HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

KAPITEL 13 – Romeo und Julia

Der Rest von Harrys erster Woche verging in einem Wirbel aus Stundenplänen, Hausaufgaben und Wiederholungsbüchern. Am Mittwoch verbrachte er die erste Stunde mit Hermine in der Bibliothek, wo er für sein Projekt in Zaubertränke recherchierte, und Snape korrigierte es sogar für ihn, als er in den Unterricht zurückkam. Geschichte der Zauberei war so langweilig wie immer, doch der gesamte Jahrgang hatte nach der Pause zum ersten Mal Vermischte Magie. Professor Pebblebank – heute mit einer blauen Hose mit sehr weit geschnittenen Beinen und einem T-Shirt mit einem glitzernden Stern vorne drauf – ging mit ihnen im Detail durch, was sie in diesem Jahr lernen würden. Offenbar hatte es ein Problem mit dem Zaubereiministerium gegeben, und jemand hatte versucht, ein Gesetz durchzubringen, das den Unterricht verbot. Somit konnten sie erst in einem Monat richtig beginnen, und bis dahin würde die Stunde Freizeit sein, in der sie Hausaufgaben erledigen oder in Büchern nachschlagen konnten, wie sie lernen wollten. Hermine zitterte neben Harry förmlich vor Aufregung. Alle anderen schienen auch interessiert zu sein, sogar Draco, der sich interessiert gerader hinsetzte, als Professor Pebblebank Chinesische Drachenmagie erwähnte.

„Mein Vater hat mir ein wenig davon beigebracht", erklärte er. „Im Sommer, bevor er fortgebracht wurde."

Danach hatte Harry Verwandlung. Professor McGonagall begann sofort mit der Vorbereitung ihres ersten Projekts, und Harry war sehr mit sich selbst zufrieden, weil er es schaffte, bis zum Ende der Stunde seine Schildkröte in einen Hasen zu verwandeln. Professor McGonagall erklärte, dass menschliche Verwandlungen in ihrem Projekt vorkommen würden, und dass sie zuerst den Unterschied zwischen verschiedenen Spezies überbrücken müssten.

In Pflege Magischer Geschöpfe bereiteten sie die kurz bevorstehende Ankunft der Drachen vor. Hagrid ließ sie riesige Steaks auseinander schneiden. Sie waren wohl von Elefanten, aber es war ziemlich schwierig, es sicher zu sagen.

Am Mittwoch, nach dem Unterricht, hatte Harry seine GGT Stunde mit Snape. An diesem Abend übten sie, wie man lügt und eine Lüge aufdeckt. Harry konnte ein inneres Lachen nicht unterdrücken als er merkte, dass er Wahrheit oder Pflicht mit Snape spielte. Sie stellten einander abwechselnd Fragen und entschieden dann, ob es eine Lüge war oder nicht. Harry fand heraus, dass Snape in der Tat einmal Vandalismus begangen hatte, und zwar an einer Telephonzelle in der Nacht nach dem Abschluss der siebten Klasse; dass Snape auf Katzenhaare allergisch war; dass Snape schon lange vor dem legalen Alter Feuerwhiskey getrunken hatte und dass Snape einmal eine halbe Rolle Pergament als Wette mit Lucius Malfoy gegessen hatte. Snape schwor auch hoch und heilig, dass er nie in Versuchung gewesen war, einen Erstklässler zu verhexen, aber Harry wusste, dass das eine Lüge war.

Am Donnerstag war Harry gleich wieder draußen auf den Schulgründen, dieses Mal um zu lernen, wie man Drachen mit verschiedenen Zaubern kontrollieren konnte, die ihnen Charlie Weasley beibrachte. Es war eine sehr unterhaltsame Stunde, obwohl Neville ihn mit einem Conjunktivitis Zauber am Auge traf und er den restlichen Tag nichts sehen konnte. Das war nicht gerade hilfreich, denn nach Magische Kreaturen hatte er gleich Reine Künste. Wie er vorhergesagt hatte, lauerte Alrister ihnen hinter der Tür mit seinem Stock auf, als sie alle die Klasse betraten. Draco wurde sofort für tot erklärt, nachdem er ihn ordentlich am Kopf getroffen hatte, und Hermine schaffte es gerade noch, dem Stock auszuweichen, indem sie einen kleinen Zauber verwendete, der Alristers Vorhänge in Flammen aufgehen ließ. Als sie das Feuer endlich gelöscht hatten, entschuldigte sich Hermine immer und immer wieder, und verwandelte die Vorhänge zurück in ihren alten

Zustand. Alrister meinte nur, es wäre schon in Ordnung – er hätte sie sowieso nie gemocht.

Am Ende des Tages hatten sie eine Doppelstunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit Professor Lupin. Er sagte ihnen, dass sie ihr erstes Projekt starten würde – über die häufigsten Gefahren in England, und als die beiden Stunden vorbei waren, hatte Harry seine ersten fünf Seiten fertig. Lupin gab ihm zehn Punkte für die Schule. Während der Stunde war Madam Ivy nicht anwesend. Harry hatte den Verdacht, dass Lupin sie aus seinem Klassenzimmer verbannte, wenn er unterrichtete.

Der Freitag kam und Harry war froh, dass das Wochenende fast da war. Er hatte seine erste Woche zurück in Hogwarts genossen, aber er brauchte definitiv eine Pause und Zeit, seine ganzen Hausaufgaben zu erledigen. Zuerst hatten sie aber noch Zaubertränke. Während die meisten Schüler in die Bibliothek gingen, um noch ein wenig mehr Bücher zu suchen, war Harry damit schon fertig und blieb im Klassenzimmer. Snape brachte ihm bei, wie man Explodierende Raupen am besten aufschnitt, ohne mit klebrigem Schleim bespritzt zu werden, und als er sah, wie weit Harry schon mit seinem Projekt war, war er so überrascht, dass er Harry fünf Punkte gab.

Nach Zaubertränke hatte Harry Reine Künste und konnte dem Stock wieder ausweichen. Fast ein Viertel der Klasse saß nun schon an dem Tot Tisch, und Alrister schaffte es bis zum Ende der Stunde, noch drei weitere Schüler zu erwischen. Sie humpelten aus der Klasse, während sie sich um ihre kleinen Wunden kümmerten. Draco bemerkte, falls Alrister es noch einmal versuchte, sollten sie ihn einfach mit seinem Stock zusammenschlagen und ihn irgendwo in einen Schrank sperren.

Geschichte der Zauberei und Verwandlung waren so langweilig wie immer, und Professor McGonagall stellte diesmal wirklich ihr Wissen auf die Probe. Sie ließ Harry vor der Klasse eine Maus in einen Gecko verwandeln, und als der Gecko noch immer kleine, pelzige Ohren hatte, musste er es noch drei Mal machen, bis er es schließlich konnte.

Obwohl Harry das eigentlich nichts ausmachte, denn als letzte Stunde am Freitag hatte er Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit Madam Ivy. Er setzte sich dieses Mal auf einen Stuhl in der ersten Reihe, um zu zeigen, dass er keiner der Schüler war, die sich in den hinteren Reihen herumtrieben und die ganze Stunde lang schwätzten. Sie gab ihnen die Teile des Projekts zurück, die sie benotet hatte, und Harrys Stimmung verbesserte sich deutlich, als er sah, dass sie ihm ein O gegeben hatte. Sie setzte sich wie üblich auf die Kante von Lupins Tisch und begann zu sprechen, die Hände ordentlich in ihrem Schoß gefaltet.

„Ich bin sicher, dass ihr inzwischen eure Noten gesehen habt", sagte sie und beendete damit die Gespräche. „Und ich bin froh, wenn ihr mit eurem Resultat zufrieden seid, obwohl ich weiß, dass einige von euch es noch viel besser machen könnten. Natürlich habe ich nur den ersten Teil eurer Projekte benotet, und wenn ihr es noch einmal auf einem besseren Standard machen wollt, könnt ihr das gerne. Vergesst nicht, dass eure Endnote einen Teil eurer UTZ Note ausmachen wird, und eine schlechte Note könnte zu einem Desaster führen, falls ihr einen Job wollt, für den ihr Verteidigung gegen die Dunklen Künste braucht. Und natürlich gehen wir im Moment auf dunkle Zeiten zu. Je besser ihr euch verteidigen könnt, desto besser.

Heute beginnen wir, uns Dunkle Kreaturen anzusehen. Ich möchte, dass ihr mindestens vier in eurem Projekt besprecht. Nachschlagewerke findet ihr hinten in den Kisten, und ich werde alle Fragen beantworten, die ihr habt. Alles verstanden?"

Harry hob den Kopf nicht, und nachdem er sich ein Buch geholt hatte, begann er mit seiner Arbeit. Am Ende der Stunde war er erschöpft und sein Gehirn fühlte sich von all den Informationen über dunkle Kreaturen, von denen er gelernt hatte, taub an. Er gab seine Notizen ab und Madam Ivy sah ziemlich überrascht aus, weil er so viel Arbeit

erledigt hatte. Sie drehte das Blatt um und überflog kurz seine Notizen und sagte mit einem kleinen Lächeln: „Nun, das ist bestimmt ein guter Standard, Potter ... obwohl hier, am Ende der Seite, ein paar Dinge falsch geschrieben sind. Bessern Sie das bitte aus und dann wird Professor Lupin nächste Woche mit Ihnen weiter darüber reden."

Sie erinnerte Harry stark an eine jüngere Ausgabe von Professor McGonagall.

An diesem Abend saßen Harry, Ron, Hermine und Ginny gemeinsam im Gemeinschaftsraum und machten ihre Hausaufgaben fertig, um danach endlich das Wochenende beginnen zu können. Am nächsten Morgen hatte Harry seine erste Stunde im Töten bei Professor Lupin und er freute sich nicht gerade darauf. Am Nachmittag würden Hagrids Drachen kommen und Harry wollte ihnen dabei helfen, sich schnell einzugewöhnen. Inzwischen hatte er sich schon gut an Drachen gewöhnt.

Mit der Zeit wurde der Gemeinschaftsraum lehr, und um neun Uhr waren nur noch Harry, Ron, Hermine und Ginny da. Hermine war über ein riesiges Blatt mit Runen gebeugt, die sie ordentlich auf ein frisches Blatt übertrug, und Ron brachte Sneezy das Alphabet bei, ohne dabei viel Erfolg zu haben. Ginny schien wegen irgendetwas nervös zu sein.

„Alles in Ordnung?", fragte Harry, nachdem sie sich ständig in ihrem Stuhl gewunden, ihr Buch geschlossen und wieder geöffnet hatte.

„Oh, ja, alles okay", sagte sie mit einem leichten Lächeln. „Nur ein bisschen nervös. Ich glaube, ich geh noch mal ins Badezimmer bevor ich ins Bett gehe, ich könnte noch eine Dusche gebrauchen." Sie stand auf, ließ ihre Bücher und Tasche am Tisch liegen und ging hinauf zu ihrem Schlafsaal.

Harry hatte gerade seine Feder wieder in die Hand genommen und erneut zu schreiben begonnen, als sie wieder da war, eine Tasche in der Hand. „Die hast du aber schnell gepackt", sagte er.

„Na ja, ich wollte schon den ganzen Tag lang duschen", sagte sie ruhig. „Wir sehen uns." Und sie ging ohne ein weiteres Wort durch das Portraitloch.

Alle waren einen Moment lang still, dann sagte Hermine, was alle dachten.

„Warum kann sie nicht die Duschen im Gryffindorturm verwenden?", sagte sie stirnrunzelnd und legte ihre Feder auf den Tisch. „Und warum war die Tasche schon fertig gepackt? Glaubt ihr, dass sie etwas vorhat?"

„Ja", sagte Ron sofort. He stand auf, lies seine Bücher wo sie waren, und eilte zu Harrys Koffer in der Ecke. Ohne um Erlaubnis zu fragen öffnete er ihn und suchte ein paar Minuten darin herum, bevor er Harrys Tarnumhang herauszog. „Dir macht es nichts aus, wenn ich ihn mir leihe, oder?", sagte er und warf ihn sich um die Schultern. Sein Kopf machte sich auf den Weg zur Tür.

„Nicht, wenn du mich mitkommen lässt", sagte Harry. Er ignorierte Hermines Protest, weil sie so spät am Abend noch mal den Turm verließen und lief zu Ron, und sein Cousin warf den Umhang über sie beide. Harry wusste nicht, warum er Ginny folgen wollte – Misstrauen, oder vielleicht wollte er einfach noch einmal seine Beine strecken und es war eine gute Ausrede, um den Hausaufgaben zu entkommen.

Er und Ron gingen zur Tür und gingen hinaus. Hermine rief ihnen nach, dass sie nicht auf ihrer Seite sein würde, falls sie erwischt würden, doch sie hörten ihr nicht wirklich zu, und schlüpften hinaus in den Korridor. Das Portraitloch schloss sich hinter ihnen. Es war sofort offensichtlich, wohin Ginny ging. Sie sahen gerade noch ihren roten Haarschopf hinter der Ecke verschwinden, und leise folgten sie ihr.

Beide waren gewachsen, seit sie den Umhang das letzte Mal verwendet hatten, und es war schwierig, zu gehen und zur gleichen Zeit darauf zu achten, dass alle Knöchel und Beine unsichtbar blieben, aber sie schafften es. Ziemlich bald holten sie Ginny ein und es wurde klar, dass sie nicht in Richtung eines Badezimmers ging. Sie achteten darauf, ein gutes Stück hinter ihr und still zu bleiben. Sie wollten nicht, dass sie wusste, dass sie verfolgt wurde, auch wenn sie nur etwas so unschuldiges machte, wie in die Bibliothek gehen um ein Buch zu holen, oder einen Brief in die Eulerei zu bringen.

Sie ging jedoch an der Treppe zur Eulerei vorbei und sie schienen nicht in Richtung der Bibliothek unterwegs zu sein. Harry wurde mit jedem von Ginnys Schritten immer misstrauischer, und ihm wollte nicht einfallen, wohin sie sonst gehen könnte. Der Astronomieturm schien logisch zu sein, aber Ginny wäre ziemlich dumm wenn sie versuchte, in der Nacht dorthin zu gehen. Professor Sinistra war bekannt für ihren Schutz über ihre Räume, und die einzige Entschuldigung, in der Nacht dort zu sein, war eine Astronomiestunde – aber Ginny hätte ihnen sicher erzählt, dass sie eine Stunde hätte, anstatt so zu tun, als ginge sie zum Badezimmer. Und warum hatte sie ihre Schultasche im Gemeinschaftsraum gelassen?

Tatsächlich erschien bald die gewundene Treppe zum Astromonieturm und Ginny drehte sich um und ging hinauf. Hier hallte jeder einzelne Laut von den Wänden und Harry und Ron hatten Schwierigkeiten damit, nebeneinander nach oben zu kommen und versteckt zu bleiben. Harry wusste nicht wie, aber er merkte, dass Ron wütend wurde. Vielleicht lag es am Geräusch seines Atems, oder wie er Harry immer am Arm zog, damit er schneller ging.

Harry fragte sich, ob Ginny vielleicht die Drachen besuchte, die noch immer in der Astronomiehalle wohnten, aber sie ging auch an dieser Tür vorbei und ging weiter und weiter nach oben zum höchsten Turm der Schule. Harry hatte das ungute Gefühl, von unsichtbaren Augen beobachtet zu werden. Er wusste nicht genau, wie Professor Sinistra den Turm vor Eindringlingen schützte, aber er war ziemlich sicher, dass es nicht angenehm sein würde. Ein Schlag auf die Hand und ein paar Punkte von der Schule waren einfach eine zu schöne Vorstellung.

Nach ein paar langen Minuten, in denen sie die Treppe hinaufschlichen und Ron ihn immer wieder mit sich zog, hörte Harry, wie sich über ihnen eine Falltür öffnete und kalte Nachtluft strömte die Treppe herunter. Ginny kletterte vorsichtig hinaus und zu Harrys Erleichterung blieb die Falltür offen. Er und Ron schafften es irgendwie, ohne Geräusch und ohne übereinander zu fallen nach draußen zu gelangen. Ginny war alleine auf dem Turm; auf einer niedrigen Mauer sitzend starrte sie auf den See hinaus, still und unbeweglich wie eine Statue. Ron zupfte Harry am Ärmel, um ihn von der Falltür wegzuziehen, und in der nächsten Sekunde erkannte Harry, warum, denn er hörte Schritte, die die Treppe heraufkamen. Er erwartete fast, dass Professor Sinistra herausfliegen und sie alle erwürgen würde. Ginny dachte offenbar das gleiche und versuchte, sich zu verstecken, doch in der nächsten Sekunde erschien eine Gestalt durch die Falltür.

„Hiya", sagte Ginny lächelnd. „Ich hab mir schon Sorgen gemacht, dass ich zu spät bin … ich hab ihnen gesagt, ich müsste eine Dusche nehmen." Sie hielt die Tasche hoch und zeigte sie immer noch lächelnd ihrem Besucher. „Was war deine Entschuldigung?"

„Ich hab keine gebraucht", war die Antwort. „Ich bin aufgestanden und gegangen. Niemand hat es gemerkt."

Ron war so still geworden, dass sich Harry Sorgen machte, er wäre tatsächlich vor Schock gestorben, und stieß ihn in die Seite. Ron stieß ihn ebenfalls, aber fest.

Draco setzte sich neben Ginny auf die Mauer und stieß die Falltür mit dem Absatz seiner Stiefel aus Drachenhaut zu. Ginny lächelte schüchtern. „Also …", sagte sie. „Warum wolltest du mich sehen?"

„Es ist nur eine Kleinigkeit", murmelte Draco und lehnte sich nach vor; er berührte ihr Gesicht.

Neben Harry zitterte Ron vor Wut. Harry fühlte, wie sich die Hände seine Cousins zu Fäusten ballten, als würde er am liebsten unter dem Umhang hervor stürmen und Malfoy über die Mauer vom Turm stürzen. Harry hatte keine Ahnung, was er tun sollte. Weil die Falltür nun geschlossen war, konnten er und Ron nicht entkommen, und sie konnten nichts anderes tun, als hilflos zuzusehen. Harry merkte, dass er den Blick nicht abwenden konnte. Es war wie bei einem Autounfall – er musste einfach hinsehen.

Draco und Ginny, so abgelenkt wie sie waren, hatten offenbar keinen Sinn mehr für Zeit. Harry und Ron jedoch schon. Die Augenblicke zogen sich zu Minuten, und nach einer Viertelstunde wurde Harry kalt und seine Glieder starr vom langen Stillstehen, und die Unterhaltung verlor ihren Reiz. Die einzige Wärme auf dem Turm kam von Ron, der noch immer wütend zitterte und wie ein Rhinozeros atmete. Harry musste ihn immer wieder treten, damit er leise war, doch Ron trat ihn immer doppelt so fest. Nach zwanzig Minuten war Harry noch kälter, und er war voller blauer Flecken. Er wollte Malfoy nun wirklich vom Turm stürzen, nur, um die Kussstunde zu unterbrechen, damit er zu Bett gehen konnte.

Draco ließ Ginny wieder los und sie lehnte sich sofort nach vorne, doch er hielt eine Hand hoch. „Es ist spät", murmelte er. „Die Gryffindors werden noch misstrauisch, wenn du so lange weg bist. Ich schlage vor, du nimmst noch eine Dusche, bevor du zum Gemeinschaftsraum zurückgehst, dann müssen sie nicht misstrauisch sein."

Sie nickte mit einem Lächeln; ihre Wangen waren ein wenig rosa. „Okay … selbe Zeit und selber Ort morgen?"

„Hoffentlich", sagte er. „Vielleicht eine Stunde früher. Sag, du hättest eine Strafarbeit oder etwas ähnliches Lächerliches." Er lächelte und fuhr mit seinen Fingern durch ihr Haar. „Ich hab dir doch gesagt, es ist nichts dabei, am Abend auf dem Astronomieturm zu sein … all diese Gerüchte über seinen Schutz … Ich meine, sie ist ein wenig paranoid, aber eigentlich ist Professor Sinistr-AAARGH!"

Die Mauer, auf der sie saßen, war offenbar zum Leben erwacht, und mit einem lauten Zischen erschien ein Arm wie der eines Kraken und wand sich um Malfoy; er versuchte, ihn zu erwürgen. Ginny schrie, als noch mehr Tentakel erschienen, die sie packen wollten, aber sie sprang außer Reichweite und starrte erschrocken auf die Steinschlange, die versuchte, Draco zu erdrücken. Er hustete, kämpfte verbissen, bevor er sich aus ihrem Griff befreien könnte und zur Seite hechtete. Auf der anderen Seite des Turms ging ein Licht an und Draco rief Ginny zu: „LAUF!". Dann riss er die Falltür auf, sprang hinunter und verschwand. Sie folgte ihm schnell und Harry und Ron kamen unter dem Umhang ebenfalls in Bewegung. So schnell wie möglich bewegten sie sich zur Falltür, aber bevor sie auch nur die Hälfte des Wegs hinter sich hatte schloss Ginny sie.

„Wir haben keinen Ausweg!", brachte Harry verzweifelt hervor. „Was sollen wir tun?"

Ron riss sich den Tarnumhang herunter und bückte sich zur Falltür, wo er mit wütender Stimme sagte: „Vergiss den Astronomieturm, ich werde Malfoy UMBRINGEN!" Er zog ein paar Mal wütend an der Falltür, aber sie öffnete sich einfach nicht. Sie war verschlossen. „Ach, KOMM SCHON!", brüllte Ron sie an.

Harry stieß ihm in die Brust und zischte: „Scccchhhh! Sie werden uns noch hören!"

Aber die Worte hatten kaum seinen Mund verlassen, als Harry fühlte, wie der Boden unter seinen Füßen verschwand. Er fiel nach unten und schaffte es noch, Ron zu packen, und beide schrien, als sie nach unten in die Dunkelheit gesaugt wurden. Ein paar Momente später fielen sie mit lauten Schmerzensschreien auf den Boden. Wo auch immer sie waren, es war stockdunkel. Keuchend suchte Harry nach Ron und brachte: „Ron! Ron, wo bist du?", hervor.

Ron packte ihn in der Dunkelheit am Arm. „Ich bin hier", hauchte er; offenbar hatte auch er Schwierigkeiten damit, Luft zu bekommen. „Wo sind wir?"

„Ich weiß nicht", sagte Harry um Atem ringend. Er zog seinen Zauberstab hervor und sagte. „Lumos!"

Eine Lichtkugel erschien am Ende seines Zauberstabs, gerade groß genug, um die paar Meter um sie herum zu erleuchten. Der Raum schien leer zu sein, es gab nur steinerne Wände und den Boden. Harry hob den Zauberstab zur Decke hoch, doch sie war wieder erschienen.

„Wir sind gefangen", quiekte Ron. „Es gibt keinen Ausweg! Wir werden hier drinnen verhungern! Das können sie doch nicht machen! Das ist eine SCHULE, nicht ASKABAN!" Er sprang zu einer Wand und begann, mit den Fäusten dagegen zu schlagen, doch Harry packte ihn und zog ihn weg, bevor er sich die Knöchel an den harten Wänden brechen konnte.

„Es muss einen Ausweg geben!", sagte er. „Wir müssen nur nachdenken und ruhig bleiben. In Hogwarts gibt es überall einen Ausweg, und die Gründer hätten keinen Ort gebaut, der die Leben von Schülern in Gefahr bringt."

„Ach ja?", sagte Ron, schon etwas wahnsinnig. „Und die Kammer des Schreckens ist also nur ein kleines, buntes, Wunderland, oder?"

„Das ist etwas anderes", sagte Harry verzweifelt. „Und Slytherins Erben ging es in der Kammer gut, oder? Wir müssen nur herausfinden, wer den Astronomieturm gebaut hat."

„Ich glaube, es war Slytherin", meinte Ron. „Er war total paranoid, wenn's um seinen Teil des Schlosses ging. Er hat das sicher gemacht. Alles ist seine Schuld!" Und er warf sich wieder gegen die Wand, wobei er schrie und mit den Fäusten dagegen schlug.

Harry zog ihn wieder weg. „Ron, nicht!", zischte er. „Wir müssen nur ruhig sein und einen Ausweg finden. Ich werde versuchen, etwas von der Wand wegzusprengen." Er zielte mit den Zauberstab und flüsterte: „Reducto!"

Ein Lichtblitz traf die Wand und ein paar Brocken fielen auf den Boden. Er betete, dass die Wand dünn, und nicht zwei Meter dick war, und begann, sie Stück für Stück mit dem Reducto Zauber auseinander zu nehmen. Endlich – es schien, als wären Stunden vergangen – konnte sie Licht durch das Loch sehen. Ron holte ebenfalls seinen Zauberstab hervor und gemeinsam schafften sie es, ein Loch zu schaffen, das groß genug zum Durchklettern war, und endlich kletterten sie aus der Kammer.

Es schien, als wären sie nun in einer kleinen Abstellkammer. Kisten standen auf dem Boden und Kerzen hingen an der Wand und tauchten alles in ein warmes Licht. Ron vergaß Malfoy offenbar einen Moment lang und ging durch den Raum auf eine Tür zu. Er riss sie auf und dahinter lag nur Dunkelheit.

„Nimm dir ein paar von diesen Kerzen", sagte Harry und nahm ein paar aus ihren Haltern. „Wir müssen versuchen, einen Korridor zu finden, den wir kennen. Dann können wir versuchen, zurück zum Gryffindorturm zu kommen."

Ron nahm eine Kerze von der Wand und leise schlichen sich die beiden in den nächsten Raum. Das Kerzenlicht fiel in Wellen über die Wände und zuerst dachte Harry, es wäre nur ein weiterer leerer Raum, abgesehen davon, dass die Wände im Licht wie seltsames, klebrig gelbes Gelee glitzerten. An der Wand gegenüber klebte etwas. Als Harry die Kerze etwas höher hielt fiel das Licht auf die Gestalt, die von der klebrigen Masse an der Wand gehalten wurde. Harry hatte gerade noch Zeit, den weißblonden Haarschopf zu erkennen, bevor Ron neben ihm wütend aufschrie, sich auf Malfoy stürzte und versuchte, ihn von der Wand zu reißen – vermutlich, um ihn zu töten. Harry lief Ron hinterher und versuchte, ihn von Malfoy wegzuzerren, Malfoy schrie Ron an, Ron versuchte, Malfoy zu erwürgen und sie hörten erst auf, als Harry so laut in ihre Ohren schrie, dass sie ihnen danach schmerzten.

„Danke!", rief Harry. „Und nun, hört auf. Malfoy, warum klebst du da an der Wand?"

„Sie hat mich einfach festgesogen", sagte Draco wütend. Ein blaues Auge bildete sich auf seinem Gesicht. „Was macht ihr hier?"

„Hey", sagte Ron plötzlich bevor Harry antworten konnte. Er zog an seinen Händen, die beim Versuch, Draco zu erwürgen in das Gelee eingesunken waren, doch sie lösten sich nicht. „Hol mich hier RAUS!"

Harry legte die Arme um Rons Mitte und zog so fest er konnte, um Ron aus dem klebrigen Gelee zu lösen. Draco, der mit allen vieren von sich gestreckt an der Wand hing, konnte dabei nur lachend zusehen. Rons Gesicht verzog sich zu einem Schnarren, doch mit seinen Händen außer Gefecht konnte er Draco nicht schlagen und wurde deshalb nur noch wütender. Harry kam mit seinem Versuch nirgendwo hin und gab auf. Keuchend ließ er sich auf den Boden fallen. Draco lachte noch immer. Ron spuckte ihm ins Gesicht und er hörte auf.

„Versuch es mit einem Schmelzzabuer", sagte Ron und versuchte, den Kopf zu drehen und Harry am Boden anzusehen, doch es war schwierig, an Draco geklebt wie er war. „Oder einen Auflösezauber oder so etwas."

„Verwend KEINEN Aufllösezauber, du wirst unsere ganze Haut auflösen!", rief Draco.

„Ich korrigiere", sagte Ron wütend. „Es wird DEINE ganze Haut auflösen, ich verliere nur meine Hände, was ein ganz guter Preis dafür ist zu sehen, wie du dich auflöst. Was glaubst du eigentlich, was du mit MEINER Schwester machst?"

„Was zum Teufel hat deine Schwester damit zu tun?", sagte Malfoy wütend.

„Hört auf! Hört auf zu streiten!", sagte Harry. „Wir müssen hier raus bevor Professor Sinistra uns alle erwischt. Wir können später wegen Ginny streiten. Ron, leg dein Knie auf Malfoys Bauch und zieh deine Hände zurück. Das könnte sie frei bekommen. Dann versuchen wir, Malfoy zu befreien."

Ron starrte ihn an. „Wie bitte? Du gibst mir tatsächlich die Erlaubnis, Malfoy mit dem Knie zu treten?"

„Habe ich kein Wörtchen mitzureden?", sagte Draco und hob beide Augenbrauen.

„Nein", sagte Harry. „Ron, ich steh hinter dir um dich zu fangen, okay? Heb einfach dein rechtes Knie und leg es VORSICHTIG auf Dracos Bauch. Dann kannst du dich gut wegstoßen. Okay?"

„In Ordnung", sagte Ron. Er lächelte. „Vorsichtig. Hm." Er hob ein Knie und stieß es gegen Dracos Bauch, aber bevor er auch nur versuchen konnte, seine Hände zu befreien, ertönte ein Geräusch wie Sauce, die in einen Staubsauger gesaugt wird. Das Gelee

breitete sich über Draco in einer großen, glitzernden Masse aus und umschlang Rons Knie und hielt es fest.

Einen Moment lang herrschte Stille, bevor Ron mit belegter Stimme sagte: „Hast du noch irgendwelche großartigen Ideen, Harry? Vielleicht sollte ich mein Gesicht in das Gelee pressen und sehen, ob es uns hilft?"

Draco seufzte dramatisch. „Was hat dir die Kunst des Sarkasmus angetan, Weasley? Sie verdient es sicher nicht, so verschandelt zu werden."

„Du hältst den Mund! Das ist alles deine Schuld!"

„Oh Mann, jetzt hab ich aber Angst."

„Halt den Mund!"

„Was ist sonst? Trittst du mich, dass dein anderes Bein auch an der Wand klebt?"

„Hört auf!", sagte Harry. „Kommt schon, wir müssen zusammenarbeiten. Vielleicht … vielleicht hebst du dein anderes Bein, Ron, und dein Gewicht zieht dich dann aus dem Gelee."

„Oder vielleicht", sagte Draco trocken, „wenn wir einfach hier bleiben, auf Professor Sinistra warten und dann ruhig die Situation erklären, können wir gehen. Immerhin bin ich ein Vertrauensschüler und ich habe einen sehr guten Grund, in der Nacht draußen zu sein. Es missfällt mir zwar sehr, aber Weasley ist auch einer, und Ginny wurde nicht erwischt, also hat sie kein Problem. Oh wartet, was ist mit dir, Potter? Na ja, ich nehme mal an, wenn einer von vier erwischt wird, ist das nicht schlecht."

In diesem Moment ertönten hinter ihnen leise Schritte und das Rascheln eines Umhangs auf dem Boden. Harry wirbelte herum. In der Tür stand Professor Sinistra, die Arme um den Körper geschlungen und Triumpf glitzerte in ihren Augen.

„Nun, nun …", flüsterte sie. „Von Siebtklässlern hätte ich etwas Besseres erwartet. Und zwei Vertrauensschüler. Dem Direktor wird das gar nicht gefallen, Jungs. Überhaupt nicht."

„Professor?", ertönte Dracos Stimme hinter Ron. „Professor, ich kann das alles erklären. Zumindest kann ich erklären, warum ich im Turm bin, doch Weasley und Potter sind leider eine andere Geschichte. Sehen Sie, ich hab gerade meine Runden als Vertrauensschüler gemacht, als – "

„Heben Sie sich das für den Direktor auf, Draco." Sinistra hob eine Hand, schnippte mit den Fingern und das Gelee ließ die beiden sofort los. Ein weiteres Schnippen und dünne Seile erschienen aus den silbernen Armreifen um ihre Handgelenke und banden sich fest um ihre Hälse. „Kommt mit."


Als sie mit ziemlich schuldig aussehenden Gesichtern in Dumbledores Büro kamen, waren schon drei andere Personen dort. Ginny saß mit rosarotem Gesicht und mit ihren Fingern spielend vor Dumbledores Tisch; McGonagall stand an ihrer Seite. Professor Snape stand in der Nähe des Feuers und als Sinistra Draco am Kragen hereinzog hob er eine Augenbraue.

„Malfoy …?", flüsterte er gefährlich.

„Professor!", sagte Draco und sah offenbar eine Gelegenheit, sich aus der Geschichte herauszuwinden. „Professor, Sie müssen mir glauben, ich kann all das erklären. Ich machte gerade einen Kontrollgang, als – "

„Oh, halt den Mund, Malfoy", murmelte Ron mit den Augen rollend.

Sinistra schnippte mit den Fingern und die dünnen Seile um ihre Hälse lösten sich auf. Harry zuckte zusammen und fuhr mit den Fingern an seinen Hals, wo das Seil gewesen war, während sich Professor Sinistra an den Schulleiter wandte.

„Dumbledore", sagte sie eisig. „Ich habe sie erwischt, als sie versuchten, vom Turm zu fliehen. Meine Verteidigung hat sie gefangen, doch sie haben so viel Lärm gemacht, dass es nicht schwer war, sie zu finden.

„Danke, Sarabi", sagte Dumbledore ruhig. Er saß auf einem großen, purpurnen Lehnstuhl hinter seinem Tisch. „Setzt euch bitte, Jungs. Minerva, Severus, Sarabi, ihr könnt euch ruhig ein paar Stühle holen."

Das taten sie auch. Draco wollte sich sofort neben Ginny setzen, aber Ron schlug ihn auf die Schulter und setzte sich demonstrativ neben seine Schwester. Draco öffnete den Mund, um etwas so sagen, das bestimmt nicht nett gewesen wäre, aber Snape schlug ihm kurz aufs Ohr und drückte ihn auf einen Stuhl. Der Professor warf Harry einen bedeutungsschweren Blick zu, während sich seine Finger um die Lehne des Stuhls neben Draco wanden. Harry setzte sich gehorsam darauf. McGonagall stand hinter Ginny und Ron, während Professor Sinistra Snapes alte Position neben dem Kamin einnahm und die vier Schüler mit einem kalten Lächeln auf ihrem blassen Gesicht beobachtete.

„Nun denn", sagte Dumbledore freundlich. „Professor Sinistra sagt, sie habe euch vier auf dem Astronomieturm erwischt. Wenn ich meiner Uhr glauben kann, dann ist es fast zehn Uhr abends, viel zu spät, um noch nicht im Bett und draußen unterwegs zu sein. Ich frage mich, ob ihr mir sagen könnt, warum …"

Sofort meldete sich Ron: „Malfoy hat MEINE Schwester geküsst!"

Ginny wurde scharlachrot und quiekte: „Ron, das hat er nicht, sag so etwas nicht!"

„Wir haben euch gesehen!", sagte Ron wütend. „Ich und Harry, wir waren dort, wir – "

„Warum habt ihr uns überhaupt verfolgt?", wollte Draco wissen und wandte sich Ron zu. „Wer hat dir das Recht gegeben, in der Schule herumzuschleichen und deine große, fette Nase in die Angelegenheiten anderer Leute zu stecken?"

„Weil wir wussten, dass ihr etwas vorhattet!", bellte Ron und wurde so rot wie Ginny. „Und ich habe einen Beweis, weil Harry auch da war, und ich möchte, dass du weißt, dass ich GENAUSO viel Recht wie du habe, in der Schule herumzuschleichen, weil ICH auch ein Vertrauensschüler bin, OKAY?"

„Was ist dann mit Potter? Welcher Vertrauensschüler würde wissentlich den Platz eines anderen Schülers in Hogwarts riskieren, indem er ihn mitnimmt – "

„Lasst mich aus der Sache raus!", sagte Harry und musste fast schreien, damit ihn jemand hörte.

„WARUM SOLLTE ICH DAS NICHT?", rief Ron, stand auf und starrte Malfoy hasserfüllt an. „DU WARST DA! DU BIST DER BEWEIS, DU HAST GESEHEN, WAS PASSIERT IST! DU HAST GESEHEN, DASS MALFOY MEINE – "

„WEASLEY, es ist ihr ENTSCHEIDUNG, wen sie küsst, DU KANNST NICHT ALLES FÜR SIE ENTSCHEIDEN!", brüllte Draco und stand ebenfalls auf.

Ginny brach in Tränen aus, während Ron und Draco sich weiterhin anschrien und anfingen, sich gegenseitig zu stoßen. Harry versuchte, sich rauszuhalten, aber er konnte sich nicht mehr zurückhalten, als Draco zu schreien begann, dass Harry und Ron etwas Verdächtiges vorhätten. Er sprang auf die Beine und begann ebenfalls zu schreien, Snape rief Harry und Draco zu, sie sollten sich setzen, McGonagall versuchte, Ron davon abzuhalten, Draco umzubringen, Ginny weinte immer mehr, Sinistra steuerte nun zu dem Chaos auch ein paar Schreie bei und ein paar Momente lang herrschte absolutes Chaos, bis –

„MÖCHTE JEMAND EINEN KEKS?", brüllte Dumbledore über all den Lärm.

Alle hörten sofort auf zu schreien und drehten sich um, um ihn anzustarren. Ron ließ sogar Dracos Kehle los. Dumbledore lächelte zufrieden und hielt ihnen ein Tablett mit Keksen hin.

„Nun?", sagte er fröhlich.

„Bei allem Respekt, Albus, das ist wirklich keine gute Zeit für Kekse", sagte McGonagall kurz. Sie drückte Ron an der Schulter zurück auf seinen Stuhl.

Snape machte das gleiche mit Harry und Draco – nachdem er sie zum Glück die Plätze wechseln ließ, sodass Draco so weit wie möglich von Ron entfernt war. Harry erkannte, dass Snape ihn direkt in der Schusslinie platziert hatte, und das gefiel ihm gar nicht.

„Nun … Sarabi, haben sie irgendwelche Schäden im Astronomieturm angerichtet?", sagte Dumbledore freundlich.

Sie schüttelte den Kopf. „Aber es hätte leicht etwas passieren können, Direktor. Sehr leicht. Diese Schüler sind in der Nacht in den Turm eingebrochen, und sehr viel feine und wertvolle Ausrüstung war in Gefahr. Wenn sie etwas hätten zerbrechen wollen, dann – "

„Aber das haben sie nicht, Sarabi", sagte Dumbledore ruhig. „Das einzige Problem, das wir hier haben, sind zwei verliebte Teenager, ein Bruder mit zu großem Beschützerinstinkt und ein guter Freund. Ich werde dieses Mal keine Punkte abziehen, aber ich muss euch bitten, in Zukunft nach Einbruch der Dunkelheit in euren Gemeinschaftsräumen zu bleiben. Der Astronomieturm ist für Schüler verboten, wenn sie dort keinen Unterricht oder eine sehr gute Entschuldigung haben. Bitte merkt euch das. Severus, Minerva, wenn ihr Strafarbeiten geben wollt, dann ist das eure Angelegenheit."

„Ich denke, es würde ihnen helfen, sich die Botschaft zu merken", sagte McGonagall weise. „Ihr drei kommt am Montag in mein Büro, um acht Uhr, und – "

„Potter wird nicht kommen können", sagte Snape ruhig. „Er hat bereits eine Nachhilfestunde in Zaubertränke und glaub mir, er braucht sie dringend."

Harry dachte, dass das ein wenig gemein war, sagte aber nichts und starrte nur auf einen Punkt auf Dumbledores Tisch, als wäre er besonders faszinierend.

„Dann sollte Harry seine Strafarbeit vielleicht bei dir verbüßen, Severus", sagte Dumbledore zufrieden. „Direkt vor seiner Nachhilfe. Ich denke, das wäre für alle um einiges bequemer. Minerva, ist das für dich in Ordnung?"

McGonagall nickte kurz. Dumbledore lächelte. „Wunderbar. Nun denn, es ist spät und ihr solltet alle im Bett sein, außer jemand hat noch etwas zu sagen. Nein? Dann wünsche ich euch allen eine gute Nacht, und bitte denkt in Zukunft mehr nach.