HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

Kapitel 30 – Konfrontation mit dem Schicksal

Snape schloss die Tür hinter ihnen. „Nun. Wir brauchen einen guten Ort, um uns zu verstecken. Dieser Korridor ist zu schmal; hier haben wir keinen schnellen Fluchtweg. Wenn ich mich recht erinnere, sind wir bei einer Tür mit der Aufschrift Geheimnisse vorbeigekommen. Ich schlage diesen Raum vor."

Harry nickte. Er blickte den Korridor entlang. „Welche Tür ist es?"

Ein kleines Feuer erschien vor einer Tür in ihrer Nähe, als würde sie seine Frage beantworten. Harry lief zu der Tür und öffnete sie. Alle drei beeilten sich, hinein zu laufen. Die Tür schloss sich mit einem kleinen Klicken.

Harry blickte eine lange Treppe entlang hinunter in ein Labyrinth. Sie Wände schienen endlos hoch zu sein, und hunderte Wege verliefen in alle Richtungen. Alles war dunkel. Das Labyrinth war so groß, und erstreckte sich so weit, dass es einfach in der Dunkelheit verschwand. Harry biss sich auf die Lippe. „Wir können uns hier einfach verlaufen."

Snape schüttelte den Kopf. „Black und ich haben verstärktes Riechvermögen. Wir werden dich einfach finden können. Wenn du dich verirrst, ruf mich einfach telepathisch und ich werde, so schnell ich kann, zu dir kommen."

Sirius sprang die Treppe hinunter, fünf Stufen auf einmal nehmend, auf das Labyrinth zu. Er sah aus, als könne er es nicht erwarten, dass sie endlich begannen. Harry musste zugeben, dass er Sirius' Enthusiasmus und Mut beruhigend fand. Snape stieß Harry an, damit er die Treppe hinunterging, und folgte ihm dann. Sie gingen tiefer und tiefer und näherten sich dem Irrgarten. Als Harry nach oben sah, konnte er das obere Ende der Wände fast nicht sehen. Sirius wartete schwanzwedelnd auf sie.

„Kommt. Wir müssen so weit weg vom Eingang wie möglich", sagte Snape. „Wir haben nicht viel Zeit, bevor der D- … bevor Voldemort herausfindet, wo wir sind. Black? Sorg dafür, dass wir uns verirren."

Sirius sprang auf, bellte laut, wandte sich um und lief einen der Wege entlang. Snape und Harry liefen ihm nach. Sie liefen lange, es fühlte sich an wie eine halbe Stunde, bis Snape endlich stehenblieb.

„Black!", rief er. „Komm zurück …"

Sirius trottete zu ihnen und setzte sich, während ihm hechelnd die Zunge aus dem Mund hing. Harry setzte sich auf den Boden. Er fühlte sich erschöpft. Snape streckte die Hand aus und rieb ihm über die Narbe, während Sirius gerade in die andere Richtung sah. Harry gab ein dankbares Geräusch von sich.

„Sollten wir uns trennen?", sagte er laut atmend.

Snape schüttelte den Kopf. „Nein. Du bist hier das Ziel. Wenn du tot bist, ist das Spiel vorbei. Das gleiche gilt für Voldemort. Wir können nichts erreichen, wenn wir uns trennen … außer … einer von uns muss bei dir bleiben, der andere könnte als Ablenkung dienen."

Harry fühlte einen Stich. Er wollte keinen seiner Kämpfer verlieren, und er konnte den Gedanken nicht ertragen, dass sie getötet wurden, auch wenn es nur für die Dauer des Kampfes war. Er wusste aber, dass es am besten war. Er nickte still.

Snape schien zu wissen, was Harry dachte. Er kniete sich neben Harry auf den Boden. „Ich werde gehen. Black wird sich um dich kümmern. Bleib hier, und beweg dich nicht, solange es nicht nötig ist. Ihr solltet tief genug ihm Labyrinth sein, um in Sicherheit zu sein, zumindest für eine Weile. Halte deinen Geist offen für mich."

Harry nickte. Snape stand wieder auf und plötzlich veränderte er sich. Seine Haare wurden länger, sie wurden zu einer langen, dunklen Mähne, die seine Schultern umspielte, und seine Augen leuchteten rot. Fangzähne wuchsen über seine Unterlippe, und Klauen sprossen aus seinen Fingerspitzen. Snape, der Vampir, erschien vor ihnen. Er wandte seinen Blick Harry zu, und wandte sich dann um. Er ging ohne ein weiteres Wort davon in die Dunkelheit. Nach einer Weile konnten sie seine Schritte nicht mehr hören.

Sirius kam zu ihm herüber und legte seinen Kopf mit einem kleinen Winseln auf Harrys Schoß. Harry kraulte ihn hinter den Ohren. „Ich werde alles später erklären. Das versprech ich." Er sah seinen Paten einen Moment lang still an, und dann murmelte er: „Ich hab dich vermisst, Sirius."

Sirius stieß Harrys Hand an und leckte sie zärtlich. Harry lächelte und kitzelte ihn unterm Kinn.

Die Zeit verging. Harry merkte, dass er nicht mehr zwischen einer Stunde und einer Minute unterscheiden konnte, denn alles verschmolz zu einem Strom aus Gedanken und Sorgen. Im Labyrinth herrschten Totenstille, abgesehen von Sirius' Atem. Harry begann, sich Sorgen zu machen. Snape hatte ihn noch nicht kontaktiert, und es mussten schon Stunden vergangen sein. Gerade in diesem Moment unterbrach Snape jedoch die Stille. Seine Stimme ertönte so klar in Harrys Kopf, als würde er direkt neben ihm sitzen.

„Harry?"

„Ich bin hier", dachte Harry. „Wo sind Sie? Was passiert gerade?"

„Malfoy und Voldemort haben sich getrennt", sagte Snapes Stimme leise und schnell. „Malfoy geht gerade in das Labyrinth. Soll ich versuchen, ihn loszuwerden?"

„Ähm …" Harry war unsicher. Er hatte keine Erfahrung mit Kampfstrategien. „Nein .. versuchen Sie, versteckt zu bleiben. Wissen Sie, wo Sirius und ich sind?"

„Ja."

„Dann folgen Sie ihm, und greifen Sie nur an, wenn er uns zu nahe kommt."

„Sag Black, er soll sich bereithalten für den Fall, dass mir etwas zustößt. Und falls Black weg ist … bist du alleine, Harry. Bereite dich einfach darauf vor. Es ist eine Möglichkeit."

„Sagen Sie so etwas nicht", dachte Harry. Er schloss die Augen. „Wir werden alle hier rauskommen. Sie und ich und Sirius. Und Sie werden mir Ihre Bibliothek zeigen, und mein Trauzeuge sein. Und der Pate von meinen Kindern."

„Was für ein Leben ich doch vor mir habe."

Harry lächelte. Sirius hob neugierig den Kopf, aber Harry sagte noch nichts. „Vielleicht nenne ich sogar meinen Sohn nach Ihnen."

„Severus Potter. Mmmh, ein Klassiker."

„Was ist Ihr zweiter Vorname?"

„Lothar Alexander."

„Alex Potter."

„Und ich soll Pate dieses kleinen Individuums werden?"

„Ja." Harry lächelte wieder als er Snapes Schnauben hörte. Sirius winselte leise und leckte seine Hand. Harry sah Sirius an und kraulte ihn wieder hinter den Ohren. „Wohin geht Malfoy?"

„In genau die entgegengesetzte Richtung", sagte Snapes Stimme ruhig. „Er könnte fast keinen falscheren Weg nehmen."

Harry lehnte sich an die Wand, während er weiterhin Sirius sanft kraulte. Vielleicht würde alles nicht so schlimm sein. Wenn sie Malfoy loswurden, und Snape und Sirius es schafften, Voldemort fast zu töten, könnte Harry ihn erledigen, vielleicht sogar fast schmerzfrei. Es war jedoch komisch, dachte Harry. Warum durchsuchte Malfoy so ziellos das Labyrinth ohne Voldemort oder eine Verbindung zu ihm? Und wo war Voldemort eigentlich? So, wie es jetzt lief, war es fast so, als ob …

Harry setzte sich kerzengerade auf. Sein Herz schlug wie wild. „Severus!", dachte er verzweifelt. „Kommen Sie zurück! So schnell Sie können! Es ist eine Falle! Malfoy soll Sie nur ablenken, also – "

Es war zu spät. Am Ende des Weges zu ihrer Rechten bewegte sich etwas. Harry drehte sich um und hatte nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, Voldemort zu erkennen, der auf sie zukam, bevor er schon aufspringen und laufen musste. Sirius folgte ihm wie wild bellend, und Harry lief schneller als je zuvor in seinem Leben. Wenn er stehen blieb und sich umdrehte, um zu kämpfen, würde Voldemort ihn erwischen und töten. Er hatte keine Zeit. Er konnte nur laufen.

Er lief an jeder Kreuzung einen anderen Weg entlang, es war ihm egal, wohin sie führten, solange er laufen konnte. Er konnte Voldemort hinter sich hören, und Sirius, der an seine Ferse geheftet schien. Weiter weg hörte er noch mehr Schritte, und dann schlug etwas neben ihm an die Wand. Harry schrie und schützte mit den Händen den Kopf, während er lief. Er konnte nicht anhalten um zu sehen, was geschehen war. Alles, was nun wichtig war, war so weit genug zu laufen.

Aber dann war etwas über ihm; er sah es über den Rand der Mauer. Es warf sich vor ihm auf den Weg. Harry erkannte Snape. Er lief, angsterfüllt, in dem verzweifelten Versuch, zu seinem Beschützer zu gelangen. Snape packte Harry und zog ihn hinter sich. Voldemort kam den Weg entlang. Sirius war neben Snape, das Fell aufgestellt und wütend bellend; in seiner Wut versprühte er Spucke auf alles.

„Aus dem Weg, Severus", zischte Voldemort mit seiner hohen, kalten Stimme. Sein wütender, hasserfüllter Blick war auf Snape fixiert. „Geh zur Seite."

Snape bewegte sich nicht. Seine Schultern waren nach oben gezogen, seine Klauen waren bereit; er war so angespannt wie eine Katze kurz vor dem Sprung.

„Geh zur Seite", wiederholte Voldemort. Er hob die Hand in einer Bewegung, als wollte er ihn zur Seite schieben. Harry sah, wie Snapes Körper sich wieder anspannte, als würde er sich gegen eine unsichtbare Kraft wehren.

Snape hob die Hände und streckte sie nach vorn. Dieses Mal erstarrte Voldemort und musste sich sichtbar gegen Snape wehren. „Geht", knurrte Snape.

Voldemort streckte die Hände nun ebenfalls nach vorn und ging auf sie zu. Snape ging an Sirius vorbei auf ihn zu. Harry wollte ihn packen, aber der große schwarze Hund stieß ihn an. Er wurde größer und wuchs zu Sirius, dem Menschen, der Harry zurückhielt. „Nicht", sagte er. „Ich habe so etwas schon einmal gesehen."

Harry beobachtete, wie Snape und Voldemort aufeinander zugingen, die Hände noch immer ausgestreckt. Ein purpurnes Licht ging von beiden aus. Es wurde stärker und stärker, je näher sie sich kamen; schließlich berührten sie sich fast und das Leuchten war so intensiv wie Gift.

„Was geht hier vor?", sagte Harry verzweifelt und versuchte, sich von Sirius frei zu kämpfen, doch er hielt ihn zu fest.

„Es ist ein Geisteskampf", sagte Sirius. „Wie ein Geweihkampf, aber im Geist … geh zurück, Harry, komm schon …"

Das Leuchten war so intensiv, dass Harry Snape und Voldemort fast nicht sehen konnte. Er konnte Schmerz fühlen, prickelnd in seiner Narbe, rasend in seinem Geist und er schrie auf. Sirius rief ebenfalls etwas, und ein Rauschen ging von dem purpurnen Leuchten aus. Dieses verschwand sofort und Snape wurde zurückgeworfen; er verlor den Halt und flog durch die Luft. Harry lief nach vorn, um ihn aufzufangen. Jedoch fielen beide zu Boden. Snape kam schließlich keuchend wieder auf die Beine. Voldemort grinste.

„Ich habe unsere kleinen Kämpfe immer genossen", sagte er und seine Augen glänzten. „Es war alles einmal nur ein Spiel, Severus … erinnerst du dich?"

Snape ging wieder auf Voldemort zu, doch Sirius packte ihn und hielt ihn zurück. Harry und Sirius hielten beide Snape fest während sich Voldemorts Blick nun auf Harry richtete.

Er hob die Hand und deutete auf Harry. „Komm her, Harry … lass uns sehen, wie gut dich dein Beschützer gelehrt hat …"

Sirius packte Harry am Nacken seines Umhangs und hielt ihn fest. Snape trat wieder vor Harry, um ihn zu schützen. Voldemort lächelte ihnen zu.

„Harry … warum versteckst du dich hinter anderen Männern? Du bist nun erwachsen … du kannst selbst kämpfen … wirst du zulassen, dass sie verhindern, dass zu zeigst, was du kannst?"

Harry sah Snape an. Snape erwiderte den Blick. In diesem Moment fällten sie eine Entscheidung, obwohl sie kein Wort sagten. Snape legte eine Hand auf Harrys Schulter und führte ihn nach vorn. Harry starrte in Voldemorts Augen. Er fühlte, wie sich die Finger auf seinen Schläfen, merkte, wie seine Augen zufielen und er in seinen Geist eintauchte. Er konnte auch Severus' Gegenwart fühlen, der sich ihm anschloss, mit ihm verschmolz und seinen Geist stärkte. Das dumpfe Gefühl von Hitze machte sich in seinem Körper breit, als würde sie durch seine Nervenbahnen rasen, bis in seine Fingerspitzen, und er wurde langsam heißer und heißer. Harry hob die Arme. Seine Augen schienen nicht zu funktionieren, und er spürte das Feuer an seinen Fingerspitzen, obwohl er es nicht sah. Es erfüllte den Korridor.

Und dann brach es aus, verließ ihn, raste aus seinem Körper in einem Strahl der alles zu zerstören schien. Es brauste durch den Korridor, erkundete jede Ecke und konzentrierte sich dann in einem Sturm aus Flammen und Wut auf Voldemort. Harry zitterte. Er würde das nicht mehr lange aushalten. Schließlich wurde er schwach und fiel nach hinten. Er öffnete wieder die Augen. Um ihn herum drehte sich alles in einem Wirbel aus Hitze, die sie, im Versuch, das Labyrinth zu verlassen, ausbreitete. Am Ende des Korridors fiel Voldemort auf die Knie, durch den Schmerz und die Verbrennungen in Rage versetzt.

Snape und Sirius packten Harry um die Hüfte und zogen ihn davon. Sie liefen, wobei sie ihn halb trugen und halb zogen, und gerieten immer tiefer und tiefer in das Labyrinth. Als Harry seine Beine wieder fühlte, begann er ebenfalls, zu laufen. Nach einigen langen Minuten hielten sie endlich an und lehnten sich keuchend gegen die Wand des Labyrinths. Harry fiel hin. Sirius hob ihn auf und wandte sich Snape zu.

„Bei Merlin, was hast du da eben getan?", knurrte er. „Du hast ihn fast umgebracht!"

„Sirius, nicht", sagte Harry. Er war erschöpft und ausgelaugt, jedoch mehr vom Laufen. Er trat zwischen Snape und Sirius. Beide streckten die Hände aus, um ihn festzuhalten. „Streitet doch nicht … bitte … ich bin nicht verletzt … und wir haben Voldemort aufgehalten, zumindest für eine Weile …"

Snape nickte. Er sah Sirius nicht an, während er Harry zu sich zog und ihn gegen die Wand lehnte. Er steckte eine Hand in seinen Umhang. „Verdammt … ich habe meine Tränke nicht dabei …" Er seufzte, strich Harrys Haar aus seiner Stirn und begann, mit dem Daumen seine Narbe zu massieren. Harry merkte, wie er sofort ruhiger wurde, doch Sirius knurrte und schlug Snapes Hand weg.

„Lass ihn in Ruhe."

Snape erwiderte nichts. Er ließ nur die Hand fallen und drehte sich weg. Sirius starrte sich an.

„Vielleicht sollten wir zurückgehen", knurrte Sirius. „Ihn endgültig erledigen. Solange er noch am Boden ist, haben wir die perfekte Gelegenheit dazu."

„Und wie bitte sollen wir den Weg zu der Stelle finden?", sagte Snape.

„Wir folgen dem Geruch von verbranntem Fleisch", sagte Sirius schulterzuckend.

Snape schnaubte. „Nein. Wir müssen so schnell wie möglich hier raus und ein anderes Versteck finden. Ein Position, die taktisch günstiger ist. Wir werden nichts erreichen, wenn wir wie Mäuse in einem Muggel-Labor durch das Labyrinth laufen." Er warf Sirius einen verachtenden Blick zu. „Bleib hier und pass auf ihn auf."

Snape ging zur nächsten Wand, streckte die Arme aus und legte die Hände auf die glatte Oberfläche. Seine Klauen krallten sich daran fest, und Harry beobachtete fasziniert, wie er schnell nach oben kletterte. Sie bewegte sich rasch und elegant, und in weniger als einer Minute stand er auf der Mauer. Sein Gleichgewichtssinn schien ebenfalls perfekt zu sein. Er ging auf der dünnen Mauer, den Blick in die Ferne gerichtet, und schwankte nicht einmal.

„Der Ausgang ist ziemlich weit weg", rief er nach unten, wobei seine Stimme als Echo von den Wänden zurückgeworfen wurde. „In nördlicher Richtung, denke ich." Er drehte sich um, breitete die Arme aus und sprang sanft von der Wand. Harry öffnete den Mund. Snape landete sanft wie eine Katze am Boden und richtete sich auf; der Sprung aus dieser Höhe schien ihn nicht zu beindrucken. „Wir sollten in diese Richtung gehen. Wenn wir uns auf der Treppe positionieren, haben wir den besten Ausgangspunkt."

Sie gingen still durch die sich windenden Korridore des Labyrinths. Snape ging vorne, dann kam Harry und zuletzt Sirius, der immer eine Hand auf Harrys Schulter hatte. Ein paar Mal kletterte Snape auf die Mauer um zu überprüfen, wie weit es noch bis zur Treppe war. Endlich, sie schienen stundelang gegangen zu sein, erreichten sie die Treppe und gingen nach oben. Snape und Sirius setzten sich auf die oberste Stufe, Harry nahm den Platz in ihrer Mitte. Harry besah sich seine Knöchel. Sie schmerzten, nachdem sie so lange gegangen waren.

Sirius wählte diesen Moment, um zu sprechen. „Also. Sagt mir, was vor sich geht, okay?"

Snape seufzte melodramatisch. „Es geht nichts vor sich, Black. Dumbledore hat mich gewählt, um mich als Beschützer um den Jungen zu kümmern, da du nicht mehr hier warst."

„Ja", sagte Sirius undeutlich. „Nun, warum sagt ihr mir nicht, was wirklich los ist?"

„Das ist weder die richtige Zeit noch der richtige Ort", sagte Snape. „Vertrau darauf, dass du bald verstehen wirst und meine Gefühle für Harry nur … ungefährlich sind."

„Warum fühle ich mich dadurch jetzt nicht besser?", überlegte Sirius.

Snape schnalzte mit der Zunge. Er streckte wieder eine Hand aus, strich Harrys Haar zur Seite und bearbeitete wieder seine Narbe. Harry fühlte, wie er sich entspannte und lehnte sich instinktiv ein wenig näher. Sirius beobachtete sie nur. Er sah, dass Harry sich dadurch besser fühlte und beschwerte sich deshalb nicht, aber er war offensichtlich auch nicht glücklich.

„Es ist eine Beruhigungsmethode", sagte Snape. Er fuhr wieder mit dem Daumen über die Narbe. „Wenn du willst, dass er hier total verängstigt sitzt, die Schmerzen von seinen Knöcheln fühlt, sag es einfach und ich höre auf."

„Wann hat Dumbledore dir aufgetragen, ihn zu bemuttern?", knurrte Sirius.

„Nach dem Tod der Potters", sagte Snape kalt. „Und um dich weiter zu beunruhigen – Peeves, der Poltergeist, hat ähnliche Rechte, und Pettigrew wäre ebenfalls ausgewählt worden, hätten er sich nicht dem Dunklen Lord zugewandt."

„Niemand hat behauptet, dass Dumbledore perfekte Entscheidungen trifft", sagte Sirius.

Harry war still. Seine Knöchel kitzelten nur ein klein wenig, als hätte die Berührung mit seiner Narbe sie geheilt. Er hoffte, Sirius würde verstehen. Während der letzte Monate hatten ihn seine Mitschüler genervt, indem sie Fakten über den Beschützerbund zitierten, aber plötzlich wünschte er sich, Sirius hätte den Artikel im Tagespropheten ebenfalls lesen können. Dann hätte er seinem Paten nicht alles erklären müssen.

Harry hatte sich gerade richtig entspannt, und die Hoffnung auf einen Sieg keimte in ihm auf, als ein purpurner Lichtblitz am Eingang des Labyrinths unter ihnen erschien. Sie schrien auf und duckten sich, wobei sie ihre Köpfe bedeckten, während sich vor ihnen eine brüllende, rote Flamme erhob und die Treppe entlangraste. Sirius packte Harry um die Hüfte und zog ihn von den Flammen weg. Sie krachten durch die Tür und begannen, zu laufen. Sirius war viel schneller als Harry, und rief ihm über seine Schulter zu, ermutigte ihn, schnell zu laufen, doch Harry wurde langsam. Als sie die Hälfte des Korridors hinter sich hatten, blieb er stehen. Er drehte sich um.

„Severus?", rief er. Er erhielt keine Antwort. „Sirius, ich muss zurück!"

Sirius rief ihm zu, er solle stehenbleiben, aber es war Harry egal. Er lief wieder zurück zu dem Raum, wobei seine Füße auf dem Boden trommelten. Er fand die Tür rasch wieder, blieb stehen und riss sie auf.

Ein schrecklicher Anblick.

Malfoy hielt Snape an den Armen fest, eine Hand in seinem Haar, zog seinen Kopf zurück, wodurch sein Hals ungeschützt war. Voldemort stand mit einem Messer vor ihnen. In dem Sekundenbruchteil, den Harry brauchte, um zu verstehen, was los war, hob Voldemort das Messer.

Harry lief schreiend nach vor. Er wusste nicht, was er vorhatte, und er verließ sich nur darauf, dass ein Wunder geschehen möge.

Vielleicht war es sein Glückstag, oder vielleicht war das Schicksal auf seiner Seite, denn Harry fühlte plötzlich, wie Hitze in ihm aufwallte. Es war wie Wut, die physisch ausgedrückt wurde, die ihn heißer und heißer machte, bis sein ganzer Körper riesige, schwarze Flammen ausspie. Er sah, wie Voldemort sich umdrehte, den Mund in Panik geöffnet, und Malfoy ließ Snape los, wollte davonlaufen, doch Harry war zu schnell. Er sprang hoch, seine Arme legten sich um Snape, und dann erhob er sich in die Luft, weg von dem feurigen Inferno, dessen Rauch aus ihm aufstieg und alles mit Flammen bedeckte. Es raste die Treppe entlang, verbreitete sich im Flug und wurde viel heißer, als normales Feuer.

Nichts konnte überleben, als der Feuerball plötzlich explodierte und den gesamten Raum erschütterte, als wäre ein Planet explodiert. Draußen im Korridor hörte Sirius die Explosion, und er wusste, dass Harry noch drinnen war. Mit einem Schrei begann er, gegen die Tür zu schlagen und betete, dass sie sich öffnen möge.

„Harry!", rief er. „HARRY!"

Die Hitze floh in Wellen aus dem Raum; sie raubte Sirius den Atem. Er hustete, als sich die Hitze in schwarzen Rauch verwandelte, der ihn zu ersticken drohte. Er wich zurück und drückte sich an die Wand auf der anderen Seite. Der Rauch kam immer noch unter der Tür hervor. Er machte sich im Korridor breit. Sirius stand wieder auf. Er musste es weiter versuchen. Wenn Harry noch da drinnen war, wenn er versuchte, zu fliehen …

Er warf sich so fest wie möglich gegen die Tür. Das Holz gab ein wenig nach. Er schlug wieder dagegen, und wieder, und wieder, bis seine Schulter schmerzte, aber er machte weiter. Endlich, nach einem minutenlangen Kampf, brach das Holz. Sirius schlug mit der Faust dagegen. Drinnen war die Hitze unerträglich, als wäre er mitten im Feuer. Er schlug wieder gegen die Tür, um das Loch größer zu machen, bis er endlich durch die Öffnung passte.

Es war, als würde er die Hölle auf Erden betreten. Das Feuer brannte über ihm, so hoch, dass es sich in der Dunkelheit verlor, und nur ein kleiner Kreis auf dem Boden war verschont geblieben. Dort befanden sich vier Dinge. Knochen, schwarz und verbrannt, die überall auf dem Boden verteilt waren, und ein dunkler Stein, etwa so groß wie eine Faust, lag daneben. Er glitzerte seltsam, als Sirius ihn ansah, doch seine Aufmerksamkeit wurde auf die zwei Körper gezogen, die nebeneinander in der Mitte des Kreises lagen.

Es war unmöglich zu sagen, wer wen beschützt hatte. Harry klammerte sich an Snape, der eine Hand in Harrys Haar hatte, um ihn zu schützen. Sirius fiel zitternd auf die Knie.

„Harry", krächzte er. Harry gab kein Geräusch von sich. Panisch zitternd versuchte Sirius, die beiden zu trennen, aber Harrys Griff war zu fest. Sirius griff nach Harrys Kinn, legte seine Hände auf seinen Hals und versuchte, einen Puls zu finden. Er fühlte nichts. Sirius winselte. In Momenten, in denen der Mann nicht wusste, was er tun sollte, übernahm der Hund. Er streckte die Hand aus, um nach Snapes Puls zu suchen, aber auch hier erhielt er keine Antwort.

Sirius sah sich in den Flammen und zwischen den verbrannten Skeletten um. Was hatten Harry und Snape getan? War es eine Explosion? Dann wären die Skelette von Voldemort oder Malfoy, aber … Harry und Snape hatten ihr Leben gegeben, um Voldemort zu besiegen.

Sirius schloss die Augen. Hinter seinen Augen bildete sich Hitze – Frustration, das Wissen, nichts tun zu können. Er streckte die Hand aus und legte sie auf Harrys Hals, nur für den Fall, dass er etwas übersehen hatte, aber da war kein Puls. Niemand konnte noch etwas tun. Sirius schrie wütend und traurig auf; der Schrei war lauter als die Flammen, die noch wütender schienen. Sirius schrie noch einmal. Harry verdiente nicht, zu sterben, und Snape auch nicht, nicht einmal, wenn sie dadurch Voldemort –

Er hielt inne. Einen Moment lang hatte er etwas an Harrys Hals gefühlt, einen einzigen, schwachen Schlag. Er drückte seine Finger fester auf die Haut. Ein paar lange Augenblicke passierte nichts.

Aber da war er wieder, dieses Mal stärker, ein kleiner Herzschlag. Sirius streckte die andere Hand aus, um sie auf Snapes Hals zu legen. Er zitterte, während er betete, dass auch er doch einen Puls hatte.

Er hatte einen. Bei beiden kamen die Pulsschläge zur gleichen Zeit, genau synchron. Sirius zitterte stärker. Ein weiterer Schlag folgte, und denn fast sofort noch einer, und noch einer. Sie waren langsam und schwach, aber sie waren eindeutig da. Sauerstoff, dachte Sirius, sie brauchten Sauerstoff. Er bückte sich, packte Snape und Harry und zog sie nach draußen. Als er an dem schwarzen Stein vorbeikam, hob er ihn auf – vielleicht hatte Harry ihn verloren. Er brachte sie in den Korridor, in dem sich der Rauch schnell auflöste. Als Harry frische Luft atmen konnte, begann er zu husten. Sirius dachte, er würde zu weinen beginnen.

„Harry!", sagte er schnell. „Harry!"

Harry hustete und zitterte, als der Rauch und die Hitze aus seinem Körper entwichen. Seine Armen legten sich instinktiv um Snape. Harrys Hals fühlte sich rau und entzündet an, und sein ganzer Körper schien verbrannt zu sein, aber er wusste, dass er am Leben war. Snape bewegte sich ebenfalls. Der Professor begann, wie Harry, zu husten, legte eine Hand auf seinen Hals, während die andere noch immer in Harrys Haar war. Sirius schrie freudig auf und sprang auf. Er hielt erst inne, als er versehentlich auf Snape landete, der daraufhin gegen Sirius' Unterschenkel trat und ihn zu Boden brachte.

„Black!", hustete er. „Hör auf!"

Sirius grinste. „Ihr seid am Leben! Wir sind alle am Leben!"

„Wo ist …" Harry hustete. Er hielt inne, schluckte und versuchte es noch einmal. „Wo ist Vol … Vol … Voldemort?"

„Er ist tot", sagte Sirius. Er grinste fast wie ein Wahnsinniger. „Versteht ihr nicht? Wir sind am Leben, und sie sind tot! Wisst ihr, was das bedeutet?"

Harry fiel die Kinnlade herunter. Im nächsten Moment waren die Freude und die Aufregung so stark, dass er nicht sprechen und nicht ordentlich denken konnte. „Wir haben gewonnen", flüsterte er. „Er ist fort … er ist fort! ER IST FORT!"


Madam Pomfrey hatte Harry und Snape gefunden, wie sie still und kalt, aneinander gelehnt, im Krankenflügel lagen. Sie schlug Alarm und innerhalb einer Stunde wurden alle gerufen, die wichtig waren. Dumbledore und Professor McGonagall, Professor Flitwick, Professor Lupin, Madam Sprout, Professor Alrister, Draco, Ginny, Neville, Luna, Ron, Kainda und Hermine – beide weinend -, Mr. und Mrs. Weasley, Bill Weasley, Charlie Weasley, Hagrid, Peter, Fred und George, und sie hatten sogar versucht, Onkel Vernon zu überreden, aber er hörte nicht zu und schickte Professor Pebblebank, die sich als Vertreterin verkleidete hatte, weg.

Seitdem waren einige Stunden vergangen. Bill Weasley hatte erklärt, dass die Zeit im Geist mit einer anderen Geschwindigkeit verging, denn der Geist war kein physischer Zustand und konnte nicht gemessen werden. Er erklärte noch mehr Details, doch kein verstand wirklich, wovon er redete, deshalb begann er, Gebete aus einem ägyptischen Buch zu sprechen und getrocknete Blumen auf Harry und Snape zu verteilen. Draco versuchte, ihm zu helfen, doch offenbar machte er einen Fehler – sie schafften es jedoch schnell, ihn wieder von einem Käfer in einen Menschen zu verwandeln, und so richtete er keinen Schaden an.

Kainda hatte immer noch ziemlich verheulte Augen. Sie und Hermine hatten gemeinsam fast eine ganze Schachtel Taschentücher verbraucht, auch mit Hilfe von Mrs. Weasley. Alle hatten ernste und blasse Gesichter, sogar Dumbledore und die Zwillinge. Bill nahm noch mehr getrocknete Blumen in die Hand und verteilte sie auf Harrys schlafendem Gesicht, während er das nächste Gebet begann. Er hatte gerade die erste Zeile geschafft, und Hermine nahm sich gerade noch ein Taschentuch, als Harry plötzlich mit einem Schrei aufwachte. Alle zuckten zusammen, und Hagrid warf dabei ein Bett um. Bucket schoss aus Lunas Griff und raste die Station entlang, als Harry hustend wieder ins Bett fiel.

„Was ist mit ihm los?", schrie Hermine, während sie den Mund mit den Händen bedeckte.

„Er erstickt!", rief Ron, sprang zu Harry und packte ihn, offenbar um Mund-zu-Mund Beatmung zu machen. Durch diesen Schock hustete Harry noch stärker und spuckte Ron ein paar getrocknete Blumen ins Gesicht. „Ääääh", rief dieser und wischte die Blumen von seiner Nase. „Harry, du Idiot, was machst du?"

„Harry", sagte Dumbledore ernst. Er stand neben Harrys Bett und sah ihn hoffnungsvoll, fast verzweifelt, an. „Was ist mit Voldemort passiert."

Harry hielt inne. Seine Gedanken waren durcheinander. Was mit Voldemort passiert war, was so wunderbar, so fantastisch, dass er Angst hatte, es würde nicht mehr wahr sein, wenn er es sagte. Er sah Dumbledore an. „Ich … er ist fort …" Ein Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. „Er ist fort", sagte er wieder.

Alle begannen, durcheinander nach Erklärungen zu fragen, sie boten Harry frische Luft und Wasser und Essen an. Harry fühlte sich gerade überwältigt, doch dann öffnete sich die Tür und alle verstummten, als sie sich umdrehten um zu sehen, wer es war.

Sie hörten schwere, braune Stiefel auf dem Boden, als der Besucher eintrat und die Tür leise hinter sich schloss. Harry riss die Augen auf, und seine Kinnlade fiel herunter. Einen Moment lang war er sicher, dass er es sich nur einbildete, oder noch immer in seinem Geist gefangen war.

Sirius grinste. Alle starrten ihn an. „Gewinner leben", sagte er, und sein Grinsen wurde breiter. „Verlierer sterben."

„Sirius?", sagte Lupin leise. Er ging vorsichtig zu Sirius, als traute er seinen Augen nicht. „Sirius, bist du es wirklich?"

„Moony …" Sirius ging ebenfalls auf Lupin zu, und sie umarmten sich wie lange verlorene Brüder. Lupin erwiderte die Umarmung. Sirius lachte. „Kommt schon! Wozu all die ernsten Gesichter? Man könnte ja glauben, etwas Schreckliches wäre passiert!"

„Es ist so", sagte Draco kalt, „dass wir eigentlich überhaupt nicht wissen, was los ist."

Sirius ging durch die kleine Gruppe zu Harry. Er setzte sich aufs Bett seines Patensohnes, grinste, zerwühlte ihm das Haar und strahlte alle an. Die anderen starrten ihn nur an. Sirius sah Harry lächelnd an. „Nun, Harry? Warum erzählst du nicht allen, was passiert ist?"

Und das tat Harry. Zum ersten Mal musste er keine Angst haben, als Lügner bezeichnet zu werden. Er erzählte ihnen alles, wie der das erste Mal Khepri gesehen hatte, bis zum Geisteskampf. Alle hörten nur zu, beobachteten ihn und stellten keine Fragen, bis er die Geschichte zu Ende erzählt hatte. Danach lächelte er nur, als alle gleichzeitig zu reden begannen, Fragen stellten und miteinander sprachen.

„Aber … er ist also erledigt?", sagte Ron. „Er ist wirklich fort? Für immer, meinst du? Es gibt keinen Voldemort mehr?"

„Nein", sagte Harry strahlend. „Er ist für immer fort. Es ist vorbei."

Kainda strahlte ihn an, während noch mehr Tränen in ihre Augen traten. Er lächelte ihr zu, und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber sie hatte sich schon auf ihn geworfen und umarmte ihn so fest, dass es ihm fast den Atem raubte. „Es tut mir so leid", brachte sie hervor. „Ich hab dir nicht geglaubt, und du musstest das alles durchmachen, und nun hast du gegen Du-weißt-schon-wen gewonnen!"

Alle begannen wieder, zu reden. Sie sagten, wie mutig Harry gewesen war, stellten noch mehr Fragen und verlangten Details. Harry spähte zwischen ihnen hindurch und sah etwas, das sein Herz schwer machte. Er hob die Hand.

„Ich war nicht alleine", sagte er. „Ich hatte Hilfe." Alle sahen instinktiv Sirius an, aber Harry schüttelte den Kopf. Er sah in eine andere Richtung, die alle folgten seinem Blick.

Snape saß im Bett gegenüber, wo Madam Pomfrey ihn hingelegt hatte, und beobachtete sie still. Als sie ihn anstarrten, hob er eine Augenbraue, sagte jedoch nichts.

„Professor Snape hat geholfen", sagte Harry. Er sah die anderen an. „Er hat genauso viel dafür gearbeitet wie ich, vielleicht sogar mehr."

Ein Murmeln erhob sich, doch schnell wurde es wieder still. Snape hatte noch immer nichts gesagt. „Keine große Sache, Potter", sagte er mit einem falschen Seufzen. „Ich stehle nur ungern deinen und Blacks Ruhm."

Harry bemerkte den Tonfall, in dem Snape „und Blacks" gesagt hatte, und die Bedeutung war ihm sofort klar. Er streckte eine Hand nach Snape aus. „Es ist nicht nur unser Ruhm. Es ist genauso Ihr Ruhm."

Snape hielt inne. Harry konnte die Unsicherheit in seinen Augen sehen, bevor er aufstand und still zu ihm herüber ging. Er setzte sich auf die rechte Bettkante. Harry bemerkte den müden Blick, den er dabei Sirius zuwarf.

„Ich will nicht, dass ihr wegen mir streitet", sagte er ernst. „Bitte … wir müssen nicht mehr streiten. Es gibt keinen Grund mehr dafür. Voldemort ist für immer besiegt, und er kommt nicht mehr zurück … die Zaubererwelt sollte aufhören, zu streiten, und nicht wieder von vorne beginnen."

Peter schwebte nach vorn und setzte sich ans Fußende von Harrys Bett; er schimmerte weiß und lächelte sie alle an. „Er hat Recht", sagte er leise. „Warum sind wir noch hier und verlangen Antworten und streiten? Der Dunkle Lord wird nicht mehr zurückkommen. Wir können in Sicherheit und Frieden leben. Ist das kein Grund, um zu feiern?"

„Ich kann ihm nur zustimmen", sagte Dumbledore. Er lächelte jetzt und seine blauen Augen glitzerten hinter der halbmondförmigen Brille. „Wisst ihr, ich denke, eine wunderbare Möglichkeit, um die Festlichkeiten zu beginnen, wäre eine große Party mit viel lauter Musik und ungesundem Essen. Ich habe schon seit einer Weile eine Überraschungsfeier zum Schulende geplant, als Belohnung für die große Anzahl von Punkten, die von der Schule gesammelt wurden, aber ich denke, es wird niemandem etwas ausmachen, wenn wir früher feiern." Er stand auf. „Minerva, Severus, Pomona, Filius, geht bitte los und weckt die Schüler in euren Häusern und bringt sie in die Große Halle. Alrister, könnten Sie die Hauselfen bitten, das Essen vorzubereiten? Arthur, ich wäre dankbar, wenn Sie das Ministerium über die Geschehnisse in Kenntnis setzen könnten. Remus, Sirius, bitte begleitet die Schüler in die Große Halle und beginnt die Feier. Wir haben viel vor." Seine Augen glitzerten. „Ich werde mich euch so bald wie möglich anschließen, doch zuvor muss ich mich um ein paar Angelegenheiten kümmern."

Sirius grinste noch breiter als zuvor, während er Harry aus dem Bett half und einen Umhang für ihn suchte. Lupin begleitete die anderen Schüler in die Große Halle, und Sirius wartete, während Madam Pomfrey Harry untersuchte und ihn für gesund erklärte. Als er gehen durfte, legte Sirius einen Arm auf seine Schultern und führte ihn aus dem Krankenflügel.

„Also", sagte er grinsend. „Wie sieht's denn mit meinem Haus aus, Harry? Ist es voller leerer Nudelboxen und Unterwäsche?"

„Oh nein", sagte er Harry lachend.

„Wie enttäuschend", sagte Sirius mit einem weiteren Lachen.

Sie betraten die Große Halle und sahen, wie Fred und George lebensgroße Puppen von Voldemort heraufbeschworen und sie an die Decke hängten. Ron, Hermine, Draco, Kainda, Luna, Neville und Ginny warteten auf Sirius und Harry. Alle lächelten von einem Ohr zum anderen. Schon bald füllte sich die Halle mit Schülern, die alle Pyjama trugen und sehr verwirrt aussahen.

„Was ist los?", sagte Ernie Macmillan, während er einen Morgenmantel fester um seine Schultern zog und sein Haar glättete. „Ist etwas Schlimmes passiert?"

Harry und seine Freunde lachten. Bald war die Halle zur Hälfte voll und alle stellten die gleiche Frage. Tische, voll beladen mit den wunderbarsten Speisen, erschienen, doch niemand aß; sie waren zu sehr beschäftigt, herauszufinden, was eigentlich los war. Dann betrat Dumbledore die Halle und hob die Hand, um für Ruhe zu sorgen.

„Könnte ich einen Moment lang eure Aufmerksamkeit haben?", rief er. Alle wurden still und drehten sich zu ihm um. Er strahlte sie an; sie sahen Freude und Lachen in seinen Augen. „Ich habe wunderbare Nachrichten für euch alle. Denn heute Nacht hat unsere Welt ein wertvolles Geschenk erhalten – das Geschenk des Friedens. Lord Voldemort ist nicht länger unter uns. Heute wurde das Böse, das uns so viele Jahre lang terrorisiert hat, endlich besiegt." Er hob die Arme. „Wir sind wieder frei."

In der Halle brach Lärm aus. Alle riefen durcheinander, umarmten sich, sprangen herum, lachten. Aus dem Nirgendwo ertönte Musik und schon bald aßen und tanzten die Schüler fröhlich. Ab und zu öffnete sich die Tür und ein Angestellter des Ministeriums kam herein, um aufgeregt mit Dumbledore zu sprechen. Alle hatten ein Lächeln auf den Lippen. Harry musste seine Geschichte immer wieder erzählen, und jedes Mal fühlte er am Ende ein Gefühl von Wärme und überwältigender Freude.

Die Party dauerte die ganze Nacht, und fast den ganzen nächsten Tag, während immer mehr Leute zu ihnen kamen. Sie brachten Getränke und Speisen mit, und alle umarmten sich und lachten und scherzten miteinander. Harry wurde schließlich von Peter aus der Halle gezerrt; Peter machte sich Sorgen wegen einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit, die Fred und George Harry gaben – mit jedem Glas wurde er lauter und fröhlicher.

Am nächsten Tag erschienen im Tagespropheten nur frohe und ekstatische Nachrichten, die der gesamten Zaubererwelt Liebe und Friede und das Ende der Herrschaft von Terror und Angst verkündeten. Irgendwo in der Mitte gab es einen einseitigen Artikel mit dem Titel „FUDGE IM HARRY-POTTER-SKANDAL ENTLASSEN – Arthur Weasley Favorit als nächster Zaubereiminister". Am Montag der nächsten Woche zierte eine neue Schlagzeile das Titelblatt: „DREI HELDEN ERHALTEN DEN ORDEN DES MERLIN – Sirius Black, Severus Snape und Harry Potter erhalten die höchste Auszeichnung", und gerade mal zwei Wochen später betrat Harry die Eingangshalle des Zaubereiministeriums. Er trug einen neuen Festumhang, und als er in die Halle kam, blitzen überall Kameras auf. Er grinste die Reporter an, seine Freunde standen in der ersten Reihe und Mrs. Weasley schluchzte froh in ein Taschentuch. Sirius ging links von ihm, Snape auf seiner rechten Seite. Sie gingen Mr. Weasley entgegen; er stand vor allen anderen neben einem Podest, auf dem ihre drei Medaillen lagen. In der Halle brachen Applaus und Jubel aus, während Mr. Weasley strahlte, ihre Hände schüttelte und ihnen den Orden des Merlin ansteckte. Als Harry in die Menge sah, die jubelte und applaudierte, merkte er, dass er noch nie in seinem Leben so glücklich gewesen war. Der gesamte Raum schien vor Harmonie zu strahlen. Er grinste und winkte dem Publikum zu. Die Welt erwiderte sein Lächeln.