HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

Kapitel 32 – Verrückter Meister Potter

Es war bereits ein Monat vergangen, seit Harry Hogwarts verlassen hatte. In dieser Zeit war einiges passiert. Sie hatten eine Anzeige für Apparier-Unterricht im Tagespropheten gesehen und sich dafür angemeldet. Ron und Hermine waren gemeinsam in ein Haus in Hogsmeade gezogen. Mr. und Mrs. Weasley und Ginny wohnten nun wieder im Fuchsbau; somit blieben Harry, Draco und Kainda am Grimmauld Platz, unter den wachsamen Blicken von Sirius. Draco hatte noch keine Anstalten gemacht, sich einen Job zu suchen, doch das machte Harry nichts aus. Kainda bekam jeden Tag den Tagespropheten, aus dem sie interessante Jobangebote ausschnitt und an das neue Notizbrett in der Küche klemmte. Harry wollte noch auf seine UTZ Ergebnisse warten, bevor er nach einem Job suchte. Im Moment war er zufrieden, wenn er mit Draco zu Hause sitzen und sein Leben als reicher, junger, voll ausgebildeter Zauberer genießen konnte. Draco ging jede Woche an ein paar Abenden in verschiedene Clubs im Muggel-London, weshalb am Notizbrett auch die Telefonnummern verschiedener Mädchen hingen. Kainda hatte sich eines von Mrs. Weasleys Kochbüchern ausgeborgt und ein paar Rezepte kopiert und ebenfalls aufgehängt. Harry und Kainda erledigten den Großteil des Kochens. Manchmal versuchte auch Draco sein Glück, jedoch nicht oft. Sirius liebte es, Gesellschaft zu haben. Er war begeistert von der neuen Ausstattung und war über den Verlust des Portraits seiner Mutter nicht traurig. Außerdem war er entschlossen, das Haus in eine Junggesellenbude zu verwandeln. Im Kühlschrank war immer Bier, das Radio lief laut und irgendjemand trug immer ein offenes Hemd. Kainda schien das nichts auszumachen, eigentlich schien sie es sogar zu genießen. Harry wusste von Ron, dass Hermine sehr auf Ordnung in ihrem Haus bedacht war. Kainda sah das ganz anders. Wenn Böden oder Wände oder Fenster dreckig wurden, sprach sie einfach einen schnellen Zauber und beließ es dabei. Das Haus sah immer ein wenig unordentlich aus, wenn Kainda sich durchsetzen konnte. Sie sagte, sie wollte, dass ihr Haus so aussah, als würde tatsächlich jemand darin wohnen.

Es war ein warmer, heller und sonniger Samstagmorgen. Harry wachte auch, gähnte und streckte die Hand nach Kainda neben ihm aus. Sie war nicht da. Er stolperte aus dem Bett und machte sich auf den Weg ins Badezimmer, wo er sein Gesicht mit kaltem Wasser wusch. Es fühlte sich eisig an, erfrischte ihn aber genug, damit er seine Augen ordentlich öffnen und sein Spiegelbild betrachten konnte. Harry trug zum Schlafen für gewöhnlich nur Pyjama-Hosen. Er lächelte ein wenig und betrachtete das neue Tattoo auf seinem Oberarm; er hatte sich in der ersten Woche nach Schulschluss ‚Kainda' in einem magischen Tattoo-Studio in der Winkelgasse tätowieren lassen. Draco ließ sich einen komplizierten Drachen auf den unteren Rücken stechen und Sirius bekam einen Grimm zwischen die Schulterblätter.

Harry gähnte noch einmal und verließ das Badezimmer. Draußen im Korridor traf er auf Sirius, der gerade aus seinem Zimmer kam. Sie grunzten sich zum Gruß zu und stolperten über die Treppe hinunter in die Küche. Dort fanden sie Kainda, die einen Morgenmantel trug und das Frühstück auf den Tisch zauberte. Sie lächelte, als sie die Küche betraten.

„Morgen", sagte sie. Sie stellte Teller voller Speck und Eier vor ihnen auf den Tisch und umarmte Harry.

Er grinste und küsste ihre Wange. „Danke, Kai."

„Wo ist denn Blondie heute?", fragte Sirius, setzte sich und begann hungrig, sein Frühstück zu essen.

„Er schläft noch", sagte Kainda. Sie holte ihren Zauberstab raus und beschwor zwei rauchende Tassen Kaffee herauf. „Ich hab letzte Nacht gehört, wie er nach Hause gekommen ist. Ich glaube, er war in einem Club – ihr wisst ja, wie er ist."

Harry nahm einen langen Schluck Kaffee. Er liebte es, nach dem Aufwachen Kaindas Kochkünste zu genießen. Sie war wunderbar. Sirius schloss sich ihr oft an und machte Eier und Speck für sie, aber das war einfach nicht das gleiche.

Harry wurde in diesem Moment aus seinen Gedanken gerissen, als am Fenster ein leises Geräusch ertönte. Er blickte auf uns sah drei Eulen auf dem Fenstersims sitzen. Eine davon war Hedwig, die anderen beiden waren Schuleulen. Alle drei trugen Briefe mit einem offiziell wirkenden Wappen. Harrys Magen schien sich bei dem Anblick zusammenzuziehen. Er sprang auf und öffnete das Fenster. Die Eulen flatterten herein. Eine gab ihren Brief an Kainda, die andere flog die Treppe hinauf zu Dracos Zimmer, während Hedwig Harry seinen Brief gab. Sie setzte sich dann auf seine Stuhllehne und beobachtete ihn neugierig. Harry sah Kainda an.

„Du zuerst", sagte er.

Sie nickte und öffnete vorsichtig den Brief, während sie sich auf die Lippe biss. Sie entfaltete das Pergament und überflog ihn den Text schnell; ein Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. „Nichts Schlechteres als A! Nicht schlecht … Ich hab ein A in Zaubertränke, also hab ich's zumindest geschafft. Hey, O in Muggelkunde! Das find ich ziemlich gut."

„Genial", sagte er grinsend und umarmte sie. „Gut gemacht."

Draco erschien in der Küchentür, den Brief in der Hand und von Ohr zu Ohr grinsend. „Alles mindestens E. O in Astronomie und Zaubertränke."

„Gratuliere", sagte Kainda. Sie umarmte Draco und gab ihm Frühstück und eine Tasse Kaffee. „Nun kannst du anfangen, nach einem Job zu suchen."

Sie lachte, als Draco schnaubte. „Warum? Ein Job wäre für mich nur Zeitvertreib. Ich hab mein Malfoy-Erbe, und davon kann ich noch lange leben. Ich werd mich fürs erste rumtreiben lassen und sehen, ob ich was Interessantes finde. Wenn nicht, ist es mir auch egal. Immerhin ist es nicht so, als ob – Potter? Was ist los?"

Harry hatte gerade seinen Umschlag geöffnet und seine Noten gesehen. Sein Gesicht zeigte seine Überraschung. „Sie … sie hat mich doch erwischt", sagte er. „Madam Ivy. Seht mal."

Er zeigte Draco seinen Brief. Er hatte ein M in Verwandlung, ein A in Zauberkunst, und ein S in Geschichte der Zauberei. Draco überflog den Rest der Liste. Harry hatte ein O in Zaubertränke, Reine Künste und Verteidigung gegen die Dunklen Künste, und dann noch ein E in Pflege Magischer Geschöpfe.

„Sie hat sie manipuliert", sagte Harry. „Ich glaub's nicht. Ich brauch doch wirklich gute Noten in Verwandlung und Zauberkunst, um in die Auroren-Ausbildung aufgenommen zu werden … sie hat sie manipuliert, damit ich es nicht schaffe. Aber wie? Sie ist tot."

Draco war einen Moment still, bevor er vorsichtig sagte: „Sieh mal, Potter … glaub jetzt nicht, dass ich Etwas gegen dich sage, aber wenn sie dich davon abhalten wollte, Auror zu werden, hätte sie einfach dafür gesorgt, dass du in Verteidigung gegen die Dunklen Künste durchfällst. Das wäre doch am einfachsten gewesen. Aber du hast in der Dunklen Künste Prüfung alle Punkte, und sogar noch zehn Bonuspunkte. Und wie du gesagt hast … sie ist tot. Sie kann sie nicht verändert haben. Das ist unlogisch. Und … naja, du warst nicht gerade in Topform während der Prüfungen, oder?"

Harry starrte ihn mit großen Augen an. „Glaubst du, dass ich selbst daran schuld bin, dass ich meine Noten versaut habe?" Er interpretierte Dracos Stille richtig. Er ließ sich auf einen Stuhl fallen; er fühlte sich hundsmiserabel und hatte keine Ahnung, was er jetzt tun sollte. All seine Hoffnung und Zukunftspläne hatten darauf beruht, dass er Auror wurde. Mit solchen Noten hatte er aber keine Chance, jemals aufgenommen zu werden.

Sirius legte einen Arm um ihn. „Komm schon, Harry … lass dich nicht unterkriegen … ich bin auch bei ein paar Prüfungen durchgefallen. Pflege Magischer Geschöpfe, Wahrsagen, Arithmantik … ich glaub, ich bin damals mit einem Mädchen ausgegangen. Ich hab nicht ordentlich gelernt."

„Aber du hast nicht deine gesamte Zukunft auf den Noten aufgebaut", sagte Harry dumpf.

„Doch, das hab ich", sagte Sirius mit einem Lächeln. „Ich wollte Arithmantik-Lehrer werden, aber eigentlich nur, um Snape zu ärgern. Aber ohne meinen UTZ in Artihmantik hatte ich natürlich keine Chance mehr. Also musste ich stattdessen Auror werden."

„Du warst ein Auror?", brachte Harry hervor. „Warum hast du das nie erzählt?"

Sirius zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht so toll, wie alle immer behaupten, Harry."

„Oh ja", sagte Harry sarkastisch. „Man jagt und fängt nur Dunkle Zauberer, erlebt jeden Tag Abenteuer und verdient Berge von Gold. Absolut schwach."

Sirius seufzte und tätschelte seinen Arm. Kainda und Draco sahen mitfühlend aus, und Kainda machte ihm noch eine Tasse Kaffee, doch Harry fühlte sich überhaupt nicht mehr hungrig oder durstig. Er ließ den Kopf auf den Tisch fallen. Sein Traum, ein Auror zu werden, war zerbrochen. Er nahm den Umschlag noch einmal in die Hand, um den Brief noch einmal wütend zu lesen. Erst jetzt bemerkte er, dass am Ende einen Notiz war; er erkannte McGonagalls Handschrift. „Potter – bitte kommen Sie am 20. Juli zu einer Notfall-Berufsberatung. Ich weiß, dass Sie diese Noten nicht erwartet haben. Wir werden eine Lösung finden. Professor M. McGonagall."


Bis zum 20. Juli hatte Harry seinen Apparations-Test geschafft und seine Lizenz bekommen. Als er an diesem Morgen aufwachte, küsste er Kainda zum Abschied, bekam eine Viel-Glück Umarmung von Sirius und apparierte direkt nach Hogsmeade. Es war ein ziemlich warmer, sonniger Morgen. Er konnte Vogelgezwitscher von den Dächern hören, während er durch das Dorf nach Hogwarts ging. Er ging den engen, gewundenen Pfad entlang, den jedes Jahr die von den Thestralen gezogenen Kutschen nahmen, und nach etwa einer halben Stunde erschien das bekannte Schloss am Horizont. Der Anblick war für Harry sehr beruhigend. Nachdem er seine UTZ-Resultate bekommen hatte, hatte er den Tagespropheten nach interessant aussehenden Jobs durchsucht, aber nichts gefunden. Die Aussicht auf das Gespräch mit McGonagall, welches seine Probleme lösen sollte, beruhigte ihn. Immerhin war noch nicht alle Hoffnung verloren.

Er ging durch eines der riesigen Tore, die die Schlossgründe begrenzten. Einer der Sicherheitsdrachen trottete zu ihm herüber und blieb vor ihm stehen. Nachdem er Harry eingehend beschnuppert und ihn für vertrauenswürdig befunden hatte, konnte Harry über den ansteigenden Rasen gehen und schließlich die Tür zur Eingangshalle öffnen.

Wieder in Hogwarts zu sein sorgte irgendwie dafür, dass er sich besser fühlte. Er hatte zuvor nie bemerkt, dass Hogwarts ein Gefühl von Sicherheit und Zuhause ausstrahlte. Hogwarts war immerhin der erste Ort gewesen, an dem er wirklich glücklich gewesen war, und zurück zu sein gab ihm das Gefühl, dass seine Situation nicht ganz so schlimm war.

Er ging durch die leeren, stillen Korridore zu McGonagalls Büro. Die Menschen in den Portraits lächelten und winkten ihm zu, und er grinste zurück. Er traf sogar den Fast Kopflosen Nick, der ihn wie einen alten Freund begrüßte. Dann erreichte er McGonagalls Büro und klopfte an die Tür.

Die Tür ging auf und schon stand er vor seiner alten Hauslehrerin. Nun, da sie ihm kein Nachsitzen mehr aufbrummen konnte, wirkte sie weniger furchteinflößend. „Ah", sagte sie. „Kommen Sie rein, Potter. Ich habe Sie schon erwartet."

Er setzte sich auf einen Stuhl vor ihrem Tisch, sie setzte sich ihm gegenüber und sah ihn über den Rand ihrer Brille an.

„Ich denke, Sie haben bereits erkannt, dass Sie mit Ihren Noten kein Auror werden können, Potter", sagte sie ruhig. Er nickte. „Sie haben jetzt aber einige Möglichkeiten", sagte sie und nahm einen Stapel Prospekte aus einer Schreibtischschublade und legte sie vor ihn hin. „Sie könnten zum Beispiel einen zweijährigen Kurs in Verwandlung oder Zauberkunst besuchen, um ihre UTZ Prüfung zu wiederholen. Wir können Ihnen auch anbieten, nach Hogwarts zurückzukommen, und die gesamten zwei Jahre der UTZ Kurse zu wiederholen. Oder, wenn Sie sich nicht zu den Sechstklässlern gesellen wollen, könnten wir uns einige andere Karriereoptionen ansehen und herausfinden, welche für Sie passend sind."

Sie gab ihm die Prospekte. Er sah sie still durch und hörte nur halb ihrem Kommentar zu. Sie erklärte ihm die verschiedenen Berufe, doch nichts sprach ihn an, bis er ein marineblaues Heftchen in die Hand nahm und dessen Titelblatt sah – „Sie wollen also Magie unterrichten? Es gibt an der Merlin Akademie einen Platz für Sie!"

„Was ist das?", fragte Harry und zeigt es McGonagall.

„Hmmm", sagte sie und sah das Prospekt mit leicht gerunzelter Stirn an. „Die Merlin Akademie ist eine andere Zauberschule, irgendwo in Amerika. Im Vergleich zu Hogwarts ist sie weniger akademisch orientiert, doch es ist eine gute Schule, aus der einige gute Hexen und Zauberer hervorgegangen sind."

Harry dachte darüber nach. Er hatte noch nicht in Betracht gezogen, zu unterrichten. Er blätterte durch das Prospekt. „Muss man dafür eine spezielle Ausbildung oder Kurse machen?"

„Nein", sagte Professor McGonagall. „Die Zauberergemeinschaft geht mit Lehrern und deren Ausbildung gänzlich anders um als die Muggelwelt. Wenn Sie zu unterrichten beginnen, bekommen Sie zuerst für eine Weile den Titel Meister. Wenn die Abteilung für Magische Ausbildung entscheidet, dass Sie Ihre Arbeit gut machen, werden Sie zum Professor befördert, wenn Sie es wollen."

Harry begann, sich für diese Idee zu begeistern. „Das klingt gut", sagte er. „Aber ich will nicht nach Amerika ziehen und alle meine Freunde verlassen …"

McGonagall sah ihn einen Moment lang nachdenklich an. „In Hogwarts ist vor kurzem eine Stelle frei geworden … wissen Sie, es gibt Pläne, während des nächsten Jahres eine neue Halle für Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu bauen, und Professor Lupin hat sich bereit erklärt, den Bau zu überwachen, anstatt zu unterrichten. Sie verstehen also, dass wir eine Stelle frei haben. Sie haben immerhin ein O in dem Fach, und Professor Dumbledore hat mir aufgetragen, eine geeignete Person zu finden, um das Kollegium wieder aufzustocken."

Harrys Augen weiteten sich. „Wirklich? Ich kann nach Hogwarts kommen und unterrichten? Ich … das wäre super! Das klingt brillant!"

McGonagall lächelte und nahm eine Pergamentrolle aus einer Schublade. Sie rollte sie auf, gab ihm eine Feder und ließ ihn unterschreiben. Dann stand sie auf. „Sehr gut", sagte sie und streckte die Hand aus. Er schüttelte sie begeistert. „Wunderbar, Potter", sagte sie. „Das ist uns eine große Hilfe. Danke."

Harry grinste. Die Vorstellung, Verteidigung gegen die Dunklen Künste zu unterrichten sprach ihn eindeutig an, und er konnte es nicht erwarten, im September zu beginnen. „Danke, Professor. Ich bin wirklich dankbar. Ich denke, ich muss mich noch um viel kümmern … den Lehrplan ansehen und all das …"

„Ah, natürlich", sagte sie. „Professor Snape ist gerade in seinem Quartier, und er kennt den Lehrplan auswendig. Ich schlage vor, Sie sprechen mit ihm. Ich werde inzwischen Professor Dumbledore informieren, dass wir einen neuen Kollegen gefunden haben."

Sie öffnete die Tür für ihn und lächelte, als er das Büro verließ. Bevor er draußen war, sprach sie noch einmal.

„Ich danke Ihnen noch einmal Potter", sagte sie mit einen kleinen Lächeln. „Sie werden ein wunderbarer Meister der Zaubertränke sein."

Und bevor Harry überhaupt verstand, was sie gesagt hatte, war die Tür schon geschlossen. Er stand wie vor den Kopf gestoßen da und fragte sich, ob er sie falsch verstanden hatte. Meister der Zaubertränke? Und dann wurde es ihm klar. Wenn Professor Lupin nicht mehr Dunkle Künste unterrichtete, und die Stelle frei war, würde Snape sie natürlich sofort annehmen, weshalb die Stelle aus Zaubertrank-Lehrer frei wurde. Er stöhnte und verfluchte seine eigene Dummheit. Er überlegte, ob er zurück ins Büro gehen und versuchen sollte, McGonagall zu erklären, dass es ein Fehler war und er nicht Zaubertränke unterrichten wollte, aber dann wurde ihm klar, wie dumm das wäre. Und wirklich, was war so schlimm daran, Zaubertränke zu unterrichten? Er könnte die Kerker neu dekorieren, den ganzen kalten Stein loswerden, ein paar falsche Fenster und Licht installieren … es würde nicht so schlimm sein. Er könnte vielleicht sogar als erster netter Zaubertrank-Lehrer in die Geschichte von Hogwarts eingehen. Er lächelte ein wenig und machte sich leichten Schrittes auf den Weg in die Kerker. Er hatte Pläne für viele Veränderungen.

Er klopfte fröhlich an die Tür zu Snapes Quartier. Nach einer kurzen Pause öffnete sich die Tür. Snape stand vor ihm, die Ärmel nach oben gerollt und das lange Haar nach hinten gebunden. Er sah Harry stirnrunzelnd an.

„Potter", sagte er. Harry konnte sehen, dass hinter ihm alle Habseligkeiten in Kisten verstaut waren und Hauselfen, die volle Taschen trugen, herum stolperten. „Was machst du hier?", sagte Snape.

Harry grinste. „Ich bin hier, um mein neues Quartier einzurichten."

Snape warf ihm einen misstrauischen Blick zu. „Und was bedeutet das genau?"

„Ich ziehe ein", sagte Harry. Er ging in Snapes ehemaliges Quartier und sah sich um. Er würde nicht so schlimm sein, wenn es wärmer und heller und die Dekoration anders wäre. „Ich bin der neue Meister der Zaubertränke."

„Bist du nicht", sagte Snape.

„Bin ich", sagte Harry lächelnd.

Snape rieb sich die Stirn. „Warum, Potter?"

„Weil ich gerade mit McGonagall gesprochen habe", sagte Harry fröhlich. „Und sie sagte, ich könnte hier einen Job haben, weil ich kein Auror werden kann, und Sie sind der neue Lehrer für Dunkle Künste. Sind Sie nicht zufrieden damit?"

Snape sah ihn einen Moment lang an, und dann machte sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen breit. „Du verlierst den Verstand, wenn du den Job freiwillig angenommen hast."

„Den nennen Sie mich den Verrückten Meister Potter", sagte Harry freundlich. Er grinste. „Nun, ich muss mir von Fred und George Super-Klatscher-Dekoration besorgen, wenn es Ihnen nichts ausmacht. Ich muss meine Räume neu streichen und Möbel kaufen. Wird Kainda auch hier leben können? Und McGonagall hat gemeint, Sie müssen mir Informationen zum Lehrplan in Zaubertränke geben, damit ich weiß, was ich meinen Schülern beibringen soll."

„Möge Merlin Gnade mit ihren Seelen haben", sagte Snape trocken, doch er grinste dabei.

Harry lächelte ebenfalls. „Nur, weil ich beliebter sein werde als Sie. Also kommen Sie schon, geben Sie mir den Lehrplan. Ich habe noch viel zu lernen."

„In der Tat", sagte Snape, immer noch grinsend, und ging in sein Büro. Harry folgte ihm mit einem Lächeln im Gesicht. Er fühlte sich besser als während der ganzen letzten Wochen, seit er seine UTZ Ergebnisse bekommen hatte. Er konnte es nicht erwarten, Ginnys und Lunas Gesichter zu sehen, wenn er ihnen erzählte, dass er sie dieses Jahr in Zaubertränke unterrichten würde.