter gelehnt, den Plan an. „Ehrgeizig, Harry, sehr ehrgeizig. Ich bin froh, dass du da noch die Levitation eingebaut hast, deine Stärken zu zeigen kann niemals daneben gehen ... ich werde dir nächstes Mal vielleicht ein bisschen Langstrecken Levitation beibringen, unter uns auch Fliegen genannt. Wir wollen aber vorsichtig sein, oder? Was wäre das den, wenn du dir das Genick brichst. All dieser Papierkram – ich erschauere bei dem Gedanken."

Als die Glocke zum Ende der Stunde läutete war Harry in großartiger Stimmung. Er, Kainda und Neville gingen zur ersten Pause hinaus in den Schulhof, wo sie Ron und Hermine fanden, die vor einem neu errichteten Brunnen saßen. Zuerst dachte Harry, dass es nur eine seltsam geformte Statue war, bis er eine der Gestalten erkannte. Es war Dobby. Harry blinzelte und fragte sich, ob er richtig sah, aber als er den Blick hob sah er die steinernen Figuren von Professor Vector und Professor Trelawney hinter Dobby stehen. Zu ihren Füßen saßen Colin Creevey, ein Junge aus Hufflepuff, ein winziges Mädchen, das in Ravenclaw gewesen war, und eines der Mädchen aus Slytherin, von dem Harry wusste, dass es während der Belagerung getötet worden war.

„Wie findest du sie?", sagte Hermine glücklich, stand auf und kam zu ihnen herüber. „Es ist die Statue, von der Hagrid uns erzählt hat. Sie sind alle bei der Belagerung gestorben. Sie haben einen Schüler aus jedem Haus aufgestellt, damit wir uns an sie erinnern können. Sie ist schön, oder?"

„Was ist aber mit Kibbles?", sagte Harry. „Er ist auch getötet worden, warum ist er – "

Ron stieß ihn am Arm und deutete hoch zur Schule. Harry wandte sich um. Auf einem der Dächer über dem Schulhof war eine schwarze Gestalt dunkel und beeindruckend gegen den blauen Himmel abgezeichnet; sie wandte sich fast beschützend um einen der Fahnenmasten. Harry erinnerte sich an das Gesicht des Drachens, das ihn von dort oben angesehen hatte. Es war das gleiche Gesicht, das ihn einst aus einem Glasbecken heraus angeblinzelt hatte und auf mehr Hühnchen gewartet hatte. Kibbles war auf die Größe eines kleinen Elefanten gewachsen, bevor er getötet worden war.

„Wow", hauchte Harry. „Sieht wirklich lebendig aus, oder?"

Hermine nickte. „Ich finde, es ist wirklich nett, dass sie etwas haben, das an das erinnert, was geschehen ist ... ich weiß, dass das Ministerium die Belagerung am liebsten vergessen würde, aber Dumbledore will sich dafür nicht schämen."

„Also, wie war Zauberkunst?", fragte Harry.

„Langweilig", sagte Ron. „Wir haben uns nur viele Notizen gemacht und Texte abgeschrieben. Wie war Reine Künste?

„Alrister hat Neville mit einem langen Stab gestoßen", sagte Kainda amüsiert.

„Oh?", sagte Ron, als ob das ganz normal wäre.

„Jep."

„Hat er es verdient?"

„Wahrscheinlich nicht. Alrister sagte, dass er nicht genug nach Angreifern Ausschau gehalten hat."

„Oh."

„Ja. Er wird das ganze Jahr über versuchen, uns mit dem Stab zu erwischen. In deiner Klasse wahrscheinlich auch. Du hast ihn nach der Pause, oder?"

„Jep."

„Sieh hinter die Tür, wenn du reingehst."

„Ich werde mich daran erinnern."

Rons und Kaindas Gespräch wurde unterbrochen, als eine blonde Gestalt in einem schwarzen Umhang den Hof betrat. Draco sah Ron nicht einmal an. Er ging zu Harry hinüber, setzte sich neben ihm auf die Bank und öffnete sofort seine Tasche, um etwas zu suchen. Offenbar vergaß Ron seinen Plan, Draco zu ignorieren, und sagte: „Tust du so, als wäre nichts passiert, Malfoy?"

Draco sagte kein Wort und tat so, als hätte er Ron nicht gehört. Endlich fand er eines seiner Bücher, öffnete es auf seinem Schoß und durchsuchte das Inhaltsverzeichnis. Es schien jedoch, als wolle Ron nicht so schnell aufgeben.

„Ignoriere mich nicht einfach, Malfoy. Oder ist es etwa so schlimm? Ignoriere mich einfach und das Problem wird verschwinden?"

„Ron", sagte Hermine. „Nicht, lass es einfach. Bitte."

„Granger, könnte ich dein Alte Runen Buch haben?", sagte Draco, immer noch in seiner eigenen Welt und offenbar hörte er die andere Hälfte des Gesprächs nicht. „Ich denke, in meinem fehlt das Kapitel über wörtliche Übersetzungen ..."

Hermine öffnete ihre Tasche, aber Ron unterbrach sie: „Gib es ihm nicht". Er sagte es so scharf, dass alle anderen, inklusive Draco, ihn anstarrten. Ron erwiderte Dracos Blick, sagte aber zu Hermine: „Du willst doch nicht, dass seine Halbbluthände es überall berühren. Mein Dad sagt, dass man einer Veela nie im Leben trauen soll."

„Dein Dad sagt, dass man Muggel lieben soll. So ein Wahnsinniger ist er", schnarrte Draco.

Ron sprang auf und wollte mit einem wütenden Schrei auf Malfoy losgehen, aber Harry, Neville und Ginny sprangen nach vor, packte ihn und zogen ihn zurück. Draco stand ohne ein Wort auf.

„Was ist los? Wirst du wieder davon laufen?", sagte Ron wütend. „Erträgst du den Spaß nicht, Malfoy?

„Ich denke, du solltest damit aufhören", sagte Draco mit seltsam leiser Stimme. „Ich denke, du solltest dich beruhigen und mich einfach hier sitzen lassen. Ich tue dir doch nichts an, oder, Weasley?"

Ron sagte nichts. Er wehrte sich nicht mehr gegen Harrys Griff und als Harry ihn losließ, drehte er sich einfach um und setzte sich, ruhig wie immer. Er holte eine Tüte von Bertie Botts Bohnen hervor und öffnete sie. „Will jemand eine?", fragte er fröhlich und bot den anderen die Tüte an.

Alle starrten ihn an und wandten sich dann gleichzeitig zu Draco um. Draco schien genauso ruhig zu sein wie Ron. Er nahm eine der Bohnen und setzte sich; das Alte Runen Buch lag wieder aufgeschlagen auf seinem Schoß. „Danke, Weasley."

„Ist mir ein Vergnügen", sagte Ron, immer noch mit unnatürlich fröhlicher Stimme. Harry und die anderen merkten inzwischen, was Draco getan haben musste, obwohl ihn niemand beschuldigen wollte, und eigentlich war es so ja auch besser. Sie setzten sich in Stille wieder um den Brunnen herum. Der Rest der Pause war zum Glück ruhig und Ron sagte kein einziges Wort gegen Draco Malfoy. Er ging mit Dean und Seamus lachend und scherzend zu Reine Künste davon, während Harry, Hermine, Draco und Kainda gemeinsam zu Verteidigung gegen die dunklen Künste gingen. Erst, als sie sich vor dem Klassenzimmer anstellten, erwähnte Hermine, was passiert war.

„Das hättest du nicht machen sollen", murmelte sie leise.

„Oh? Und warum nicht? Das war der erste ruhig Moment, den ich hatte, seit wir in Hogwarts angekommen sind, und ich persönlich denke, dass es eine ziemlich gute Idee war." Draco schnaubte und begann, seine Fingernägel zu inspizieren. „Das ist der Grund, warum die Zentauren Veelas hassen. Zentauren nützen die menschliche Natur, um die Zukunft sehen zu können, und Veelas mischen sich in die menschliche Natur ein."

„Wird sich Ron daran erinnern, dass er nett zu dir gewesen ist?", fragte Hermine, wobei sie sich noch immer nicht zufrieden anhörte.

„Nein", sagte Draco. „Er wird nur eine vage Erinnerung daran haben, dass er im Hof gewesen ist. Keine genauen Ereignisse. Es sollte noch etwa eine Stunde lang wirken. Ich habe eine besonders starke Dosis verwendet ..."

„Kontrollierst du ihn tatsächlich?", sagte Harry. „Wie mit dem Imperius Fluch?"

„Oh nein", sagte Draco und schüttelte den Kopf. „Es ist kein Zauber, Potter. Ich habe nur mit seinem Geist gespielt, um ihn für meine Ideen zu öffnen und dass er mich mag, und dann habe ich vorgeschlagen, dass er sich beruhigt. Es ist eine wunderbare Fähigkeit. Weibliche Veelas benutzen sie, um Männer anzuziehen, männliche Veelas benutzen sie für nützlichere Dinge."

„Wie etwas mit den Gefühlen anderer spielen?", sagte Hermine mit kaltem Unterton.

„Genau", sagte Draco und ignorierte die Abneigung, die er offenbar nicht hören wollte.

In diesem Moment öffnete sich die Tür und die Diskussion wurde beendet. Madam Ivy sah sie mit einem kleinen Lächeln an. Sie trug eine seltsame rechteckige Brille mit sehr dickem Rahmen, die sie aussehen ließ wie eine Punkrock Bibliothekarin.

„Kommt herein", sagte sie. „Federn und Tinte raus."

Die Klasse ging in den Raum und Harry, Draco, Hermine und Kainda setzten sich an einen der hinteren Tische und holten Bücher, Federn, Tintenfässer und Pergament aus ihren Taschen. Professor Lupin saß an seinem Tisch, den Kopf auf eine Hand gestützt,

und starrte aus dem Fenster, als wäre draußen etwas besonders Faszinierendes. Während Harry ihn beobachtete senkte Lupin den Blick, entdeckte ein paar kurze, rote Haare auf seinem Tisch, runzelte die Stirn und fegte sie hinunter auf den Boden. Madam Ivy war bei Lupin offenbar noch immer unbeliebt.

„Nun denn ... inzwischen solltet ihr mich alle kennen", sagte sie fröhlich, setzte sich auf Kante von Lupins Tisch und sah sie alle mit auf einem Knie gefalteten Händen an. „Falls nicht, mein Name ist Madam Ivy, und ich werde dieses Jahr zum Teil Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten – gemeinsam mit Professor Lupin. Heute werde ich euch nur die Stundenpläne geben und wir werden eine kurze Übersicht über den Kurs machen. Wer gestern schon in meinem Unterricht gewesen ist, wird ein Arbeitsblatt bekommen."

„Welche Freude", murmelte Kainda neben Harry.

Er lachte leise. Er war sicher, dass er so weit hinten saß, dass Madam Ivy ihn unmöglich hören konnte, aber sie tat es trotzdem. Ihre Augen wandten sich sofort ihm zu und eine dünne, schwarze Augenbraue hob sich über den Rand ihrer Brille.

„Es tut mir Leid, junger Mann, aber gibt es etwas, dass Sie mit der Klasse diskutieren möchten?", sagte sie.

„Nein", sagte Harry und war nicht sicher, wie er sie ansprechen sollte.

Ihre andere Augenbraue hob sich. „Meine Güte ... ich hoffe, dass ich bei Ihnen kein Problem mit Ihrer Einstellung feststelle, noch dazu in der ersten Stunde."

„Mit Harrys Einstellung ist alles in Ordnung", sagte Lupin kurz angebunden und stand auf, obwohl es dazu keinen Grund gab. „Ich denke, dass das Problem hier Ihres sein könnte, wenn Sie jedes kleinen Geräusch als Lachen sehen, Madam."

Madam Ivy lächelte ihn an. „Ich danke Ihnen, Professor Lupin ... nun, wie ich bereits vor dieser Unterbrechung sagte, jeder, der bereits seinen Stundenplan bekommen hat, wird ein Arbeitsblatt machen. Es ist eine Schande, dass die Stunden im UTZ Kurs so unregelmäßig sind. Natürlich wird der Großteil der Klasse an einem Projekt arbeiten, also werden wir eventuelle Probleme hoffentlich bald beseitigen können ..."

Harry hob den Blick und merkte, dass sie ihn direkt ansah. Er erwiderte ihren Blick höflich und hoffte, dass er mit der neuen Dunkle Künste Professor nicht auf Kriegsfuß sein würde. Sie wandte den Blick ab und nahm einen Stapel Pergament von Lupins Tisch. Sie begann, Stundenpläne und Arbeitsblätter auszuteilen. Als sie Harrys und Kaindas Tisch erreichte, gab sie Harry einen leeren Plan und Kainda ein Blatt Papier mit einer Reihe von Fragen.

„Das habe ich schon gemacht", sagte Kainda und sah sie an. „Dieses Blatt, Madam."

„Oh?", sagte Madam Ivy und wandte ihren scharfen Blick Kainda zu. „Ah ja, Sie waren in der gestrigen Doppelstunde schon hier, nicht wahr? Nun dann, Sie können beginnen, Ihr erstes Projekt zu planen. Holen Sie sich von hinten eine Pergamentrolle und machen Sie sich Notizen über gefährliche magische Objekte in Großbritannien, Miss Zabini."

„Ich werde es für dich holen", sagte Harry, weil er wusste, dass es für Kainda schwierig sein würde, den Stapel Pergament auf dem Regal zu erreichen.

Er stand auf, aber Madam Ivy sagte schnell: „Ich denke nicht, dass ich Ihnen die Erlaubnis gegeben habe, aufzustehen. Bitte setzen Sie sich. Ein Punkt von der Schule, weil Sie sich nicht auf Ihre eigenen Angelegenheiten konzentriert haben.

Harry setzte sich gehorsam und stritt nicht wegen dem Punkt, den sie ihm genommen hatte. Er konnte das Gefühl nicht unterdrücken, dass er keinen guten Eindruck machte. Professor Lupin, der sie offensichtlich von der anderen Seite des Zimmers aus beobachtet hatte, kam herüber. Er holte eine Rolle Pergament für Kainda und lehnte sich dann zu ihnen herunter und sagte: „Zwei Punkte für die Schule, weil du versucht hast, ein Gentleman zu sein, Harry."

Harry versuchte, nicht zu sehr zu lächeln, als Lupin zurück zu seinem Tisch ging. Madam Ivy hatte nicht bemerkt, was geschehen war. Sie setzte sich wieder auf den Rand von Lupins Tisch und begann, den Plan für das Jahr vorzulesen und wies sie an, sich aufzuschreiben, welchen Lehrer sie an welchem Tag haben würden. Harry saß still da. Er wollte sich nicht mit noch einem Dunkle Künste Lehrer verfeinden, besonders in seinem UTZ Kurs, und er hob die Hand, um Fragen zu beantworten, wann immer er konnte. Lupin rief ihn ein oder zwei Mal auf, aber Ivy schien ihn zu ignorieren.

Als das Ende der Stunde näher kam war Harry eindeutig gelangweilt und hungrig. Am Nachmittag hatte er noch Zauberkunst, und er wusste, dass Professor Flitwicks Unterricht viel interessanter sein würde als das hier. Kainda war offenbar auch gelangweilt und sie spielten ein stilles Ring und Kreuzchen Turnier, das sie mit Leichtigkeit gewann. Sie hatten gerade ein Spiel Männchen Aufhängen begonnen, als Madam Ivy an ihrem Tisch erschien, um Harrys Stundenplan zu prüfen. Ihre Augen überflogen ihn kurz und sie nickte. „Das scheint in Ordnung zu sein ... Nun, Harry, nicht wahr? Harry Potter?"

Er nickte und bedeckte das begonnene Spiel mit seinem Ellbogen.

„Hoffen wir, dass das nur eine holprige erste Stunde war, hm?", sagte sie mit einem Lächeln. „Ich bin sicher, dass Sie sich viel besser benehmen können. Professor Lupin hat mir gesagt, dass Sie ein exzellenter Schüler sind, also erwarte ich in meinem Unterricht keine weiteren Störungen von Ihnen."

Harry wandte seinen Blick dem Tisch zu. „Entschuldigung, Madam Ivy."

„So ist es gut ...", sagte sie freundlich, bevor sie davonging, um sich Hermines Stundenplan anzusehen; ihr langer schwarzer Umhang wehte hinter ihr her.

Die Glocke läutete. Alle standen auf, packten ihre Sachen weg und Harry, Hermine, Draco und Kainda verließen schnell das Klassenzimmer. Draco schien noch nicht gehen zu wollen und blieb ein wenig hinter ihnen, als wolle er etwas zu Madam Ivy sagen, aber Hermine stieß ihn an und murmelte: „Oh, halt deine Hormone unter Kontrolle", und schob ihn aus der Tür.

„Was haltet ihr von dieser Stunde?", fragte Kainda, als sie zum Mittagessen in die Große Halle gingen.

„Sie war ziemlich langweilig", gab Hermine zu. „Ich dachte wirklich, wir würden in der ersten Stunde etwas Interessantes machen. Ich denke, dass der Stundenplan aber ziemlich wichtig ist."

Harry hörte ihnen zu, während er die Hand in seine Schultasche steckte, den Stundenplan herausholte und ihn studierte. Er hatte Madam Ivy am Dienstag und Freitag, und Lupin für den Rest der Woche. Immerhin würde sie nicht oft Gelegenheit haben, ihm ein Einstellungsproblem vorzuwerfen. Aber Harry erinnerte sich daran, dass er mit Lupin auch lernen würde, wie man tötete. Auf diese Stunden freute er sich ganz und gar nicht. Er kam mit den GGT Stunden in Snapes Kerker klar, aber dachte nicht, dass ihm irgendjemand beibringen konnte, wie man ohne Reue ein anderes Wesen umbrachte. Sogar das kleinste Insekt verdiente es, zu leben. Die Insekten, die Harry töten würde, waren die Eltern eines anderen kleinen Insekts, das den Rest seines Lebens alleine und ohne Eltern verbringen würde, die es liebten. Es war nichts anderes als das, was Voldemort Harry angetan hatte.


Zauberkunst verging, ohne dass etwas Außergewöhnliches geschah, und als die Glocke das Ende der Stunde verkündete, packte Harry seine Sachen zusammen und verließ mit den anderen das Klassenzimmer. Zum Abendessen gab es eine Art Eintopf. Dracos Zauber war inzwischen abgeschwächt und während des gesamten Essens warfen sich Ron und Draco Dinge über den Tisch hinweg zu. Ron bewarf Draco sogar mit Erbsen, bis Professor McGonagall herüber kam. Ron schien zu denken, dass Draco daran schuld war, dass er erwischt worden war, und verkündete während dem Rest des Abendessens laut seine Meinung. Es war für Harry fast eine Erleichterung, als Draco und Kainda gemeinsam zum Gemeinschaftsraum der Slytherins davongingen, und die Gryffindors zu ihrem. Sie machten es sich auf Lehnstühlen und Kissen beim Feuer bequem, holten die ersten Hausaufgaben aus ihren Taschen und begannen damit.

Harry schrieb die ersten Seiten seines Projekts für Zaubertränke, wobei er darauf achtete, dass seine Handschrift ordentlich war, und unterbrach seine Arbeit nur ab und zu, wenn sich Hermine über seine Schulter lehnte und sagte, wie man eine Zutat schrieb. Neben ihm arbeitete Ron hart an seinem Drehbuch für Reine Künste. Ron war zum Abendessen mit einem roten Fleck auf der Wange erschienen und seine Erklärung war gewesen: „Alrister hat mich umgebracht."

„Merlin, das sieht langweilig aus", sagte Ron und lehnte sich über Harry Schulter. Er besah sich die vier Seiten von feiner Handschrift, die Harry bereits erledigt hatte. „Ich bin so froh, dass ich Zaubertränke nicht genommen habe. Naja, ich muss als nächstes einen Aufsatz über die Wikinger für Geschichte der Zauberei schreiben, also bin ich nicht viel besser dran."

Hermine, die ihre Hausaufgaben vor einer Ewigkeit fertig gemacht hatte und jetzt als Lehrerin tätig war (sie sah gerade Nevilles Aufgabe in Zauberkunst durch), schloss sich der Diskussion an. „Die Wikinger waren aber faszinierend, Ron."

„Ja, vielleicht andere Wikinger", sagte Ron. „Und vielleicht für jemanden, der bei einem Lehrer über sie gelernt hat, der noch gelebt hat. Binns ist doch nur hier, um unsere Ausbildung zu ruinieren und die Vergangenheit in Mist zu verwandeln."

„Hm", sagte Hermine. Sie warf Neville ein Lächeln zu und sagte: „Das ist in Ordnung, Neville."

„Wunderbar", sagte er grinsend. „Danke, Hermine. Ich muss nur kurz mein Buch für Kräuterkunde holen, ich muss für meine Hausaufgabe noch etwas nachschlagen."

Er verschwand auf der Treppe, doch die Erwähnung von Kräuterkunde schien eine Erinnerung in Harrys Gedächtnis aufzufrischen. Etwas über Kräuterkunde, das er vergessen hatte ... nach einem Moment fiel es ihm wieder ein.

„Ich habe meine Pelzigen Pilze am Grimmauldplatz vergessen", verkündete er.

„Du hast was vergessen?", fragte Ron und starrte ihn an.

„Meine Pelzigen Pilze", sagte Harry. „Du weißt schon, diese kleinen Champignons. Sie sind wahrscheinlich immer noch in ihrem Topf und warten, dass jemand den Deckel abnimmt. Sie könnten inzwischen schon ertrunken sein."

„Schreib an Mum", sagte Ron schulterzuckend. „Sie wird sie dir einpacken und mit einer Eule schicken, denke ich."

Harry nickte und wollte fragen, ob Ron noch übriges Pergament hatte, als seine Aufmerksamkeit plötzlich von einem hohen Schreib abgelenkt wurde. Alle zuckten zusammen und Ginny stieß ihr Tintenfass um; der Inhalt ergoss sich über den Teppich.

„Was war das?", sagte sie und starrte auf die Treppe.

Fußgetrappel kam näher und in der nächsten Sekunde lief Neville in den Gemeinschaftsraum; sein Gesicht war weiß und er zitterte. „Dort oben ist ein G-g-geist!", quiekte er und deutete die Treppe rauf. „I-in unserem Schlafsaal!"

„Hogwarts ist voller Geister, Neville, du Dummkopf", sagte Ron. „Du siehst sie jeden Tag."

„Nein!", sagte Neville mit schriller Stimme. „Es war ...es war Professor Trelawney. Sie w-wartete oben im Sch-schlafsaal!"

Harrys Augen weiteten sich. „Wirklich? Hat sie etwas gesagt?"

Neville nickte verzweifelt.

„Was?", fragte Hermine.

„Ich weiß es nicht", sagte Neville. „Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, und ich hab geschrien und bin davongerannt."

Harry und Ron warfen sich einen Blick zu, legten dann ihre Hausaufgaben beiseite, zogen die Zauberstäbe und gingen auf die Treppe zu. Neville folgte ihnen und alle anderen warteten am Fuß der Treppe. Ron packte den Türknauf des Schlafsaals und zog die Tür auf. Der Raum war von Licht der untergehenden Sonne durchflutet, alle Vorhänge der Betten waren offen, und er war komplett leer.

„Sie ist fort", flüsterte Neville. „Oh, Harry, Ron, sie war hier, sie war wirklich hier! Ich erfinde das nicht!"

„Warum sollte Professor Trelawney einen Grund haben zu kommen?", sagte Ron schulterzuckend. „Nur um Harry das Leben weiterhin schlecht zu machen? Es war dein Gehirn, Neville, es hat dir etwas vorgespielt."

„Aber ...", sagte Neville, und er hörte sich miserabel an. „Ich war sicher ..."

„Falls du sie wieder siehst sagst du es uns", sagte Harry. „Dann werden wir den Fast Kopflosen Nick suchen und ihn fragen, ob er Professor Trelawney mal gesehen hat. Mach dir deswegen nicht zu viele Sorgen, Neville. Falls sie zurückgekommen ist, hat sie keinen Grund, dich zu verfolgen."

Neville nickte düster und ging die Treppe hinunter. Ron folgte ihm. Harry sah sich noch ein letztes Mal im Schlafsaal um, und er hätte schwören können, dass er ein leises Klingeln hörte, wie zusammenschlagender Schmuck, bevor er die Tür hinter sich schloss.