HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI
Fortsetzung von Harry Potter und der Flug des Phönix
Von The Velvet Ghost
Übersetzung: Christa Potter
KAPITEL 17 – Schlechte Nachrichten
Harrys Füße landeten auf festem Boden und wie immer bei jedem magischen Transportmittel fiel er fast hin. Und wie immer packte ihn Snape hinten am Umhang und hielt ihn gerade noch fest, bevor er hinfiel.
„Habt ihr gesehen, wie meine Mum diesen Typen ins Gesicht getreten hat?", sagte Neville aufgeregt. „Sie hat's ihm wirklich gezeigt! Und deine Mum und Malfoys Dad, Harry, das war so cool!"
Harry lächelte. „Ja, das war's." Er warf Professor Lupin einen Blick zu. „Professor? Warum wollten die Todesser Sie haben?"
„Wir glauben, dass Voldemort damals eine Art Experiment mit magischen Kreaturen machen wollte", sagte Lupin. „Offenbar wollte er einen Werwolf. Jemand muss über meine Lykanthropie gewusst haben und es ihm mitgeteilt haben. Werwölfe sind überraschend selten, verglichen mit anderen magischen Geschöpfen."
Dumbledore, der hinter dem Tisch saß und mit sich selbst Zauberschach spielte, gluckste und sah in die Runde. „Ich hoffe, dass das informativ war."
Harry und Neville nickten. Professor Pebblebank lächelte zufrieden und Lupin folgte ihrem Beispiel. Harry warf Snape einen Blick zu, weil er sich fragte, wie dieser darüber dachte. Er war überrascht, als er Snapes Miene sah. Da waren weder Schmerz noch Gewissensbisse, und Harry erschrak fast, als er erkannte, dass es etwas wie Scham war.
„Ich wusste nicht, dass Sie meine Mum kannten", sagte Neville zu Pebblebank, und sein rundes Gesicht leuchtete vor Freude, nachdem er seine Eltern gesehen hatte. „Waren Sie befreundet?"
„Oh ja", sagte Pebblebank grinsend. „Aber wir waren wie Salz und Pfeffer. Sie hat viel Zeit in den Gewächshäusern verbracht und Professor Sprout geholfen, während ich auf dem Quidditchfeld herumgelaufen bin."
„Meine Mum war gut in Kräuterkunde?", sagte Neville glücklich. „Wow, dann muss ich das von ihr haben!"
Dumbledore lachte leise und seine blauen Augen glitzerten vor Freude. „Ich bin froh, dass das ein wenig Licht auf die ganze Situation geworfen hat – und auch etwas Lachen ... Severus? Ist alles in Ordnung?"
Snape starrte Dumbledore einen Moment voller Hass an. In Snapes Geist war offenbar viel Zurückhaltung am Werk, obwohl sie in der nächsten Sekunde etwas zusammenbrach und er seine Hände zu Fäusten ballte. „Nein", spuckte er in Richtung Dumbledore. „Alles in Ordnung? Nachdem du mich zwingst, etwas zu sehen, das ich zutiefst bedaure, und das zu deiner Unterhaltung? Was ist mit meiner zweiten Chance geschehen, Dumbledore? Ich bin hier nicht der Bösewicht, und ich werde es nicht zulassen, dass du mich als einen darstellst."
Er drehte sich auf dem Absatz um und stürmte aus dem Büro, wobei er die Tür hinter sich zuschlug. Harry blieb nicht lange genug, um die darauf folgende Stille zu bemerken, sondern lief hinter Snape her, wobei er zwei Stufen auf einmal nahm.
„Professor!", rief er, als er am Ende der Treppe war und den Korridor entlangblickte. „Professor!"
„Nicht jetzt, Potter!", spuckte Snapes Stimme und Harry drehte sich und sah gerade noch, wie er wütend um die Ecke verschwand.
Harry fühlte eine seltsame Enttäuschung, die er nicht erklären konnte, und beschloss sofort, dass es kein schönes Gefühl war. Er sah sich in der Dunkelheit hinter sich um und zitterte ein wenig, zog seinen Umhang etwas fester und eilte schnell zum Gryffindorturm.
Als er den Gemeinschaftsraum betrat merkte er, dass alle Lichter schon aus waren, abgesehen von dem sterbenden Glimmen der Aschen im Kamin. Ron, Hermine und Ginny hatten sich schon wie immer in ihr Nest gekuschelt und schliefen tief und fest. Harry schlich leise durchs Zimmer, weil er sie nicht wecken wollte, und nachdem er sich im Badezimmer umgezogen hatte, holte er sich eine Decke und kuschelte sich aufs Sofa. Er nahm ein paar Schlucke des Tranks für traumlosen Schlaf und legte sich dann hin, wobei er versuchte, seine Gedanken ein wenig zu ordnen. Es war wunderbar gewesen, seine Eltern und Sirius zu sehen, wie sie gemeinsam gegen Voldemort gekämpft hatten, aber er fühlte sich wegen Snape einfach schuldig. Er verstand, was Snape gemeint hatte, als er Dumbledore angeschrien hatte, und er wusste auch, wie wichtig es für ihn sein musste, weil er Dumbledore sonst nie anschrie. Der Schulleiter hatte Snape zwar eine zweite Chance gegeben, um seine Loyalität zu korrigieren, aber er behandelte ihn noch immer wie einen Teenager. Voller Sorge und ruhelos fiel Harry schließlich in einen leichten Schlaf, der eher aus tiefen Gedanken bestand.
Nachdem er eingeschlafen und öfters wieder aufgewacht war, warf er einen Blick auf die Uhr und sah, dass es erst halb zwei Uhr morgens war. Er seufzte in sein Kissen und suchte unter dem Sofa nach seiner Brille. Seine Finger tasteten blind, fanden nichts und nach einem Moment fragte er sich, ob Ron sie als Scherz woanders hingelegt hatte – als sie plötzlich vor ihm erschien, von jemandem hinter ihm gehalten. Er zuckte zusammen und drehte sich um.
Khepri strahlte ihn an. „Sucht du die hier?"
„Oh nein ... nicht du ...", stöhnte Harry.
„Wir wissen doch beide, dass du dich eigentlich freust, mich zu sehen", sagte Khepri und wirbelte Harrys Brille zwischen seinen Pfoten. „Es ist nicht meine Schuld, dass du das jetzt nicht akzeptieren willst, oder?"
„Was willst du diesmal?", fragte Harry mit schläfriger Miene. Er entriss Khepri seine Brille und setzte sie auf, legte das Gesicht wieder aufs Kissen und wünschte sich, er wäre nicht aufgewacht.
Khepri kicherte. „Oh, das übliche, Harry ... nach dir sehen, fragen, wie weit du gekommen bist ... und es ist überhaupt nicht weit, nicht wahr? Du hast noch gar nichts herausgefunden ... Ich bin enttäuscht, Harry ..."
„Sieh mal", sagte Harry gerade heraus. „Sag mir einfach, wonach Voldemort sucht und erspare mir den Ärger. Etwas ägyptisches, oder? Wenn er all diese Museen ausraubt und du wahrscheinlich auch ägyptisch bist. Also sag mir was er will und wo es ist."
„Oh, ich will es nicht so einfach machen ...", flüsterte Khepri. „Ich hasse es, wenn alles einfach und ruhig ist. Ein Puzzle macht keinen Spaß, wenn es leicht zu lösen ist."
„Sag es mir einfach", sagte Harry müde. „Ich hab so auch schon genug Sorgen."
Khepri lächelte und ging um das Sofa herum, um sich auf Harrys Füße zu setzten, wo er zufrieden mit dem buschigen Ende seines Löwenschwanzes spielte. „Ich bin nicht hier, um dir etwas beizubringen. Ich bin gekommen, um dich zu warnen. Er kommt jeden Tag näher und näher, und wenn er es findet, wird er die Kontrolle über eine Macht haben, die so schrecklich ist, dass nicht einmal dein geliebter Beschützer dich retten kann ... oh, das erinnert mich ..." Er wandte sich Harry zu und grinste. Aus der Nähe gesehen waren seine Zähne gruslig. „In Hogwarts wird es allmählich ein wenig langweilig, findest du nicht auch?"
Harry wurde unwohl. „Und warum kümmert dich das? Und was ist, wenn es so ist?"
„Wie gesagt", murmelte Khepri, „Ich mag es nicht, wenn die Dinge so sicher stechen. Wenn man tausend Jahre lang in einer Pyramide eingeschlossen ist, entwickelte man eine Vorliebe für interessanteres ... aber warte ..." Er leckte sich die Lippen und seine Augen wanderten zu einem Punkt in der Luft, als ob er etwas sah und Harry nicht. Ein Lächeln legte sich über seine Lippen. „Mmhmmmm ... das könnte interessant sein ..."
Und plötzlich fühlte Harry etwas Schreckliches in seiner Brust. Seine Muskeln spannten sich an. Das Gefühl war so schmerzhaft und grausam, dass Khepri Harry jetzt egal war. Der ägyptische Junge grinste ihn an.
„Oh, natürlich ...", flüsterte er. „Er hat dir ja diese Kette gegeben, nicht wahr? Damit du es immer weißt, wenn er etwas ... Gefährliches tut."
Harry ignorierte Khepri jetzt resolut und stand auf. Ron gab ein schläfriges Grunzen von sich, aber er wachte nicht auf. Harry ging durch das Zimmer, zog seine Hausschuhe an, warf sich den Umhang über die Schulter und zog den Zauberstab aus dem Ärmel. Khepri folgte ihm leise, während Harry durch das Portraitloch kletterte.
„So rührend", murmelte Khepri. „Du riskierst dein Leben und deinen Platz an der Schule um sicher zu gehen, dass er in Ordnung ist."
„Nun, ich schulde ihm etwas", sagte Harry schroff. „Sieh mal, lass mich einfach alleine. Ich hab keine Zeit für dich."
„Was ist, wenn er ist?", sagte Khepri. „Der Schüler angreift. Er ist der einzige Vampir in der Schule, das weißt du, und du glaubst ihm ernsthaft, dass er noch nie menschliches Blut getrunken hat? Er könnte so leicht lügen. Worum ging es in deiner ersten GGT Stunde bei ihm? Wie man überzeugend lügt."
Harry ignorierte ihn. Er hatte keine Zeit, um Khepri zu erklären, dass er noch nicht einmal sich selbst überzeugt hatte. Er ging still weiter durch die dunklen Korridore, Khepri an seiner Seite schlendernd, die Portraits beobachtend und dem einen oder anderen ein Lächeln zuwerfend.
„Das habt ihr von uns gestohlen. Die wichtigen Menschen zu malen, um sie nach dem Tod noch um uns zu haben."
„Ist mir egal", sagte Harry bissig. Er ging jetzt die Treppe zu den Kerkern hinunter und hatte den Zauberstab in der Hand, nur für den Fall. „Lumos", flüsterte er und an der Spitze erschien ein kleines Licht. Er schlich leise den komplett dunklen Korridor entlang, wobei jeder Schritt ein endloses Echo in die Dunkelheit warf. Harrys Nacken kitzelte unangenehm.
Als er um die Ecke kam und in den nächsten Korridor blickte, erleuchtete das Licht des Zauberstabs langsam die gesamte grausame Szene. Harry zog eine Grimasse und wandte den Blick ab.
Es war ein zweites Opfer, diesmal ein Mädchen – es war Pansy Parkinson, wie Harry erkannte. Sie lag vor einem großen Portrait von Salazar Slytherin, noch in ihrem Pyjama, halb bei Bewusstsein, ihr Hals bedeckt von Blut aus einer großen Bisswunde. Harry versuchte, die Wunden nicht anzusehen, lief zu ihr hinüber, kniete sich auf den Boden und überprüfte ihren Puls. Er merkte, dass das Portraitloch leicht geöffnet war und die Ecke des Rahmens war mit Blut beschmiert. Pansy war offenbar aus dem Gemeinschaftsraum der Slytherins gezerrt und dann von ihrem Angreifer achtlos vor dem Eingang verlassen worden. Harry versuchte, nicht darüber nachzudenken, dass nur ein Slytherin das Passwort zu ihren Schlafsälen kennen konnte.
Er ging einen Schritt zurück, bedeckte seinen Mund mit seinem Ärmel, um den grausamen Geruch nach Blut zu vermeiden, ließ Pansy mit einem Zauber in der Luft schweben und ging mit ihr die Korridore entlang. Khepri war verschwunden. Harry hatte keine Zeit, um darüber nachzudenken. Als er in der Eingangshalle war beschleunigte er seine Schritte in Richtung Krankenflügel, mit Pansy noch immer gespenstisch an seiner Seite schwebend.
Als er vorsichtig die Tür zum Krankenflügel öffnete und mit einem Schnippen des Zauberstabs Pansy nach drinnen brachte, öffnete sich die Tür auf der anderen Seite und Madam Pomfrey wuselte heraus, einen Morgenmantel anziehend.
„Oh, Potter, du bist es. Was machst du um diese Zeit hier? Du solltest eigentlich in – "
Und sie unterbrach sich selbst mitten im Satz und starrte schockiert Pansys schwebenden Körper an. Sie gab ein seltsames Geräusch von sich, wie eine Traube, die unter einem Schuh zerquetscht wird, und konnte erst nach einem langen Moment des Starrens wieder sprechen.
„Potter! Wo hast du - ... warum ist – "
„Ich war in den Kerkern", sagte Harry. „Sie lag genauso vor dem Eingang zum Gemeinschaftsraum der Slytherins."
Er sah Madam Pomfrey an und war überrascht, etwas wie Misstrauen in ihren Augen zu sehen. „Was hast du in den Kerkern gemacht?", fragte sie stirnrunzelnd.
„Ich war bei Professor Snape", sagte Harry. „Wir hatten noch eine Unterrichtsstunde."
„Um ein Uhr morgens?", sagte sie, inzwischen noch misstrauischer.
Harry wusste nicht wirklich, was er sagen sollte. Er starrte sie nur an und hoffte und betete, dass Snape den Anstand hatte, seine Geschichte zu unterstützen, falls sie ihn danach fragte. Nach ein paar weiteren Augenblicken unter ihrem zweifelnden Blick schnalzte sie nur ungehalten mit der Zunge, zog dann den Zauberstab, übernahm Pansy und lies sie zu einem freien Bett schweben.
„Nun, Potter, du solltest besser wieder ins Bett gehen", sagte sie abwesend, während sie die Bisswunden an Pansys Hals studierte. „Und bleibe in deinem Gemeinschaftsraum ... eigentlich denke ich, dass es sogar besser wäre, wenn du Flohpulver nimmst. Du sollst doch nicht noch einmal in den Korridoren wandern. Neben dem Feuer in meinem Büro ist ein Glas, nun geh schon."
Er wollte ihr nicht noch einen Grund geben, misstrauisch zu sein, also lief Harry in ihr Büro. Er fand das Glas ziemlich schnell, warf eine Prise ins Feuer und trat hinein. „Gryffindorturm", sagte er und dann wurde er davon gerissen, flog durch das Netzwerk, bis er aus dem Feuer trat und im Gemeinschaftsraum war.
Ron, Hermine, Ginny und Neville schliefen noch, obwohl Harry wusste, dass er sich ihnen nicht anschließen würde. Nicht jetzt. Er zog die Hausschuhe aus, warf den Umhang beiseite und kuschelte sich dann auf dem Sofa unter eine Decke und dachte scharf nach. Nun wusste er also, dass der Vampirangriff keine einmalige Sache sein konnte, und für Harry war es offensichtlich, dass diese vermummte Gestalt noch irgendwo in der Schule war. Jemand in der Schule war ein Vampir und verfolgte seine Opfer in der Nacht. Obwohl Harry nur von einem Vampir in der Schule wusste. Snape.
Er fühlte das heiße Schuldgefühl, während er sich selbst fragte, ob es auch nur die geringste Chance gab, dass sein Beschützer hinter den Angriffen steckte. Er wusste, dass es ein Slytherin sein musste, oder jemand, der das Passwort zu ihrem Gemeinschaftsraum herausfinden konnte, sonst hätte er Pansy nicht herausholen können. Und Harry wusste instinktiv, dass Snape, während Pansy angegriffen worden war, Blut getrunken hatte. War das ein zu großer Zufall? Und dann war da noch die kurze Szene, die Harry im Denkarium gesehen hatte, in der Snape als Teenager so hungrig gewesen war, dass er seine eigene Hand gekaut hatte. Hatte das dem erwachsenen Snape das Verlangen zu trinken gegeben?
Harry schloss die Augen und seufzte, als er merkte, dass das einzige Argument, das er gegen diese Theorie hatte, war, dass Snape so etwas nicht tun würde. Er vertraute Snape. Er hatte gedacht, dass er Snape kannte.
Aber vielleicht tat er das nicht. Es gab viele Geheimnisse, die Snape vor ihm geheim hielt, und Harry hatte das Gefühl, dass sich das bis in ferne Zukunft nicht ändern würde. Er wusste nicht mehr wirklich, was er über seinen magischen Beschützer denken sollte. Zu sehen, wie er Dumbledore anschrie, hatte Harry etwas aus der Bahn geworfen, denn es war sehr untypisch für den Professor, der Dumbledore wie einem Vater vertraute. Harry fragte sich, ob Snape aus Wut und Frust gegen den Schulleiter zum Rebell geworden war und einen Schüler angegriffen hatte. Aber andererseits konnte er sich nicht vorstellen, dass er so etwas tun würde. Das war einfach nicht sein Stil.
Er hatte sich erst einmal zuvor so gefühlt, und zwar in seinem zweiten Jahr, als er sich Sorgen gemacht hatte, ob Hagrid ein Monster im Schloss losgelassen hatte. Diesmal war jedoch etwas anders. Hagrid war einer seiner besten Freunde und Harry kümmerte sich wirklich um ihn, aber seine Beziehung zu Snape war gänzlich anders. Immerhin war Snape sein magischer Beschützer und sie hatten jetzt sogar eine telepathische Verbindung. Harry fühlte sich seltsamerweise so, als müsse er Snape ebenfalls beschützen. Vielleicht war das, warum er mitten in der Nacht aus dem Gemeinschaftsraum gelaufen war um zu Snape zu gehen, obwohl ihm sein Instinkt sagte, dass es gefährlich sein konnte. Harry hielt inne und dachte darüber nach. Warum war er eigentlich gegangen? Was hatte er gehofft, damit zu beweisen? Wie wäre seine Reaktion gewesen, wenn er Snape gefunden hätte, über Pansy Parkinson gebeugt und ihr Blut trinkend? Angst? Wut?
Schock, entschied Harry. Weil Snape so etwas nicht machte.
Wenn Peter nur in die Kerker sehen könnte, dachte er bitter, während er seinen Kopf auf ein Kissen legte und die Decke fester um seine Schultern zog. Dann könnte sein Beschützer ohne den geringsten Zweifel beweisen, dass Snape Pansy nicht angegriffen hatte und sie könnten beweisen, wer der Schuldige war. Harry dachte unbewusst über alle gefährlichen Menschen in Hogwarts nach und versuchte herauszufinden, ob es einer von ihnen sein konnte. Es war einfach zu schwierig, deshalb überlegte er, wer es nicht sein könnte. Lupin, weil er einfach zu nett war. Dann noch Snape, der so etwas nicht tat. Es konnte auch nicht Madam Ivy sein, weil sie ein paar Augenblicke nach dem ersten Angriff dagewesen war, und ihr Büro war außerdem auf der anderen Seite des Schlosses, weit weg von den Kerkern. Sie wusste auch nicht das Passwort der Slytherins. Das konnte nur ein Slytherin wissen.
Harry ging in Gedanken die Schüler in Slytherin durch. Die Vertrauensschüler in der siebten Klasse waren Draco und Pansy. Pansy war angegriffen worden, also fiel sie schon einmal aus. Draco war kein Vampir. Eigentlich war niemand in Slytherin ein Vampir. Snape würde so etwas wissen, weil er so etwas riechen konnte.
Harry seufzte frustriert. Es gab nur zwei mögliche Erklärungen: es war entweder Snape oder ein wilder Vampir war aus dem Verbotenen Wald in die Schule gekommen und versteckte sich irgendwo in den Kerkern. Aber wie war er dann in den Gemeinschaftsraum der Slytherins gekommen? Er erinnerte sich noch gut daran, wie Sirius in seinem dritten Jahr von Krummbein das Passwort auf einem Stück Pergament von Nevilles Nachttisch bekommen hatte und dann eingebrochen war. War so etwas wieder passiert? Vielleicht arbeitete dieser Vampir mit einem der Slytherins zusammen. Aber warum?
Und dann war da noch die Sache mit Khepri. Harrys Gehirn fühlte sich an wie ein zusammengedrückter Schwamm, als er versuchte, alles was er sicher wusste zusammen zu setzen. Voldemort suchte nach etwas, und wenn er es fand, würde er eine schreckliche Macht besitzen. Es war wahrscheinliches etwas aus Ägypten – nach Khepris Aussehen und den ausgeraubten Museen zu schließen. Aber wie zum Teufel dachte Khepri, dass Harry aus der Schule kommen sollte, um dann auf der ganzen Welt jedes Museum zu durchsuchen, das etwas wertvolles aus Ägypten hatte? Harry fragte sich einen Moment lang, ob er nicht Voldemort einfach weitermachen lassen sollte. Immerhin glaubte ihm niemand. Sogar Ron und Hermine zweifelten an seinen Geschichten über Khepri. Und wenn sogar Snape, sein eigener magischer Beschützer, ihm nicht glaubte, wer dann? Dumbledore vielleicht? Es war zu viel, um danach zu fragen. Harry war schon so oft mit so vielen Problemen, die nicht erklärbar waren, bei Dumbledore gewesen. Für jetzt konnte Harry nur eines mit Sicherheit tun – darauf warten, dass Khepri ihm Antworten gab.
Harry seufzte und schloss die Augen. Obwohl niemand in der Nähe war, murmelte er in die Stille: „Warum erwischt es immer mich?"
Und er dachte, dass er ein sanftes, fast geräuschloses Kichern als Antwort aus einer Ecke hörte, aber als er die Augen wieder öffnete, war alles ruhig.
