HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

KAPITEL 20 – WEIHNACHTSKEKSE

Hermine und Ron starrten ihn einige lange Momente lang an, bevor Ron schnell sagte: „Öffne ihn."

Harry riss den Umschlag auf, und sein Herz fing an zu reisen. Das war's also. Er wusste nicht, wie weit Bills Antwort ihm helfen würde, aber immerhin würde er vielleicht erfahren, warum Khepri ihm das Leben schwer machte.

„Les ihn laut", sagte Hermine angespannt.

Harry nickte. Seine Finger zitterten leicht, als er den Brief entfaltete und las.

Lieber Harry,

danke für deinen Brief, ich hatte ihn schon erwartet. Ich denke, du hast wegen der UTZ Arbeit in Geschichte der Zauberei gefragt – Ron hat mir vor ein paar Tagen wegen seines eigenen Projekts geschrieben. Ich hab allerdings noch nie gehört, dass Khepri Biester in UTZ Arbeiten vorkommen, aber ich hoffe, ich kann dir helfen.

Khepri Biester – eigentlich sind sie Wesen, aber sie werden Biester genannt – stammen aus dem Alten Ägypten und sind unglaublich selten. Du weißt vermutlich, dass die Pyramiden als Grabmale für die Pharaos gebaut wurden, und, dass Zauberer Flüche auf die Pyramiden legten, um Muggelräuber aufzuhalten. Es war eine gute Strategie, aber damals lebten Zauberer und Muggel in Harmonie miteinander, und die Muggel erfuhren bald von den Flüchen. Die ägyptischen Zauberer erkannten, dass sie etwas Anderes brauchten, um die Pharaos und ihre Schätze im nächsten Leben zu schützen. Hast du schon von ägyptischen Ankhs gehört? Sie sehen aus wie Kreuze, nur der obere Haken ist eine Schlaufe. Die Muggelgeschichte erwähnt sie auch, als Symbol von Leben und Tod, aber die magischen Ankhs hatten viel mehr Macht. Jedes Ankh beschützt seinen Besitzer auf eine andere Art. Manche von ihnen sind Glücksbringer, andere Amulette, andere bekamen besondere Kräfte, und so weiter. Magische Ankhs wurden mit den ägyptischen Königen begraben, um diese zu beschützen, aber mit den Ankhs kamen auch deren Beschützer – die Khepri Biester. Im Moment denken wir, dass die ersten Khepri Biester einfach erschienen, als die ersten Ankhs geschaffen wurden. Jedes Ankh wird von zwei Khepri Biestern beschützt. Diese sind stark magisch und mysteriös, und man weiß nicht viel von ihnen, außer, dass sie allgemein hilfreich sind. Wenn die Gefahr besteht, dass ein Ankh von jemandem für etwas Böses verwendet werden kann, trennen sich die beiden Khepri Biester. Eines geht mit Demjenigen, der das Ankh sucht, und führt ihn zu ihm. Das andere geht zu dem schlimmsten Feind des Suchenden, und bittet um Hilfe, um die Suche zu beenden.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen, Harry. Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Bill

Stille lag wie eine giftige Wolke im Gemeinschaftsraum. Ein paar Augenblick später sah Harry vom Brief auf; Ron und Hermine sahen in angespannt an.

„Also sucht Voldemort nach Khepris Ankh", sagte Ron langsam.

„Das denke ich auch", sagte Harry und biss sich auf die Lippe. „Und ein anderes Khepri Biest versucht, ihm dabei zu helfen. Und wenn er es findet, wird er die Macht des Ankhs kontrollieren können – welche auch immer es ist. Aber jedes Ankh hat eine andere Macht. Voldemort muss ein ganz besonderes suchen …"

„Warte", sagte Hermine. „Die ganze Sache hat begonnen, als ein neues Grab in Ägypten entdeckt wurde, oder? Rookwood hat es doch ausgeraubt."

„Aber Rookwood hat vermutlich nichts gefunden", sagte Harry. „Ansonsten würde Voldemort nicht noch immer suchen. Also muss jemand Voldemort zuvorgekommen sein und das Ankh bereits haben. Aber wer ist es? Und was wird das Ankh machen, wenn Voldemort es findet?"

„Wir müssen es herausfinden …" Hermine hielt die Hand hoch und zählte die Dinge an den Fingern ab, während sie schnell sprach. „Welche Art von Ankh ist es, wer ging in das Grab und in welcher Reihenfolge, und wohin kamen alle Artefakte daraus. Wenn das Ankh bei den Gegenständen war, die Rookwood mitgenommen hat, dann ist es vielleicht schon in Voldemorts Sammlung, aber er weiß es nicht. Oder vielleicht ist es noch dort … es könnte zum Beispiel in dem Grab versteckt sein. Es könnte noch dort sein, oder Ministerium könnte es gefunden haben."

„Oder …" Ron sah sie beide mit erhobener Augenbraue an. „Stellt euch das mal vor. Was, wenn ein Muggel irgendwo es hat? Was, wenn ein Muggelgrabräuber tatsächlich vor Rookwood dort war, und das Ankh mitgenommen hat? Es könnte irgendwo auf der ganzen Welt sein. In einer Kiste auf einem Dachboden oder so. Oder es könnte in der Wüste und unter meterhohem Sand begraben sein."

„Ich hab eine Idee", sagte Hermine schnell. „Wir brauchen einen Experten wenn's um ägyptische Pharaonen und deren Gräber geht. Jemand, der vermutlich etwas über jeden einzelnen von ihnen weiß. Jemand, der nichts anderes tut, als sich Notizen über solche Dinge zu machen.

„Oh nein", sagte Ron. „Du schlägst doch nicht vor, dass wir unsere Freizeit aufgeben, noch dazu in den Weihnachtsferien, nur für –"


„Professor Binns …?"

Harry warf einen Blick ins Lehrerzimmer. Es war komplett leer. Das gesamte Schloss war unheimlich leise, denn es war der Morgen, an dem die Schüler für die Weihnachtsferien nach Hause fuhren, und normalerweise konnte man dann die Lehrer hier sehen, wie sie ein früher Glas Punsch tranken.

Harry seufzte und schloss die Tür. „Es bringt nichts. Er ist nicht hier, und in seinem Klassenzimmer haben wir ihn auch nicht gefunden. Wo könnte er sonst sein?"

„Bibliothek?", schlug Ron vor.

Harry schüttelte den Kopf. „Dort ist er normalerweise nicht … vielleicht sollten wir noch mal in seinem Klassenzimmer nachsehen …?"

„Ach, komm schon, wir haben Ferien", sagte Ron traurig. „Fast alle anderen sind schon heimgefahren. Könnten wir nicht einfach Marshmallows in der Großen Halle rösten, oder Schach spielen oder sowas?" Hermine warf Ron einen strengend Blick zu, und er sagte schnell: „Ich beschwer mich ja nicht, aber das ist wirklich langweilig.

„Kann ich euch irgendwie helfen?", sagte eine trockene, pfeifende Stimme im Korridor zu ihrer Linken. Sie drehten sich schnell um. Professor Binns schwebte dort, ein gigantisches Buch in seinen Armen, und schien überrascht, auf Schüler zu treffen.

„Professor! Wir brauchen Ihre Hilfe", sagte Harry und eilte zu ihm hinüber. „Wir haben eine Frage über die Ägypter."

„Die Ägypter, Patterson …?"

„Ja, Sir", sagte Harry. „Wissen Sie etwas über das Grab, das während der Ferien entdeckt wurde?"

Professor Binns sah sie blinzelnd an, offenbar sehr überrascht, dass sie überhaupt mit ihm sprachen. „Nun … ja, ich denke schon … man hat herausgefunden, wer dort begraben war …"

„Wer?", fragte Harry schnell.

Professor Binns verzog sein faltiges Gesicht, während er angestrengt versuchte, sich zu erinnern; er bemerkte nicht, wie sein Buch durch seinen Bauch glitt. „Meistens wurden Pharaonen in den Pyramiden begraben, aber hier handelte es sich um eine seltsame Ausnahmen … eine sehr weise und mächtige Zauberin, mit dem Namen Jendayi … wir denken, dass sie viele der alten ägyptischen Flüche entdeckte, und als Dank dafür wurde sie wie ein König begraben …" Er blinzelte. „Warum fragen Sie …?"

„Diese Jendayi", sagte Ron beiläufig. „Wissen Sie, ob sie vielleicht mit einem Ankh begraben wurde oder nicht?"

„Ich denke schon, Webster …" Professor Binns sah wieder nachdenklich aus. „Ja, das war sie … ein sehr mächtiges Ankh, denke ich, genannt Shani Theoris. Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, welche Macht dieses Ankh bekam … vielleicht kann Ihnen die Bibliothek weiterhelfen …"

„Es heißt also Shani Theoris", sagte Hermine, die einen Notizblock hervorgezogen und das meiste, das Professor Binns gesagt hatte, notiert hatte. Er sah überrascht aus, als auch außerhalb seines Unterrichts jemand jedes seiner Worte notierte. „Und es gehörte der Zauberin Jendayi?"

„Ja, das sitmmt, Miss Grey …", sagte Professor Binns langsam. „Nun … wenn Sie mich entschuldigen wollen, ich muss noch meine Notizen für die nächste Unterrichtsstunde vorbereiten …" Er wandte sich um, um durch die Tür zum Lehrerzimmer zu gleiten, und ein lautes Klonk ertönte, als das Buch in seinem Bauch auf die Tür traf. „Ach je … könnte einer von Ihnen bitte Mr. Filch holen, damit er mir helfen kann …?"

„Filch ist nicht mehr hier", sagte Ron. „Seit … etwa zwei Jahren. Es stellte sich heraus, dass er ein Todesser war, und er ist jetzt in Askaban."

„Du meine Güte … ich bin wirklich nicht auf dem Laufenden", sagte Professor Binns, dessen Stimme durch die Tür gedämpft war. „Manchmal übernimmt die Geschichte eben die Oberhand im Leben …"


Er hatte Recht. Während der nächsten Tag verbrachte Harry fast jeden wachen Moment in der Bibliothek, und kämpfte sich durch die Inhaltsverzeichnisse zahlloser Bücher, auf der Suche nach allen Informationen über Ankhs oder ägyptische Zauberinnen. Hermine arbeitete drei Bücher pro Minute durch, und versuchte sogar, ein paar zu lesen, die in Alten Runen oder Hieroglyphen geschrieben waren, doch sie schaffte es meist nicht.

Endlich kam der Weihnachtsabend, und Harry durchsuchte noch immer die Regale in der Geschichtsabteilung, wobei er jedes Buch in die Hand nahm, das annähernd interessant wirkte. Er hörte, wie sich Hermine in der Verbotenen Abteilung bewegte – als Schulsprecherin konnte sie so oft sie wollte dort hingehen. Die meisten ihrer Informationen kamen aus der Abteilung, und sie hatten acht Bücher gefunden, in denen die Zauberin Jendayi und ihre Errungenschaften erwähnt wurden. Keines hatte jedoch Informationen über das Shani Theoris und dessen Kräfte. Ein weiteres Problem, das Harry nicht aus dem Kopf ging, war die Frage, wo das Ankh von Khepri war. Falls es in der ägyptischen Wüste lag, begraben unter dem Sand von tausenden von Jahren, welche Chance hatte er dann, es vor Voldemort zu finden? Harry war noch nicht bereit, sein restliches Leben mit einem Spaten und einem Metalldetektor in der Wüste zu finden. Hermine war ganz seiner Meinung.

„Es gibt eine realistische Chance, dass Rookwood es hat, oder es noch dort draußen ist", hatte sie gesagt, und noch mehr und mehr Bücher in Harrys Armen abgeladen. „Ich hab an Bill geschrieben und ihn gebeten, sich mal ordentlich umzusehen, aber niemandem zu sagen, was er tut. Wir wollen nicht, dass Voldemort merkt, dass du auch nach dem Ankh suchst, Harry."

„Aber was ist, wenn jemand anderes es hat?", hatte Harry erwidert. „Was ist, wenn es in dem Museum liegt, das als nächstes auf Voldemorts Liste steht? Er wird es finden und verwenden, und dann haben wir verloren."

„Wir wissen jedoch noch nicht einmal, welche Kraft es hat", hatte Ron gemeint. „Es könnte auch etwas Trauriges sein, wie die Kraft, deine Haare pink zu färben, oder dir einen dritten Fuß wachsen zu lassen. Wissen wir überhaupt, dass Voldemort weiß, was es kann? Und hat er vor, es an Harry auszuprobieren? Vielleicht ist es ja ein Ankh, das ihm die ultimative Macht verleiht. Falls es das ist, dann kann Harry ihn doch gar nicht aufhalten, oder?"

Harry spielte diese Unterhaltung in seinem Kopf immer wieder ab, während er die Regale und Bücher vor sich durchsuchte. Am anderen Ende der Bibliothek öffnete sich die Tür. Harry warf zwischen zwei Bücherregalen einen Blick hindurch und sah, wie Madam Ivy die Bibliothek betrat. Sie setzte sich auf ihren üblichen Platz am Feuer, setzte ihre Brille auf und begann zu lesen. In letzter Zeit trug sie öfters eine Brille, deshalb sah sie meistens wie eine Mischung aus Madam Pince, Professor McGonagall und einem exotischen Vogel aus.

„Harry?" Hermine kam zwischen den Buchreihen auf ihn zu, etwa ein halbes Dutzend Bücher in den Armen haltend. „In etwa einer Stunde ist Sperrzeit. Ich denke, wir sollte bis dahin noch so viele Bücher wie möglich in den Gryffindorturm bringen."

Harry nickte und nahm ihr einige Bücher ab. „Okay. Ich trag die schon mal hoch, und du suchst inzwischen noch weiter." Er verließ die Bibliothek, wobei der Madam Ivys Blick auswich. Sie hatte eine Art, die ihn seltsam paranoid machte, obwohl sie nichts zu ihm sagte.

Er brachte die Bücher hoch in den Turm, und als er in die Bibliothek zurückkehrte, saß Madam Ivy immer noch auf ihrem Stuhl. Sie hob den Blick, als er vorbeiging. „Ah, Mr. Potter. Ich wollte schon länger mit Ihnen sprechen."

„Ja, Madam?" sagte er, und wandte sich, mit der Hoffnung nicht in Schwierigkeiten zu sein, um.

Sie deutete auf den Lehnstuhl ihr gegenüber. „Setzten Sie sich, bitte."

Harry setzte sich. Madam Ivy legte ihr Buch zur Seite. Harry warf einen Blick über ihre Schulter und sah Ron, der zwischen zwei Regalen stand und sie genau beobachtete. Sein Blick traf Rons, aber dann sprach Madam Ivy, und sie zog seine Aufmerksamkeit wie eine Lampe eine Motte anzieht.

„Nun denn … Mr. Potter … Harry." Sie hob fast unmerklich eine dünne Augenbraue. „Ihre … Beteiligung an der aktuellen Situation in Hogwarts ist mir nicht entgangen."

Harry starrte sie an. „Ähm … ich verstehe nicht …"

„Vampire, Harry. Vampire." Wieder hob sich ihre Braue. Ihre durchdringenden Blicke waren sogar besser als Dumbledores. „Sie waren in alle bisherigen Angriffe verwickelt, nicht wahr?"

„Nun … ich würde nicht sagen verwickelt, aber ich – "

„Würden Sie nicht? Wie würden Sie es sonst ausdrücken?"

Harry dachte nach. Madam Ivys Blick bereitete ihm immer mehr Unbehagen. „Ich war … anwesend."

„Waren verwickelt", sagte Madam Ivy sanft. „Mir entgeht auch nicht, dass … ähm .. Sie regelmäßig des Nachts in Professor Snapes Büro gehen."

„Das ist meine Zaubertranknachhilfe", sagte Harry. „Da können Sie auch Dumbledore fragen, Madam."

„Mm", sagte sie nur und beobachtete ihn genau. „Sind Sie sicher, dass es nur das ist?"

„Ja", sagte Harry. Er versuchte nicht einmal, seinen kalten Ton zu verbergen. „Der Schulleiter kann Ihnen sagen, dass das stimmt, und –"

„Nein, Dumbledore hat damit nichts zu tun", sagte Madam Ivy leise. „Das wissen wir beide, Harry. In meiner Arbeit, und in Ihrer Arbeit."

„Tut mir Leid", sagte Harry stirnrunzelnd, „aber ich verstehe nicht ganz, was Sie damit sagen wollen."

Madam Ivy lehnte sich auf ihrem Stuhl nach vor, legte ihre Finger aufeinander und sah Harry über den Rand ihrer rechteckigen Brille an. Sie lächelte fast unmerklich. „Ich bin nicht nur hier, um einen Werwolf in einem verfluchten Job zu unterstützen. Das Ministerium braucht Beweise, und ich werde sie beschaffen. Sie müssen nur darüber nachdenken, ob Sie mein Verbündeter sein wollen, Harry, oder ein Feind."

„Beweise wofür?", sagte Harry.

Sie lächelte wieder. „Beweise für Schuld." Ihre Stimme senkte sich noch mehr, war schon weniger als ein Flüstern, und sie sprach mit einem seltsamen Hunger im Gesicht. „Professor Snape hat dem Ministerium nie Zweifel gelassen, Harry … Dumbledore beschützt seine Unschuld, und bringt dafür nie Gründe. Wir wissen, dass in dieser Schule etwas vor sich geht, und dass Professor Snape der … mmmh … schwache Punkt in der Kette ist. Das Ministerium weiß, dass Snape und was auch immer er plant schließlich der größte Fehler im Kampf gegen den Dunklen Lord sein werden."

„Sie irren sich", zischte Harry. „Er hat die Seite gewechselt. Warum glauben Sie das nicht?"

Madam Ivy lächelte fast freundlich. Harry wusste nun, dass sie nicht wie Umbridge war. Umbridge war kränklich süß, fast höhnend, aber Madam Ivy hatte eine dunkle Seite, die Umbridge nie zustande gebracht hatte. „Ein Vampir, ein ehemaliger Todesser, ein Meister der Dunklen Künste …"

„Sie haben Lucius Malfoy vertraut", schnarrte Harry. „Und er war trotzdem böse. Warum nicht Professor Snape?"

„Ich werde nicht mit Ihnen streiten, Harry", murmelte Madam Ivy. „Ich will nur, dass Sie wissen, dass das Ministerium Informationen braucht, und Sie großzügig dafür belohnen würde … es wäre natürlich alles vertraulich, falls Sie mit mir unter vier Augen reden wollen. Ihr Name wird nirgendwo auftauchen."

„Sie wollen also, dass ich Dreck über Snape auspacke?", sagte Harry wütend. „Zu versuchen, von Schülern Informationen zu bekommen, das ist …"

„Schhhh … es ist mir als das … es ist für einen guten Zweck. Und …" Madam Ivy lächelte wieder, und senkte den Blick. „Wie wäre es, nur Ohnegleichen auf die UTZ Prüfungen zu bekommen, Harry? Ich habe gehört, Sie wollen ein Auror werden … wie wäre es mit sofortiger Aufnahme in die Akademie? Oder sofortiger Anstellung? Keine Tests, keine Prüfungen, kein Lernen. Laut der Schulrekorde leben Sie in einem alten, heruntergekommenen Haus. Wir wäre es mit einem neuen, das fertig ist, wenn Sie die Schule verlassen? Irgendwo auf der Welt. Oder ist es Gold? Wie wäre es, wenn ich Ihnen verspreche, dass Sie, wenn Sie das nächste Mal zu Gringotts gehen, ein volles Verlies finden …?"

„Ich lasse mich nicht bestechen", sagte Harry kalt. „Ich kann Ihnen sowieso nichts sagen. Er ist auf unserer Seite, auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben. Aber es ist wahr."

Madam Ivy streckte die Hand aus und nahm ein dünnes, schwarzes Buch aus ihrer Tasche. Als sie es öffnete erkannte Harry, dass es die bisherigen Noten auf ihre Arbeiten in Verteidigung gegen die dunklen Künste waren. Er fand seinen eigenen Namen, und sah eine Reihe Os daneben. Ivy lächelte ihn an, während sie einen Bleistift aus ihrer Tasche zog, und die Spitze neben die letzte Note setzte. Er sah sie mit einem kalten Gefühl des Grauens an, als sie sanft ein T schrieb.

„Ist noch nicht permanent", flüsterte sie. „Aber das könnt es werden, Harry, wenn Sie nicht die richtige Entscheidung treffen …"

„Ich gehe zu Dumbledore", sagte Harry. Er wollte aufstehen, aber sie packte ihm am Arm und zog ihn nach unten.

„Aber denken Sie nach …", murmelte sie. „Wenn Sie zu Dumbledore gehen, gehe ich zu Fudge. Dumbledore wird am nächsten Tag entlassen, und ein neuer Direktor kommt nach Hogwarts, Vielleicht sogar ein ganz neues Kollegium. Und all Ihre Noten sacken ab. Wollen Sie das, Harry …?"

Sie schloss ihr Notenbuch, steckte es in ihre Tasche und stand langsam auf. Sie lächelte ihn ein letztes Mal an.

„Denken Sie darüber nach", sagte sie, bevor sie sich umdrehte und die Bibliothek verließ.

Harry saß erstarrt auf seinem Stuhl, starrte ihr nach und fragte sich, was er nur tun sollte. Ron erschien vor ihm. „Harry …? Worum ging's da gerade? Ich könnte nicht hören, was sie sagte."

Harry sah ihn an. Er dachte an Mr. Weasley. Könnte er vielleicht in dieser Sache helfen?

„Ich …", sagte Harry. „Ich werde erpresst. Von Madam Ivy."

„Was will sie von dir?", sagte Ron mit erschrockenem Blick.

„Komm schon", sagte Harry. „Gehen wir zurück zum Gryffindorturm. Ich erklär dir alles auf dem Weg dorthin."


„Ich denke, du solltest zu Dumbledore gehen", sagte Ron eine halbe Stunde später, als er, Harry und Hermine im Gemeinschaftsraum der Gryffindors saßen. „Falls das Ministerium wirklich jemanden in die Schule geschickt hat, um Snape auszuspionieren, muss Dumbledore das wissen. Und wenn Ivy Harry erpresst, damit er über Snape auspackt –"

„Nein", sagte Harry traurig. „Das kann ich nicht. Sie sagt, sie würde zu Fudge gehen, damit alle Lehrer in Hogwarts gefeuert und durch neue ersetzt werden, damit ich alle meine UTZe nicht schaffe. Sie hat mir schon ein T als Endnote in Verteidigung gegen die Dunklen Künste gegeben."

Hermine riss den Mund auf. „Das hat sie nicht! Oh, Harry, du musst es jemandem sagen! Es geht hier um deine ganze Zukunft, das kann sie nicht machen."

„Geh zum Tagespropheten", schlug Ron vor. „Das würde einen riesigen Skandal geben. HARRY POTTER VOM MINISTERIUM ERPRESST."

„Aber das Ministerium kontrolliert den Tagespropheten", sagte Hermine. „Und ich denke nicht, dass eine Zeitung dieses Problem lösen kann … Fudge müsste nur sagen, dass das alles Humbug ist. Harry hat keine Beweise". Sie seufzte, und legte den Kopf auf ihren Arm, wobei sie Harry einen mitfühlenden Blick zuwarf. „Das ist das Letzte, was du im Moment brauchst…"

„Ich weiß", sagte Harry. „Ich meine … was kann ich sonst tun?"

„Ich hab einen Idee", sagte Hermine. Sie setzte sich aufrecht auf ihren Stuhl und sah, auf ihre Lippe beißend, einen Moment lang nachdenklich aus. „Aber ihr müsst mir helfen, meinen Plan zu entwickeln und Probleme zu lösen."

„Schieß los", sagte Ron.

Hermine rieb ihre Hände. „Harry könnte Snape erzählen, was Madam Ivy vor hat. Dann können sich Harry und Snape falsche Verbrechen ausdenken, von denen Harry Madam Ivy erzählt, und sie wird abgelenkt sein, während sie versucht, Informationen über erfundene Verbrechen zu finden. So kann Harry seine UTZ Prüfungen machen und Snape wird nicht gefeuert."

„Aber man wird ihm Dinge vorwerfen, die er nie getan hat", sagte Harry dumpf.

„Ja, das ist das einzige Problem", sagte Hermine. „Wenn ihr versucht, euch etwas auszudenken, das zwar schlimm aber nicht illegal ist, kommt Snape nicht in Schwierigkeiten. Oder Harry könnte nur vage Anspielungen machen."

„Zum Beispiel?", fragte Harry.

„Zum Beispiel … wenn du ihr sagt, dass du zur Zaubertranknachhilfe gekommen bist, und Snape hat irgendeinen seltsamen Trank gebraucht, als du reingegangen bist. Er hat ein wenig verdächtig ausgesehen, aber du weißt nicht, welcher Trank es war", sagte Hermine. „Oder erzähl ihr Dinge, die eindeutig ist stimmen. Sei absichtlich unbeholfen. Sag ihr, dass Snape dir alles über seine glückliche Kindheit erzählt hat. Sie wird Nachforschungen anstellen und denken, dass Snape dich angelogen hat, und deine Informationen also Mist sind. Sie wird dich nicht mehr belästigen."

Harry war still. Ron sah ihn an und sagte: „Was ist los …?"

„Ich frage mich nur, was als nächstes auf mich zukommen wird", sagte Harry bitter. „Vielleicht könnte ja ein Dementor in den Gemeinschaftsraum fliegen. Oder meine Tante Magda. Oder die Dursleys könnten verkünden, dass sie mich adoptiert haben. Ich meine … wir haben einen Vampir, dann ist da noch Khepri, und Ivy …" Harry vergrub das Gesicht in den Händen und massierte seine Stirn. „Es ist also so … so …"

„Unfair?", versuchte Ron.

Harry nickte. „Genau. Warum erwischt es immer mich?"

Ron und Hermine waren einige Augenblicke lang still, dann sagte Ron mitfühlend: „Mein Dad sagt immer, dass uns das Leben nicht mehr zumutet, als wir schaffen können. Du wirst das auch schaffen, Harry … und komm schon, es ist Weihnachten! Wir sollten hier nicht schlecht gelaunt rumsitzen und uns über eine Erpresserin Gedanken machen. Lasst uns hier rausgehen und ein paar der Marshmallows holen, die Fred und George geschickt haben, und dann könnten wir Schach spielen. Okay?"

„Okay", sagte Harry. Er streckte sich auf dem Sofa aus und legte den Kopf auf eines der Kissen, um die tanzenden Flammen im Kamin zu beobachten. Ron ging zu seinem Koffer in der Ecke; sie hatten alle drei zu Semesterbeginn dort hingestellt, denn sie schliefen ja nicht mehr in den Schlafsälen. Nachdem er ein paar Augenblicke darin gesucht hatte, fand Ron das Schachbrett und seine Figuren.

„Sollen ich deine auch holen?", fragte er Harry, während er ein paar Packungen von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze Marshmallows aus dem Koffer zog.

„Ja, bitte", sagte Harry.

Ab diesem Zeitpunkt wurde der Abend besser. Die drei spielten vor dem Feuer Schach, toasteten Marshmallows und aßen Süßigkeiten, bis Harry sich keine Gedanken mehr über Madam Ivy, oder Snape, oder Khepri macht. Harry war fest entschlossen, sein letztes Weihnachten in Hogwarts zu genießen.

Die Stunden vergingen, bis es endlich Mitternacht war. Sie machten sich zum schlafen fertig, und aßen die letzten Marshmallows, während sie redeten. Harry bemerkte, wie seine Augen sich fast automatisch schlossen, deshalb nahm er seinen Trank für traumlosen Schlaf, und legte seinen Kopf auf das Kissen. Der letzte Gedanke, der ihm vor dem Schlaf durch den Kopf ging war, dass er am Morgen Weihnachten feiern würde, und versuchen würde, seine Probleme so gut es ging zu lösen.


„Harry! Harry, wach auf!"

Harry öffnete die Augen und sah sich um. Ron saß in der Mitte ihres Nests und grinste ihn an.

„Komm schon, es gibt Weihnachtsgeschenke!", sagte Ron und schob eine Tasche zu Harry. „All deine sind hier drinnen, die Eulen haben sie eben erst gebracht."

Harry setzte sich und schob die Brille auf seine Nase. Hermine saß auf einem Lehnstuhl mit ihren eigenen ordentlich aufeinander gelegten Geschenken, und entfernte sehr vorsichtig das Papier, und bewahrte die Dekoration auf. Harry konnte neben ihr auf dem Boden bereits einen Stapel Bücher sehen.

„Frohe Weihnachten!", sagte sie fröhlich. „Hast du gut geschlafen?"

„Ja", sagte Harry mit einem leichten Lächeln. Er öffnete die Tasche mit Geschenken, die Ron ihm gegeben hatte und sah ein paar bunt eingewickelte Pakete. Er streckte die Hand aus und nahm das erste heraus, welches eine Schachtel mit Muffins in verschiedenen Geschmacksrichtungen von Hagrid enthielt. Harry probierte einen, der ihm fast einen Zahn abbrach, obwohl er einen ziemlich guten Geschmack hatte.

Er bekam auch noch anderes als die Muffins. Von Ron bekam er eine Sammlung von Süßigkeiten aus dem Honigtopf und von Hermine ein Set neuer Federn, die handgemacht waren. Von Draco bekam er ein Glas teurer Besenpolitur, und Mr. Und Mrs. Weasley hatten ihm selbstgemachtes Vanilletoffee und einen dicken, grünen Pullover mit einem goldenen Stern vorne drauf geschickt. Neville gab Harry ein kleines Spielzeughaus, das eigentlich für Sneezy war, und eine Packung von mit Schokolade überzogener Rosinen. Lunas Geschenk war ein ziemlich dickes Buch über Astronomie, das nicht besonders interessant aussah, aber von Kainda bekam er eine teure neue Uhr. Harry legte sie sofort an, und nahm sich vor, sie lange nicht abzunehmen. Ginny hatte ihm eine Auswahl von Zonko Artikeln geschenkt, die er unbedingt bald ausprobieren wollte.

Harry genoss einen stressfreien Vormittag in der Großen Halle, gemeinsam mit Ron, Hermine, Draco, Kainda und Ginny. Luna und Neville war für Weihnachten nach Hause gefahren. Harry war nicht gerade froh darüber, aber es war schön, einen Morgen ohne Bucket zu verbringen, der versuchte, seine Jeans in einzelne Streifen zu verwandeln, oder Neville Schrei, wenn Bucket es bei ihm ebenfalls versuchte. Als es Zeit für das Mittagessen war, kamen ein paar weitere Schüler in die Große Halle, die über Weihnachten in Hogwarts geblieben waren.

„Ich bin schon bereit", sagte Ron und rieb sich die Hände. „Ich hab schon den ganzen Tag Hunger …"

Alle warfen einen Blick auf die vielen leeren Süßigkeitenpapiere auf dem Tisch, und betrachteten die Schkokoladenspuren um Rons Mund. Sie lächelten, sagten aber nichts.

„Was machen wir dann heute Nachmittag?", fragte Kainda und lehnte sich in ihrem Rollstuhl zurück, während sie eine weitere Packung von Droobles Besten Kaugummi öffnete.

„Ich denke, wir bleiben einfach hier", sagte Ron. „Ich meine, wir haben genügend Süßigkeiten, und – " Aber plötzlich brach er mitten im Satz ab und starrte auf die Tür zur Großen Halle. „Seht mal!"

Harry drehte sich schnell um. Seine Eingeweide verkrampften sich, als Snape in die Halle kam. Lupin ging links von ihm, und McGonagall rechts. Eine Stille legte sich über die anwesenden Schüler. Snape sah nicht gut aus. Er hatte noch immer ein blaues Auge, und sein Arm war in einer Schlinge, und auf einer Seite des Gesichts hatte er eine Narbe, die vermutlich lange nicht verblassen würde. Er sah sehr müde aus, besonders, als sich alle Blicke in der Halle auf ihn richteten und das Flüstern begann. Harry fragte sich einen Augenblick lang, wo sie sitzen würden. Nur drei der runden Tische waren heute in der Halle, weil so viele über Weihnachten nicht hier waren. Einer war von Harry und seinen Freunden besetzt, an einem saßen die Lehrer, und der dritte war voll von den anderen Schülern.

Lupin ließ den Blick über die Halle schweifen und sah die einzigen freien Plätze an Harrys Tisch. Sein Blick landete auf Harry selbst, fast fragend. Harry tat einen Moment lang nichts, und nickte dann. Lupin, McGonagall und Snape kamen zu ihrem Tisch herüber, und setzten sich an die andere Seite. Snape sah aus, als hätte er sehr, sehr schlechte Laune. Er ignorierte die Schüler am Tisch komplett, und Lupin und McGonagall ebenfalls, als wäre er in seiner eigenen Welt, wo er nicht gestört werden wollte. Jeder Blick in der Halle wanderte zwischen Harry und dem Tränkemeister hin und her. Harry wusste nicht, wo er hinsehen sollte. Er warf einen Blick zur Tür, als sie sich wieder öffnete, und schloss innerlich die Augen, als Madam Ivy in die Halle schwebte. Ihre Augen blinzelten zu Snape, bevor sie merkte, dass Harry sie beobachtete. Sie lächelte und kam herüber. Jeder ihrer Schritte ließ Harrys Zorn steigen.

„Ich hoffe, dieser Platz ist noch nicht besetzt …?", sagte sie mit einem freundlichen Lächeln, während sie ihre Hand auf die Stuhllehne neben Lupins Platz legte.

„Nein, Arabella, Sie können hier sitzen", sagte McGonagall. „Solange es Potter und seinen Freunden nichts ausmacht, natürlich."

Alle warfen Harry einen Blick zu. Ron öffnete den Mund, offensichtlich um sich einen Entschuldigung zu überlegen, Madam Ivy loszuwerden, aber Harry unterbrach ihn. „Nein, das geht in Ordnung", sagte er.

Ron sah ihn schnell an. Während sich Madam Ivy setzte, wobei sie ihren Rock glatt strich, murmelte Ron leise: „Was machst du?"

„Ich bleibe unauffällig", sagte Harry leise. Er versuchte, ganz entspannt zu wirken, und gleichzeitig etwas zu murmeln. „Du weißt von nichts Verdächtigem, verstanden?"

Ron nickte und bot Harry noch eine Süßigkeit an. Harrys Blick traf seinen, und einen Moment lang sah er Mitgefühl darin. „Sie wird hier nichts versuchen", sagte Harry leise. „Mach dir keine Sorgen."

Er sah zu Madam Ivy hinüber. Sie beobachtete ihn, dann lächelte sie freundlich und er erwiderte es, während er sein Glas wieder mit Kürbissaft füllte. Sie wandte sich an Professor Snape und fragte ihn freundlich: „Und wie geht es Ihnen, Severus?"

Snape warf ihr seinen sehr dunklen Blick zu. „Einfach fantastisch", murmelte er.

„Gut, gut", sagte sie lächelnd. „Werden Sie nach den Ferien wieder unterrichten?"

„Leider", war die kalte Antwort. „Ich muss den Schaden wieder gut machen, den Raue-Pritsche meinen Schülern angetan hat."

„Oh, ich bin sicher, dass bald alles gut wird", sagte Madam Ivy beruhigend.

Harry dachte nicht, dass die Stimmung am Tisch noch unangenehmer werden konnte. Madam Ivy war die einzige, die überhaupt redete, und Harry hatte das Gefühl, dass sie es absichtlich machte um zu zeigen, wie angespannt alle anderen waren. McGonagall sah aus, als hätte sie eine Zitrone geschluckt, während Lupin mit den Fingern auf der Tischplatte trommelte. Harry und seine Freunde waren ebenfalls still, während Madam Ivy lächelte und sich ein Glas Kürbissaft nahm. Harry merkte wie er sie hasserfüllt anstarrte und sie fragte, wie es so etwas nur tun konnte. Harry erpressen, nach Informationen über Snape suchen, Lupin verärgern. Und trotzdem konnte sie noch lächeln und so tun, als wäre alles in Ordnung.

Zum Glück dauerten die Stille und die Anspannung nur noch etwa eine Minute länger, denn Dumbledore stand am Lehrertisch auf und ließ das Fest beginnen. Der Tisch füllte sich sofort mit Gerichten und Tellern und Schüsseln und Platten voller Weihnachtsessen, und das Gespräch zwischen Harry und seinen Freunden begann wieder. Lupin schloss sich ihnen an, doch Snape blieb immer stumm. Er legte ein wenig Gemüse auf seinen Teller, dann ein Stück Fleisch, das wohl das kleinste am ganzen Tisch war, und aß davon nur die Hälfte. Harry versuchte, sich an sein Weihnachtsversprechen zu halten und sich nicht von seinen Sorgen beeinflussen zu lassen. Ein oder zwei mal jedoch fühlte er ein Kribbeln im Nacken, und er hob den Blick gerade noch rechtzeitig um zu sehen, wie Snape seinen Blick auf seinen halb leeren Teller senkte. Sie sprachen kein Wort miteinander.

Nachdem der Hauptgang von den Tellern verschwunden war, bekamen sie das Dessert. Harry ließ sich ein paar Stück cremigen Schokoladenkuchens schmecken, und teilte sich dann noch ein Biskuit mit Sneezy. Der kleine Oppsittop erheiterte alle während des Dessert, tratschte mit allen und sang sogar ein paar Weihnachtslieder, während er Kuchen aß und laut über die Scherze in den Knallbonbons lachte. Lupin gab Sneezy die Plastikpfeife aus seinem Knallbonbon, aber Ron konfiszierte sie, als Sneezy alle damit wahnsinnig machte.

Endlich, nach einer langen Stunde des Essens und Redens, verschwanden ihre leeren Teller nach unten in der Küche, wo sie gewaschen wurde. Alle fühlten sich besser als zuvor, und unglaublich voll. Harry hatte für den Rest des Tages nicht anderes vor, als sitzen zu bleiben und sich zu entspannen. Nicht einmal Madam Ivy konnte ihm den Tag verderben, und Khepri hätte jetzt sogar die Halle betreten und noch mehr vage Warnungen von sich geben können. Harry entschied, dass eine Attacke der Todesser nötig gewesen wäre, um ihm jetzt Sorgen zu bereiten.

Das war jedoch bevor er eine unerwartete Nachricht erhielt, als die letzten Teller verschwanden und Lupin aufstand, um die Halle zu verlassen.

„Soll ich dich zu deinen Räumen begleiten, Severus?", fragte er freundlich.

Snape schüttelte den Kopf. Er stand auf, und schloss die Augen einen Moment lang, als hätte er Schmerzen. Lupin gab ein besorgtes Geräusch von sich, aber Snape wimmelte ihn ab. „Es ist ein gebrochener Arm, kein gebrochener Nacken", sagte er, wobei er nur halb so sehr knurrte wie sonst. Er seufzte, und drehte sich zur Tür um.

Harry beobachtete ihn. Er wusste nicht, ob er Snape folgen sollte oder nicht. Nun wäre der perfekte Augenblick für eine Entschuldigung, und den Versuch, die Probleme mit seinem Beschützer zu lösen. Harry wollte gerade aufstehen, hatte erst halb beschlossen, was er tun würde, als eine Stimme in seinem Kopf sprach.

„Setz dich. Sie beobachtet dich."

Harry warf einen Blick auf die andere Seite des Tischs. Madam Ivy beobachtete ihn aus den Augenwinkeln mit erhobener Augenbraue. Er setzte sich gehorsam wieder. Snapes Stimme sprach wieder in seinem Kopf.

„Komm heute Abend in mein Büro. Geh sicher, dass sie dir weder folgt noch weiß, wohin du gehst."

„Okay", dachte Harry. Er sah auf seine Hände, um Madam Ivys Blick auszuweichen.

„Ist alles in Ordnung, Harry?", fragte sie freundlich.

Er hob den Blick und traf ihren. Er lächelte. „Wunderbar, danke."

„Gut", sagte sie. Und sie setzte ihre Gespräche über die UTZ Standards mit Professor McGonagall fort, als wäre nichts geschehen.


Snape hatte Harry keine genaue Zeit gegeben, zu der er zum Büro gesehen sollte. Er hatte nur „heute Abend" gesagt, aber sobald es draußen dunkel wurde, wünschte sich Harry eine genauere Anweisung. Es war schwierig, einfach im Gemeinschaftsraum der Gryffindors zu sitzen, mit Ron Schach zu spielen oder zuzuhören, wie Hermine versuchte, Sneezy neue Wörter beizubringen, während er wusste, dass er bald mit Snape reden musste. Es war nicht, als hätte Harry Angst vor Snape gehabt, aber er hatte vor dessen sicherer Enttäuschung Angst. Er begann, denn Bund zu hassen, aber gleichzeitig war er auch dankbar dafür. Er wusste, wenn es ihn nicht gäbe, würde er überhaupt nicht zu Snape gehen. Als er endlich nicht mehr länger warten wollte, ließ er Ron und Hermine im Gemeinschaftsraum zurück und ging durch die dunklen Korridore.

Als er die Kerker betrat spürte er fast, wie Snape in seinem Tun inne hielt und zur Tür seiner Unterkunft eilte. Wie immer, öffnete er sie bevor Harry überhaupt anklopfen konnte. Snape sah ihn an. Er schien viel ruhiger als beim Abendessen zu sein.

„Komm herein und setz dich, Harry", sagte Snape leise. „Wir müssen über etwas reden."

Harry war nicht sicher, warum ihm diese unschuldigen Worte so viel Angst einjagten: dass er lange genug hier sein würde, um sich zu setzten, dass Snape ihn Harry genannt hatte, oder, dass sie „über etwas reden" musste. Still, mit einem Gefühl des Untergangs auf der Schulter, trat er in die Dunkelheit von Snapes Unterkunft. Normalerweise fand Harry die Stille beruhigend, aber plötzlich hatte er das Gefühl, sie würde ihn mit einem falschen Gefühl der Sicherheit umschmeicheln. Das Schnappen der Tür, die sich schloss, schien sein Schicksal zu besiegeln.

Harry saß auf dem Stuhl, den er sonst auch für seine GGT Stunden brauchte, und spielte nervös an seinen Händen herum. Er versuchte, sich eine Erklärung für seine Taten einfallen zu lassen, die seine Schuldgefühle nicht allzu zeigen würde. Snape setzte sich auf einen Stuhl gegenüber, und seufzte leise.

„Harry …" Er hob seine unverletzte Hand und schob ein paar seiner fettigen, schwarzen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Harrys Blick traf seinen und er fühlte, wie sich eine Eingeweide seltsam wandten. Snape sah ihn ein paar Augenblicke lang an, und sprach dann wieder. Was er sagte war jedoch das Letzte, was Harry erwartet hatte. „Ich möchte mich für das, was ich getan habe, entschuldigen. Zu dem Zeitpunkt … die Situation hat meine Entscheidung beeinflusst. Ich wollte nicht –"

„Aber …", sagte Harry, so sehr von Snapes Worten überrascht dass er es wagte, ihn zu unterbrechen. „Das ist genau das, was ich sagen wollte! Was zum Teufel tut Ihnen leid? Sie haben nichts getan!"

„Außer, dass ich dir Angst eingejagt habe", sagte Snape und hob eine Augenbraue.

„Und ich hab sie einfach vor dem Krankenflügel zurückgelassen!", sagte Harry. „Sie haben mein Leben gerettet, und ich bin nicht einmal sicher gegangen, dass es Ihnen gut ging!"

Snape sah Harry sehr überrascht an. „Wolltest du mich denn einfach so vor dem Krankenflügel zurücklassen?"

„Nein, natürlich nicht!", protestierte Harry.

„Dann gebe ich dir keine Schuld. Du hast mir in der Tat das Leben gerettet, Harry." Snape lehnte sich zurück und sah ihn verwirrt an, als könnte er nicht verstehen, warum sich Harry so sehr die Schuld dafür geben wollte. „Wenn du mich am Ort des Angriffs zurückgelassen hättest, dann würdest du Schuld tragen. Was du getan hast war … sehr mutig."

„Das war ich Ihnen schuldig", sagte Harry. „Sie haben den Vampir davon abgehalten, mich zu töten … wofür entschuldigen Sie sich? Was haben Sie getan?"

„Ich … ich hätte es bevorzugt, dass du in einer etwas ruhigeren Situation von meiner Verwandlung erfährst", sagte Snape leise. „Ich habe dir Angst eingejagt, Harry. Laut den Regeln des Beschützerbunds ist mir das verboten."

„Ich wette, laut den Regeln darf ich meinen Beschützer auch nicht einfach irgendwo verbluten lassen", sagte Harry düster.

„Wenn es so wäre würde es auch keinen Unterschied machen", sagte Snape. „Du hast nichts dergleichen getan, und trotzdem bestehst du darauf, dass es so war … es sei denn, du hast es vorgehabt."

„Natürlich nicht", sagte Harry. Er sah seine Finger an. Er fühlte sich nach Snapes Entschuldigung ein wenig unwohl. „Es ist nur … Sie haben mein Leben gerettet, und ich bin einfach davon gelaufen …"

„Wenn wir so weitermachen, bringt das gar nichts", murmelte Snape. „Ich verstehe nicht, warum wir uns wegen der Schuldgefühle streiten, oder warum wir beide darauf bestehen."

„Weil ich sagen will, dass es mir leid tut", sagte Harry.

„Genau wie ich." Snape lehnte sich zurück, legte die Finger aufeinander und sah Harry an. „Dann rette ich nun unseren Verstand und sage, dass wir uns beide entschuldigen?"

„In Ordnung", sagte Harry. „Tut mir leid …"

„In der Tag", sagte Snape. Er lächelte ein wenig, dieses clevere Grinsen, das er perfektioniert hatte. „Du bist in der Tat ein seltsames Kind."

„Ich bin kein Kind, ich bin siebzehn", sagte Harry mit einem Grinsen.

„Deshalb bist du nicht weniger seltsam", sagte Snape, noch immer grinsend. Er griff nach einem Glas mit einer dunklen Flüssigkeit, aber er hielt inne, als ihm offenbar etwas Anderes einfiel. „Ah, ja … Madam Ivy, Harry."

Harrys Eingeweide verkrampften sich. „Was ist mit ihr?"

„Du kannst mir nichts vormachen", sagte Snape einfach. „Peelish kam letzte Nacht in den Krankenflügel und hat mir von deinem Gespräch mit Ivy erzählt."

„Dann wissen Sie also, dass sie hinter Ihnen her ist", sagte Harry leise.

„Das wusste ich auch schon davor", sagte Snape. „Ich habe es bereits ein paar Stunden nach ihrer Ankunft im Schloss gewusst. Ein Hauself hat ihr Büro geputzt und mir einen Brief gebracht, den er gefunden hatte. Mein Name stand darauf, deshalb dachte er, er gehörte mir. Und es war ein äußerst interessanter Brief. Er erklärte alles, was ich wissen musste. Madam Ivy wurde vom Ministerium hierher geschickt, um belastendes Material über mich zu finden und mich zu entlassen … am besten direkt in eine Zelle in Askaban. Natürlich ist es kein Verbrechen, ein Vampir zu sein. Dumbledore sprach mit dem Ministerium, und bestand darauf, dass ich nach siebzehn Jahren in Hogwarts meinen Job nicht verliere, und dass ich nicht gefährlich sei. Doch Ivy lässt sich nicht so einfach ablenken. Sie hat auch den Auftrag, Lupin zu entlassen, wenn sie es kann. Er hat sie bereits ein paar Mal erwischt, wie sie seinen Schreibtisch durchsuchte."

„Deshalb mag er sie nicht", sagte Harry. „Nicht wahr?"

Snape nickte. „Dieser Job ist Lupins einzige Möglichkeit, zu einem Einkommen zu gelangen. Wenn er ihn verliert, hat er keine Chance auf eine andere Karriere."

„Was werden Sie deshalb machen?", fragte Harry. „Ich meine, Sie können doch nicht zulassen, dass sie in Ihrem Leben herumstöbert?"

„Warum nicht?", sagte Snape. „Sie wird nichts finden, von dem das Ministerium nicht bereits weiß."

„Was ist mit mir?", sagte Harry.

Snape sah ihn an und hob eine Augenbraue.

„Ich meine …", sagte Harry. „Was ist, wenn sie von mir erfährt?"

„Ich denke, sie wird bereits über deine Existenz informiert sein, Potter, sie unterrichtet dich immerhin schon seit vier Monaten."

„Nein, aber … über mich und den Beschützerbund. Was ist, wenn sie davon erfährt? Sie könnte dem Tagespropheten davon erzählen, oder dem Ministerium, und dann wird Voldemort davon erfahren und es gegen uns verwenden."

„Sie wird nichts herausfinden", sagte Snape ruhig. „Mach dir keine Sorgen. Obwohl das noch etwas ist, worüber wir reden müssen… Peelish erzählte, dass sie versucht, durch dich an Informationen zu kommen."

Harry nickte. „Hermine meinte, dass –"

„Wir Ivy mit falschen Informationen versorgen könnten", beendete Snape. „Ja, ich weiß. Es ist aber ein sehr riskanter Plan, Potter. Auch, wenn wir Ivy Informationen geben, die gänzlich unwahr sind, könnten sie sie auf eine Fährte führen, wodurch sie an wahre Informationen kommen könnte."

„Zum Beispiel?", sagte Harry. „Sie sagten doch, dass es da nichts gäbe."

Snape dachte ein paar Augenblicke nach, bevor er wieder sprach. „Es gibt da … ein paar Kleinigkeiten."

„Wie zum Beispiel …?"

„Ein oder zwei kleine Ausrutscher in meiner Akte."

Harry starrte Snape stirnrunzelnd an. „Und die sind …?"

Snape sah ganz ruhig aus, während er einen Schluck aus seinem Glas nahm und sagte: „Morde."

„Morde?"

„Mm."

„Und wen –"

„Muggel."

„Welche Muggel?"

„Denkst du wirklich, dass ich nach ihren Namen gefragt habe?"

„Wann? Wie? Warum?"

„Etwa zwei Jahre nach Beginn von Voldemorts Herrschaft … mit dem Avada Kedavra Fluch .. und weil man mir gesagt hatte, ich solle es tun."

Harry vergrub das Gesicht in den Händen. „Sie wissen, dass Ivy nach genau diesen Informationen sucht, nicht wahr? Und Sie werden nach Askaban geschickt, falls sie es herausfindet!"

„Genau – FALLS sie es herausfindet …"

„Was soll ich ihr sagen?" fragte Harry. „Ich muss ihr Informationen geben, sonst falle ich bei den UTZ Prüfungen durch."

Snape nahm noch einen Schluck. „Stell dich für ein paar Wochen dumm. Sag ihr, du wüsstest nichts. Wenn es so aussieht, als würde sie deine Noten manipulieren, täusch einen kleinen Zusammenbruch und einen emotionalen Moment vor. Dann sag ihr, dass …. Mmmmh … du dir Sorgen wegen der ganzen speziellen Tränke machst, die ich dir beibringe. Viele davon sehen ziemlich gefährlich aus, aber du kennst ihre Namen nicht. Falls sie nach Details über die Zutaten fragt, gib ihr einfach eine Liste von häufigen Zutaten."

Harry wusste nicht warum, aber er hatte das Gefühl, dass dieser Plan nicht funktionieren würde. Einen Augenblick später fiel ihm das größte Problem auf. „Sie findet Zaubertränke schon verdächtig. Ich bin UTZ Schüler und bekomme ziemlich viele Os, und trotzdem nehme ich Nachhilfe in Zaubertränke. Und sie soll auch noch glauben, dass ich gefährliche Zaubertränke nicht unterscheiden kann."

„Nun gut …" Snape steckte seine Hand in den Umhang und holte zwei dünne Phiolen hervor. In einer war eine Art rotes Gel, die andere war mit einer wässrigen, braunen Flüssigkeit gefüllt. „Welcher der beiden ist gefährlicher und wie heißt er?"

Harry runzelte die Stirn. „Woher soll ich das wissen?"

„Das solltest du auch nicht. Darum geht's hier." Snape steckte die Phiolen wieder ein. Wenn sie nach den fertigen Tränken fragt sag ihr, einer wäre rot, der andere braun. Sei dabei vage, Potter. Benimm dich wie der unschuldige Dummkopf, der du im ersten Schuljahr warst."

Harry nickte stumm, lehnte sich zurück und sah wieder auf seine Giner. Er seufzte.

„Ist etwas nicht in Ordnung?" sagte Snape.

„Alles ist … im Moment gerade kompliziert." Harry schüttelte den Kopf. „Ich hatte vor, ein ruhiges letztes Schuljahr zu haben, bevor ich in die Welt rausgehe und Voldemort gegenüber trete."

„Das zeigt wieder, wie dumm es ist, Pläne zu machen", sagte Snape. Er stand auf. „Ich nehme an, dass deine Kollegen inzwischen ohne dich in Panik geraten, den Gemeinschaftsraum niederbrennen und besorgt herumlaufen."

„Vermutlich nicht", sagte Harry. „Sie spielen vermutlich Schach …" Er stand nicht auf. Aus irgendeinem Grund wollte er nicht gehen. Die Ruhe und Stille in Snapes Unterkunft gefielen ihm, und er wusste, sobald er in den Korridor trat, würden ihn die Welt und deren Probleme wieder überfallen. Vampire, Khepri, Ivy …

„Es ist Weihnachten, Harry", sagte Snape leise. „Diesen Tag verbringst du doch sicher lieber in guter Gesellschaft."

„Kann ich hier bleiben …?", sagte Harry. Einen Moment lang dachte er zurück an die Zeit als es der letzte seiner Wünsche gewesen war, Zeit mit Snape zu verbringen. „Wir könnten die GGT Stunde nachholen, die ich verpasst habe."

„Nein", murmelte Snape. „Ich muss mich noch erholen … komm morgen in mein Büro und wir werden über GGT reden. Bis dann gebe ich dir die Anweisung, in deinen Gemeinschaftsraum zu gehen und Weihnachten zu genießen." Er öffnete die Tür. „Komm schon. Ich begleite dich lieber, falls wir wieder angegriffen werden."

Harry stand müde auf, und wandte sich von den leise knisternden Flammen und den bequemen Lehnstühlen ab. Er ging hinüber zur Tür. Plötzlich fühlte er sich seltsam müde, als ob er sich einfach nur setzen und warten wollte, bis seine Probleme verschwanden. Als er in den Korridor trat, fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Er hob den Blick. Snape sah ihn ernst an, und in seiner Miene spiegelte sich etwas wie Mitgefühl.

„Peelish und ich sind immer da, um mit dir zu reden. Die anderen Professoren ebenso", sagte sein Beschützer. „Nunja … Ivy würde ich vermeiden."

Harry lächelte. „Okay … und danke, Severus. Ich meine, Snape! Professor! Oh, verdammt …"

Snape grinste und führte ihn in den Korridor, bevor er die Tür hinter ihnen schloss. „Förmlichkeiten, Potter … es ist zwar Weihnachten, aber das ist kein Grund für eine Ausnahme."

Snape brachte Harry zurück zum Gryffindorturm, wobei sie nur ab und zu ein Wort wechselten. Endlich erreichten sie das Portraitloch. Snape wandte sich Harry zu und sah ihn ein paar Augenblicke lang an. Harry bemerkte plötzlich, dass Snape nicht mehr auf ihn hinunter sah, wie er es in Erinnerung hatte, sondern sie standen nun auf gleicher Augenhöhe.

„Frohe Weihnachten, Potter", sagte Snape.

„Frohe Weihnachten, Professor", antwortete Harry.

In den folgenden Jahren war sich keiner der beiden sicher, wer sich zuerst bewegt hatte, oder was überhaupt geschehen war. In einem Augenblick, sah Harry Snape einfach nur an, und im nächsten geschah etwas Unglaubliches. Er fand sich in einer Umarmung von der Person, die er einst mehr als jeden anderen gehasst hatte. Alles, was er in dem kurzen Augenblick wahrnahm waren die Wärme und das Gefühl der Sicherheit, die von Snape ausgingen, bevor es vorbei war. Mit einem letzten Nicken drehte sich Snape um und verschwand in der Dunkelheit.

Harry verbarg sein Lächeln, nannte der Fetten Dame das Passwort und betrat den Gemeinschaftsraum. Frohe Weihnachten, Professor, dachte er.