HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

Fortsetzung von Harry Potter und der Flug des Phönix

Von The Velvet Ghost
Übersetzung: Christa Potter

KAPITEL 15 – Der Löwe und die Schlange

„Voldemorts Truppen haben ein Muggelmuseum in Yorkshire ausgeraubt", verkündete Hermine gerade, als Ron und Harry sich am nächsten Mittwoch zum Frühstück setzten. Sie zeigte ihnen eine Ausgabe des Tagespropheten. Ein großes Bild von einer Muggelausstellung zierte das Titelblatt, aber es waren nur noch leere Kisten und zerbrochenes Glas davon übrig. „Es war ein kleiner Ort, in der Mitte eines Waldes, aber sie hatten eine unglaubliche ägyptische Abteilung. Alles ist komplett ausgeraubt worden, mitten in der Nacht. Die Muggelpolizei hat keine Ahnung, wie die Diebe ins Museum kommen konnten, aber es sieht aus, als wären die einfach rein- und rausappariert. Die Muggel sind total verwirrt, weil in der Spendenbox kein Penny fehlt."

„Was hatten die in der Ausstellung?", fragte Harry, während er begann, seinen Toast mit Butter zu bestreichen.

„Viele kleine Artefakte", sagte Hermine. „Hauptsächlich Schmuck und Perlen, aber sie hatten auch ein paar große Stücke. Sie hatten einen echten ägyptischen Sarkophag. Der ist verschwunden."

„Weshalb will Voldemort einen Sarkophag?", sagte Ron skeptisch und nahm Hermines Zeitung, um sie selbst anzusehen. „Was hat er vor? Will er etwa ein eigenes Museum eröffnen?"

„Ich hab das Gefühl, dass er etwas vorhat, das ein wenig größer ist, Ron", sagte Hermine. „Vielleicht wird er versuchen, ägyptische Magie zu verwenden. Die hatten damals einige sehr böse Flüche. Oh, das erinnert mich an etwas! Ich denke, wir werden heute in Gemischte Magie mit der richtigen Arbeit anfangen. Ich hab vorhin gesehen, wie Professor Pebblebank ein paar Kartons mit Schriftrollen aus ihrem Büro gebracht und in einen kleinen Raum in der Nähe der Halle getragen hat."

„Exzellent", sagte Ron und schüttete eine Menge Sirup auf seine Pfannkuchen. Er schlug die Zeitung auf und las weiter. „Sieht nicht so aus, als wäre jemand verletzt worden. Naja, es war ja auch in der Nacht, als wird wohl kaum jemand dort gewesen sein. Hey, wenn alles, was Voldemort macht, ist, Sakiphage zu stehlen – „

„Sarkophage", sagte Hermine.

„Das hab ich doch gesagt", meinte Ron. „Wenn er es nur schafft, die zu stehlen, dann mach ich mir zumindest heute keine Sorgen wegen ihm. Gib mir den Kürbissaft, Harry."

Harry gab ihm den Krug und fragte sich, was genau Voldemort tatsächlich vorhatte. Er wusste, dass Voldemort keine Museen ausraubte, um die Menschen zu erschrecken, und es war auch keine große Sache, wenn ein paar ägyptische Perlen verschwanden. Was Harry Sorgen bereitete war, warum Voldemort ein Museum nach dem anderen stürmte. Es wurde ihm immer klarer, dass Voldemort etwas suchte, und obwohl Harry seit ihrem letzten Treffen kein Anzeichen von Khepri gesehen hatte, hatte er das Gefühl, dass Khepri ihn ohne seinen Schlaftrank Nacht für Nacht heimsuchen würde.

Die Tür der Großen Halle öffnete sich und die Professoren Lupin und Pebblebank kamen herein. Professor Pebblebank hatte auf den traditionellen schwarzen Umhang der Professoren von Hogwarts schon lange verzichtet und trug lieber Pullis und weite Jeans. Sie sah eher wie die ältere Schwester von jemandem als eine Professorin aus. Sie und Lupin sprachen miteinander, während sie sich an die andere Seite von Harrys, Rons und Hermines Tisch setzten. Hermine horchte fast sichtbar auf, als Pebblebank anfing, von ihrer geplanten Stunde zu sprechen.

„Oh, sie sollte gut werden", sagte sie strahlend und häufte ein paar Löffel voll Sirup auf ihre Pfannkuchen. „Sevvie war nicht allzu glücklich als ich ihn gefragt hab, ob er mir ein paar chinesische Symbole auf Papier zeichnet, weil ich es natürlich nicht selbst konnte. Vielleicht, wenn ich Chinesisch verstände."

„Severus spricht Chinesisch?", sagte Lupin, der etwas überrascht war.

„Nein, aber er kennt die Symbole", sagte Pebblebank. Sie mischte nun Zucker und Schokoladensauce in die klebrige Pfannkuchenmasse auf ihrem Teller. „Es würde dich überraschen, wie viele Sprachen er kennt. Er sollte Alte Runen unterrichten. Oh, aber unsere Lehrerin mochte ihn nicht, erinnerst du dich?"

„Ich glaube, sie nannte ihn einen unausstehlichen Neunmalklugen", sagte Lupin. „Nachdem er ihre Aussprache in einer Stunde zum achten Mal korrigiert hatte."

„Nun, das ist doch nicht schlecht", sagte Hermine, offenbar so schockiert, dass sie sich einfach in das Gespräch einmischen musste. „Wenn sie etwas falsches unterrichtete, warum sollte er sie nicht korrigieren?"

Lupin lächelte Hermine an. „Severus war beim Korrigieren von Fehlern nicht so höflich wie du, Hermine. Unsere Lehrerin war etwas sensibel, wenn es um ihre Stunden ging, und Severus hatte die Angewohnheit, sie als Dummkopf darzustellen."

„Wie hieß sie?", fragte Hermine interessiert.

„Professor Drewitt", sagte Pebblebank und zeigte grinsend ihre kleinen Zähne. „Ich denke, Sevvie hat ihr manchmal Angst eingejagt."

„Warum haben Sie chinesische Symbole für die heutige Stunde gebraucht?", fragte Ron. Harry merkte, dass er fast soviel Zucker wie Professor Pebblebank aß, obwohl Professor Pebblebank keinen Schlagsahneklecks hatte, der über ihren Pulli lief.

„Wir machen heute Drachenmagie", sagte sie strahlend und nahm ihm die Sahne ab um ein Smiley auf ihre Pfannkuchen zu zeichnen. „Ich war vorhin schon bei Hagrid und hab Schuppen und abgeworfene Haut von unseren Sicherheitsdrachen geholt. Obwohl alle Formeln und Beschwörungen in traditionellem Chinesisch gesagt werden müssen und ich weiß, dass Sevvie alle Symbole kennt. Ich hoffe einfach, er hat mir die richtigen gegeben und ich verwandle euch nicht alle in Schweine oder sowas."

Harry lächelte. Wenn Pebblebank mit seinem Vater befreundet gewesen war, dann war das genau etwas, das Snape tun würde. Er stellte sich Snapes Gesicht vor, wenn er herausfand, dass Professor Pebblebank ihn Sevvie nannte, und schnaubte in seine Cornflakes.

„Was ist mit dir los?", sagte Ron.

„Nichts", sagte Harry grinsend.

Sie arbeiteten heute wieder an ihren Tränken. Harry kümmerte sich wie immer um sein Veritaserum, wobei er auf einem der hohen Stühle saß und es ganz sanft mit einem Holzlöffel rührte, um zu vermeiden, dass er seinen Umhang damit bekleckerte. Ab und zu musste er eine Prise von etwas hinzufügen. Hermine arbeitete neben ihm an ihrem Kessel und tanzte fast in Panik darum herum.

„Oh nein …", murmelte sie immer wieder und wieder. „Oh nein, oh nein, oh nein …"

„Was ist los?", sagte Harry.

„Es ist fuchsia", stöhnte sie. „Und es sollte rosé sein, sieh es dir an! Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, ich habe die Anleitung perfekt befolgt …"

Harry lehnte sich zu ihr hinüber und warf einen Blick in ihren Kessel und dann auf das Rezept. Nachdem er einen Moment lang nachgedacht hatte sagte er: „Du hast zu viel Seegras dazugegeben, das macht die Farbe intensiver und kann den Trank beeinflussen … du solltest etwas Sand reinwerfen und die Farbe wird dann ein bisschen schwächer."

Hermine hüpfte nervös durchs Klassenzimmer und suchte im Vorratsschrank nach Sand, und Harry griff gerade nach einer weiteren Prise Sand für sein Veritaserum, als die Tür aufging. Professor Pebblebank kam herein.

„Hier drin ist es ein bisschen dunkel, oder?", verkündete sie und sah sich um.

Snape sah sie mürrisch von seinem Tisch aus an. „Das muss es sein", antwortete er kühl. „Der Großteil der Klasse arbeitet an Tränken, die –"

„Oh, nun gut", unterbrach sie ihn, ohne das geringste Interesse an Tränken zu zeigen. Sie ging hinüber zu seinem Tisch, und erst als sie an seinem Kessel vorbeikam bemerkte Harry, dass ein kleiner, sehr nervös wirkender Erstklässler bei ihr war. „Malcolm wurde von einem Wikinger-Kriegsgeschrei-Fluch getroffen, ich brauche einen Trank, der ihm hilft."

Snape hob eine Augenbraue und sagte sehr trocken: „Sehe ich wie ein Wikinger aus, Pebblebank?"

„Ja, aber das tut jetzt nichts zur Sache, Sev. Ich brauche einen Trank."

Er starrte sie einen Moment lang mit einem Ausdruck an, als hätte er gerade eine Zitrone geschluckt, bevor er zu einem privaten Vorratsschrank eilte und die Gläser durchsuchte. „Smith! Komm her!"

Der Erstklässler schlurfte hinüber. Snape fand das richtige Glas, entkorkte es und gab es ihm ziemlich unwirsch. Der Junge sah sich nervös im Raum um und trank dann das Gebräu mit gerümpfter Nase. Sofort nachdem die Phiole leer war, entriss Snape sie ihm und brachte sie zum Waschbecken. Als Professor Pebblebank den Raum wieder verließ rief Snape ihr nach: „Ich bin kein Kinderarzt, Pebblebank, und der nächste Erstklässler, den du mir zum verarzten bringst, wird einfach lächeln und es durchstehen müssen!" Er setzte sich wütend an seinen Tisch, sprang wieder auf und rief dann noch: „Und verwende nicht diesen dummen kleinen Spitznamen!"

Der Rest der Stunde verging ohne große Zwischenfälle. Snape machte gegen Ende der Stunde einen Rundgang und sah sich ihre Arbeit an. Harry bekam wieder zehn Punkte für die Schule, was an sich schon überraschend war, aber als sich Snape Hermines Trank ansah, geschah etwas noch überraschenderes.

Snape fuhr mit der Kelle in den Kessel und holte ein wenig von dem Trank heraus und hielt ihn ans Licht. Ein paar Sandkörner schwammen ruhig an der Oberfläche. „Hast du den Sand hinzugefügt, Granger?", fragte er leise.

Harry fühlte, wie sich sein Magen zusammenzog. Er war sicher, dass Sand dem Trank nichts anhaben konnte, aber falls er doch Hermines Projekt ruiniert hatte, würde er die Schuld dafür auf sich nehmen, anstatt sie leiden zu lassen. „Ich habe es getan", sagte er schnell. „Ich dachte, es würde die Farbe ein wenig dämpfen. Ich dachte, Hermine hätte zu viel Seegras verwendet."

„Mm", sagte Snape und hob eine Augenbraue. „Granger, sei in Zukunft vorsichtiger beim Abmessen. Wenn Potter nicht hier wäre, wäre dein Trank wegen eines solchen dummen und einfachen Fehlers ein A geworden. Ich erwarte schon von Erstklässlern, dass sie in er Lage sind, Seegras zu zählen."

Die Glocke läutete. Harry brachte seinen Kessel schnell zur Aufbewahrung ins Nebenzimmer und räumte dann seine Sachen auf. Er wusste nicht, was ihn mehr schockiert hatte: dass Hermine etwas falsch gemacht hatte, oder dass er etwas richtig gemacht hatte. Zum Glück war Hermine nicht böse auf ihn und dankte ihm sogar noch, bevor sie zu Zauberkunst lief. Harry, der sehr mit sich zufrieden war, ging zu Geschichte der Magie.

Geschichte der Magie war eines der wenigen Fächer, das Harry ohne einen seiner besten Freunde hatte. Viele Schüler hatten Geschichte der Magie gewählt. Es wurde oft als einfaches Fach auf UTZ Niveau gesehen, weil es nur für wenige wichtige Jobs als Voraussetzung verlangt wurde. Ohne Hermines Notizen brachte Harry fast keine Arbeit voran. Die erste Hälfte der heutigen Stunde verlief nicht anders. Alle saßen im Halbschlaf an ihren Tischen, spielten mit ihren Federn und beobachteten auf der Uhr, wie eine Minute nach der anderen schleppend verging. Harry wachte erst auf, als plötzlich Blätter verteilt wurden, auf denen Informationen über ihr UTZ Projekt waren. „Die Muggel im Alten Ägypten wurden vom Zaubergamot regiert, der von den Muggeln als Götter gesehen wurde. Verfassen Sie eine Arbeit über die wichtigsten und bekanntesten Mitglieder des Zaubergamots, ihre Leistungen und wie die Muggel sie sahen. Sie haben zwei Monate Zeit."

Harry faltete das Blatt zusammen und steckte es in seine Tasche. Innerhalb von ein paar Minuten schliefen sie wieder ein, als Professor Binns begann, seine Notizen über den ägyptischen Zaubergamot vorzulesen.

Harry verbrachte die Pause mit seinen Freunden im Hof. Weil es schon Ende September war, und man schon den herankommenden Winter spürte, wären sie alle lieber in der Großen Halle geblieben, aber weil die nächste Stunde Gemischte Magie war, musste Professor Pebblebank Vorbereitungen treffen und sie durften nicht hinein.

Hermines Mund schien auf Gesprächsmodus eingestellt zu sein. Sie stellte Draco eine Frage nach der anderen, beantwortete sie dann selbst und sprach über etwa acht Bücher pro Minute. Draco saß einfach da und lächelte ein wenig, während sie mit ihm sprach.

„Ich meine, Chinesische Magie und Chinesische Drachenmagie sind doch total verschieden, nicht wahr? Chinesische Magie ist, was sie im Moment machen, einfache Sprüche und so was mit den Formeln auf Chinesisch. Viktor hat mir von einem Spezialisten für Bulgarische Magie erzählt, der keinen englischen Gegenpart hat, es ist wirklich – "

„Viktor?", sagte Ron, der vom Koboldstein Spiel gegen Harry so schnell aufsah, dass er sich den Nacken fast verrenkte. „Was ist mit ihm? Du schreibst ihm noch? Aber ich – "

„Oh, Ron, mach dir keine Sorgen", sagte sie beruhigend. „Er weiß, dass ich nicht zu haben bin, wir schreiben nur als Brieffreunde. Wirklich, du brauchst dir keine Sorgen zu machen."

Zum Glück läutete in diesem Moment die Glocke und Ron konnte keine misstrauischen Fragen mehr stellen. Ginny und Luna gingen über die Schlossgründe zu Kräuterkunde, während Harry, Ron, Hermine, Neville, Kainda und Draco zurück ins Schloss gingen, den Korridor entlang und in die Große Halle.

Harry trat durch die Doppeltür und für einen Moment überraschten ihn die Farben so sehr, dass er nur um sich starren konnte. Es fühlte sich an wie eine Mischung aus Weihnachten und dem Fest zum Schulschluss, aber alles war mit roten, grünen und goldenen Bannern dekoriert, auf denen Chinesische Symbole prangten. Eine große runde Plattform war in der Mitte der Halle errichtet worden, auf der Professor Pebblebank stand. Der Rest der Schüler stand mit gezückten Zauberstäben um die Plattform herum und plauderte munter.

„Hey, Harry! Kommt zu uns rüber!" Ernie Macmillan stand mit dem Rest seiner Freunde aus Hufflepuff in einer Ecke. Harry ging hinüber, gefolgt von seinen Freunden. Ernie grinste. „Hallo ihr alle."

„Hi", sagten alle, außer Ron und Draco, die sich kurz einen düsteren Blick zuwarfen, bevor sie sich daran erinnerten, dass sie sich noch immer hassten und schnell woanders hinsahen. Ernies Schulsprecher Abzeichen glitzerte auf seiner Brust.

„Also, Harry, stellen wir unser Team in diesem Jahr wieder auf?", fragte Ernie froh. „Wollen wir den Pokal zwei Jahr in Folge? In diesem Jahr schwirrt uns auch Zabini nicht mehr um die Köpfe, wir hätten also schon ein großes Problem weniger."

„Ich bin direkt neben dir, das weißt du doch?", sagte Kainda stirnrunzelnd.

„Oh nein, nicht du! Der andere Zabini, in Askaban", sagte Ernie entschuldigend.

Sie lächelte. „Mmh, ist auch besser, dass du das denkst, Ernie. Also, werdet ihr das Team wieder gründen?"

„Ich wüsste nicht, warum nicht", sagte Ron. „Ich meine, wir werden einen neuen Treiber brauchen … aber alle andere sind noch hier, oder?"

Harry wollte gerade sagen, dass er voll und ganz dafür war. Er hatte es sich heimlich gewünscht, wieder fliegen zu können, seit er den ganzen Sommer über am Grimmauldplatz eingesperrt gewesen war, und nun, da der Moment da war, hatte er gedacht, dass ihn nichts aufhalten könnte. Der Pokal würde in diesem Jahr leicht sein, und es würde ihm die Möglichkeit zur Entspannung geben.

Aber dann sah er Kaindas Gesicht durch die Menge. Sie lächelte, aber traurig, während sie die anderen ansah. Die Finger ihrer linken Hand klammerten sich einen Moment lang fester um ihren Rollstuhl, als ob sie sich selbst beruhigen wollte. Kainda konnte nicht fliegen. Das würde sie wohl nie mehr, nachdem, was ihr Bruder ihr angetan hatte. Harry fühlte ein schreckliches Ziehen im Magen, während er sich vorstellte, wie das ganze Team und ihre Freunde Quidditch spielten und auf ihren Besen herumwirbelten, während sie auf der Tribüne sitzen und zusehen musste.

„Ähm …", sagte er.

Alle drehten sich um und sahen ihn scharf an. Wieder gab Rons Hals ein gefährliches Knacken von sich. „Was?", sagte er und starrte Harry an.

„Ich … glaube nicht, dass ich spielen werde", sagte Harry leise.

Sofort erstarrten alle und hielten die Luft an, und dann sprangen sie auf ihn zu und fragten nach dem Grund. Sogar Hermine sagte: „Oh, Harry, es würde deinen Lernplan nicht unterbrechen, du kannst noch spielen!"

„Nein, nein, das ist es nicht", sagte Harry. „Es ist nur weil … nun ja, Kainda." Sie sah ihn an und ihre Blicke trafen sich. „Es ist nicht fair, dass wir spielen und nur sie nicht, oder? Mir fallen viele Spiele vom letzten Jahr ein, die wir ohne sie verloren hätten, und nun soll sie nur dasitzen und zusehen, wie wir Spaß haben …"

Es folgte ein Moment der Stille, und dann wandte sich Ernie Kainda zu und sagte: „Es macht dir doch nichts aus, oder?"

„Mir macht es etwas aus", sagte Harry. „Ich will nicht spielen, wenn es Kainda nicht kann. Es ist wirklich unfair. Tut mir Leid, Leute, aber … nun."

„Ich werde Sucher", sagte Draco so schnell, dass eigentlich niemand verstand, was er gesagt hatte. „Wenn Potter nicht mehr spielt werde ich Sucher. Und Kapitän."

„Ich bin Kapitän", knurrte Ron und wandte sich Draco zu. Harry sah die ersten Funken eines Streits und sprang zwischen sie. Neville zögerte einen Moment und folgte ihm dann.

„Seht mal", sagte Harry. „Wenn ihr beide streitet, dann ernenne ich Ernie zum Kapitän."

„Nein!", sagten Ron und Draco gleichzeitig.

„Dann streitet nicht!", sagte Harry. „Also, wir werden folgendes machen … ich werde euch trainieren. Okay? Ich werde euch trainieren und mich um die Angelegenheiten des Kapitäns kümmern, Training, und neue Spielzüge, aber ich werde nicht spielen. Ich werde an der Randlinie stehen und euch anbrüllen. Ihr braucht nur einen neuen Jäger und einen neuen Treiber. Dann könnt ihr wieder spielen, also alles kein Problem."

„Das ist so nett", sagte Hermine und lächelte Harry mit ein wenig feuchten Augen an. „Du gibst deinen Platz im Team auf …"

„Das musst du aber nicht, das weißt du doch", sagte Kainda mit überraschtem Gesicht. „Wirklich, Harry. Ich weiß, dass du Quidditch liebst … komm schon, das kannst du doch nicht für mich aufgeben. Ich bin zufrieden, wenn ich zusehen kann."

„Ist schon okay", sagte er lächelnd. „Es ist ja auch das UTZ Jahr, ich kann die zusätzliche Zeit zum Lernen gebrauchen. Ich brauche gute Noten, um ins Auroren Training aufgenommen zu werden."

Ron starrte Harry an. „Geht es dir gut? Zuerst gibst du Quidditch auf, dann fängst du vor Hermine an, über die UTZe zu reden! Vielleicht solltest du mal im Krankenflügel vorbeischauen, Harry."

Plötzlich erfüllte ein Pfeifen die Halle und alle drehten sich um damit sie sehen konnten, woher es kam. Professor Pebblebank winkte sie zu sich herüber. „Kommt her!", rief sie fröhlich. „Ich habe für heute eine wunderbare Stunde geplant!"

Sie gingen zur Bühne und stellten sich in Grüppchen darum herum auf und sahen Professor Pebblebank erwartungsvoll an. Hermine zitterte neben Harry fast vor Aufregung.

„Nun gut", sagte Pebblebank und strahlte alle an. „Wie viele sind den heute hier? Nun, teilt euch in vier Gruppen auf, egal, wie viele ihr seid, und versucht, die Gruppen gleichmäßig zu machen. Bitte in jeder Gruppe Jungen und Mädchen! Seid ihr fertig? Oh, kommen Sie schon, Miss Parkinson, Sie müssen ihn ja nicht heiraten sondern nur in der gleichen Gruppe sein. Haben wir es jetzt? Wunderbar, dann fangen wir an. Wie ihr alle wisst, machen wir heute Chinesische Drachenmagie. Hat schon mal jemand Chinesische Drachenmagie gesehen oder selbst versucht?"

Dracos Hand schoss in die Höhe. Ein paar andere Schüler hoben vorsichtig einen Finger, aber das Feedback war nicht überwältigend.

„Nun, keine Sorge, wir werden es sehr langsam angehen, damit alle mitkommen", sagte Pebblebank fröhlich. „Ihr seid vier Gruppen, also wird sich eine um Zaubertränke kümmern, und die anderen drei Gruppen können ihr Glück an drei verschiedenen Sprüchen versuchen. Und ich weiß, dass ich gesagt habe, Professor Snape würde mir heute helfen, aber er hatte wohl zu viel Angst davor, also – "

Gelächter und Applaus brachen aus. Nicht einmal Harry konnte ein Grinsen unterdrücken. Professor Pebblebank sprang von der Plattform und ging durch die vier Gruppen um sicherzustellen, dass sie gleich groß waren. Pansy Parkinson und die anderen Slytherins wurden für den Zaubertrank eingeteilt, dann kam Pebblebank zu Harry und seinen Freunden.

„Also", sagte sie. „Wir haben einen Glückszauber, einen Vermögenszauber oder einen Liebeszauber, die ihr alle ausprobieren könnt. Irgendwelche Wünsche?" Ein allgemeines Murmeln von „Vermögen" ging durch die Gruppe, also gab sie Harry eine lange Rolle Pergament. „Alle Anweisungen stehen da drauf, aber wenn ihr Probleme habt, zögert nicht, mich zu fragen, was zu tun ist, in Ordnung? Draco, du hast gesagt, du hättest sowas schon mal gemacht, also kannst du anderen vermutlich auch helfen, wenn es Probleme gibt."

„Ich glaube nicht, dass wir diese Hilfe brauchen", sagte Ron ziemlich brüsk, als Professor Pebblebank zur nächsten Gruppe ging.

Dracos Gesicht verzog sich zu einem Stirnrunzeln. „Na dann … warum zeigst du uns nicht gleich, wie der Vermögenszauber funktioniert, Weasley?"

Ron starrte ihn an, entriss Harry das Pergament und legte es auf den Boden, um es zu entrollen. Alle anderen knieten oder setzten sich mit gezückten Zauberstäben neben ihn, während Ron zu lesen begann.

„Gut …", sagte er langsam. „Das sieht gar nicht so schwer aus, eigentlich wie ein englischer Zauber. Man muss den Zauberstab in einem Kreis wirbeln, wie auf diesem Diagramm hier, ihn auf jemanden richten und dann den Spruch sagen."

„Und der lautet?", sagte Draco und hob herablassend eine Augenbraue.

Ron deutete auf das chinesische Symbol in der Mitte des Blattes. „Ts, Malfoy. Wir sagen einfach das hier."

„Und wie sagen wir es?", fragte Draco.

Ron war kurz still, dann sagte er: „Sieh mal, Malfoy, wenn du willst, dass deine Zähne intakt bleiben, dann halt lieber den Mund."

Draco lächelte. „Na gut. Ich wünsch dir viel Spaß dabei, dich selbst in die Luft zu jagen, Weasley, weil du bekommst von mir keine Hilfe."

„Jetzt hört endlich auf, euch zu streiten", sagte Hermine so plötzlich, dass Ron und Draco sofort still wurden. „Ihr führt euch auf wie in der Grundschule! Keiner von euch beweist damit irgendetwas, und jetzt seid ruhig. Und zu eurer Information, darunter steht eine phonetische Übersetzung!"

Ein Moment der Stille folgte, dann fragte Ron leise: „Was ist eine Grundschule?"

„Es ist wie Askaban für Muggelkinder", sagte Neville.

Hermine seufzte. Sie griff in ihren Ärmel, zog den Zauberstab heraus und besah sich einen Moment lang die phonetische Übersetzung des chinesischen Symbols an. Dann wirbelte sie ihren Zauberstab durch die Luft, richtete ihn auf Ron und sagte eine komplizierte Phrase, die Harry nicht ganz verstand. Es folgte ein Geräusch wie klimpernde Münzen und einen Moment lang glitzerte die Luft um Ron herum seltsam golden.

„Laut der Anleitung sollte der Spruch in ein paar Minuten anfangen zu wirken", sagte Hermine prompt. „Also müssen wir warten um zu sehen, ob ich ihn richtig gemacht hab."

„Machst du irgendwann was falsch?", sagte Ron mit einem leichten Lächeln.

Harry ließ ein wenig gelangweilt den Blick durch die Halle schweifen. Professor Pebblebank war jetzt bei der Zaubertrank-Gruppe und gab ihnen vorsichtig Stücke von Dracheneinern. Harry seufzte und legte den Kopf in die Hände, während er verschwommen hörte, die Hermine Ron die richtige Formel beibrachte, und dazu das ständige Klimpern von Münzen. Er fragte sich gerade, ob er sich bei den anderen Gruppen umsehen konnte, als ihm ein seltsames Geräusch auffiel. Er drehte sich um und sah gerade noch, wie grüne und rote Funken an seiner Nase vorbeiglitten, und als er ein wenig zurücktrat sah er, dass es ein kleiner Drache war, der gänzlich aus glitzernden Funken bestand. Er blinzelte und fragte sich, ob er denn auch richtig sah, und dann verdeckte ein blonder Kopf die Sicht auf den Drachen.

Draco grinste. „Nett, nicht wahr?", sagte er, während der Drache über ihn hinweg flog und ein paar Runden um seinen Kopf drehte.

„Hast du den gemacht?", fragte Harry überrascht.

Draco nickte. Sie lehnten sich an die Plattform, damit sie reden konnte, ohne dass ein nervöser Ron ständig mithörte. Der Drache hüpfte noch immer spielerisch um sie herum und verschwand ab und zu, um eine Runde um die Plattform zu fliegen.

„Es ist ziemlich einfach, kann aber ordentlich daneben gehen", sagte Draco gedankenverloren. „Man braucht eben Übung."

Sie sahen zu, wie die anderen Schüler lachten und durch die Halle liefen. In Dracos Augen lag ein sehr müder Ausdruck. Harry war nur gelangweilt. Nach ein paar Minuten der angenehmen Stille brachte Harry etwas heraus, das ihm schon lange im Kopf herumgespukt war.

„Kann ich dich etwas fragen?"

„Wenn ich es auch kann."

Harry nahm das als ein Ja an. „Dieser Veela-Zauber, den du hast … wenn du ihn verwenden kannst, um jeden zu kontrollieren, warum tust du es nicht? Du könntest alles damit machen, auf der ganzen Welt, aber du tust es nicht. Warum?"

Draco dachte einen Moment lang darüber nach und antwortete dann mit fast weiser Stimme: „Dafür gibt es eigentlich zwei Gründe. Schande, hauptsächlich, weil ich diese Kraft habe. Sie erinnert mich an das, was ich bin. Welche Reinheit meine Familie verloren hat. Dann ist das noch dieses Gefühl des … nun, Schummelns, würde ich sagen. Ich will Dinge erreichen, weil ich es kann und durch meine Anstrengung, nicht durch einen Hundeaugen-Blick wann immer ich etwas will. Denk darüber nach. Bei meiner Reine Künste Prüfung, könnte ich einfach reingehen, ein paar Mal mit den Augen zwinkern und ohne Anstrengung ein O bekommen. Darum geht es aber im Leben doch nicht. Es geht mehr darum, etwas zu erreichen und dafür alle Talente zu verwenden, nicht nur eines."

Harry nickte. Das alles machte für ihn Sinn. Beide beobachteten, wie der kleine Drache faul einen Looping flog und dann in Richtung von Neville schwebte, bevor der Slytherin die Stille unterbrach.

„Darf ich jetzt meine Frage stellen?"

„Natürlich."

„Du hast keine Angst vor mir, Potter, nicht einmal, wenn ich dir in die Augen sehe. Die anderen vertrauen mir nicht, aber du schon. Warum?"

Harry zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, ich weiß einfach, dass du nicht versuchen wirst, mich zu kontrollieren. Nur weil du Veela-Blut hast bedeutet das nicht, dass das alles an dir ist … und Blut ist nicht das wichtigste." Er dachte einen Moment lang an seine Freunde. Hermine, eine Muggelgeborene; Hagrid, Halbriese; Lupin, ein Werwolf; Draco, teils Veela; Snape, ein Vampire; Kainda, Schwester eines Mörders; Alrister, Cousin eines Mörders … „Wenn ich nur mit reinblütigen Menschen mit einer Familie von Heiligen befreundet wäre, wäre ich sehr, sehr einsam", sagte Harry weise.

„Du bist ein komischer Typ, Potter", sagte Draco und warf ihm mit plötzlich glitzernden Augen einen Blick zu. „Ich weiß nicht, ob du noch immer das unausstehlichste Musterkind bist, das mir je untergekommen ist, oder ob du einfach nur du bist."

„Beides, wahrscheinlich", sagte Harry grinsend.

„Wird es nicht manchmal langweilig, ein Held zu sein?"

„Ich bin kein Held. Nun … oh, hör auf zu lachen! Zumindest versuche ich nicht, ein Held zu sein."

„Natürlich bist du einer, Potter … komm schon, Retter der Welt, beliebt, Lieblingsschüler, hast eine Freundin, du hast alles."

„Naja, du hast Ginny", meinte Harry.

Egal, welche Reaktion er von Draco erwartet hatte, es war nicht die, die er bekam. Draco zog eine Grimasse und wandte den Blick ab.

„Mm", sagte er.

„Aber …", sagte Harry stirnrunzelnd. „Hast du nicht …?"

Dracos Blick wanderte kurz zu Harry. Einen Moment lang sah er verwirrt aus, als wäre Harrys Reaktion seltsam, aber dann lächelte er. „Oh, komm schon, Potter … du willst mir doch nicht sagen, dass du so dumm bist …"

Harrys Stirnrunzelnd vertiefte sich. „Wovon redest du?"

Draco lachte leise. „Potter, Potter … offenbar hab ich dich überschätzt … komm schon … du denkst doch sicher nicht, dass das alles echt ist?"

Harry wurde still. Her fühlte sich sehr komisch und klamm. „Du magst sie überhaupt nicht, nicht wahr? Du … du machst ihr etwas vor, du hast sie verhext! Warum?"

Draco grinste und sah Harry mit glitzernden Augen an, während er leise murmelte: „Fällt dir kein Grund ein, warum ich vielleicht …? Glaub mir, das ist nicht wegen ihr. Das ist für jemand anderen."

„Ron", flüsterte Harry. „Du machst das, um dich an Ron zu rächen, stimmt's?"

„Gut gemacht …", sagte Draco leise.

„Aber … das kannst du nicht!", sagte Harry.

„Oh? Und warum nicht?", murmelte Draco. „Weasley hat mich so schlimm beleidigt, wie er konnte … meine Familie. Ist es nicht gerecht, dass ich es genauso mache und seine Familie angreife?"

„Aber was ist mit Ginny?", sagte Harry wütend. „Was ist mit ihr? Du wirst ihr Herz brechen, wenn du das tust. Du bist wichtig für sie, und bist nur … du spielst ihr nur etwas vor! Wann wirst du ihr sagen, was wirklich los ist, mh? In einem Monat? In einem Jahr? An dem Tag, an dem du glaubst, dass du Ron genug verletzt hast? Wie weit wirst du damit gehen?"

„So weit es nötig ist", sagte Draco einfach.

„Das kann ich nicht zulassen", sagte Harry. „Das ist nicht richtig, Draco. Ich werde es ihr sagen."

„Vergeude nicht deinen Atem", sagte Draco mit kalter Stimme. „Meinst du wirklich, dass sie dir glauben wird?"

Harry starrte Draco an und konnte nicht glauben, was der Slytherin tat. Er war sich so sicher gewesen, dass sich Draco verändert hatte. Er sagte: „Ich werde das nicht zulassen. Ich werde einen Weg finden, es ihr klarzumachen, und wenn ich ewig dafür brauche. Oder ich werde dich zwingen, es ihr zu sagen. Können du und Ron nicht einfach Frieden schließen?"

Draco hob eine Augenbraue. „Oh, ich sehe schon, was hier los ist … du bist auf Weasleys Seite, nicht war? Der arme Weasley und seine Inzucht-Familie. Und wenn Weasley der ganzen Schule sagt, dass jemand eine andere Herkunft als die meisten hat, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber Weasley wird zur tragischen Figur, sobald es diese Person wagt, an Rache zu denken."

„So ist es nicht", schnarrte Harry. „Ginny hat dir nichts getan! Wenn du dich an Ron rächen willst, in Ordnung, ich werd dir sogar helfen! Weil was Ron getan hat, war nicht in Ordnung, und vielleicht hast du dir Rache verdient, aber Ginny ist unschuldig! Sie verdient es nicht, so verletzt zu werden!"

„Potter … mein lieber, dummer Potter …" Draco lehnte sich nach vor und sah Harry direkt an. „Wenn dir etwas einfällt, was Weasley wütender macht, als mich mit seiner wunderbaren Schwester zu sehen, hast du dir einen Orden verdient. Aber bis dahin werde ich damit weitermachen, und du kannst nichts tun, um meine Meinung zu ändern oder mich aufzuhalten."

„Ich werde es Ron sagen", knurrte Harry. „Er wird dich umbringen, das weißt du. Wenn du denkst, er ist wütend, weil du mit seiner Schwester ausgehst, hast du dich mächtig getäuscht. Warte einfach, bis er herausfindet, dass du es nur tust, um dich an ihm zu rächen, und dass du seine kleine Schwester wie ein Spielzeug benutzt. Er wird dich Stück für Stück auseinandernehmen."

„Dann sag mir einen anderen Weg zur Gerechtigkeit", sagte Draco wütend. „Schlag mir einfach etwas vor, Potter, irgendetwas, das dir einfällt. Wer weiß? Vielleicht gefällt es mir besser als Ginny „wie ein Spielzeug" zu benutzen."

Harry zuckte unsicher, wütend mit den Schultern, immer noch auf Draco und auf das, was er tat, sauer. „Mach was du willst, aber tu es Ron an! Nicht seiner Familie! Wenn du ihn erwischen willst, sag jedem, dass er in einen Lehrer verliebt ist oder so was, lass aber andere Leute aus dem Spiel!"

Draco war einen Moment lang still. Dann legte sich der Hauch eines Lächelns auf seine Lippen und er sagte leise: „Das werde ich machen, Potter … sehr gut … ich werde mich von Ginny trennen."

Etwas an der Art, wie Draco lächelte, gefiel Harry ganz und gar nicht.

„Und wage es nicht, etwas mit Hermine anzustellen!", sagte Harry warnend.

Draco lächelte ihn an. „Oh, nein … keine Sorge. Ich werde Weasley nicht mehr mit Frauen ärgern. Ich denke, es ist an der Zeit, etwas Besseres zu machen, findest du nicht auch?" Er lächelte wieder dieses unheimliche süße Lächeln, wie das eines Weihnachtsengels, der nie verkauft wurde, weil er einfach nicht richtig aussah. „Danke für dieses kleine Gespräch, Potter … nun, ich denke, ich werde Professor Pebblebank meine Arbeit mit dem Drachen zeigen …" Und damit verließ er die Gruppe in Richtung Professor Pebblebanks, während ihm sein Drache gehorsam folgte. Harry mochte das Gefühl, das sich in seiner Brust festgesetzt hatte, ganz und gar nicht.

Harry war überhaupt nicht überrascht, als in dieser Nacht Ginny nach den Abendessen in den Gryffindor Gemeinschaftsraum stürzte und weinte, weil Draco mit ihr Schluss gemacht hatte. Hermine sprang sofort auf, um sie zu trösten, und nachdem er ein paar Mal „Ich hab's dir doch gesagt" gemurmelt hatte, schloss sich Ron ihr an. Es dauerte nicht lange bis Ron und Ginny über Malfoy herzogen – Ginny heulte noch immer in ein Taschentuch – und sie sich Schokofrösche teilten, als hätten sie sich nie gestritten.

„Ich werde Malfoy morgen umbringen, weil er so gemein zu dir war", versicherte Ron Ginny und wickelte einen weiteren Frosch aus. „Hier, du kannst die Karte auch haben."

Harry sagte nichts. Er wusste, dass Ron vermutlich seinen Zauberstab packen und zum Kerker der Slytherins stürmen würde, wenn er wüsste, warum Draco überhaupt mit Ginny ausgegangen war. Er konnte auch nicht aufhören, an Dracos kleines Lächeln und seine letzten Worte zu denken – „Ich denke, es ist an der Zeit, etwas Besseres zu machen, findest du nicht auch?" Was auch immer Draco plante, Harry wusste, es würde nicht nett sein und dass Ron es vermutlich niemals vergessen würde.

Verwandlung und Pflege Magischer Geschöpfe waren an diesem Tag erstaunlich schnell für Harry vergangen. Normalerweise genoss er Magische Geschöpfe, weil es eine der wenigen Stunden war, die er mit Kainda hatte, ohne den Rest seiner Freunde, aber die Stunde verging wie im Flug. Draco war beim Abendessen übertrieben nett zu allen gewesen, hatten allen gegeben, wonach sie gefragt hatten, hatte mit allen geredet und Kübel, das Kätzchen, gefüttert, während er immer wieder leise gelacht hatte. Harry hatte beschlossen, Draco noch einmal auf die Sache anzusprechen, bevor alle zurück in ihre Gemeinschaftsräume gingen. Er hatte Draco eingeholt, als dieser gerade die Halle verließ, und ihn von den anderen weggezogen.

„Sag mir, was du vorhast", sagte er düster.

Draco lächelte. „Nun, ich nehme deinen Vorschlag an, natürlich. Und jetzt, wenn es dir nichts ausmacht, Potter, ich habe etwas zu erledigen … Ginny, kann ich dich kurz sprechen?"

Nun hatte Harry das Gefühl, dass die Vorstellung, dass Draco mit Ginny zusammen war, vielleicht gar nicht so schlecht war. Er seufzte und legte seine Feder auf den Tisch, weil er sich einfach nicht konzentrieren konnte.

„Harry? Ist alles in Ordnung?", fragte Hermine, kam zu ihm herüber und setzte sich. „Du siehst ziemlich abgelenkt aus."

Harry warf ihr einen Blick zu. Hermine würde ihm auf alles eine logische, gut durchdachte Antwort geben, und er konnte sich immer darauf verlassen, dass sie ein Geheimnis für sich behielt, wenn er sie darum bat. Er beschloss, dass ihr Rat wohl nützlich sein würde, öffnete den Mund, um ihr alles über Draco zu erzählen, aber er hatte noch keinen Laut gesagt, als plötzlich ein Schrei aus den Schlafsälen ertönte.

Er sprang auf und drehte sich um, gerade als Neville über die Treppe herunter stolperte; er sah furchtbar erschrocken aus.

„Sie ist wieder oben!", brachte er hervor. „Professor Trelawney, sie sitzt auf Seamus' Bett."

Seamus Finnigan, der auf der anderen Seite des Raumes saß und einen Aufsatz für Kräuterkunde schrieb, sah erschrocken auf. „Was?", sagte er.

„Professor Trelawney sitzt auf deinem Bett!", sagte Neville, fast wie im Delirium und deutete mit dem Finger nach oben. „Ich hab sie da schon einmal gesehen!"

„Professor Trelawney ist tot, Nev", sagte Dean Thomas langsam.

„Ihr Geist!", keuchte Neville. „Sie ist da, ich schwör's, geht doch rauf und seht selbst!"

Dean und Seamus standen auf, aber Harry war schneller. „Ich gehe", sagte er, froh über eine Ausrede, nicht mehr lernen zu müssen.

Neville folgte ihm zitternd, während Harry über die Wendeltreppe zum Schlafsaal hoch ging. „Sie hat dieses Mal etwas gesagt", brachte Neville hervor. „Aber … ich verstehe nicht, was … sie sagte etwas über eine Prophezeiung, und ich denke es ist die, die in der Mysteriumsabteilung zerbrochen ist, aber ich verstehe kein Wort von dem, was sie sagt …"

Harry versuchte, das kalte Gefühl zu ignorieren, das sich in seinem Nacken ausbreitete, und das er immer bekam, wenn es um Prophezeiungen ging. „Nun, wir haben sie auch nie verstanden, als sie noch gelegt hat, also hat sich doch nichts geändert", sagte er.

Er hielt vor der Tür inne, dann öffnete er sie. Der Schlafsaal war komplett leer. Auf dem Nachttisch neben dem Bett in der Ecke, das einmal Harrys gewesen war, saß ein kleiner Falke mit einem roten Band um den Hals. Als Harry eintrat, gab er ein schrilles „Fweeeeee!" aus Freude von sich und flatterte zu ihm herüber.

„Hallo Cupid", sagte Harry, lächelte und tätschelte die Brust des Falkens, als dieser auf seiner Schulte landete. Cupid gurrte an seinem Ohr und richtete sich auf, damit man sein Band besser sah. „Das ist aber schön", sagte Harry und griff nach dem Ende. „Wo ist dein Besitzer? Du bist doch wohl nicht einfach so davongeflogen?"

Von draußen hörte er ein sanftes Pfeifen. „Cupid!" Alristers Stimme rief von unten. "Cupid, komm schon!" Cupid knabberte Harry noch mal sanft am Ohr, dann schwebte er aus dem Fenster nach unten zu Alrister.

Harry lächelte und wandte sich wieder Neville zu. „Vielleicht hat Cupid einfach nur einen Schatten geworfen, Neville."

„Es war bestimmt Trelawney", sagte Neville niedergeschlagen. Er setzte sich ans Ende seines Bettes und seufzte. „Warum glaubt mir niemand? Nur weil sie niemand sehen kann heißt das nicht, dass ich verrückt werde oder sowas …"

Harry wollte gerade einen Witz machen, dass sich Neville wohl der Meinung der Mehrheit anschließen sollte, als ihm etwas wieder einfiel. Seine Gedanken wanderten zurück zu diesem Tag am Grimmauldplatz, als Khepri zum ersten Mal erschienen war, und niemand ihm geglaubt hatte, als er die Kreatur beschrieben hatte. Harry warf Neville einen Blick zu und setzte sich neben ihn. „Ich glaub dir, Nev", sagte er aufmunternd. „Wenn du sie gesehen hast, und ich bin sicher, dass du das hast, dann weiß ich nicht, warum du lügen solltest."

Neville sah ihn mit großen Augen an. „Du glaubst mir? Wirklich?"

Harry nickte. „Natürlich tu ich das, Neville."

Auf Nevilles Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. „Danke, Harry", sagte er. „Und wenn nur du mir glaubst, dann ist das schon gut genug … aber …" Er seufzte. „Nun ja, niemand sonst wird mir glauben. Ich weiß einfach nicht, warum sie nur mir folgt, und es gibt niemanden, der es beweisen kann."

„Wie wär's mit einem der Geister?", fragte Harry. „Wir könnten versuchen, den Fast Kopflosen Nick zu finden, oder – "

Das Timing hätte nicht besser sein können. Neben Harry erschien ein weißes Schimmern und ein dritter Junge erschien aus dem Nirgendwo. Neville quiekte und fiel überrascht von Bett, aber Harry hatte den Neuankömmling erwartet. Er wandte sich Peter zu und lächelte. „Hi."

„Yo", sagte Peter grinsend und fuhr ihm durch die Haare. „Yo Nev."

Neville starrte Peter einen Moment lang an und sagte dann: „Du … du bist Peeves' Alter-Ego, nicht wahr?"

Peter gluckste. „Manche nennen mich so. Ich denke aber lieber, dass er mein Alter-Ego ist. Also, ihr habt ihr ein kleines Problem mit Geistern, oder?"

„Ja", sagte Harry. „Peter, du weißt doch, wer Professor Trelawney ist, stimmt's?"

„Die Drachenfliege mit Armreifen?"

„Ja, die. Du hast sie nicht zufällig gesehen, oder?"

„In letzter Zeit oder in zwanzig Jahren?"

„In letzter Zeit."

„Nein."

„Nirgendwo?"

„Nein."

„Aber … du kannst das ganze Schloss sehen, nicht wahr? Einfach alles?", sagte Harry. Er wollte verzweifelt, dass er irgendeinen Beweis finden konnte, dass Neville Recht hatte, nur ein klein bisschen etwas.

„Naja … theoretisch", sagte Peter. „Ich kann nicht in den Astronomieturm oder in die Kerker sehen, weil die Banne dort zu stark sind, und Dumbledores Büro ist auch abgesperrt. Aber auch an allen anderen Orten …" Er seufzte. „Es ist kompliziert, Harry. Stell dir vor, du bis der einzige Sicherheitsbeamte und du musst ein ganzes Schloss beobachten, Stück für Stück, und hast nur einen Bildschirm, um alle Kameras zu sehen. Es ist ein harter Job. Aber ich werde nach ihr Ausschau halten, wenn du willst."

„Sie kommt immer nur hierher", sagte Neville. „In diesen Schlafsaal … ich hab sie noch nie woanders gesehen."

„Gryffindor, Schlafsaal der Siebtklässler", sagte Peter. „Hab verstanden. Was soll ich tun, wenn ich sie finde?"

„Sag ihr, sie soll aufhören, mich zu ärgern", sagte Neville betrübt.

„Neville? Kann ich kurz mit Peter reden?", fragte Harry. „Allein?"

Neville nickte und mit einem letzten „Danke!" für Peter und Harry verließ er den Schlafsaal und schloss die Tür hinter sich.

Harry wandte sich an Peter und lächelte. „Also, wie war der Sommer?"

„Langweilig", meinte Peter träge. Er steckte die Hand in die Tasche seines Umhangs und nahm eine Packung Zaubererzigaretten heraus. „Es macht dir nichts aus, oder? Jinx ist ein Albtraum, sie lässt mich einfach nicht rauchen."

„Mach schon", sagte Harry. „Es ist okay."

Er sah zu, wie Peter die Zigarette anzündete, das Feuerzeug wieder einsteckte und die Zigarette an die Lippen hob. Peter schloss die Augen und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Urgh, ich hasse das. Beim nächsten Mal sterbe ich bestimmt nicht in einem Feuer. Naja, ich glaub, es könnte schlimmer sein. Der Geist von Ravenclaw, die Graue Lady, die ist ertrunken. Sie muss jeden Tag ungefähr fünfzig Gläser Wasser trinken. Wenn du sie mit einer Nadel anstichst, wird sie zu einem Springbrunnen."

„Hast du dieses … dieses Ding gefunden?", fragte Harry und kam somit direkt auf den Punkt. „Du weißt, dieses Ding in dem Umhang."

Peter schüttelte den Kopf. „Ich hab's durch ein paar Korridore verfolgt, bis zur Eingangshalle, dann ist es einfach in die Kerker runter verschwunden. Ich hab's nur durch Snapes ersten Bann geschafft, dann hat er mich rausgeworfen."

„Warum hast du ihm nicht gesagt, dass du für mich unterwegs warst?", sagte Harry.

„Snape glaubt mir nicht", sagte Peter ernst. „Er mag mich nicht wirklich. Hast du das nicht gemerkt?"

„Warum?", fragte Harry.

Peter lächelte um seine Zigarette herum und blies eine Wolke Rauch raus. „Zuerst hat er mich toleriert. Als du noch ein Baby warst, wurden wir beide zu deinen Beschützern gemacht. Snape war damals noch ganz anders als jetzt. Das war kurz nachdem er bei den Todessern ausgestiegen war und den Job in Hogwarts bekommen hatte; Dumbledore hatte ihn auf unsere Seite zurückgebracht. Er dachte wohl, er könnte ein ganz neues Leben beginnen, von vorn anfangen. Ich glaube, er war damals dreiundzwanzig. Das erste Jahr, in dem er unterrichtet hat, war gar nicht so schlecht, viele Schüler mochten seinen Humor. Der war wirklich trocken, wirklich sarkastisch. Dann folgte ein Jahrzehnt im gleichen Job, er kam im Leben nicht weiter, wurde von Dumbledore praktisch eingesperrt … ich denke, das ist ihm nahe gegangen, Harry. Er hat es aufgegeben, nett zu sein. Weil wir so eng zusammengearbeitet haben, hat er angefangen, seinen Stress und seine Wut an mir auszulassen. Mir macht es aber nichts aus, ich denke, er hat ein Recht darauf. Er hatte ein schweres Leben, Harry."

Harry fühlte sich ziemlich schuldig, obwohl er nicht wusste, warum. Er warf Peter einen Blick zu und sein Beschützer lächelte, bevor er fortfuhr.

„Aber jetzt ist alles nicht mehr so düster, Harry … ganz im Gegenteil … weißt du, dir ist es vielleicht nicht aufgefallen, aber seit du freundlicher zu ihm bist, denke ich, dass wir ein wenig von Severus zurückbekommen, und weniger von Snape."

„Was meinst du?", sagte Harry ein wenig überrascht.

Peters Lächeln wurde breiter. „Ich weiß nicht, ob's dir aufgefallen ist, aber Snape hat plötzlich einen Sinn für Humor entwickelt, oder?"

Harry hob eine Augenbraue und dachte darüber nach. „Ja, das hat er … und das ist nur, weil ich mit ihm rede?"

„Es ist, weil er einen Grund hat", sagte Peter noch immer lächelnd. „Es ist psychologisch bewiesen, dass manche Menschen ohne Grund nicht existieren und leben können. Und seit du von dem Bund weißt, hat Snape einen Grund – auf dich aufzupassen und dich zu führen. Wenn er einen Grund hat, weiß er, warum er jeden Tag aufwacht. Verstehst du?"

Harry nickte und lächelte ein wenig. „Nur wegen mir?"

„Ja, du solltest ihn fragen, ob du die Aufgabe in Zaubertränke nicht einfach sausen lassen kannst", sagte Peter mit einem breiten Lächeln. „Hör zu, Harry, ich muss jetzt gehen. Ich will ein Poltergeist sein, bevor es dunkel wird, damit ich mich an Paare auf dem Astronomieturm ran schleichen kann. Schade, dass Ginny und Draco nicht da sein werden, die hab ich immer gern erschreckt. Na gut. Wir sehen uns später, Harry, und vergiss nicht, dass du einfach nach mir rufen kannst, wenn du was brauchst."

Mit einem letzten Grinsen verschwand Peter. Harry sah, wie sich die Vorhänge an Rons altem Bett leicht bewegten, wie etwas an ihnen vorbeihuschte, in der Wand versank und dann verschwunden war.

„Heute haben wir Reine Künste", sagte Ron fröhlich, schlug auf die Unterseite der Ketchupflasche und schüttete Sauce über seine Würste.

Es war Freitagmorgen. Der Donnerstag war ohne große Ereignisse vergangen, abgesehen davon, dass Harrys Pelzige Pilze mit der Post gekommen waren. Sie waren nicht gewachsen. Neville hatte gesagt, dass er mit Professor Sprout darüber reden würde, und Draco hatte sofort gemeint, dass es wohl ein Mutant wäre, der sie alle umbringen wolle, obwohl ihm niemand zugehört hatte. Harry konnte Draco nicht mehr ernst nehmen, nicht, nachdem er gehört hatte, wie der Slytherin gesagt hatte: „Ich glaube, ich habe mit Ginny etwas besonderes" und sie dann prompt verlassen hatte.

„Du bist in guter Stimmung", bemerkte Harry träge.

„Jep", sagte Ron. Ein weiterer Schlag, ein weiterer Klecks. „Heute Reine Künste."

Harry warf Ron einen seltsamen Blick zu. Normalerweise tat Ron so, als würde er Reine Künste nicht mögen, weil Hermine Alrister gut fand.

„Was?", sagte Ron und hob die Augenbrauen. „Ist mit Reine Künste etwas nicht in Ordnung?"

„Du meinst, außer diesem Verrückten, der uns mit einem Stock durchs Klassenzimmer jagt …?", ertönte eine kalte Stimme hinter Ron, und mit aufgebauschtem schwarzem Umhang setzte sich Draco an den Tisch.

Ron rollte mit den Augen, stand auf, und verließ den Tisch. Draco lächelte, nahm die nun freie Ketchupflasche und drehte sie um, worauf die Sauce träge herausfloss.

„Wir haben heute Reine Künste", sagte er fröhlich.

Harry runzelte die Stirn mit einem zweifelnden Gefühl, das er allerdings nicht erklären konnte. „Und deshalb …?", sagte er leise.

Draco sagte nichts, aber das Lächeln auf seinem Gesicht sagte Harry alles, was er wissen musste. Draco plante etwas für die Reine Künste Stunde. Als der Slytherin begann, seine Würste zu essen – immer noch mit diesem kleinen, wissenden Lächeln im Gesicht – stand Harry vom Tisch auf.

„Wohin gehst du?", fragte Draco.

„Muss mit Professor Snape reden", log Harry. „Probleme mit meinem Projekt für Zaubertränke."

Er eilte durch die Halle und schlüpfte durch die offene Tür in den Korridor hinaus. Es war noch ziemlich früh am Morgen und es waren noch fast keine Lehrer beim Frühstück. Sie brauchten immer viel Zeit, um ihre erste Stunde vorzubereiten. Harry würde versuchen, Alrister zu erwischen, bevor er sein Büro verließ, aber er hatte noch nicht einmal die Marmortreppe erreicht, als Alrister schon am Ende des Korridors erschien.

„Morgen, Harry", sagte Alrister mit einem warmen Lächeln.

„Professor", sagte Harry schnell. „Ich muss mit Ihnen reden."

„Oh?", sagte Alrister und Besorgnis legte sich auf seine Züge. Cupid zwitscherte fröhlich auf seiner Schulter. „Über etwas Bestimmtes?"

Harry nickte. Er wusste allerdings nicht, wie er sein Problem beschreiben sollte. „Ähm … ich wollte Sie eigentlich warnen. Sie wissen ja, dass Ron und Draco sich nicht mögen, aber seit einer Weile streiten sie und ich hab das Gefühl, dass Draco Ron während Reine Künste etwas antun will. Ich weiß nicht was, aber ich hab mir gedacht, ich sollte es Ihnen sagen."

Alrister nickte verständnisvoll. „Mach dir keine Sorgen, Harry", sagte er mit einem väterlichen Lächeln. „Ich werde ein Auge auf die beiden werfen. Bist ein guter Mann, dass du mich gewarnt hast. Ich hab euch in der dritten Stunde, nicht wahr?"

„In der zweiten", sagte Harry.

„Ah, ja", sagte Alrister. „Ich muss die Zeit besser im Auge behalten … der Stundenplan hier ist furchtbar, ich unterrichte einunddreißig Stunden in einer fünfundzwanzig Stunden Woche, es ist Wahnsinn."

„Aber wie schaffen Sie das?", sagte Harry und starrte ihn an.

Alrister lächelte und tippte sich an die Nase. „Geheimnis der Lehrer von Hogwarts, Harry, aber zwischen uns kann ich sagen, ich schaffe es, hier und da etwas Extrazeit zu finden, obwohl ich sie selbst machen muss."

Er zwinkerte. Harry lächelte und riet, worüber Alrister redete – Zeitumkehrer. Alrister ging davon in die Große Halle, und Cupid trällerte Harry eine Verabschiedung zu, bevor sie verschwunden waren. Harry dachte über Zeitumkehrer nach, während er die Marmortreppe hinunterging und dann in Richtung der Kerker, und überlegte, ob er Snape dazu überreden sollte, ihn früher reinzulassen, damit er sich um sein Veritaserum kümmern konnte. Es dauerte einen Moment bis ihm auffiel, dass er tatsächlich ernsthaft überlegte, sich in seiner Freizeit mit Zaubertränken zu beschäftigen. Er lächelte – Hermine wäre stolz.

Während Zaubertränke war Draco seltsam fröhlich. Er arbeitete am Kessel neben Harrys und fügte seinem Trank Zweige und Pilze mit der Miene von jemandem, der ein großes Geschenk erwartet, hinzu. Er summte während der Arbeit und sein Lächeln verschwand selbst dann nicht, als Snape ihn anschrie, weil er eine ganze Rattenmilz verwendet und den Großteil vergeudet hatte. Er lächelte Snape an, hob die Überreste auf und tanzte damit zum Mülleimer davon. Snape sah angesichts von Dracos guter Laune ziemlich überrascht aus.

„Was hast du mit Malfoy angestellt?", murmelte er Harry zu, während er so tat, als würde er dessen Rezept durchlesen.

„Aufmunterungszauber", sagte Harry mit einem sanften Lächeln. „Ich hab mir überlegt, dass dem Kerker ein Blondschopf fehlt, der herum hüpft."

Snape beobachtete Draco, während er zurückkam, ihnen ein strahlendes Lächeln zuwarf und einmal um seinen Kessel tanzte, wobei er noch mehr Gras auf die Oberfläche warf, und dann zu den Ravenclaws hüpfte. Snape seufzte. Harry lächelte müde und schnitt noch ein Stück von den Wurzeln, bevor er sie mit einem sanften Platschen in den Kessel warf.

„Problem, Potter?", fragte Snape.

„Streitende Freunde", sagte Harry. Er warf noch ein Stück in den Kessel. „Darf ich Sie etwas fragen? War Lucius Malfoy in der Schulzeit nachtragend?"

„Lucius Malfoy konnte jahrhundertelang wütend sein", sagte Snape ruhig. „Natürlich nur, bis er seine Rache hatte. Mit wem streitet Draco?"

„Sie dürfen drei Mal raten."

„Weasley."

„Gut gemacht."

„Lass es sie austragen", riet Snape. „Oder sperr sie in ein Zimmer ein, damit sie es austragen können. Mein alter Hauslehrer hat das gemacht. Am Ende haben sie es geschafft, Blacks Nase wieder anzubringen."

Harry setzte sich am Beginn von Reine Künste zwischen Draco und Ron. Wenn es zu einem handfesten Streit käme, wollte Harry zwar nicht mitten drin sein, aber er wollte auch nicht, dass einem seiner Freunde etwas zustieß.

Ron bemerkte Dracos kleines Lächeln nicht, während sie ihre Unterlagen auspackten. Draco und Harry waren nun schon unter den letzten, die noch an normalen Tischen saßen und nicht an den roten, denn Alrister hatte es noch nicht geschafft, die beiden zu töten. Das Scharlachrot von Rons Tisch schlug sich unheimlich mit seiner Haarfarbe, daher tat es fast weh, ihn anzusehen, aber Draco warf immer wieder Blicke zu ihm hinüber und lächelte. Ron hatte seine Sachen ordentlich auf den Tisch gelegt und arbeitete am Drehbuch für ihre Schlussprüfung – schon bevor sich die Tür öffnete und Alrister eintrat.

„Guten Morgen", sagte er fröhlich. „Heute kein Stock, weil so viele von euch schon tot sind. Ich habe allerdings vor, auch den Rest bis zum Ende der Woche zu erwischen, auch wenn es bedeutet, dass ich euch in eurer Freizeit verfolgen muss."

Harry lächelte schwach und hoffte dabei, dass dieses Versprechen nicht wahr werden würde. Ein Vampir, diese Gestalt im Mantel und Khepri trieben sich bereits in der Schule herum. Das letzte, was Harry brauchte, war Alrister, der sich hinter Rüstungen versteckte, hervorsprang und ihn mit einem Stock schlug.

Harry wandte sich an Ron, um ihm das zu sagen, aber er sah, dass Ron sich ganz aufrecht hingesetzt hatte und Alrister angestrengt beobachtete, als wartete er auf Anweisungen. Er runzelte die Stirn. Er hatte noch nie gesehen, dass sich Ron im Unterricht so verhielt, auch nicht, wenn sie lernten, wie man etwas explodieren ließ. Harry warf Draco einen kurzen Blick zu; Draco schenkte ihm ein weiteres böses Lächeln.

„Du hast schon etwas gemacht, oder?", flüsterte Harry wütend.

Die Lippen des Blonden kräuselten sich nach oben, und Harry beschloss, wenn Draco noch einmal eine normale Frage mit diesem unausstehlichen Grinsen beantwortete, würde er ihm den Kiefer brechen.

„Sag es mir", zischte Harry.

„Und damit den ganzen Spaß verderben?", sagte Draco mit glitzernden Augen.

Alrister klatschte in die Hände und beendete damit das Gespräch. „Nun dann", sagte er gut gelaunt. „Ich bin froh, dass ihr alle hier seid, denn ich muss euch in Gruppen teilen … ich habe vor, mir eure Drehbücher anzusehen um zu erfahren, wie weit ihr seid. Ich werde mich heute um so viele wie möglich kümmern, den Rest erledigen wir dann morgen oder eben in unserer nächsten Stunden … verdammter Stundenplan … jemand soll mich daran erinnern, dass ich einen Protest dagegen starte. Gut. Letzte Reihe, steht auf und wartete vor meinem Büro, ich werde dort sein. Der Rest kann an den Drehbüchern arbeiten, aber startet kein Feuer und beschwört keine Tiere herauf. Es ist nur lustig, bis jemand gefressen wird und man mir die Schuld gibt."

Die Schüler in der letzten Reihe standen auf und verließen nervös aussehend das Klassenzimmer, während der Rest der Klasse weiter übte. Ungefähr drei Viertel der Stunde waren vergangen, als Alrister den Kopf hereinsteckte und rief: „Und jetzt die erste Reihe, bitte!"

Draco stand auf und ging mit erhobenem Kopf aus dem Raum und sah dabei so arrogant aus wie immer. Zu Harrys Überraschung sprang Ron ihm nach, und plapperte, dass er als erster dran sein wollte. Harry suchte Alristers Blick, Alrister nickte, ging in sein Büro und schloss die Tür hinter sich. Harry verließ das Klassenzimmer und stellte sich in die Warteschlange hinter Draco. Draco bedeckte seinen Mund mit dem Ärmel und zitterte vor leisem Lachen. Harry runzelte die Stirn und versuchte zu sehen, was so lustig war. Ron, ganz vorne in der Schlange, spähte durch den Spalt zwischen Alristers Tür und der Wand und hüpfte nervös von einem Fuß auf den anderen.

Harry schlängelte sich an den anderen vorbei und stellte sich hinter ihn. Ron zuckte zusammen, drehte sich um und grinste als er sah, dass es Harry war.

„Ich hoffe, ich mach meine Sache gut", sagte er und begann, seine Hände zu kneten. „Er hat sich die Haare schneiden lassen, ist dir das aufgefallen?"

Harry runzelte misstrauisch die Stirn. „Nein … und ich glaub nicht, dass das stimmt, Ron."

„Oh?" Ron zuckte mit den Schultern. „Er sieht einfach ein wenig anders aus. Hör mal zu, denkst du, ich sollte es mit einem Liebeszauber versuchen? Er hat gemeint, das kommt immer gut an und ich will ihn beeindrucken … ich – ich meine, den Prüfer. Hah." Ron grinste und hüpfte wieder.

Harry verengte die Augen. Langsam begann das Puzzle, einen Sinn zu machen. Er warf Draco einen Blick zu und der Slytherin zitterte in Erwartung, beobachtete Ron und biss sich auf die Lippe.

„Der erste Kandidat, bitte!", rief Alrister von drinnen.

Ron zuckte zusammen, öffnete zitternd die Tür und schlüpfte ins Büro. Die Tür schloss sich hinter ihm. Draco kicherte inzwischen.

„Was ist los?", sagte Harry wütend und drehte sich um, um ihn anzustarren.

Draco kicherte noch mehr, wie ein kleiner Schuljunge, der Juckpulver in den Schuhen seines Feindes versteckt hatte. „Das wird so lustig werden … zuerst hab ich mir Sorgen gemacht, dass er vielleicht gesehen hat, wie ich's in seinen Kürbissaft gegeben hab …"

„Was hast du in seinen Kürbissaft gegeben?", wollte Harry wissen.

Draco grinste. Er schien fast vor Glück zu platzen. „Oh, Potter, wart es einfach ab. Warte einfach."

Plötzlich flog die Tür auf. Harry sprang zurück und fragte sich, ob Ron das Büro aus Versehen in die Luft gejagt hatte, aber eine Sekunde später raste Alrister auf den Korridor und warf die Tür hinter sich zu. Er sah seltsam erschrocken aus und eine Locke seines braunen Haares hatte sich aus dem Pferdeschwanz gelöst und stand ihm vom Kopf ab. Harry bemerkte, dass die Schichten seiner Tunika in Unordnung waren, als ob jemand daran gerissen hätte.

Alrister blinzelte ein paar Mal und hob dann die Hand, um seine Tunika in Ordnung zu bringen. „Ah … Mr. Potter … ich denke, ich habe das … ähm … Problem gefunden. Bitte gehen Sie hinunter zu Professor Snape und holen Sie einen Anti-Liebestrank, wenn es Ihnen nichts ausmacht."

Harrys Kinnlade fiel herunter. Er wandte sich an Malfoy, der vor lauter Lachen fast in Tränen ausbrach und mit der Faust gegen die Wand schlug. Aus dem Büro hörten sie Ron, der gegen die Tür trat und rief: „Oder wir können warten, bis ich meinen Abschluss habe, wenn es dann leichter ist!"

Harry näherte sich der Tür zum Zaubertranklabor, wobei er sich fühlte, als hätten sich seine Beine in Seile verwandelt. Er klopfte und nach einem langen Moment öffnete sich die Tür.

„Ja, Potter?", sagte Snape und hob eine Augenbraue. „Pebblebank hat dich geschickt, nicht wahr? Sag ihr, dass es mir egal ist, ob allen Schülern Geweihe wachsen, ich – "

„Es ist Professor Alrister, Sir", sagte Harry. „Er braucht einen Anti-Liebestrank."

Snape schaffte es, sein schockiertes Gesicht durch ein Stirnrunzeln zu tarnen. „Oh? Für wen?"

„Für Ron", sagte Harry mit irgendwie sanfter Stimme.

„Und in wen ist Weasley verliebt?", fragte Snape stirnrunzelnd.

Nachdem Snape lange genug aufgehört hatte zu lachen, um Harry den Trank zu geben, dankte er ihm, weil er ihm eine Anekdote für die nächste Lehrerkonferenz gegeben hatte, und schickte ihn zurück nach oben. Harry ging zurück zum Reine Künste Klassenzimmer. Alrister lehnte noch immer an der Tür, und Ron klopfte noch immer und wollte heraus. Draco kicherte noch.

„Guter Mann, Harry", sagte Alrister. „Nun … ich bitte dich, ihn, ähm, anzuwenden. Es ist besser, wenn ich nichts riskiere." Er trat schnell von der Tür zurück und versteckte sich hinter einer Schülerin aus Hufflepuff, die ziemlich verängstigt wirkte.

Harry betrat das Büro und sofort sprang ihm Ron entgegen. Harry schnappte nach Luft und rief: „Lass mich los, Idiot!"

„Wo ist Romeo?", fragte Ron besorgt.

Harry verzog das Gesicht. „Es tut mir Leid, aber du wirst mir später dafür danken." Er sprang auf Ron zu und drückte ihn gegen den Tisch, bevor er die Flasche mit dem Anti-Liebestrank packte und in seinen Mund steckte. Ron spuckte und hustete und versuchte, sich aus Harrys Griff zu befreien, aber schon bald schien der Trank zu wirken. Das Rot auf seinen Wangen verschwand und nach ein paar weiteren Momenten, in denen er sich wehrte, konnte Ron Harry abwerfen.

„Was machst du denn?", wollte er wütend wissen und wischte sich über den Mund, wodurch er Tropfen des Trankes über den Boden streute.

„Malfoy hat dir einen Liebestrank gegeben", sagte Harry.

Stille folgte. Ron starrte ihn erschrocken an. „Und … in wen war ich …?"

„Alrister", sagte Harry.

In dem Moment, als das Wort seinen Mund verließ, läutete die Glocke. Es war schwer zu erkennen, was Ron dachte oder fühlte. Seine Miene war sehr neutral und leer, als ob er zu schockiert wäre für Emotionen, während sie ihre Sachen zusammenpackten und den Raum verließen. Ron traute sich nicht einmal, Alrister anzusehen, als sie an ihm vorbeigingen, während dieser Draco anschrie, ihm eine Woche Nachsitzen aufbrummte und ihn dann zum Direktor und zu seinem Hauslehrer schickte.

Gerüchte und Getratsche verfolgten Harry und Ron, wie es in Hogwarts fast üblich war, praktisch auf ihrem Weg zum Mittagessen in der Großen Halle. Ron war noch immer seltsam still. Schon als sie durch die Doppeltür in die Große Halle traten murmelten die anderen schon über sie, während ein Schüler aus Reine Künste von einem Tisch zum nächsten lief und die Geschichte weitergab. Viele Schüler lachten und wandten sich um, um Ron anzustarren. Ein paar Erstklässler in ihrer Nähe schienen sich sogar Notizen zu machen.

Ron und Harry setzten sich an einen der Tische. Rons Gesicht trug einen Ausdruck des leeren Horrors. Harry gab ihm einen Teller mit Pizza, den Ron nicht einmal ansah, denn er war zu sehr damit beschäftigt, den Krug mit Kürbissaft anzustarren.

„Bist du okay?", fragte Harry vorsichtig.

„Ich bring ihn um", murmelte Ron. Er zuckte ein wenig. „Werde ihm ein für alle mal sagen, dass ich mich nicht zum Dummkopf machen lasse."

„Sieh mal, Ron", sagte Harry. „Das geht jetzt schon zu lange so. Lass es einfach sein. Er hat jetzt seine Rache, und ihr beide könnt das jetzt hinter euch lassen. Wie lange wird es so weitergehen, wenn ihr keinen Frieden schließt? Wochen? Monate? Ich will mein Leben nicht damit verbringen, immer zwischen euch zu sitzen und meine Aufmerksamkeit zu teilen, keiner will das."

Die Tür zur Halle öffnete sich. Draco kam herein und sah unglaublich zufrieden aus. Ron stand leise auf und sagte nur: „Tut mir leid, Harry. Aber manche Dinge müssen geklärt werden." Er schob seinen Stuhl zum Tisch und ging auf Draco zu.

Harry wusste instinktiv, was passieren würde, und den Bruchteil einer Sekunde später geschah es. Er sprang auf und rief: „Ron, NEIN!", aber es war zu spät, denn Ron war mit solcher Wucht auf Draco gesprungen, dass sie beide auf einen Tisch flogen und das Essen und Besteck in alle Richtungen flogen. Einige Schüler schrien und wichen zurück. Ron packte Draco am Hals und versuchte, ihn zu erwürgen, aber Draco wehrte sich hartnäckig, und in der nächsten Sekunde ertönte ein Krachen, als der Tisch unter ihrem Gewicht zusammenbrach. Noch mehr Teller und Gläser regneten herab, und dann tauchte Ron aus dem Berg von Besteck auf und traf hart am Boden auf. Draco war nach einem Moment auf ihm und ihre Fäuste flogen und sie zerrten aneinander wie wilde Hunde. Ein paar der Zuseher feuerten Ron oder Draco an, während andere zurückwichen und die meisten nur dastanden und erschrocken zusahen, wie sie wild miteinander kämpften. Professor McGonagall lief mit unglaublich wütender Miene durch die Halle nach vor und zog ihren Zauberstab.

„Hören sie SOFORT auf!", rief sie, doch weder Ron noch Draco schenkten ihren Worten Beachtung. Draco hatte Ron nun zu Boden gedrückt und einen der Kelche gepackt, den er nun anstatt seiner Fäuste verwendete, obwohl es nicht lange dauert, bis sich Ron wehrte und nach seinem Zauberstab griff. Draco zog seinen eigenen wie ein Schwert hervor, aber Ron schaffte es, den Moment der Unachtsamkeit zu nützen.

„Scoritis!", brüllte er, und Draco schrie vor Schmerz auf, als eine große, rot glänzende Brandwunde in seinem Gesicht erschien. Er stolperte zurück, geblendet vom Schmerz, und krachte in einen Tisch, von dem noch mehr Essen zu Boden fiel. Harry hatte endlich den Schock über das, was Ron getan hatte, überwunden, und zog nun seinen Zauberstab und überlegte, was er tun konnte, um den Streit zu beenden. Sein erster Gedanke war, sie zu lähmen, aber es war viel wahrscheinlicher, dass er einen der vielen Zuseher als Ron oder Draco traf.

Ron hob seinen Zauberstab für einen weiteren Fluch, aber dieses Mal war Draco schneller. Er packte einen Teller Suppe, den einer der Schüler hielt, und warf ihn Ron entgegen, der von Kopf bis Fuß mit dem heißen Gebräu getränkt wurde, und schlug ihm dann noch mit der Schüssel auf den Kopf. Ron entriss sie ihm, warf sie beiseite und schlug Draco wieder zu Boden.

Harry hatte keine Ahnung, wer gewinnen würde. So wie es im Moment lief, würden sie sich vermutlich gegenseitig in genau dem gleichen Moment töten. Über den Lärm der Menge und dem Klappern von Metall, das zu Boden fiel, könnte Harry hören, wie sich Ron und Draco etwas zuriefen; Hass triefte von jedem einzelnen Wort.

Dann schlossen sich Rons Finger um Dracos Hals und er drückte ihn gegen die Wand. Ein lautes Knacken ertönte, bevor Draco vor Schmerz schrie und dann verstummte. Draco schloss schwer atmend die Augen und Ron starrte ihn nur an. Beide waren von Schnitten und blauen Flecken übersät, und die Brandwunde breitete sich langsam über Dracos ganzes Gesicht aus. Nach einem Moment schüttelte Ron Draco und schnarrte: „Leg dich nie wieder mit mir an."

Draco warf Ron einen Namen an den Kopf, der Professor McGonagall dazu veranlasste, laut nach Luft zu schnappen und sofort zehn Punkte vom Konto der Schule abzuziehen.

„Wer hat dir das Recht gegeben, mich bloßzustellen?", rief Ron wütend, während er Draco wieder schüttelte, obwohl sich dieser schon vor Schmerz wand.

„Das könnte ich dich auch fragen", schnarrte Draco. Er holte tief Luft und hustete, wobei ein wenig Blut über sein Kinn tropfte. „Du hast das vielleicht begonnen, Weasley, aber ich werde nicht zulassen, dass du es beendest."

„Du bist nur ein arroganter Halbmensch", flüsterte Ron; trotzdem hörten alle in der Halle jedes Wort. „Ich hasse dich. Ich habe dich immer gehasst. Ich werde dich immer hasse. Aber ich werde dich nur angreifen, wenn du dich mit mir anlegst. Klar?"

„Gut", spuckte Draco.

„Gut", knurrte Ron. Er ließ Dracos Umhang los und starrte ihn mit einer Mischung aus Hass und Abscheu an, bevor er ihm einen Arm und die Schultern legte und ihn stütze. „Und jetzt bringen wir dich in den Krankenflügel, bevor du stirbst, du dummer Idiot", sagte er, bevor sie beide aus der Halle humpelten.

Einen Moment lang herrschte überraschte Stille, in der sich alle nur ansahen. Ein leises Husten ertönte und Professor McGonagall sagte schwach: „Zwanzig Punkte vom Konto der Schule …"

Und damit war die Sache erledigt. Zwei Tage später, als Ron und Draco aus dem Krankenflügel entlassen wurden, ihre blauen Augen und blutenden Nasen wieder in Ordnung gebracht, schienen sie wunderbar zufrieden. Sie saßen beim Abendessen nebeneinander, und Draco hörte fast enthusiastisch zu, als Ron ihm von einigen Quidditch Spielen erzählte, die er mit seinen Brüdern besucht hatte. Harry bemerkte auch, dass Ron allgemein netter schien. Er schnarrte nicht mehr alle an und konnte ein Gespräch ohne Beschwerden führen. Hermine erklärte Harry das eines Abends, während Ron mit Ginny in der Bibliothek war.

„Er war besorgt, dass er dich an Draco verlieren könnte", sagte sie freundlich. „Er ist daran gewöhnt, dass du dich immer auf seine Seite schlägst, und als das nicht mehr geschah, geriet er ein wenig in Panik. Deine Meinung ist für ihn wirklich wichtig, Harry. Verbring ein wenig mehr Zeit mit ihm als mit Draco, wenn du kannst. Draco wird es nichts ausmachen."

Und genau das machte Harry, und Ron schien glücklicher, als er es im ganzen bisherigen Schuljahr gewesen war. Ohne die ständige Angst vor Kämpfen und Streitereien musste Harry sich keine Gedanken mehr machen, neben wem er beim Essen saß oder jedes Wort, das er zu Ron sagte, sorgfältig auswählen. Und nun, da sein soziales Leben allgemein ruhiger wurde, flogen die Tage vorbei, bis zu einem Abend, an dem Harry mit einer Kiste unter dem Arm in die Kerker hinunter ging.