HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

KAPITEL 23 – Der Ausflug

Harry hatte nun schon vier Tage in Snapes Unterkunft verbracht, wobei er die meiste Zeit geschlafen und eine schier endlose Reihe von Antikopfschmerztrank genommen hatte. Snape musste den ganzen Tag unterrichten, aber er kam nach dem Abendessen immer zurück, gefolgt von einem Hauselfen mit einem Tablett mit Essen. Hermine erledigte das Zusammensuchen seiner Hausaufgaben wunderbar, und an den meisten Abenden kam sie herunter, um ihn zu besuchen und übermittelte besorgte Nachrichten seiner Freunde. Offenbar hatte sich Ernie Macmillan in Schuldgefühle gestürzt, weil es sein Klatscher gewesen war, der Harry getroffen hatte.

„Er sagt, dass er dir zugerufen hat, damit du ihn noch auf Fabiola schießen konntest", sagte Hermine. „Aber du hast dich nicht rechtzeitig umgedreht. Er fühlt sich wirklich sehr, sehr schuldig, Harry. Gestern Abend hab ich mit ihm die Korridore kontrolliert und er hat mir davon erzählt. Ron und Draco sind beide wütend auf Fabiola, sie sagen, sie hätte dich abgelenkt. Offenbar hat sich Ginny gestern mit ihr im Zauberkunst Korridor gestritten, und irgend ein Fluch ging daneben. Alle im Umkreis von drei Korridoren wurden von Vogelscheiße getroffen. Wir wissen noch immer nicht, wie die beiden das geschafft haben." Sie schüttelte mit einem leichten Lächeln den Kopf. „Manchmal ist es leicht, die Zwillinge in Ginny zu sehen."

Snape betrat den Raum, in den Händen ein Tablett mit Essen und Harrys übliche Dosis von Trank für traumlosen Schlaf. „Miss Granger, es sind nur noch fünfzehn Minuten, bis die Türen verriegelt werden ... ich schlage vor, dass Sie zurück in den Schlafsaal gehen, außer Sie planen eine Nacht im Korridor zu verbringen."

Hermine nickte. „Ja, Sir. Wir sehen uns morgen, Harry. Ron soll mir alle Hausaufgaben geben, die du bekommst. Bis dann!" Sie eilte hinaus in den Korridor und schloss die Tür hinter sich.

Snape setzte sich neben Harrys Bett und gab ihm das Tablett. „Zuerst den Trank für traumlosen Schlaf, Potter", sagte er und schob Harry die Tasse hin. „Mit etwas Glück bist du am Montag wieder im Unterricht, wenn du dich am Wochenende gut ausruhst. Wenn du schon genug Kraft hast, erlaube ich vielleicht deinen Freunden, dich zu besuchen."

Harry nahm die kleine Tasse mit dem Trank für traumlosen Schlaf und nahm vorsichtig einen Schluck. Er hatte erst die Hälfte geleert, als jemand an die Tür klopft. Snape stand auf.

„Trink noch aus", sagte er. „Ich komme gleich wieder."

Harry lehnte sich gegen die Kissen, trank den Rest der Tasse, während Snape zur Tür ging. Harry lauschte ruhig. Er hörte Snapes Schritte auf dem steinernen Boden, hörte, wie sich die Tür öffnete, und dann leise Stimmen. Er erkannte den breiten, schottischen Akzent von Professor Chetry, aber Harry konnte sich überhaupt nicht vorstellen, warum Chetry Snape so spät am Abend noch besuchte. Harry verstand ein paar Worte und runzelte die Stirn.

„... Dumbledore wartet draußen auf'm Rasen ... wia müssn uns jetz' beeil'n, oda wia weadn nicht rechtzeitig onkommen ... is' wichtig ..."

„Der Junge ist krank. Man kann nicht von ihm erwarten, dass ..."

„... des müssn's Dumbledore sogn ... i bin nua g'schickt woadn, dass i di und ihn hol' ..."

„... einfach lächerlich. Ich werde sicher nicht ..."

„Was ist los?", rief Harry.

„Dumbledore wüll di seh'n, Harry", ertönte Professor Chetrys Stimme. „Is' wichtig. Ia müsst jetz' beide mit mia auf de Schlossgründ' kumma."

„Warum?", sagte Harry stirnrunzelnd.

„Wia weadn eich olles erklärn, wenn's draußen seidst", sagte Chetry.

Snape kam wieder zurück, rollte mit den Augen und murmelte leise vor sich hin. Er holte Harry aus dem Bett, während Chetry eintrat.

„Du solltest eam vielleicht a bissal mea onzieh'n", sagte Chetry lächelnd. „Wenn du ned wüllst, dass er si erkältet."

„Und wie lange soll er in der Kälte bleiben?", sagte Snape und hob eine Augenbraue, während er Harry seine Tasche gab.

Chetry zuckte mit den Schultern. „Lang g'nug. Dumbledore woatet schon draußn. Solltn eam ned z'long woatn lossn, wia müssn boid los."

Harry eilte ins Badezimmer und begann sich anzuziehen, während er dem Gespräch zwischen Snape und Chetry draußen lauschte. Snape versuchte, Chetry ein paar Informationen zu entlocken, doch der weigerte sich standhaft ihnen irgendetwas zu sagen, bis Harry und Snape zustimmten, nach draußen zu kommen. Harry zog sich fertig kann, glättete seine Klamotten und kam aus dem Badezimmer.

Chetry strahlte. „Großartig ... nu' gut, losst's uns noch drauß'n und zum groß'n Abenteuer geh'n, okay? Kommt's scho, bevor mia nu ausgsperrt weadn ..."

Snape sah noch immer ziemlich misstrauisch aus, während Chetry sie aus den Kerkern führte. Er hielt inne, um seine Zauberbanne zu schließen, dann machten sie sich auf den Weg in die Eingangshalle. Harry hatte wegen der ganzen Sache ein komisches Gefühl. Das Gefühl verstärkte sich nur, als Professor Chetry das Schlosstor öffnete und Harry blieb wie angewurzelt stehen und starrte die Steintreppe hinunter. Plötzlich bestand die große Möglichkeit, dass er schlief und das alles nur träumte. Denn vor ihm auf dem Rasen stand das seltsamste kleine Auto, dass Harry in seinem ganzen Leben gesehen hatte. Es war ein purpurner Mini, mit einem neongrünen Rennstreifen die Motorhaube entlang und eine großen Daisy aus Plastik oben auf dem Dach. Kein anderer als Mr. Weasley saß lächelnd und Harry zuwinkend auf dem Beifahrersitz und neben ihm war Albus Dumbledore, der etwas aß das aussah wie eine Tüte Gummibären.

„Ähm ...", Harry war nicht sicher, was er sagen sollte. „Was ist hier los?"

„Genau das, was ich mir auch gedacht habe", sagte Snape hinter Harry.

Dumbledore gluckste glücklich. „Ich werde alles gleich erklären, Severus. Hier, nimm dir einen Gummibären ... steigt alle ein! Wir müssen bald losfahren."

Harry setzte sich nervös auf die Rückbank des grellen Hippiautos neben Snape, der inzwischen den Kopf des Gummibären, den Dumbledore ihm gegeben hatte, mit einer Art sadistischen Vergnügens im Gesicht drehte. Professor Chetry setzte sich auf seine andere Seite und das Auto wackelte ein wenig, als er die Tür zuschlug.

„Nun denn", sagte Dumbledore fröhlich und drehte sich um, um Harry anzusehen. „Ich nehme an, dass du dich fragst, was hier vor sich geht, Harry."

„Er ist nicht der einzige", murmelte Snape und schnippte den Kopf des Bären in den Aschenbecher.

„Nun, Harry ...", sagte Dumbledore glücklich, „ich fürchte, dass wir eine dringende Warnung von einem unserer Spione in Lord Voldemorts Rängen erhalten haben. Voldemort ist noch ein wenig hinten, und leider denkt er, dass dein Blutschutz bei deinem Onkel und deiner Tante in Surrey liegt. Er plant, sie zu entführen, vielleicht schon sehr bald, und wir müssen sie retten und nach Hogwarts bringen. Doch wir können nicht zulassen, dass Voldemort von dem erfährt, was wir tun, oder uns sogar dabei erwischt, deshalb sind wir inkognito unterwegs. Wir denken schon lange, dass Voldemort einen Spion im Flohregulierungsamt hat, und wenn wir per Feuer reisen wissen wir nicht, was passieren könnte. Wir werden nach Surrey fahren, deine Tante und deinen Onkel abholen und sie nach Hogwarts bringen. Arthur ist hier als der Minister für Inter-Muggel Beziehungen, und Professor Chetry wird als Professor für Muggelkunde die Verhandlungen führen. Professor Snape ist hier, um dich zu beschützen."

„Bei allem Respekt, ich denke, dass ich mehr als nur Professor Snapes Schutz brauchen werde, wenn ich meinem Onkel sage, dass er nach Hogwarts muss", sagte Harry milde.

Dumbledore lächelte. „Ich bin sicher, dass Arthur und Professor Chetry helfen werden, Harry, du musst keine Angst haben. Wir haben eine lange Fahrt vor uns, also schlage ich vor, dass wir es uns bequem machen. Bevor wir fahren – muss noch mal jemand aufs Klo?"

„Wäre es nicht klüger gewesen, das zu fragen, bevor du uns aus dem Schloss schleppst?", sagte Snape und hob eine Augenbraue.

Dumbledore gab ihm einen weiteren Gummibären. „Nun, nun, Severus. Wir werden nun mindestens für ein paar Stunden beisammen sein, wir sollten keinen Streit beginnen. Ich kann euch nicht gleichzeitig verhexen und fahren. Sind alle Sicherheitsgurte angelegt? Dann fahren wir los." Er machte es sich auf dem Fahrersitz bequem und drehte den Schlüssel um. „Ah, ich erinnere mich noch gut daran ... die 1970er Jahre waren eine wunderbare Zeit ... ich fühle mich, als wäre ich wieder 150."

Er trat vorsichtig aufs Gaspedal und das kleine Auto fuhr nach vorne durch das Gras auf das von Ebern gesäumte Tor zu. Die großen gelben Plastikkugeln an der Antenne schwangen ruhig nach vor und zurück und als sie auf die Straße nach Hogsmeade kamen hatte sich Snape den Kopf schon zwei Mal an der Decke gestoßen. Einer der Sicherheitsdrachen beobachtete den Mini, während er die Schlossgründe verließ, und gähnte nur, streckte sich und hauchte einen Feuerstoß in die Nachtluft.

„Also, Harry ... wie läuft denn das Schuljahr bis jetzt?", fragte Mr Weasley, drehte sich auf seinem Platz um und lächelte Harry zu.

„Ziemlich gut", sagte Harry und lächelte ebenfalls. Er dachte nicht, dass es klug wäre zu sagen, „Nein, ein Vampir versucht, uns alle umzubringen, ich werde von einer meiner Professorinnen erpresst und erst letzte Woche hat mir ein Klatscher fast das Genick gebrochen."

„Geht es Ron und Ginny gut?", fragte Mr. Weasley.

„Ja, bei denen ist alles klar", sagte Harry. „Wir haben vor ein paar Tagen ein Quidditchspiel gewonnen. Und ich glaube, dass Ron ein O auf sein Projekt in Pflege magischer Geschöpfe bekommen hat."

„Hat er wirklich?", sagte Mr. Weasley stolz. „Ich muss es Molly erzählen, wenn ich wieder zu Hause bin. Sie wird sich freuen. Ich glaube, sie war enttäuscht, weil Fred und George eine UTZe bekommen haben, aber mit ihrem Shop geht es ihnen ziemlich gut."

„Warum schalten wir nicht ein wenig Musik ein?", sagte Dumbledore. „Arthur, sieh mal im Handschuhfach nach, dort müssten ein paar Kassetten sein ..."

Snape war plötzlich aus seinem Zustand von dumpfer Gereiztheit aufgewacht. „Albus", knurrte er. „Wenn du es wagst, etwas einzuschalten, das auf Geburtstagsfeiern von Muggelkinder beliebt ist, oder so etwas ähnliches, dann steige ich sofort aus diesem Auto aus."

Mr. Weasley fand eine Kassette, die in Ordnung aussah. „Da drauf sind keine Partylieder von Muggeln ... nun ja, es ist besser als nichts." Er schob sie in den Kassettenrecorder und das Auto wurde von den fröhlichen Tönen der Bay City Rollers erfüllt.

Chetry jubelte und begann, mit seinem breiten, schottischen Akzent mitzusingen, was sich eher wie jodeln anhörte. Snape stöhnte und vergrub das Gesicht in den Händen. „Sind wir schon da?", fragte er.


Es war eindeutig die seltsamste Autofahrt, die Harry je erlebt hatte. Es war eindeutig interessant, eingeklemmt zwischen einem jodelnden Professor Chetry und eine sehr mürrischen Snape zu sitzen und Mr Weasley dabei zu beobachten, wie er bei jeden Straßenschild aufgeregt wurde, an dem sie vorbeifuhren. Harry hatte eigentlich ziemlichen Spaß, als sie von der Straße abfuhren und an einer Raststation Halt machten. Snape sprang praktisch aus dem Auto und lief auf das Geschäft zu. Harry stieg ebenfalls aus, schloss die Tür und folgte ihm.

„Nie wieder die Bay City Rollers", zischte Snape, als Harry sich vor dem Regal mit den Zeitschriften zu ihm gesellte. „Wenn ich noch eine einzige Note der Bay City Rollers höre ..."

„Ihnen gefällt also die Muggelmusik nicht?", sagte Harry und versuchte, nicht zu grinsen.

„Nein, tut sie nicht", schnappte Snape. „Und das wird sie auch nie."

Mr. Weasley kam herüber und schloss sich ihnen an. Er warf einen Blick über ihre Schultern. „Was ist das? Zeitschriften? Ah, ja ... oh! Oh, was ist das?" Er streckte die Hand aus und nahm eine Zeitschrift. Darin ging es um Computer und Elektronik. Mr. Weasleys Augen schienen sich mit Tränen der Freude zu füllen. „Seht mal, sie ist über Muggelmaschinen!"

„Schhh", sagte Harry und warf dem Teenager an der Kasse einen Blick zu. Er beobachtete sie.

„Das muss ich mir kaufen", sagte Mr. Weasley schnell und durchsuchte seine Taschen nach Kleingeld, als würde das Magazin in Flammen aufgeben und für immer verloren sein, wenn er es nicht sofort kaufte. „Oh nein ... ich hasse es, mit Muggelgeld zu zahlen, dieses komplizierte System ..."

Harry überprüfte den Preis auf dem Magazin und half Mr. Weasley dabei, den genauen Betrag Geld zu finden. Mr. Weasley verschwand in Richtung der Kasse, sein wertvolles Magazin umklammernd. Der Teenager hinter der Kasse sah sie nun schon sehr misstrauisch an, und es wurde noch schlimmer als Dumbledore in seinem langen purpurnen Umhang und mit den langen Bart den Laden betrat. Als er unter dem Deckenventilator stehen blieb trennte dieser die Spitze seines Hutes ab, aber er schien es nicht zu merken.

„Nun denn", sagte er und lächelte alle an. „Imbisse, denke ich. Ich hab noch nichts zu Abend gegessen. Sehen wir mal ... ich hatte vor einigen Jahren einmal einen gemischten Salat in einer dieser Raststätten, der ziemlich gut war. Wo werden die aufbewahrt?"

„Im Kühlregal", sagte Harry und deutete hin.

Nun kam Professor Chetry in den kleinen Laden. Inzwischen sah der Muggel an der Kasse eher verängstigt aus. Chetrys wilde Mähne in allen Regenbogenfarben, der lange Schal mit Schottenmuster und das T-Shirt, auf dem stand „ I LUV MUGGLES" waren ein wenig gewagt.

Mr. Weasley bemerkte die erschrockene Miene des Mannes und lächelte freundlich. „Ah, wir sind auf dem Weg zu einer Kostümparty und habe nur angehalten, um ein paar Imbisse zu besorgen."

Der Teenager nahm ihm die Entschuldigung offenbar nicht ab, besonders weil Dumbledore nun die Werbeslogans auf den Getränkedosen laut vorlas und dabei glücklich gluckste, und Chetry durchsuchte das CD Regal nach etwas von „diesen BeeGee Typen". Der junge Mann sagte nichts, sondern gab Mr. Weasley einfach das Wechselgeld und warf ihm einen immer noch verängstigten Blick zu.

„Was ist das?", sagte Dumbledore und hob eine Schachtel vom Regal mit den Reisespielen.

Harry spähte über seine Schulter. „Oh, das ist Schiffe Versenken für unterwegs. Ich glaube nicht, dass es davon eine magische Version gibt. Man muss Koordinaten wählen und versuchen zu erraten, wo die Schiffe des Gegners sind."

„Ah, das hört sich faszinierend an", sagte Dumbledore, zufrieden lächelnd. Er drehte die Schachtel um und besah sich die Bilder darauf. „Wie interessant", meinte er. „Manchmal wird Koboldstein doch etwas mühsam ... man kann immerhin nicht unendlich oft mit stinkender Flüssigkeit bespritzt werden bevor der Spaß daran aufhört."

Inzwischen stand Snape schon an der Tür mit seinen Besorgungen in einer Tasche. Harry ging hinüber und gesellte sich zu ihn. „Es ist irgendwie wie ... Kinder in einem Spielzeugladen, nicht wahr?", sagte Harry und beobachtete, wie Mr. Weasley, Chetry und Dumbledore die Schachtel von Schiffe Versenken bewunderten.

Snape hob eine Augenbraue. „Ich selbst hätte es nicht besser ausdrücken können."

„Wie weit sind wir noch von Little Whinging entfernt?", fragte Harry.

„Ein paar lange, schreckliche Stunden", sagte Snape. Er warf Harry einen Blick zu. „Wenn Dumbledore noch mehr Musik spielt, will ich, dass du mir die Handgelenke aufschlitzt, Potter."

„In Ordnung", sagte Harry. „Wenn Sie es auch tun."

„Einverstanden."

„Woher wissen Sie so viel über die Muggel?", fragte Harry und warf Snape einen neugierigen Blick zu.

Dieser zuckte die Schultern. „Ich hatte viel Kontakt mit ihnen. Ich habe einige Monate lang in einer heruntergekommenen kleinen Wohnung in London gewohnt, während ich für den Dunklen Lord gearbeitet habe ... es ist wirklich ein Wunder, dass ich noch bei Verstand bin."

„Ich möchte eines Tages wirklich Ihre Lebensgeschichte hören", sagte Harry. „Und ich meine alles. Nicht einfach nur ein paar kleine Ausschnitte."

„Vielleicht eines Tages", sagte Snape. „Natürlich nur, wenn ich diese Autofahrt und die Rückfahrt überlebe. Ah ja, dein Onkel dachte, ich wäre ein Dementor, als ich letztes Jahr sein Haus besucht habe, nicht wahr? Liegt nicht ein wundervoller Tag vor mir?"


Es war gut, dass noch nicht viele Autos unterwegs waren, überlegte Harry, währen das Auto gefährlich zur rechten Seite driftete und dann quietschend über die drei Spuren der Autobahn raste. Die Sonne blinzelte gerade über den Horizont und tauchte alles in ein sanftes, goldenes Licht, doch die friedliche Atmosphäre wurde von dem kleinen, purpurnen Auto unterbrochen, das sich seinen gewundenen Weg über die Straße bahnte.

Die Bremsen gaben wir ein protestierendes Quietschen von sich, während der Mini wieder eine Kurve schlug und dabei fast in die Leitplanken krachte.

„Direktor!", sagte Snape laut. „Ich will Ihren Spaß nicht unterbrechen, aber vielleicht wäre es klug, nicht gleichzeitig Schiffe versenken zu spielen und das Auto zu lenken!"

„Unsinn, Severus!", sagte Dumbledore fröhlich, während das Auto wieder zur anderen Seite der vierspurigen Autobahn quietschte. „Oh nein, Arthur, du hast schon wieder eins erwischt!"

„Ich denke, dass gegen so was ein Gesetz gibt", sagte Harry besorgt.

Und natürlich erblickten sie nur zwei Minuten später ein Blinklicht, das von hinten auf sie zukam. Snape stöhnte. Harry lehnte sich nach vor und tippte Dumbledore auf die Schulter. „Sie müssen anhalten, Professor!"

„Warum? Ich gewinne doch gerade, Harry, ich kann jetzt nicht aufgeben."

„Nein, es ist die Polizei. We've got to pull over."

It's a jumper, actually, but I'm glad that you like it. My auntie Dotty gave me it when I was about six, but a few engorgement charms did a world of good."

Hinter ihnen ertönte ein Knarren und einer der Polizisten sprach durch ein Megaphon. „Fahren Sie an die Straßenseite und halten Sie den Wagen an! Das ist die Polizei! Halten Sie den Wagen an!"

Dumbledore spielte noch einen letzten Zug bei Schiffe versenken, fuhr dann an den Straßenrand und trat auf die Bremse. Das Polizeiauto blieb hinter ihnen stehen. Harry erinnerte sich daran, wie sie Onkel Vernon einmal beim Schnellfahren erwischt hatten, und er hatte sie angebellt, sie sollten leise sein und ihn reden lassen. Mr. Weasley tat jetzt etwas ähnliches.

„Ah, ja, das ist schon mal passiert", sagte er. „Bleibt alle hier, ich werde mich darum kümmern." Er stieg aus dem Auto und winkte den Polizisten zu, die auf ihn zukamen. Harry war nicht überrascht, einen Alkoholtest in den Händen eines Polizisten zu sehen.

Mr. Weasley traf sie und schien ihnen etwas sehr kompliziertes zu erklären, wobei er viel mit den Händen deutete. Die Polizisten glaubten ihm nicht. Mr. Weasley sah etwas verängstigt aus, als sie ihm den Alkoholtest hinhielten, und erlaubte ihnen nervös, seinen Atem zu testen.

„Se weadn uns doch ned ins Askaban von de Muggle schicka, oda?", sagte Chetry besorgt.

„Es ist mit Askaban nicht zu vergleichen", sagte Snape kühl.

„Wann waren Sie im Gefängnis?", sagte Harry und starrte ihn an.

„Am Wochenende nach dem Schulabschluss", sagte Snape. Er lächelte ein wenig. „Das war es aber wert."

Die Polizisten überprüften Mr. Weasleys Testergebnis und schienen total verblüfft, weil er in der Tat nüchtern war. Mr. Weasley lächelte noch immer. Die Polizisten schüttelten die Köpfe und einer von ihnen holte Handschellen aus der Tasche, die er um Mr. Weasleys Handgelenke legte, der andere ging auf das Auto zu. Er öffnete die Tür und steckte den Kopf hinein.

„Könnten Sie bitte all den Wagen verlassen?", fragte er.

Dumbledore, Chetry, Harry und Snape stiegen leise aus. Die Polizisten starrten sie mit großen Augen an. „Sind wir auf dem Rückweg zum Zirkus?", sagte einer der beiden trocken, wobei er sich an Harry richtete, der offenbar am normalsten aussah.

„Es ist eine Kostümparty", sagte Harry schwach.

„Komische Art von Kostümparty", sagte der Polizist. Seine Augen wanderten zu Snape und er runzelte die Stirn. „Hey, haben wir uns nicht schon mal getroffen?"

Snape funkelte ihn an. „Ich denke nicht. Es ist seltsam. Ich vergesse normal nie ein Gesicht, aber bei Ihnen scheine ich eine Ausnahme gemacht zu haben."

Das Lächeln des Polizisten verblasste. Er ging nach vor, wobei er wieder Handschellen hervor zog, aber Snape war viel schneller. Sein Zauberstab erschien binnen einer halben Sekunde und er schnarrte: „Obliviate!"

Die Augen des Polizisten rollten zurück in seinen Kopf und er blieb wie versteinert stehen, wobei sein Gesicht einen träumerischen Ausdruck annahm. Er ließ die Zunge aus dem Mund hängen.

„Hey!", rief der andere Polizist. „Hey, was machen Sie da?"

„Obliviate", schnarrte Snape wieder. Der Polizist fiel mit blanker Miene zu Boden und starrte den Himmel leer an. Snape ging zu ihm hinüber. „Ihr habt uns angehalten, weil ihr uns zu unserer Plastik-Daiy gratulieren wolltet."

Der Polizist stand langsam auf und lächelte freundlich. „Ich liebe Ihr Plastik-Daisy ...", sagte er dumpf.

„Gut", sagte Snape. Er warf Arthur einen Blick zu. „Alohomora." Die Handschellen fielen zu Boden. Snape wandte seine dunklen Augen wieder dem Polizisten zu. „Auf Wiedersehen, Gentlemen."

Sie stiegen wieder ins Auto und fuhren ohne ein weiteres Wort davon. Snape steckte den Zauberstab wieder ein. Mr. Weasley kam mit wütender Miene herüber.

„Wie soll ich das nur erklären, Severus?", sagte er. „Als Minister für Muggelbeziehungen sollte ich mit der Polizei zusammenarbeiten und mit ihr kommunizieren; meine Kollegen sollten sich sie verhexen, nur damit wir unseren Willen durchsetzen. Ich habe einen Ruf, den ich – "

Die Gruppe stieg wieder in Auto. Mr. Weasley redete noch immer mit Snape, der jedoch keines seiner Worte zu hören schien.

„Es ist, als müsste man wieder mit Mad-Eye Moody zusammenarbeiten", sagte er. „Man kann doch nicht einfach Muggel verhexen und sie zwingen, das zu tun, was man will. Sie sind genauso wie wir Menschen und müssen respektiert werden."

„Nächstes Mal lasse ich zu, dass sie dich verhaften", sagte Snape ruhig.

Mr. Weasley murmelte etwas, wurde ein wenig rot um die Ohren, lehnte sich dann zurück und legte seinen Sicherheitsgurt an. Dumbledore startete den Motor und dann fuhren sie davon.


Es war schon ziemlich hell, als das kleine Auto fast müde am Ende des Ligusterwegs ankam. Ein Mann, der in seinem Garten die Blumen goss, sah sich verwundert um und merkte gar nicht, dass er eigentlich seinen Briefkasten goss. Harry grinste. Plötzlich kam ihm der Ligusterweg sehr amüsant vor. Er besah sich die Vorgärten, in denen jeder Rasen genauso aussah wie der vom Nachbarn, alle Häuser sahen gleich aus, alle teuren Autos standen in den Auffahrten, wo man sie nicht übersehen konnte. Und hier war Harry, in einem knalligen Mini mit Kugeln an der Antenne, mit den vier ungewöhnlichsten Menschen, die der Ligusterweg je gesehen hatte.

„Da ist es", sagte Harry und deutete zum Ende der Straße. „Nummer vier. Sieht so aus, als hätte Onkel Vernon ein neues Auto."

Dumbledore blieb direkt hinter dem neuen schwarzen Auto in der Auffahrt stehen. Eine kleine grüne Wolke kam aus dem Auspuff, als wollte der Mini den glänzenden BMW veralbern. Harry öffnete die Autotür und stieg grinsend aus. Er konnte es nicht erwarten, die Gesichter der Dursleys zu sehen. Dumbledore, Chetry, Mr. Weasley und Snape stiegen ebenfalls aus und schlossen die Autotüren.

„Harry, ich denke, du solltest zuerst gehen", sagte Mr. Weasley. „Ich bleibe bei dir, nur für den Fall ... alle anderen warten hier. Wir werden versuchen, uns zu beeilen."

Harry ging, noch immer grinsend, den Weg entlang. Er erinnerte sich daran, wie er diesen Weg von seiner alten Grundschule nach Haus gegangen war, Dudley, der ihn immer trat, hinter ihm. Er blieb an der Schwelle stehen, hob die Hand und klopfte drei mal. Nach einem Moment Stille öffnete sich die Tür.

Onkel Vernon hatte sich überhaupt nicht verändert. Er hatte noch immer die Figur eines Walrosses, mit einem passenden Schnauzer, und er trug einen seiner Anzüge fürs Büro. In einer Hand hielt er eine Milchflasche, aber als sich die Tür öffnete und er sah, wer draußen stand, glitt sie ihm auf der Hand und zerbrach auf seinen perfekt geputzten Schuhen.

„Hallöchen", sagte Harry grinsend. „Wir waren in der Nähe und dachten, wir könnten vorbei schauen."

Onkel Vernon starrte ihn nur erschrocken an. Sein Gesicht wurde schnell rot, dann weiß und schließlich wieder rot. „Du!"

„Ich", sagte Harry. Er strahlte Onkel Vernon an. „Wie geht's? Hey, hast du Gewicht verloren? Du siehst so viel dünner aus."

„Was machst du hier?", zischte Onkel Vernon. „Wir sind dich letztes Jahr ein für alle mal losgeworden, und wir nehmen dich auf keinen Fall wieder auf! Es wäre uns auch egal, wenn du rausgeworfen wärst. Verlass unsere Straße!"

„Vernon? Wer ist es?", ertönte Tante Petunias Stimme. Sie trat in den Flug, während sie eine Bratpfanne mit einem Geschirrtuch auswischte. „Es ist doch nicht – " Sie sah Harry. Und schrie. Die Bratpfanne fiel mit einem dumpfen Klonk zu Boden.

„Ich entschuldige mich für unser überraschendes Erscheinen", sagte Mr. Weasley. „Aber Sie sind in großer Gefahr, und Sie müssen mit uns kommen. Wir haben erfahren, dass die Todesser Ihr Haus angreifen wollen, sogar sehr bald, und wenn wir nicht sofort aufbrechen, dann könnten sie kommen und uns alle in Gefangenschaft nehmen."

Onkel Vernon bedachte Mr. Weasley mit einem höchst misstrauischen Blick. „Warum soll ich das glauben? Könnte einen Ihrer Tricks sein. Ich weiß, wie Ihre Sippe ist, und tun Sie nicht so, als wären Sie anders. Ich habe genug davon. Wir sind den Jungen losgeworden, damit Sie uns in Ruhe lassen, nicht, damit Sie jedes Jahr wieder kommen!"

„Bitte", sagte Mr. Weasley verzweifelt. „Riskieren Sie nicht Ihr Leben wegen einem dummen Vorurteil. Wenn Sie mit uns kommen kann ich Ihnen versprechen, dass Sie zurückkehren können, sobald die Gefahr vorbei ist."

„Und wie bald wird das sein?", knurrte Onkel Vernon.

„So bald wie möglich", sagte Mr. Weasley. Er legte die Hände zusammen. „Wir versichern Ihnen, dass dies eine höchst ernste Angelegenheit ist."

„Nun gut", grunzte Onkel Vernon. „Aber nicht für lange Zeit! Dudley und ich müssen bald zur Arbeit, und ich lasse ihn auf keinen Fall alleine hier zurück."

„Dudley wird auch mitkommen müssen", sagte Harry. „Außer du willst, dass er ermordet wird."

Onkel Vernon starrte Harry mit seinen kleinen Augen an und rief dann nach oben: „Dudders! Komm nach unten!"

„Was ist los?", kam die laute Antwort mit einer Stimme, die Harry fast nicht wieder erkannte. „Ich versuche hier, mich zu rasieren!"

„Du kannst es später machen! Komm jetzt runter!", rief Onkel Vernon. Laute, schwere Schritte ertönten und Dudley kam die Treppe herunter.

Harry musste ihn einfach anstarren. Er konnte fast nicht glauben, dass der Junge vor ihm sein Cousin war, mit dem er aufgewachsen war. Dudley war viel größer geworden, und auch dicker. An den Seiten und am Hinterkopf war sein Haar sehr kurz, mit einer Art komischen Flaum oben drauf, und er war praktisch mit Akne bedeckt. Er trug ein T-Shirt, auf dem ein unhöflicher Slogan stand, der sich über seinen Bauch streckte, und Rasierschaum tropfte auf den alten Teppich, während er näher kam.

„Was macht ER denn hier?", quakte Dudley, als er Harry sah.

„Es ist auch nett, dich zu sehen", sagte Harry kalt.

„Zieh deinen Mantel an", sagte Onkel Vernon unwirsch. „Wir gehen eine Weile aus. Irgendwelche Deaf Heaters oder so wollen das Haus angreifen. Petunia, komm schon!"

Die drei Dursleys verließen das Haus, wobei sie ihre Mäntel anzogen. Dudley hinterließ noch immer Tropfen von Rasierschaum auf dem Weg, und er starrte Harry halb wütend, halb verblüfft an. „Was ist mit dir passiert?", sagte er.

„Wahrscheinlich das Gegenteil von dem, was dir passiert ist", sagte Harry dumpf.

Onkel Vernon folgte gerade Mr. Weasley den Weg entlang, als der den purpurnen Mini erblickte, der in der Nähe stand. Er blieb abrupt stehen und starrte ihn angeekelt an. „Was ist dieses schreckliche kleine Ding? Ich hoffe, Sie erwarten nicht, dass wir alle da hinein passen. Dudleys ist immerhin ein großer Junge."

„Spezielles Zauberer-Auto", sagte Mr. Weasley vage. „Vollgepackt mit Vergrößerungszaubern. Wir werden hinein passen, keine Sorge. Und nun kommen Sie, schnell ... die Todesser könnten jeden Moment hier auftauchen ..."

Chetry, Snape und Dumbledore kamen alle aus dem Auto heraus, um die Dursleys zu begrüßen. Chetry grinste, als sie näher kamen. Snapes Miene war genau das Gegenteil. Dumbledore lächelte und schüttelte höflich ihre Hände.

„Nett, Sie zu sehen", sagte er freundlich. Die Dursleys sagten nichts. Dudley ließ einen großen Tropfen Rasierschaum auf einen Gartenzwerg fallen, aber das war auch schon alles. „Nun denn", sagte Dumbledore. „Hinein mit allen, und dann können wir gleich losfahren."

„Hinein mit allen", stellte sich als nicht einfach heraus. Onkel Vernon musste auf den Beifahrersitz, mit Tante Petunia auf seinem Schoß. Auf der Rückbank fanden Snape, Harry, Professor Chetry und Mr. Weasley knapp Platz. Dumbledore war der einzige, der genug Platz hatte. Alle anderen waren ziemlich eingequetscht, trotz aller Vergrößerungszauber auf dem Auto, aber als sie aufblickten merkten sie, dass Dudley noch vor dem Auto stand, und da erkannten sie, dass sie ein großes Problem hatten.

„Ihr müsst alle die Bäuche einziehen", sagte Dumbledore. „Kommt schon, so ist es gut ... rutsch ein wenig zur Seite, Severus, da ist noch ein wenig Platz ..."

Alle stöhnten und ihre Rippen knackten, als Dudley sich in das Auto zwängte. Nachdem sie vier Mal vergeblich versuchten, die Autotür zu schließen, waren alle endlich drinnen. Harry konnte kaum atmen, eingeklemmt zwischen Snape und Mr. Weasley.

„Nun gut", sagte Dumbledore zufrieden. „Haben es alle bequem?"

Niemand antwortete, denn keiner konnte sicher sein, dass etwas aus ihren Mündern kam, das man zu einem Zauberer wie Albus Dumbledore sagen konnte.

Dumbledore trat mit dem Fuß aufs Gas und das kleine Auto mühte sich zitternd, vom Weg auf die Straße zu kommen. Harry fühlte, wie die Spannung auf dem Rücksitz sich befreien wollte, und tatsächlich waren sie erst ein paar Meter weit gekommen, als sich die Türen öffneten. Snape und Dudley fielen zur Seite und landeten auf der Straße. Mr. Weasley, Professor Chetry und Harry seufzten erleichtert. Dumbledore drehte sich um und gluckste leise. „Oh jeh", sagte er. „Vielleicht hat Magie doch ihre Grenzen ... nun, so wird es nicht funktionieren." Er hielt den Wagen an und alle stiegen aus. „Ich denke, wir müssen ein wenig umordnen ... der Kofferraum ist groß genug für einen, da bin ich sicher, aber ansonsten weiß ich nicht, was wir tun können."

„Ich werde nicht im Kofferraum sitzen", sagte Snape streng, weil er offenbar fühlte, was kommen würde. „Im Lauf der Jahre habe ich vieles für dich gemacht, Albus, du hast mich viele, viele Male zum Narren gemacht, aber bei Merlin, ich werde mich nicht in diesen Kofferraum setzen."

Ein paar Minuten später lag Snape gemeinsam mit einem sehr zögerlichen Mr. Weasley im Kofferraum. Dudley saß auf dem Beifahrersitz und auf der Rückbank war Tante Petunia auf Onkel Vernons Schoß eingeklemmt, und Harry saß seltsam verdreht halb auf Professor Chetry. Sein Kopf war unsanft gegen die Decke gepresst, aber immerhin konnte er atmen. Der Rücksitz sah aus wie eine Zusammenkunft von Yoga Künstlern.

Dumbledore war wieder der einzige, der für seine Beine genügend Platz hatte. „Nun ... haben es alle bequem? Ist dort hinten alles in Ordnung, Severus?"

Viel düsteres Gemurmel ertönte aus dem Kofferraum. Alle versuchten, nicht zu sehr zu lächeln.

„Nun, dann fahren wir los", sagte Dumbledore zufrieden, schob eine Kassette in den Radio und trat wieder aufs Gas. Aber zum Unglück für alle im Auto war während den Platzänderungen der dritte Gang eingelegt worden. Alle wurden mit einheitlichem Stöhnen nach vorne geworfen als das Auto den Ligusterweg wie ein Känguru entlang hoppelte und Dumbledore gluckste wieder. „Oh je", rief er über den Song „Agadoo", der auf dem Radio dröhnte. „Offenbar gibt es ein Problem mit dem Auto!"

Harry traf Dudley mit seiner Nase fast am Rücken, konnte sich aber gerade noch an Dumbledores Kopfstütze festhalten. Dudley starrte Dumbledore an, als ob dieser komplett verrückt wäre.

„Vielleicht sollten Sie den Gang wechseln", sagte er, als die Windschutzscheibe bei einem weiteren Sprung mit Rasierschaum beklekst wurde.

„Oh, natürlich!", sagte Dumbledore. „Danke, junger Mann." Er streckte den Arm aus und schaltete in den zweiten Gang.

Alle schrien, als das kleine Auto wie eine Kanonenkugel nach vorn schoss und mit unglaublicher Geschwindigkeit die Straße entlang raste. Dumbledores Hände flogen vom Lenkrad und es begann, sich zu drehen, wodurch das Auto außer Kontrolle geriet und schleuderte. Ein weiterer Schrei ertönte, als sie direkt durch einen Zaun am Ende des Ligusterwegs krachten und auf einen großen Spielplatz gelangten, wo Kinder kreischend Deckung suchten, als der Mini über den Rasen schoss, wobei er Dreck in alle Richtungen spritzen ließ.

„STEIGEN SIE AUF DIE BREMSE!", bellte Onkel Vernon, aber Dumbledore hatte noch immer Problem mit der Lenkung und versuchte, das Auto wieder unter Kontrolle zu bringen, während sie wie wild den Hügel hinter rasten. Harry konnte sehen, wie sein Leben an seinen Augen vorbei zog – was noch schlimmer wurde, als er nach vorne sah und einen riesigen See erblickte, der unerbittlich immer näher und näher kam.

„PASSEN SIE AUF DEN SEE AUF!", rief er, aber es war zu spät.

Das Auto traf den Rand des Sees mit etwa vierzig Meilen pro Stunde, wobei der Motor genauso laut aufheulte wie die Passagiere. Jeder Muggel, der vielleicht zufällig aus dem Fenster sah, wäre überrascht gewesen, einen kleinen, purpurnen Mini (komplett mit Hippieblume aus Plastik auf dem Dach und „Agadoo", das aus dem Radio dröhnte) in die Luft zu heben und graziös auf den See zufliegen zu sehen. Alle schrien, knallten gegen die Fenster, die Musik von Black Lace in ihren Ohren dröhnend, bis Dumbledore das Lenkrad scharf herum riss und das Auto gerade noch im richtigen Moment einen Kurve machte und somit das dunkle Wasser um Zentimeter verfehlte und elegant wie eine große purpurne Eule in den Himmel segelte.

Dumbledore gluckste mit glänzenden Augen. „Es sieht aus, als könnte das noch ein ziemliches Abenteuer werden", sagte er erfreut.

Alle saßen in Stille da, alle blass, alle mit identischen Blicken voller Horror auf den Gesichtern. Aus dem Kofferraum drang das Geräusch von Snape, der sein letztes Essen los wurde, gefolgt von Mr. Weasleys klagendem Stöhnen.


Weil sie über den Wolken flogen dauerte die Rückreise viel kürzer als die Hinfahrt auf der Straße, doch auch sie war nicht ohne Probleme. Als die Dursleys verstanden, dass man sie nach Hogwarts brachte, versuchten sie, das Auto zu verlassen, und es waren einige Schockzauber nötigt, um sie auf ihren Plätzen zu halten. Snape beschwerte sich lautstark die ganze Zeit, und versprach Flüche und Zauber, sobald er das Auto verlassen konnte, aber Mr. Weasley beruhigte ihn schließlich mit einer Partie Schiffe Versenken für unterwegs. Endlich, nach einigen langen und sehr anstrengenden Stunden, ließ sich Dumbledores Mini auf den Rasen vor Hogwarts nieder und landete mit einem leichten Stottern. Eine Gruppe Schüler am See wich zurück und alle starrten, als die Passagiere den Wagen verließen. Harry fiel aufs Gras und rollte auf die andere Seite, bedeckte das Gesicht mit den Händen und beschloss, dass er jeden in der Nähe verhexen würde, wenn er noch einmal einen Partysong der Muggel hören musste. Er hörte, wie die anderen Autotüren geöffnet wurden, und schließlich flog der Deckel des Kofferraums auf und Snape sprang heraus. Er zischte und zitterte und stampfte mit den Füßen auf den Boden, als hätte er die letzten Stunden in einem Fass voller Maden verbracht. Mr. Weasley kletterte benommen heraus.

„Dad?", rief eine Stimme. „Harry?" Harry schaffte es, die Augen zu öffnen und sah Ron, der, gefolgt von Hermine und Ginny, über den Rasen zu ihnen herüber hastete. „Was zum Teufel ist hier los?", sagte Ron und starrte das Auto an.

Aber alle Aufmerksamkeit wurde davon abgelenkt als die Dursleys aus dem Auto kamen. Sie sahen alle ziemlich mitgenommen und verwirrt aus, dank der vielen Schockzauber, und als sie sich umsahen, bemerkte Harry, wie sich Schock auf ihren Gesichtern breit machte.

„Das ist es?", sagte Onkel Vernon ziemlich groggy. „Du gehst in einem alten verfallenen Schloss zur Schule?"

Dumbledore lächelte. „Ah, natürlich ... das sind die Muggelabwehrzauber. Lasst uns mal sehen ..." Er zog den Zauberstab heraus und richtete ihn auf die Dursleys. Ein weißer Lichtstrahl schoss daraus hervor und die drei Muggel zuckten zusammen und starrten Hogwarts an.

„Was ist passiert?", quakte Dudley. „Es ist plötzlich ... gewachsen!"

„Es ist immer da gewesen", sagte Harry grinsend. „Wir verzaubern es nur so, dass ihr es nicht sehen könnt."

Dudley starrte ihn an, als ob Harry kompletten Unsinn reden würde. „Halt den Mund", schnarrte er schließlich. Ron, Hermine und Ginny beobachteten Dudley neugierig. Er warf ihnen einen Blick zu und runzelte die Stirn. „Was starrt ihr so an?", knurrte er.

„Ich weiß es nicht wirklich", sagte Ron ruhig. „Ich denke, es ist ein Schwein, aber Schweine bekommen keine Akne."

„Bringen wir sie ins Schloss", sagte Mr. Weasley. „Ähm, Brian, hast du ihr neues Zuhause vorbereitet?"

„Neues Zuhause?", schnarrte Onkel Vernon. „Also, warten Sie mal – "

„Stupor!", sagte Mr. Weasley mit schnellerer Reaktion, als Harry je bei ihm gesehen hatte. Onkel Vernons Augen rollten nach hinten und er fiel zu Boden. Zwei Zauber später waren Tante Petunia und Dudley bei ihm.

Harry lächelte ein wenig. „Gutes Ziel."

Mr. Weasley rieb sich die Stirn. „Ja, ich fürchte, das war es ... ich hoffe, dass meine Vorgesetzten nicht herausfinden, dass ich Muggel verhexe, sonst gibt es nämlich Ärger."

Professor Chetry und Mr. Weasley ließen die drei Dursleys schweben und verschwanden mit ihnen im Schloss. Ron sah noch immer ziemlich geschockt aus. Er sah Harry an, der noch immer am Boden war.

„Ähm ... was ist hier eigentlich los?", fragte er.

Harry lächelte wieder. „Es ist eine lange Geschichte."