Raffael: Das hast du jetzt davon. Jetzt schimpfen schon deine Leser mit dir.
Jinai: Ich fluche ständig. Nur schreibe ich es eben nicht immer auf.
Raffael: Sagt dir das Wort Vorbildwirkung etwas?
Jinai: Ich bin kein Vorbild. Ich bin der billige Gratis-Abklatsch einer Autorin. Ich schreibe Geschichten zu Geschichten, die nicht mir gehören. Was daran ist vorbildhaft?
Raffael: Schon gut, hör einfach auf zu fluchen.
Jinai: Du bist immer so... anständig. Und prüde.
Raffael: Und du hast ein loses Mundwerk. Was den Rest angeht, sage ich besser nichts.
Jinai: *lächelt* Es ist lange her, dass du deine letzte Abreibung verpasst bekommen hast. Die Wirkung lässt schon nach.
Raffael: Du willst das aber jetzt nicht auffrischen, oder? Nicht vor den Lesern.
Jinai: Mach deinen Job, dan können wir anfangen. *Fingerknöchelknacksen*
Rated: T -warum eigentlich? So schlimm ist die Geschichte doch gar nicht, oder? ich meine, es kommt ein bisschen Blut und Gewalt und Tod vor, und ja, geflucht wird auch und die Charas werden psychisch gefoltert ...okay, ich hör schon auf...
Disclaimer: Alles gehört Katsura Hoshino. Würde das hier Jinai gehören, dann hätte sie sicher jemanden in die Geschichte geschrieben, auf dem sie ein bisschen herumtrampeln kann. Jemanden, den sie wie mich als punching bag verwenden kann, ohne das derjenige ihr irgendeinen Anlass dazu gegeben hat- *wham!*
Jinai: *Fäuste noch erhoben* Ich konnte nicht länger warten...
6. Trauer
Der nächste Morgen war ein eisiger Wintermorgen mit dichtem Schneetreiben. Die Temperatur sank in den zweistelligen Minusbereich und ganz London litt unter der Kälte und dem eisigen Wind, der durch alle Ritzen drang und einen bis auf die Knochen zum Zittern brachte. Kaum jemand, der nicht unbedingt musste, ging vor die Tür. Die Bettler in den Gassen flüchteten sich in die Kirchen, aber dort war es nicht unbedingt wärmer. Trotzdem zogen sie es den windigen Gassen vor. Für die Huren und Taschendiebe würde es ein fruchtloser Tag werden.
Oben im Hauptquartier des schwarzen Ordens, hoch über den Abgasen der Stadt, war es nicht besser. Wenigstens mussten sie nicht nach draußen.
Gegen zehn Uhr legte sich der Wind allerdings und der Schnee peitschte nicht mehr, sondern fiel langsam und leicht zu Boden. Bald war alles in eine dicken Schicht aus weißem Schnee eingehüllt, der dem sonst düsteren und abweisenden schwarzen Gebäude den Charme einer verträumten Winterlandschaft gab. Allerdings war es nicht mehr so lustig, wenn man erst mal ein-, zweimal auf dem spiegelglatten Weg ausgerutscht war, denn der Boden war unter dem Schnee hart gefroren und der Tau hatte alles vereisen lassen, sodass man sich eigentlich nur noch mit Schlittschuhen vor die Tür wagen hätte können. Trotzdem lieferten sich die wenigen Mitarbeiter, die Zeit hatten, eine heftige Schneeballschlacht mit den Findern, sodass der Schnee rund um das Gebäude bald festgetreten war und man problemlos darauf laufen konnte, ohne gleich eine Bauchlandung zu machen.
Der Morgen hatte für Allen schlecht angefangen. Erst mal eiskalt. Dann war er gestolpert, als er aus dem Bett gestiegen war und hatte sich auf die Nase gelegt, bevor er sich aufgerappelt und prompt den Kopf am Kleiderständer angestoßen hatte. Und als er dachte, es könnte nicht schlimmer kommen, war er in seine Hose gestiegen. Besser darauf, denn er hatte sein rechtes Hosenbein mitgenommen. Jetzt stand er da mit einer Hose mit nur einem Hosenbein, einer immer noch blutenden Nase und einer Beule am Hinterkopf. Und dann klopfte es zu allem Überdruss auch noch.
„Was denn nicht noch alles!?"
„Was ist denn-" Lavi verstummte bei Allens Anblick. Dann knallte er die Tür zu.
„Lavi?"
Hinter der Tür waren Geräusche zu hören, die erst leise zu hören waren, dann immer lauter wurden, bis er lauthals lachte.
Allen riss die Tür auf, nur um Lavi dabei umzuwerfen, denn der hatte sich gegen die Tür gelehnt, um nicht beim Lachen das Gleichgewicht vollends zu verlieren. Aber als die Tür in seinem Rücken aufging, folgte er den Gesetzen der Schwerkraft und riss Allen mit sich.
„Ahh!"
Beide lagen auf dem Boden, unfähig, aufzustehen, der eine, weil jemand auf ihm lag, der andere, weil er immer noch lachen musste.
„Lavi- geh- von- Mach wenigstens die Tür zu!" Inzwischen waren schon mindestens zehn Finder und Mitarbeiter vorbeigelaufen, die ihnen seltsame Blicke zugeworfen hatten.
Im hintersten Winkel seines Verstandes, der nicht mit Lachen beschäftigt war, registrierte Lavi die Bitte und stieß mit dem Fuß die Tür zu, dass sie laut krachend ins Schloss fiel. Als Allen ihn von sich herunter schieben wollte, blieb der Fuß des Rotschopfs im Kleiderständer hängen, der umkippte und beide unter sich begrub.
Jetzt konnte der weißhaarige Exorzist auch nicht mehr viel machen. Er begann zu lachen, wobei Lavi durchgeschüttelt wurde, weil sein Hinterkopf auf seinem Bauch lag. Daraufhin begann der nur noch lauter zu lachen.
„Du- du- bist echt-" –Lachen- „hoffnungslos- Allen!"
„Und du- bist „ –Lachen- „fies, Lavi!"
Es dauerte ein wenig, bis sie sich so weit beruhigt hatten, dass sie in der Lage waren, den Kleiderständer von sich herunter zu schieben und sich aufzusetzen. Lavi lehnte sich gegen die Wand.
„Das war jetzt einfach notwendig. Danke, Allen."
Auch wenn das alles unfreiwillig passiert war, nickte er. Er hatte das auch gebraucht. Dann hielt er seine halbe Hose hoch. „Aber was mach ich jetzt damit?"
„Ich borg dir eine. Die können wir nähen lassen, das ist kein Problem."
„Aber du bist zehn Zentimeter größer als ich."
„Dann schlägst du sie halt um. Schlimmer wärs, wenn ich mir von dir eine Hose borgen würde." Lavi zog ein Taschentuch aus der Hosentasche. „Aber um deine Nase solltest dich auch noch kümmern. Was ist überhaupt passiert?"
Allen nahm das Tuch, presste es gegen seine Nase und seufzte. „Ich bin aufgestanden, gestolpert, hingefallen und hab mir beim Aufstehen den Kopf am Kleiderständer gestoßen. Dann bin ich beim Anziehen im Hosenbein hängen geblieben und… ratsch."
Lavi schüttelte verständnislos den Kopf. „So was kann auch nur dir passieren."
„Du warst auch nicht ganz unschuldig an der ganzen Sache. Du hast mich umgeworfen und den Kleiderständer gleich mit dazu."
Der Rotschopf hob beide Hände. „Sorry, aber ich konnte einfach nicht anders. Es war einfach zum Schießen, wie du-"
„Ja, danke." Allen wollte nur ungern daran erinnert werden.
Lavi rappelte sich auf. „Ich hol schnell eine Hose. Viel Zeit ist nicht mehr."
„Wofür?"
„Du weißt doch, wie spät es ist, oder?"
Allen schüttelte nur den Kopf.
„In einer halben Stunde…" Lavi umklammerte den Türrahmen, das Gesicht abgewandt.
„Oh." Er senkte den Kopf. „Natürlich. Danke, Lavi."
Der rothaarige Exorzist nickte nur kurz, ohne ihn anzusehen und verschwand dann.
Schon seltsam, wie schnell das geht. Beim Aufwachen hab ich noch daran gedacht, dann ist das alles passiert und kurze Zeit war es lustig, aber jetzt…
Er tastete nach dem Zettel in seiner rechten Hosentasche. Er war noch da. Den durfte er nicht vergessen, er musste ihn in die andere Hose stecken, wenn Lavi zurückkam.
Wenige Minuten später war Allen fertig angezogen. Mit Hose. Sie schlossen die Tür hinter sich und marschierten Richtung Speisesaal, wo sie sich treffen wollten. Sie wurden bereits erwartet. Linali, Krory, Anna, Miranda und Marie standen im Eingang, alle bedrückt die Köpfe gesenkt. Komui kam gleichzeitig mit Allen und Lavi. Er trug einen kleinen Brenner, der oben offen war, und in dem sie die Zettel verbrennen würden. „Da wir jetzt vollzählig sind, wollen wir…"
Die anderen nickten.
„Und was glaubt ihr, wo ihr hingeht?"
Sie fuhren herum. Kanda stand hinter ihnen, eine Augenbraue hochgezogen.
„Nach draußen."
„Erdgeschoss? Schlechte Idee." Er drehte sich um und ging.
Verwirrt sahen sich die anderen an. Was meint er?
„Kommt ihr jetzt?" Er war stehen geblieben und hatte sich zu ihnen umgedreht.
Linali ging auf ihn zu. „Was meinst du damit, Kanda?"
„Ihr kennt sie wirklich schlecht." Dann ging er weiter. Linali folgte ihm, hinter ihr die anderen. Sie merkten, dass es keinen Sinn hatte, Fragen zu stellen, also schwiegen sie, während sie Stiege um Stiege nach oben kletterten. Plötzlich schlug ihnen kalte Luft entgegen. Sie befanden sich auf der Plattform, mehrere dutzend Meter unter ihnen der Boden des Erdgeschosses, vor ihnen der Blick über die schneeverhangenen Wolken.
„Natürlich." Lavi sah zu Kanda hinüber, der über die Wolkenlandschaft blickte. „Das war ihr Lieblingsplatz."
Komui ging bis zum Rand der Plattform, wo er den Brenner auf ein Klappgestell stellte, das er aus der Manteltasche zog. Es war alles sehr einfach, aber sie hatten nur wenig Zeit. Die Exorzisten stellten sich in einem Halbkreis auf, alle bis auf Kanda, der hinter ihnen an der Wand lehnte, die Arme verschränkt, den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen.
Anna trat vor. „Darf ich anfangen?" Sie sah die anderen an. Die nickten nur.
Sie ging zu dem Brenner und holte im Gehen ihren Zettel aus der Manteltasche.
Geschwindigkeit, Härte, Taktik. Tak.
Wortlos ließ sie den Zettel in die Glut fallen und beobachtete, wie er zu Asche wurde.
Danach drehte sie sich um und ging zu ihrem Platz zurück.
Miranda machte einen Schritt nach vorne, blieb dann aber stehen und sah die anderen zögernd an. Als keine Proteste kamen, ging sie weiter.
(Deutsch) Ich habe dich nur wenig gekannt, aber ich habe sofort dein großes Herz erkannt.
Auch sie beobachtete, wie das Papier sich verfärbte und zerfiel, und kehrte dann an ihren Platz zurück.
Marie zog den Zettel aus ihrer Tasche. Als keiner sonst Anstalten machte, sich zu bewegen, trat sie vor und hob die Hand über den Brenner. Dann ließ sie los.
(Deutsch) Unterschätze nie ein verwundetes Tier. Ich bin sicher, du hast gekämpft bis zum letzten.
Als das Papier verschwunden war, griff sie nach dem Stein an ihrem Halsband. Ihn immer noch fest umschlossen, kehrte sie dem Brenner den Rücken zu.
Als sie wieder an ihrem Platz stand, trat Linali auf die Glut zu. Sie hielt die Hand darüber, zögerte einen Moment und atmete dann tief durch. Dann ließ sie den Zettel fallen.
Ich weiß nicht, ob ich das Kleid je wieder anziehen werde. Aber um deinetwillen will ich es versuchen, wenn ich so weit bin.
Sie biss sich auf die Unterlippe. Sie wollte stark sein. Mit gesenktem Blick nahm sie wieder ihren Platz ein.
Ihr Bruder warf ihr einen raschen Blick zu, dann überbrückte er mit ein paar Schritten die kurze Distanz zum Brenner.
Du hast uns allen sehr geholfen. Wir wissen, dass du es aus den Tiefen deines Herzens getan hast, Schwarzer Dolch.
Er atmete tief ein und stellte sich wieder neben seine Schwester.
Krory stolperte einen Schritt vor. Eigentlich hatte er das würdevoller machen wollen, aber Lavi hatte ihn geschubst. Also nahm er sich die Freiheit und ging auf den Brenner zu.
Du wirst uns allen in bester Erinnerung bleiben. Du warst eine exzellente Exorzistin und eine geliebte Freundin.
Eine kurze Flamme erschien, als sich die Hitze durch das Papier fraß. Als es sich aufgelöst hatte, nahm er seinen Platz wieder ein.
Allen machte einen Schritt. Er musste aufpassen, dass er sich nicht in der Hose verfing. Glücklicherweise erreichte er die Glut ohne peinliche Zwischenfälle und zog den Zettel aus der Hosentasche.
Danke, dass du mich gerettet hast. Ich hab dein Geheimnis bewahrt.
Er ließ die Botschaft über dem kleinen Feuer fallen und schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, verschwand gerade der letzte Rest des Papiers. Er wandte dem Brenner den Rücken zu und stellte sich wieder auf Lavis andere Seite.
Nun blieb nur noch eine Person übrig.
Er näherte sich dem Brenner und holte den Zettel hervor. Bevor er ihn der Glut übergab, hob er ihn kurz an seine Lippen, dann ließ er ihn fallen.
Es sollte eigentlich niemand erfahren, aber dir vertraue ich es an: Er liebt dich, imouto. Ich vermisse dich mehr als du dir vorstellen kannst. Du wirst ewig meine imouto bleiben.
Als sich das Feuer durch das Papier gefressen hatte, kehrte Lavi an seinen Platz zurück.
Als er ihn erreicht hatte, kam auf einmal ein Wind auf, der durchs Feuer fuhr, es zum Flackern brachte und die Papierasche mit sich forttrug. Sie sahen ihr nach, bis sie verschwunden war. Dann legte sich der Wind wieder.
„Glaubt ihr, war sie das?" Marie starrte immer noch in die Ferne.
Komui blickte noch einmal auf die Stelle, wo die Asche verschwunden war. „Wer weiß."
Sie drehten sich um und gingen auf das Stiegenhaus zu. Auf einmal würde die Tür aufgestoßen und River stand vor ihnen. Er atmete schwer und blickte wild um sich. „Abteilungsleiter! Endlich hab ich sie gefunden! Ich habe eine Nachricht von Marschall Yeegar."
„Ist das so dringend?" Komui sah ihn verwundert an.
„Nun… es ist nicht direkt von ihm, sondern von einem Finder, der ihn begleitet hat."
„Hat?" Jetzt war er alarmiert.
„Abteilungsleiter, der Marschall ist… tot."
Ein entsetztes Keuchen ging durch die Gruppe. Ein Marschall?
Komui wandte sich zu den anderen um. „Ihr werdet euch sofort auf eure Zimmer begeben. Alle. Ich rufe euch, wenn wir genaueres wissen."
Die Exorzisten nickten und folgten ihm die Treppe hinunter. Auf dem Weg immer weiter nach unten teilten sie sich auf und machten sich auf den Weg zu ihren jeweiligen Zimmern. Komui und River eilten zu Komuis Arbeitszimmer, wobei River ihn schon auf dem Weg dorthin ins Bild setzte. Im Büro wartete bereits der Bookman, um seines Amtes zu walten. „Damit dürfte der Urlaub ein Ende haben."
Komui nickte nur und machte sich an die Arbeit.
Raffael: Das kommt davon...
Jinai: ...dass man nicht weiß, wie man ein Kapitel anfangen soll. Dann fällt einem eben so ein Schwachsinn ein. Tuts noch weh?
Raffael: Nur die Stellen, wo du zugeschlagen hast.
Jinai: Dann ist ja gut. Du hättest mir ja auch fast einen Zahn ausgeschlagen, da ist das nur fair.
Raffael: *murmelt* Unter fair versteh ich was anderes...
Jinai: Also, wie fandet ihr die einzelnen Sprüche? Und das ganze Kapitel? Und sowieso und überhaupt? Sagt mir einfach, falls euch etwas nicht gefällt. Ich möchte ja auf Verbesserungsvorschläge eingehen können.
Raffael: Liebe tut weh...
Jinai: Hast du was gesagt? Nein? Gut. Also, sorry für die lange Sendepause (is alles ein bisschen hektisch im Moment) und ich versuche, so bald wie möglich das nächste Kapitel hochzuladen. Wir sehen uns ja dann. Stay tuned! -Komm, leg dich in den Schrank, da kannst du dich ein bisschen ausruhen...
Raffael: Nein, lass nur, ich schaff das alleine... *humpelt zum Schrank*
Jinai: Was hat er denn?
