Jinai: Jaaaa........ es waren keine zwei Wochen...

Raffael: Das ist noch eine Untertreibung.

Jinai: Ach, halt die Klappe, es ist ein Weihnachtsgeschenk!

Raffael: Was für eine tolle Ausrede.

Jinai: -zunge zeig- Das hier interessiert sowieso keinen, die lesen alle schon das Kapitel. Also mach deinen Job, damit wir gleich anfangen können.

Rated: T

Disclaimer: Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann. Aber auch das Christkind kann mir leider nicht die Rechte an D-man bringen, die gehören unwiderruflich Katsura Hoshino (und was sie damit gemacht hat: *-*)


Komm zu der Lichtung.

Seaiathan'

Woher wusste der Typ das? Und woher kannte er den Namen? Niemand in unserer Welt kennt ihn.

Was soll diese Nachricht?

Wenigstens wusste er, welche Lichtung gemeint war. Wenn er zwei und zwei zusammenzählte, kam eigentlich nur ein Ort in Frage. Den er seit seiner Rückkehr gemieden hatte wie keinen anderen.

Das Ganze war unheimlich. Die Botschaft, der Spitzname…

Er hatte die Lichtung erreicht. Wie erstarrt blieb er stehen, dann drückte er sich hinter einen Baum. Er wurde erwartet.

Sie glaubte, ein Geräusch gehört zu haben, aber es konnte auch nur der Wind in den kahlen Ästen gewesen sein.

Vorsichtig sah sie sich um und zog ihren Mantel enger um sich. Es war immer noch eiskalt, auch ohne den heftigen Wind. Seit mindestens einer Viertelstunde stand sie hier und wartete, seit sie Jeremy abgesetzt hatte. Vor kurzem hatte sie das Gebrüll vom Hauptquartier gehört.

Hoffentlich geht es ihm gut.

Es war natürlich riskant, ihn alleine zu lassen. Weiß Gott, der Junge war fast so tollpatschig wie Allen. Aber sie konnte nicht… sie musste erst mit ihm reden. Dann erst wäre sie so weit, sich den anderen stellen. Danach konnte sie vermutlich nichts mehr erschüttern.

Fang beim Schwersten an und arbeite dich hoch.

Wieder ein Knacken. Der Wind oder…

Auf einmal ein Rascheln, dann ein dumpfes Geräusch und plötzlich spürte sie, wie sich etwas Eiskaltes gegen ihren Hals drückte.

„Wer bist du?" Kanda stand hinter ihr, Mugen an ihrer Kehle. Er verstärkte seinen Griff.

Um der Klinge zu entgehen, drückte sie den Hals nach hinten. Sie hob ihr Gesicht, wobei ihre Kapuze herunterrutschte.

Einen Moment bewegte sich keiner von beiden, dann verschwand die Klinge. „Chikushou. Schon wieder. Ich wusste, ich hätte nicht hierher kommen sollen." Er ging an ihr vorbei, zurück Richtung Orden.

Verblüfft starrte sie ihm einen Moment lang hinterher, dann riss sie sich zusammen. „Kanda! Warte!"

Er ignorierte sie. Sie lief hinter ihm her, überholte ihn und versperrte ihm den Weg. „Warte bitte!"

Kanda blieb nicht einmal stehen. „Verschwinde. Du bist nicht echt."

Sie blinzelte. Nicht echt… Er glaubt, ich bin nur eine Illusion.

Sie zog ihren Handschuh aus und legte die Hand auf seine Brust, als er genau vor ihr war. „Ist das auch nicht echt?"

Einen Moment starrte er sie ungläubig an, dann wich er zurück. „Wer bist du?"

„Du weißt, wer ich bin."

„Nein. Das weiß ich nicht."

„Willst du etwa wirklich behaupten, dass die letzen drei Monate alle nur in meiner Fantasie passiert sind?"

„Ich weiß nicht, wer du bist, aber die Person, von der du sprichst, ist tot."

Sie senkte den Kopf. „Ach ja, natürlich. Die Hexe ist tot." Sie sah ihn wieder an. „Aber Elaine hat dir den Zettel zugesteckt. ‚Zwei Seelen werden in ihrer Brust wohnen, denn ihrer ist eine eigene, menschliche Seele.' Erinnerst du dich daran?"

„Was soll das?"

„Es stimmt, die Hexe ist tot. Aber was ist mit dem Mädchen? Es waren doch zwei Seelen, eine göttliche und eine menschliche. Welche ist gestorben?"

„Woher soll ich das wissen? Und woher weißt du überhaupt davon? Du hast immer noch nicht gesagt, wer du bist."

„Die Göttin kehrte zurück in den Himmel, um gemeinsam mit den anderen Göttern zu herrschen. Das Mädchen überlebte, weil sich ihre Verwandten nicht an ihre Anweisungen gehalten haben. Ich überlebte."

„Wieso sollte ich das glauben?"

Sie lächelte. Das Lächeln, das er jedes Mal bis auf die Knochen gespürt hatte. „Weil es wahr ist. Ich habe überlebt, aber ohne irgendwelche Kräfte. Ich kann nicht mal mehr einen Tropfen Wasser hochheben. In meiner Welt bin ich offiziell tot. Deswegen gab es keinen Grund mehr, noch länger dort zu bleiben. In aller Heimlichkeit wurde ich hierher geschickt. Auch wenn ich ohne meine Kräfte auch hier nichts mehr ausrichten kann, ich wollte wenigstens richtig stellen, was passiert ist. Du, Lavi, Allen, Linali… und alle anderen… ihr habt doch geglaubt, ich wäre tot, oder?"

Kanda konnte sie nur anstarren. In seinem Verstand herrschte momentan totale Leere. Tabula Rasa.

„Ich dachte, ich könnte euch wenigstens irgendwie helfen, als Finder oder so… Aber dann…", sie senkte den Kopf. Es war ein bisschen viel auf einmal, das wusste sie, aber besser jetzt als nie. „Ich bin jetzt eine Schülerin von Marschall Cross. Als ich hier gelandet bin, habe ich ihn und Jeremy getroffen. Er hatte ein einziges Innocence bei sich. Und es hat auf mich reagiert."

Sie knöpfte ihren Mantel auf und ließ ihn zu Boden fallen. Ihr Gewand war dem, das sie getragen hatte, als sie sie zum ersten Mal getroffen hatten, sehr ähnlich. Eine Pumphose, eine knielanges, seitlich geschlitztes Hemd, oben eng und hochgeschlossen, mit langen Ärmeln. Dazu trug sie wieder diese verdammten Handschuhe und ihre Stiefel. Aber die Farben waren anders. Ihre Hose war zwar noch schwarz, aber das Oberteil war blutrot und mit goldenen Stickereien verziert.

Plötzlich erklang ein Rauschen. Hinter ihrem Rücken entfalteten sich zwei riesenhafte, engelsgleiche Flügel. Egal, wie genau man hinsah, man konnte nie sagen, ob sie gefiedert waren oder ob die Federn aus einem anderen Stoff bestanden; ihre Textur war einfach undefinierbar. Und sie waren blutrot. Sie spannte sie; so waren sie um einen Großteil länger als sie groß war.

„Das ist mein Innocence. Mein echtes Innocence. Die ‚Bloody Wings'. Cross hat echt einen makabren Geschmack, was Namen angeht." Die Flügel verschwanden wieder. „Er hat mich und Jeremy hierher geschickt, weil er gemeint, dass er niemanden gebrauchen kann, der ihm am Rockzipfel hängt. Also hat er uns in einen Zug gesetzt und hierher transportieren lassen."

Jinai hob den Kopf und sah ihn an. Er starrte immer noch auf die Stelle, an der die Flügel gewesen waren.

Hoffentlich hast du nichts kaputt gemacht.

Es war eine echte Erleichterung, ihr sarkastisches Unterbewusstsein wieder zu hören. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie es ihr gefehlt hatte. Wie üblich, war es aufgetaucht, als sie ihre Welt verlassen und diese betreten hatte.

Ich glaube, er verkraftet das. Was jetzt kommt… das wird schwierig.

Einer der Hauptgründe, hierher zurückzukehren, war das zu tun, was ihr ihr Unterbewusstsein die ganze Zeit gepredigt hatte. Sie hatte nicht auf es gehört, und dann war es zu spät gewesen. Aber jetzt hatte sie noch eine Chance. Auch wenn er sie bestimmt verachten würde. „Yuu…"

Er sah wieder zu ihr zurück. „Ich hab dich sterben sehen." Es war das erste Mal, dass er wieder etwas sagte.

Sie senkte wieder den Kopf. „Ich weiß."

„Ich dachte, du wärst tot."

„Ich weiß."

„Ich hatte mich damit abgefunden."

„Ich weiß." Sie wartete darauf, dass er noch etwas sagen würde, aber als er schwieg, fuhr sie mit dem fort, was sie eigentlich sagen wollte. „Ich habe Jeremy vorgeschickt, weil ich zuerst mit dir reden wollte. Erst… wollte ich noch etwas klären, bevor ich den anderen einen Schock versetze, indem ich von den Toten auferstehe."

In den vergangenen Tagen hatte sie diesen Moment wohl hundertmal durchgespielt, aber jetzt, wo er tatsächlich gekommen war, fielen ihr all die wohlüberlegten Worte, an denen sie so lange gefeilt hatte, nicht mehr ein. Ihr Herz schlug so schnell, dass sie sich vorkam wie eine Maus, und ihre Hände zitterten heftig. Doch sie musste etwas sagen, schon allein deswegen, um den ungläubigen Blick aus seinen Augen zu vertreiben, der ihr zeigte, dass er längst noch nicht überzeugt war, dass er nicht träumte. Also sagte sie das erste, das ihr in den Sinn kam.

„Erinnerst du dich noch an Liverpool?" Sie konnte ihm ansehen, dass er wusste, worauf sie hinaus wollte. „Ich habe nicht im Fieber gesprochen, als ich das damals gesagt habe. Und in der einen Nacht auf dem Dach des Hauptquartiers ist mir dann auch klar geworden, warum ich das gesagt habe." Nur zu gut erinnerte sie sich an den Moment, in dem ihr ihre Liebe zu ihm klar geworden war, mit einer Wucht, die der gleichkam, wenn man von einem Rhinozeros umgerannt wurde. Wenn sie ihm ihre Gefühle gestand, dann fing sie am besten dort an.

Jinai senkte den Blick und verschränkte die Finger, um ihre Hände ruhig zu halten. „Mir ist klar geworden, dass, auch wenn ich es für unmöglich gehalten hatte, ich mich verliebt hatte. In dich. Für dich hört sich das vielleicht albern an, aber das ist es, was ich fühle, gleich, ob ich damit alleine dastehe oder nicht. Ich habe so getan, als hätte sich nichts geändert, weil ich weiß, dass du nicht so fühlst, aber dann, als mir klar wurde, wie wenig Zeit mir noch blieb, bis ich zurückkehren konnte, da… da bekam ich Panik, dich nie wieder zu sehen. Ich habe meine Gefühle unterdrückt, zugunsten meiner Pflichten, und mich darauf eingestellt, alle meine Verbindungen mit dieser Welt zu kappen."

Sie bemerkte gar nicht, dass sie weiterredete, oder, wie Kanda darauf reagierte, sie sprudelte einfach nur alles hervor, was ihr seit Monaten auf dem Herzen lag. „Und dann wurde mir durch Zufall das Geschenk gemacht, noch einen kurzen Aufschub zu bekommen, bevor ich das tun musste. Und auch wenn ich wusste –oder glaubte zu wissen- was mir bevorstand, konnte ich nicht anders; ich war glücklich und erleichtert, dass mir noch ein wenig Zeit vergönnt war. Deswegen habe ich dich auch nach Seaiathan mitgenommen, um den letzten Augenblick noch auszukosten, so gut es ging –zumindest den Augenblick, von dem ich dachte, es wäre der letzte. Jetzt, wo ich weiß, wo ich spüre, dass ich weiterleben werde, wollte ich sagen, was mich schon die ganze Zeit geplagt hat, nachdem ich erkannt habe, wie viel Zeit ich damit vergeudet habe, mir unnötige Gedanken zu machen. Gleich, ob du mich jetzt hasst oder verachtest, ich wollte, dass du das weißt, ich wollte dir das sagen, bevor ich nicht mehr die Gelegenheit dazu habe."

Es war ihr egal, dass sie ihr Innerstes vor ihm ausgebreitet hatte, egal, ob er es mit Füßen treten würde, aber sie wollte, dass er wusste, wie es um sie stand. Nun, da das gesagt war, war sie für alles andere gewappnet, das kommen würde. Ihr fiel plötzlich auf, dass Tränen über ihre Wangen rannen; sie konnte sich gar nicht daran erinnern, wann sie angefangen hatte, zu weinen.

Noch immer starrten sie zu Boden und spürte jede einzelne Sekunde, die verging, wie eine Minute, so quälend langsam vorbeiziehend, dass sie sich fragte, ob das diesmal der richtige Vorbote des Todes war. Alles um sie herum schien ihr auf einmal zu grell, um es anzusehen, zu laut, um zuzuhören, zu intensiv, um es zu leben. Nur ihr schneller Herzschlag versicherte ihr, dass der Tod noch auf sich warten ließ und sie nicht langsam in die Unendlichkeit hinüber glitt, wo die Götter sie erwarteten.

Und da sie noch am Leben war, kreisten alle ihre Gedanken einzig und allein um die Frage, was jetzt passieren würde. Was Kanda tun würde.

Jinai zuckte überrascht zusammen, als sie plötzlich warme Finger an ihrem Kinn spürte, die ihr Gesicht hoben; noch überraschter war sie, weiche Lippen auf ihren eigenen vorzufinden. Kandas Lippen.

„Aishiteru", murmelte er, als er sich langsam von ihr löste. „Ich liebe dich."

Dann küsste er sie erneut, genau in dem Moment, in dem sie erstaunt die Augen aufriss. Sie brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, was er gesagt hatte, dann wurde ihr plötzlich vor Glück so heiß, wie es mitten im Winter nur möglich war. Er verachtete sie nicht. Er hasste sie nicht. Er liebte sie.

Instinktiv legte sie die Arme um seinen Nacken, um ihn näher zu ziehen, um ihre Lippen nicht den einzigen Berührungspunkt sein zu lassen. Kanda schlang seine Arme um ihre Mitte und vertiefte den Kuss, den sie gierig erwiderte. Sie war gierig. Sie gierte nach all der verlorenen Zeit, in der sie diese Empfindungen hätten teilen können, nach neuen Empfindungen, die sie noch entdecken würde. Sie war wirklich gierig. Sie wollte alles.

Leider musste sie auf ‚alles' noch ein wenig warten, denn eine weitere Person nutzte diesen Augenblick, um auf der Lichtung zu erscheinen. „Da bist du ja endlich! Weißt du, wie lange ich nach dir gesu…" Lavi verstummte, als er das Bild sah, das sich ihm im Halbdunkeln bot: Der Japaner mit einem wildfremden Mädchen im Arm, von dem er nur den Rücken sehen konnte. Und sie waren beschäftigt. Miteinander.

Verrat!

Es dauerte ein paar Sekunden, bis er realisierte, was gerade passierte; genauso lange, wie Lavis Stimme brauchte, um in ihren Köpfen anzukommen. Er setzte gerade zu einer flammenden Rede mit viel Geschrei und Schimpfwörtern an, als der Kuss langsam beendet wurde und Kanda aufblickte. In dem Moment, in dem Lavi den Mund aufmachte, um loszulegen, drehte sich das Mädchen um.

„Hallo, Nii-chan."

Der Rotschopf stand ein paar Sekunden mit offenem Mund da, dann blinzelte er und wich zurück. „Das kann nicht sein… Du bist tot…"

Jinai nahm die Arme von Kandas Nacken und ging auf ihn zu. Er konnte sie nur entgeistert anstarren und stocksteif dastehen, als sie ihn fest umarmte und ihm zuflüsterte: „Du hast mir damals, im Regen, als wir von dieser Lichtung kamen, und dann, als wir getanzt haben, gesagt, ich solle es ihm sagen. Es tut mir Leid, dass ich nicht auf dich gehört habe. Zwei Mal."

Er riss das Auge auf, das nicht von der Augenklappe verdeckt wurde, als sie das sagte. Nur die echte Jinai konnte davon wissen, denn nur sie hatte diese Worte je von ihm gehört. Auch wenn im Ballsaal hunderte anderer Menschen dabei gewesen waren, keiner hatte es gehört –außerdem, niemand hätte gewusst, wo er ihn finden sollte, schließlich war das eine andere Welt gewesen.

Lavi schnürte ihr fast die Luft ab, als er die Umarmung erwiderte. Fest presste er seine imouto an sich. Er konnte es zwar immer noch nicht ganz fassen, wie sie von den Toten auferstehen hatte können, aber im Moment begnügte er sich mit dem Wissen, dass sie es getan hatte.

Als sie sich langsam von ihm löste, ließ er sie nicht los, sondern hielt sie auf Armlänge von sich fest. „Komm mit, die anderen müssen davon erfahren! Du glaubst gar nicht, wie dich alle hier vermisst haben!"

Er nahm ihre Hand und zog sie hinter sich her, Richtung Turm. Jinai warf einen halb verzweifelten, halb amüsierten Blick zurück zu Kanda, der nur mit den Schultern zuckte und ihnen folgte. Er überließ es Lavi, zu reden und allen anderen die wieder auferstandene Jinai zu präsentieren.

Vor dem Tor wartete, wie versprochen, Jeremy auf sie. Als er Jinai sah, atmete er erleichtert auf. „Gott sei Dank, ich dachte schon, du wärst einfach abgehauen und hättest mich hier alleine zurückgelassen!"

Jinai grinste. „Ich musste noch etwas klären", erwiderte sie mit einem Seitenblick auf Kanda.

Lavi schien ihr Gespräch nicht zu hören. „Lasst uns rein!" brüllte er dem Tor und den davor schwebenden Golems zu, wobei er mit der freien Hand heftig fuchtelte. „Ich hab eine Überraschung für euch!"

Im Überwachungsraum ließ Allen das Headset fallen, während Linali in Tränen ausbrach, als sie sahen, wer neben ihm stand. Anna, Marie, Miranda und Krory hielten vor Schreck den Atem an. „Ist das…?" fragte Marie mit zitternder Stimme.

„Jinai!" rief Linali und rannte zur Tür, gefolgt von Allen und den anderen Exorzisten. Sie ignorierten Komuis Rufe, dass es eine Falle sein könnte, und die aufgebrachten Wissenschaftler, die sie fast umrannten, als sie zum Tor hasteten, das gerade von River geöffnet wurde. Über den Golem hörten sie Komuis entsetzte Proteste, dass das Tor sofort wieder zu schließen sei, aber da waren sie schon draußen. Mit einer Vollbremsung blieben sie stehen, vor lauter Angst, sie könnte sich vor ihren Augen wieder in Luft auflösen, und starrten sie nur stumm an.

Jinai lächelte. „Hallo, Freunde", sagte sie langsam.

Allen entspannte sich, als sein Auge nicht anschlug. Sie war kein Akuma, aber… „Woher wissen wir, dass wir dir trauen können?" fragte er misstrauisch, obwohl die anderen versuchten, ihn zum Schweigen zu bringen. Sie befürchteten immer noch, das Trugbild würde verschwinden.

Sie wusste, dass sie ihr am ehesten glauben würden, dass sie echt war und kein Geist, wenn sie von Dingen sprach, die nur sie wissen konnte. Und wenn sie sie berührte. Also löste sie Lavis Hand von ihrer, trat vor und griff nach Allens. Der Exorzist riss überrascht die Augen auf. „Du hast mein Geheimnis doch bewahrt, oder? Elaine muss nicht mit ungebetenen Besuchern in ihrem neuen Arbeitszimmer rechnen?"

Er brauchte zwei Sekunden, bis er verstanden hatte, wovon sie sprach, dann nickte er feierlich. „Ich habe dir doch versprochen, dass ich niemandem davon erzähle."

Jinai lächelte wieder und blickte zu Linali, der immer noch Tränen über die Wangen rannen. „Bekomme ich jetzt mein Kleid wieder? Du weißt doch, es ist nur geliehen." Die Chinesin begann nur noch heftiger zu weinen und umarmte das ältere Mädchen stürmisch. Jinai strich ihr sanft über den Rücken. „Es tut mir Leid, dass ich dir so viel Kummer bereitet habe. Das sollte ich meiner Freundin nicht antun." Sie blickte die verbliebenen Exorzisten an. „Keinem von euch."

Jetzt konnten auch diese die Tränen nicht mehr zurückhalten, als sie erkannten, dass die Freundin, die sie für tot gehalten und erst heute verabschiedet hatten, noch lebte und zu ihnen zurückgekehrt war.

Da schallte laut und deutlich Komuis Stimme über den Golem. „Seid ihr etwa alle wahnsinnig geworden? Das ist bestimmt eine FALLE! Sie ist tot, das habt ihr doch selbst gesagt, und jetzt kommt sofort da weg, sonst-"

Anna griff einfach nach der flatternden Nervensäge und hielt ihn fest. „Wenn die vier davon überzeugt sind, dass sie das ist, dann ist sie das auch, kapiert? Und wir glauben ihr!"

Marie warf einen scheuen Blick zu Kanda, der die ganze Szene teilnahmslos verfolgt hatte. „Es sind doch alle davon überzeugt, oder?"

Der Japaner sah sie nicht einmal an; sein Blick wich nicht von dem Mädchen, das Linali immer noch umarmte. „Jinai ist zurück", stellte er kurz und knapp fest.

Alle sahen ihn überrascht an. Es war das erste Mal, dass Jinais Name gefallen war, seit sie sie wiedergefunden hatten. Auch Jinai starrte ihn an. Keine Spitznamen?

Schließlich hörte man Komui seufzen. „Dann… kommt rein. Alle."

Plötzlich wurde ihnen bewusst, dass Jinai gar nicht erklärt hatte, wie es kam, dass sie wieder hier war. Das war bestimmt auch die erste Sache, die Komui wissen wollte. Unsicher sahen sie zu dem Mädchen hinüber.

Diese seufzte und straffte den Rücken, nachdem auch Linali sie losgelassen hatte und unsicher ansah. Sie wusste, was sie dachten. „Schon gut. Ich hatte sowieso vor, diesmal absolut ehrlich zu sein. Ich werde alles erzählen."


Raffael: Dunn Dunn Daaaaaa...

Jinai: Das wird auch nicht lustiger, nur weil du es öfters machst.

Raffael: Aber es war gerade so PASSEND.

Jinai: -augenroll- Passend ist subjektiv. -Also, liebe Leser, das ist natürlich noch nicht das Ende, das wäre ja langweilig. Es dauert schon noch ein paar Kapitel -und die kriegt ihr auch bald, ehrlich! Bis dahin frohe Weihnachten, Feliz Navidad, Buon Natale, Merry Christmas und Joeux Noel von uns!