HARRY POTTER UND DAS ANKH VON KHEPRI

Kapitel 33 – Danke

Einen Monat später war auch schon der 31. August gekommen, und am nächsten Tag würden die Schüler von Hogwarts in die Schule zurückkehren. Harry war ein nervöses Wrack. Er fühlte sich nicht einmal besser, während er zusah, wie in der Abteilung für Muggelkunde das Haus der Dursleys unter Wasser gesetzt wurde. Er saß in seinem Büro und ging seine Unterrichtsplanung immer und immer wieder durch, jedoch fühlte er sich dadurch nicht weniger nervös. Um acht Uhr abends gab er auf und ging im Zimmer auf und ab; er dachte an alles, was in den Ferien geschehen war.

Kainda machte es nichts aus, dass Harry den Job angenommen hatte. Sie schien glücklich, und begann, von einem Haus in Hogsmeade zu reden, das sie von ihrem Großvater geerbt hatte. Sie meinte, sie könnte dort leben. Harry könnte sie jedes Wochenende besuchen, und Dumbledore machte es nichts aus, wenn sie manchmal zu Harry ins Schloss kam. Sirius war ein wenig darüber enttäuscht, dass Harry den Grimmauld Platz verließ, aber er verstand, wie wichtig der Job für seinen Patensohn war. Er ließ Harry jedoch nicht so einfach gehen. Am Morgen, nachdem Harry die Stelle in Hogwarts annahm, verkündete er, dass er Lupin permanent besuchen würde. Als Ron und Hermine herausfanden, dass Harry nach Hogwarts ziehen und somit in ihrer Nähe wohnen würde, waren sie überglücklich. Draco tat so, als würde er zögern, doch schließlich mietete er ein Zimmer in Hogsmeade. Alle wussten jedoch, dass es ihm sowieso lieber war, nicht bei den Muggeln in London zu leben.

Nachdem sie festgelegt hatten, wer wo bei wem wohnen würde, begann Harry mit der Umgestaltung der Kerker. Eines Tages war Hogwarts erfüllt von den Explosionen von dutzenden Dekorations-Feuerwerken, die in den gesamten Kerkern losgingen. Schließlich musste Professor Flitwick gerufen werden, als eine der Steinsäulen nachgab und ganz Hogwarts fast zum Einsturz brachte. Zum Glück konnte Flitwick die Steine mit ein paar guten Zaubern zusammenhalten, eine neue Säule installieren und das Schloss retten. Der größte Klassenraum in den Kerkern war nicht mehr dunkelgrau und schwarz, sondern weiß und hellgrau, mit sauberen Steinfliesen und viel Licht. Für sein privates Quartier entschied sich Harry für ein schönes Rot und Creme, wobei ihm Hermine und Mrs. Weasley halfen. Um seine Möbel zu kaufen, brauchte er etwas Gold aus seinem Verlies bei Gringotts. Er besorgte außerdem einen ordentlichen Kamin, den er ans Flohnetzwerk anschließen ließ, und hielt schließlich eine Einweihungsparty in seinem neuen Quartier. Er installierte zudem viel mehr Kerzen in den Kerkern. Als alles endlich heller war, erschienen die Kerker nicht mehr so gruselig. Harry sorgte dann dafür, dass alle Korridore, die nirgendwo hinführten, abgeriegelt wurden, damit sich dort keine dunklen Kreaturen mehr verbergen konnte. Er wollte Snape sogar davon überzeugen, dass der Slytherin-Gemeinschaftsraum zu dunkel und heruntergekommen war, aber Snape ließ sich nicht überzeugen und griff hart durch.

Während Harry so die Kerker auseinandernahm, kamen immer wieder Professoren vorbei, um zu sehen, wie es ihm ging. Sein erster Besucher war Professor Alrister, der ihm zu seinem O in Reine Künste gratulierte und fragte, ob er bereit wäre, bei Demonstrationen für die Schüler zu helfen. Professor Pebblebank kam vorbei und half ihm, Möbel zu verschieben, und Lupin zeigte Harry die halb fertige Dunkle Künste Halle. Natürlich verbrachte auch Snape viel Zeit bei Harry, wobei er sich hauptsächlich über die neue Dekoration beschwerte, doch er half ihm auch, sich vorzubereiten.

Snape war bei der Unterrichtsplanung eine große Hilfe. Sie unterteilten das Schuljahr in Semester und planten, was Harry wem beibringen würde, was er dafür brauchte und welche Probleme auftreten konnten. Harry hatte nun ein Tagebuch für das ganze Schuljahr, und die Unterrichtspläne waren geordnet und hineingelegt. Snape hatte Harry auch bei der Auswahl der Schulbücher geholfen und die Liste an McGonagall weitergegeben. Er half Harry auch, den Schock zu verkraften, als dieser den Stundenplan für den Zaubertrank-Lehrer sah. Harry bekam von McGonagall seinen Zeitumkehrer und musste damit klarkommen, dass er drei Klassen gleichzeitig unterrichten würde. Snape meinte, es würde nach ein paar langen und anstrengenden Jahren einfacher werden. Harry wurde davon nicht gerade beruhigt. Er kaufte in Hogsmeade auch neue Umhänge weil er versuchte, so auszusehen, als hätte er nicht gerade erst die Schule abgeschlossen und wüsste, was er tat. Dumbledore gab ihm die Befähigung, Hauspunkte zu verteilen und abzuziehen. Harry musste jedoch versprechen, dass er nicht so starke Vorurteile gegen bestimmte Häuser hegen würde, wie der vorherige Meister der Zaubertränke.

Und nun war der Tag, bevor die Schüler nach Hogwarts kommen würden. Harry ging noch einmal seine Stundenplanung durch. Er gab jedoch bald auf und verließ sein Quartier. Er machte sich auf den Weg zum Korridor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, klopfte an die Bürotür und trat ein. Snape hatte ihn offenbar schon erwartet.

„Nervös vor dem ersten Unterricht?", sagte er ruhig und sah von seinem Buch auf.

„Ich halte das nicht aus", sagte Harry. Er setzte sich auf einen Lehnstuhl neben Snape. „Morgen werden sie alle hier sein. Und am Tag darauf liegt ihre Ausbildung in meinen Händen. Warum habe ich diesen Job angenommen?"

„Das gleiche habe ich mich achtzehn Jahre lang gefragt", sagte Snape ruhig. „Ich weiß die Antwort immer noch nicht."

„Wie beruhigend", sagte Harry mit einem kleinen Lächeln. Er nahm das Glas mit Kürbissaft, das Snape ihm anbot, trank einen Schluck und sah dann den älteren Zauberer an. „Ähm, Professor …?"

„Mm?"

„Kann ich Sie nun Severus nennen? Wir sind immerhin Kollegen. Und Sie können mir auch eigentlich keine Befehle mehr erteilen."

Snape schnaubte amüsiert. „Nun gut. Du darfst. Aber sobald ich höre, dass du mich ‚Sev' nennst, werde ich dafür sorgen, dass es das letzte Mal ist, dass du deine Stimmbänder verwendest. Da kannst du dir sicher sein."

„Okay", sagte Harry lächelnd. „Severus."

„Potter", sagte Snape. Er dachte einen Moment lang nach. „Harry, wenn es sein muss."

Harry lächelte in sein Glas und trank noch einen Schluck Saft. „Oh, ich wollte schon früher fragen … wie geht es deiner Narbe?"

Snape hob eine Augenbraue. „Ich dachte, wir hätten uns geeinigt, nicht darüber zu reden."

„Ja, nun", sagte Harry und fühlte, wie seine Wangen rot wurden. „Ich hab mich nur gefragt … Kainda hat meine bemerkt. Sie hat aber nichts gesagt."

„Mm", sagte Snape. Einen Moment herrschte Stille, bevor er wieder sprach. „Wenn du es wissen musst, ich habe sie noch, und das wird noch lange so bleiben." Er sah Harrys Miene und erklärte. „Sie ist wie die Narbe auf deiner Stirn. Eine Art von Fluchnarbe. Du hast das Feuer durch eine Kombination aus Reinen Künsten und Geisteskünsten ausgelöst, und es brannte noch in dir, als du mich gepackt und in die Luft gehoben hast. Es hat uns beide verbrannt." Er stand auf. „Lass sie mich sehen. Vielleicht kann ich etwas dagegen machen, jedoch bezweifle ich es."

Harry öffnete die obersten Knöpfe seines Umhangs. Er schob den Stoff von seiner Schulter und drehte sich um, sodass Snape sein linkes Schulterblatt sehen konnte. Er hatte dort ein paar seltsame Male, die leicht gerötet waren, als ob ihn gerade jemand fest an der Schulter gepackt hatte. Snape fuhr mit den Fingern darüber.

„Genau wie meine", sagte er. „Bis ins letzte Detail. Ich denke nicht, dass sie je verschwinden wird. Es ist nicht wirklich eine Narbe, eher ein ewiges Mal."

Harry nickte. „Wir können nichts dagegen machen?"

„Nein", sagte Snape kopfschüttelnd. Er setzte sich wieder, während Harry seinen Umhang wieder zuknöpfte. „Solange sie nicht unangenehm wird, würde ich mir deswegen keine Sorgen machen."

„Wie habe ich das Feuer eigentlich ausgelöst?", fragte Harry. „Und warum wurden wir nicht getötet? Ich verstehe es nicht ganz."

„Ich habe auch darüber nachgedacht", sagte Snape. „Ich bin nicht ganz sicher, wie es funktioniert hat. Vermutlich Reine Künste, doch die Flammen waren denen der Pyromagie sehr ähnlich. Das ist eine Form der Geisteskünste. Ich denke, dass der Bund vermutlich in dein Unterbewusstsein eindrang, um mein Leben zu retten. Und seltsamerweise wurden wir getötet. Doch Black war natürlich noch am Leben. Er war der letzte Kämpfer, und deshalb gewannen wir. Wir überlebten. Es gibt jedoch etwas, bei dem ich nicht weiterkomme … der Dunkle Lord wurde, genau wie Malfoy, im Feuer getötet. Ein paar Jahre vor seinem ersten Untergang führte Voldemort einen ziemlich gefährlichen Zauber an sich selbst durch. Damals war er besessen vom menschlichen Herz und seiner Verletzlichkeit. Er benutzte einen uralten Zauber um sein Herz mit einem feuerfesten Stein namens Ardorit zu umschließen und zu schützen. Ardorit ist das stärkste, bekannte Material. Muggel kennen es jedoch nicht. Sein Körper müsste von den Flammen verbrannt worden sein, doch sein Herz hätte überleben müssen. Herzen, die von Ardorit umschlossen sind, haben außergewöhnliche Fähigkeiten … als wir jedoch wieder zu uns kamen, sah ich keine Spur des Ardorit-Herzens. Ich habe mich danach umgesehen. Ich kann nicht verstehen, wie es verschwinden konnte … und wenn es irgendwie aus deinem Geist entkommen konnte, und einer von Voldemorts Gefolgsleuten findet es draußen in der Welt und verwendet es, haben wir ein großes Problem."

Harry zuckte mit den Schultern. „Wir könnten zurück in meinen Geist gehen und es noch einmal suchen. Vielleicht liegt es im Irrgarten. Oh, da fällt mir etwas ein. Man hat Rookwoods Tochter gefunden, oder? Wie hat sie das Ankh bekommen?"

„Andralyn hat mir vor kurzem davon erzählt", sagte Snape. „Morgan hatte es, seit Rookwood Jendayis Grab ausgeraubt, die Schätze gestohlen und einige davon mit nach Hause gebracht hat. Als er das Anwesen erreichte, leerte er seine Taschen. Der Großteil der Artefakte wurde zu Voldemort gebracht, der sie als wertlos abstempelte. Das Shani Theoris wurde jedoch von Isabis gefunden. Sie dachte, Rookwood hätte es für sie mitgebracht und gab es Morgan als Zeichen, dass ihre Familie von nun an glücklich sein würde."

„Also hatte sie es die ganze Zeit", sagte Harry. „Aber Rookwood muss erkannt haben, dass sie es hatte … und er gab es Voldemort."

„Genau", sagte Snape. „Ich denke nicht, dass es Sinn macht, in deinem Geist nach Voldemorts Herz zu suchen. Wenn es dort ist, ist es in Sicherheit. Das Ministerium hat das Shani Theoris weggebracht und tief in einem Verlies in Gringotts verschlossen. Niemand wird es bekommen und dich wieder in deinen Geist zwingen."

„Das Herz ist also in Sicherheit", sagte Harry.

Snape nickte. Er bot Harry noch einen Drink an, und dann begannen sie, die Stundenplanung für die nächste Woche noch einmal durchzugehen. Schon nach ein paar Minuten hatte Harry Voldemorts Herz vergessen; es lag in Ardorit eingeschlossen in seinem Geist.

Aber Voldemorts Herz war überhaupt nicht mehr in seinem Geist.

Sirius hatte beschlossen, die Hosen, die er an dem Tag in Harrys Geist getragen hatte, loszuwerden. Sie waren mit Asche bedeckt und zu dreckig. Er band seine Kleidung zu einem Bündel und bracht sie zu einem magischen Second-Hand-Laden in Hogsmeade. Die Frau hinter der Theke lächelte und nahm die Kleidung an. Sie durchsuchte später die Taschen und fand das Ardorit-Herz. Sie hatte keine Ahnung, was es sein konnte. Sie nahm an, dass es eine Art Schmuckstein war und bot es zu einem sehr günstigen Preis zum Verkauf an. Am nächsten Tag kaufte ein Antiquitätenhändler, der einen seltsamen Hut mit Spitzen trug, das Herz und brachte es fort von Hogsmeade. Man wusste also nicht genau, wo es jetzt war. Es könnte am anderen Ende der Welt sein. Doch wo auch immer es war, das Ardorit-Herz wartete nur darauf, dass jemand erkannte, was es war. Es könnte tausend Jahre dauern, und vielleicht würde es nie geschehen.

Aber im Augenblick machte sich Harry James Potter deswegen keine Sorgen. Immerhin hatte er seine Aufgabe erledigt. Voldemort war besiegt, und endlich konnte er einfach mit einem Freund am Feuer sitzen und die letzten Stunden der Ruhe genießen, bevor die Schüler ankamen. Und dann würde Harrys neues Leben beginnen.


Anmerkung: Die Geschichte ist nun fast fertig - der noch fehlende Epilog kommt am Wochenende.