Jinai: Während Kanda noch ratzt, lade ich schon mal das nächste Kapitel hoch.

Raffael: Und schmeißt ihn gleichzeitig aus den Federn.

Jinai: Wer die Tiefs erlebt, weiß die Hochs besser zu schätzen.

Raffael: *spöttisch* Ja, Meister Konfuzius.

Jinai: Ruhe auf den billigen Plätzen, wo's durchs Dach regnet. DISCLAIMER!

Raffael: Habe ich schon erwähnt, dass sie ein bisschen gereizt ist?

Rated: T

Disclaimer: So viele Kapitel schon, und ihr wisst noch immer nicht, dass mir nichts gehört? Traurig, traurig...


Die anderen drei hatten nicht so viel Glück. Am nächsten Morgen konnte man ihnen deutlich ansehen, dass eine lange, zermürbende Nacht hinter ihnen lag. Still und verschlossen saßen sie auf dem Sofa in Komuis Büro. Auch wenn Kanda durchgeschlafen hatte, ging es ihm nicht viel besser. Die Menge an Schlaf war einfach zu wenig gewesen, um den inneren Aufruhr in ihm aufzuwiegen. Genauso erschöpft lehnte er neben ihnen.

„Und jetzt erzählt mir bitte, was passiert ist." Komui hatte sich ihnen gegenüber an die Schreibtischkante gelehnt. Er hatte zwar gehofft, dass eine Nacht, in der sie sich ausruhen und schlafen konnten, ihnen helfen würde, aber ehrlich gesagt, sahen alle vier so aus, als würden sie gleich umkippen. Sogar Kanda, von dem er sich eigentlich etwas anderes erhofft hatte. Anscheinend hat es auch ihn ziemlich mitgenommen.

„Wir haben doch schon alles den Findern gesagt. Wieso müssen wir das noch mal durchkauen?" Lavi gähnte hinter vorgehaltener Hand.

„Weil eure Geschichte, gelinde gesagt, einfach unglaubwürdig ist. Gerade von einem zukünftigen Bookman könnte man ein bisschen mehr erwarten." Der gegenwärtige Bookman lehnte hinter ihnen an der mit Regalen bedeckten Wand. Er wollte wissen, was passiert war. Eine Exorzistin war verschwunden und diejenigen, die sie zuletzt gesehen hatten, sahen aus wie der Tod auf Latschen. Irgendetwas war faul.

„Sollen wir euch ein paar nette Geschichten erzählen, die wir uns ausdenken, damit ihr zufrieden seid? Wir haben alles erzählt, was passiert ist. Mehr gibt es einfach nicht zu sagen."

„Lavi." Allen sah nicht einmal auf. „Du musst nicht gleich unhöflich werden. Bitte."

„Sorry, aber es stimmt. Das war alles und mehr ist da nicht."

„Wie ist sie gestorben?" Alle vier zuckten merklich zusammen bei den harschen Worten des Bookman.

Lavi starrte auf die verkrampften Finger in seinem Schoß. „Von einem Akumageschoss getroffen. Wir konnten nichts tun."

Also hatte sich seine Vermutung bestätigt. Komui hatte es schon befürchtet.

Der Alte ließ sich nicht anmerken, ob ihnen glaubte oder nicht. „Wann?"

Immer noch sah Lavi nicht auf. „Vor wenigen Tagen, ungefähr auf der Hälfte der Strecke. Keine Ahnung, wo wir gerade waren."

„Wieso seid ihr nicht sofort zurück nach Szeged?"

Langes Schweigen.

„Es hat sich einfach nicht ergeben. Da kann man nichts machen." Mit geschlossenen Augen lehnte Kanda auf der Seitenstütze des Sofas. Sie stand genau vor ihm.

„Das klingt nicht sehr überzeugend."

„Che."

„Gibt es noch irgendetwas, das ihr uns sagen wollt? Egal was." Komui versuchte die eisigen Worte der beiden Männer etwas zu entschärfen, indem er möglichst ruhig und sanft sprach.

Kalt und teilnahmslos blickte Bookman Linali an. „Zum Beispiel, was es mit dieser Tasche auf sich hat."

Linali sah überrascht auf. Ihre Lippen zitterten und ihre Augen wurden feucht. „Das ist ein Geschenk. Alles, was noch von ihr geblieben ist. Es gehört mir."

„Was ist es?"

„Reicht Ihnen nicht, was Sie schon wissen? Es ist etwas, dass sie mir geschenkt hat. Mehr ist nicht relevant." Linali biss sich auf die Lippen, um das Zittern zu unterbinden und presste die Lider zu. Auf keinen Fall würde sie weinen. Sie hatte sich vorgenommen, stark zu sein, sobald sie hier ankam, und daran würde sie sich auch halten.

„Das reicht. Anscheinend gibt es wirklich nicht mehr zu sagen." Komui blickte den Bookman scharf an. Dann wandte er sich an die vier Exorzisten. „Ihr solltet euch ausruhen. Im Moment haben wir keine Missionen für euch, also werdet ihr wohl ein paar Tage hier bleiben. Nutzt sie, um euch zu erholen und neue Kräfte zu sammeln. Und… nehmt Abschied."

Alle vier sahen ihn überrascht an. Dann blickten sie zu Boden. Es würde ihnen schwer fallen, aber sie konnten nicht ewig im Nichtstun versinken. Sie mussten voran. Ihre Welt brauchte sie.

„Geht jetzt."

Gleichzeitig erhoben sie sich und machten sich auf den Weg zum Ausgang. Komui und Bookman sahen ihnen nach.

Dann wandte sich der Bookman Komui zu. „Wir haben sie auch gemocht. Aber du bist zu nachsichtig mit ihnen. Sie verbergen etwas, merkst du das nicht?"

„Natürlich habe ich das gemerkt. Aber was soll ich tun? Solange sie nicht über den Damm sind, bekommen wir kein Wort aus ihnen heraus. Sie brauchen Zeit, Bookman."

„Zeit, die wir nicht haben."

„Momentan können wir sowieso nur auf neue Missionen warten. Ich habe es auch so gemeint, als ich gesagt habe, dass sie sich ausruhen und Abschied nehmen sollten. Niemand kann von ihnen erwarten, dass sie das einfach so wegstecken. Ein wenig Zeit, um das zu verarbeiten, kommt da gerade recht."

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Draußen vor dem Büro wurden sie bereits erwartet. Die anderen Exorzisten standen neben der Tür und blickten ihnen entgegen. Marie kam auf Linali zu und griff nach der Hand der Chinesin.

„Stimmt es? Ist sie wirklich…" Linalis leichtes Nicken trieb ihr die Tränen in die Augen. Seit sie von Komui erfahren hatte, dass Jinai nicht mit den anderen zurückkommen würde, hatte sie es befürchtet, seit sie gesehen hatte, wie die vier ausgesehen hatten, als sie ankamen, wollte der eisige Klumpen aus Furcht nicht mehr aus ihrem Magen verschwinden. Sie wusste, dass sie tot war, aber jetzt musste sie es akzeptieren.

Anna trat neben sie und legte den Arm um ihre Schultern. „Können wir irgendetwas für euch tun?"

Linali sah sie traurig an. „Könnt ihr… könnt ihr einfach nur da bleiben? Ich will jetzt nicht allein sein. Bitte."

Beide nickten. Miranda schloss sich ihnen an. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu den Zimmern.

„Wir sollten auch etwas tun. Es bringt nichts, ewig nur dazusitzen", sagte Allen in die Stille hinein.

Lavi nickte. Allen hatte Recht. „Krory? Komm mit, wir müssen Allen füttern. Er hat seit Tagen nicht richtig gegessen. Jeryy wird sich freuen, uns zu sehen." Er packte beide am Ärmel und zog sie hinter sich her, dann wandte er sich kurz um. „Möchtest du dich uns anschließen, Yuu?"

„Und riskieren, gebissen zu werden? Nein danke. Ich behalte meine Finger lieber." Er ging in die andere Richtung.

Linali und die anderen hatten Annas Zimmer erreicht. Es war das erste Zimmer auf ihrem Weg und gemütlich eingerichtet. Außerdem war es groß genug für vier Personen.

Sie hatte es irgendwie geschafft, ein großes Himmelbett durch die Tür zu bekommen, das jetzt ein Drittel des Raumes einnahm. Darauf lag eine dicke hellgrüne Tagesdecke, unter der gerade noch karmesinrote Polster zu sehen waren. Der Baldachin war ebenfalls karmesinrot, genau wie der Teppich, der vor dem Bett lag. Vor das Fenster hatte sie schwere fliederfarbene Vorhänge gehängt, die trotz der hellen Farbe nur wenig von dem schwachen Morgenlicht durchließen. Ein weiß lackierter, mit goldenen Einlegearbeiten verzierter Kleiderschrank stand neben einer weichen, ebenfalls weißen Chaiselongue mit goldenen Füßen, auf der mehrere Polster lagen, in den Farben der Wüste: sandiges Gold, Kakteengrün, Türkisblau und Rosé, verziert mit Stickereien in Ocker, Umbra und Siena. Auch das ehemals kahle und unangenehm kalte Licht hatte sie verändert: Rund um die Glühbirne war ein weißer Papierballon angebracht, der das Licht sanft über den Raum strahlen ließ. Die Decke und die obere Hälfte der Wände waren in dem gleichen Türkisblau gestrichen, das die Polster hatten, die untere Hälfte war grasgrün. Der Übergang war fließend, sodass man erst am unteren Rand bemerkte, dass man schon lange kein Blau mehr sah.

„Es sieht toll aus, Anna." Linali ließ den Blick über den Raum gleiten.

„Ich war einmal mit meinem Vater in Texas, nahe an der Grenze zu Mexiko. Die Wüste dort war hart, aber traumhaft schön." Beide klangen nicht besonders munter.

Sie setzten sich zu viert auf das große Bett. Eine Weile lang wussten sie nicht, worüber sie sprechen sollten, also schwiegen sie lieber, als Nonsens zu reden.

„Wie…" Miranda wusste nicht, wie sie weitermachen sollte. Wie ist es passiert? Wie ist sie gestorben? Wie hast du es verkraftet? Wie fühlst du dich jetzt? Wie können wir dir noch helfen?

„Ein Akumageschoss." Linali hatte kurz überlegt, ihnen die Wahrheit zu sagen, aber sich dann doch für die Lüge entschlossen. Sie hatten sich entschieden, das zu sagen, und dabei sollten sie dann auch bleiben. „Sie hatte keine Chance."

„Ausgerechnet… ich hätte mir nie träumen lassen, dass… sie war doch so…" Anna schwieg. Auch dem besten Kämpfer konnte so etwas zustoßen. Früher oder später…

„Wie lange ist es jetzt her?"

„Gestern Abend sind wir hier angekommen. Unser Zug hat ungefähr dreißig Stunden gebraucht. Wir sind ein paar Stunden marschiert, bevor wir auf Finder gestoßen sind. Davor haben wir fast nur gekämpft, hatten kaum Zeit, um zu rasten. Wenn ich alles zusammenrechne, sind es ungefähr fünf Tage." Es waren in Wirklichkeit nur zwei Tage, denn an dem Tag, an dem sie zurückgekehrt waren, hatten sie auch die Finder getroffen, aber sie mussten bei ihrer Geschichte bleiben. „Ich kann allerdings nicht sagen, wo wir waren. Wir sind kaum in die Nähe von Städten gekommen." Das war vage genug, um sich nicht in Lügen zu verstricken, aber genau genug, um kein Misstrauen zu erregen.

"Das ist eine lange Zeit." Miranda senkte den Kopf. „Linali-chan, gibt es irgendetwas, das wir tun können?"

Die Chinesin schwieg einige Zeit. „Ich wüsste nicht, was mir helfen sollte. Das muss ich selbst schaffen. Aber… wir könnten etwas für sie tun."

Die anderen drei sahen sie erwartungsvoll an.

„Wir könnten uns von ihr verabschieden."

„Du meinst, eine Art symbolisches Begräbnis?" Anna blickte auf ihre Hände. Sie könnten, aber ob sie bereit waren, von Jinai Abschied zu nehmen, war die Frage.

„Nicht sofort. Aber sobald wir uns in der Lage fühlen…"

„Loszulassen, meinst du?" Marie starrte auf den roten Baldachin über sich.

Linali nickte. „Dann können wir sie verabschieden. Das hat sie verdient, oder nicht?"

Die anderen nickten ebenfalls. Viel Zeit würde ihnen nicht bleiben, denn der Graf schlief nicht. Die Welt hörte nicht auf, sich zu drehen, nur weil eine Freundin von ihnen gestorben war. Je eher sie darüber hinwegkamen, desto eher konnten sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Dann würde ihnen nicht dasselbe passieren.

„Es ist so unfair. Wir Exorzisten kämpfen für diese Welt, kämpfen, um sie zu retten. Und was macht sie? Sie nimmt uns, was wir lieben." Marie verbarg ihr Gesicht in ihren angezogenen Knien. „Manchmal möchte ich gar kein Exorzist sein."

„Sag das nicht. Nicht die Welt nimmt sie uns, sondern der Graf. Durch den Grafen ist es überhaupt möglich, die Trauer der Menschen in Akuma zu verwandeln, mit denen er noch größeres Unglück herbeiruft. Wir können die Schuld der Menschen nicht ungeschehen machen, aber verurteilen dürfen wir sie nicht." Anna sah sie streng an, obwohl das Mädchen sie nicht sehen konnte.

„Wieso? Wenn sie doch auch Schuld an den Akuma haben, dann haben sie auch Schuld daran." Maries Stimme war heiser. Sie weinte.

„Weil wir in derselben Lage sind wie sie, Marie. Unsere Verzweiflung ist genau das, was die Akuma antreibt und den Grafen auf den Plan ruft. Im Gegenteil zu den meisten Menschen wissen wir, was passiert, wenn er anbietet, eine Seele zurückzuholen, aber das heißt nicht, dass wir nicht vielleicht doch hoffen. Es gibt auch für uns diesen einen kurzen Moment, nicht länger als ein Wimpernschlag, in dem wir das Angebot in Erwägung ziehen würden. Und dass ist unsere Teilschuld. Alles, was wir tun können, ist, der Versuchung nicht nachzugeben und ihrer Seele Frieden zu schenken."

„Du sprichst wie Marschall Cloud, Anna." Linali hatte bisher als einzige von ihnen mit dem einzigen weiblichen Marschall zu tun gehabt.

Die anderen drei sahen sie ratlos an. „Wer?"

Sie winkte ab. „Ihr werdet sie noch kennen lernen." Dann sah sie betrübt auf ihre Füße. „Aber du hast Recht. Viel mehr können wir nicht tun. Und wir sollten es bald tun, denn sonst ist es vielleicht zu spät. Wer weiß, wann wir wieder eine Mission bekommen. Dann werden wir vielleicht lange nicht dazu kommen."

Marie legte ihr Kinn auf die Knie. „Was haltet ihr von übermorgen oder den Tag darauf? Ich weiß, so was lässt sich nicht genau festlegen, aber wir haben wenig bis gar nichts zu tun. Und dementsprechend viel Zeit, um darüber nachzudenken und es zu verarbeiten. Danach… lassen wir los."

Die anderen nickten. Natürlich konnte keine von ihnen genau sagen, wie lange es dauern würde, aber etwas zu haben, an das man sich halten konnte, gab einem Kraft. Und außerdem waren sie nicht allein.

„Und was werden wir tun?" Miranda wurde in ihrem Sitz kleiner, als alle sie ansahen.

Das hatten sie sich noch nicht überlegt. Immerhin war ihnen die Idee gerade erst gekommen.

„Egal was, es sollte etwas sein, dass uns an sie erinnert. Eine schöne Erinnerung. Ein paar Zeilen oder ein Bild, eine Kleinigkeit. Das geben wir dem Wind." Annas Idee wurde bedingungslos akzeptiert. An etwas Ähnliches hatten sie auch gedacht.

Marie lehnte den Kopf jetzt an die Wand. „Vielleicht wollen die anderen auch mitmachen. Wir sollten ihnen davon erzählen. Dann können wir es gemeinsam tun. Es wäre für sie sicher auch nicht schlecht, sie so zu verabschieden."

Linali nickte. „Dann sollten wir mit den anderen Exorzisten, den Findern und den Angestellten sprechen. Wer auch immer teilnehmen möchte." Es gab sicher einige, die wenigstens anwesend sein wollten, auch wenn sie nichts zu geben hatten.

Dann verstummten sie. Lange Zeit schwiegen sie, jede von ihnen in Gedanken bei dem Mädchen, das sie nur so kurze Zeit und nur so wenig gekannt hatten.


Raffael: Kannst du so viel Zeit erübrigen?

Jinai: Sehe ich so aus? Ich muss schon das nächste Kapitel schreiben! Und nicht nur dieses, sondern auch das für meine andere fanfiction!

Raffael: Okay, okay, ich hab schon verstanden, du bist im Stress...

Jinai: *schnaubt wie ein wütender Stier*

Raffael: Äh... ich beende dann mal das Kapitel... Wir sehen uns ...bald? Oder erst später... wenn sie endlich aufhört, mit den Hufen zu scharren... Hilfe...