HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI
Fortsetzung von Harry Potter und der Flug des Phönix
Von The Velvet Ghost
Übersetzung: Christa Potter
KAPITEL 16 – Der dritte Widerstand
Wie immer öffnete sich die Tür bevor Harry überhaupt geklopft hatte. Snape stand da und sah ihn stirnrunzelnd an.
„Es ist Dienstag, Potter."
„Ich weiß", sagte Harry fröhlich. „Der dreißigste September."
Snape warf ihm einen misstrauischen Blick zu. „Wir haben am Dienstag keine Stunde. Kauf dir einen Kalender, Potter, und stör mich nicht, wenn – "
Harry lächelte und zog hinter seinem Rücken eine in silbernes Papier eingewickelte Schachtel hervor. „Alles Gute zum Geburtstag."
„Wie hast du das herausgefunden?", sagte Snape, offensichtlich überrascht.
„Ich hab in den Schulakten nachgesehen", sagte Harry mit einem Lächeln. Eigentlich hatte er Hermine gebeten, in den Schulakten nachzusehen. Als Schulsprecherin hatte sie Zugang zu allen Informationen über Hogwarts und es war für sie leicht, die Information zu finden. Er hielt Snape die Schachtel hin. „Noch mal alles Gute."
Snape warf ihm einen halb verzweifelten, halb dankbaren Blick zu und nahm dann die Schachtel an, die er studierte, als hätte er noch nie zuvor eine gesehen. „Du dummes Kind", sagte er, doch es war ein so liebevoller Ton, wie es für ihn möglich war. „Nun Potter, komm herein ..."
Er hielt die Tür auf und Harry trat ein, während er seinen Umhang auszog. Es war schon ziemlich spät am Abend, aber Harry hatte das Geschenk nun schon seit einigen Tagen versteckt und er war auf Snapes Reaktion gespannt gewesen. Er war jedoch darauf bedacht gewesen, so spät wie möglich zu kommen, damit er nicht von Nachzüglern dabei erwischt wurde, wie er dem Professor, den er eigentlich hassen sollte, ein Geschenk gab.
Snape nahm Harrys Umhang und hängte ihn auf. Sie setzten sich auf Lehnstühle vor dem Kamin, in dem diesmal sogar ein Feuer brannte, und Snape legte das dicke Buch, das er gelesen hatte, beiseite und wandte sich dem Geschenk zu.
„Wenn es versucht mich zu beißen, Potter, dann bist du in großen Schwierigkeiten", sagte er ruhig, während er vorsichtig das Band löste.
„Nein, ich hab die Zähne vor dem Einpacken entfernt", sagte Harry. Snape warf ihm schnell einen Blick zu und Harry lächelte um zu zeigen, dass er scherzte. Snape grinste ihm tadelnd zu, öffnete zuerst das Papier und dann die Schachtel darunter. Er seufzte lächelnd und streckte die Hand aus, um Harrys sorgsam ausgewähltes Geschenk herauszuholen.
„Gut überlegt", sagte er. Er drehte sie um, damit er das Etikett lesen konnte. „Nun, Potter, ich wusste nicht, dass du dich mit guten Weinen auskennst."
Harry lächelte. „Ich stecke eben voller Überraschungen." Eigentlich hatte er keine Ahnung davon. Hermine hatte ihren Eltern geschrieben und gefragt, was die besten Weine waren, dann hatte sie sogar eine Flasche aufgespürt und bestellt. Doch Harry wollte diese seltene Gelegenheit für Lob von Snape nicht verschwenden.
Snape ging zum Schrank in der Ecke und nahm zwei Gläser heraus. Er gab Harry vorsichtig eines und schenkte etwas aus der Weinflasche ein. „Ich würde dir mehr geben, aber es wäre sehr unehrenhaft, als erster nach Askaban zu kommen, weil ich einem Minderjährigen Alkohol gebe."
Harry gluckste. Snape setzte sich, schenkte sich selbst ein Glas ein und probierte nachdenklich. Harry nahm auch einen Schluck. Er hatte noch nie zuvor Wein getrunken und er fand, dass er nicht so schlecht war. Hermines Vater hatte einen guten Geschmack was Weine betraf.
„Interessanter Start in die Woche?", fragte Snape und beobachtete Harry über den Rand seines Glases hinweg. „Ich habe bemerkt, dass du am Montag in Zaubertränke ziemlich gelangweilt ausgesehen hast."
Harry lächelte entschuldigend. „Ich habe vor Zaubertränke Geschichte der Zauberei."
„Ah, ich verstehe schon."
„Wir haben mit unserem UTZ Projekt begonnen und Professor Binns' Vorstellung von Spaß ist ein vierseitiger Aufsatz über den ägyptischen Zaubergamot und warum die Muggel dachten, die wären Götter." Harry nahm noch einen weiteren Schluck Wein. „Mein Projekt für Zaubertränke läuft aber ganz gut, oder?"
Snape warf ihm ein trockenes Lächeln zu. „Es könnte schlechter sein, Potter."
Harry grinste. „Vor drei Jahren hätten Sie sich lieber selbst erwürgt als das zu sagen."
„Das hätte ich in der Tat", sagte Snape mild, schwenkte sein Weinglas und nahm noch einen Schluck. „Wie sich die Zeiten ändern."
Sie saßen noch mindestens eine Stunde lang vor dem Feuer und sprachen über Gott und die Welt. Snape weigerte sich, Harry noch mehr Wein zu geben, falls er sonst sturzbetrunken zurück zum Gryffindorturm stolperte und noch etwas sagen konnte, was sie beide bereuen würden, doch Snape selbst trank noch ein paar weitere Gläser. Nachdem eine Stunde vergangen war schien er die Fähigkeit zu verlieren, ordentlich zu sprechen und Harry bemerkte ein paar grammatikalische Fehler, die Snape allerdings nicht aufzufallen schienen.
Als das Feuer im Kamin schließlich erstarb und die Uhr auf dem Kaminsims zeigte, dass es elf Uhr war, sagte Harry zu Snape gute Nacht und verabschiedete sich. Er hatte gar nicht bemerkt, wie dunkel es geworden war. Er wickelte seinen Umhang fester um sich, zog seinen Zauberstab heraus und murmelte: „Lumos!", um seinen Weg aus den Kerkern zu beleuchten. Er hatte keine Ahnung, wie Snape mit der ständigen Dunkelheit klarkommen konnte, oder wie Vampire sie sogar vorziehen konnten. Natürlich waren Vampire von Grund auf Jäger, während Menschen wahrscheinlich die Beute waren. Dieser Gedanke beruhigte Harry nicht besonders.
Er verließ endlich die Kerker, durchquerte die Eingangshalle und kam schließlich zur Marmortreppe. Er wollte gerade durch ein verstecktes Porträtloch klettern, als sich zu seiner Linken etwas bewegte. Instinktiv hielt er inne und packte den Zauberstab fester. Das Licht der Spitze fiel auf drei Katzen, die den Korridor entlang tollten. Eine von ihnen war der rot-haarige Krummbein mit seinem Flaschenbürstenschwanz. Eine andere erkannte Harry als Professor McGonagall, doch die dritte mit einem langen Fell war ihm unbekannt. Sie liefen vorbei und spielten den ganzen Korridor entlang, bis sie außer Sicht waren. Harry ging weiter und schon bald war er beim Gryffindorturm.
Ron war gerade noch ein wenig wach. Er saß ausgestreckt auf einem Sofa und kritzelte mit fast geschlossenen Augen auf einem langen Pergament. Neville saß neben ihm. Der Topf, in dem Harrys Pelziger Pilz war, stand auf dem Tisch und daneben lag ein dickes Buch.
„Hi, Harry!", sagte Neville fröhlich. „Ich arbeite gerade an deinem Pilz."
Harry warf einen Blick über seine Schulter. Der Samen war auf eine ungeheure Größe angeschwollen und sah aus, als bestünde er aus dem gleichen Material wie Champignons.
„Toll", sagte er trocken.
„Professor Sprout meint, dass wir ihm Zitronensaft geben sollen, damit er sich öffnet", sagte Neville. „Sie mögen die Dunkelheit nicht und in deinem Haus war es doch ziemlich düster, deshalb wollte er sich nicht öffnen. Ich hab oben im Schlafsaal noch ein Buch darüber ... aber ..." Er sah besorgt aus. „Würdest du mitkommen, wenn ich es hole? Ich geh nicht mehr gerne alleine hoch, falls ... falls sie auftaucht."
„Klar komm ich mit", sagte Harry. Er stand auf und Neville stellte den Topf auf den Tisch und folgte ihm.
„Danke dafür, Harry", sagte Neville. „Das bedeutet mir viel. Seamus und Dean denken nur, dass ich ein Dummkopf bin."
„Ich mag die Schlafsäle auch nicht besonders", sagte Harry beruhigend, während er nach der Türklinke griff. Er öffnete die Tür.
Neville schrie, als etwas Weißes und Glitzerndes plötzlich durch das Zimmer schoss und einen gellenden Schrei ausstieß. Harry war so überrascht, dass er nach hinten stolperte und die Treppe kopfüber nach unten gefallen wäre, hätte Neville ihn nicht gerade noch rechtzeitig gepackt. Professor Trelawneys Geist schwebte vor ihnen, griff sich an die Kehle und ans Herz und starrte sie mit großen, verrückten Augen an.
„Meine Lieben!", rief sie. „Meine lieben, lieben Kinder!"
Neville schrie wieder und versuchte verzweifelt, davon zu laufen, aber Harry hielt ihn am Arm zurück. Professor Trelawney gab ein zitterndes Stöhnen wie von einer anderen Welt von sich und ihre vielen Armbänder rasselten dabei wie Ketten.
„Ihr beide seid von der Prophezeiung vereint", stöhnte sie und ihre dünnen Finger schlossen sich um ihren Hals und ihre Arme, als würde sie verderben. „Ihr beide, doch ihr müsst noch mehr herausfinden! Ich bin von jenseits des Grabes zurückgekehrt um euch zu sagen, dass ihr nach Informationen suchen müsst, und um euch zu warnen! Es gibt Menschen, denen ihr vertraut, denen ihr aber nicht trauen dürft! Menschen, welche die Gesichter von Freunden, aber die Herzen von Feinden haben, und ihr müsst erfahren, wer diese Menschen sind! Ich fürchte, sie könnten eure Existenz bedrohen!"
„Wer?", sagte Harry und starrte sie mit aufgerissenen Augen an. „Wer ist es?"
Sie gab einen letzten gellenden Schrei von sich und flog nach oben davon; zurück blieben nur das Klirren ihrer Armreifen und das Echo ihres letzten Schreis.
Stille fiel über sie. Neville atmete, als hätte ihn gerade jemand in die Seite getreten und er zitterte ein wenig. Harry wusste nicht, was er sagen sollte. Nach einem Moment brach Neville die gruselige Stille: „Was ... was meint sie damit, mit der Prophezeiung?"
Harry packte Neville an der Schulter und zog ihn mit sich die Treppe hinunter. „Komm mit, wir gehen zu Dumbledore. Was sie gesagt hat gefällt mir ganz und gar nicht."
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„Ah, guten Abend Jungs." Dumbledore lächelte sie von seinem Platz auf dem purpurnen Lehnstuhl aus an, als Harry und Neville in das Büro stürzten. Neville klammerte sich noch immer an Harrys Arm.
„Professor", brachte Harry hervor. „Wir müssen mit Ihnen reden."
„Oh? Und worüber?", fragte Dumbledore während er ihnen einen Teller mit Minzbonbons anbot. Sie lehnten höflich ab.
„Wir haben gerade im Gryffindor Turm Professor Trelawneys Geist gesehen, Sir", sagte Harry. Er schaffte es, Neville von seinem Arm zu ziehen und ihn auf einen der Stühle vor Dumbledores Schreibtisch zu bugsieren. „Sie war im Schlafsaal. Sie redete von der Prophezeiung, Sir, und sagte, dass wir mehr herausfinden müssten ... sie sagte etwas von Menschen, denen wir trauen, die aber nicht vertrauenswürdig sind ... und – "
„Harry, Harry, bitte beruhige dich", sagte Dumbledore milde. „Ich nehme an, dass du die Prophezeiung über deine Geburt meinst, die Professor Trelawney vor einigen Jahren machte?"
Harry nickte. Er setzte sich und als Dumbledore ihm wieder ein Bonbon anbot nahm er eines und wickelte es aus.
„Sie sagte, wir wären von der Prophezeiung vereint", sagte Neville und starrte Dumbledore mit aufgerissenen Augen an. „Meint sie die Prophezeiung, die zerbrochen ist, Sir? In der Mysteriumsabteilung? Ich verstehe nicht, wovon sie geredet hat ... ich hab sie vorher schon gesehen, zwei Mal, immer im Schlafsaal."
„Ah, ich habe mir gedacht, dass das passieren würde", sagte Dumbledore weise. „Professor Trelawney war nicht der Typ von Mensch, der die Seele ruhen lässt, ohne ein letztes Mal zu kommen und meine Schüler zu erschrecken. Ich denke, du hast etwas von Personen, denen ihr vertraut, erwähnt, Harry?"
Harry zerbiss schnell sein Minzbonbon, damit er reden konnte. „Sie sagte, es gäbe Menschen, denen wir trauen, die aber nicht vertrauenswürdig sind. Sie sagte, dass das unsere Existenz bedrohen könnte. Sie sagte auch, dass wir nach Informationen suchen müssen ... ich denke, dass sie damit die Prophezeiung meinte."
„Welche Prophezeiung?", fragte Neville. „Wenn es die aus der Mysteriumsabteilung ist, dann ist sie zerbrochen und niemand weiß, wie sie lautete. Oder nicht?"
Dumbledore lächelte ein wenig. „Ich sehe nicht, warum du die Geschichte nicht erfahren solltest, Neville, besonders, weil unsere alte Wahrsagelehrerin dich nun verfolgt ... nun gut ..." Und er begann die Geschichte, die Harry, wie es ihm schien, vor einer Ewigkeit gehört hatte; die Prophezeiung von Professor Trelawney über ein Kind, das Ende Juli geboren wurde und dessen Eltern Voldemort drei Mal die Stirn geboten hatten, das vom Dunklen Lord gekennzeichnet wurde und dass einer von der Hand des anderen sterben musste. Neville saß ganz still da und hörte sich alles mit einer Mischung aus Schock und Überraschung auf dem Gesicht an.
Als Dumbledores Geschichte zu Ende war sagte Neville mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Flüstern war: „Ich bin Ende Juli geboren ... und meine Mum und mein Dad ... ich weiß nicht, wie oft sie ihm - ... aber ..."
„Du bist es nicht, Neville", versicherte ihm Dumbledore. „Der zweite Teil der Prophezeiung sagt, dass Lord Voldemort das Kind als sich ebenbürtig kennzeichnete und ihm die Macht gab, ihn zu besiegen." Dumbledore streckte die Hand aus und strich sanft Harrys Haare zurück, so dass die Narbe sichtbar war. „Harry war das Baby, das Voldemort auswählte und es gibt keinen Zweifel darüber, dass die Prophezeiung von ihm handelt."
Harry dachte über etwas nach, das ihm zuvor noch nie wirklich aufgefallen war. Es war ihm immer als unwichtiger Teil der Prophezeiung erschienen; von Eltern, die Lord Voldemort drei Mal die Stirn geboten hatten, obwohl Harry, wenn er darüber nachdachte, keine Ahnung hatte, wie seine Eltern Voldemort einmal wiedersagt hatten, geschweige denn drei Mal.
„Ähm, Sir?"
„Ja, Harry?"
„Der eine Teil der Prophezeiung ... über Eltern, die dem Dunklen Lord drei Mal die Stirn geboten haben. Das ist der einzige Teil, den ich nicht verstehe." Er hob den Blick und sah, dass Dumbledore ihn mit glitzernden, blauen Augen beobachtete. „Wie konnten unsere Eltern Voldemort drei Mal wiedersagen?"
„Ich dachte mir schon, dass du das fragen würdest", sagte Dumbledore. Er stand auf und sah einen Moment lang nachdenklich aus, während er auf die Schlossgründe hinaus blickte. „Das habe ich mich selbst viele Nächte lang gefragt, und ich denke, dass ich alle drei Mal herausgefunden habe, Harry. Deine Eltern waren, wie die von Neville, Mitglieder im Orden des Phönix, und es war offensichtlich ein Widerstand gegen Voldemort, dass sie sich anschlossen. Das zweite Mal war nur Momente vor ihrem tragischen Schicksal. Harry, deine Eltern weigerten sich, dich aufzugeben und Voldemort dich mitnehmen zu lassen. Neville, es gibt nur sehr wenige Informationen, die deine Eltern den Todessern nicht preisgaben. Eine davon war die Existenz des Orden des Phönix, denn das konnten sie wegen dem Fidelius Zauber nicht. Doch eine weitere Tatsache, die ihre Geister verbissen geheim hielten, war dein damaliger Aufenthaltsort bei deiner Tante. Deine Eltern schickten dich zu ihr, damit du dort leben konntest, als sie vermuteten, die Todesser könnten sie angreifen, und sie weigerten sich, Bellatrix Lestrange und ihren Gefolgsleuten zu sagen, wo du warst. Obwohl es für eure Eltern noch ein drittes Mal gab, bei dem sie sich weigerten, sich Voldemorts Anordnungen zu unterwerfen ... und ich denke, das war die Information, die Professor Trelawney ansprach."
„Was ist passiert?", fragten Neville und Harry und sahen Dumbledore gespannt an.
„Da ich nicht dort war, kann ich euch kein komplett zuverlässiges Bild liefern", sagte Dumbledore. „Obwohl es drei Menschen gibt, die damals anwesend waren und heute noch am Leben sind. Vielleicht können sie euch davon eine bessere Vorstellung geben als ich es könnte ..."
Er ging hinüber zum Kamin, noch immer nachdenklich aussehend, und holte einen kleinen Topf vom Kaminsims. Er nahm eine kleine Prise des Flohpulvers und warf es in die Flammen.
„Severus? Penny? Remus?", rief er. „Ich hätte gerne ein Wort mit euch, kommt bitte in mein Büro."
In der nächsten Sekunde erschien ein blonder Kopf in den Flammen, gefolgt von einem glitzernden, blauen Top und ausgeweiteten Jeans, als Professor Pebblebank hustend aus dem Kamin kam. „Ist schon ein bisschen spät für eine Konferenz, oder, Albus?", sagte sie und klopfte die Asche von ihren Klamotten.
Er lächelte. „Das ist es, Penny, doch es geht hier nicht ums Unterrichten."
Sie richtete sich auf und lächelte Harry und Neville an; sie trat beiseite neben den Kamin, als eine weitere Person erschien. Lupin kletterte aus dem Kamin und klopfte sich ab wie vor ihm schon Pebblebank.
„Ist etwas nicht in Ordnung, Direktor?", fragte er und sein Blick wanderte von Harry über Neville zu Professor Pebblebank.
„Nicht wirklich", sagte Dumbledore. „Es gibt etwas, von dem ich will, das ihr es für mich tut ... ah, Severus, wie nett, dass du dich uns anschließt. Ich hoffe, dass ich nichts unterbrochen habe."
Snape sah um einiges weniger betrunken aus als vor kurzem, als Harry die Kerker verlassen hatte, obwohl er ein wenig mitgenommen wirkte. „Ich entschuldige mich für die Verspätung, Direktor", sagte er leise und richtete sich den Kragen. „Ich musste noch einen Nüchterungstrank einnehmen."
„Ich verstehe schon, Severus", sagte Dumbledore. „Und es tut mir Leid, dass ich dich aus deinen Geburtstagsfeiern holen muss, aber ich möchte dich gerne um einen Gefallen bitten ... darf ich nachfragen, ob ihr euch alle an den Besuch in Hogsmeade in eurem sechsten Jahr erinnert?"
Lupin nickte sofort mit ziemlich grimmiger Miene und nach einem Moment folgte ihm Pebblebank. Snape rollte jedoch mit den Augen. „Dumbledore, wenn du es wagst – "
„Nun, nun, Severus", schalt ihn Dumbledore sanft, als spräche er mit einem unartigen Kind. „Es gibt dafür einen guten Grund. Harry und Neville haben nach dem ersten Mal gefragt, als ihre Eltern Voldemort wiedersagt haben, und weil ich nicht dort war habe ich keine Erinnerung, doch ich denke, dass ihr drei gemeinsam das gesamte Bild erschaffen könnt. Seid ihr bereit, es Harry und Neville zu erzählen?"
„Sicher doch", sagte Pebblebank ein wenig lächelnd.
„Natürlich", sagte Lupin nickend.
„Nein", sagte Snape flach. „Ich werde es nicht noch einmal erleben, Dumbledore. Du kannst mich nicht zwingen."
„Wie wahr", gab Dumbledore zu. „Obwohl ich es vorziehen würde, wenn du Harry und Neville einen wichtigen Teil ihrer Familiengeschichten zeigen würdest. Beide Jungen verdienen es, es zu wissen, Severus, und ohne deine Erinnerung können wir nicht all ihre Fragen beantworten. Ich verspreche dir, dass dich niemand anders beurteilen wird, wenn sie es gesehen haben. Ich denke, dass es Remus und Penny bereits wissen, und ich bin sicher, dass Harry und Neville deine Geheimniskrämerei respektieren werden."
Snapes Stirnrunzeln vertiefte sich, als würde er ganz und gar nicht so denken, aber Harry fing seinen Blick auf und legte eine hoffnungsvolle Miene auf. Snape starrte ihn an und seufzte dann dramatisch.
„Oh, nun gut", knurrte er.
Dumbledore lächelte zufrieden. „Ah, wunderbar. Danke, Severus. Wenn ihr drei bitte herkommen könntet ..." Er bückte sich unter den Tisch und holte das bekannte steinerne Denkarium hervor, in das seltsame Symbole und Runen eingraviert waren und das mit Wasser gefüllt war, das sich wie Luft bewegte. „... und eure Erinnerungen an diesen Tag hinzufügen würdet."
Lupin, Pebblebank und Snape standen neben Dumbledores Tisch, zogen ihre Zauberstäbe heraus und fügten ihre Erinnerungen dem Denkarium Stück für Stück hinzu. Snape sah immer noch sehr zögerlich aus, aber er beschwerte sich nicht, während er seine Erinnerung dazugab. Eine kleine Wolke silbernen Rauches entschwebte mit jedem hinzugefügten Gedanken der Oberfläche des Denkariums.
„Danke", sagte Dumbledore. „Nun, ich hätte gerne, dass ihr drei Neville und Harry zu diesem Tag begleitet, damit sie selbst sehen können, was geschehen ist. Bitte lasst eure persönlichen Gefühle nicht verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Severus."
Snape runzelte die Stirn. „Ich habe nie gesagt, dass es so sein würde, Direktor", sagte er kalt. Er trat nach vor und wartete nicht darauf, dass die anderen sich verabschiedeten, sondern streckte nur die Hand aus und tauchte sie in das Denkarium. Ein Lichtblitz erhellte das Büro und er war in die Vergangenheit verschwunden. Neville kam als nächster dran, nachdem Lupin ihm versichert hatte, dass er nicht lange mit Snape allein sein würde, dann folgte Lupin selbst, Pebblebank und schließlich Harry. Bevor er das Denkarium betrat warf ihm Dumbledore ein leichtes Lächeln zu.
„Geh sicher, dass Professor Snape weiß, dass du ihn nicht beurteilst, Harry", sagte Dumbledore freundlich. „Er ist empfindlich, was seine Vergangenheit betrifft."
Harry nickte und tauchte dann die Hand in das Denkarium. Er fühlte in seiner Brust ein Ziehen und merkte, wie er verschluckt wurde; er flog nach vor in das Denkarium und wirbelte durch Zeit und Raum. Es wurde ihm gerade ein wenig schlecht, als seine Füße auf festem Boden aufschlugen und er fast hinfiel. Snape packte ihn, bevor er aufschlug und stellte ihn wieder auf die Beine, während Harry den Blick in dem Hogsmeade herum schweifen ließ, das vor fast fünfundzwanzig Jahren existiert hatte.
Die Gebäude sahen fast so aus wie in der Gegenwart, obwohl es ein paar Unterschiede gab, die Harry faszinierten. Die Hauptstraße von Hogsmeade war nicht auf beiden Seiten von Geschäften gesäumt, sondern auf der rechten Seite waren ziemlich alte und heruntergekommene Häuser, die mit Muscheln und Efeu dekoriert waren. Die Geschäfte waren auch anders, ein wenig wie die in der Winkelgasse. Direkt ihnen gegenüber war eine Apotheke und daneben war der Honigtopf, genau wie Harry ihn kannte. Abgesehen von den Süßigkeiten im Schaufenster hatte er sich überhaupt nicht verändert. Und vor dem Honigtopf saß –
„Dad!", brachte Harry hervor.
James Potter saß auf der kleinen Mauer vor dem Süßigkeitenladen, gemeinsam mit seinen besten Freunden Sirius, Lupin und Peter Pettigrew. Alle hatten weiße Papiertüten bei sich und aßen Kuchen, Gummibohnen, Nougat und andere kleinen Leckereien, wobei sie lachten und Witze rissen. Zwischen James und Sirius lag eine Schnur aus Zucker, und beide knurrten und kämpften darum wie Hunde um die Wurst. Harry merkte, wie er grinste. Er spürte ein mächtiges Verlangen, hinüber zu laufen und sich ihnen anzuschließen, obwohl er in dieser Welt natürlich nicht existierte. Noch nicht einmal geboren.
„Tiere", hörte er Snape murmeln, der James und Sirius bei ihrem Streit beobachtete.
„Hey, seht mal! Da ist mein Dad!", sagte Neville und deutete die Straße entlang. Harry drehte sich um und sah einen Jungen mit einem runden Gesicht, der auf den Laden zuschlenderte und mit einem Zauber-Jojo spielte, das immer in allen Farben des Regenbogens leuchtete. Als er näher zu James und seinen Freunden kam riefen sie ihm zu und winkten.
„Frank!", sagte James. „Hier drüben!"
Frank Longbottom grinste und kam herüber; er setzte sich zwischen Lupin und Peter. Sie begannen, über Quidditch zu reden. Harry und Neville schlichen sich unbewusst über die Straße näher zu ihnen und ignorierten dabei, dass Menschen einfach durch sie hindurch gingen, bis sie direkt vor James, Frank und den anderen standen. Harry merkte, wie er die Szene voller Sehnsucht beobachtete. Er hatte gar nicht bemerkt, wie sehr er Sirius vermisste. Es tat weh, ihn hier so glücklich zu sehen.
Lupin erschien, irgendwie nachdenklich lächelnd, an Harrys Schulter. „Ich erinnere mich gut daran", murmelte er und sah zu, wie sein sechzehn Jahre altes Ich Frank eine Galleone aus Schokolade aus seiner Tasche anbot. Er gluckste sanft und seufzte. „Ich vermisse James und Sirius wirklich. Und ich denke, auch Peter irgendwie."
„Kommt schon, gehen wir mal rein!", sagte Penny fröhlich. „Ich will mich selbst sehen!" Sie sprang nach vor in den Honigtopf durch die Tür, als ob sie gar nicht existierte. Harry warf seinem Vater einen letzten Blick zu und folgte ihr dann mit Neville im Schlepptau.
Drinnen war der Laden nicht so voll wie Harry ihn kannte. In der Gegenwart war der Honigtopf das beliebteste Geschäft und er war im gerammelt voll mit Schülern, doch im Moment sahen sie nur eine Gruppe von fünf oder sechs Mädchen, die am Regal mit den Schokoladen gedrängt standen und überlegten. Harrys Augen wurden sofort von dem größten Mädchen angezogen, das in der Mitte stand, mit langem, rotem Haar, das über ihren Rücken fiel, und leuchten grünen Augen.
„Mum?", sagte er leise, doch zu seiner Überraschung war er nicht der einzige, der es flüsterte. Er warf Neville einen Blick zu, der sehnsüchtig ein Mädchen mit dunklen Locken beobachtete.
„Ist das deine Mum?", fragte Harry.
Neville nickte lächelnd, doch in seinen Augen lag Traurigkeit. „Welche ist deine Mum?"
Er deutete auf Lily, die nun mit Alice diskutierte, ob sie Schokolade mit Kirschfüllung oder ohne Füllung nehmen sollten, oder vielleicht doch eine Auswahl von Trüffeln. Neville lächelte.
„Du hast ihre Augen", sagte er.
„Danke", sagte Harry und lächelte stolz.
„Da bin ich!", sagte Professor Pebblebank und deutete auf ein Mädchen neben Lily. Sie beobachtete aus den Augenwinkeln lächelnd einen der männlichen Verkäufer. „Seht euch mal an, wie lange meine Haare waren ..." Pebblebank seufzte und betrachtete die schulterlange Haarmähne, die sie mit sechzehn hatte. Sie spielte traurig mit einer Strähne ihres eigenen kurzen Haares. „Ich weiß nicht, warum ich es abgeschnitten habe ..."
„Werden wir das hier den ganzen Tag lang machen?", sagte Snape kalt und sah sie alle von seiner Position in der Nähe der Lutscher mit Blutgeschmack her stirnrunzelnd an.
„Warum nicht?", sagte Pebblebank und wuselte davon, um den Verkäufer näher zu betrachten. „Verdammt, ich hatte vergessen, wie süß er war ..."
„Wer ist er?", fragte Harry.
Pebblebank seufzte. „Arsenius Cohen. Er war in Slytherin, und während ich zur Schule ging war er das heißeste auf zwei Beinen ... es ist wirklich eine Schande, dass er sich als Todesser herausgestellt hat ..."
„Du weißt, dass er Muggelkinder gefoltert hat?", sagte Snape kalt und beobachtete sie mit einem geringschätzigen Stirnrunzeln.
Pebblebank nickte grimmig. „Ja, aber er war süß. Sei nicht so eifersüchtig, Sev."
„Wo waren Sie, als das hier passiert ist?", fragte Harry und warf Snape einen Blick zu.
Snape bedeutete ihm, ihm zu folgen und verließ dann den kleinen Laden und trat auf die Straße. Harry folgte ihm; er warf allen im Laden und einen Blick zu und ließ seinen Blick dann einen Moment lang sehnsüchtig auf seinem Vater ruhen, bevor er Snape folgte. Der Professor ging auf eines der dunkelsten und schäbigsten Häuser im Dorf zu, an dem eine Blumenkiste voller Blumen hing. Drinnen waren die Vorhänge zugezogen.
„Was haben Sie dort drinnen gemacht?", fragte Harry, während er ihm den Weg entlang folgte und mit einem unguten Gefühl im Magen an dem Haus hochsah.
„Dinge, von denen ich wünsche, ich hätte sie nie getan", sagte Snape einfach. Er trat durch die geschlossene Tür und verschwand drinnen. Harry folgte ihm schnell.
Er war in einem dunklen Korridor und blätternden Tapeten, die schon vor langer Zeit ihre ganze Farbe verloren hatten. In jeder Ecke hingen Spinnweben und der Teppich unter seinen Füßen war ausgeleiert, alt und staubig. Zuerst war sich Harry sicher, dass das Haus leer war, bis er unter einer der Türen einen kleinen Lichtstreif sah und er hörte leise das Summen gedämpfter Stimmen. Snape ging durch die Wand in Richtung der Stimmen und Harry folgte; er betrat ein schwach beleuchtetes Wohnzimmer. Eine einzige Kerze stand auf einem Tisch in der Mitte des Raumes und darum herum saßen etwa sechs Jungen, alle zwischen fünfzehn und zwanzig Jahre alt, gekleidet in lange schwarze Umhänge und mit weißen Masken in den Händen. Harry fühlte einen kalten Schauer, als er erkannte, dass das ein Treffen von Todessern sein musste.
Der erwachsene Snape ging um die Jungen herum und beäugte sie kritisch. Er hielt hinter einem Jungen inne, der Harry ins Auge fiel. Er hatte diesen Jungen schon einmal im Denkarium gesehen. Der sechzehn Jahre alte Severus Snape war nicht die Art von Mensch, die man auf der Straße grüßen würde. Er saß nach vorn gebeugt da, starrte finster dreinblickend auf seinen Schoß und kaute auf einem Finger herum.
„Ein ganzer Monat", seufzte Snape und warf seinem jüngeren Ich einen Blick zu.
„Was?", sagte Harry.
„Es war einen Monat her, seit ich getrunken hatte", murmelte Snape. „Ich denke, das war es, was mich an diesem Tag motivierte, es zu tun. Purer Hunger."
„Was zu tun?", fragte Harry und ging um den Tisch herum, um neben Snape zu stehen.
Snape schüttelte still den Kopf. Harrys Aufmerksamkeit wurde abgelenkt, als einer der Jungen aufstand und er beobachtete ihn. Zuerst war er sicher, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte, denn er stand Draco Malfoy direkt gegenüber. Er öffnete den Mund, doch Snape erklärte es.
„Lucius", murmelte er. „Jedes Mal, wenn ich Draco heutzutage ansehe, werde ich an ihn erinnert."
„Ich kann verstehen warum", sagte Harry und starrte Lucius an. Zwischen ihm und Draco gab es keinen einzigen Unterschied.
Lucius begann zu sprechen, und zwar mit einer Stimme, von der er hätte schwören können, dass sie Dracos war. „Es ist an der Zeit", murmelte er. „Gehen wir. Erinnert euch an den Plan – holt den Werwolf, legt euch mit den anderen nur an, wenn es nötig ist."
Die anderen Jungen standen auf, setzten ihre Masken auf und zogen die Kapuzen über ihre Köpfe. Der sechzehn Jahre alte Snape fummelte einen Moment lang mit dem Verschluss der Kapuze herum, bevor Lucius Malfoy sich ihm zuwandte und es für ihn machte.
„Noch immer hungrig?", hörte Harry ihn leise Snape fragen.
Snape nickte leicht. Lucius gab ein undefinierbares Geräusch von sich und sagte dann grinsend: „Nun, wenn du willst, kann ich ein paar Erstklässlern eine Strafarbeit geben, ich bin sicher, es würde ihnen nichts machen, für dich ein paar Tropfen zu verlieren ..."
„Das ist nicht komisch", sagte Snape scharf.
„Ich denke, es ist wunderbar", flüsterte Lucius. Er lachte leise und gefährlich, bevor er, gefolgt vom Rest der Jungs, den Raum verließ.
Der erwachsene Snape packte Harrys Arm und zog ihn durch die vordere Wand hindurch zurück auf die Straße. Harry hatte das Gefühl, dass etwas Schlimmes passieren würde. Auf der anderen Straßenseite konnte er Neville, Professor Pebblebank und Professor Lupin sehen, die den Honigtopf verließen und James und seine Gruppe von Freunden beobachteten.
„Was wird jetzt passieren?", fragte Harry nervös Snape und wandte sich der Haustür zu, als sie sich öffnete.
Snape blieb still und starrte, resolut nicht antwortend, auf den Boden. Harry wusste, was auch immer passieren würde, würde nicht angenehm sein, wenn Snape sich sogar weigerte, davon zu sprechen.
Die sechs Todesser traten hinaus auf die Straße und verteilten sich. Um sich herum rissen die Umstehenden und Einkäufer die Münder auf und wichen zurück, ein paar liefen sogar davon. James und seine Freunde sprangen auf die Beine, als sie die Todesser sahen, und die Schreie trieben einige Menschen aus den Läden, damit sie sehen konnten, was los war.
Lucius Malfoy stand vor den Todessern und deutete mit dem Zauberstab, den er in der Hand hielt, auf James und seine Freunde.
„Gebt uns den Werwolf", sagte er gefährlich. „Gebt uns Lupin und niemand wird verletzt werden."
James und Sirius sprangen sofort nach vorn und blockierten den Todessern den Weg zu Lupin, wobei sie ihre Zauberstäbe zogen. Frank sprang vom Boden auf und lief zu ihnen hinüber; er blockierte ebenfalls den Weg und Harry konnte seine Mutter vor dem Honigtopf sehen. Sie beobachtete die Szene mit den Händen vor dem Mund.
„Gebt uns Lupin!", rief Malfoy wieder und hob den Zauberstab.
„Warum wollt ihr Remus haben?", rief James wütend und seine Faust ballte sich um seinen Zauberstab.
„Fang keinen Streit mit uns an, Potter", schnarrte Malfoy. „Gebt uns einfach Lupin und niemand wird verletzt werden!"
„Was werdet ihr sonst tun?", rief Sirius. „Gegen uns kämpfen?"
„Wenn es sein muss", sagte Malfoy gelangweilt. „Obwohl das nicht nötig sein wird, wenn ihr ihn uns jetzt gebt. Der Dunkle Lord wartet, Potter."
„Wenn ihr ihn wollt", rief James. „Dann werdet ihr ihn euch holen müssen!"
Malfoys maskiertes Gesicht wandte sich zu Severus zu seiner Linken und dann zu einem anderen Jungen zu seiner Rechten. Er nickte. Die Todesser liefen nach vor, hoben die Zauberstäbe und zur gleichen Zeit sprangen Lupins Freunde vor ihn und blockierten komplett den Weg der Todesser. Auch sie zogen die Zauberstäbe.
„Das ist eure letzt Chance", knurrte Malfoy. „Gebt – uns – Lupin!!"
„NIEMALS!!", schrie James und mit einem Knall wie aus einer Pistole begannen die Flüche. Lichtblitze flogen nach vor und zurück, als die Todesser gleichzeitig mit ihren Fäusten und Zauberstäben angriffen. James nahm sich Malfoy ohne zu zögern vor und die beiden duellierten sich feurig, doch James wollte Lupin nicht aufgeben und gab nicht nach.
Lily und ihre Freunde liefen nun nach vor und zogen ebenfalls ihre Zauberstäbe; sie wollte auch im Kampf gegen die Todesser helfen.
„Evans, nein!", rief James und versuchte, sie aus dem Schussfeld zu schieben.
„Lass mich los!", schrie sie. Als James sie immer noch nicht loslassen wollte, hob sie die Hand und gab ihm eine Ohrfeige. „Hör auf, so ein chauvinistisches Schwein zu sein!", rief sie.
„Aus dem Weg, du dummes Mädchen!", schnarrte Malfoy, wandte sich ihr zu und zog seinen Zauberstab.
„Nein! Stupor!", rief Lily und deutete mit ihrem Zauberstab direkt auf sein Gesicht. Der Fluch traf Malfoy auf der Nase und so einem Zauber konnte man einfach nicht ausweichen. Malfoy klappte einfach zusammen und fiel zu Boden, doch sofort bückte sich einer der Todesser und packte ihn. Mit einem Lichtblitz verschwanden die beiden aus Hogsmeade.
Nevilles Eltern, Frank und Alice, zogen Lupin mit sich in die Apotheke, während sie mit ihren Zauberstäbe Flüche abhielten und als ein Todesser versuchte, sie an ihren Umhängen zu packen, trat ihm Alice ins Gesicht und er floh. Frank warf ihr einen sehr liebevollen Blick zu und sie schlugen die Tür der Apotheke hinter sich zu und verbarrikadierten sich.
In der Zwischenzeit war offensichtlich, dass die Todesser verlieren würden. Es waren nur noch drei übrig, und sie schienen das erkannt zu haben. Einer wandte sich um und flüchtete die Hauptstraße entlang, um dem Kampf zu entkommen. James rief Sirius zu: „Kümmert euch um die anderen!" und folgte schnell dem einen Todesser, der zu entkommen versuchte.
Mit einem großen Sprung, der ohne Zweifel durch Jahre des Quidditchspielens perfektioniert worden war, erwischte James den Jungen um die Knie und riss ihn mit sich zu Boden. Der Todesser stieß einen schmerzhaften Schrei aus und versuchte zu entkommen und weiter zu laufen. James schlug verzweifelt nach ihm aus, erwischte ihn aber nur am Rand der Maske und riss sie von seinem Gesicht.
James riss den Mund auf als Severus Snape ihn anstarrte und Snape sah genauso erschrocken aus wie er. Harry fühlte eine starke Welle des Wissens, Wissen, dass das der Moment war, in dem wahrscheinlich der lebenslange, bittere Hass zwischen den beiden Jungen begonnen hatte, und dann hatte Severus sich befreit, war herumgewirbelt und lief die Straße entlang davon, wobei er fast über seinen Umhang stolperte.
„ICH WERDE DICH ERWISCHEN!!", brüllte James ihm nach. „ICH WERDE DICH ERWISCHEN, UND WENN ES DAS LETZT IST, WAS ICH TUE!!"
Ein heller Lichtblitz erhellte die Straße und der sechzehn Jahre alte Snape verschwand.
Harry wandte sich dem großen Kampf zu und sah, wie Sirius die anderen beiden Todesser fesselte. Alle Zusehenden jubelten und klatschten und lobten die Schüler für ihren guten Kampf gegen die Todesser. Sirius hatte einen langen Riss an der Wange, aber er grinste trotzdem breit, während er die letzten Fesseln anlegte. Niemand schien James und Snape beachtet zu haben. Niemand außer ...
„James?"
James wirbelte herum; er hatte noch immer auf den Platz gestarrt, wo Snape verschwunden war. Lily stand da und sah ihn mit schmerzhafter Miene an.
„Tut mir Leid, dass ich dich geschlagen habe", sagte sie und wurde ein wenig rot. „Ich wollte es nicht. Du warst nur wieder so ein Macho."
„Ist schon okay", sagte James, inzwischen scharlachrot, und fuhr sich instinktiv durch die Haare. „Ich meine, vielleicht war ich das. Ich denke, ich war einfach ... um dich besorgt. Und Remus. Todesser, du weißt schon."
„Ja", sagte sie lächelnd. Sie hob ihren Blick und sagte: „Es war wirklich mutig von dir, dass du ihn so verteidigt hast, weißt du."
James wurde langsam immer röter und röter und zwirbelte sein Haar, als stünde es in Flammen. „Ähm, danke. Ich ... naja, du warst auch toll. Dieser Fluch auf Malfoy war einfach genial."
Sie grinste. „Danke."
Als Lily lächelte zuckte James so arg zusammen, dass seine Brille ein wenig seine Nase nach unten rutschte und er zu schielen begann. Lily lachte und schob sie für ihn wieder nach oben.
„Hör mal, würdest du mit mir gerne einen Kaffee trinken gehen?", sagte sie ruhig und spielte mit einer Haarsträhne.
James sah aus, als wären all seine Träume plötzlich war geworden. „Klar!", sagte er begeistert, bevor er offenbar entschied, dass er zu erwartungsvoll aussah. Er legte den Kopf ein wenig schief, fuhr sich wieder durchs Haar und versuchte, cool auszusehen. „Ja, klar werde ich mit dir Kaffee trinken."
Harry und beobachtete sie mit Freude und Bewunderung. Er wäre noch gerne hier geblieben um zu sehen, wie es bei ihrem Kaffee lief, oder um mehr über Frank und Alice Longbottom herauszufinden, aber eine Hand legte sich um seinen Arm. Er wandte sich um und sah Dumbledore, der ihm freundlich zulächelte.
„Komm schon Harry. Es ist an der Zeit, zu gehen. Du hast alles gesehen, was du brauchst."
Harry warf seinen Eltern noch einen letzten, sehnsüchtigen Blick zu, als sie sich umdrehten und die Hauptstraße entlang gingen, bevor er ein Ziehen in seiner Brust spürte und er aus der Erinnerung gerissen wurde, zurück in die Zukunft.
