Vielen Dank, Tabby McAbby, für deinen Kommentar! Ich hoffe, dir gefällt die Geschichte auch weiterhin.

Liebe Grüße und schöne Feiertage!

jinkizu

„Ich dachte ich hätte deutlich gemacht, dass ich keinerlei Interesse an ihrem Frage- und Antwortspiel habe?", sagte er sobald er das Haus betreten hatte.

Diesmal brachte ihn die Adresse zu einem schmucken kleinen Häuschen. Irgendjemand hatte sich viel Mühe geben es freundlich und hell einzurichten. Auch wenn er düstere Farben bevorzugte, so gefiel ihm hier die warmen Töne, die vorherrschten. Es passte zum Haus und seiner Bewohnerin – Hermione Granger.

„Eine private Sitzung in ihrem Haus?"

Neugierig betrachtete er sie. Statt einem Rock und einer Bluse, trug sie heute ein dunkle Hose und einen beigefarbenen Pulli. Ihre Kleidung war nicht dazu angetan gefallen zu erregen.

„Das ist keine Sitzung. Sie schulden mir noch eine Erklärung für Ihr Verhalten in meiner Praxis!"

Bedächtig kam er auf sie zu. Dicht vor ihr blieb er stehen.

„Was haben Sie Dumbledore geschrieben?" In seiner Stimme lag ein dunkler, knurrender Ton und sollte ihr Furcht einflößen. Und tatsächlich wich sie vor ihm ein Stück zurück.

„Wie kommt es, dass wieder Sie die Fragen stellen?" Sie war wütend.

„Sie werden sich jetzt setzten und sich wie ein zivilisierter Mensch benehmen!", verlangte sie streng.

Dabei hatte sie ihre Hände in die Hüften gestützt und sah zu allem entschlossen aus. Ein Anblick der ihn nicht kalt ließ und ihn an viele andere Dinge, die rein gar nichts mit einer psychiatrischen Sitzung zu tun hatten, denken. Dinge die Miss Granger bestimmt nicht gutheißen würde. Oder vielleicht doch? Er fühlte Erregung in sich aufsteigen. Diese Frau ließ ihn eindeutig nicht kalt. Tief holte er Luft und ließ sich auf ihre Couch fallen.

„Also?", hakte er nach.

Abwartend sah sie auf ihn herab. Das war etwas was ihm gar nicht gefiel.

„Also was?" Geduld schien nicht ihre Stärke zu sein.

„Haben Sie es ihm erzählt?"

Der Kuss schien ihn genauso beschäftigt zu haben, wie sie. Hermione hatte versucht ihn zu verdrängen und zu vergessen, aber sie war kläglich gescheitert. Immer wieder dachte sie daran und wie es war als er sie geküsst hatte. Es war nur ein Kuss gewesen. Eine kurze Berührung seiner Lippen auf den ihrigen. Nichts weiter. Keine große Sache, kein Drama und doch musste sie unentwegt daran denken. Leicht schüttelte sie ihren Kopf.

„Nein, ich habe es ihm nicht gesagt.", sagte sie leise.

„Warum nicht?" Er würde niemals damit aufhören Fragen zu stellen und im Gegenzug keine einzige von ihr beantworten. Außer …

„Warum haben Sie es getan?", verlangte sie stur zu wissen. Sie konnte das auch. Sie würde auch keine seiner Fragen mehr beantworten. Nicht, solange er die ihrigen nicht beantwortete.

„Es gibt keine logische Erklärung dafür.", kam es gepresst von ihm.

„Wenn es keine logische Erklärung dafür gibt – war es dann eine emotionale und vollkommen irrationale Handlung?", schlug sie vor. Auf Severus Stirn bildete sich eine steile Falte. Diese Erklärung schien ihm nicht zu gefallen.

„Ich neige weder zu einem, noch zu anderem, wie Sie sehr wohl wissen!", kam es abweisend von ihm.

„Tja und genau deshalb ist mir Ihr Verhalten so unbegreiflich!", erwiderte sie schlagfertig. Sie konnte in seinen Augen erkennen, dass sie damit nicht alleine war. Auch er verstand nicht warum er sie geküsst hatte. Er hatte keine Antwort darauf.

„Wir könnten so tun, als wäre es nie passiert und nie wieder darüber sprechen.", schlug sie vor.

„Oder?" Er hatte es also herausgehört das oder.

„Oder wir finden es heraus."

Kurz flackerte etwas in seinen Augen, dass sie dort noch nie gesehen hatte. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie es für einen Anflug von Unsicherheit halten.

„Wie?"

„Durch rein wissenschaftliche Analysen natürlich!"

„Und wie stellen Sie das an?" Das war eine kluge Frage. Wie analysierte man einen Kuss? Sie hatte keine Ahnung, aber es hörte sich zumindest gut an.

„Zuerst werden wir darüber reden.", sagte Hermione selbstsicher.

„Wir werden herausfinden was wir getan haben das es dazu hatte kommen können..."

„Das ist einfach. Sie haben überflüssige und nervige Fragen gestellt!", kam es trocken von ihm.

„So schlecht können sie nicht gewesen sein. Immerhin brachten diese Fragen Sie dazu mich zu küssen." Sie war eine gute Psychiaterin und bestimmt nicht nervig. Wie konnte er nur so etwas behaupten?

„Touché" Irgendwie gab er sich, für ihr Gefühl, zu schnell geschlagen.

„Ihre Fragen haben mich offensichtlich so verwirrt, dass ich nicht wusste was ich tat." Severus erhob sich und bewegte sich auf die Tür zu.

„Da das nun geklärt ist, kann ich wieder gehen!" Er hatte die Hand schon an der Türklinke, da hielten ihre Worte ihn zurück.

„Sie laufen weg?" , rief sie provozieren hinter ihm her. Verdammt noch mal er schuldete ihr eine Erklärung.

Sie bezeichnete ihn als Feige. Er war noch nie feige gewesen und er lief vor nichts davon. Entschlossen machte er kehrt und kam wieder zurück. Dicht vor ihr baute er sich auf.

„Niemand nennt mich feige!" Seine Stimme war ein einziges Knurren.

„Dann reden Sie mit mir!" Ihre Wut schien seiner in nichts nachzustehen.

„Sie wollen es wissen?" , fragte er sie verdächtig ruhig, doch in seinem Inneren brodelte es. Diesmal würde er sie für ihre Dreistigkeit bezahlen lassen.

„Ja!", erwiderte sie heftig.

Sie hatte es so gewollt. Severus packte sie fast schon grob an den Schultern und zog sie noch näher zu sich heran. Ein letztes Mal blickte er ihr tief in die Augen, dann senkte er sein Haupt und tat es wieder.

Er küsste sie und diesmal war es noch … besser. Er hatte das Gefühl, als würde etwas, was er vor langer Zeit verloren hatte, auf ihn überspringen. Ungestüm riss er sie in seine Arme und küsste sie als würde sein Leben davon abhängen. Doch plötzlich stieß er sie beinahe grob von sich. Was tat er hier – schon wieder? Er sollte diese Frau nicht küssen, sondern besser ganz schnell von hier verschwinden und sie vergessen.

Nur wenn er jetzt in ihre großen Rehaugen blickte, dann verwirrte ihn das und es schwirrten Hormone in seinem Körper herum, die da nichts zu suchen hatten. Severus hatte noch nie auch nur so getan als hätte er so etwas wie eine romantische Ader, aber gerade jetzt verspürte er den albernen Wunsch ihr eine Freude zu machen.

„Du scheinst das gerne zu tun!", wisperte sie und brachte ihn dazu sie wieder loszulassen, wenn auch etwas abrupt.

„Verzeihen Sie!", kam es überraschend von ihm. Er war verwirrt. Warum nur konnte er nicht aufhören sie zu küssen? Das erste Mal konnte man vielleicht noch entschuldigen, aber jetzt... Sanft strich sie ihm mit ihrer Hand über den Arm.

„Obwohl wir uns offensichtlich nicht leiden können, können wir dennoch nicht Finger von einander lassen! Erstaunlich, nicht wahr?"

Ob das Erstaunlich wahr? Wahrscheinlich, oder auch nicht. Er hatte keine Ahnung. Momentan war er sich nur in einem Punkt sicher. Er wollte es wieder tun und nicht nur das. Tief holte er Luft und trat demonstrativ einen großen Schritt zurück. Wenn sie sich nicht ständig berührten, vielleicht verschwand dann diese unerklärliche Anziehungskraft zwischen ihnen? Ein sinnloses Wunschdenken!

Selbst als zwischen ihnen mehrere Meilen waren, war der Gedanke sie zu küssen und zugleich eine gewisse merkwürdige Sehnsucht nach ihr stark in ihm gewesen. Aber da konnte er es noch auf die Verwirrung die der Kuss in ihm ausgelöst hatte schieben. Doch nun … gerade jetzt wurde ihm klar, dass alles ganz anderes war. Er war nicht mehr derselbe Mensch, der er vor dem Kuss gewesen war und sie offensichtlich auch nicht.

„Erstaunlich war nicht das Wort, das mir in den Sinn kam.", sagte er leise und betrachtete sie genauer. Was war es nur, das ihn immer wieder dazu brachte sich ihr zu nähern?

„Wenn du bereit bist mir ein paar Fragen zu beantworten, dann verspreche ich dir das ich dir noch heute sagen kann, was hier mit uns passiert!", kam es überraschend zuversichtlich von ihr.

Gab es da tatsächlich etwas was ihm entging und sie wusste? Unwahrscheinlich! Aber dennoch würde er es auf einen Versuch ankommen lassen. Der Abend war jetzt schon merkwürdig, schlimmer konnte es bestimmt nicht mehr werden.

Hermione ahnte bereits was mit ihr passierte und sie vermutete und hoffte, dass ihm das gleiche widerfuhr. Der Kuss hatte starke Gefühle für ihn in ihr geweckt. Deshalb hatte sie ihn heute zu sich nachhause gebeten.

„Dein Herz klopft unerklärlich schnell und du wünscht dir es wieder zu tun?"

Finster starrte er sie an. Scheinbar hatte sie ins Schwarze getroffen.

„Ich weiß worauf du hinauswillst, aber das ist unmöglich!", schmetterte er ihre Idee nieder.

Niemals! Er stand über solchen banalen Gefühlen. Sein ganzes Leben hatte er sich davon ferngehalten und bestimmt würde ihm in seinem Alter so etwas nicht mehr passieren. Auf gar keinen Fall!

„Du bist in mich verliebt!", sagte sie freudig strahlend.

„Das ist lächerlich!", brachte er knurrend über die Lippen.

„Es ist lächerlich so für mich zu empfinden?", kam es verletzt von ihr.

Andererseits was hatte sie erwartet? Severus Snape war kein Märchenprinz und sie durfte sich keinerlei Hoffnungen auf ein Happy End machen. Nur weil sie es sich erlaubte zu fühlen, was sie fühlte, galt das noch lange nicht für ihn.

„Der bloße Gedanke daran ist lächerlich! Ich hatte mich immer von solchen Gefühlen ferngehalten und jetzt bin ich in meinem Alter schon längst darüber erhaben!"

Sie war kein gewalttätiger Mensch, doch gerade verspürte sie den heftigen Drang ihn kräftig zu Ohrfeigen.

„Ich werde gehen!" Entschlossen machte er sich auf den Weg zur Tür.

„Du fliehst erneut?" Wieder stellte sie seinen Mut ihn zweifel, wohl wissend das er dieser Herausforderung niemals wiederstehen konnte.

„Ich fliehe nicht! Es gibt hier nur nichts was mich zum Bleiben überreden könnte!", meinte er abweisend. Zornig verschränkte sie ihre Arme vor der Brust, ansonsten, das wusste sie, würde sie ihn doch noch schlagen.

„Wenn das so ist … dann geh!", kam es gelassen von ihr. Unwillig runzelte er die Stirn und blieb nahe der Tür stehen.

„Hast du es dir anders überlegt?" Lauernd betrachtete sie ihn. Er war noch nicht fort, das wertete sie als gutes Zeichen.

„Ich dachte nur du wolltest noch etwas ..."

Ein kleines Grinsen legte sich auf ihre Lippen. Er fühlte es. Genauso wie sie, nur war er noch nicht bereit es zu zugeben.

„Das will ich ...", sagte sie herausfordernd. Hermione hatte Angst war aber bereit sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Jetzt musste sie nur noch ihn überzeugen. Sie ließ den Satz bewusst offen um ihm etwas zweideutiges zu geben. Heftig holte er Luft. Es war ihm nicht entgangen.

„Vielleicht hast du Lust ...", fühlte sie ihm weiter auf den Zahn und sah wie er für eine Sekunde die Augen schloss. Er hatte eindeutig Lust und das verlieh ihr ein Gefühl von Macht. Dicht trat sie an ihn heran, stellte sich auf die Zehenspitzen, dabei stützte sie sich mit den Händen an seinen Schultern ab und hielt auf Mundhöhe inne.

„Bleib!", bat sie ihn sanft und spürte wie sich seine Schultern anspannten. Er wollte nicht wirklich gehen. Er wollte bleiben.

„Das ist keine gute Idee!", kam es gepresst von ihm.

„Ich weiß, aber dennoch einen Versuch wert!", wisperte sie dicht an seinen Lippen und küsste ihn.

Ohne darüber nachzudenken erwiderte er den Kuss. Das war bereits der dritte Kuss und es wurde noch nicht langweilig es zu tun. Vielleicht wurde es das auch niemals und sie hatte Recht. Sie sollten herausfinden was da zwischen ihnen passierte. Vielleicht war es sogar so etwas wie Liebe, aber das würde er nur wissen, wenn er blieb. Und Dumbledore würde das bestimmt nicht gefallen. Ein Grund mehr zu bleiben. Knurrend vertiefte er den Kuss.

Es war etwas vollkommen Neues für ihn und vielleicht weit schlimmer als alles was er mit Voldemort erlebt hatte, denn ihn hatte er aus tiefsten Herzen gehasst. Aber sie. Seine Gefühle für sie waren gänzlich anderer Natur. Das konnte zu einem Abenteuer werden, größer als alles andere je zuvor. Severus zog sie in seine Arme und schloss die Augen.

Etwas Neues, etwas Aufregendes und vor allem etwas Gefährliches, das alles hatte ihm in seinem Leben gefehlt. Bis sie kam und ihn dazu brachte etwas Dummes zu tun. Sie zu küssen! Der wohl beste Fehler seines Lebens.